Arrivato in Italia

Arrivato in Italia

Ciao!

Ich sitze gerade vor unserem Häuschen in einem Tal der Apuanischen Alpen, nicht weit von der Costa Versilia. Über mir azurblauer Himmel, hinter mir ein rauschender Bergbach, neben mir die Nachbarin, die ihr junges Kätzchen ruft, vor mir das kleine Sträßchen, das hinaufführt in die Berge. Jedes Mal wenn ein Auto vorbeifährt, was zum Glück nicht ganz oft ist, wird gehupt, da die Straße so schmal ist und gleich nach unserem Haus eine Kurve kommt. Wir sind nun den dritten Tag hier, haben unsere ersten Erkundigungsfahrten gemacht und fühlen uns in Italien gleich wieder zuhause.

Die Anreise sind wir sehr gemütlich angegangen, diesmal zwar mit dem Auto, aber trotzdem nach dem Motto „Slow travel“. Die erste Etappe führte uns in die Colli Euganee in der Nähe von Padua. Ebenso wie das Haus hier, haben wir das Bed and Breakfast für die eine Nacht dort, über Airbnb gefunden. Wir kamen am frühen Nachmittag an und wurden von unsrer freundlichen Gastgeberin Giulia schon erwartet. Ein altes, sehr schön renoviertes Haus, ein gepflegter Garten und eine absolut ruhige Lage sorgten gleich für Erholung. Nach einer Siesta unternahmen wir als Ausgleich zum langen Sitzen im Auto eine kleine Wanderung. Direkt vom Haus weg führte der Weg „Cammino di Sant‘ Antonio“ durch einen Wald und vorbei an Olivengärten hinunter ins Dorf Pianzio. Eine Ansammlung von ein paar Häusern, eine Villa, eine Azienda Agricola, alte Frauen, die vor ihren Häusern ein Nachmittagsschwätzchen hielten, ein paar streunende Katzen und das wars. Nein, noch ein Feigenbaum mit köstlichen Früchten, damit wir gestärkt den Weg zurück hinauf antreten konnten. Wieder oben angekommen, waren wir hungrig genug für ein ausgiebiges Abendessen. Ein Ristorante noch weiter oben am Monte Rua lud uns mit seiner tollen Aussicht ein. So saßen wir dann bei gutem Wein und Essen mit herrlichem Blick über die Colli Euganee, über denen gerade die Sonne unterging, und ließen den Tag zufrieden ausklingen. Nach einem guten Frühstück und interessanten Gesprächen mit der Gastgeberin Giulia, verabschiedeten wir uns, um unseren Weg weiter fortzusetzen.

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Wir entschlossen uns, bis Bologna auf der Autobahn zu fahren und ab da dann den Weg über die Berge zu nehmen. Für ein langsames Ankommen war es die richtige Wahl, denn es war eine wunderschöne Strecke und so gut wie kein Verkehr. Ein paar kleine, beschauliche Orte unterwegs und ansonsten nur Natur. Wir haben nur viel länger gebraucht als wir dachten, da die Straße eigentlich nur aus Kurven bestand. Ich glaube, ich bin noch nie so viele Kurven gefahren, wie auf diesen doch immerhin ca. 100 Kilometern. Nach einem Anruf bei Susanna, unserer nächsten Gastgeberin, konnten wir uns weiter Zeit lassen. Es sei kein Problem, wenn wir später kämen. So konnten wir an besonders schönen Orten immer wieder anhalten, den Ausblick genießen und Bella Italia begrüßen.

DSCF5392Hier angekommen, haben uns dann Susanna und ihre Mutter begrüßt, die ganz in der Nähe wohnen. Wir haben unser Häuschen bezogen und uns danach gleich nochmal auf den Weg gemacht, um das nächstgelegene Städtchen zu erkunden. Seravezza hat seinen Namen von den beiden Flüssen Sera und Vezza, die hier zusammenfließen. Eine kleine toskanische Stadt, die den Einheimischen gehört – es gibt kaum TouristInnen – mit italienischem Flair, wie wir ihn lieben. Eine Bar, ein kleines Alimentari mit toskanischen Spezialitäten und Weinfässern, wo man sich den Wein in Flaschen abfüllen kann, ein Ristorante, in dem wir außergewöhnlich gut gespeist haben, ein Supermercato, eine Apotheke, … alles da, was wir brauchen. In der Hauptstraße gibt es einmal in der Woche Markt, die Piazza ist belebt und vor den Kirchstufen kann man abends in einer kleinen Kantine bei einem Glas Wein sitzen und bekommt dazu Wurst und Käse serviert. Als wir das zweite Mal dort waren, wurden wir schon angesprochen, wo wir denn her seien und was wir machen. So kamen wir gleich auf unsere Straßenkunst zu sprechen und Facebook hat sich schon bewährt, denn da konnten sie gleich nachschauen. Sie waren sehr interessiert, denn sie organisieren einmal im Jahr ein Kunstevent, bei dem einheimische KünstlerInnen auf den Straßen und Plätzen der Stadt performen. Mit herzlichem Händedruck und namentlichem Vorstellen verabschiedeten wir uns dann für diesen Abend, aber wir werden mit den Leuten dort sicher noch öfter ins Gespräch kommen.

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Von Seravezza müssen wir ein paar Kilometer taleinwärts fahren bis zu unserem Häuschen, das schon in den Apuanischen Alpen liegt. Ein Wanderweg geht direkt bei unserem Haus los, und das Wandern haben wir uns hier ja auch vorgenommen. So bin ich schon gespannt auf die Entdeckungen in diesem Teil der Toskana, den wir noch nicht so gut kennen. Es ist jedenfalls eine untypische Toskana, so viel ist jetzt schon klar.

Cari saluti d’Italia,

Andrea

Berlin klingt nach …

Berlin klingt nach …

Nun sind wir zwar schon eine Woche zuhause und genießen wieder das Landleben, aber ich muss diesmal doch noch von Berlin berichten – von unserem letzten Abend da und von den Begegnungen, die diesen Abend möglich gemacht haben.

Also, wir hatten die Idee, wenn wir schon in Berlin sind, die Zeit auch fürs Kontakteknüpfen zu nützen. Ich habe ja schon in meinem ersten Berlin-Artikel erwähnt, dass das Buch „Die Straßensängerin“ eine Inspirationsquelle für unseren Weg war. Nun wussten wir, dass die Autorin dieses Buches, Traude Bührmann, in Berlin lebt und beim Verlag Krug und Schadenberg, ebenfalls mit Sitz in Berlin, als eine der Autorinnen geführt wird. So nahmen wir mit dem Verlag unter dem Motto „Wie Bücher weiterwirken …“ Kontakt auf. Ein anderes Buch, von diesem Verlag herausgegeben, war nämlich der Anlass, dass wir begannen, uns mit Herrendarstellerinnen zu beschäftigen und jetzt auch als solche auftreten: „Die Muschelöffnerin“ von Sarah Waters. Das und unsere Geschichte erzählten wir also kurz in einer Mail und baten darum, den Kontakt zu Frau Bührmann herzustellen. DSCF4961Unser Wunsch, Traude Bührmann persönlich kennenzulernen, ging in Erfüllung. Mehr als das, die beiden Verlegerinnen waren von unserer Geschichte so begeistert, dass sie diese gleich auf ihre Website stellten. Und Traude Bührmann trafen wir insgesamt gleich drei Mal. Sie kam zu einem unserer Auftritte auf dem Hackeschen Markt und interessierte sich sehr dafür, wie es im Moment um die Straßenkunst bestellt ist. Da sie auch Stadtführerin in Berlin ist, kamen wir in den Genuss, eine ganz private Führung zu erhalten. Das Ziel war das Tempelhofer Feld, ehemaliger Flughafen von Berlin. Nach der Stilllegung des Flughafens, haben die BürgerInnen von Berlin per Volksentscheid durchgesetzt, dass dieses Gelände nicht verbaut, sondern als Freizeitareal genutzt wird. Und das wird es, und wie! Radfahren, Skaten, Drachensteigen, Gärtnern, Grillen, Chillen, … – vor allem am Wochenende finden sich hier unzählige Menschen ein und beleben das weite, freie Feld. „Dieser Volksentscheid zeigt, dass wir wirklich etwas bewirken können“, erzählt Traude Bührmann stolz, denn er hat sich gegen massiven Widerstand von der Stadtregierung durchgesetzt.

DSCF4954Als wir dort sind, haben wir noch eine andere interessante Begegnung. Wir kommen an einem Stand mit jungen Menschen vorbei, von denen wir angesprochen werden. Sie seien TänzerInnen und für ein Projekt würden sie Briefe an den Tanz sammeln, ob wir bereit wären etwas zu schreiben. Wenn das kein Zufall ist – eine Autorin und zwei Tänzerinnen schreiben also jeweils einen Brief an den Tanz. Als „Danke“ erhalten wir bereits die Eintrittskarten zu der Performance, in die diese Briefe einfließen werden. Wäre ein schöner Grund, um wieder nach Berlin zu kommen. Aber dass wir wieder kommen müssen, ist nach dem letzten Abend sowieso klar.

wft-imagekarte4-page-001Der zweite Kontakt, den wir geknüpft haben, ist mit Women Fair Travel. Die Frau dahinter ist Evelyn Bader, die schon lange Reisen für Frauen veranstaltet. Auch sie hatte sofort Interesse daran, uns kennenzulernen. Schon die erste Begegnung war von gegenseitigem Wohlwollen geprägt und mittlerweile ist daraus eine Kooperation geworden. Women Fair Travel veranstaltet über Silvester eine Tangoreise nach Umbrien (wo wir ein Jahr gelebt haben!) und wir leiten die Tango-Workshops. Bei einem unserer Treffen mit Evelyn entstand dann auch die Idee, an einem Abend bei ihnen in der Straße aufzutreten. Und das war an unserem letzten Abend in Berlin. Nach einem verregneten Vormittag, begann es nachmittags aufzureißen, um einem Sommerabend, wie man ihn sich nur wünschen kann, Platz zu machen. Die Crellestraße, in der das Büro von Women Fair Travel liegt, öffnet sich ein paar Schritte von diesem entfernt, zu einem kleinen Platz. Der Platz ist von einigen Lokalen mit Tischen im Freien umgeben und hat ein bisschen französisches Flair. Dort traten wir also in der Abendsonne auf und füllten den Platz mit Tangomusik. Wir hatten begeistertes Publikum von kleinen Kindern bis zu TangotänzerInnen, vielen Frauen – Freundinnen von Evelyn, darunter auch Traude Bührmann, bis zu einem Zuseher, der uns im Nachhinein ein Video und Fotos von dem Auftritt geschickt hat. Der „l’ultimo Tango“ in Berlin hätte nicht schöner sein können. Mit Evelyn, Traude und deren Freundinnen sind wir dann noch in einem der Lokale bis spät nachts zusammen gesessen, bei gutem Essen, gutem Wein und anregenden Gesprächen.

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So fiel uns der Abschied von Berlin nicht ganz leicht. Aber dieser Abend und die Begegnungen wirken weiter. Bis hierher ins Südburgenland – ich sitze, während ich das schreibe, an einem ebenso schönen Sommerabend auf unserer Terrasse und lasse unseren Berlinaufenthalt mit großer Dankbarkeit nachklingen …

Andrea

Von hier aus …

Von hier aus …

„Von hier aus“ ist der Titel einer Ausstellung, die im Oktober hier im Südburgenland eröffnet wird. Bildende KünstlerInnen, die mit der Region „Dreiländereck“ verbunden sind, präsentieren ihre Arbeiten und die Schau geht auch gesellschaftspolitischen Fragen nach, die sich „in einer Zeit, in der alte Grenzen wieder neu errichtet werden“, aufdrängen.

Wir leben seit mehr als zehn Jahren in diesem Dreiländereck von Österreich, Ungarn und Slowenien und brechen „von hier aus“ mit unserer Straßenkunst und unseren Workshops immer wieder auf. Das Leben hier am äußersten Rand von Österreich, in einer wirtschaftlich und derzeit zumindest noch politisch unbedeutenden Gegend, läuft viel ruhiger  als anderswo. Wir genießen die Ruhe und die Entschleunigung, die der Alltag hier bietet. Hier können wir vor und nach einer Reise auftanken, die Arbeiten im Haus und im Garten helfen, den Kopf frei zu bekommen und hier ist auch ein guter Platz, um neue Konzepte oder neue acts zu entwickeln. So machen wir als darstellende Künstlerinnen wohl ähnliche Erfahrungen wie die oben genannten bildenden KünstlerInnen.  Es ist also kein Zufall, dass zahlreiche KünstlerInnen sich in dieser Gegend niedergelassen haben, viele davon – so wie auch wir – ein altes Bauernhaus revitalisiert haben und nun ständig oder zeitweise hier leben. Dieses Nebeneinander und Miteinander von „Einheimischen“ und sogenannten „Zua’groasten“ ist hier alltäglich und wir selbst haben es vom ersten Tag an sehr geschätzt, wie offen die Menschen hier waren und wie freundlich wir als neue Nachbarinnen aufgenommen wurden.

All diese Qualitäten – die Ruhe und Entschleunigung, die Offenheit und die bunte Mischung der BewohnerInnen – machen das Südburgenland aber auch zu einem beliebten Urlaubsziel. Dazu trägt natürlich auch die Landschaft mit ihren sanften Hügeln, mit Streuobstgärten, kleinen Wäldern und Wiesen, bei. Auf einem dieser Hügel befindet sich Das Eisenberg, ein Hotel mit eben dieser freundlichen Atmosphäre. Der Slogan des Hotels beschreibt das, was das Südburgenland auszeichnet, äußerst treffend: spektakulär unspektakulär! Wer hierher kommt, sucht nicht „Action“ sondern Zeit, um in der Natur, bei sich selbst und den eigenen Lieblingsbeschäftigungen oder bei anderen Menschen anzukommen. Klingt das nicht verlockend?

Ich weiß es auf jeden Fall zu schätzen, dass wir nicht nur auf unseren Reisen als Straßenkünstlerinnen – wie letztes Jahr am Gardasee – an schöne Orte kommen, um dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen, sondern dass wir auch an einem solchen Ort leben! Nun aber ist es wieder an der Zeit „von hier aus“ aufzubrechen. Diesmal freuen wir uns darauf, das ruhige Landleben gegen die bunte, spannende und coole Stadt Berlin auszutauschen!

Bis bald – aus Berlin …

Sigrid

 

 

Wieder in Wien …

Wieder in Wien …

Servas die Madln, servas die Buam!

Seit zwei Wochen sind wir nun schon in Wien. Wir genießen das Stadtleben, lassen uns bei unseren Streifzügen einfach treiben und sind dabei schon auf viele unbekannte und äußerst nette Plätzchen gestoßen. Eigentlich meinte ich, den 1. Bezirk schon gut zu kennen, aber jetzt waren wir in versteckten Winkeln und kleinen Gässchen, die ich noch nie gesehen habe. Abends machen wir es wie viele WienerInnen und flanieren über den Donaukanal, lagern uns im wirklich schönen Innenhof des MQ oder sitzen mit einem Ottakringer in einem Schanigarten. Aber, wie ihr schon an der Begrüßung merkt, das wirklich Neue ist, dass wir diesmal sozusagen in „Ur-Wien“ gelandet sind, denn wir wohnen mitten in Favoriten. Hier leben enorm viele Menschen und es sind Menschen aus der ganzen Welt auf engem Raum beisammen.

14272709639_33bbe848a0_bIn der Fußgängerzone der Favoritenstraße sind den ganzen Tag über sehr viele Leute unterwegs, die Bänke des Reumannplatzes sind fast immer besetzt und man hört Wienerisch im Originalton genauso wie alle möglichen anderen Sprachen. Eine Werbung in der U-Bahn trifft es ganz gut: Mein Leben spricht viele Sprachen, mein Herz spricht Wienerisch. Gleich ums Eck gibt es den Viktor-Adler-Markt, der ebenfalls diese Mischung widerspiegelt, denn Händler mit anderen Muttersprachen schreien hier mit den sprichwörtlichen Wiener Marktfrauen um die Wette und alle preisen lautstark ihre Waren an. So einen lebendigen, bunten Markt habe ich zuletzt in Sizilien erlebt! Wie es hier in Favoriten so zugeht haben wir auch in der Apotheke erlebt, und für die Angestellten dort ist das Multi-Kulti-Leben sicher nicht immer ganz einfach: ein Mann schreit im besten Wienerisch in sein Handy: „Na hearst, auf da e-card, de Numma brauch i!“ und gleich daneben hebt ein anderer Mann sein Knie, zeigt darauf und sagt: „Da, weh!“ …

Wir wohnen diesmal übrigens in der netten, kleinen Altbauwohnung einer Freundin und fühlen uns total wohl hier. Auch eine typisch wienerische Sache, es ist eine „Kuchl-Zimmer-Wohnung“ mit dem WC auf dem Gang. Also nur ein kleiner Unterschied zu unserer Wohnung daheim – da ist halt die Dusche im Freien. Wir haben hier alles, was wir brauchen und die Wohnung ist total gemütlich. Aber uns ist klar, dass so eine Wohnung in dieser Gegend üblicherweise wohl von einer ganzen Familie bewohnt wird und auch deshalb so viele Menschen auf der Straße sind. Direkt im Nebenhaus ist übrigens der berühmte Eissalon Tichy und da strömen Tag und Nacht die Massen hin – leider auch mit dem Auto und mit lautstarken Motorrädern. Wir haben das Eis natürlich gleich einmal verkostet – ist ja fein direkt vor der Haustüre. Leider schmeckt es nicht besonders gut und es bestätigt sich wiedermal, dass das, was Menschenmassen anzieht, oft nicht viel mit Qualität zu tun hat. Aber für unser Geldbörserl ist es ja ganz gut so – wäre das Eis gut, dann würden wir wahrscheinlich täglich eines vernaschen.

Nun fragt ihr euch wahrscheinlich schon, was mit dem Tanzen ist. Tatsächlich sind wir aus mehreren Gründen bisher noch nicht oft aufgetreten, aber davon im nächsten Bericht.

Also, servas!

Sigrid

La Dolce Vita am Gardasee

La Dolce Vita am Gardasee

Salve!

Gerade hat es zu regnen aufgehört und ich schreibe meinen Bericht in „unserer“ Bar auf der Piazza. Andrea liest ein Buch, wir erwarten unseren Cafe und ich erzähle eine kleine Begebenheit, die zeigt, woran wir merken, dass wir in das Leben hier eingetaucht sind: Beim dritten Mal an der kleinen Tankstelle hier im Ort gibt mir Constantin, der Tankwart, Lose für die wöchentliche Verlosung einer Traumreise. Ich brauche sie nur auszufüllen und in die Box werfen; schade, dieses Wochenende kehren wir zurück nach Österreich … aber eigentlich sind wir ja mitten in unserer Traumreise!

Gestern zum Beispiel, das Wetter war unbeständig und wir waren unsicher, ob wir beim Auftritt nicht von einem Regen überrascht werden würden, haben wir uns frei gegeben und erstmals hier einen Abend für uns am See verbracht. Wir sind nach Desenzano gefahren und sind dort in der kleinen Altstadt und am Hafen herumgebummelt. Der Ort ist wirklich sehr schön und angenehm ruhig. Es ist ja ein wenig grotesk, dass wir für unsere Auftritte die übervollen Touristenorte auf der Ostküste brauchen, weil dort genügend Menschen unterwegs sind, dass uns selbst aber diese Orte mit ihren Kitschläden und dem Massenauflauf gar nicht gefallen. In Desenzano sind nur wenige TouristInnen unterwegs, an der Seepromenade stehen einige schöne alte Hotels im Jugendstil und die Geschäfte sind klein und stilvoll. Es gibt hier, wie auch schon in Brescia, wunderschöne Boutiquen, die für sich schon sehenswert sind. Und wie überall in Italien ist die Mode, die sie darin verkaufen, einfach großartig! Diesmal interessieren wir uns ja auch für Männermode – so tolle Hemden und Krawatten für unsere Aufritte werden wir in Österreich nur schwer finden. Zum Abschluss dieses freien Abends beschließen wir, in die kleine Bar zu gehen, neben der wir schon zweimal getanzt haben, und deren BesitzerInnen uns beim ersten Mal so nett bewirtet haben, um diesmal etwas zu konsumieren. Wir trinken köstlichen Rotwein und lassen den Blick über die Piazza schweifen. Wie so oft in den Tagen hier kommt mir unser Leben beinah unwirklich vor. Eigentlich ist es schon frech, wie gut wir es uns gehen lassen. Nach einiger Zeit kommt die Besitzerin und bringt uns zwei Stückchen einer selbstgemachten Tarte (köstlich, mit Tomaten und Melanzani, der passende Begleiter für unseren Wein!). Und als ich dann zahlen möchte, lehnt sie vehement ab: nein, wir sind eingeladen! Ich erwidere, dass wir doch den Wein bezahlen wollen, aber ich habe keine Chance. Wir sind wirklich gerührt von dieser Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Und wir wissen: wir sind reichlich beschenkt!!!

So werden wir viele Eindrücke und Erfahrungen mitnehmen, wenn wir uns am Sonntag auf den Heimweg machen. Neben der genussvollen Zeit in Italien (vom köstlichen Essen hier haben wir gar nie geschrieben, aber es ist ohnehin klar, dass wir diesbezüglich im Paradies gelandet sind) haben wir hier viel ausprobiert und gelernt für unsere Arbeit. Und wir sind schon gespannt darauf, wie es sein wird, wenn wir versuchen, manches davon im Juli in Wien umzusetzen. Davor aber freuen wir uns auf die letzten Auftritte hier – bis Freitag möchten wir noch einmal in den Orten auftreten, an denen es uns am besten gefallen hat.

Cari saluti,

Sigrid

 

Begegnungen …

Begegnungen …

Salve auch von mir!

Mittlerweile sind wir hier in Montichiari wirklich schon ziemlich zuhause. Man kennt uns in den Bars, in der Bäckerei, am Markt, … Wir wurden hier anfangs für Engländerinnen (wegen unserer Hüte?) oder Spanierinnen (weil wir in unser Italienisch leider immer wieder spanische Worte mischen?) gehalten, mittlerweile glaube ich, wissen alle, dass wir aus Österreich sind und wir werden behandelt, als wären wir hier schon seit jeher Stammkundinnen. Sehr angenehm!

4715119311_ddbd8dc83c_bAuch beim Tanzen hatten wir wieder einige sehr schöne Begegnungen. Begonnen hat unsere Arbeitswoche in Brescia, das ist hier die Provinzhauptstadt. Dort stand die ganze letzte Woche im Zeichen der 1000 Miglia. Was das ist? Das bekannteste Oldtimerrennen hier in Italien: von Brescia nach Rom und wieder zurück, 1000 Meilen (= 1600 km) werden an vier Tagen zurückgelegt. Wir waren am Tag vor dem Start in Brescia, als die TeilnehmerInnen ihre Ehrenrunden durch die Stadt drehten. Ein Riesenspektakel! Nun, auf der Suche nach einem Platz für unsere Tanzvorführung wurden wir recht schnell fündig. Auf der Piazza Loggia, die ihren Namen von der riesengroßen Loggia des Stadtpalastes hat, nahmen wir direkt vor dieser Aufstellung. In der Loggia wurden gerade Vorbereitungen für einen Empfang am Abend getroffen. Sigrid hatte zuvor bei der Verantwortlichen dieser Vorbereitungen angefragt, ob es ok. wäre, wenn wir hier eine Tango-Performance geben. Ihre Antwort: You are welcome! Das ist überhaupt das Beste hier. Wir haben uns ja im Vorhinein überhaupt nicht über Bestimmungen für Straßenkunst informiert. Wir suchen uns hier einfach Plätze aus, die uns gefallen, fragen diejenigen, die gerade da sind, ob das okay geht und tanzen los, solange es uns gefällt. Bis jetzt waren wir immer willkommen und hatten keinerlei Probleme. So etwas Überflüssiges wie eine Ordnungswache gibt es hier gar nicht, und die Polizei kümmert sich überhaupt nicht um uns, im Gegenteil. In Brescia war ja auf Grund der Veranstaltung auch viel Polizei unterwegs, und ein Polizist hat uns sogar eine Zeitlang zugesehen. Außerdem brauchen wir auch keine Tanzunterlage, denn wir finden hier überall bestens zum Tanzen geeignete Steinböden vor, eine große Erleichterung.

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Allora, wir hatten uns in Brescia wieder den schönsten Platz ausgesucht, und gerade als wir unsere neueste Performance zum ersten Mal aufführen, sind viele Pressefotografen anwesend. Mit einem Mal sind wir umringt von FotografInnen, es wird ein Bild nach dem anderen geschossen, und die Aufmerksamkeit gilt voll und ganz uns und nicht den alten Autos. Ein sehr schönes Gefühl! Sigrid spricht nachher einen der Fotografen an, ob er uns einige Bilder zukommen lassen könnte. Er verspricht es. Wir lernen auch eine junge Tänzerin aus Brescia kennen, die uns sehr lange zugesehen und auch fotografiert hat. Auch sie verspricht uns Bilder. Wir werden sehen, bis jetzt haben wir keine erhalten. Sie erzählt uns, dass sie an einer Tanz-Performance beteiligt war, die in dieser Loggia stattgefunden hat. Ein schöner Zufall!

Auch in Saló, einem sehr netten Ort am See, hatten wir besondere Begegnungen. Wir tanzten da am Lungolago direkt am See. Eine ältere Dame auf passeggiata mit ihrer Tochter ist so begeistert von uns, dass sie uns nach jedem Tanz umarmt, abbusserlt und mit ihren “Che bello!”- Ausrufen gar nicht fertig wird. Auch eine Angestellte der Schifffahrtsgesellschaft vor Ort schaut uns lange zu. Als wir gerade Pause machen und Sigrid unterwegs ist, um für uns ein Eis zu holen, spricht sie mich an und meint: “Complimenti Signora, siete veramente speziale!” Aber in unserem Publikum sind nicht nur Frauen. Es sind hier auch die Männer, die uns fasziniert, man sieht es an ihren Gesichtern, zuschauen und uns auch Geld geben. Und auch immer wieder Kinder. Hier in Saló spricht uns ein Junge aus Tirol an und meint: “Ihr tanzt sehr gut. Wie lange tanzt ihr schon?” Gerade diese Begegnungen sind es, die das Tanzen auf der Straße so schön machen, dieser unmittelbare und direkte Kontakt mit dem Publikum.

Mit großer Dankbarkeit verabschiede ich mich für heute aus Bella Italia.

Ciao, Andrea

 

 

Grandiose Auftritte am Gardasee

Grandiose Auftritte am Gardasee

Ciao, nun also zum Tanzen…

Gleich vorweg, wir sind sehr froh, dass wir uns von den ersten Versuchen als Straßentänzerinnen in Wien und Köln im letzten Jahr nicht entmutigen haben lassen, sondern für uns zu dem Schluss gekommen sind, dass wir uns gerade in unseren „Lehr- und Wanderjahren“ befinden, und dass diese eben nicht mit einer Saison abgeschlossen sein können. Es war gar nicht so ganz leicht nach fast einem Jahr wieder auf die Straße zu gehen, wir waren ähnlich aufgeregt wie letztes Jahr. Aber bei unseren Orientierungsfahrten in den ersten Tagen hier haben wir schon einige tolle Plätze entdeckt, und so konnte es Mitte der Woche losgehen.

10391270553_0bb424d63e_bAm ersten Abend waren wir für italienische Verhältnisse einfach zu früh dran, am späten Nachmittag sind noch viel zu wenige Leute unterwegs gewesen. So sind wir beim nächsten Mal erst um 20.00 Uhr in Lazise, einem Ort am Ostufer, in dessen Umgebung es viele Campingplätze und Agritourismi gibt, eingetroffen. Der Platz, den wir ausgesucht hatten, war einfach großartig: direkt an der Seepromenade, mit dem Sonnenuntergang im Hintergrund, gibt es da eine gepflasterte Kreisfläche mit Steinbänken im Halbkreis. Der Boden war traumhaft zum Tanzen geeignet, und die Leute haben uns beim Flanieren und von den umliegenden Restauranttischen aus gesehen. Wer wollte, ließ sich für längere Zeit auf den Bänken nieder, andere wieder sind nur kurz stehengeblieben. Kurzum, es war unbeschreiblich toll! Wir hatten noch nie so viel Publikum,  und wir konnten uns von der Stimmung und dem Publikum richtig inspirieren lassen. Mit unserem neuen Outfit als coole Jungs mit Hosenträgern sind wir auch viel frecher und trauen uns mehr zusätzlich zum Tanzen auch mit der Rolle zu spielen. Um 22.00 Uhr waren wir total erschöpft und glücklich, und im Hut befanden sich knapp 70 Euro!  Nur eines hat an diesem Abend nicht so geklappt, wie wir es erhofft haben: Die Performance “El clase de Tango”, die wir in den letzten Monaten erarbeitet haben, ist nicht so gut angekommen und wir werden sie deshalb vorerst nicht verwenden. In unserer Trainingszeit arbeiten wir aber gerade an einer zweiten Performance mit dem Titel “wo/men performing tango“ und wir hoffen, dass wir diese am kommenden Wochenende schon einsetzen können.

Am Freitag dann haben wir wieder mal eine Lektion für unser Erfahrungskonto erhalten. Wir sind fertig gestylt um 19.00 Uhr losgefahren und waren 45 Minuten später pünktlich zum Beginn des Gewitters in dem Ort, in dem wir auftreten wollten. Das Wetter ist für uns wirklich immer eine schwierige  Sache. So ist es bei einer unfreiwilligen Spazierfahrt geblieben.

Am Samstag dann sind wir um 19.30 Uhr auf der Piazza in Desenzano eingetroffen. Dies ist der größte Ort am See und er ist nicht so stark touristisch geprägt. So waren an diesem Abend auch hauptsächlich ItalienerInnen und nur einige wenige TouristInnen unterwegs. Die Stimmung war deshalb auch ganz anders als in Lazise. Wir haben uns einen Platz unter einer Loggia, wieder mit Steinplatten als guten Tanzboden, ausgesucht. Gleich daneben war eine kleine Bar und so haben wir den Besitzer gefragt, ob er etwas dagegen hat, wenn wir hier tanzen. Er war nicht nur einverstanden, sondern er hat uns dann den ganzen Abend über versorgt mit Getränken und sogar einem Stück Kuchen in einer Pause! Wahnsinnig nett!!! Am Anfang ist es uns hier schwerer gefallen, uns aufs Tanzen zu konzentrieren, weil ein unglaublicher Lärmpegel herrschte und die Leute auch nicht gleich so offen auf uns reagiert haben. Dann aber ist der Funke übergesprungen und wir haben bis nach 22.00 Uhr getanzt, getanzt, getanzt, bis wir wirklich völlig k.o. waren. Da war der Abend aber noch lange nicht zu Ende! Eine ältere Frau hat uns nämlich angesprochen, sie liebt Tangomusik und Astor Piazzolla und sie besitzt ein Bandoneon. Ob wir nicht mit in ihre Wohnung kommen wollen, um es anzuschauen. So haben wir also von 22.15 bis 23.15 Uhr einen Besuch gemacht, wurden mit Tee und Kuchen bewirtet und eingeladen, bei einem nächsten Aufenthalt hier in ihrem Gästezimmer zu nächtigen. Der ganze Abend war einfach surreal, aber herzlich und faszinierend zugleich. Naja, und im Hut waren wieder 70 Euro! Die Einnahmen sind hier bis jetzt also deutlich besser als im letzten Jahr. Hoffentlich geht das so weiter.

UnbenanntHeute haben wir uns einen Pausen- und Trainingstag genehmigt. Am bevorstehenden langen Wochenende haben wir nämlich viel vor: In Brescia gibt es das jährliche Oldtimerrennen Mille Miglia und in einigen anderen Orten sind Vintage-Veranstaltungen. Wir meinen, dass wir mit “Tango“ da ganz gut dazu passen und wollen versuchen am Rande dieser Veranstaltungen aufzutreten.

Soweit unsere ersten Erfahrungen hier, und wie immer die weiteren Erfahrungen auch sein werden, es ist einfach ein Traum jetzt im Mai für einen Monat hier sein zu können. Einmal mehr wissen wir, wie gut es war, uns auf den Weg zu machen.…

Cari saluti, Sigrid

 

Endlich wieder in Italien!

Endlich wieder in Italien!

Ciao ragazzi/e!

Es war für uns wohl wirklich höchste Zeit wieder einmal für länger nach Italien zu kommen, denn schon nach wenigen Tagen hat sich dieses vertraute Gefühl eingestellt, hier ein wenig zuhause zu sein. Wir sind jetzt bereits eine gute Woche in dem kleinen Ort Montichiari, ca. 10 km südlich vom Gardasee gelegen. Weil der Ort nicht direkt am See ist, gehört er den Einheimischen und nicht den TouristInnen. Wir genießen es sehr, am italienischen Leben hier teilzuhaben. Auch in die Sprache finden wir wieder immer mehr hinein, denn anfangs war unser Italienisch sehr spanisch durchsetzt.

Unsere Wohnung, die wir über Airbnb gefunden haben, liegt sehr ruhig an der kleinen Piazza Agostina, nur die Glocken der Kirche am Platz unterbrechen die Ruhe und verkünden, dass die Zeit doch vergeht. Wir brauchen hier auch keinen Wecker, denn um 7 Uhr morgens schlägt die Glocke zum ersten Mal am Tag und spielt dabei sogar ein Lied. In der Bar um die Ecke bekommen wir unseren ersten Cafe und der Tag kann beginnen. Vormittags gehen wir meistens auf die Piazza (den Hauptplatz) für Einkäufe, denn dienstags und freitags sind Markttage, und dort gibt es auch eine Bäckerei. Außerdem haben wir auch nur in der Bar dort Internetzugang. Danach trainieren wir, und nach Mittagessen und Siesta rüsten wir uns für unsere abendlichen Auftritte. Es hat sich nämlich gezeigt, dass hier der Abend die beste Zeit fürs Straßentanzen ist. Aber davon später.

Hier in Montichiari gibt es ansonsten noch eine Burg, wie in fast jedem der Orte hier, einen riesengroßen Dom Santa Maria Assunta und am Hügel direkt oberhalb unserer Wohnung eine sehr alte, wunderschöne romanische Kirche, die Pieve San Pancrazio. Morgen ist deshalb hier im Ort Patrionatstag, und auch das vergangene Wochenende wurde schon ausgiebig gefeiert mit Marktständen, Blasmusik und geöffneten Türen in die Palazzi und Villen des Ortes. Atemberaubend schöne Innenhöfe bekamen wir so zu Gesicht. Ein sehr nettes Erlebnis gab es in einer der Villen, wo uns ein kleines Mädchen empfangen hat und gleich die Führung übernahm. Wir, voll des Staunens über die schöne Loggia und die Pflanzenpracht, haben daran, wie es das Mädchen weiterzieht, bemerkt, dass es das Schönste wohl erst zu sehen gibt. Voll Stolz führt sie uns in den letzten Winkel des Gartens und dort, am Dach eines Schuppens, thront – ihre Katze! Sehr nett, oder?

Auch ein Theater gibt es hier. Ihr müsst es euch als Miniaturausgabe der Grazer Oper vorstellen. Ausgestattet mit Foyer, Parterre- und Logenplätzen, der Bühne und reich verziert und mit Fresken geschmückt, aber alles molto piccolo. Auch sehr nett. Von Oktober bis März finden hier regelmäßig Aufführungen von verschiedenen Kompanien statt. Jetzt hatten wir nur wegen des Festes Zutritt und außerdem wurden dabei heimatliche Gefühle geweckt, denn es gab dort eine Tanzvorführung mit Wiener Walzer. Die ItalienerInnen stehen sehr auf Wiener Walzer, aber auch auf Tango. Wie es uns nämlich mit dem Tanzen ergeht, wird euch Sigrid in ihrem Bericht erzählen.

Ciao e cari saluti

Andrea

 

Urlaub in Köln

Urlaub in Köln

Hallo,

also Urlaub in Köln – auf diese Idee wären wir ja nie gekommen! Wir schlendern über den Wochenmarkt, bummeln durch die Einkaufsstraßen, sitzen am Rheinufer und bewundern den botanischen Garten. Anfangs zwar noch eher lustlos und in der FUZO sogar frustriert, wenn wir andere StraßenkünstlerInnen sahen, aber schön langsam sehen wir auch wieder die schönen Seiten dieser Stadt. In den botanischen Garten zum Beispiel gehen wir heute ein zweites Mal, weil er wirklich unglaublich schön und vielfältig ist. Am Sonntag wurde dort der riesige Gartenpavillon zum 150jährigen Jubiläum nach der Renovierung neu eröffnet, heute wollen wir die prachtvolle Anlage ohne Trubel nochmal genießen.

Zum Urlaub gehört ja meistens auch das Lesen und da ist uns hier in der Wohnung ein Buch in die Hände gefallen, das genau zu unserer Situation passt und das uns nun hilft, unseren gesamten Veränderungsprozess, in dem wir ja seit einem Jahr drinstecken, zu reflektieren. “Es ist etwas in mir, das nach Veränderung ruft – der Sehnsucht folgen” von Beate Winkler ist einerseits eine Beschreibung ihrer Erfahrungen in einem großen Veränderungsprozess, in dem auch sie ihren langjährigen Beruf aufgegeben hat, andererseits sind es kurze Statements von verschiedenen Personen, die ihre Lebenssituationen immer wieder mal verändert haben. Eine wesentliche Erkenntnis für uns war etwa, dass so ein Prozess wirklich Zeit und frau dabei auch Pausen und Ruhephasen braucht – das haben wir wohl zu wenig berücksichtigt, wenn wir an unser “Programm” der letzten 10 Monate denken. Außerdem hat das Buch uns ermutigt, auch nach diesem Rückschlag das Vertrauen ins Leben, in unsere Idee und unsere verrückte Zukunft nicht zu verlieren.

Unser Urlaub in Köln zeigt uns aber auch eine interessante Seite der Menschen hier in Deutschland, die uns zugleich zum Schmunzeln und zum Kopfschütteln bringt: Das Fußballfieber ist ausgebrochen! Beim ersten Deutschlandspiel der Weltmeisterschaft in Brasilien sind viele schon am Nachmittag “verkleidet” und geschminkt in den Nationalfarben oder zumindest in T-Shirts der Nationalmannschaft unterwegs gewesen. In den Lokalen laufen ständig die Fernseher und einmal haben wir ein Gespräch mitgehört, da hat ein etwa 10jähriges Mädchen mit ihrer Mutter verhandelt, ob es alle Deutschlandspiele anschauen darf. Nach dem Spiel am Montag wurden wir – obwohl wir gemütlich in der Wohnung saßen – gleich über den Sieg informiert, weil es ein Feuerwerk und Hubkonzerte gegeben hat. Naja, so lernen wir also auch auf dieser Reise Land und Leute kennen.

„Tschüüüüüüüüss“,

Sigrid

 

Adios, Buenos Aires!

Adios, Buenos Aires!

Hola muchachos,

heute melde ich mich zum letzten Mal aus Buenos Aires. Es ist kaum zu glauben, dass die drei Monate um sind. Die vergangene Woche war für uns die Woche der Abschiede – von Orten und von Menschen. Begleitet wurde sie von Gewittern und heftigen Regengüssen. Buenos Aires scheint also sehr traurig zu sein, dass wir es verlassen. Uns jedenfalls fällt jetzt der Abschied auch nicht ganz leicht, obwohl unsere Gefühle dieser Stadt gegenüber nach wie vor gemischte sind. Irgendwie muss man diese Stadt lieben und hassen gleichzeitig. Hassen für ihren Lärm, ihren Gestank und Schmutz, dafür, dass man ständig damit rechnen muss, dass etwas, das man gerade braucht oder benützen will, nicht funktioniert. Lieben für ihre Parks und prächtigen Bäume, für die wunderschönen Jugendstil- und Belle Epoque-Gebäude, für die netten Cafes und Lokale, für den Tango und natürlich für ihre Menschen. Wahrscheinlich machen gerade diese Gegensätze den Reiz dieser Stadt aus. Die Portenos jedenfalls lieben ihre Stadt, auch wenn sie ständig über die Probleme, die es hier gibt, schimpfen. Viele haben uns in den letzten Tagen gefragt, wie uns Buenos Aires gefällt, und man hat gemerkt, dass es für sie wichtig ist, welches Urteil man über ihre Stadt abgibt. Es gibt einen sehr beliebten Tango, “Mi Buenos Aires querida” (mein geliebtes Buenos Aires), in dem der berühmte Tangosänger Carlos Gardel aus der Ferne voll Wehmut seine Stadt besingt. Die Portenos können sich eigentlich nicht vorstellen, woanders zu leben als hier. Wir wiederum könnten hier nicht auf Dauer leben. Die Zeit, die wir hier hatten, war aufregend, interessant und intensiv. Wir sind sehr dankbar für viele Erfahrungen und Begegnungen, und für alles, was wir in der Welt des Tango gelernt haben. Aber jetzt freuen wir uns auch schon sehr wieder auf Zuhause und das ist gut so. Wir werden am Mittwoch also Buenos Aires mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen.

So schicke ich zum letzten Mal Grüße über den Atlantik,

Andrea