Entstehung und Entwicklung des Tangotanzes Teil 2

Entstehung und Entwicklung des Tangotanzes Teil 2

Hier folgt nun die Fortsetzung der Tanzgeschichte ab dem goldenen Jahrzehnt, der Hochblüte des Tango Argentino in Buenos Aires. Auch diesmal zitiere ich wieder aus dem Buch Tango, eine heftige Sehnsucht nach Freiheit von Gloria und Rodolfo Dinzel.

Vierte Epoche (ca. 1940 – 1950)
In dieser Zeit wird der Tango zum Tanz der Massen. Es gibt eine quantitative, aber keine qualitative Entwicklung. Der Tango war bereits zu seiner klassischen Form gelangt und in allen sozialen Schichten verbreitet. Er ist daher weniger durch neue Techniken oder Bewegungen gekennzeichnet, als durch sein gesellschaftliches Milieu. Je höher die Sozialschicht, umso schlichter wurde der Tango getanzt. Geleitet vom Wunsch, mittels der Tango-Symbolik einen sozialen Aufstieg zu erreichen, bemühten sich alle um seine Vereinfachung und die große Mehrheit passte sich dieser Tendenz an. Doch es gab daneben auch große Tänzer*innen, die in jedem Tango eine Synthese seiner ganzen Entstehungsgeschichte suchten, und es erhielt sich mancher Winkel, in dem weiterhin in großer Vielfalt getanzt wurde. Schließlich bedeutete diese Periode für den Tango einen enormen Aufschwung hinsichtlich seiner Verbreitung durchs Radio, auf Schallplatten und im Film. In keinem Jahrzehnt wurde so viel Tango komponiert, getanzt und verfilmt wie in diesem.

Fünfte Epoche (ca. 1950 – 1955)
Nun kommt es noch einmal zu einer Weiterentwicklung des Tanzes, indem neue Bewegungsmöglichkeiten mit dem Abheben der Füße vom Boden dazukommen. Es entstanden Ganchos (Haken) und Voleos (Beinschleuderer). Bei dem einen verhaken sich die Beine der beiden Tanzenden ineinander, wobei sowohl die Frau beim Mann einhaken kann, als auch der Mann bei der Frau. Beim zweiten Element gibt es auch für beide Rollen die Möglichkeit ihre Beine während des Tanzes linear oder zirkular fliegen zu lassen. Für beides wurde eine Tanztechnik entwickelt, beides kann geführt werden, Voleos können aber auch von einer Person selbständig in den Tanz eingefügt werden. Durch die Improvisation bestand die Möglichkeit, diese Elemente auszuführen, wann es den Tanzenden passend erschien, sofern der Raum und die Zeit hierfür zur Verfügung standen. Dieses Abheben der Füße und Beine vom Boden ist wohl die letzte Neuerung bezüglich der Tanzelemente des Tangos in diesem Jahrhundert.

Sechste Epoche (ca. 1955 – 1980er Jahre)
In dieser Periode gewinnt die künstlerische Darbietung an Bedeutung. Der Tango, im Volk entstanden, erfährt einen kulturellen Aufstieg, indem er von dort aus auf die Bühnen gelangte. Es entstanden Tangoshows bzw. abendfüllende szenische Darstellungen. Eine der bedeutendsten in den 1980er Jahren nannte sich schlicht und einfach Tango Argentino und ging weltweit auf Tournee. Diese Aufführung löste vielerorts einen Tangoboom aus und es wurde auch in Europa wieder sehr populär Tango zu tanzen. Es entstand eine Ausprägung des Tanzes, die man internationalen Tango nannte. Dieser wies eigene, besondere Charakteristika auf. Auch wenn das Paar umarmt blieb, war die Haltung der Körper doch vollkommen verschieden. Es wurde mit Grundschritt und einer begrenzten Zahl von Figuren und auf eine dem Walzer ähnliche Weise getanzt.  
In der Folge kehrte der Tango allerdings in einem umgekehrten Prozess immer wieder von den Bühnen zum Volk zurück und füllt heutzutage in Buenos Aires und weltweit die Tanzlokale. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum ihm das Schicksal der Erstarrung erspart blieb.

Tango Nuevo ab den 1980er Jahren
Hier beginne ich mit einem Zitat des Tänzers Gustavo Naveira: Man kann als Tango Nuevo die Phase nach 1980 erachten, in der der getanzte Tango technisch und künstlerisch seine höchste Entwicklung erreichte.
Auch dabei werden vollständig improvisierte, jedoch führbare Schritte auf der Basis der Tanzschritte des klassischen Tango Argentino getanzt. Es geschieht aber ein bewusstes Öffnen der Tanzhaltung. Das Spiel mit dem Abstand, sogar ein voneinander Wegdrehen kann es geben, ermöglicht Positionen neben- oder hintereinander. Es werden außerdem Elemente aus dem Bühnentango adaptiert. Charakteristisch sind Elemente, die mit der Aufgabe der Achse spielen wie z.B. Colgadas (nach außen kippen) oder Volcadas (nach innen kippen).
Dieser Tanzstil hat sich in seiner Entwicklung auch wieder dem Salonstil angenähert, sodass mehrere Mischformen entstanden. Gleichzeitig gab es eine Rückbesinnung auf das Wesentliche des Tangos. So ist etwa Tango Líquido ein recht junger Stil, in dem die enge Haltung des Salontangos und die offene des Tango Nuevo fließend (líquido) ineinander übergehen, um sowohl die Nähe des Tango Salon als auch die Dynamik des Tango Nuevo tanzen zu können.
Tango Nuevo wird entweder zu traditioneller Tangomusik oder zu zeitgenössischen Formen bis hin zum Electrotango (Gotan Project, Narcotango, Tanghetto, …) getanzt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es in der Geschichte des Tangotanzes immer wieder Erneuerungen und eine Weiterentwicklung, aber auch Rückbesinnung und die Erinnerung an das Vergangene gegeben hat. Ich denke dieses Zusammenspiel macht diesen Tanz so reich an Erfahrungen und hilft jedem und jeder den eigenen Tanzstil zu finden.

Andrea

Verwendete Literatur:
TANGO eine heftige Sehnsucht nach Freiheit, Gloria und Rodolfo Dinzel, Verlag Abrazos

Entstehung und Entwicklung des Tangotanzes Teil 1

Entstehung und Entwicklung des Tangotanzes Teil 1

Tango Argentino, ein Tanz, der mittlerweile weltweit getanzt wird und zum Weltkulturerbe zählt. Dass das so ist, ist höchstwahrscheinlich der fortwährenden Weiterentwicklung seiner choreografischen Gestaltung zu verdanken. Es ist ein gewachsener Tanz, der beides, Tradition und Erneuerung, in sich vereint. In diesem und einem folgenden Beitrag versuche ich einen kurzen geschichtlichen Abriss dieser Entwicklung zu skizzieren und dabei eine Untergliederung in Epochen vorzunehmen. Die Jahresangaben sind dabei Richtwerte, da eine genaue Zeitbestimmung auf Grund fehlender Quellenangaben nicht möglich ist. Als Vorlage dafür diente mir das Buch Tango, eine heftige Sehnsucht nach Freiheit von Gloria und Rodolfo Dinzel.

Erste Epoche (ca. 1860 – 1890)
In diese Zeit fällt der Ursprung, die Entstehung dieses Tanzes, indem ein neuer Modus sich zu bewegen und zu tanzen auftauchte. Es gab dafür keine eindeutig definierte Musik, sondern man tanzte nach der Musik der Zeit: Walzer, Polka, Mazurka, Paso Doble, Quadrille, Habanera, Milonga, … Erst gegen Ende dieser Epoche, ca. 1880, wird auf diese bestimmte choreografische Form eine Musik angewandt, die Tango genannt wird und von jenem Tanzmodus Besitz ergreift, den man von da ab als Argentinischen Tango kennt. Tango entstand also zuerst als Bewegung, zu der später die Rhythmen, die Musik und schließlich der Text hinzu kommen. Aus dieser Zeit haben sich auch die drei Rhythmen, Tango (4/8 Takt), Milonga (2/4 Takt) und Vals (3/4 Takt) erhalten.
Was war nun aber neu an dieser Art sich zu bewegen? Einerseits wurde die choreografische Form gänzlich improvisiert, dass niemand sicher wusste, wo und in welchem Moment was geschehen würde, nur das Wie war vorhersehbar. So etwas gab es in allen geläufigen Tänzen jener Zeit nicht. Und das Zweite völlig Neue war, dass es zu Unterbrechungen der Fortbewegung kam. Die Weigerung zu tanzen wurde zum Symbol der Freiheit. Bei den Cortes, wie man diese Unterbrechungen nennt, hielt das Paar mitten im Tanz an, um anschließend gleichzeitig weiter zu tanzen. Dabei ergaben sich eng aneinander geschmiegte Posen während des tänzerischen Stillstandes, was in jener Zeit als skandalös galt. Außer diesen Ruhemomenten, die einem gemeinsamen, gleichzeitigen Schweigen beider Tanzenden gleichkam, gab es auch noch die Abwartehaltung, also das Schweigen der einen Person, während die andere sich ausdrückte. Es handelte sich um Augenblicke der schweigsamen Aufmerksamkeit wie im Gespräch, um wahrnehmen zu können, was der/die andere mitteilt.
Das Wesen dieses Tanzes, nämlich die Improvisation und der Dialog der beiden Tanzenden, wurde also schon in dieser ersten Epoche grundgelegt.

Zweite Epoche (ca. 1890 – 1920)
In dieser Zeit konzentrierte sich die Choreografie vor allem auf die Figuren, die die Füße beim Tanzen auf dem Boden zeichnen. Unter Figuren verstehen wir hier eine Reihe von Bewegungen, die als solche wiedererkannt und wiederholt werden können. Es entstanden z.B. die Ochos (Achten) oder die Media Luna (Halbmond). Außerdem wurde auf einen höheren Grad an Präzision in den Bewegungen Wert gelegt. Auch die Tanzhaltung änderte sich, indem die Körper weiter voneinander entfernt waren, aber Kopf an Kopf getanzt wurde, was wahrscheinlich der Notwendigkeit entsprang, zu beobachten, was sich auf dem Boden ereignete.
Dieser Epoche verdanken wir also jene festgelegten Bewegungsabläufe, die als grundsätzliches Repertoire dieses Tanzes bis heute erhalten sind.

Dritte Epoche (ca. 1920 – 1940)
Diese Epoche könnte man mit dem Wort Eleganz betiteln. Zum ersten Mal wurde auf die Eleganz geschaut, es ging immer mehr darum, wie die Bewegungen ausgeführt wurden. Eine Vielzahl von Techniken zur Gestaltung der tänzerischen Eleganz gewinnt an Bedeutung: die Gleichgewichtsachse,  die Gelenkspannung durch leichtes ins Knie gehen, das Schweben, indem man mit den Schultern auf einer Ebene bleibt, um nur einige zu nennen. Man stellte sich auch erstmals die Frage, welche Rolle der Oberkörper beim Tanzen spielt und es entwickelte sich ein Stil der vollkommen aufrechten Haltung.
Nachdem der Tango aus Europa triumphal nach Buenos Aires zurückgekehrt war und sich endgültig in den Salons etablierte, ergab sich in dieser Zeit auch das, was als Salon-Tango bekannt wurde. Dabei stehen sich die Oberkörper vollständig gegenüber, wahrscheinlich durch den europäischen Einfluss, aber in geringerem Abstand der Körper und die Gesichter schauen zum Rücken des Partners/der Partnerin. Es ergab sich dadurch mehr Geradlinigkeit, aber eine geringere Bewegungsmöglichkeit bei der Ausführung der Figuren, weshalb man diesen Stil auch schlichten Tango nennt.
In dieser Zeit kam es also zu einer Entwicklung der Ästhetik, es kam nicht so sehr auf „schwierige Figuren“ an, sondern auf Tangogefühl, Eleganz und Sicherheit.

Soweit nun die Tanzentwicklung bis in jene Zeit, als die goldene Ära des Tangos anbrach. Im zweiten Teil geht es dann um dieses goldene Jahrzehnt und davon ausgehend die jüngsten Weiterentwicklungen bis herauf zum Tango Nuevo.

Andrea

Verwendete Literatur:
TANGO eine heftige Sehnsucht nach Freiheit, Gloria und Rodolfo Dinzel, Verlag Abrazos

Eine heftige Sehnsucht nach Freiheit …

Eine heftige Sehnsucht nach Freiheit …

… war eine der Antriebsfedern für die Entstehung des Tangos als Tanz. Und seine Entstehung war eine große Entwicklung in der Geschichte des Tanzes überhaupt, denn es wurde etwas Neues geschaffen, das sich von allem Bisherigen unterschied. Tango Argentino ist ein einmaliger, besonderer Tanz und das rührt sicher von seinen Wurzeln her, vom Ursprung. Die Choreografie des Tangos hat sich dann, wie alles Lebendige und Beständige, fortwährend weiterentwickelt und zählt heute sogar zum Weltkulturerbe.

So gibt es auch sehr viel Literatur über Tango und dessen Entstehung. Bisher haben wir eher über die Entwicklung der Tangomusik von ihren Anfängen bis herauf zum modernen Elektro-Tango gelesen und darüber in einigen Blogartikeln berichtet. Unlängst ist uns ein Buch in die Hände gefallen, in dem es neben der Tanztheorie um die Tanzgeschichte des Tango Argentino geht: Tango – eine heftige Sehnsucht nach Freiheit von Gloria und Rodolfo Dinzel. Das Folgende gibt einen kurzen Einblick in Erkenntnisse, die ich besonders spannend fand.

Woher kommen also die Besonderheiten dieses Tanzes?
Die Menschen, die ihn formten, lehnten sich gegen die damalige Kultur und Gesellschaftsstruktur auf und sie hatten den Mut, das Gesicherte der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Zur Zeit der Entstehung des Tangos (ca. 1860 – 1890) wuchs in den Vorstädten von Buenos Aires eine Bevölkerung von zweierlei Herkunft. Erstens kamen sie aus dem Landesinneren Argentiniens, die sogenannten Gauchos, die als Nomaden durchs Land zogen, ab Mitte des 19. Jahrhunderts aber ihr Leben nicht mehr in dieser Weise fortsetzen konnten, da das Land privatisiert wurde. Und zweitens waren es die Einwanderer aus Europa, die sich in der „neuen Welt“ ein besseres Leben erwarteten. Beide Gruppen waren entwurzelt und aus der Bahn geworfen. Sie galten als fremd in der Stadt und ihnen fehlte eine Identität. Und sie trugen ein unbändiges Verlangen nach Freiheit in sich. Diese Situation bereitete den Boden für die Entstehung von etwas Neuem.

Die erste Tangogeneration entwickelte eine schöpferische Kraft und fand im Tangotanz ein Gefühl der Menschenwürde, ein Empfinden von Freude und eine kollektive Identität. Sie erlangten die höchste Perfektion, die den Menschen jener Zeit für ihre Selbstverwirklichung zur Verfügung stand. Und dieser Hintergrund spiegelt sich in dem, was den Tango als Tanz ausmacht – nämlich das vollkommene Fehlen von im Voraus festgelegten Tanzschritten und Abläufen. Von allen volkstümlichen Tänzen ist der Tango der einzige, in dem die Improvisation das wesentliche Element der choreografischen Form darstellt. Jede*r Tänzer*in kann eine individuelle Choreografie entwickeln und derselbe Tango wird nie zweimal gleich getanzt. Außerdem bietet der Tango als einziger Tanz die Möglichkeit, nicht zu tanzen, sozusagen „nein“ zu sagen – auch das eine Dimension von Freiheit. Seinen spezifischen Charakter erhielt er zusätzlich durch eine vielfältige Symbolik und eine spezielle Technik, die sich unter anderem von der Reit- und Kampfkunst der Gauchos ableitete. Und das Bedürfnis und die Suche nach Identität führten zur stolzen Haltung des sich Vorzeigens. Anfangs nahmen die Menschen die Tanzpositionen sehr genau ein, um ihre Gruppenzugehörigkeit zu erkennen zu geben, und sie entwickelten eine Vielzahl von Codes, um diese zu stärken. Wesen und Antrieb des Tangos war also die Freiheit, das gemeinschaftliche Handeln selbst zu bestimmen.

Sehr interessant finde ich außerdem, dass es den Tango als Tanz vor dem Tango als Musik gab. In dieser ersten Epoche der Entstehung tanzte man eine Choreografie ohne eindeutig definierte Musik. Was an diesem Anfang entstand, lässt sich wohl als neuer Modus, sich zu bewegen und zu tanzen bezeichnen. Man tanzte auf eine andere Weise und in neuer choreografischer Form, aber nach der Musik der Zeit: Walzer, Polka, Mazurka, Paso Doble, Quadrille, Habanera, Milonga, …

So entstanden in jener Zeit auch die drei Rhythmen, die sich bis heute erhalten haben, nämlich Tango, Milonga und Vals, zu denen in ein und derselben choreografischen Form und Weise getanzt wird. Und so lässt sich auch erklären, dass man auf Nicht-Tango-Musik, sogenannte Nontangos, wunderbar Tango tanzen kann.

An das Ende stelle ich hiermit wieder einmal ein Zitat von Leopoldo Marechal, das auch auf unserer Website zu finden ist: Der Tango ist vielfältig, er ist eine unendliche Möglichkeit, um unsere Sehnsucht nach Freiheit zu stillen, ergänze ich an dieser Stelle.

Andrea

Verwendete Literatur:
TANGO eine heftige Sehnsucht nach Freiheit, Gloria und Rodolfo Dinzel, Verlag Abrazos

Mascarada

Mascarada

Masken faszinieren. Die Maske steht für Tarnung und Maskerade, die uns schöner, erhabener und gefährlicher erscheinen lässt, heißt es in einem jüngst von Paula Pfoser veröffentlichten ORF-Artikel zur Kulturgeschichte der Maske.
Auch wir hatten schon einmal einen Maskentanz konzipiert und aufgeführt, in dem es um unsere alltäglichen Maskeraden und den Mut sich zu zeigen ging. Mittlerweile haben Masken aber eine ganz andere Bedeutung bekommen, sie wurden zum Symbol der Pandemie. Diese zwang uns ja auch lange Zeit zu Hause zu sein, und so war bald einmal klar, dass wir diesen Maskentanz überarbeiten und daraus einen wo/men tango act kreieren wollen, in dem wir die Erfahrungen der Pandemie zum Ausdruck bringen. Es ist jetzt ein völlig neues Stück daraus geworden, und das Arbeiten daran half uns auch über den für uns unendlichen Lockdown hinweg.

Außer dem oben erwähnten interessanten Artikel lieferte uns die Ausstellung mit dem Untertitel Masken und Seuchen am Wiener Hof 1500 – 1918, die gerade in Schönbrunn gezeigt wird, Hintergrundinformationen. Hier wird aufgezeigt, dass trotz zahlreicher Seuchen und Pandemien im Laufe der Geschichte, wie Pest, Pocken, Cholera oder Spanische Grippe, die Maske in der heimischen Medizingeschichte bisher eine untergeordnete Rolle spielte. Masken waren nur vereinzelt im Umlauf, wurden in Karikaturen verwendet, um sich über die Angst der Bevölkerung lustig zu machen oder es wurden Abbildungen des unheimlichen Schnabeldoktors über Flugblätter verbreitet, mit dem Hinweis, diese würden in Italien und Frankreich verwendet, aber hier bei uns würden sie nicht gebraucht, weil man die Seuche im Griff habe, also um Überlegenheit zu demonstrieren.

Der Pestdoktor mit seiner Schnabelmaske wurde dennoch zur Symbolfigur der Angst – bis in die Gegenwart hinein. Bei der FFP2-Maske mit ihrer leicht schnabelförmigen Ausformung und der größeren Gesichtsabdeckung liegt die unheimliche Assoziation jetzt noch stärker auf der Hand, schreibt auch Paula Pfoser. Und sie berichtet von der Assistenzprofessorin Deidre Barrett, die an der Harvard Medical School aktuell zu Träumen forscht, dass es gerade zu einer Konjunktur von Maskenträumen, in denen auch der Pestarzt seinen Auftritt hat, kommt.
Gesichtsverdeckungen sind im europäischen Raum seit jeher Zeichen des Außergewöhnlichen, die Maske steht also hierzulande niemals für das, was wir „Normalzustand“ nennen.

Wir verwenden für den wo/men tango act Mascarada venezianische Masken. Im venezianischen Karneval gewährt die Maske die Möglichkeit, die zugewiesenen Rollen zu verlassen und mit anderen Identitäten zu experimentieren. Das Spannende an der Entwicklung unseres Stückes war also, dieses Rollenspiel mit den Erfahrungen der Pandemie aufzuladen, die venezianischen Masken zu verfremden und trotz Masken vor allem Emotionen zum Ausdruck zu bringen. „Wir erzählen von Isolation und Sehnsucht nach Nähe, deren Erfüllung und dem Glück einer Umarmung“, beschreiben wir es kurz auf unserer Website.

Es ging uns um die gegensätzlichen Erfahrungen: Einsamkeit, Starre, Stillstand und Begrenzung auf der einen Seite und Nähe, Berührung, Umarmung und Lebensfreude auf der anderen Seite. Davon ausgehend ein Tanzstück zu entwickeln, ist ein intensiver und wunderschöner Prozess. Zu sehen wie sich Musik, Choreografie, Schauspiel und Kostüme zu einem Ganzen zusammenfügen, bis es endlich aufführungsreif ist. Nun proben wir hin auf die Premiere von Mascarada, die im Juni in Berlin stattfinden soll. Wir freuen uns und hoffen!

Andrea

Verwendete Literatur: Kulturgeschichte der Maske, Paula Pfoser, 1. Februar 2021

Die Fotos von Mascarada entstanden bei einem Shooting mit Astrid Rampula: astrimage.at

Tango zwischen zwei Buchdeckeln

Tango zwischen zwei Buchdeckeln

Die Pausen zu zelebrieren ist ein wesentlicher Teil des Tangos. Diese Pause, in der wohl europaweit keine Milonga, kein Festival und kein Kurs, kein Practica und kein Übungsabend stattfinden, ist für Tangotänzerinnen und -tänzer jedoch eine ziemliche Herausforderung. Da bleibt nur, Tangomusik aufzulegen und im Wohnzimmer – solo oder together – zu tanzen. Oder es einmal mit Tango auf dem Sofa zu versuchen: gemütlich mit einem Glas Rotwein wie auf einer Milonga oder einer kuscheligen Decke sowie einer dampfenden Teetasse und einem Buch, das von der Welt des Tangos erzählt!

Im Folgenden stelle ich euch einige Bücher vor, die uns besonders gut gefallen haben und jeweils auf ihre Art spannende Einblicke in die Geschichte und die Geschichten des Tangos geben. Und weil wir alle gerade dabei sind, unseren Alltag neu zu ordnen, möchten wir vorschlagen, die Bücher deiner Wahl nicht bei amazon zu bestellen, sondern bei kleinen Buchhandlungen in Österreich*: der Büchersegler in Graz und Hartliebs in Wien zum Beispiel freuen sich über eine Bestellung per Mail und senden die Bücher gerne per Post zu. Also, viel Spaß beim Gustieren und danach beim Lesen!

Die Tangospielerin führt uns in die Anfänge des Tangos, als zugewanderte Menschen aus Europa anstatt der Erfüllung ihrer Träume in Buenos Aires ein Leben in überfüllten Mietskasernen und Elend erwartete. Die junge Italienerin Leda muss bei ihrer Ankunft auch noch feststellen, dass ihr Ehemann tot und sie nun völlig allein ist in diesem fremden Land. Es bleibt ihr nur eine Truhe mit seinen Kleidern und die Geige ihres Vaters. Und die Entdeckung dieser wunderbaren, besonderen Musik – Tango! Weil es Männern vorbehalten ist, diese Musik zu spielen, wagt sie einen kühnen Schritt: mit kurzen Haaren und im Anzug ihres Mannes nimmt sie die Geige in die Hand und wird Teil einer Tangogruppe. Wie lange kann sie ihr Geheimnis bewahren und was soll sie tun, als sie ihrer großen Liebe begegnet?

Fesselnd bis zum Schluss erzählt dieser Roman nicht nur die Geschichte einer faszinierenden Frau am Anfang des 20. Jahrhunderts, sondern ermöglicht spannende Einblicke in die Geschichte der Tangomusik und die Stadt Buenos Aires jener Zeit – und das in einer wunderbaren Sprache!
Carolina De Robertis, Die Tangospielerin, Fischer Taschenbuch

Drei Minuten mit der Wirklichkeit vereint scheinbar unüberwindbare Gegensätze: Politkrimi und Liebesgeschichte, Tangotanz und Ballett, die Militärdiktatur in Argentinien und den Alltag im heutigen Berlin. Der junge Tangostar Damian verschwindet während eines Gastspiels in Berlin spurlos, nachdem er den Vater seiner Geliebten Giulietta kennenlernte. Um ihn zu suchen, reist die junge Balletttänzerin nach Buenos Aires und begegnet dort nicht nur der dunklen Vergangenheit dieser Stadt, sondern auch der ihrer Heimat und ihres Vaters.
Das Buch wurde uns vor einigen Jahren von einer Freundin, die nicht Tango tanzt, mit den Worten empfohlen: Wenn es für mich schon so spannend war, wie muss es dann erst für euch als Tangotänzerinnen sein!
Wolfram Fleischhauer, Drei Minuten mit der Wirklichkeit, Knaur Verlag

In Buenos aires, mi amor ist die Stadt des Tangos die eigentliche Hauptdarstellerin!
Nach einem Jahr auf Gran Canaria kehrt die Tangolehrerin Elena nach Buenos Aires zurück und saugt die Atmosphäre der Stadt begierig auf. Nur zum Teil war es ihr in der Ferne gelungen, das Rätsel um das Leben ihrer verstorbenen Tante Marì zu lösen. Und auch ihre Gefühle für Inés, jene Deutsche, die sie dort bei dieser Suche unterstützt hat und mit der sie eine kurze, leidenschaftliche Affäre hatte, sind alles andere als klar. Als Inés nach Buenos Aires kommt und sie gemeinsam diese Suche fortsetzen, durchstreifen sie nicht nur die Barrios der Stadt, sondern finden endlich Worte für ihre Gefühle. Bleibt die Frage, ob sie nochmals miteinander Tango tanzen werden und ob es eine gemeinsame Zukunft für die beiden Frauen gibt.

Neben spannenden Einblicken in den Alltag Argentiniens nach dem Corralito und einem Blick auf das gesellschaftliche Leben im Buenos Aires der 1960er Jahre lässt die Autorin uns eintauchen in diese faszinierende Stadt, die so lebendig beschrieben wird, wie wir selbst sie in Erinnerung haben.
Bettina Isabel Rocha, Buenos Aires, mi amor, Verlag Krug & Schadenberg

Auch in Die Schönheit der Nacht ist der Tango nicht Haupt- sondern nur ein Nebendarsteller, der erst im letzten Viertel des Buches seinen Auftritt hat. Dann aber wird das, was den Tango ausmacht, vortrefflich beschrieben und das Tanzen verändert die Personen und ihre Beziehungen zueinander grundlegend.
Die Geschichte zweier gänzlich unterschiedlicher Frauen ergründet, wie ein erfülltes Leben gelingen kann – ohne Masken und Verstellung. So war dieses Buch für uns ein wesentlicher Impuls für eine Tango-Mitternachtseinlage auf einem Wiener Ball: ein Spiel mit den Masken, der Blick hinter die Maske und die Bereitschaft, Masken abzunehmen und einander anzusehen wie niemals zuvor.
Nina George, Die Schönheit der Nacht, Knaur Verlag

Sigrid

 

Anmerkungen:
Das Beitragsbild zeigt die Libreria El Ateneo, die in Buenos Aires, mi amor ab S. 110 beschrieben wird.

* Die Leserinnen und Leser in Deutschland bitte ich, selbst eine Buchhandlung in ihrer Nähe ausfindig zu machen oder direkt beim Verlag zu bestellen.

 

Tanzen und tanzen und nichts als tanzen

Tanzen und tanzen und nichts als tanzen

Das galt für die Tänzerinnen der Moderne, die Anfang des 20. Jahrhunderts den Tanz revolutionierten. Den Weg dafür ebnete wohl Isadora Duncan. Man kann den Augenblick, wo es zum ersten Male möglich wurde, von modernem Tanz oder gar moderner Tanzkunst zu reden, nur bezeichnen, indem man den Namen der Isadora Duncan nennt, mit deren Auftreten jener Augenblick überhaupt erst gegeben ist, wird Hans Brandenburg im Buch mit obigem Titel zitiert.

So ist sie auch eine der Tänzerinnen, die in der Ausstellung „Alles tanzt. Kosmos Wiener Tanzmoderne“ im Theatermuseum in Wien vertreten ist. Wien zählte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu den internationalen Zentren des Modernen Tanzes: wegweisende Tänzerinnen neben Isadora Duncan, wie z.B. Grete Wiesenthal, Gertrud Bodenwieser, Rosalia Chladek, Gertrud Kraus, Hilde Holger und viele mehr wirkten hier. Insgesamt waren es ca. 200, erfährt man in dieser Ausstellung. Die NS-Diktatur zerstörte dann allerdings diese lebendige, von Frauen bestimmte Tanzszene. Die meisten mussten emigrieren und nur einigen gelang es, im Exil ihren Tanz weiter zu entwickeln.

Isadora Duncan blieb das zwar erspart, denn sie kam schon 1927 bei einem Autounfall, ihr langer Schal verfing sich in den Hinterreifen ihres Bugatti und erdrosselte sie, tragisch ums Leben. Ihr Leben endete in Nizza. Geboren wurde sie 1878 in San Francisco. Als 21-Jährige übersiedelte sie mit ihrer ganzen Familie nach London, wo sie ein Jahr später erstmals mit ihren Solostücken öffentliche Beachtung fand. Ihre nächste Station war Paris und von hier aus begann ihre steile Karriere. 1903 hielt sie in Berlin ihren berühmten Vortrag Der Tanz der Zukunft, in dem sie sagt: Die Tänzerin der Zukunft wird die Freiheit des Weibes in ihrem Tanz ausdrücken. Ihr Kennzeichen wird sein: der höchste Geist in dem freiesten Körper.

Mit Aussagen wie dieser und ihrer Ablehnung von Spitzenschuh, Tútú und Korsett galt sie auch als Ikone der Frauenbewegung. So war z.B. bei ihrem Auftritt 1902 in der Wiener Secession die Frauenrechtlerin Marie Lang anwesend und bezeichnete ihren Tanz als Offenbarung. Isadora Duncan tanzte barfuß, in fließenden Gewändern, drückte mit natürlichen Bewegungen Stimmungen und Gefühle aus, paarte Momente von Leichtigkeit mit denen von ungeheurer Kraft und Energie und nutzte den Boden als Ausgangs- und Endpunkt dieser Körperenergien. Mit dieser Art zu tanzen wurde sie zur Galionsfigur der westlichen Tanzmoderne und feierte große Erfolge in Europa und Amerika.

Eine ihrer vielen Stationen in Europa war auch Abbazia, das heutige Opatija. Sie kam des Öfteren hierher und weilte immer in der Villa Amalia. Aus den Fenstern der Villa beobachtete sie das Flattern der Palmenblätter und das soll sie zu den sanften Schulterbewegungen, für die sie berühmt wurde, inspiriert haben. Als Andenken steht heute vor der Villa ein Bronzeguss der tanzenden Isadora Duncan. Und an der wall of fame im Park von Opatija ist sie als einzige Frau in einer Riege von großen Künstlern, Wissenschaftlern und Pionieren vertreten.

Es gäbe noch viel zu erzählen über diese große Tänzerin, die auch Choreografin, Tanztheoretikerin, Lehrerin und Schulgründerin war. Untenstehender Buchtipp und die Ausstellung in Wien, die noch bis 10. Februar läuft, sind jedenfalls sehr zu empfehlen, wenn dich die Tänzerinnen der Moderne interessieren. Für uns sind sie jedenfalls immer wieder eine Inspirationsquelle. Im Moment genießen wir es, auf den Spuren der Isadora Duncan hier in Opatija zu wandeln.

Andrea

Buchtipp:
Tanzen und tanzen und nichts als tanzen, Tänzerinnen der Moderne von Josephine Baker bis Mary Wigman, Hg. von Amelie Soyka, 2012 AvivA Verlag

Straßenkunst, Berge und Meer

Straßenkunst, Berge und Meer

… immer schön piano wurde zum Motto unserer heurigen Herbstreise, bei der wir jene drei Dinge, die wir so sehr lieben, verbinden konnten: auf der Straße zu tanzen, in den Bergen und am Meer wandern und genießen! Tatsächlich war die Straßenkunst der Anlass für diese Reise, denn wir wurden eingeladen, beim Blausteiner Herbst als Künstlerinnen dabei zu sein und so war auch der Saisonabschluss dieses Jahres keine spontane Straßenkunst, sondern ein Auftritt, zu dem wir gebucht wurden. Erstmals tanzten wir an einem Nachmittag zwei unserer wo/men tango acts. Encuentro gab gewissermaßen schon das Motto vor, denn wir bezeichnen diesen act als Hommage an die Langsamkeit, herausgefallen aus Zeit und Raum! Und auch wenn wir die Ballade für zwei Verrückte als bunt und frech, voller Spaß und Überraschungen beschreiben, so haben wir sie in dieser Straßenkunstsaison ruhiger, tiefer und noch magischer interpretiert.

An einem strahlend schönen Herbsttag war die Stimmung bei diesem Volksfest fröhlich und entspannt, wir tanzten jeden act dreimal und hatten ein begeistertes Publikum. Gleich nach dem ersten Auftritt mit Encuentro kam es, wie so oft bei Auftritten auf der Straße, zu einer schönen Begegnung: eine Frau kam auf uns zu und meinte, sie habe schon seit Jahren einen Vintage-Lederkoffer, der genau für dieses Stück passen würde und den sie uns schenken möchte! Sie gab uns ihre Adresse und bei unserer Abreise am nächsten Tag fuhren wir in Ulm bei ihr vorbei und nahmen tatsächlich einen alten Lederkoffer mit auf die Reise. Einmal mehr erlebten wir die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen in und um Ulm, die wir auch bei den Auftritten im Vorjahr so schätzten. Wer weiß, vielleicht waren wir nicht das letzte Mal dort?

Von Ulm aus machten wir uns nicht direkt auf den Weg nach Hause, sondern wieder einmal wurde aus einem Arbeitstermin ein kleiner Urlaub. Wir fuhren über den Fernpass nach Tirol und weiter ins Oberinntal, denn ich wollte die Gelegenheit nutzen und in jenes Dorf im Tiroler Oberland fahren, aus dem meine Großeltern im Jahr 1938 ausgewandert und nach Graz gezogen sind. Durch das Torhaus betraten wir Pfunds und spazierten durch die Gassen. Jenes Haus, in dem heute das Heimatmuseum zu finden ist, ist das Geburtshaus meiner Großmutter und auch das Elternhaus meines Großvaters, etwas außerhalb des Dorfes, haben wir gefunden. Es war schön, an diesen Ort zu kommen und meiner Geschichte ein wenig nachzuspüren.

 

Über den Reschenpass kamen wir nach Südtirol und machten gleich mal einen ersten Stopp, um einen Espresso zu genießen und in Bella Italia anzukommen.

Der Kaffee war köstlich, aber das mit Italien ist in Südtirol ja bekanntlich nicht so einfach. Ist das jetzt Tirol oder Italien? In den drei Tagen, die wir in Meran verbrachten, sind wir eigentlich ständig hin- und hergewechselt: in den Sprachen ebenso wie beim Essen und Trinken – mittags eine südtiroler Merende mit Speck und Apfelmost, abends italienische Küche vom Feinsten mit einem köstlichen Wein. Nur wenn es um die Vergangenheit geht, führen die Spuren eindeutig nach Tirol und Österreich. Und es sind zwei Frauen, die die Geschicke Merans stark geprägt haben: Gräfin Margarethe Maultasch, die von hier aus Tirol regiert hat und Kaiserin Elisabeth, die mit ihren langen Aufenthalten in Meran, der guten Luft und des milden Klimas wegen, den Grundstein für die Kurtradition der Stadt gelegt hat. So spazierten wir abwechselnd durch die mittelalterlichen Laubengassen und flanierten auf der Kurpromenade am Fluss. Das Kurhaus und die Wandelhalle lassen tatsächlich den Flair des Fin de siècle lebendig werden, als Meran von Adeligen und Reichen aus ganz Europa besucht wurde und zu den beliebtesten Kurorten der Habsburgermonarchie zählte.

Aber nicht nur als Kurstadt hat Meran viel zu bieten – mitten in der Südtiroler Bergwelt kommen die Urlauber*innen heute zum Wandern, Radfahren und Bergsteigen. Wir sind es piano angegangen und haben keinen Gipfel bestiegen, sondern eine wunderschöne Wanderung an einem der Waalwege gemacht. Diese Wege verlaufen entlang alter Kanäle, die das Wasser von den Flüssen ableiten, um die Obst- und Weingärten zu bewässern. Am Wasser entlang zu gehen war ein Genuss, das Plätschern begleitet die Schritte, die Gedanken fliegen dahin und der Kopf wird frei.

Nach drei Tagen setzten wir unsere Reise und damit unsere ausgedehnte Heimfahrt fort. Unser nächstes Ziel war das Meer – und der schönste Weg dorthin führte uns durch die Dolomiten. Vielleicht lasse ich hier einfach die Bilder sprechen …

Auch am Meer haben wir einen geschichtsträchtigen Ort ausgewählt: Grado, mit seiner verwinkelten Altstadt und dem altem Hafen. Von der Zeit, als Grado ein berühmtes Seebad des österreichischen Küstenlandes und somit auch ein K&K Kurort war, ist fast nichts mehr zu sehen und die Gebäude der letzten Jahrzehnte sind leider nicht besonders schön. Warum also zieht es uns dorthin? Urlauben heißt für uns gehen – in diesem Fall ein mehrstündiger Spaziergang am Strand, direkt am Meer und mit salziger Luft in der Nase – und köstliches Essen genießen. Und dafür ist Grado bekannt!

Dass an diesem Wochenende dann auch noch das Festival Mare nostrum stattfand, bei dem die Kultur und die Genüsse jener Zeit, als Grado eine Insel der Fischer*innen war, zelebriert wurde, war ein glücklicher Zufall. Beim Schlendern durch die Gassen gab es köstliche Häppchen hier und dort, wir sahen eine Ausstellung mit faszinierenden Fotos einer alten Fischerin und nach einem genüsslichen Abendessen spazierten wir nochmals zum Hafen und auf der Uferpromenade. Wunderbar – und immer schön piano!

Sigrid

 

Ein Dorf an der Grenze und die Kunst

Ein Dorf an der Grenze und die Kunst

Wenn wir für unsere Workshops oder Auftritte unterwegs sind, werden wir immer wieder gefragt, wo wir leben. Und wir sind immer wieder erstaunt, wie vielen Menschen unsere Gemeinde, oder genauer gesagt das Künstlerdorf Neumarkt, ein Begriff ist. Es ist also schon lustig, wenn wir erzählen, dass wir im „letzten Eck“ Österreichs leben und dann zu hören bekommen, dass man dieses eh kennt. Nun, ein Eck ist es ja wirklich, nämlich das Dreiländereck Österreich-Ungarn-Slowenien. Aber gerade dieses abgeschiedene Grenzgebiet war ideal, um ein Anziehungspunkt für KünstlerInnen zu werden. Wie kam es dazu?

Am Anfang, und das waren die 60er Jahre, gab es in Neumarkt ein altes Bauernhaus, das abgerissen werden sollte. Und es gab ein paar Leute, die dieses alte Bauwerk erhalten wollten. Sie konnten den damaligen Landeskonservator, Alfred Schmeller, sofort für ihr Anliegen gewinnen. Dieser hatte die Idee, daraus ein Atelierhaus als Künstlerresidenz zu machen. So wurde zunächst ein Verschönerungsverein zur Rettung des alten Gebäudes gegründet, aus dem später der Kulturverein wurde. Nach dreijähriger Renovierung wurde 1968 das Künstlerrefugium eröffnet, ein Fest, bei dem das ganze Dorf mit gefeiert hat.

Die ersten KünstlerInnen, die diesen Rückzugsort nutzten, ließen nicht lange auf sich warten. Einer der ersten war Johannes Wanke, der Meister des Holzschnittes. Er beschrieb die Gegend hier so: „Im Sommer Sahara, im Winter Sibirien.“ Extreme also, die aber anscheinend anzogen. „Die Abgeschiedenheit und das Klima bedingen die Anziehungskraft dieser Reizgegend“, heißt es im Buch Das Künstlerdorf Neumarkt an der Raab, das von Petra Werkovits und Peter Vukics herausgegeben wurde. Hier konnte man ungestört arbeiten, es lenkte nichts ab, alles konzentrierte sich auf die Arbeit, schöpferische Einsamkeit war möglich.

So kamen im Laufe der Jahre ein weiteres Atelierhaus und andere Gebäude dazu und das Künstlerdorf wurde ein Ort, an dem sich die Créme de la Créme der österreichischen Kunstszene die Türklinke in die Hand gab: Christian Ludwig Attersee, Walter Pichler, Martha Jungwirth, Elfie Semotan, Peter Handke, um nur einige zu nennen. Letzterer hatte sich in Neumarkt eingemietet, um das Konzept für seinen Roman Die Angst des Tormanns beim Elfmeter zu erarbeiten. Auch ihn hatte diese Gegend sehr inspiriert, denn „dieses Buch ist ja eine der schönsten geografischen Beschreibungen von Neumarkt und Jennersdorf“ (Zitat von Peter Sattler).

Einer, dessen Name ganz eng mit dem Künstlerdorf verbunden ist, ist Edi Sauerzopf. Seine Zeichnungen bilden sozusagen eine bildliche Chronik dieses Ortes. Und er war es auch, der die Idee für die Sommerkurse hatte. Im Jahr 1971 gab es zum ersten Mal einen „Sommerkurs für werkgerechtes Gestalten“ mit sieben Teilnehmern. Im zweiten Jahr waren es schon zwanzig und so wurde die Angebotspalette erweitert.

Seither finden jährlich Sommerkurse statt. Die heurige Sommerakademie bietet bzw. bot sechs Wochen lang Kurse zu Malerei und Zeichnung, Drucktechniken, Bildhauerei und Plastisches Gestalten, Fotografie, Musik, Tanz und Schreiben an. Auch Kurse für Kinder waren im Programm. Und im Bereich Tanz gibt es erstmals Tango Argentino. Wir freuen uns schon sehr auf diese Woche mitten im August, Tango vom Solo ins Paar ist das Motto, und der Kurs so gut wie ausgebucht. Wir werden also die Dorfgalerie mit Tangomusik füllen und ausgiebig betanzen.

Dass das Künstlerdorf und darin die Kunst immer noch leben und gedeihen, ist der jetzigen Obfrau des Kulturvereins, Petra Werkovits, zu verdanken. Sie organisiert mit ihrem Team nicht nur die Sommerakademie, sondern auch Ausstellungen, Lesungen und Konzerte das ganze Jahr hindurch. Wir besuchen diese Veranstaltungen, wann immer es der Zeitplan erlaubt, gerne, denn hier finden wir Kunst von hoher Qualität, noch dazu vor der Haustür, und interessante Begegnungen. Gerade auch weil es ein Ort für künstlerischen Austausch ist, ist er weit über das Burgenland hinaus bekannt.

So möchte ich diesen Beitrag mit einem Satz aus dem Programmheft der Sommerakademie beenden:
Der Genuss der Einfachheit hat sie (die KünstlerInnen) das Wesentliche spüren und Großartiges erschaffen lassen.

Andrea

Verwendete Literatur:
Das Künstlerdorf Neumarkt an der Raab, herausgegeben von Petra Werkovits und Peter Vukics, Residenz Verlag

 

Mi Buenos Aires querido

Mi Buenos Aires querido

Dass die Menschen in Buenos Aires ihre Stadt lieben, haben wir in unserer Zeit dort auf vielfältige Weise erlebt. Nun aber wurde diese Erinnerung beim Workshop SOLO TANGO II wachgerüttelt, denn eine Teilnehmerin, ich nenne sie hier Sonja, war eine Portena. „HafenbewohnerInnen“ nennen sie sich, die Menschen, die in Buenos Aires geboren sind und Buenos Aires im Herzen tragen.

Sonja war schon im Jänner bei einem SOLO TANGO Wochenende in der GEA Akademie und sie ist mir gleich am ersten Abend aufgefallen, weil sie bei allen alten, klassischen Tangos die Texte mitgesungen hat. Und bei ihrem Tanz war sofort zu merken, dass sie zwar die Tangotechnik, die Art der Tangoschritte nicht kennt, aber den Rhythmus spürt und tanzt. Bald kamen wir ins Gespräch und sie erzählte, dass sie in Buenos Aires geboren sei und dort bis zu ihrem 24. Lebensjahr gelebt habe, aber noch nie Tango getanzt hat. Und damit sind wir schon mitten in ihrer Geschichte, die zugleich die Geschichte einer ganzen Generation von Portenas und Portenos ist. Also mal langsam und schön der Reihe nach:

Ihre Großeltern väterlicherseits sind 1933 wie so viele andere aus Deutschland ausgewandert. Ihr 6jähriger Sohn war mit an Bord des Schiffes, das sie nach Buenos Aires brachte. Auch ihre Mutter ist das Kind deutscher Auswanderer, wurde aber bereits in der „Neuen Welt“ geboren. Ihre Geschichte bleibt wie die der Zehntausenden anderen, die von Europa aufgebrochen sind mit der Hoffnung auf ein besseres Leben, im Dunkeln. Die meisten von ihnen kamen aus Italien, dann folgte Spanien und schon an dritter Stelle steht Deutschland. So erstaunt es auch nicht, dass es in einigen Stadtvierteln von Buenos Aires deutsche Gemeinden und mehrere deutsche Schulen gibt. Sonja besuchte eine dieser deutschen Schulen, ging zur Konfirmation und lebte als Jugendliche in der Stadt des Tangos – die in den späten 1970er und frühen 1980ern keineswegs die Stadt des Tangos war! Sie erzählt, dass der Tango für sie als Jugendliche überhaupt keinen Reiz hatte. Tango – das war etwas für die Alten! Sie und ihre FreundInnen tanzten Ballroom oder Rock’ n Roll, aber doch nicht Tango! Und wirklich, auch wir haben in Buenos Aires erfahren, dass es da eine ganze Generation gibt, die nie einen Zugang zum Tangotanzen gefunden hat und die auch heute, als Erwachsene 50+ , nicht Tango tanzen können oder wollen. Aber das heißt dennoch nicht, dass sie mit dem Tango nicht vertraut wären! Wie schon eingangs gesagt, Sonja kennt die Texte vieler alter Tangos, singt sie mit und hat den Tangorhythmus im Blut.

Als Sonja 24 Jahre alt ist, verlässt sie Buenos Aires und geht zu ihrem Bruder nach Deutschland, bleibt dort viele Jahre, heiratet später einen Österreicher und lebt nun schon jahrzehntelang hier. Manchmal taucht der Wunsch auf, das Tangotanzen zu lernen, aber ihr Mann kann mit dieser Musik überhaupt nichts anfangen und so gab es für sie nie die passende Gelegenheit. Bis Sonja im brennstoff, der Zeitung von GEA mit dem Programm der GEA Akademie, von SOLO TANGO liest und sich sofort für einen Workshop anmeldet. Bei diesem ersten Wochenende ist sie immer wieder zu Tränen gerührt. Sie dankt uns, dass wir ihr einen Zugang zum Tango erschlossen hätten, nach dem sie sich so gesehnt habe. Und wir? Wir danken ihr, denn durch ihr Dabeisein wurde dieses Workshopwochenende enorm bereichert und wir reichlich beschenkt! Wir erleben bei ihr den Humor, den wir bei den Menschen in Buenos Aires so geschätzt haben und diese unglaubliche Herzlichkeit. In ihrer offenen Art erzählt sie uns und den TeilnehmerInnen immer wieder von „ihrer Stadt“ und dadurch werden die Musik, der Tanz, die Stimmung des Tangos noch viel greifbarer.

So hat es uns nicht wirklich erstaunt, aber enorm gefreut, als wir sahen, dass Sonja sich zum Aufbauworkshop angemeldet hatte. Und all das, womit sie den ersten Workshop bereichert hatte, intensivierte sich noch: Um Argentinien in den Tanzraum zu holen hat sie eine ganze Reisetasche voller Gegenstände mitgebracht: angefangen von einem Poncho, wie die Gauchos ihn tragen, über Bücher und Bildbände, allem, was ein argentinischer Fußballfan so braucht bis hin zum Mate und zum argentinischen Wein! Und sie erzählt und erzählt und erzählt … und den Wein spendiert sie der ganzen Gruppe bei unserer GEA-Milonga, dem Tanzabend am Samstag! Zu später Stunde fragt sie mich dann, ob wir den Tango Mi Buenos Aires querido spielen könnten.  Ich wähle eine Originalaufnahme aus dem Jahr 1934 und Sonja tanzt und singt gemeinsam mit Carlos Gardel:

Mi Buenos Aires querido                                             Mein geliebtes Buenos Aires
Cuando yo te vuelva a ver                                          am Tag, an dem ich dich wiedersehe

No habrá más penas ni olvido                                  wird es kein Leid und keine Achtlosigkeit mehr geben

Irgendwann an diesem Wochenende sagte sie, dass sie all die Jahre vielleicht deshalb so eine Sehnsucht nach dem Tango hatte, weil sie schon so lange so weit weg von Buenos Aires lebt. Aber ich meine, es ist nicht nur das. Es ist diese Kraft der Tangomusik, die tief in ihr geschlummert hat und die nun einen Weg gefunden hat, um gelebt zu werden. Und wir sind unbeschreiblich glücklich darüber, dass wir dabei ein wenig Geburtshilfe leisten konnten …

Sigrid

 

Reisegeschichten

Reisegeschichten

Für unsere Tango-Silvesterreise traten wir sie an, die langen Reise nach Norden durch den ehemaligen Ostblock. Dabei  begleitete uns ein Film, den wir vorab als Einstimmung auf den Ort, an den wir uns begeben würden, gesehen hatten. Jahrestage von Margarethe von Trotta, erzählt die Geschichte der Gesine Cressphal und ihrer Familie aus einem kleinen Dorf in Mecklenburg.

Auf Grund der Tatsache, dass der Nachtzug Wien – Berlin eingestellt worden war (unglaublich!), waren wir mit dem Bus unterwegs und passierten so Schauplatz um Schauplatz dieses Films. Wir bestiegen also in Wien den Bus, ziemlich voll und sehr eng bestuhlt, müssen wir uns gleich einmal auf wenig Bewegungsraum einstellen, aber zumindest haben die Chauffeure eine ruhige und angenehme Fahrweise. Quer durch die Tschechei geht es zunächst – trostlos wirkende Ortschaften, Regen und Nebel, weites Land und sonst nichts. Wir fallen in einen Dämmerschlaf. Erst in Prag kommt Leben auf und weckt ein wenig die Lebensgeister und vor allem die Erinnerung an den Film. Denn hier endet der Film mit der Niederschlagung des Prager Frühlings.

Gesine Cressphal ist im Auftrag einer amerikanischen Bank auf dem Weg nach Prag, um Dollar-Kredite zu vermitteln und so die Tschechoslowakei in ihren Unabhängigkeitsbetrebungen zu unterstützen. Aber dazu soll es nicht mehr kommen, die sowjetischen Panzer rollen schon …

Genau 50 Jahre ist das jetzt her und wir reisen jetzt ohne Grenzkontrollen durch ein Tschechien, das zur EU gehört. Auf unserer Fahrt mitten durch die Stadt präsentiert sie sich stolz mit Karlsbrücke und Prager Burg und diese altehrwürdigen Gebäude, die über der Moldau thronen, erzählen auch ihre Geschichten.  Zuerst noch der Moldau und dann der Elbe folgend geht es weiter Richtung Norden, diesmal durch ausgedehnte Wälder. Bald nachdem wir die Grenze zu Deutschland passiert haben, erreichen wir Dresden. Der neue Hauptbahnhof, ein sehenswertes Gebäude, versetzt mich wieder in den Film.

Hier absolviert Jakob, Gesines Geliebter, die Ausbildung zum Lokomotivführer in den Anfängen der DDR. Im aufstrebenden Sozialismus nimmt man sich vor allem der jungen Menschen an, Ausbildung und Arbeitsplätze sind gesichert, aber gehen einher mit ideologischer Erziehung, bei der keine Abweichungen geduldet werden. Bei einem Zugunglück verliert Jakob sein Leben, bevor die gemeinsame Tochter Marie geboren wird. Als Marie elf Jahre alt ist, rollen die Fragen nach dem Vater Gesines Vergangenheit auf …

Wir haben hier unseren zweiten und letzten Stopp vor Berlin. Auch Dresden, schon im Abendlicht, zeigt am Ufer der Elbe seine Schätze: Frauenkirche, Residenzschloss und Kathedrale. Ab jetzt begleitet uns Dunkelheit, die Zeit vergeht seeehr langsam. Als endlich die Lichter von Berlin auftauchen, sind wir erleichtert, bald der Enge dieses Busses entkommen zu können. Wieder in Berlin! Wenn im Moment auch nur für eine Nacht im Hotelzimmer, im Motel One am Hauptbahnhof. Ansprechendes Design, das Zimmer nicht groß, aber mit stilvollem Bad und sehr bequemem Bett, einer tollen Aussicht über das nächtliche Berlin, eine einladende Bar und ein reichhaltiges Frühstücksbuffet mit vielen Bio-Produkten, ideal für einen Zwischenstopp. Auch in Gesines Geschichte war Berlin Zwischenstopp – auf der Flucht in den Westen.

Gesine und ihrer Freundin Anita wird es, nachdem sie das Abitur in der Tasche haben, zu eng in der sozialistischen DDR und sie fliehen in den Westen. Noch gibt es keine Mauer, die Flucht ist relativ einfach, auch wenn die Spitzel der Stasi auch schnell mal nachkommen in den Westen. Aufhalten können sie die beiden aber nicht. Als die Mauer gebaut wird, lebt Gesine bereits in New York …

Ausgeruht und gestärkt konnten wir also am nächsten Morgen die Weiterreise antreten – mit dem Zug noch zwei Stunden nordwärts in die Mecklenburgische Seenplatte. Bei der Fahrt durch die Landschaft, als die ersten Seen auftauchen, werden sie wieder lebendig, die Bilder aus dem Film, denn hier nimmt er seinen Anfang.

Im Jahr 1933 wird Gesine Cressphal in einem kleinen Dorf in Mecklenburg geboren. Ihre Kindheit ist geprägt von Hitlers Machtergreifung, dem Krieg und der sowjetischen Besatzung …

Vier Jahrzehnte deutscher Geschichte werden also in diesem Film ziemlich spannend erzählt und haben so für mich diese Reise auch zu einer Reise durch die Geschichte gemacht. Bald erreichen wir Waren, das Tor zum Seenparadies der Müritz, von wo uns ein Taxi zum Gutshof Neu Schönau bringt. Wir haben das Ziel unserer langen Reise erreicht. Das liebevoll renovierte Gutshaus umgeben von einigen kleinen Seen, hätte wohl auch viele Geschichten zu erzählen. Jetzt aber bildet es einen wunderschönen Rahmen für unsere Tangowoche im hohen Norden.

Andrea

Buch- und Filmtipp:

Jahrestage,
ein Film von Margarethe von Trotta,
nach dem gleichnamigen Roman von Uwe Johnson