Mi Buenos Aires querido

Mi Buenos Aires querido

Dass die Menschen in Buenos Aires ihre Stadt lieben, haben wir in unserer Zeit dort auf vielfältige Weise erlebt. Nun aber wurde diese Erinnerung beim Workshop SOLO TANGO II wachgerüttelt, denn eine Teilnehmerin, ich nenne sie hier Sonja, war eine Portena. „HafenbewohnerInnen“ nennen sie sich, die Menschen, die in Buenos Aires geboren sind und Buenos Aires im Herzen tragen.

Sonja war schon im Jänner bei einem SOLO TANGO Wochenende in der GEA Akademie und sie ist mir gleich am ersten Abend aufgefallen, weil sie bei allen alten, klassischen Tangos die Texte mitgesungen hat. Und bei ihrem Tanz war sofort zu merken, dass sie zwar die Tangotechnik, die Art der Tangoschritte nicht kennt, aber den Rhythmus spürt und tanzt. Bald kamen wir ins Gespräch und sie erzählte, dass sie in Buenos Aires geboren sei und dort bis zu ihrem 24. Lebensjahr gelebt habe, aber noch nie Tango getanzt hat. Und damit sind wir schon mitten in ihrer Geschichte, die zugleich die Geschichte einer ganzen Generation von Portenas und Portenos ist. Also mal langsam und schön der Reihe nach:

Ihre Großeltern väterlicherseits sind 1933 wie so viele andere aus Deutschland ausgewandert. Ihr 6jähriger Sohn war mit an Bord des Schiffes, das sie nach Buenos Aires brachte. Auch ihre Mutter ist das Kind deutscher Auswanderer, wurde aber bereits in der „Neuen Welt“ geboren. Ihre Geschichte bleibt wie die der Zehntausenden anderen, die von Europa aufgebrochen sind mit der Hoffnung auf ein besseres Leben, im Dunkeln. Die meisten von ihnen kamen aus Italien, dann folgte Spanien und schon an dritter Stelle steht Deutschland. So erstaunt es auch nicht, dass es in einigen Stadtvierteln von Buenos Aires deutsche Gemeinden und mehrere deutsche Schulen gibt. Sonja besuchte eine dieser deutschen Schulen, ging zur Konfirmation und lebte als Jugendliche in der Stadt des Tangos – die in den späten 1970er und frühen 1980ern keineswegs die Stadt des Tangos war! Sie erzählt, dass der Tango für sie als Jugendliche überhaupt keinen Reiz hatte. Tango – das war etwas für die Alten! Sie und ihre FreundInnen tanzten Ballroom oder Rock’ n Roll, aber doch nicht Tango! Und wirklich, auch wir haben in Buenos Aires erfahren, dass es da eine ganze Generation gibt, die nie einen Zugang zum Tangotanzen gefunden hat und die auch heute, als Erwachsene 50+ , nicht Tango tanzen können oder wollen. Aber das heißt dennoch nicht, dass sie mit dem Tango nicht vertraut wären! Wie schon eingangs gesagt, Sonja kennt die Texte vieler alter Tangos, singt sie mit und hat den Tangorhythmus im Blut.

Als Sonja 24 Jahre alt ist, verlässt sie Buenos Aires und geht zu ihrem Bruder nach Deutschland, bleibt dort viele Jahre, heiratet später einen Österreicher und lebt nun schon jahrzehntelang hier. Manchmal taucht der Wunsch auf, das Tangotanzen zu lernen, aber ihr Mann kann mit dieser Musik überhaupt nichts anfangen und so gab es für sie nie die passende Gelegenheit. Bis Sonja im brennstoff, der Zeitung von GEA mit dem Programm der GEA Akademie, von SOLO TANGO liest und sich sofort für einen Workshop anmeldet. Bei diesem ersten Wochenende ist sie immer wieder zu Tränen gerührt. Sie dankt uns, dass wir ihr einen Zugang zum Tango erschlossen hätten, nach dem sie sich so gesehnt habe. Und wir? Wir danken ihr, denn durch ihr Dabeisein wurde dieses Workshopwochenende enorm bereichert und wir reichlich beschenkt! Wir erleben bei ihr den Humor, den wir bei den Menschen in Buenos Aires so geschätzt haben und diese unglaubliche Herzlichkeit. In ihrer offenen Art erzählt sie uns und den TeilnehmerInnen immer wieder von „ihrer Stadt“ und dadurch werden die Musik, der Tanz, die Stimmung des Tangos noch viel greifbarer.

So hat es uns nicht wirklich erstaunt, aber enorm gefreut, als wir sahen, dass Sonja sich zum Aufbauworkshop angemeldet hatte. Und all das, womit sie den ersten Workshop bereichert hatte, intensivierte sich noch: Um Argentinien in den Tanzraum zu holen hat sie eine ganze Reisetasche voller Gegenstände mitgebracht: angefangen von einem Poncho, wie die Gauchos ihn tragen, über Bücher und Bildbände, allem, was ein argentinischer Fußballfan so braucht bis hin zum Mate und zum argentinischen Wein! Und sie erzählt und erzählt und erzählt … und den Wein spendiert sie der ganzen Gruppe bei unserer GEA-Milonga, dem Tanzabend am Samstag! Zu später Stunde fragt sie mich dann, ob wir den Tango Mi Buenos Aires querido spielen könnten.  Ich wähle eine Originalaufnahme aus dem Jahr 1934 und Sonja tanzt und singt gemeinsam mit Carlos Gardel:

Mi Buenos Aires querido                                             Mein geliebtes Buenos Aires
Cuando yo te vuelva a ver                                          am Tag, an dem ich dich wiedersehe

No habrá más penas ni olvido                                  wird es kein Leid und keine Achtlosigkeit mehr geben

Irgendwann an diesem Wochenende sagte sie, dass sie all die Jahre vielleicht deshalb so eine Sehnsucht nach dem Tango hatte, weil sie schon so lange so weit weg von Buenos Aires lebt. Aber ich meine, es ist nicht nur das. Es ist diese Kraft der Tangomusik, die tief in ihr geschlummert hat und die nun einen Weg gefunden hat, um gelebt zu werden. Und wir sind unbeschreiblich glücklich darüber, dass wir dabei ein wenig Geburtshilfe leisten konnten …

Sigrid

 

Spätherbst an der Kvarner Bucht

Spätherbst an der Kvarner Bucht

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich am Balkon unseres Zimmers im Hotel Miramar und blicke immer wieder hinaus auf die Kvarner Bucht. Vor mir liegt das glitzernde Meer, die tiefstehende Sonne zaubert um diese Jahreszeit eine ganz neue, ungewöhnliche Atmosphäre aufs Wasser. Eine leichte Brise lässt die Wellen tanzen und sorgt so gemeinsam mit der Sonne für eine stetig wechselnde Choreographie. Dahinter heben sich die Inseln Cres und Krk ab, liegen scheinbar verlassen im Meer, denn durch die tiefstehende Gegensonne sind keine Einzelheiten, sondern nur ihre Umrisse auszumachen. Noch weiter am Horizont sind die schneebedeckten Berge zu sehen und der Blick reicht bis hinunter zum Velebit Gebirge. Am Morgen war der Wind, der von diesen Schneebergen her kam, noch frisch. Jetzt, zur Mittagszeit, ist er angenehm und kühlend, denn mit einer der Jahreszeit angepassten, wärmeren Hose und einem Pullover ist es hier an diesem Sonnenplätzchen richtig  warm.

Soeben sind wir von einem Spaziergang durch Opatija zurückgekehrt. Das kleine Städtchen im Nordwesten der Kvarner Bucht mit seinen 13.000 Einwohnern ist zur Ruhe gekommen. Nach einer langen Sommersaison, in der vor allem im Juli und August die Straßen, Strände und Bars ziemlich überfüllt sind, scheint es nun wieder zu sich selbst zu finden. Am Lungomare, dem Spazierweg direkt am Meer, begegnen uns fast nur Einheimische, alle im Wintermantel oder mit einer Daunenjacke, manche beim gemütlichen Flanieren, manche auf der täglichen Runde mit ihrem Hund, andere beim Joggen oder gemütlich auf einer Bank sitzend. Alles geht hier langsam von statten, und auch die wenigen TouristInnen, die jetzt hierher kommen, scheinen sich diesem Tempo anzupassen. Ein Kaffee oder ein Aperitif auf der Sonnenterrasse des Cafe Wagner, ein kleiner Tratsch, für alles scheint Zeit zu sein. Mir fällt dabei ein Liedtext von Reinhard Mey ein, in dem er zwar eine Seebad an der Ostsee besingt, der aber auch hier an der Kvarner Bucht im Spätherbst voll und ganz zutrifft:

Ich liebe das Ende der Saison!

Die Tage werden kürzer und die Schatten werden länger..
Im Kurhaussaal rücken sie die Tische enger
Und heizen manchmal schon den vord‘ren Raum.
Der heißumkämpfte Tisch, den nur die Halbgötter bekamen,
Ist nicht mehr heißumkämpft und plötzlich frei.
Und dein Gesicht hat endlich für den Kellner einen Namen,
Du bist auf einmal wichtig und nicht nur Tisch Nummer drei!

An den verwaisten Fahnenmasten klopfen lose Leinen
Und irgendwo dort drüben schlägt ein Gartentor im Wind.
Wie all diese Geräusche deutlicher und lauter scheinen,
Wenn erst die lauten Stimmen der Saison verklungen sind!

Der Kiosk und das Eiscafé machen nach und nach dicht.
Zittern glitzernde Tautropfen im späten Sonnenlicht.
Wenn jetzt die Sonne scheint, dann ist das nicht mehr selbstverständlich,
Und du nimmst jeden Strahl einzeln und dankbar hin.
Nichts ist mehr so wie‘s war, und du kannst spür‘n: Alles ist endlich.

Ich liebe das Ende der Saison!

(Reinhard Mey, Text gekürzt)

Für das heutige Opatija ist Ende November wirklich die Sommersaison zu Ende, denn die Zeit, als Adelige und BürgerInnen aus Mitteleuropa hier den Winter verbrachten, ist längst vorbei. Gerade noch für Weihnachten oder Silvester öffnen einige wenige Hotels, darunter auch das Hotel Miramar, dann ist endgültig alles für die Winterpause geschlossen. Für die Menschen, die hier leben, ist das wohl gut so, denn nun haben sie ihre Stadt am Meer wieder für sich. Im Café um die Ecke treffen sich wieder alte Bekannte, die Einkaufsstraße erstickt nicht mehr im Verkehrsstau und in der alten Markthalle bieten die Frauen die herbstliche Ernte an – Spinat, winzig kleiner Radicchio, Kohl und Kraut, Nüsse, Kaki und getrocknete, kleine Feigen, die an den Sommer erinnern.

Wir haben Opatija nun schon zu den verschiedensten Jahreszeiten bereist – im April und Mai, im Juli und nun zum zweiten Mal Ende November. Es ist spannend einen Ort immer wieder anders zu erleben und jedes Mal haben wir dieses Plätzchen an der Kvarner Bucht genossen. Aber, eines ist mir heute klar geworden: Ich liebe Opatija am Ende der Saison!

Sigrid

 

Begegnungen am Meer

Begegnungen am Meer

Bei unserem letzten Aufenthalt im Miramar ist der Fotograf, der für das Hotel immer wieder Fotos und Videos aufnimmt, gerade eingetroffen. Die Direktorin hat gleich vorgeschlagen, dass er auch Aufnahmen von uns machen könnte und so lernten wir Ernst von Chaulin kennen. Er stammt aus Bayern und war uns mit seinem weichakzentuierten Dialekt gleich sympathisch. Und er überraschte uns, indem er uns für das Fotoshooting auf das Dach des 4. Stockes einlud, und uns so eine völlig neue Perspektive auf das Miramar und die Kvarner Bucht eröffnete. Das Shooting selbst war dann die nächste angenehme Erfahrung: eine sehr achtsame Herangehensweise des Fotografen ließ uns schon ahnen, dass dies ganz besondere Aufnahmen werden könnten.

Nun, seither sind viele Wochen vergangen. Im Miramar ist Sommer-Hochsaison und wir haben nachgefragt, wie es um die Fotos steht. Und nach wenigen Tagen haben wir eine große Auswahl an Bildern zugesandt bekommen – und waren bzw. sind begeistert! Unser Eindruck, dass es sich hier um eine feine Arbeit mit Tiefgang handelt, wurde bestätigt! Die Fotos sind ausdrucksstark und vermitteln viel von dem, was wir mit dem Tango verbinden. Danke, lieber Ernst!

Aber nicht nur diese Begegnung im Miramar hat mich spontan dazu veranlasst, diesen Artikel zu schreiben, sondern auch zwei Links zu Videos, die Ernst von Chaulin in den vergangenen Wochen in und rund um das Hotel Miramar gedreht hat. Auch sie spiegeln intensive Begegnungen und dieses Sich-Einlassen auf das Gegenüber wider. Im ersten Video ist es die Begegnung mit der Kunst und dem Künstler Ante Bakter. Er lebt im Landesinneren Kroatiens und wird vom Miramar immer wieder eingeladen, sich vom Meer inspirieren zu lassen und im Hotel Bilder zu gestalten. Während unseres Aufenthaltes im Mai hat er an einem Nachmittag im Garten des Hotels ein Bild gemalt und den Gästen so die Möglichkeit gegeben, dabei zu sein und zu erleben, wie die Blütenpracht auf die Leinwand gezaubert wird. Nun hat er ein Wandgemälde im Bereich des großen, neuen SPAs angefertigt und die Arbeit des Malers wurde vom Fotographen festgehalten. Entstanden ist ein Video, das den Respekt vor der Kunst und dem Künstler ebenso darstellt, wie den Entstehungsprozess eines Kunstwerkes.
Mit diesem Link kommt ihr zum Video:

Ein Wandgemälde entsteht
im Hotel MIRAMAR

Auch wenn es verlockend ist, im Sommer faul am Strand zu liegen und die Erholung in der Entspannung zu suchen – mit einem zweiten Video zeigt Ernst von Chaulin, dass die Region Kvarner viel mehr zu bieten hat. Und dass eine Begegnung mit Land und Leuten, mit ihrer Musik und ihrer Kultur und der Natur ringsum äußerst lohnend ist! Es ist ein Video der langsamen Art, ohne schnelle Schnitte und ohne Action. Aber gerade durch diese Langsamkeit, die von der ruhigen Musik der Gruppe Pesekani unterstrichen wird, geschieht allein schon beim Zuschauen ein Stück Erholung, ein wenig Entschleunigung, einfach, das, was wir mit Urlaub verbinden. Hier wieder der Link zum Video:

Pesekani – eine kroatische Musikgruppe
entführt in die Kvarner Bucht

Begegnungen, Entschleunigung, Achtsamkeit – drei Begriffe, die für mich in den letzten Jahren wesentlich geworden sind und die ich in unserer Arbeit als Tangotänzerinnen so sehr schätze. So erfreut und überrascht es mich ganz besonders, diese in Fotos und Videos in und rund um das Hotel Miramar anzutreffen. Und umso mehr freue ich mich auf unseren nächsten Aufenthalt dort – Ende November – für Tango am Meer mit AdanzaS!

Sigrid

 

Die Tugend der Neugierde

Die Tugend der Neugierde

Katzen gelten als neugierige Tiere. Ihnen wird diese Eigenschaft quasi als naturgegeben zuerkannt. Bei uns Menschen sieht es da ganz anders aus: „Sei nicht so neugierig!“, haben wir als Kinder oft zu hören bekommen, und zu einer guten Erziehung gehörte es, das Laster der Neugierde auszurotten. Warum eigentlich? Ist sie nicht eher eine Tugend, die uns im Leben weiterkommen lässt?

Da ist erstens einmal das Reisen, das ohne einer gehörigen Portion Neugierde undenkbar wäre. Die berühmten Reisenden früherer Jahrhunderte haben enorme Strapazen auf sich genommen, um großartige Entdeckungen zu machen und davon zu berichten. Vieles, das heute zum selbstverständlichen Grundwissen unserer Zeit gehört, verdanken wir der Tatsache, dass diese Frauen und Männer ihrer Neugierde gefolgt sind. Heute ist das Reisen viel einfacher geworden und manchmal fehlt es dabei leider auch an dieser Lust auf das Neue. Vielfach erinnert das Reiseverhalten eher an ein Konsumieren von Sehenswürdigkeiten, an das Abhacken einer imaginären TO SEE LIST oder an eine Flucht aus dem Alltag mit der Hoffnung, im Urlaubsparadies alles möglichst so wie zu Hause, nur ohne Arbeitsalltag, vorzufinden. Neugierige Menschen geben sich damit nicht zufrieden und reisen auch heute noch wie jene EntdeckerInnen von damals. Sie reisen langsam, wollen Land und Leute wirklich kennenlernen und gehen abseits der üblichen Wege. Sie schauen genau hin und folgen den versteckten Aufforderungen zum Neugierigsein – wie zum Beispiel jene kleinen „Gucklöcher“ in Istrien, die den Blick frei gaben auf das, was als Panorama vor uns lag: mit einem Mal, wussten wir, welcher Gipfel der Triglav ist und welches Dorf da so malerisch auf der Bergkuppe thront!

Für neugierige Reisende passt auch jener Rat, den der Dalai Lama in einer Sammlung von „Tipps für ein glückliches Leben im neuen Jahrtausend“ gegeben hat: „Begib dich einmal im Jahr an einen Ort, an dem du noch nie gewesen bist!“ Ich denke oft an diesen Satz, denn er lässt so viele Möglichkeiten offen: niemand muss einen Langstreckenflug buchen, um sich an solch einen Ort zu begeben, man muss nicht weit reisen und auch nicht viel Geld ausgeben, sondern man braucht nur die Tugend der Neugierde und schon kann es losgehen. Für uns ist es im Moment ja wirklich leicht, diesem Rat zu folgen, da uns unser Workshop Solo Tango an viele Orte bringt, an denen wir noch nie gewesen sind. Wir müssen uns also nur die Zeit und die Muße nehmen, neben der Arbeit auch auf Entdeckungsreise zu gehen. Aber wie ihr wisst, fällt uns das nicht schwer!

Ein zweites Feld, in dem die Tugend der Neugierde Wunderbares zum Vorschein bringen kann, ist all das, von dem wir meinen, es längst zu kennen: Die Gegend, in der wir wohnen, die Stadt, in der wir aufgewachsen sind, die Menschen, die wir lieben, … . Ich staune immer wieder darüber, welch unerwartete Entdeckungen möglich sind, wenn es mir gelingt, offen und neugierig zu bleiben! All das, was auf den ersten Blick so vertraut wirkt, birgt immer wieder Überraschungen. Wenn die Neugierde das selbstgefällige Gefühl, bereits alles zu wissen und zu kennen, besiegt, wird es im Leben erst so richtig spannend.

Und da ist noch etwas, das in letzter Zeit meine Neugierde geweckt hat: Begegnungen mit Menschen! Auch in meinem früheren Beruf als Lehrerin hatte ich täglich mit Menschen zu tun. Ich schätzte diesen Teil meiner Arbeit, aber es war durch die Rahmenbedingungen unseres Schulsystems auch jener Teil, der oft sehr belastend war und den Arbeitsalltag erschwerte. Nun hatte ich einige Jahre lang einen heilenden Abstand zu Menschen. Nicht, dass ich zur Einsiedlerin geworden wäre, aber die Monate, in denen wir unsere Projekte geplant und unsere Selbständigkeit aufgebaut haben, waren nicht so intensiv von Kontakten geprägt. Jetzt läuft unser Workshop Solo Tango so richtig gut und er schenkt uns wunderbare Begegnungen. Es sind äußerst interessante Menschen, die wir da kennenlernen und mit denen sich neben dem gemeinsamen Tanzen auch tolle Gespräche ergeben. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen, manche sind jünger, viele älter als wir, sie sind bereit, sich auf Neues einzulassen und uns ein Stück an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Mit unserer Geschichte, vor allem der Tatsache, dass wir als Lehrerinnen gekündigt haben, um unserem Traum zu folgen, wecken wir wiederum ihre Neugierde. Und so ist es ein Geben und Nehmen mit Worten, mit Gesten und im Tanz. Jedes Mal, wenn wir uns wieder aufmachen, um auf Reisen zu gehen und einen Workshop zu halten, wird meine Neugierde geweckt. Und jedes Mal bin ich bereichert, reich beschenkt, wieder nach Hause gefahren.

Also, vergessen wir endgültig unsere gute Erziehung! Es lebe die Tugend der Neugierde!

Sigrid

 

Der Duft des Südens

Der Duft des Südens

Istrien – die meisten von uns denken da zuerst einmal an die Küsten dieser Halbinsel, an das Meer und seine Düfte. Aber auch das Landesinnere ist eine Reise wert und es gibt vieles zu entdecken.

Man wird von einem satten Grün überrascht. Blau ist hier nur der Himmel, anstatt des Meeres reihen sich endlose Hügelketten aneinander, die, je weiter man kommt, umso niedriger und sanfter anmuten. Siedlungen sind hier rar, da und dort ein Kirchturm, ein paar steinerne Häuser, Wälder, Lichtungen, Straßen, Felder … Es scheint als führte die Straße durch eine völlig unbewohnte Landschaft. Und doch sind hier, auf den Hügelrücken, die sich wie Finger von der Erhöhung abspreizen, einige der bezauberndsten Orte Istriens versteckt. Ihr Reiz resultiert aus ihrer Lage und dem unglaublichen Feingefühl ihrer Erbauer für die Harmonie der Proportionen und Materialien…

So beschreibt Lidija KLasic in ihrem Buch Noch 172 Tage bis zum Sommer – eine istrische Reise dieses Land abseits der Küsten. So hat es sich auch uns dargeboten, als wir uns von Piran aus aufmachten nach Opatija. Vom Meer aus schlängeln sich die Straßen hügelaufwärts, führen durch Oliven- und Weingärten, das Meer sieht man von oben nur mehr aus der Ferne und bald schon taucht der erste dieser bezaubernden Orte auf – Buje. Hoch oben an einen steilen Abhang schmiegen sich die Häuser eng aneinander und bilden fast so etwas wie eine Festung aus der nur der Kirchturm herausragt. Beim Weiterfahren entdecken wir dann, dass sich der größere Teil des Ortes auf der anderen, sanft abfallenden Seite des Hügels befindet und sich in die Kulturlandschaft rundum schmiegt.

Wir fahren weiter, immer tiefer ins Landesinnere und gelangen schließlich ins Mirnatal. Ein dicht bewaldetes Flusstal, vor allem Eichen wachsen hier und bilden den Nährboden für eine heiß begehrte Knolle, die Trüffel. Ein verführerischer Duft, wenn ein paar Scheiben dieses Pilzes frisch über Nudeln oder ein Risotto gehobelt werden. Wenn man beim Gedanken daran Hunger bekommt, bietet sich ein Stopp in Motovun an. Auch dieser Ort bildet die Krone eines Hügels, der sich aus dem Mirnatal erhebt. Als wir aus dem Auto aussteigen, empfängt uns zuerst einmal der Duft der Akazien, die gerade in voller Blüte stehen. Eine schmale Gasse, vorbei an schönen, alten Steinhäusern, führt uns hinauf zu einer Loggia mit prächtiger Aussicht und der Stadtmauer. Man kann den Ort auf dieser Mauer umrunden – auf der einen Seite den Blick schweifen lassen in die unberührte Hügellandschaft, auf der anderen Seite Einblicke erhaschen in kleine Gärten und Hinterhöfe der BewohnerInnen dieses Ortes. Im Ort reiht sich ein Lokal an das andere, denn im Sommer kommen hier TouristInnen busweise an, jetzt im Mai ist es zum Glück noch relativ ruhig. Nach einer Stärkung und mit dem Duft von Jasmin in der Nase setzen wir unsere Reise fort.

Wir verlassen das Mirnatal, fahren an Buzet, sicher auch ein sehenswertes, kleines Städtchen, vorbei und gelangen an die Ausläufer des Ucka-Gebirges. Hier lockt uns noch Roc an – eine Perle auf diesem Teil der Halbinsel, den die Geografen wegen der Farbe der Felsen „graues Istrien“ nennen, wiewohl es eigentlich grün ist … Auch Roc ist von einer Stadtmauer umgeben, hat noch gut erhaltene Türme, ein altes Stadttor, geschwungene Gassen mit Häusern, in deren steinerne Fassaden viele ältere Elemente mit Verzierungen und Reliefs eingearbeitet sind. Fragmente früherer Bauten aus der Renaissance oder sogar aus der Römerzeit, wie man sie in Istrien immer wieder antrifft. Ein verschlafener Ort an diesem Sonntagmittag im Mai. Die EinwohnerInnen stehen nach der Messe am Kirchplatz zusammen. Im einzigen Lokal des Ortes wartet die Kellnerin auf Besuch. Ein Steinmetz verlässt gerade seine Werkstatt. Eine kleine Katze auf einer Fensterbank lugt hinter einem Blumentopf hervor. Wir kommen uns hier ein bisschen wie Eindringlinge in die Sonntagsruhe vor. So verlassen wir den Ort, nehmen eine Nase voll Irisduft mit und fahren bergwärts, hinauf auf den Ucka.

Die Vegetation ändert sich rasch, hat nichts Mediterranes mehr. Wir entdecken Frostschäden an den Buchen und Kastanien und erfahren nachher, dass es auch hier noch Ende April Frost gegeben hat. Je höher hinauf wir kommen, umso dichter wird der Nebel. Denn hier oben stauen sich gerne die Wolken und man glaubt nicht, dass das Meer nur mehr wenige Kilometer entfernt ist. Aber als wir den Poklon-Pass erreichen ist es soweit, die Kvarner Bucht liegt uns zu Füßen. Das Meer hat uns wieder!

Andrea

Verwendete Literatur: Lidija Klasic, Noch 172 Tage bis zum Sommer, eine istrische Reise, Folio Verlag

 

Don’t cry for me, Argentina!

Don’t cry for me, Argentina!

Dieses Wochenende sind wir ganz auf celeste, auf himmelblau, auf die Nationalfarbe Argentiniens eingestellt. Denn in den nächsten Tagen treffen Ereignisse zusammen, die uns intensiv mit Argentinien verbinden …

8084347736_73a3daa368_bZunächst einmal sind wir gerade in den Proben für einen Musical-Abend, der morgen hier in unserer Nachbargemeinde stattfindet. Ein Abend mit Musik und Tanz aus zahlreichen Musicals und da darf auch Evita nicht fehlen. Sie zählte wohl zu den zwiespältigsten Frauen des 20. Jhds., von den einen abgelehnt und gehasst, von den anderen vergöttert und geliebt. Als dann das Musical von Andrew Lloyd Webber verfilmt und die Titelrolle mit Madonna besetzt wurde, war die Aufregung in Argentinien nicht mehr zu bremsen – für die einen ein Affront, dass ihre Heilige von sooooo einer Person dargestellt werden soll, für die anderen der Beweis von Evitas Unehrbarkeit. Nun, die Regisseurin des Musical-Abends hat uns schon vor Monaten gefragt, ob wir bei dieser Aufführung einen Tango tanzen würden. Aber, es gibt im Musical keinen „richtigen“ Tango und außerdem werden aus allen Musicals die Highlights herausgenommen, die „Ohrwürmer“, die jeder und jede kennt und liebt. Also, wir tanzen Tango – crossover zu Nicht-Tango-Musik – zu Don’t cry for me, Argentina! Für mich war und ist es total spannend, sich in den Proben nicht nur mit dem Tanz sondern mit der Geschichte dahinter zu beschäftigen, den Film nochmals anzuschauen und diese Eindrücke in die Interpretation des Stückes einfließen zu lassen. Erinnerungen kamen hoch, zum Beispiel an jenen Samstag in Buenos Aires, an dem wir mit unseren argentinischen Freunden im Evita-Museum waren und natürlich angeregt diskutiert haben über diese Frau und darüber, wie sie als Argentinier heute zu ihr stehen. All das schwingt jetzt mit, wenn wir morgen auf die Bühne gehen werden, als Evita und Che, und tanzen.

dscf3324-2Und genau zu jenem Zeitpunkt, am Abend des 12. November, bin ich mit meinen Gedanken auch in der Vergangenheit: genau vor 3 Jahren sind wir ins Flugzeug gestiegen und am Morgen des 13. November in Buenos Aires angekommen! Die ganze letzte Woche schon tauchen immer wieder Bilder vor meinem inneren Auge auf – die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt, vorbei an den schäbigen Häusern der Randbezirke, die aber an jeder Ecke „geschmückt“ waren mit den lilafarbenen Blüten der Jacarandabäume. Patricia und Nestor, die Freunde meiner Eltern, haben uns nicht nur an diesem ersten Tag abgeholt und in unsere Wohnung gebracht, sondern durch sie konnten wir in all den Wochen so viel über dieses Land und seine Menschen erfahren. Ich erinnere mich an diese erste Autofahrt durch den unvorstellbar dichten Verkehr, den Stau auf der Prachtstraße 9 de Julio mit ihren 16 Spuren, den Lärm und Gestank, der uns den Alltag dieser 3 Monate immer wieder verdrießt hat. Aber auch an all die schönen Ecken, die die beiden uns in Buenos Aires gezeigt haben. Wie alle Portenos lieben sie ihre Stadt und sind sie sehr stolz auf sie. Ich war in den Tagen vor der Reise ziemlich aufgeregt und ehrlich gesagt auch ein wenig ängstlich, was mich da am anderen Ende der Welt in dieser Millionenstadt erwarten würde. Wir hatten einige Romane gelesen, die im Laufe des 20. Jhds. in Buenos Aires spielen und haben uns so mit der Stadt und ihrer Geschichte vertraut gemacht. Wir haben die begeisterten Reiseberichte von Tangotanzenden gelesen, die den Sehnsuchtsort aller Tangotänzerinnen und –tänzer in höchsten Tönen gepriesen haben. Ich war also gespannt und wohl auch positiv voreingenommen. Und tatsächlich, wir waren im Tango-Himmel! Und die Menschen, denen wir begegnet sind, waren großartig mit ihrer Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft und ihrem grenzenlosen Humor. Aber, in die Stadt Buenos Aires konnte ich mich bis zum Schluss nicht so ganz verlieben. Und als wir gefragt wurden, wann wir wiederkommen werden, da war für uns schon klar, dass es uns nicht so schnell wieder nach Buenos Aires zieht – sorry, and: Don’t cry form me, Argentina!

DSCF4304DSCF4321

Nun, drei Jahre sind seither vergangen. Auf dem Weg nach Buenos Aires hatten wir den Traum im Gepäck, Straßenkünstlerinnen zu werden und heute sind wir AdanzaS. In Buenos Aires sind die ersten Artikel für diesen Blog entstanden und heute ist er ein fixer Bestandteil unserer Arbeitswoche. Und ebenfalls in Buenos Aires hat unser intensives, tägliches Training mit Yoga und Tango begonnen, ohne das ich mir meinen Alltag nicht mehr vorstellen kann. Vielleicht zieht es uns auch deshalb zurzeit nicht zurück nach Buenos Aires, weil unser momentanes Leben noch immer so stark geprägt ist, von dem, was dort seinen Anfang genommen hat. Also, thank you, Argentina, and – don’t cry …

Adios, Sigrid

 

Marmor, ein kostbarer Stein

Marmor, ein kostbarer Stein

Wenn man vom Meer aus die Apuanischen Alpen betrachtet, scheint auf den ersten Blick auf deren Gipfeln Schnee zu liegen. Dass das hier im September – wir haben für unsere Begriffe noch hochsommerliches Wetter – nicht sein kann, weiß man. Es ist der Marmor, der, von der Sonne angestrahlt, herunter leuchtet. Ein schönes und bizarres Bild zugleich – die Berge haben weiße Wunden.

dscf5665Wenn man sich an der Costa Versilia aufhält, kommt man um den Marmor nicht herum. Er begleitet einen auf Schritt und Tritt im wahrsten Sinne des Wortes, denn hier bestehen die Gehsteige aus Marmor- in Seravezza aus Marmorresten, in Forte dei Marmi aus schönen Marmorplatten. Man hat ihn in allen Verarbeitungsstufen vom Abbau bis zur fertigen Statue oder Domfassade ständig vor Augen und in manchen Orten liegt Mamorstaub in der Luft.

Auch die Ortsnamen erzählen davon: Carrara kommt von „kar“, was so viel wie „Stein“ bedeutet, Forte dei Marmi heißt „Marmorfestung“ und Pietrasanta bedeutet „heiliger Stein“. Der Marmorabbau hat hier schon eine sehr lange Tradition und geht zurück bis auf die Römer, die ihre Sklaven die schwere Arbeit verrichten ließen. Im frühen Mittelalter gab es dann eine Gesellschaftsform, die sich leider nicht gehalten hat, denn die Orte hier waren freie Kommunen und die Menschen Arbeiter und Herren zugleich. Alle haben vom Marmorabbau profitiert. Es dauerte aber nicht lange bis die großen Adelsgeschlechter, wie z.B. die Medici, den Reichtum rochen, den man mit Marmor erlangen kann. dscf5662Von da an herrschten hier die sogenannten Marmorbarone, die das große Geld verdienten, während sie ihre Arbeiter ausbeuteten. Der Abbau des Marmors war und ist immer noch Schwerstarbeit. Wenn dann noch dazu die Arbeitsbedingungen katastrophal waren, 12 Stunden Arbeitszeit und schlechte Sicherheitsvorkehrungen zu einem äußerst geringen Lohn, war es kein Wunder, wenn es zu Aufständen kam. Die hat es hier immer wieder gegeben, sodass sich eine Anarchistenszene entwickelt hat. Bis herauf ins 20. Jhd. wurden sogar Anarchistenkongresse abgehalten und man ist hier ein bisschen stolz auf diese Tradition des Widerstandes. In Carrara sind heute noch an den Hauswänden die Symbole der Anarchisten zu finden.

dscf5434dscf5441

Nun, mittlerweile gibt es Gewerkschaften und bessere Arbeitsbedingungen und Maschinen, die die Arbeit erleichtern. Aber es ist immer noch eine sehr schwere Arbeit, die auch viel Fachwissen erfordert. Der Stein wird nämlich auf Grund seines großen Wertes aus den Bergen mit diamantenbesetzten Stahlseilen bzw. Riesensägen herausgeschnitten – so sehen hier manche Berggipfel selbst wie riesengroße Skulpturen aus. Die so entstandenen Marmorblöcke werden dann mit Lastwagen zu Tal befördert, normales Transportgut sind 30 Tonnen Gewicht. Es verlangt großes Geschick von den Fahrern mit diesem Gewicht die schmalen und kurvenreichen Straßen zu bewältigen. Wir haben einen der Marmorsteinbrüche an einem Wochenende besucht und waren heilfroh, keinem dieser LKWs zu begegnen. Unten in den Tälern, an den Flüssen gibt es dann die unzähligen Marmorsägereien, mit ein paar Ausnahmen fast alle Kleinbetriebe. Hier wird der Marmor in Platten zersägt. Aus einem Zweimeterblock erhält man zwar 80 Platten auf einmal, aber es dauert 100 Stunden bis so ein Block zersägt ist. Gleich in der Nähe unseres Hauses befindet sich auch so eine Sägerei, die Tag und Nacht selbst am Wochenende in Betrieb ist – jetzt wissen wir warum.

dscf5580dscf5581

Dieser Stein zieht natürlich auch seit jeher KünstlerInnen an. Schon Michelangelo hat eine Zeit lang hier gelebt, um sich die Marmorblöcke für seine Statuen selbst auszusuchen. Der Marmor, der dafür verwendet wird, „Statuario“ genannt, ist der begehrteste – weiß, feinkörnig und seidig-glänzend. Es gibt nämlich 50 verschiedene Mamortypen, darum gibt es im Italienischen auch eine Mehrzahl für diesen Stein – „marmi“. Allora, wir haben vor einigen Tagen in Seravezza einen Künstler kennengelernt, der sich hier niedergelassen hat. Er, ein Franzose, und seine Frau, eine Asiatin, sind ein angesehenes Bildhauerehepaar, das hier die Foundation ARKAD zur Unterstützung anderer KünstlerInnen betreibt. Letzten Sonntag hatten sie einen Tag der offenen Tür und wir konnten ihre Arbeitshalle und ihre Ausstellungsräume besichtigen. Die Arbeitshalle hat uns besonders beeindruckt – riesengroß, alles mit weißem Mamorstaub überzogen, halbfertige Arbeiten und die Werkzeuge, die man für die Bearbeitung des Marmors braucht – eine ganz besondere Atmosphäre. In den Ausstellungsräumen konnten wir dann die Modelle ihrer Arbeiten besichtigen, denn sie erschaffen riesengroße Mamorskulpturen für den öffentlichen Raum – auf Bildern zu sehen. Überwältigend schön wie diese sich auf einem Platz, in einem Park oder am Meeresufer einfügen! Es ist sehr beeindruckend, wenn die Schönheit dieses Steines so zur Geltung gebracht wird. Man muss als BildhauerIn neben dem künstlerischen Ausdruck und dem handwerklichen Können, aber sicher auch den Respekt vor diesem Stück Natur und auch den Menschen, die die Schwerstarbeit des Abbaus leisten, einfließen lassen.

dscf5650dscf5654

Gestern erst waren wir in Carrara, das sich ja Welthauptstadt des Marmors nennt. Der Name dieser Stadt steht für den Marmor hier, aber der Stadt selbst ist das nicht anzumerken. Bei unserer Wanderung durch die Gassen wurden wir immer bedrückter, denn fast die gesamte Altstadt steht leer. Lokale, Geschäfte und Wohnungen werden zum Verkauf angeboten, an jedem zweiten Haus findet man das Schild „Vendesi“. Vieles schon sehr baufällig, macht die Stadt einen heruntergekommen Eindruck, es ist nichts von Reichtum zu bemerken. Diese Stadt verdient also nicht am Marmor. Wer macht also heute das große Geld damit, anstelle der Marmorbarone? Wir konnten es nicht herausfinden, aber man kann es sich denken. Mit diesem Hintergrundwissen, das wir über den Marmor hier gesammelt haben, fühlt es sich jedenfalls anders an, diesen besonderen Stein zu berühren, als vorher.

Andrea