Vom Aufrichten bis zur Tango-Zeitrechnung

Vom Aufrichten bis zur Tango-Zeitrechnung

Der August war für uns keine Urlaubs- sondern mit zwei Kurswochen eine intensive Arbeitszeit. Den Anfang machte die Tangowoche Vom solo ins Paar im Künstlerdorf Neumarkt hier im Südburgenland. Wir haben das Konzept mit Solo Tango an den Vormittagen, Tango im Paar an den Nachmittagen und an den Abenden die Möglichkeit zum freien Tanzen verfeinert. In diesen Kurswochen gibt es eigentlich nur Tango, Essen, Schlafen und schöne Begegnungen. Danach sind wir ziemlich erschöpft, wir haben viel gegeben und sind erfüllt von all dem, was wir zurückbekommen. Immer wieder erreichen uns nach den Kursen Mails mit Rückmeldungen der Teilnehmer*innen, die uns beglücken und dankbar machen. In diesem Blogartikel möchte ich sie – anonym – zu Wort kommen lassen.

… Ich wollte mich nochmals bei euch bedanken, ich habe auch im Nachhinein bemerkt, wie gut dieses tägliche Tangosolo-Training war, es hat sich einfach in den Körper eingeschrieben und dann läuft es auf der Milonga im Paar natürlich viel besser. Ich habe mir jetzt angewöhnt, in der Wohnung auch mal zwischendrin ein bisschen Tangosolo zu machen! 

… Ich habe das Gefühl, ihr habt in den Tagen echt alles gegeben. Das hat nicht nur mit Tanz-Haltung zu tun, sondern mit euren Persönlichkeiten. So engagiert, wie ihr unterrichtet, aber auch als einzelne Frauen und als Paar präsent seid, ist sehr besonders.

Die meisten Feedbacks betreffen Solo Tango – nicht nur nach der Solo Tango Sommerwoche, die es heuer zum zweiten Mal in der GEA Akademie im Waldviertel gab, sondern auch nach vielen anderen Workshops. Das Gehen und die aufrechte Haltung werden hier immer wieder genannt:

… Ich vermisse das morgendliche Gehen – welche hätte das gedacht!  Gehen und sonst nichts tun.  Das hat mir sooo gut getan!

Tangoschritte erden — das brauche ich 😉

… Eigentlich hatte ich ja nicht damit gerechnet, dass mir das Tanzseminar so zusagen wird! Mittlerweile verstehe ich auch, dass ihr den Tag gleich mit ein paar Tangos beginnt. Hatte ja selber schon am vorletzten und letzten Seminartag nach dem Aufwachen Tangomusik im Kopf. Als ich aber am Samstag im Supermarkt den Einkaufswagen im Tangoschritt geschoben habe, überlegte ich mir schon, ob ich mich davon nicht wieder „entwöhnen“ sollte!?😄

Auch heute noch, eben auf der Hunderunde, bewege ich mich im Tangoschritt.

… TANGO hilft dabei den Weg zu gehen. Ganz im Hintergrund wirkend.
Ich werde es bewusst einsetzen für mich
IM EIGENEN TEMPO
MIT ERHOBENEM HAUPT
MIT DER MÖGLICHKEIT ZUR FREIEN ERNTSCHEIDUNG

Ich habe gelernt, Haltung zu bewahren und gehe jetzt aufrechter und traue mich mehr aufzuschauen, das habe ich in der jetzigen Lebensphase gebraucht!

… Euer Workshop war mehr für mich als „nur“ tanzen, es war auch Inspiration für eine neue Körper- und vermutlich auch Lebenshaltung!

Vorerst schreite ich nur mit erhobenem Haupte vom Arbeitsplatz zum Drucker und wieder zurück, aber ich studiere schon den Tangokalender!

Dass wir mit Solo Tango vielen Menschen erstmals das Tangotanzen eröffnen, freut uns jedes Mal ganz besonders. Einige betonen das dann auch in ihren Rückmeldungen:

… Mit dem Solo Tango habt ihr einen Raum kreiert, der etwas Einzigartiges ermöglicht: Tanzen. Ich muss nicht warten, bis ich eine Tanzpartnerin habe – ich tanze, also bin ich.

… Habe heute schon intensiv an euch und Tango gedacht, da in Ö1 zwischen 17.30 und 18 Uhr Tangomusik aus Finnland und Buenos Aires. Habe kurz das Einkochen unterbrochen, um zu tanzen :-).

… Ich bin sehr dankbar für den Ort in mir, den ich wiederfinden durfte, wo es tanzt. Es ist kein unbekannter Ort, und doch ein Ort, den ich nicht kannte. Als ob etwas in mir sich erinnert und heimgekehrt ist, obwohl ich nicht wusste, dass ich fort war. Eine tiefe Berührung.

Und wenn die Teilnehmer*innen am Ende einer Kurswoche nach dem Termin für das nächste Jahr fragen, dann wissen wir, dass die Woche gut war. Dass es aber sogar eine Tango-Zeitrechnung gibt hat uns dann doch überrascht:

… Vielen Dank für den Termin für 2020 – eigentlich plane ich nicht so früh im Voraus, aber der Tango ist fix! So geht mein Jahr von Tango zu Tango (August zu August). Auch eine Zeitrechnung!

Also dann, auf ein – weiteres – gemeinsames Tanzen!
Sigrid

 

Anmerkung:
Herzlichen Dank an euch alle, die ihr diese Rückmeldungen geschrieben und euch beim Lesen wiedererkannt habt!

Mascarada

Mascarada

… ist der Titel unseres neuen women tango acts, der am Samstag beim evangelischen Frühlingsball in Wien seine Premiere hatte. Interessant ist, dass sich die Entstehung dieses Stückes einfach ergeben hat, ohne als Vorhaben für den vergangenen Winter geplant gewesen zu sein. Den ersten Anstoß dazu hatten wir letzten Herbst, als wir ein paar Tage in Venedig verbrachten. Dort begegnen einer, auch wenn nicht gerade Karnevalszeit ist, auf Schritt und Tritt Masken, die einfach faszinieren. Und wir erinnerten uns, dass wir venezianische Masken besitzen, die wir vor langer Zeit erstanden, aber erst einmal getragen hatten. Die Idee, diese für eine Tango-Tanzgeschichte zu verwenden, tauchte auf. Als wir dann bald darauf Überlegungen für unsere Tanzvorführung zu Silvester anstellten, war sie gleich wieder da, diese Idee. So probierten wir einmal, wie es sich mit Masken tanzt. Anfangs sehr ungewohnt durch das eingeschränkte Gesichtsfeld und die offenere Tanzhaltung, wurde es aber schnell zu einem faszinierenden Spiel, das uns nicht mehr losließ. Zwei Bücher, die uns in die Hände fielen, eines über Tänzerinnen der Moderne, in dem von Mary Wigman erzählt wird, die in ihrem Tanz Masken einsetzte, das zweite ein Roman, in dem von einer Frau erzählt wird, die im Laufe ihres Lebens zu einer Meisterin der Maskerade wird, lieferten dann den entsprechenden Hintergrund. Und die Trainingswoche, die wir uns im Februar im Gleichenbergerhof gönnten, gab uns die Zeit, um dranbleiben zu können und die Tanzgeschichte reifen zu lassen.

Man könnte also sagen dieses Stück fiel uns einfach zu und wir konnten gar nicht anders, als es umzusetzen. Mascarada wagt es, unsere alltäglichen Maskeraden zu hinterfragen und tanzend zu erforschen, ob wir den Blick hinter die Masken riskieren können.
Ein wo/men tango act als geheimnisvolles und tiefgründiges Maskenspiel – einfach verzaubernd!

Mit diesen Worten beschreiben wir es ganz kurz. Und mit der entsprechenden Musik von Mercedes Simone und den Kostümen, entworfen von Michaela Eckhardt, entführen wir auch in die 1930er Jahre.

Die Beschreibung der Ballnacht, in der nicht nur die Premiere von Mascarada stattfand, sondern auch ein Tango Argentino Schnupperworkshop, den wir geleitet haben, überlasse ich  der Öffentlichkeitsreferentin Martina Schomaker:

Knapp 400 Ball-Begeisterte haben am Samstag, 11. Mai 2019, gemeinsam den traditionellen „Evangelischen Frühlingsball“ gefeiert. … Der Tango-Schnupper-Workshop mit dem Duo AdanzaS sprengte gar die Bijou Bar. Es kamen so viele Neugierige für die halbe Stunde zusammen, dass kurzer Hand im Foyer des Parkhotels der Tango Argentino ausprobiert wurde. „Tango ist Improvisation“, sagte Andrea Tieber vom Duo AdanzaS und Partnerin Sigrid Mark ergänzte: „Wir freuen uns sehr über das große Interesse!“ Die beiden gaben als Mitternachtseinlage vor der Quadrille eine fantastisch arrangierte Tango Argentino-Performance.

Folgendes Video eines Ballgastes zeigt den ersten Tanz von Mascarada bei dieser Premiere:

Die Premiere eines neuen Stückes ist für uns immer aufregend. Diesmal nicht auf der Straße, sondern im wunderschönen Ballsaal des Parkhotels Schönbrunn zu tanzen, war ein ganz besonderes Gefühl!

Andrea

© Fotos: Martina Schomaker, Evangelische Kirche A.B.
© Video: Franz Pfluegl, www.fotograf.at

 

Tanzen bis ins hohe Alter

Tanzen bis ins hohe Alter

… ist im Tango eine Selbstverständlichkeit. Erst kürzlich hat der ORF einen Beitrag über die 92jährige Argentinierin Norma Maturano, die in Salzburg mit ihrem 70jährigen Sohn tanzte, gesendet. Sie tanzt bereits seit 80 Jahren und bewegt sich noch immer geschmeidig und anmutig. Schälmisch lächelnd meint sie: „Wenn ich nicht tanze, sterbe ich!“ In Österreich klingt das unglaublich und außergewöhnlich, in Buenos Aires haben wir alte Menschen immer wieder als Teil der Tangowelt erlebt.

So zum Beispiel das Paar auf dem Foto, das jeden Sonntag während des berühmten Antiquitätenmarktes von San Telmo an einer Ecke der Plaza Dorrego tanzte – begleitet von einem Bandoneonspieler und bestaunt von den zahlreichen Touristinnen und Touristen. Ebenfalls sonntags sind wir regelmäßig in der Confiteria Ideal auf jene Milonga gegangen, die vorwiegend von älteren Tänzerinnen und Tänzern besucht wurde. Gerade die älteren Tanzpaare zelebrieren den Tango in seiner Langsamkeit, interpretieren vor allem die klassische Tangomusik sehr ausdrucksstark und scheinen in ihren Bewegungen ein ganzes Tangoleben zu verdichten. Ihr Tanz lebt nicht von spektakulären Figuren, sondern von der Harmonie als Paar und der Eleganz ihrer Bewegungen. Immer wieder sind uns aber auch Menschen begegnet, die erst im Alter das Tangotanzen erlernen. So zum Beispiel jener Herr, der mit seinen Enkelkindern auf einer Milonga war und sich von ihnen die Basics zeigen ließ. Er gehört zu jener Generation, die in ihrer Jugend keinen Zugang zum Tango gefunden hat, sei es, weil der Rock’n‘Roll verlockender war, sei es, weil die Militärdiktatur der späten 1970er und frühen 1980er Jahre den Tango verboten hat. Sie haben ihr Leben lang die Tangomusik geliebt, aber nie dazu getanzt und als Seniorinnen und Senioren versuchen sie nun die ersten Schritte.

Genau das ist nun auch in Wien möglich, denn seit Februar haben die Pensionistenklubs der Stadt Wien Tango Argentino in ihrem Programm. Jeweils am letzten Freitag des Monats sind wir in zwei Seniorentreffs, am Vormittag im 21. Bezirk und am Nachmittag im 6. Bezirk, und geben einen Tangokurs. Die Idee dazu hatte Markus Gebhardt, ein junger Mann, der im Projektmanagement der Pensionistenklubs tätig ist. Als er gerade am Konzept für einen Regenbogen.Treff im 6. Bezirk, also einem Angebot für gleichgeschlechtlich liebende Seniorinnen und Senioren, feilte, hat er von uns erfahren. Er hat uns kontaktiert und gefragt, ob wir in diesem Rahmen einen Tangokurs geben würden und konnte nicht ahnen, dass das Tangotanzen mit alten Menschen schon lange als Idee in unseren Köpfen herumgeistert. Denn einerseits haben wir ja im SOLO TANGO häufig ältere Teilnehmer*innen. Sie erleben den Tango als Training für den Körper, etwa für das Gleichgewicht, und für den Geist. Und dass Tangotanzen bei Demenz und Parkinson sowohl als Prävention als auch in der Therapie große Erfolge hat, ist mittlerweile reichlich belegt. Ein spannendes Thema und ein spannender Hintergrund für den Tango. Wir sind ja keine Therapeutinnen, sondern vermitteln den Tango als Tanz – und erleben gerade mit den alten Menschen wieder einmal, dass der Tango so vieles eröffnet.

Das Gehen in Umarmung zu erleben, die Schritte bewusst zu setzen, als Paar gemeinsam in Bewegung zu kommen sind wesentliche Aspekte unserer Kurse in diesen Klubs. Und es ist faszinierend und beglückend zu sehen, welche Freude und Begeisterung in den Gesichtern der alten Damen und Herren aufleuchtet. Es geht nicht so sehr um Perfektion und doch ist es ihnen wichtig zu wissen, wie das im Tango so geht und wie sie ihre Schritte setzen sollen. Aber wir spüren eine Gelassenheit und ein Sich-einlassen ohne Verbissenheit in ihrer Art zu tanzen. Was nicht heißt, dass sie nicht an Neuem interessiert sind – immer wieder fragen sie uns, ob der Kurs aufbauend ist und ob das nächste Mal etwas Neues dazukommt. Beim ersten Mal schon sagte ein Herr, wie schade es sei, dass der Kurs nur einmal im Monat stattfindet und beim zweiten Mal kamen so viele, dass die Tanzfläche fast so voll war wie auf einer Milonga in Buenos Aires. Wir spielen auch ganz bewusst jene klassischen Tangos der 1930er und 1940er Jahre, die in Buenos Aires auf Milongas üblich sind und erleben, wie sehr diese Musik den Seniorinnen und Senioren entspricht. Wenn sie ihre Runden drehen ist ihnen anzusehen, wie sie das Tanzen genießen, wie beglückt sie sind, in die Welt des Tangos einzutauchen. Dass es dabei um gesundheitliche Aspekte, um Demenzvorbeugung, um Stabilität der Schritte geht, braucht gar nicht angesprochen zu werden – es passiert ganz von allein.

Bis Juni sind wir an den letzten Freitagen des Monats wieder in Wien, aber vielleicht ist dieser Kurs erst ein Anfang?   

Sigrid

 

Die berühmten 10.000 Stunden

Die berühmten 10.000 Stunden

Ich, Conchita heißt das Buch, in dem Tom Neuwirth nach dem Sieg beim Eurovision Song Contest 2014 erstmals seine Geschichte erzählt. Darin spricht ein äußerst reflektierter und weltoffener, kritischer und selbstkritischer junger Mann, der davon träumte ein Star zu werden und dessen Traum sich als Conchita erfüllte. Manchen ist er in jener Nacht wie ein Überflieger erschienen, der wie Phönix aus der Asche aus dem Nichts heraus ganz nach oben kam. Wie wird man zum Star? Wie schafft man den Erfolg? Tom Neuwirth verweist auf das Buch Überflieger – Warum manche Menschen erfolgreich sind und andere nicht von Malcom Gladwell und die darin erwähnte Studie The Making of an Expert des Psychologen Anders Ericsson. Diese hat nachgewiesen, dass die Überflieger nicht als Wunderkinder zur Welt kamen, sondern ihren Erfolg Fleiß und Disziplin verdanken. Heute weiß man, dass es zehntausend Stunden braucht, bis man als Sänger, Pianist, Geiger, Schriftsteller oder Sportler sein Talent perfektioniert hat. Zehntausend Stunden! Als ich das las, ging es mir wie Tom Neuwirth es beschreibt, ich dachte mir: das ist aber ziemlich viel! Er fügt aber gleich hinzu: Auf der anderen Seite sind sie zu schaffen, wenn man von einer Sache begeistert ist. An diesem Wort – Begeisterung – trennt sich die Spreu vom Weizen. Mit einem kleinen Rechenbeispiel veranschaulicht er dann auch, wie diese 10.000 Stunden zu schaffen sind – mit 8 Stunden Training, in seinem Fall ist das Gesangstraining, pro Tag an 1250 Tagen oder 3,5 Jahren.

Spätestens in diesem Augenblick habe ich selbst zu rechnen begonnen: wir tanzen seit März 2007, also seit fast genau 12 Jahren Tango Argentino. In den ersten Jahren war der Tango unser Hobby – wie viele Stunden haben wir damals getanzt? In den drei Monaten unserer intensiven Ausbildung in Buenos Aires sind viele Stunden dazugekommen und seit Februar 2014, als klar war, dass wir unserem Traum folgen und der Tango unser Beruf wird, gehört das regelmäßige Trainieren zu unserem Arbeitsalltag. Bei welcher Zahl stehen wir wohl? Nun, die Antwort ist nicht leicht und heute lässt sich diese Rechenaufgabe wahrscheinlich gar nicht mehr nachholen. Aber das Wort Begeisterung ist wirklich das, worauf es ankommt. Wir wurden immer wieder gefragt, ob wir uns zum Training aufraffen, manchmal überwinden müssen oder ob es uns nicht schwerfällt, unseren Tagesplan so strikt einzuhalten und wir nicht anstelle des Trainings lieber einmal blau machen würden. Ehrlich, das war noch nie ein Thema, ganz im Gegenteil, wenn wir längere Zeit nicht zum Tanzen kommen, dann geht es uns richtig ab. Und so ist wohl auch die Idee entstanden, eine Arbeitswoche ausschließlich dem Tanzen zu widmen und eine Trainingswoche zu machen: an einem schönen Ort, an dem wir mit köstlichem Essen versorgt sind, es vielleicht für den Abend einen Wellnessbereich zum Entspannen gibt und natürlich einem passenden Raum um zu tanzen und zu tanzen und zu tanzen.

Letzte Woche haben wir diese Idee realisiert! Das Hotel Gleichenbergerhof in Bad Gleichenberg war der passende Ort dafür. Als klein und fein und sehr privat beschreiben Gerti und Reinhard Kaulfersch ihr Haus. Ich meine, da fehlt der Zusatz … und auf höchstem Niveau! Die abwechslungsreiche Bio-Küche, der großzügige und ansprechende Wellnessbereich, den wir fast für uns hatten, und die ruhige Atmosphäre im Haus waren wie geschaffen dafür, um uns nur auf den Tango zu konzentrieren.

Die Tage waren intensiv und auch anstrengend, aber es war wunderbar zu spüren, wie viel in solch einer komprimierten Arbeitsweise erreicht werden kann. Wir verstehen uns ja, wie Conchita, als Künstlerinnen mit dem Anspruch, mehr und mehr Meisterinnenschaft zu erlangen. Und auch, wenn wir nach wie vor nicht bei den zehntausend Stunden angelangt sind, so sind wir ein gutes Stück weitergekommen, unserem Ziel näher gekommen. Und dieses Ziel ist die Präzision im Tanz! Kürzlich habe ich ein Interview mit Conchita gelesen in dem sie sagt, sie sei eine Perfektionistin. Da unterscheide ich mich von ihr, denn ich würde nicht Perfektion als Ziel bezeichnen. Erstens, weil ich zweifle, dass diese in einem so komplexen Tanz wie dem Tango überhaupt möglich ist. Und auch, weil es nicht um das Perfektsein an sich geht, sondern um das, was wir mit unserem Tanz vermitteln können. Und da sind Präzision, Harmonie und Eleganz für mich wichtiger als Perfektion. Aber vielleicht sind das nur Wortspielereien, vielleicht ist das, was Conchita meint, gar nicht wesentlich anders. Und auch Gerti und Reinhard Kaulfersch streben wohl danach, ihr Hotel so zu führen, dass für ihre Gäste alles perfekt passt. So ist es nicht verwunderlich, dass wir uns dort  wohl gefühlt haben, ich am Abend nochmals im Buch von Conchita geschmökert habe und am Ende der Woche müde, erfüllt und überglücklich nach Hause gefahren bin – mit einigen Stunden mehr auf unserem Trainingskonto, mit einigen Schritten näher dran am Ziel der Meisterinnenschaft und mit dem Wissen, dass dies zwar die erste, aber bestimmt nicht die letzte Trainingswoche für uns war!

Sigrid

 

PS: Die Bilder fangen die Stimmung in und um das Hotel Gleichenbergerhof ein und halten unsere schöne Begegnung beim meet & great mit Conchita vor ihrem Konzert am Grazer Schloßberg im August 2017 fest.

Verwendete Literatur:
Conchita Wurst. Ich, Conchita. Meine Geschichte, Verlag LangenMüller

 

Making of …

Making of …

Subterráneo (span. für unterirdisch) ist der Titel unseres neuen Videos und der Titel des Tangos, zu dem wir dabei tanzen. Ich möchte euch heute mit meiner Erzählung einen Einblick in die Entstehungsgeschichte geben. Dieses Projekt des letzten Sommers war nämlich ein besonders spannendes in Kooperation mit mehreren kreativen Frauen.

Schnell war klar, dass wir als Filmerin Astrid Rampula von astrimage FILM wollten. Wir kennen sie persönlich, hatten aber auch schon einige Filme von ihr gesehen. Sie hat bei ihren Projekten eine besondere Herangehensweise, indem sie zuerst einmal viele Fragen stellt. Was ist euch wichtig? Welche Geschichte wollt ihr erzählen? Für wen soll das Video sein? Und dann erst geht es ans gemeinsame Planen: Musik, Location, Outfit, …

Von Anfang an war das Schöne an diesem Projekt, dass es so leicht von der Hand ging, es ist im Flow entstanden, indem das Eine das Andere ergeben hat. Zu dem Zeitpunkt, als wir über die Musik nachdachten, sahen wir zufällig ein Video von Christine Swoboda, in dem sie das Bandoneon spielt. Wir kennen Christine schon eine Weile, machen gemeinsam die Tango & Yoga Workshops, und dachten, wir fragen sie einfach, ob sie nicht auch bei unserem Video mitwirken möchte. Sie war nicht nur dazu bereit, sondern hat in kürzester Zeit für uns einen Tango komponiert, geprobt und im Studio aufgenommen, damit bis zum Drehtermin die Musik im Kasten war. Ein wunderbares Geschenk!

Ähnlich hat es sich auch mit der Frage des Outfits ergeben. Michaela Eckhardt betreibt in Jennersdorf ein Modeatelier. Wir hatten sie im Frühsommer bei einer Veranstaltung von Frau in der Wirtschaft kennengelernt, so fiel sie uns gleich ein. Ich erzählte ihr von meinen Vorstellungen und sie hatte doch tatsächlich so ein Stück schon fertig bei sich hängen. Es musste nur noch an meine Maße angepasst und um die Farbe rot ergänzt werden. Eine gleichfarbige Schärpe dazu für Sigrid, und so stand auch unser Outfit innerhalb von kürzester Zeit.

Bezüglich der Location hatte dann Astrid die entscheidende Idee: die Tiefgarage in ihrem Wohnhaus. Sie hatte dort für ein anderes Projekt schon einmal gedreht. Nach einem Lokalaugenschein, ob diese auch fürs Tanzen geeignet ist, wurde dann der Drehtermin festgesetzt.

Am 10. August war es so weit. An diesem heißen Hochsommertag waren wir über die gewählte Location besonders glücklich. Michael, Sigrids Bruder, konnten wir als Kameraassistent gewinnen. Er sorgte dafür, dass wir im rechten Licht tanzen konnten. Da in der Tiefgarage immer wieder die Lichter ausgingen, musste er ständig die Bewegungsmelder aktivieren. Als Statist und Lichtquelle war auch unser Fiat 500 anwesend. Der hat sich dabei allerdings so angestrengt, dass am Ende des Drehs die Batterie leer war. Dank einer Nachbarin von Astrid, die vorbeikam und uns ein Starterkabel borgte, und Michaels Hilfe konnten wir ihn dann wieder in die Gänge bringen. Christine mit ihrem Bandoneon war natürlich auch mit dabei und Astrid hat uns alle ganz wunderbar durch den Drehtag geführt. Bei einem gemeinsamen Essen ließen wir die schöne Zusammenarbeit ausklingen.

Für uns war dann die Arbeit getan, für Astrid keinesfalls. Denn erst mit Schnitt und Bearbeitung ist das daraus geworden, was ihr hier jetzt sehen könnt – eine Arbeit mit der wir überglücklich sind.

Andrea

 

Life-Work-Balance

Life-Work-Balance

Ich weiß, eigentlich heißt es Work-Life-Balance. Diesen verbalen Verdreher habe ich schon vor knapp drei Jahren fabriziert, als wir im Aufbau unserer Selbständigkeit waren und es bei einem Coaching um das Thema Zeit ging. Unsere Coach meinte damals schmunzelnd, ich hätte also meine Prioritäten schon gesetzt. Mittlerweile leben wir die Selbständigkeit und haben einige Erfahrungen dazu gesammelt, von denen ich heute erzählen möchte.

Beim Einstieg in die Selbständigkeit hörten wir immer wieder: Wer selbständig ist, arbeitet selbst und ständig! Da ist schon was dran, im Positiven und als Herausforderung. Tatsächlich machen wir fast alles selbst – von der Buchhaltung und den Mailkontakten, der Organisation der Reisen, den Kontakten zu den KooperationspartnerInnen, der Terminplanung und der Aktualisierung der Website, vom Schreiben der Blogartikel und dem Marketing bis hin zum Tanzen und Tanzen und Tanzen – auf Workshops und Kursen, bei Auftritten und beim Training. Manchmal scheint es verlockend, die eine oder andere Arbeit abgeben zu können, aber dieses selbst arbeiten hat zwei ganz große Vorteile: erstens fällt viel Kommunikation weg, denn wir sind ganz automatisch immer am Laufenden und wissen über alles Bescheid, und zweitens ist unser Arbeitsalltag dadurch sehr abwechslungsreich. Das ist auch einer der Punkte, den ich ganz besonders schätze und der für mich schon ein erstes Mosaiksteinchen meiner Life-Work-Balance ist. Natürlich macht nicht alles gleich viel Spaß, aber keine der Tätigkeiten dauert ewig und dann gibt es wieder die schönen Dinge – wie das tägliche Tanztraining oder nette Kontakte.
Im Wörtchen ständig lag für mich die größere Herausforderung, denn ich bin eine Denkerin. In der Aufbauzeit sind mir wirklich ständig Gedanken rund um unsere Arbeit durch den Kopf gegangen – beim Frühstück ebenso wie beim Spazierengehen. Anfangs habe ich diese neuen Ideen oder Fragen immer gleich angesprochen, bis Andrea meinte, wir brauchen auch Zeiten, in denen wir nicht über die Arbeit sprechen. Das war wichtig, aber nicht immer leicht durchzuhalten. Heute habe ich gelernt, meinen Kopf frei zu bekommen, nicht immer an die Arbeit zu denken und diese Auszeiten zu genießen. Und wir brauchen die Trennung von Arbeit und Freizeit auch nicht mehr so strikt, können nach ein paar Sätzen, einem kurzen Telefonat oder einer Mailantwort schnell wieder abschalten.

Dass wir mittlerweile gut von Arbeit auf Freizeit umschalten können, macht auch das Reisen so genussvoll. Meist sind wir für unsere Workshops und Kurse ja an wunderschönen Orten, die durchaus beliebte Urlaubsziele sind. So können wir manchmal schon unterwegs ein wenig Urlaubsluft schnuppern, oder es geht sich sogar am Arbeitswochenende in der Mittagspause ein Spaziergang aus – wie dieses Foto aus Rovinj zeigt: Life-Work-Balance am Meer!

Das Wort Urlaub führt uns weiter zu jener Frage, die mich im ersten Jahr der Selbständigkeit sehr beschäftigt hat: brauche ich von der Tätigkeit, die ich liebe und die ich vom Hobby zum Beruf gemacht habe, überhaupt Auszeiten? Als Lehrerin musste mich niemand davon überzeugen, dass ich die Wochenenden und Ferien als Erholungsphasen brauche, aber muss ich mich vom Tangotanzen erholen? Fast ein Jahr lang haben wir, natürlich auch deshalb, weil in der Aufbauzeit sehr viel zu tun war, uns wirklich kaum freie Tage genommen – bis wir am Ende des Jahres ziemlich erschöpft waren. Nun wussten wir, dass es arbeitsfreie Zeit braucht – nicht, um eventuellen Frust zu verarbeiten oder abzuschalten, sondern einfach um uns mal auszuschlafen oder nichts zu tun. Heute ist uns klar, dass der Montag nach einem Arbeitswochenende unser „Sonntag“ ist und dass wir nach einer ganzen Tangowoche einige Tage reservieren, in denen keine neuen Termine auf uns warten und wir erst einmal „Urlaub daheim“ machen.

Damit bin ich schon beim nächsten Punkt: unser Zuhause ist auch unser Arbeitsort. Das spart natürlich viel Zeit! Für unsere Workshops und Kurse sind wir sehr viel unterwegs, aber der tägliche Weg zur Arbeit fällt bei uns weg. Das bedeutet zwar – siehe oben – dass wir selbst die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit ziehen müssen, bietet aber enorm viel Lebensqualität. Denn das größte, goldene Mosaiksteinchen, das wohl am meisten zur Balance beiträgt, ist, täglich für uns kochen, in Ruhe das Mittagessen genießen, noch einen Espresso trinken und dann erst weiterarbeiten. Das ist wirklicher Luxus!

Die Aufbaujahre unserer Selbständigkeit sind vorbei und seit Sommer erleben wir, dass wir wirklich die Balance gefunden haben – wir haben festgestellt, dass wir zur Zeit genau das richtige Maß an Arbeit haben. Nun heißt die Herausforderung wohl, diese Balance zu halten und vielleicht das eine oder andere Mal „Nein“ zu sagen, wenn wir angefragt werden. Mal sehen, was das nächste Jahr bringt.

Im Moment sind wir wieder in einer absoluten Ausnahmesituation, denn für uns ist der Advent tatsächlich die stillste Zeit im Jahr. In diesen Wochen vor Weihnachten sind andere Dinge wesentlich und die Menschen kommen nicht zum Tangotanzen – und so haben wir in dieser Zeit fast keine Termine! Dafür starten wir gleich nach den Feiertagen, wenn die meisten von euch ruhige Tage genießen, nach Norddeutschland zu unserer Silvestertangoreise. Life-Work-Balance braucht ja beides, sonst gäbe es keine Balance!

Sigrid

 

Facciamo un giro

Facciamo un giro

Wir drehen eine Runde! Diese Idee hatten wir schon vor Monaten beim Blick in den Terminkalender, als wir feststellten, dass die Woche nach unserem Workshop in Tirol noch nicht verplant ist. „Wenn wir ausnahmsweise mit dem Auto statt mit dem Zug reisen, könnten wir am Rückweg über Italien fahren und endlich wieder einmal Bella Italia genießen!“ Auf den zweiten Blick stellten wir fest, dass wir am Wochenende davor im Waldviertel SOLO TANGO tanzen und schon tauchte die Frage auf: „Vom Waldviertel 300 Kilometer zurück ins Südburgenland und dann gleich nach Innsbruck?“  Wir sind zwar gerne mit unserem kleinen Fiat unterwegs, aber lange Autofahrten lieben wir gar nicht. Also, dann machen wir gleich eine große, zweiwöchige Tour!

So sind wir an einem strahlend schönen Freitag Richtung Norden aufgebrochen – ausgerüstet mit Arbeits- und Freizeitutensilien und voller Vorfreude auf diese Reise. Von Anfang an war klar, dass wir ab nun Arbeit mit Genießen verbinden und es uns richtig fein machen. So legten wir, im Waldviertel angekommen, eine Mittagsrast am Ottensteiner Stausee ein, bevor wir das letzte Stückchen nach Schrems fuhren. In der GEA Akademie fühlten wir uns schon fast wie zu Hause, so vertraut sind uns die Menschen und die Atmosphäre dort schon. Und wie bei allen vorhergehenden Workshops hatten wir wieder eine total nette Gruppe und ein großartiges SOLO TANGO Wochenende.

Sonntag zu Mittag, nach dem herzlichen Abschied von unseren TeilnehmerInnen, tauschten wir die Tanzschuhe gegen Wanderschuhe und machten uns auf ins Schremser Hochmoor und in die Gegend um Heidenreichstein. Das sanfte Herbstlicht, die bunten Blätter, das saftige Grün und das tiefblaue Wasser der Seen und Teiche zauberten eine Stimmung, die beinahe unwirklich schön war! Wir konnten uns kaum sattsehen und sind immer wieder stehen geblieben, um Neues zu bestaunen.

Am Montag machten wir uns auf den Weg nach Salzburg und ließen uns dabei so richtig treiben. Spontan legten wir in Freistadt einen ersten Stopp ein und bummelten durch die kleine, nette Altstadt. Obwohl das Wetter nicht perfekt war, lockte uns das Salzkammergut. So kam ich erstmals nach Gmunden und war sofort begeistert! Der See, die prachtvollen alten Häuser an der Uferpromenade, der Blick auf die Berge! Noch heute hat Gmunden das Flair früherer Tage, als es ein Tummelplatz für SommerfrischlerInnen war. Zum Beispiel in der Conditorei Grellinger am Franz-Josef-Platz, die schon seit 1888 besteht. Beim Blick in das Gästebuch zeigt sich, dass hier nicht nur zu „Kaisers Zeiten“ alles, was Rang und Namen hatte, ein- und ausging und so wurde  K&K im Salzkammergut kurzerhand uminterpretiert in Künstler&Kaiser. Ob die Törtchen damals auch schon so köstlich waren, weiß ich nicht, aber unsere Kaffeepause war der reinste Genuss! Als wir die Conditorei verließen, blitze die Sonne hervor und wir beschlossen, nicht zurück auf die Autobahn zu fahren, sondern auf kleinen Straßen weiter durch das Salzkammergut zu reisen. Unser Cinquecento kletterte die Bergstraße hinauf und schien wie wir von dem Panorama, das sich plötzlich auftat, angetan! Über den Attersee und den Mondsee – mit dem Mond über dem See! – ging es dann am Abend nach Salzburg.

In Salzburg machten wir uns zu Fuß auf den Weg (unser Fiat hat sich eine Pause verdient!), um die Stadt zu erkunden. Wir schlenderten einfach durch die Gassen der Altstadt, ohne Plan und ohne Ziel, machten hier und dort Entdeckungen, zum Beispiel eine Hackbrett spielende Straßenkünstlerin nahe dem Dom, fanden uns plötzlich im Park des Schlosses Mirabell wieder, bestiegen anschließend den Festungsberg und spazierten zum Mönchsberg … inmitten von Tausenden TouristInnen und dennoch allein!

Dann war wieder die Arbeit an der Reihe! Auf der Suche nach einer Kooperation in Süddeutschland sind wir auf ein Seminarhotel nahe dem Chiemsee aufmerksam geworden und haben mit der Geschäftsführerin einen Termin vereinbart. Wir besichtigten das Haus und besprachen eine mögliche Zusammenarbeit. Dann fuhren wir zum See und nach einem köstlichen Mittagessen im Haus am See in Chieming tauschten wir unseren roten Fiat gegen ein blitzblaues Elektroboot und machten eine Spazierfahrt. Ehrlich, so schön kitschig ist es selten!

Am nächsten Tag ging es bei Kaiserwetter nach Tirol zu einer anderen K&K Audienz – der Anblick der beiden Bergmassive des Zahmen und Wilden Kaisers war tatsächlich majestätisch. Auf einer Mautstraße fuhren wir auf die 1000 Meter hoch gelegene Griesneralm direkt an der Nordwand des Wilden Kaisers. Unser Cinquecento blieb dort zurück und wir machten uns auf zu einer Bergtour. Und dieser Tag war so wunderschön, dass ich gar keine Worte finde und einfach die Bilder sprechen lasse:

Ab Freitag war wieder Tanzen angesagt – bei unserem ersten Workshop in Tirol, der ganz unter dem Motto klein und fein stand. Das Seminarhaus Zeit&Raum, mitten im Dorf Mieders, wurde behutsam und stimmig in ein 400 Jahre altes Bauernhaus integriert, hell und freundlich, mit viel Holz, einer angenehmen Atmosphäre und umgeben von einer prachtvollen Bergkulisse.
Klein und ganz besonders war aber auch die Gruppe der Teilnehmerinnen, die sich durch gemeinsame Botanikkurse  bei Anima Miedler gut kannten.  Sie hat nicht nur dieses Wochenende für uns organisiert, sondern die Gruppe mit feinem Gespür begleitet und einen harmonischen Rahmen bereitet. Ein ganz spezielles Tangowochenende!

Nach getaner Arbeit war es dann soweit – auf nach Bella Italia! In Bozen machten wir den ersten Stopp, fuhren weiter nach Trento und durch das Val Sugana nach Valdobbiadene, wo der Prosecco gedeiht. Und vom ersten Moment an waren wir mittendrin in all dem, was wir an Italien so lieben: In Valdobbiadene war Markttag, ein buntes Treiben auf der Piazza und in der kleinen Osteria, in der die Menschen nach dem Einkaufsbummel ein Glas Prosecco tranken und wir eine Mittagsjause einnahmen. Laut und fröhlich war die Stimmung und das Essen köstlich! Dann kurvten wir auf kleinen Straßen umher, um ein Agriturismo zu finden, parkten unseren Cinquecento vor dem Weingut, in dem wir uns einquartierten und machten uns auf zu einer ersten Erkundungsrunde. Am nächsten Morgen marschierten wir wieder los, ohne Landkarte und ohne Markierungen, suchten den Weg durch die Rebzeilen, Hügel auf und Hügel ab, kamen genau zur Mittagszeit an einer Osteria vorbei, in der wir uns stärkten, lagerten uns zur Siesta in einem der Weingärten und beschlossen die Runde mit einem Glas Prosecco bei der Ankunft in „unserem“ Weingut. Da fehlte nur noch eines: ein köstliches Abendessen in einem netten Ristorante! Perfetto!

Langsam nahte das Ende unsere Rundreise und auf einmal war sie da, die freche Idee, als krönenden Schlusspunkt nach Venedig zu reisen. Unser Cinquecento blieb am Dach des Parkhauses zurück und hatte so zumindest eine schöne Aussicht. Wir machten uns zu Fuß auf den Weg und fanden schnell ein nettes, kleines Hotel, bevor wir mit unserem Streifzug durch das Labyrinth der Gässchen und Brücken begannen. Bald machten wir in einer Bar die erste Pause für ein Häppchen – eine Riesenauswahl an Köstlichkeiten machte die Entscheidung nicht einfach! – und ein erstes Glas Wein. Dann gingen wir weiter Richtung Rialtobrücke, entdeckten im Luxuseinkaufstempel eines alten Palazzos den Zugang zu einer Dachterrasse, standen über den Dächern von Venedig und staunten! Während dieser ersten Stunden in der Stadt wussten wir zeitweise gar nicht, ob das denn nun die Wirklichkeit oder ein Traum ist, wir waren wie verzaubert! Je näher wir dem Markusplatz kamen, umso dichter wurde das Gedränge – waren wir in Salzburg noch inmitten von Tausenden TouristInnen unterwegs, so waren es hier wohl Zehntausende. Aber auch das hatte seinen Reiz: sich einfach in die Menge fallen zu lassen, die Menschen zu beobachten, irgendwie doch mit ihnen verbunden, aber eigentlich ganz für uns zu sein. Auf dem ganzen Weg durch die Stadt begleitete uns auch der Tango – immer wieder tauchte ein Werbeplakat für Tango auf, und zur Livemusik vor dem berühmten Cafe Florian am Markusplatz tanzten wir sogar ein paar Schritte. Am Abend dann war es ruhig in der Stadt, Venedig gehörte wieder den VenezianerInnen – ja, die gibt es! – und den wenigen Gästen, die wie wir hier übernachteten und diese besondere Atmosphäre der ruhigen Kanäle, des Lichts in den Gässchen und auf den kleinen Plätzen, und natürlich das köstliche Essen in einer kleinen Osteria schätzen.

Unglaublich, was wir in diesen zwei Wochen gesehen und erlebt haben! So ist dieser Beitrag viel länger geworden als alle anderen, aber was hätte ich auslassen, wovon hätte ich nicht erzählen sollen?  Und ehrlich, ich habe nicht übertrieben, es war wirklich so traumhaft! Immer wieder haben wir festgestellt, wie wunderschön es gerade ist, wie fein wir es haben, wie dankbar und glücklich wir sind!
Era un giro grandissimo e bellissimo!

Sigrid