Zug um Zug

Zug um Zug

Dieses gesellige Spiel haben wir am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages im Familienkreis gespielt. Und am nächsten Tag machten wir uns wieder einmal auf, diesmal eine Rundreise mit dem Zug. Das Ziel: der hohe Norden Deutschlands – Mecklenburg. Etliche der Bahnhöfe,  die am Spielplan eingezeichnet waren, sollten wir nun in echt passieren.

In Graz ging die Reise los, zunächst über den Semmering in Richtung Wien. Ich freue mich jedes Mal auf dieses Stück Zugstrecke. Nicht zu Unrecht  wurde die Bahnführung über den Semmering zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Als im Jahr 1848 mit dem Bau der Bahnstrecke begonnen wurde, gab es noch keine Dampflokomotive, die die enorme Steigung über den Semmering überwinden konnte. Trotzdem wurde sie gebaut! Ich finde das ist ein schönes Beispiel dafür, wie Visionen Wirklichkeit werden, denn mit der Eröffnung der Strecke im Jahre 1854 gab es auch die entsprechende Lok. Wenn sich der Zug die Berghänge entlang schlängelt,  über Viadukte und durch Tunnels, muss ich immer an diese schöne Geschichte denken.

Wien passieren wir nur, denn unser Zug wird gleich weiter nach Prag geführt. Um die Mittagszeit haben wir dann in Prag unseren ersten Zwischenstopp. Eine Gulaschsuppe im Bahnhofsrestaurant, sich kurz im kleinen Park vor dem Bahnhof die Füße vertreten, und dann eine Überraschung in der Bahnhofshalle: hier steht ein Klavier, das darauf wartet von Reisenden bespielt zu werden. Es steht nicht lange verwaist, immer wieder stellt jemand sein Gepäck ab, um die Bahnhofshalle mit Klavierklängen zu erfüllen. Ist das nicht eine tolle Idee? Beschwingt von der Musik steigen wir in den Zug nach Berlin.

Von der vorbeiziehenden Landschaft sehen wir jetzt nicht mehr viel, denn es beginnt schon finster zu werden. Also machen wir es uns mit einer Zeitung gemütlich, trinken zwischendurch ein Bier im Bordrestaurant oder dösen ein bisschen. Am Abend sind wir wieder einmal am Berliner Hauptbahnhof. Im August erst haben wir hier beim Contemporary Tango Festival Tango getanzt, jetzt erstrahlt das Gebäude im weihnachtlichen Glanz. In einem Hotel gleich über die Straße schlagen wir unser Nachtquartier auf. Nach einem Cocktail an der Hotelbar fallen wir müde in die Betten. Auch wenn so eine Reise mit der Bahn sehr entspannend ist, müde macht sie trotzdem.

Am nächsten Morgen haben wir noch Zeit für einen kurzen Spaziergang vom Bahnhof ins Regierungsviertel, vorbei an Kanzleramt und Reichstag, mit Blick auf den Alex im Nebel, und an der Spree entlang wieder zurück – ein bisschen feuchte Berlinluft schnuppern, bevor es weitergeht. Das letzte Stück Wegstrecke bis Waren in der Mecklenburgischen Seenplatte haben wir eine Mitfahrgelegenheit mit dem Auto.

In dem wunderschönen Gutshaus von Neu Schönau tanzen wir mit 22 Frauen ins neue Jahr. Auch wenn wir die ganze Woche Tango tanzen, holen wir uns um Mitternacht live den Donauwalzer nach Norddeutschland. Diese Österreicherinnen! Der Neujahrsspaziergang führt dann aber durch eine Landschaft, die ganz anders ist, als bei uns zu Hause.

Die Heimreise, ab Berlin wieder mit dem Zug, nämlich einem ICE zunächst einmal bis München, verläuft äußerst angenehm. Diese ICEs, modern ausgestattet – es gibt WLAN im Zug und ein Bordrestaurant, in dem frau wirklich speisen kann – fliegen förmlich durch die Landschaft. Mit bis zu knapp 300 km/h erreichen wir München in nur viereinhalb Stunden. Auch hier nächtigen wir wieder in einem Hotel in Bahnhofsnähe und genießen einen Abend in München. Zuerst ein kleines Abendessen in einem Bierkeller, der alle Bayernklischees bedient, die man sich nur vorstellen kann. Ob die Maus, die zwischen den Tischen hin und her huscht, auch dazu gehört? Dann packen wir uns warm ein, es ist ziemlich eisig und beginnt gerade zu schneien, und bummeln in die Altstadt. Auch hier noch weihnachtlicher Glanz, viele Menschen in der Fußgängerzone und ein Straßenmusiker, der So, this is Christmas zum Besten gibt. Irgendwann treibt uns die Kälte dann doch zurück ins Hotel.


Die letzte Etappe, von München nach Graz, führt durch die verschneite Landschaft Salzburgs und des Ennstales. Am Fenster sitzen und diese vorbeiziehen lassen, ist wie eine Meditation. Ich lasse die Eindrücke und Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren, während wir uns der Heimat nähern. Obwohl unser Zug wegen des Schneetreibens ein wenig Verspätung hat, erreichen wir den Anschluss mit dem Regionalexpress nach Fehring. Wir kommen mit dem Zug also fast bis nach Hause.

„Genuss auf ganzer Strecke“ lautet ein Werbeslogan der Deutschen Bahn, dem ich nur zustimmen kann!

Andrea

 

Was Bücher bewirken …

Was Bücher bewirken …

Seit wir uns vor fünf Jahren auf den Weg gemacht hatten, unser Berufsleben komplett zu ändern, erlebten wir es immer wieder: Dinge ergeben sich, Türen öffnen sich, alles fügt sich. Von einem solchen Beispiel möchte ich heute erzählen.

Als wir noch als Lehrerinnen unterrichteten, besuchten wir das Queertango-Festival in Berlin. In dem Hotel, in dem wir damals abgestiegen waren, fiel uns ein Buch in die Hände: Die Straßensängerin. Am Klappentext ist folgendes zu lesen:

Die arbeitslose Fotografin Anna hat ein ungewöhnliches Ziel – sie beantragt eine Umschulung zur Straßensängerin, was natürlich abgelehnt wird. Aber Anna verfolgt ihr Vorhaben mit Sorgfalt und Gründlichkeit, unterstützt von Freundinnen, dem Sparschwein Louise, ihrer fiktiven Muse Madam X und beflügelt von der Erinnerung an eine Stimme, die sie vor Jahren in Paris gehört hat.

Wir waren sofort fasziniert und verschlangen das Buch. Auch wenn es ein Roman ist,  ist es so lebensnah geschrieben, dass das Beispiel der Protagonistin Anna, die wirklich Straßensängerin wurde, für uns als Wegweiserin diente. Mit diesem Buch wurde aus unserem Traum eine Vision, und wir fassten Mut. Es brachte uns auf den Weg.

Nun haben wir selbst schon die fünfte Saison – unglaublich! – als Straßenkünstlerinnen hinter uns und konnten immer wieder Parallelen zu Annas Weg entdecken. Aber wer konnte das so erzählen, wer war diese Autorin? Dass wir sie wirklich einmal persönlich kennenlernen sollten, davon hatten wir damals noch keine Ahnung. Aber wie gesagt, wenn es sein soll, ergeben sich die Dinge.

Als Straßenkünstlerinnen waren wir natürlich auch in Berlin, wie auch nicht, wenn dort alles seinen Anfang nahm und Berlin sowieso für Straßenkunst ein tolles Pflaster im wahrsten Sinne des Wortes ist. Da wir wussten, dass die Autorin dieses Buches, Traude Bührmann, eine Berlinerin ist, nutzten wir die Chance während dieses Berlinaufenthaltes. Wir nahmen mit dem Berliner Verlag Krug & Schadenberg, der zwar nicht dieses, aber andere Bücher von Traude Bührmann herausgegeben hatte, Kontakt auf. Und wirklich, die Verlegerinnen brachten uns zusammen. Wir begegneten uns persönlich, verbrachten einen wunderschönen Tag gemeinsam in Berlin, tauschten uns aus und mochten uns auf Anhieb.

Aber hier ist die Geschichte noch nicht zu Ende, denn heuer im Sommer erreichte uns eine sehr freudige Nachricht aus Berlin: der Parallelkurs zu unserem Tango über Silvester ist Kreatives Schreiben mit – Traude Bührmann! Wir jubelten, mit ihr gemeinsam, sie schreibend, wir tanzend eine Frauenreise zu begleiten, das hätten wir uns nicht erträumen können.

Veranstaltet wird diese Reise von WomenFairTravel, einem Frauenreisebüro ebenfalls aus Berlin. Und wahrscheinlich hat Evelyn Bader, die Leiterin dieses Reisebüros, die uns und unsere Geschichte und auch Traude Bührmann gut kennt, für diese Kombination nicht lange überlegen müssen. Unsere Vorfreude auf den kommenden Jahreswechsel ist jedenfalls groß.

Also mal angenommen du schreibst gerne, hast Silvester noch nicht verplant und nun Lust bekommen, diese Autorin und die Autorin in dir kennen zu lernen, dann kannst du dich unter dem Motto Federleicht das Jahr Revue passieren lassen auf eine spannende Reise begeben.

Andrea

 

Women only?!

Women only?!

Kürzlich ist unsere erste Tangowoche für Frauen, veranstaltet vom Berliner Reiseunternehmen WomenFairTravel, zu Ende gegangen. WomenFairTravel hat pro Jahr ca. 200 Reisetermine weltweit im Programm und beschreibt sich selbst wie folgt: Wir veranstalten sinnliche, ökologische und faire Gruppenreisen für Frauen, von denen einige einzigartig auf dem touristischen Markt sind. … Sie sollen vor allem intensive Reiseeindrücke und authentische Begegnungen mit anderen Frauen ermöglichen und viel Spaß machen! … Die Frauen im Blick zu haben liegt uns im Sinn. Überall auf der Welt. WomenFairTravel – Reisen für Frauen mit Weitblick!

In den letzten Wochen hat die Ankündigung dieser Frauenreise unter anderem auf unserer Facebookseite für Diskussionen gesorgt. Ist es am Beginn des 21. Jahrhunderts überhaupt noch notwendig eigene Frauenreisen anzubieten? Oder ist es nicht sogar diskriminierend, wenn sich das Angebot ausschließlich an Frauen richtet? Ich denke, diese kritischen Fragen spiegeln wider, dass das Verhältnis von Männern  und Frauen im Moment recht angespannt und vielleicht erneut im Umbruch ist. Vor dieser Reise haben wir geantwortet, dass es schon erstaunlich ist, dass diese eine Tangowoche nur für Frauen neben unseren vielen anderen Reise- und Workshopangeboten, die für alle offen sind, ein Problem darstellt. Gerade über Silvester fühlen sich zum Beispiel allein reisende Frauen in Hotels nicht immer ganz wohl. Jetzt, nach der Reise, weiß ich einmal mehr, wie schön und wertvoll es ist, immer wieder einmal reine Frauengruppen zu erleben! Da geht es aber wie so oft im Leben nicht um „besser“ oder „schlechter“, nicht darum, sich von Männern abkapseln zu wollen, sondern einfach darum, für eine bestimmte Zeit diese Form der Begegnung unter Frauen erleben zu können.

Natürlich ist auch immer wieder die Frage aufgetaucht, wie es denn überhaupt möglich wäre, ohne Männer einen Tangokurs zu veranstalten. Ganz einfach, indem Frauen die führende und die folgende Rolle lernen und tanzen. Die Motivationen dafür sind sehr breit gefächert. Da gibt es zum einen jene Frauen, die auf den Milongas in ihrer Stadt fast den ganzen Abend herumsitzen und darauf warten, wenigstens einige Male zum Tanzen zu kommen. Die Tangoszene ist mancherorts recht konservativ und da wird es nicht immer gerne gesehen, dass eine Frau einen Mann zum Tanz auffordert. Wir kennen einige Frauen, für die dieses Warten so frustrierend war, dass sie aufgehört haben, Tango zu tanzen. Wenn diese Frauen nun die Rolle der Führenden lernen, dann können sie ihre Tangoleidenschaft leben. Doch es gibt auch ganz andere Gründe, warum Frauen das Führen lernen wollen. Eine Teilnehmerin in diesem Kurs meinte am Beginn der Woche, sie wolle das Führen einfach ausprobieren, weil sie spürt, dass es da eine Seite in ihr gibt, die gelebt werden will. Am Ende des Kurses war es unglaublich zu sehen, wie schnell und wie großartig sie sich in dieser Rolle zurecht gefunden hat! Es war eine Freude, ihr beim Tanz zuzusehen und frau könnte glauben, dass sie das Führen schon jahrelang macht. Sie war dann selbst auch ganz begeistert und erfreut über das, was sie bei sich entdeckt hat. Einige Teilnehmerinnen haben immer wieder die Rollen getauscht und wollten das Führen und Folgen (kennen)lernen, um so das Wesen des Tangos noch besser verstehen zu können. Unser Verständnis von Führen und Folgen auf Augenhöhe hat dies wohl erleichtert und wurde von den Frauen sehr geschätzt. Eine andere Teilnehmerin wiederum wollte in ihrer gewohnten Rolle als Folgende bleiben, weil sie im Alltag als alleinerziehende Mutter und in ihrer beruflichen Selbständigkeit stets die Führende ist und daher im Tanz den Ausgleich sucht. Eine kleine Episode während des Tanzens zeigt, was für sie dabei wichtig ist: Als ich einmal mit ihr tanzte und sie mit einem neuen Schritt noch nicht sofort klar gekommen ist, wollte sie das korrigieren. Ich sagte ihr, das sei nicht notwendig, es sei meine Aufgabe als Führende daraus eine neue Möglichkeit zu finden.  Und sie war ganz glücklich und meinte wie schön es sei, einmal die Verantwortung ganz abgeben zu können.

Ganz automatisch war dieser Kurs also auch ein Nachdenken über die Rollen im Tango und ein Experimentieren mit den Rollen als Führende und Folgende. Und als wir im Thementeil Mujeres y Tango die Geschichte der Frauen im Tango, also „Herstory“ erzählten und zur Musik von Komponistinnen, Sängerinnen und Frauentrios tanzten, war das besonders intensiv für uns alle.

Neben diesen Erfahrungen im Tanz war auch das Zusammensein als Gruppe von 32 Frauen (mit den Teilnehmerinnen des Feldenkrais-Kurses) in diesem Seminarhaus äußerst angenehm. Es gab diese vielen, authentischen Begegnungen, Gespräche mit interessanten Frauen, die von ihrem jeweiligen Lebenshintergrund her ganz unterschiedliche Sicht- und Denkweisen einbrachten, es gab eine Woche lang eindeutig eine frauengerechte Sprache und es gab viel Spaß – so, wie WomenFairTravel es beschreibt. Dass wir in dieser Woche vom Koch des Hauses, also von einem Mann, mit köstlichem Essen versorgt wurden, bringt den Rollentausch auf einer anderen Ebene nochmals ins Spiel! Ist doch schön, wenn die Rollenbilder einmal mehr aufgebrochen werden!

Nun, unsere Kooperation mit WomenFairTravel wird auch 2018 weiter bestehen bleiben und die nächste Silvester-Tangoreise für Frauen ist bereits fixiert. Nach dieser wunderbaren Woche freuen wir uns schon jetzt darauf!

Sigrid

 

Wieder einmal Berlin!

Wieder einmal Berlin!

Mit dem Nachtzug machen wir uns heute wieder einmal auf die Reise nach Berlin. Diesmal, mitten im Winter, sind wir aber nicht als Straßenkünstlerinnen unterwegs. Seit wir nicht mehr als Lehrerinnen arbeiten, haben wir nämlich viele verschiedene Berufe: wir sind Künstlerinnen, Bloggerinnen, Tangolehrerinnen, Workshoperinnen und „Reiseleiterinnen“! Und als solche sind wir zu einem Treffen aller Reiseleiterinnen, die für WomenFairTravel arbeiten, nach Berlin eingeladen.

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Bei unserem Aufenthalt im Mai in Berlin haben wir mit Evelyn Bader von WomenFairTravel Kontakt aufgenommen und schon bei unserer ersten Begegnung hat uns ihre ruhige, kompetente Art beeindruckt. Sie ist nicht nur eine erfahrene Touristikerin, sondern leitet das Unternehmen mit einem feinen Gespür und ist offen für Neues. Schnell waren wir uns einig, dass AdanzaS und WomenFairTravel eine Kooperation eingehen werden! So findet sich unsere Tangoreise nun in einer bunten Palette an spannenden Frauenreisen: Wanderreisen in Kanada, Nepal oder im Cornwall oder Natur- und Entdeckungsreisen werden neben ganz speziellen Reisen wie etwa Kameltrekking in der Wüste, Ghanas starke Frauen oder diverse Reisen zum Thema Wellness & Body angeboten. Und natürlich hat frau die Wahl zwischen allen erdenklichen Urlaubsaktivitäten, wie Kanufahren, Segeln oder Radfahren, Singen oder Tanzen. Um all diese unterschiedlichen Angebote bieten zu können, hat Evelyn einen enormen Pool von Reiseleiterinnen aufgebaut, mit denen sie auf äußerst angenehme Weise kommuniziert. Um diese Kontakte zu pflegen, lädt sie diese Frauen aus Nah und Fern nun zu einem Wochenende nach Berlin. In der Einladung fand sie treffende Worte, um den Beruf der Reiseleiterin zu beschreiben:

Reiseleiterinnen sind ja oft überall und selten bei sich zuhause und manchmal mit vielen Menschen zusammen und dann ganz plötzlich wieder allein – und hoffentlich nicht einsam. Reiseleiterinnen müssen so vieles können und so vieles bewältigen und sollen dabei immer entspannt sein, vor allem so wirken. Sie haben einen tollen Job und manchmal so gar nicht. Das Reiseleiterinnen-Dasein hat viele Facetten …

Auch wir haben schon einige dieser Facetten erlebt und sind gespannt auf den Austausch mit den anderen. Wie wichtig das Netzwerken auch für uns ist, haben wir im letzten Jahr begriffen und freuen uns nun über jede Gelegenheit dafür. Als Lehrerinnen wurden wir ja leider eher zu Einzelkämpferinnen ausgebildet. Nun sind wir als AdanzaS ein eingespieltes Team, aber darüber hinaus braucht es viele Kontakte und Kooperationen. Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, mit KooperationspartnerInnen zu arbeiten und langfristige Kooperationen aufzubauen, die für beide Seiten bereichernd und wertvoll sind. Dass dies, wie zum Beispiel mit WomenFairTravel, bereits einige Male gelungen ist, zählen wir zu den großen Erfolgen des letzten Jahres.

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Und gerade beim Schreiben dieses Artikels wird mir wieder einmal bewusst, dass wir einen tollen Job haben. Das zeigt sich auch an dieser Reise: ein Wochenende in Berlin mit vielen Begegnungen liegt vor uns! Wunderbar!

Sigrid

 

Castello di Monticelli

Castello di Monticelli

Wie schon im letzten Blogartikel berichtet, führte unsere Heimreise aus Italien über einen sehr angenehmen Umweg nach Umbrien. Der Grund war, dass wir Castello di Monticelli kennenlernen wollten, weil wir dorthin eine Tangoreise geplant haben.

Bei unserer Ankunft wurden wir von der Gastgeberin Ellen herzlich empfangen. Ein erster Rundgang mit ihr durch die Anlage beeindruckte uns gleich sehr. Das Castello liegt auf einem kleinen Hügel inmitten eines breiten Tales, sodass man von dort eine wunderbare Aussicht in alle Richtungen hat. Man kann den Blick schweifen lassen über die umbrische Landschaft mit ihren sanften Hügeln und den darin verstreuten mittelalterlichen Dörfern. Von der Terrasse aus, unter Pinien, öffnet sich der Ausblick besonders weit und Perugia ist in Sichtweite. Die historischen, denkmalgeschützten Gebäude, die zum jetzigen Urlaubsdomizil gehören, liegen inmitten eines großen Parks. Pinien, Oliven, Lavendel, Rosmarin und viele andere mediterrane Pflanzen bilden den Rahmen für die unterschiedlichen Gebäude mit ihrer langen Geschichte.

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Ursprünglich war das Castello, wie der Name schon verrät, eine Festung. Bereits die Römer erbauten an dieser Stelle zwei Türme zur Verteidigung gegen die Longobarden. Steine aus dieser Zeit sind auch heute noch in den Türmen zu finden. Eine wechselvolle Geschichte folgte, in der sich die Funktion des Castellos immer wieder änderte. Von einer Verteidigungseinrichtung wandelte sich Monticelli im 11. Jhd. für 500 Jahre lang in ein Benediktinerkloster, bis es im 15. Jhd. von einer aristokratischen Familie gekauft wurde. Diese erweiterte die Anlage um einen Palazzo. Von da an diente es verschiedenen adeligen Familien als Sommer- und Jagdresidenz. In den beiden Weltkriegen hingegen mutierte es zu einem Gefängnis, unter anderem auch für österreichische Soldaten. Durch die beiden Kriege wurde vieles an den Gebäuden zerstört und so nahmen es ab 1945 Bauern der Umgebung in Besitz. Sie betrieben vor allem Wein- und Tabakanbau. Mit ihren Familien und ihren Tieren, Schweinen und Kühen, belebten sie bis in die 80er Jahre das kleine Borgo. Danach verfiel es zu einer Ruine. 1999 kauften es die jetzigen BesitzerInnen, Ellen aus Deutschland mit ihrem italienischen Mann. Wir waren sehr bewegt, als wir das erfuhren, denn es ist die gleiche Zeit, in der wir ein Jahr in Umbrien auf der Suche nach einem Haus gelebt haben. Wir wollten ebenfalls ein Gästehaus daraus machen, konnten diesen Traum aber nicht verwirklichen und gingen andere Wege. Nun, Ellen und ihr Mann haben sich der großen Herausforderung gestellt, das verfallene Borgo zu renovieren, Gebäude um Gebäude, und so ist die derzeit letzte Funktion der historischen Anlage, die eines luxuriösen Ferienresorts.

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Wir konnten diesmal für kurze Zeit hinein schnuppern, wie es ist, dort Urlaub zu machen: untergebracht in einer Suite, schlicht und elegant eingerichtet, einladend und gemütlich die Sitzgruppe vor einem offenen Kamin, eine kleine Kochnische bietet die Möglichkeit sich selbst mit Köstlichkeiten aus der Umgebung zu versorgen, ein großzügiges Bad und Schlafzimmer sorgen für die nötige Erholung und aus den Fenstern genossen wir die Ausblicke auf die umbrische Landschaft.

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Im Park flanieren, es sich auf der Terrasse gemütlich machen, ein Sprung in eines der beiden Pools, die sehr versteckt in die Parkanlage integriert sind (im Winter gibt es stattdessen die Möglichkeit im kleinen Spa zu entspannen), eine Plauderei mit Ellen, ein köstliches Frühstück im ehemaligen Speisesaal der Mönche, eine Führung durchs Schloss, an einem Kochabend teilnehmen, Ausflüge in die Umgebung (Perugia, Assisi, ein Naturpark, … sind nicht weit) unternehmen, … unzählige Möglichkeiten bieten sich an. Und dann noch der Tango – wir sehen uns schon dort, in einem der alten Säle, die Geschichte atmen, Tango tanzen. Wenn du jetzt nicht widerstehen kannst, es gibt noch freie Plätze für die Tangoreise über Silvester. In einem umbrischen Schloss ins neue Jahr zu tanzen wäre doch eine Option, oder?

Andrea

 

Traumhaftes Umbrien

Traumhaftes Umbrien

Vor wenigen Tagen ist in Österreich ein Schuljahr zu Ende gegangen und die Sommerferien haben begonnen. Obwohl unser endgültiger Schulschluss schon drei Jahre zurückliegt, ist jene Zeit für mich noch immer eine Zäsur im Jahreslauf – zu lange hat dieser Rhythmus mein Leben bestimmt. Heuer erinnere ich mich aber aus gutem Grund an den Schulschluss des Jahres 2000. Damals haben wir uns in unseren Schulen verabschiedet, um ein Sabbatical, eine einjährige Auszeit, zu beginnen. Für uns aber ist es um mehr als um dieses Jahr gegangen, denn wir sind schon damals einem Traum gefolgt und wollten eigentlich nicht in die Schule zurückkehren. Dieser Traum hatte noch überhaupt nichts mit dem Tango zu tun – der Tango ist erst Jahre später in unser Leben getreten – sondern mit unserem Sehnsuchtsland Italien.

12775998914_2421f2aa98_bIn den späten 1990ern sind wir mehrmals im Jahr nach Mittelitalien, in die Toskana und auch nach Umbrien, gereist und irgendwann ist der Traum entstanden, dort ein altes Bauernhaus zu kaufen, zu renovieren und daraus ein Gästehaus zu machen. Im September 2000 sind wir mit Sack und Pack aufgebrochen, wir hatten uns in den Hügeln oberhalb des Lago Trasimeno in einem alten Steinhaus eine Wohnung gemietet, und unser Leben in Italien hat begonnen. Wir haben in diesem Jahr 90 (!) Häuser besichtigt, einige davon waren wunderschön und auch sehr interessant und passend für unsere Pläne, wir hätten ein Buch über Makler schreiben können und unser Italienisch war perfekt bei allem, was mit Häusern zu tun hatte. Das Problem war leider der Preis, der in jenem Jahr (angeblich aufgrund der bevorstehenden Euroumstellung und der damit verbundenen Bezahlung in bar …) enorm angestiegen ist und damit einerseits unser Budget und andererseits unsere Risikofreudigkeit für eine Finanzierung überstieg. Wir sind also am Ende dieses Jahres nach Österreich zurückgekehrt und haben danach auch wieder als Lehrerinnen gearbeitet. Unseren Traum vom Haus am Land haben wir in den folgenden Jahren hier im Südburgenland verwirklicht, indem wir ein altes Bauernhaus renoviert haben, in dem wir immer noch wohnen.

War dieses Jahr also eine Niederlage – ausgeträumt der Traum von Italien? Nein, denn es war einfach wunderschön, ein Jahr lang in Italien zu leben! Wir sind verändert und bereichert zurückgekehrt, was natürlich nicht heißt, dass es da nicht auch Zeiten gab, in denen wir traurig waren und uns von unserem Traum verabschieden mussten.

Nun, warum erzähle ich all das? Warum kommen mir gerade heuer dieser Schulschluss und der Beginn unseres Lebens in Umbrien in den Sinn?

2685264588_90a8f5280f_bWeil unser Leben mit dem Tango uns demnächst nach Umbrien führen wird!!! Und zwar in ein wunderschönes, altes Castello, wie die Bauernhäuser in Mittelitalien aus Stein gebaut und herrlich gelegen auf einem kleinen Hügel mit Aussicht über die umbrische Landschaft. Wir wohnten damals wenige Kilometer entfernt von jenem Castello di Monticelli, das südöstlich des Lago Trasimeno liegt und liebevoll zu einem Hotel umgestaltet wurde.

2685321684_15145e380a_b (3)Über Silvester werden wir dort für Women Fair Travel einen Tangokurs für Frauen geben und damit an eine andere Tradition, die wir in jenen späten 1990er Jahren gepflegt haben, anknüpfen. Wir sind damals mehrere Jahre hintereinander über Silvester in der Toskana oder in Umbrien gewesen. Im Winter sind die Landschaft und ihre Stimmung beinahe noch faszinierender als im Sommer. Nicht nur, weil weniger TouristInnen unterwegs sind, ist es möglich das Land und seine Menschen unmittelbarer zu erleben. Das Besondere ist das Licht der tiefstehenden Sonne! Einfach traumhaft schön, wie das Land, das um diese Zeit in leuchtendem Grün erstrahlt, in diesem Licht zur Geltung kommt und in manchen Augenblicken fast magisch wirkt. Der See, im Sommer als milchig-braune Fläche eher unspektakulär, wird nun zum Star eines Farbenspiels, das von den umliegenden Hügeln aus wie von Logenplätzen zu sehen ist: mehrmals am Tag wechselt er sein Aussehen in allen erdenklichen Blau- und Grüntönen, spiegelt die Wolken und reflektiert das Licht. Dass es dazu noch angenehme Temperaturen gibt, die einmal am Neujahrstag sogar ein Picknick im Olivengarten möglich machten, macht den Aufenthalt natürlich noch feiner.

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Und heuer werden wir in der Silvesternacht in Umbrien Tango tanzen! Der Kurs ist eine Kombination aus unserem Solo Tango Workshop, in dem jede allein in der Gruppe Tango tanzt, und der Möglichkeit für den klassischen Tango Argentino als Paartanz. Beides soll nebeneinander Platz haben und uns allen miteinander ein völlig neues Tangoerlebnis eröffnen. Und gestärkt für diese Tangonacht werden wir nach einem köstlichen Silvestermenü, das in Italien der Mittelpunkt der Feier zum Jahresabschluss ist, auf jeden Fall sein.

Wie sehr ich mich darauf schon freue, steht wohl deutlich zwischen den Zeilen. Vielleicht ist diese Freude ansteckend???

Sigrid