Facciamo un giro

Facciamo un giro

Wir drehen eine Runde! Diese Idee hatten wir schon vor Monaten beim Blick in den Terminkalender, als wir feststellten, dass die Woche nach unserem Workshop in Tirol noch nicht verplant ist. „Wenn wir ausnahmsweise mit dem Auto statt mit dem Zug reisen, könnten wir am Rückweg über Italien fahren und endlich wieder einmal Bella Italia genießen!“ Auf den zweiten Blick stellten wir fest, dass wir am Wochenende davor im Waldviertel SOLO TANGO tanzen und schon tauchte die Frage auf: „Vom Waldviertel 300 Kilometer zurück ins Südburgenland und dann gleich nach Innsbruck?“  Wir sind zwar gerne mit unserem kleinen Fiat unterwegs, aber lange Autofahrten lieben wir gar nicht. Also, dann machen wir gleich eine große, zweiwöchige Tour!

So sind wir an einem strahlend schönen Freitag Richtung Norden aufgebrochen – ausgerüstet mit Arbeits- und Freizeitutensilien und voller Vorfreude auf diese Reise. Von Anfang an war klar, dass wir ab nun Arbeit mit Genießen verbinden und es uns richtig fein machen. So legten wir, im Waldviertel angekommen, eine Mittagsrast am Ottensteiner Stausee ein, bevor wir das letzte Stückchen nach Schrems fuhren. In der GEA Akademie fühlten wir uns schon fast wie zu Hause, so vertraut sind uns die Menschen und die Atmosphäre dort schon. Und wie bei allen vorhergehenden Workshops hatten wir wieder eine total nette Gruppe und ein großartiges SOLO TANGO Wochenende.

Sonntag zu Mittag, nach dem herzlichen Abschied von unseren TeilnehmerInnen, tauschten wir die Tanzschuhe gegen Wanderschuhe und machten uns auf ins Schremser Hochmoor und in die Gegend um Heidenreichstein. Das sanfte Herbstlicht, die bunten Blätter, das saftige Grün und das tiefblaue Wasser der Seen und Teiche zauberten eine Stimmung, die beinahe unwirklich schön war! Wir konnten uns kaum sattsehen und sind immer wieder stehen geblieben, um Neues zu bestaunen.

Am Montag machten wir uns auf den Weg nach Salzburg und ließen uns dabei so richtig treiben. Spontan legten wir in Freistadt einen ersten Stopp ein und bummelten durch die kleine, nette Altstadt. Obwohl das Wetter nicht perfekt war, lockte uns das Salzkammergut. So kam ich erstmals nach Gmunden und war sofort begeistert! Der See, die prachtvollen alten Häuser an der Uferpromenade, der Blick auf die Berge! Noch heute hat Gmunden das Flair früherer Tage, als es ein Tummelplatz für SommerfrischlerInnen war. Zum Beispiel in der Conditorei Grellinger am Franz-Josef-Platz, die schon seit 1888 besteht. Beim Blick in das Gästebuch zeigt sich, dass hier nicht nur zu „Kaisers Zeiten“ alles, was Rang und Namen hatte, ein- und ausging und so wurde  K&K im Salzkammergut kurzerhand uminterpretiert in Künstler&Kaiser. Ob die Törtchen damals auch schon so köstlich waren, weiß ich nicht, aber unsere Kaffeepause war der reinste Genuss! Als wir die Conditorei verließen, blitze die Sonne hervor und wir beschlossen, nicht zurück auf die Autobahn zu fahren, sondern auf kleinen Straßen weiter durch das Salzkammergut zu reisen. Unser Cinquecento kletterte die Bergstraße hinauf und schien wie wir von dem Panorama, das sich plötzlich auftat, angetan! Über den Attersee und den Mondsee – mit dem Mond über dem See! – ging es dann am Abend nach Salzburg.

In Salzburg machten wir uns zu Fuß auf den Weg (unser Fiat hat sich eine Pause verdient!), um die Stadt zu erkunden. Wir schlenderten einfach durch die Gassen der Altstadt, ohne Plan und ohne Ziel, machten hier und dort Entdeckungen, zum Beispiel eine Hackbrett spielende Straßenkünstlerin nahe dem Dom, fanden uns plötzlich im Park des Schlosses Mirabell wieder, bestiegen anschließend den Festungsberg und spazierten zum Mönchsberg … inmitten von Tausenden TouristInnen und dennoch allein!

Dann war wieder die Arbeit an der Reihe! Auf der Suche nach einer Kooperation in Süddeutschland sind wir auf ein Seminarhotel nahe dem Chiemsee aufmerksam geworden und haben mit der Geschäftsführerin einen Termin vereinbart. Wir besichtigten das Haus und besprachen eine mögliche Zusammenarbeit. Dann fuhren wir zum See und nach einem köstlichen Mittagessen im Haus am See in Chieming tauschten wir unseren roten Fiat gegen ein blitzblaues Elektroboot und machten eine Spazierfahrt. Ehrlich, so schön kitschig ist es selten!

Am nächsten Tag ging es bei Kaiserwetter nach Tirol zu einer anderen K&K Audienz – der Anblick der beiden Bergmassive des Zahmen und Wilden Kaisers war tatsächlich majestätisch. Auf einer Mautstraße fuhren wir auf die 1000 Meter hoch gelegene Griesneralm direkt an der Nordwand des Wilden Kaisers. Unser Cinquecento blieb dort zurück und wir machten uns auf zu einer Bergtour. Und dieser Tag war so wunderschön, dass ich gar keine Worte finde und einfach die Bilder sprechen lasse:

Ab Freitag war wieder Tanzen angesagt – bei unserem ersten Workshop in Tirol, der ganz unter dem Motto klein und fein stand. Das Seminarhaus Zeit&Raum, mitten im Dorf Mieders, wurde behutsam und stimmig in ein 400 Jahre altes Bauernhaus integriert, hell und freundlich, mit viel Holz, einer angenehmen Atmosphäre und umgeben von einer prachtvollen Bergkulisse.
Klein und ganz besonders war aber auch die Gruppe der Teilnehmerinnen, die sich durch gemeinsame Botanikkurse  bei Anima Miedler gut kannten.  Sie hat nicht nur dieses Wochenende für uns organisiert, sondern die Gruppe mit feinem Gespür begleitet und einen harmonischen Rahmen bereitet. Ein ganz spezielles Tangowochenende!

Nach getaner Arbeit war es dann soweit – auf nach Bella Italia! In Bozen machten wir den ersten Stopp, fuhren weiter nach Trento und durch das Val Sugana nach Valdobbiadene, wo der Prosecco gedeiht. Und vom ersten Moment an waren wir mittendrin in all dem, was wir an Italien so lieben: In Valdobbiadene war Markttag, ein buntes Treiben auf der Piazza und in der kleinen Osteria, in der die Menschen nach dem Einkaufsbummel ein Glas Prosecco tranken und wir eine Mittagsjause einnahmen. Laut und fröhlich war die Stimmung und das Essen köstlich! Dann kurvten wir auf kleinen Straßen umher, um ein Agriturismo zu finden, parkten unseren Cinquecento vor dem Weingut, in dem wir uns einquartierten und machten uns auf zu einer ersten Erkundungsrunde. Am nächsten Morgen marschierten wir wieder los, ohne Landkarte und ohne Markierungen, suchten den Weg durch die Rebzeilen, Hügel auf und Hügel ab, kamen genau zur Mittagszeit an einer Osteria vorbei, in der wir uns stärkten, lagerten uns zur Siesta in einem der Weingärten und beschlossen die Runde mit einem Glas Prosecco bei der Ankunft in „unserem“ Weingut. Da fehlte nur noch eines: ein köstliches Abendessen in einem netten Ristorante! Perfetto!

Langsam nahte das Ende unsere Rundreise und auf einmal war sie da, die freche Idee, als krönenden Schlusspunkt nach Venedig zu reisen. Unser Cinquecento blieb am Dach des Parkhauses zurück und hatte so zumindest eine schöne Aussicht. Wir machten uns zu Fuß auf den Weg und fanden schnell ein nettes, kleines Hotel, bevor wir mit unserem Streifzug durch das Labyrinth der Gässchen und Brücken begannen. Bald machten wir in einer Bar die erste Pause für ein Häppchen – eine Riesenauswahl an Köstlichkeiten machte die Entscheidung nicht einfach! – und ein erstes Glas Wein. Dann gingen wir weiter Richtung Rialtobrücke, entdeckten im Luxuseinkaufstempel eines alten Palazzos den Zugang zu einer Dachterrasse, standen über den Dächern von Venedig und staunten! Während dieser ersten Stunden in der Stadt wussten wir zeitweise gar nicht, ob das denn nun die Wirklichkeit oder ein Traum ist, wir waren wie verzaubert! Je näher wir dem Markusplatz kamen, umso dichter wurde das Gedränge – waren wir in Salzburg noch inmitten von Tausenden TouristInnen unterwegs, so waren es hier wohl Zehntausende. Aber auch das hatte seinen Reiz: sich einfach in die Menge fallen zu lassen, die Menschen zu beobachten, irgendwie doch mit ihnen verbunden, aber eigentlich ganz für uns zu sein. Auf dem ganzen Weg durch die Stadt begleitete uns auch der Tango – immer wieder tauchte ein Werbeplakat für Tango auf, und zur Livemusik vor dem berühmten Cafe Florian am Markusplatz tanzten wir sogar ein paar Schritte. Am Abend dann war es ruhig in der Stadt, Venedig gehörte wieder den VenezianerInnen – ja, die gibt es! – und den wenigen Gästen, die wie wir hier übernachteten und diese besondere Atmosphäre der ruhigen Kanäle, des Lichts in den Gässchen und auf den kleinen Plätzen, und natürlich das köstliche Essen in einer kleinen Osteria schätzen.

Unglaublich, was wir in diesen zwei Wochen gesehen und erlebt haben! So ist dieser Beitrag viel länger geworden als alle anderen, aber was hätte ich auslassen, wovon hätte ich nicht erzählen sollen?  Und ehrlich, ich habe nicht übertrieben, es war wirklich so traumhaft! Immer wieder haben wir festgestellt, wie wunderschön es gerade ist, wie fein wir es haben, wie dankbar und glücklich wir sind!
Era un giro grandissimo e bellissimo!

Sigrid

 

Alles zu seiner Zeit!

Alles zu seiner Zeit!

Wanderurlaub in Österreich – wir sind wirklich in die Jahre gekommen! In unseren 30ern hatte diese Art von Urlaub keinen Reiz für uns! Da liebten wir die Toskana und bereisten sie so oft es ging, manchmal auch nur für ein verlängertes Wochenende.

Eine Reise in diese Kulturlandschaft war jedes Mal prall gefüllt mit dem Erleben von Kunst- und Kulturschätzen, großartigen Bauwerken, der Kulturlandschaft mit Wein- und Olivengärten, der kleinen Orte und prächtigen Städte mit ihren Häusern und Palazzi im goldenen Schnitt. Damals war Slow Travel noch kein Begriff für uns – ohne nachzudenken nahmen wir die 800 km Anreise mit dem Auto hin, und zu unserer Lieblingsbeschäftigung vor Ort gehörten die Spazierfahrten auf kleinen Nebenstraßen, auf denen wir das Land entdeckten. Auch über sozio-historische Fragen machten wir uns damals noch keine Gedanken, als ob diese großartigen Bauwerke losgelöst von gesellschaftlichen Strukturen ihrer Zeit hätten entstehen können – unabhängig von reichen Adelsfamilien und der mächtigen Kirche, die die Menschen als Untertanen und billige Arbeitskräfte instrumentalisierten. Unser Blick galt der Schönheit und war dennoch nicht nur oberflächlich. Er galt zwar noch nicht einer kritischen Reflexion, aber er führte zu einem Verstehen von diesem italienischen Lebensgefühl des Genießens. Genussvolles Essen und Trinken, nicht in Form einer Nobelküche, sondern der einfachen Küche der Toskana, die mit wenigen, aber hochwertigen Zutaten auskommt und daraus je nach Jahreszeit Köstlichkeiten zaubert. Bis heute hat das Essen auf unseren Reisen einen zentralen Stellenwert und das verdanken wir mit Sicherheit jenen Reisen in die Toskana.

Nachdem wir unser Bauernhaus hier im Südburgenland gekauft hatten, gab es einige Jahre lang wenige bis gar keine Urlaube. Als Zeit und Finanzen das Reisen wieder möglich machten, hatte sich auch unser Reiseverhalten geändert. Da wir jetzt am Land lebten zog es uns in die Stadt! Eine Woche Paris, eine Woche Berlin, einige Tage in Amsterdam – Städtereisen faszinierten uns! Und wir entdeckten das Reisen mit der Bahn, genauer gesagt mit dem Nachtzug. Vor Ort lernten wir das Flanieren, das Sich- treiben-lassen als kostbaren Zeitvertreib. Die Besichtigung der Bauwerke war nicht mehr so spannend (wenn du einmal über die Hintergründe nachzudenken beginnst, dann kannst du sie auch nicht mehr ausblenden!). In jeder Stadt fanden wir unzählige Möglichkeiten wann, wo und wie wir gut essen konnten: ein Häppchen beim Marktbummel am Vormittag, ein kleines Mittagessen im Bistro, Leckereien in der Patisserie, ein Aperitif in einer Bar, ein köstliches Abendessen – wir schlemmten uns durch die Küchen der Welt! Wunderbar! Und wir gingen auf Wanderschaft! Wir erwanderten ganze Stadtviertel, gingen von einem Ort an den nächsten und erlebten so auch die weniger touristischen Straßen und Plätze, das Alltagsleben der Menschen, die versteckten und unbekannten Ecken und machten dabei manche unerwartete Entdeckung. Immer seltener nahmen wir einen Reiseführer zur Hand, sondern kamen auf unseren Wanderungen durch die Städte einfach so an dem, was „man gesehen haben muss“ vorbei.

Wie in der Zeit, als wir unser Haus renoviert haben, waren auch die letzten Jahre eine Zeit ohne Urlaube – aber diesmal dennoch eine Zeit des Reisens. Unsere Reisen mit dem Tango – für die Straßenkunst oder einen Workshop – ließen uns viel herumkommen und immer wieder konnten wir dabei „so nebenbei“ eine Stadt erleben, einen Gipfel besteigen, einen Landstrich entdecken. Aber es war nie Urlaub im Sinne einer arbeitsfreien Zeitspanne, in der der Alltag zurückbleiben kann. Dies konnten wir nun wieder einmal erleben und wir knüpften dabei direkt an unsere Urlaubserfahrungen der früheren Jahrzehnte an – aus unseren Wanderungen durch die Städte wurde das Wandern in der Natur, aus dem Tramezzino in der Bar die Jause auf der Alm! Ein Wanderurlaub in den Alpen war genau das Richtige, um abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen! Mit jedem Schritt, mit jedem Blick in die Bergwelt, an jedem Gebirgsbach und auf jedem Gipfel bin ich ein Stück mehr zur Ruhe gekommen und bei mir angekommen. Ich musste meine Gedanken an die Arbeit nicht bei Seite schieben – sie waren einfach nicht da! Ich liebe den Tango, aber er ist mir tagelang nicht in den Sinn gekommen und, ehrlich, er ist mir auch nicht abgegangen. Und jetzt, wieder daheim, erfreue ich mich an den Klängen der Tangomusik, genieße ich das Tanzen, gelingt der Neustart in den Arbeitsalltag wie von selbst. Aber die Bilder der Berge, die Klänge des Gebirgsbaches und die Gerüche der köstlichen Jause auf der Alm sind noch präsent. Und diese Mischung hat etwas ganz Besonderes, ich nenne es einfach Lebensfreude oder, wie damals in der Toskana: La dolce vita!

Sigrid

 

Ich bin dann mal FAST weg!

Ich bin dann mal FAST weg!

Wie so vieles hat sich auch das Reisen in den letzten 25 Jahren sehr verändert. Keine Sorge, es folgt jetzt keine Lobeshymne auf die gute alte Zeit. Ich bin keine, die die Vergangenheit glorifiziert, aber ich denke gerne darüber nach, was gesellschaftliche Veränderungen mit uns machen und wie sich die technischen Veränderungen auch auf die persönlichen Erfahrungen einer Reise auswirken. Nehmen wir als Beispiel die dreiwöchige Reise per Rad durch Portugal, die Andrea und ich vor genau 25 Jahren gemacht haben:

Wir sind mit unseren Rädern in Graz ins Flugzeug gestiegen und im Pauschalurlaubsparadies Faro gelandet. Vom Flughafen sind wir losgeradelt, erst an die südwestliche Spitze Europas, nach Sagres, wo wir einige Tage auf einem Campingplatz waren. Dann ging es mit dem Zug nach Porto, um von dort 10 Tage lang mit dem Rad nach Lissabon zu fahren. Meist haben wir wild campiert und die Route mit Hilfe einer Landkarte zusammengestellt. Kein Navi, kein Routenplaner, kein App für … – wir sind einfach so drauf losgefahren. Unsere Familien wussten nicht, wo wir gerade sind, wir waren nicht per Handy, Skype, Social Media oder Mail erreichbar – wir waren einfach weg! Auf uns allein gestellt, mussten wir mit so manchen ungeplanten Wendungen und unerfreulichen Überraschungen wie etwa der Tatsache, dass man ein Fahrrad in portugiesischen Nachtzügen nur am Abfahrtsbahnhof und nicht bei Zwischenhalten verladen kann, zurechtkommen – ohne schnell zu googeln, welche Alternativen sich nun anbieten. War dies besser oder schlechter als heute? Weder noch, es war anders! Und es hat bewirkt, dass wir viele neue Erfahrungen machten und ein Trainingscamp puncto Selbständigkeit absolvierten. Wäre uns etwas zugestoßen, hätte uns niemand gleich gesucht. War es damals weniger gefährlich als heute? Auf jeden Fall war das Sicherheitsbedürfnis der Gesellschaft nicht so medial hochgeschaukelt wie heute. Unsere Familien wussten nur, wann wir wieder am Flughafen Graz ankommen und sie uns bitte abholen sollten. Gegen Ende dieser dreiwöchigen Reise ist uns am Campingplatz in Lissabon eine deutschsprachige Tageszeitung in die Hände gefallen und wir haben uns wieder eingeklinkt in die reale Welt(politik). Dazwischen waren wir einfach mal weg …

Vor knapp vier Jahren waren wir, wie viele von euch ja wissen, für drei Monate in Buenos Aires. Auch da haben wir uns im Vergleich zu anderen Reisenden noch geweigert, ein Handy mitzunehmen oder auf Facebook zu gehen und immer erreichbar zu sein. Aber wir hatten das Notebook im Reisegepäck. Die Anfänge dieses Blogs sind dort entstanden in Form unserer Mails aus Buenos Aires, die wir zweimal wöchentlich an ca. 30 Personen verschickt haben. Unsere Freundinnen und Freunde sowie unsere Brüder haben gelegentlich auf diese Mails geantwortet und uns so über Ereignisse zu Hause am Laufenden gehalten und zu Weihnachten haben wir von einer öffentlichen Telefonzelle aus unsere Eltern angerufen. Wir waren also nicht mehr ganz verschwunden, aber wir haben uns ganz bewusst so weit wie möglich ausgeklinkt – im wahrsten Sinne des Wortes meilenweit entfernt von dem Leben, das wir bis dahin geführt hatten und sehr auf uns konzentriert in dieser Zeit, in der wir die Weichen für die Verwirklichung unseres Traumes gestellt haben. Zurückgekehrt sind wir mit der Entscheidung, diesem Traum zu folgen – den Tango und die Straßenkunst zu unserem Beruf zu machen.

Warum erzähle ich gerade heute diese beiden Beispiele aus der Vergangenheit? Warum denke ich nach über die heutige Art zu reisen – mit Handy, Notebook, Navi und Apps? Nun, wie Andrea schon in einem Blogartikel im Juni berichtet hat, ist ihr Bruder Sepp gerade zu Fuß unterwegs nach Irland. THELONGWALKHOME ist für ihn und seinen irischen Freund Eammon mehr als eine persönliche Reise. Es geht den beiden nicht nur um die Erfahrung einer Wanderreise quer durch Europa, sondern sie sammeln auch Spenden für die Demenzforschung. Und dies ist nur möglich, wenn sie nicht ganz weg sind, sondern in einem Blog von ihren Erfahrungen berichten, wir alle mit verfolgen können, wo sie gerade sind und wie es ihnen geht, wenn diverse Medien auf sie aufmerksam werden und sowohl englischsprachige als auch österreichische Radiostationen ein Telefoninterview bringen … . Ich frage mich seit Wochen, wie es den beiden wohl damit geht – in so einer Ausnahmesituation, die eine dreimonatige Wanderschaft zweifelsohne ist, doch nicht ganz weg und für sich zu sein. Wie wäre die Reise für sie, wenn sie nicht medial verlinkt und durch all diese Kommunikationsmedien mit ihren Lieben zu Hause und einer gar nicht so kleinen Öffentlichkeit verlinkt wären? Ich weiß, diese Frage ist sinnlos, denn sie haben sich eben für diese Form des Reisens entschieden und – wie Heini Staudinger sagt – das Leben kennt keine Generalprobe! Aber ich bin mir sicher, dass ihre Reise ganz anders verlaufen wäre, hätte sie vor 25 Jahren stattgefunden oder hätten sie sich entschieden, so zu reisen wie damals.

Ich neige dazu, dem Reisen ohne oder mit minimaler Nutzung der Kommunikationsmedien den Vorzug zu geben, weil ich glaube, dass es gut tut, mal GANZ weg zu sein – allein mit sich selbst und der Reisegefährtin bzw. dem Reisegefährten, ohne Ablenkungen von außen, ganz im Hier und Jetzt. Aber dafür brauche ich nicht die Vergangenheit zu verherrlichen, ich muss nur wissen, was ich will und mich zwischen der einen und der anderen Form des Reisens entscheiden. Zugegeben, manchmal ist das gar nicht so ganz einfach. Aber es lohnt sich, darüber nachzudenken, oder?

Sigrid

 

PS: Wir folgen ab heute der italienischen Tradition des Ferragosta – bis Ende August werden wir die meiste Zeit FAST und dann auch mal GANZ weg sein – ein paar Tage in den Bergen. Daher gibt es in dieser Zeit auch keinen neuen Blogartikel!

 

Wasser, Wald und Wackelsteine

Wasser, Wald und Wackelsteine

Ja, vor zwei Monaten haben wir es kaum gekannt, das Waldviertel, und nun sind wir – wie es ausschaut auf längere Zeit – alle drei Monate dort. Wir hatten von 3. – 5. Juli wieder einen Workshop in der GEA-Akademie, und die Zusammenarbeit ist für sie und für uns so fruchtbringend, dass wir nicht nur im Oktober das nächste Mal in Schrems sein werden, sondern für 2018 schon 4 Workshops geplant haben. Wir freuen uns riesig!

Diesmal hatten wir also Waldviertel im Sommer: ziemlich heiß tagsüber, Gewitter, angenehm kühle Abende, blühende Kartoffelfelder, abblühende Mohnfelder, Getreide, das noch Zeit braucht, und natürlich Wald, Wald, Wald, und eingebettet in diese Landschaft unzählige kleine Seen und Teiche, die um diese Zeit zu einem Sprung ins kühle Nass einladen.

Im Anschluss an unseren Workshop führte uns unsere Entdeckungstour diesmal in die berühmte Blockheide, einen 120 Hektar großen Naturpark. Zwischen Schrems und der Grenzstadt Gmünd gelegen, gibt es mehrere “Eingänge“ in diese prototypische Waldviertler Landschaft. Wir starteten vom Gmünder Stadtteil Grillenstein aus und bald lagen sie vor uns, die ersten Granitblöcke. Groß, mächtig und schön laden sie sofort dazu ein, sie von allen Seiten zu betrachten, sich durchzuzwängen oder hinauf zu klettern. In einer mit Rotföhren, Birken und Heidekraut bedeckten Heidelandschaft liegen Dutzende riesige Granitblöcke verstreut, gerade so, als wären sie in einer gewaltigen Kanonade hierhergeworfen worden, heißt es im Waldviertler Reiseführer des Falter Verlages. Viele Sagen sind ob dieser mystischen Landschaft entstanden, in denen von Teufels-, Riesen- oder Hexeninterventionen berichtet wird. Aber wie sind sie wirklich dorthin gekommen, die Riesengranittürme, Wackelsteine, unförmigen Quader oder Riesenbrotlaibe? Der Granit ist ein sehr altes Tiefengestein, und laut oben genanntem Reiseführer bildete er einst das Fundament eines hier aufragenden Gebirges. Im Laufe von Jahrmillionen wurden die über dem Granit liegenden Gesteine abgetragen und die heute sichtbaren Granitskulpturen freigelegt. Auch die Wackelsteine sind auf diese Art und Weise entstanden: Hier trennte der Zahn der Verwitterung den oben liegenden Block vom Untergrund eben fast vollständig ab; der Teufel war dabei garantiert nicht im Spiel.

Wir streiften also durch diese Landschaft, ein großes Wegenetz wurde angelegt, und ließen uns immer wieder verzaubern von den plötzlich aufragenden Gesteinsriesen. Manchen hat man auch Namen gegeben, aber lustiger finde ich es, der eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen. Mit Moos bewachsen, umgeben von Birken oder Föhren, eine Lichtung nebenan – eine Zeitreise zurück in die Zeit der KeltInnen fällt nicht schwer. Vor allem wenn man sich von Schutzhaus und Aussichtsturm weiter entfernt hat, und plötzlich feststellt, dass frau nun alleine (zu zweit) unterwegs ist. Und wenn dann noch die Mondteiche auftauchen, voll mit in Knospen stehenden oder bereits aufgeblühten Seerosen, möchten wir wirklich bleiben, bis der Mond aufgeht. Die Göttin ehren wir auf jeden Fall für das Geschenk dieser Landschaft, auch wenn uns Hunger und ein herannahendes Gewitter weitertreiben.

Für Stärkung unterwegs ist um diese Jahreszeit gesorgt – die Heidelbeeren sind reif. Wir kommen an einer Stelle vorbei, wo es so viele gibt, dass man im Nu eine Hand voll davon hat. Wir lassen eine Hand nach der anderen in unseren Mund wandern bis dieser blau gefärbt ist wie in Kindertagen. Langsam nähern wir uns wieder dem Schutzhaus, somit auch anderen Menschen und schließlich der Zivilisation, und tauchen auf, aus einer, wie es uns vorkommt, anderen Welt. Das Gute an der Zivilisation ist, dass es Gasthäuser gibt, und so genießen wir zum Ausklang dieses schönen Tages am Hauptplatz von Gmünd im Gasthaus Hopferl eine deftige Waldviertler Jause und beobachten gelassen das heraufziehende Gewitter. Morgen geht’s heimwärts, aber wir freuen uns aufs Wiederkommen!

Andrea

 

Verwendete Literatur:

Das Waldviertel, Reiseführer, Falter Verlag

 

 

Zu Fuß nach Irland

Zu Fuß nach Irland

Diese verrückte Idee wird gerade in die Tat umgesetzt. Mein Bruder Sepp und sein irischer Freund Eamonn Donnelly, mit dem er unter anderem in der irischen Band BOXTY musiziert, sind seit vorgestern unterwegs. Eamonn, der seit 27 Jahren in Österreich lebt, kommt aus Keady, das liegt in der Grafschaft Armagh in Nordirland. Dieser Ort ist das Ziel der knapp dreimonatigen Tour der beiden, die für Eamonn THE LONG WALK HOME bedeutet. Über die österreichischen Alpen, Süddeutschland, Nordfrankreich, Südengland und Irland werden sie an die 2.200 km zu Fuß zurücklegen.

Die Idee zu dieser Tour wurde vor drei Jahren geboren und der anfängliche Traum entwickelte sich mit Überlegungen für eine Umsetzung in ein konkretes Projekt. Vor ca. 2 Jahren begannen schon die Vorbereitungen dafür: mehrtägige Wanderungen, Ausrüstung erproben, campieren in freier Natur, Etappenplanung, …. Vor ungefähr einem Jahr haben die beiden uns hier im Südburgenland besucht, sie marschierten von Graz hierher ins Dreiländereck und wieder retour, hatten Hitze und Gewitter zu überstehen – eine erste Probe. Mein Bruder hat uns bei dieser und bei anderen Gelegenheiten in letzter Zeit immer wieder stolz seine neuesten Errungenschaften bezüglich Ausrüstung präsentiert: einen zusammenklappbaren, kleinen Ofen; eine Hängematte, die man so klein zusammenrollen kann, dass sie nicht mehr Platz braucht als ein Jausenbrot; eine Solarpaneel, das man hinten am Rucksack befestigen kann, um damit das Tablet aufzuladen; … und alles natürlich extraextraleicht. Ihr Rucksack sollte nicht viel mehr als 10 kg wiegen. Ich glaube, sie haben diese Grenze letztendlich nicht überschritten und bald wird sich herausgestellt haben, ob das, was sie im Gepäck haben, das Richtige ist. Trotz dieser Beschränkungen hat Sepp seine Mundharmonika und Eamonn ein paar Flöten dabei, denn drei Monate nicht zu musizieren, ist für die beiden wohl nicht vorstellbar. Und es werden ja einige Pubs auf ihrem Weg liegen.

Nun sind sie den dritten Tag unterwegs, Sepp eigentlich schon den vierten Tag, denn er ließ es sich nicht nehmen, auch von seiner Haustür loszugehen. So marschierte er schon am Samstag vom Rastbühel bei Graz nach Hitzendorf, wo Eamonn zuhause ist. Sein Weg führte durch Graz, wir hatten genau zu dieser Zeit Auftritte in der Grazer Innenstadt, und so konnten wir ihn am Grazer Hauptplatz verabschieden. Es war irgendwie eine skurrile Szene, wir in unseren Auftrittskostümen, er mit Wanderstab und Hut, als wir ihm nachwinkten, als er durch die Murgasse weitermarschierte auf dem Weg nach Irland. Wir schickten ihm jedenfalls die besten Wünsche hinterher.

Wie es ihnen so ergeht auf ihrer langen Wanderung können wir ja mit verfolgen, da sie in einem Blog von ihren Erlebnissen berichten. So haben wir erfahren, dass Eamonn gleich am ersten Tag in ein Wespennest geraten und mit hunderten von Wespen zu kämpfen hatte, und dass der anstrengende und schweißtreibende Anstieg zum Alten Almhaus am Gaberl mit einer geschlossenen Hütte belohnt wurde. Aber bereits am zweiten Tag wurde ihnen von einem älteren Ehepaar in deren Gartenhütte ein Nachtquartier angeboten, und nicht nur das, sondern auch Bier, Dusche und Frühstück. Es lebe die Gastfreundschaft! Wir dürfen also gespannt sein auf ihr „Reisetagebuch“!

Außerdem machen sie aus diesem Weitwandern auch gleich eine Benefiz-Veranstaltung, indem sie Geld für Demenzforschung sammeln, da Eammons Mutter vor ein paar Jahren an einer aggressiven Form dieser Krankheit starb. Mehr über diese Hintergrundmotive und wie gesagt ihre Erlebnisberichte gibt es unter folgendem link zu lesen, und spenden kann man hier natürlich auch:

THE LONG WALK HOME

Mögen sich die Wege vor euren Füßen ebnen,
möget ihr den Wind im Rücken haben,
möge die Sonne warm eure Gesichter bescheinen,
möget ihr in euren Herzen dankbar bewahren
die kostbaren Erinnerungen …
Das wünsche ich euch.
                                            (altirischer Segenswunsch)

Andrea

Die Tugend der Neugierde

Die Tugend der Neugierde

Katzen gelten als neugierige Tiere. Ihnen wird diese Eigenschaft quasi als naturgegeben zuerkannt. Bei uns Menschen sieht es da ganz anders aus: „Sei nicht so neugierig!“, haben wir als Kinder oft zu hören bekommen, und zu einer guten Erziehung gehörte es, das Laster der Neugierde auszurotten. Warum eigentlich? Ist sie nicht eher eine Tugend, die uns im Leben weiterkommen lässt?

Da ist erstens einmal das Reisen, das ohne einer gehörigen Portion Neugierde undenkbar wäre. Die berühmten Reisenden früherer Jahrhunderte haben enorme Strapazen auf sich genommen, um großartige Entdeckungen zu machen und davon zu berichten. Vieles, das heute zum selbstverständlichen Grundwissen unserer Zeit gehört, verdanken wir der Tatsache, dass diese Frauen und Männer ihrer Neugierde gefolgt sind. Heute ist das Reisen viel einfacher geworden und manchmal fehlt es dabei leider auch an dieser Lust auf das Neue. Vielfach erinnert das Reiseverhalten eher an ein Konsumieren von Sehenswürdigkeiten, an das Abhacken einer imaginären TO SEE LIST oder an eine Flucht aus dem Alltag mit der Hoffnung, im Urlaubsparadies alles möglichst so wie zu Hause, nur ohne Arbeitsalltag, vorzufinden. Neugierige Menschen geben sich damit nicht zufrieden und reisen auch heute noch wie jene EntdeckerInnen von damals. Sie reisen langsam, wollen Land und Leute wirklich kennenlernen und gehen abseits der üblichen Wege. Sie schauen genau hin und folgen den versteckten Aufforderungen zum Neugierigsein – wie zum Beispiel jene kleinen „Gucklöcher“ in Istrien, die den Blick frei gaben auf das, was als Panorama vor uns lag: mit einem Mal, wussten wir, welcher Gipfel der Triglav ist und welches Dorf da so malerisch auf der Bergkuppe thront!

Für neugierige Reisende passt auch jener Rat, den der Dalai Lama in einer Sammlung von „Tipps für ein glückliches Leben im neuen Jahrtausend“ gegeben hat: „Begib dich einmal im Jahr an einen Ort, an dem du noch nie gewesen bist!“ Ich denke oft an diesen Satz, denn er lässt so viele Möglichkeiten offen: niemand muss einen Langstreckenflug buchen, um sich an solch einen Ort zu begeben, man muss nicht weit reisen und auch nicht viel Geld ausgeben, sondern man braucht nur die Tugend der Neugierde und schon kann es losgehen. Für uns ist es im Moment ja wirklich leicht, diesem Rat zu folgen, da uns unser Workshop Solo Tango an viele Orte bringt, an denen wir noch nie gewesen sind. Wir müssen uns also nur die Zeit und die Muße nehmen, neben der Arbeit auch auf Entdeckungsreise zu gehen. Aber wie ihr wisst, fällt uns das nicht schwer!

Ein zweites Feld, in dem die Tugend der Neugierde Wunderbares zum Vorschein bringen kann, ist all das, von dem wir meinen, es längst zu kennen: Die Gegend, in der wir wohnen, die Stadt, in der wir aufgewachsen sind, die Menschen, die wir lieben, … . Ich staune immer wieder darüber, welch unerwartete Entdeckungen möglich sind, wenn es mir gelingt, offen und neugierig zu bleiben! All das, was auf den ersten Blick so vertraut wirkt, birgt immer wieder Überraschungen. Wenn die Neugierde das selbstgefällige Gefühl, bereits alles zu wissen und zu kennen, besiegt, wird es im Leben erst so richtig spannend.

Und da ist noch etwas, das in letzter Zeit meine Neugierde geweckt hat: Begegnungen mit Menschen! Auch in meinem früheren Beruf als Lehrerin hatte ich täglich mit Menschen zu tun. Ich schätzte diesen Teil meiner Arbeit, aber es war durch die Rahmenbedingungen unseres Schulsystems auch jener Teil, der oft sehr belastend war und den Arbeitsalltag erschwerte. Nun hatte ich einige Jahre lang einen heilenden Abstand zu Menschen. Nicht, dass ich zur Einsiedlerin geworden wäre, aber die Monate, in denen wir unsere Projekte geplant und unsere Selbständigkeit aufgebaut haben, waren nicht so intensiv von Kontakten geprägt. Jetzt läuft unser Workshop Solo Tango so richtig gut und er schenkt uns wunderbare Begegnungen. Es sind äußerst interessante Menschen, die wir da kennenlernen und mit denen sich neben dem gemeinsamen Tanzen auch tolle Gespräche ergeben. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen, manche sind jünger, viele älter als wir, sie sind bereit, sich auf Neues einzulassen und uns ein Stück an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Mit unserer Geschichte, vor allem der Tatsache, dass wir als Lehrerinnen gekündigt haben, um unserem Traum zu folgen, wecken wir wiederum ihre Neugierde. Und so ist es ein Geben und Nehmen mit Worten, mit Gesten und im Tanz. Jedes Mal, wenn wir uns wieder aufmachen, um auf Reisen zu gehen und einen Workshop zu halten, wird meine Neugierde geweckt. Und jedes Mal bin ich bereichert, reich beschenkt, wieder nach Hause gefahren.

Also, vergessen wir endgültig unsere gute Erziehung! Es lebe die Tugend der Neugierde!

Sigrid

 

Klein und fein …

Klein und fein …

Istrien – da tauchen all die Bilder in uns auf, die wir mit „Urlaub“ verbinden – traumhafte Küsten, malerische Städtchen, verträumte Gassen, grünes Hinterland, … Meist ist es der weit größere, kroatische Teil der Halbinsel, der bereist wird, denn dort gibt es auch die großen Hotelanlagen, Campingplätze und Apartmentresorts. Allen, die es lieber klein und fein, ein wenig ruhiger und übersichtlicher haben möchten, empfehle ich die slowenische Riviera – den nördlichen Teil der Halbinsel Istrien, der Slowenien mit knapp 50 km Küstenlänge den Zugang zum Meer verschafft. Von der italienischen Grenze bei Ankaran bis zur kroatischen Grenze nahe den Salinen von Secovlje – klein und übersichtlich!

Hier sind all die Schönheiten und Kostbarkeiten der mediterranen Landschaft auf engstem Raum beisammen: Piran, Izola und Koper bezaubern jeweils mit einer malerischen Altstadt, kleinen Hafenbecken, idyllischen Gässchen und venezianischen Palazzi. Jetzt in der Vorsaison ist es hier beschaulich ruhig, wenige Menschen schlendern durch diese Paradiese. Nur am Wochenende um den 1. Mai ist hier einiges los, denn in Slowenien fallen da einige Feiertage zusammen und so sind es die SlowenInnen selbst, die einen Kurzurlaub in „ihrem“ Küstenland verbringen. Aber es ist ganz einfach, hier dennoch ruhige Plätzchen zu finden, wenn man ein wenig auf Entdeckungsreise geht…

Die größte, freudige Überraschung war für uns Portoroz – der Hafen der Rosen! Bei all unseren früheren Reisen in diese Region haben wir diesen Ort gemieden, da wir glaubten, er sei zu touristisch, zu überlaufen. Auf der Suche nach möglichen Auftrittsorten sind wir diesmal aber auch nach Portoroz gegangen (ja wirklich zu Fuß gegangen, aber davon erzähle ich später!) – und waren erstaunt! Ein kleiner Ort, versteckt in der ruhigen Bucht, mit einer bezaubernden Uferpromenade, netten Lokalen und gemütlichen Plätzchen zum Verweilen. Der Ort war und ist auch Kurort, denn die Salzgewinnung hat hier Tradition. Schon vor mehr als hundert Jahren wurde diese Heilwirkung geschätzt und so entstand im Jahr 1910 das Palace Hotel Portoroz, damals das größte und prächtigste Luxushotel an der Adria. Es wurde soeben nach einer Renovierung als 5-Sterne-Hotel der Kempinski-Gruppe wieder eröffnet. Nein, ich muss euch enttäuschen, wir sind nicht hier abgestiegen, eigentlich schade, denn es ist traumhaft schön!

Wir wohnen aber auch nicht schlecht, und zwar, was die Lage unserer Unterkunft betrifft! Das Haus, in dem wir ein Privatzimmer gemietet haben, liegt an der höchsten Erhebung zwischen den Buchten von Portoroz und Strunjan. Jedes Haus hier hat einen kleinen Olivengarten, einen Gemüsegarten und ein paar Weinstöcke. Es ist hier wirklich alles klein und fein! Großartig aber ist der Panoramablick, den wir von unserer Terrasse aus haben! Auf der einen Seite blicken wir über Strunjan hinweg nach Triest und bis zum Triglav, auf der anderen Seite auf die Salinen von Secovlje und dahinter auf den kroatischen Teil von Istrien und auf das Meer. Und von hier oben wandern wir los. Einmal hinunter nach Protoroz, um am Lungomare einen Aperitiv zu trinken, einmal nach Piran, um durch die alten Gassen zu schlendern und einzukaufen, einmal zu einer Tageswanderung in Strunjan.

In der Beschreibung der Piraner Wanderwege, einer kleinen Faltkarte mit zehn Routenvorschlägen, heißt es über den Wanderweg von Strunjan: „Diesen schönen, malerischen Weg kann man nur schwer beschreiben, da es keine Worte für so etwas Außergewöhnliches gibt. Diesen Weg müssen sie einfach erwandern …“ Kann man solch schwärmerischen Worten trauen? Ja! Es war wirklich unbeschreiblich schön! Durch Olivengärten auf kleinen Terrassen mit ihren Steinmauern, vorbei an alten Bauernhäusern, blühendem Ginster und duftenden Akazien, führte der Weg später ganz nahe an den Rand eines Kliffs und öffnete den Blick hinunter ans Meer. Herrliche Aussichtsplätze, gemütliche Rastplätze und am Ende der Wanderung ein nettes Cafe direkt am Strand in der Bucht von Strunjan. Für uns ist das Wandern die allerbeste Erholung: umgeben von schöner Landschaft den Kopf frei zu bekommen, den Blick schweifen zu lassen und mitten in der Natur zu sein, immer wieder ins Staunen zu kommen, was hinter der nächsten Kurve auftaucht, welche Düfte und Geräusche uns umgeben, welch schöner Anblick uns erfreut. So lasse ich auch jetzt einfach die Bilder sprechen …

Klein und fein, und doch voller Überraschungen! Das Küstenland Sloweniens ist immer wieder eine Reise wert! Und wir werden in Zukunft wohl nicht nur zum Genießen hierher kommen, sondern wir haben hier „so ganz nebenbei“ Ausschau gehalten nach passenden Möglichkeiten, um auf den Straßen und Plätzen aufzutreten. Und auch da gilt, klein und fein, und voller Überraschungen!

Sigrid