Begegnungen …

Begegnungen …

Salve auch von mir!

Mittlerweile sind wir hier in Montichiari wirklich schon ziemlich zuhause. Man kennt uns in den Bars, in der Bäckerei, am Markt, … Wir wurden hier anfangs für Engländerinnen (wegen unserer Hüte?) oder Spanierinnen (weil wir in unser Italienisch leider immer wieder spanische Worte mischen?) gehalten, mittlerweile glaube ich, wissen alle, dass wir aus Österreich sind und wir werden behandelt, als wären wir hier schon seit jeher Stammkundinnen. Sehr angenehm!

4715119311_ddbd8dc83c_bAuch beim Tanzen hatten wir wieder einige sehr schöne Begegnungen. Begonnen hat unsere Arbeitswoche in Brescia, das ist hier die Provinzhauptstadt. Dort stand die ganze letzte Woche im Zeichen der 1000 Miglia. Was das ist? Das bekannteste Oldtimerrennen hier in Italien: von Brescia nach Rom und wieder zurück, 1000 Meilen (= 1600 km) werden an vier Tagen zurückgelegt. Wir waren am Tag vor dem Start in Brescia, als die TeilnehmerInnen ihre Ehrenrunden durch die Stadt drehten. Ein Riesenspektakel! Nun, auf der Suche nach einem Platz für unsere Tanzvorführung wurden wir recht schnell fündig. Auf der Piazza Loggia, die ihren Namen von der riesengroßen Loggia des Stadtpalastes hat, nahmen wir direkt vor dieser Aufstellung. In der Loggia wurden gerade Vorbereitungen für einen Empfang am Abend getroffen. Sigrid hatte zuvor bei der Verantwortlichen dieser Vorbereitungen angefragt, ob es ok. wäre, wenn wir hier eine Tango-Performance geben. Ihre Antwort: You are welcome! Das ist überhaupt das Beste hier. Wir haben uns ja im Vorhinein überhaupt nicht über Bestimmungen für Straßenkunst informiert. Wir suchen uns hier einfach Plätze aus, die uns gefallen, fragen diejenigen, die gerade da sind, ob das okay geht und tanzen los, solange es uns gefällt. Bis jetzt waren wir immer willkommen und hatten keinerlei Probleme. So etwas Überflüssiges wie eine Ordnungswache gibt es hier gar nicht, und die Polizei kümmert sich überhaupt nicht um uns, im Gegenteil. In Brescia war ja auf Grund der Veranstaltung auch viel Polizei unterwegs, und ein Polizist hat uns sogar eine Zeitlang zugesehen. Außerdem brauchen wir auch keine Tanzunterlage, denn wir finden hier überall bestens zum Tanzen geeignete Steinböden vor, eine große Erleichterung.

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Allora, wir hatten uns in Brescia wieder den schönsten Platz ausgesucht, und gerade als wir unsere neueste Performance zum ersten Mal aufführen, sind viele Pressefotografen anwesend. Mit einem Mal sind wir umringt von FotografInnen, es wird ein Bild nach dem anderen geschossen, und die Aufmerksamkeit gilt voll und ganz uns und nicht den alten Autos. Ein sehr schönes Gefühl! Sigrid spricht nachher einen der Fotografen an, ob er uns einige Bilder zukommen lassen könnte. Er verspricht es. Wir lernen auch eine junge Tänzerin aus Brescia kennen, die uns sehr lange zugesehen und auch fotografiert hat. Auch sie verspricht uns Bilder. Wir werden sehen, bis jetzt haben wir keine erhalten. Sie erzählt uns, dass sie an einer Tanz-Performance beteiligt war, die in dieser Loggia stattgefunden hat. Ein schöner Zufall!

Auch in Saló, einem sehr netten Ort am See, hatten wir besondere Begegnungen. Wir tanzten da am Lungolago direkt am See. Eine ältere Dame auf passeggiata mit ihrer Tochter ist so begeistert von uns, dass sie uns nach jedem Tanz umarmt, abbusserlt und mit ihren “Che bello!”- Ausrufen gar nicht fertig wird. Auch eine Angestellte der Schifffahrtsgesellschaft vor Ort schaut uns lange zu. Als wir gerade Pause machen und Sigrid unterwegs ist, um für uns ein Eis zu holen, spricht sie mich an und meint: “Complimenti Signora, siete veramente speziale!” Aber in unserem Publikum sind nicht nur Frauen. Es sind hier auch die Männer, die uns fasziniert, man sieht es an ihren Gesichtern, zuschauen und uns auch Geld geben. Und auch immer wieder Kinder. Hier in Saló spricht uns ein Junge aus Tirol an und meint: “Ihr tanzt sehr gut. Wie lange tanzt ihr schon?” Gerade diese Begegnungen sind es, die das Tanzen auf der Straße so schön machen, dieser unmittelbare und direkte Kontakt mit dem Publikum.

Mit großer Dankbarkeit verabschiede ich mich für heute aus Bella Italia.

Ciao, Andrea

 

 

Grandiose Auftritte am Gardasee

Grandiose Auftritte am Gardasee

Ciao, nun also zum Tanzen…

Gleich vorweg, wir sind sehr froh, dass wir uns von den ersten Versuchen als Straßentänzerinnen in Wien und Köln im letzten Jahr nicht entmutigen haben lassen, sondern für uns zu dem Schluss gekommen sind, dass wir uns gerade in unseren „Lehr- und Wanderjahren“ befinden, und dass diese eben nicht mit einer Saison abgeschlossen sein können. Es war gar nicht so ganz leicht nach fast einem Jahr wieder auf die Straße zu gehen, wir waren ähnlich aufgeregt wie letztes Jahr. Aber bei unseren Orientierungsfahrten in den ersten Tagen hier haben wir schon einige tolle Plätze entdeckt, und so konnte es Mitte der Woche losgehen.

10391270553_0bb424d63e_bAm ersten Abend waren wir für italienische Verhältnisse einfach zu früh dran, am späten Nachmittag sind noch viel zu wenige Leute unterwegs gewesen. So sind wir beim nächsten Mal erst um 20.00 Uhr in Lazise, einem Ort am Ostufer, in dessen Umgebung es viele Campingplätze und Agritourismi gibt, eingetroffen. Der Platz, den wir ausgesucht hatten, war einfach großartig: direkt an der Seepromenade, mit dem Sonnenuntergang im Hintergrund, gibt es da eine gepflasterte Kreisfläche mit Steinbänken im Halbkreis. Der Boden war traumhaft zum Tanzen geeignet, und die Leute haben uns beim Flanieren und von den umliegenden Restauranttischen aus gesehen. Wer wollte, ließ sich für längere Zeit auf den Bänken nieder, andere wieder sind nur kurz stehengeblieben. Kurzum, es war unbeschreiblich toll! Wir hatten noch nie so viel Publikum,  und wir konnten uns von der Stimmung und dem Publikum richtig inspirieren lassen. Mit unserem neuen Outfit als coole Jungs mit Hosenträgern sind wir auch viel frecher und trauen uns mehr zusätzlich zum Tanzen auch mit der Rolle zu spielen. Um 22.00 Uhr waren wir total erschöpft und glücklich, und im Hut befanden sich knapp 70 Euro!  Nur eines hat an diesem Abend nicht so geklappt, wie wir es erhofft haben: Die Performance “El clase de Tango”, die wir in den letzten Monaten erarbeitet haben, ist nicht so gut angekommen und wir werden sie deshalb vorerst nicht verwenden. In unserer Trainingszeit arbeiten wir aber gerade an einer zweiten Performance mit dem Titel “wo/men performing tango“ und wir hoffen, dass wir diese am kommenden Wochenende schon einsetzen können.

Am Freitag dann haben wir wieder mal eine Lektion für unser Erfahrungskonto erhalten. Wir sind fertig gestylt um 19.00 Uhr losgefahren und waren 45 Minuten später pünktlich zum Beginn des Gewitters in dem Ort, in dem wir auftreten wollten. Das Wetter ist für uns wirklich immer eine schwierige  Sache. So ist es bei einer unfreiwilligen Spazierfahrt geblieben.

Am Samstag dann sind wir um 19.30 Uhr auf der Piazza in Desenzano eingetroffen. Dies ist der größte Ort am See und er ist nicht so stark touristisch geprägt. So waren an diesem Abend auch hauptsächlich ItalienerInnen und nur einige wenige TouristInnen unterwegs. Die Stimmung war deshalb auch ganz anders als in Lazise. Wir haben uns einen Platz unter einer Loggia, wieder mit Steinplatten als guten Tanzboden, ausgesucht. Gleich daneben war eine kleine Bar und so haben wir den Besitzer gefragt, ob er etwas dagegen hat, wenn wir hier tanzen. Er war nicht nur einverstanden, sondern er hat uns dann den ganzen Abend über versorgt mit Getränken und sogar einem Stück Kuchen in einer Pause! Wahnsinnig nett!!! Am Anfang ist es uns hier schwerer gefallen, uns aufs Tanzen zu konzentrieren, weil ein unglaublicher Lärmpegel herrschte und die Leute auch nicht gleich so offen auf uns reagiert haben. Dann aber ist der Funke übergesprungen und wir haben bis nach 22.00 Uhr getanzt, getanzt, getanzt, bis wir wirklich völlig k.o. waren. Da war der Abend aber noch lange nicht zu Ende! Eine ältere Frau hat uns nämlich angesprochen, sie liebt Tangomusik und Astor Piazzolla und sie besitzt ein Bandoneon. Ob wir nicht mit in ihre Wohnung kommen wollen, um es anzuschauen. So haben wir also von 22.15 bis 23.15 Uhr einen Besuch gemacht, wurden mit Tee und Kuchen bewirtet und eingeladen, bei einem nächsten Aufenthalt hier in ihrem Gästezimmer zu nächtigen. Der ganze Abend war einfach surreal, aber herzlich und faszinierend zugleich. Naja, und im Hut waren wieder 70 Euro! Die Einnahmen sind hier bis jetzt also deutlich besser als im letzten Jahr. Hoffentlich geht das so weiter.

UnbenanntHeute haben wir uns einen Pausen- und Trainingstag genehmigt. Am bevorstehenden langen Wochenende haben wir nämlich viel vor: In Brescia gibt es das jährliche Oldtimerrennen Mille Miglia und in einigen anderen Orten sind Vintage-Veranstaltungen. Wir meinen, dass wir mit “Tango“ da ganz gut dazu passen und wollen versuchen am Rande dieser Veranstaltungen aufzutreten.

Soweit unsere ersten Erfahrungen hier, und wie immer die weiteren Erfahrungen auch sein werden, es ist einfach ein Traum jetzt im Mai für einen Monat hier sein zu können. Einmal mehr wissen wir, wie gut es war, uns auf den Weg zu machen.…

Cari saluti, Sigrid

 

Endlich wieder in Italien!

Endlich wieder in Italien!

Ciao ragazzi/e!

Es war für uns wohl wirklich höchste Zeit wieder einmal für länger nach Italien zu kommen, denn schon nach wenigen Tagen hat sich dieses vertraute Gefühl eingestellt, hier ein wenig zuhause zu sein. Wir sind jetzt bereits eine gute Woche in dem kleinen Ort Montichiari, ca. 10 km südlich vom Gardasee gelegen. Weil der Ort nicht direkt am See ist, gehört er den Einheimischen und nicht den TouristInnen. Wir genießen es sehr, am italienischen Leben hier teilzuhaben. Auch in die Sprache finden wir wieder immer mehr hinein, denn anfangs war unser Italienisch sehr spanisch durchsetzt.

Unsere Wohnung, die wir über Airbnb gefunden haben, liegt sehr ruhig an der kleinen Piazza Agostina, nur die Glocken der Kirche am Platz unterbrechen die Ruhe und verkünden, dass die Zeit doch vergeht. Wir brauchen hier auch keinen Wecker, denn um 7 Uhr morgens schlägt die Glocke zum ersten Mal am Tag und spielt dabei sogar ein Lied. In der Bar um die Ecke bekommen wir unseren ersten Cafe und der Tag kann beginnen. Vormittags gehen wir meistens auf die Piazza (den Hauptplatz) für Einkäufe, denn dienstags und freitags sind Markttage, und dort gibt es auch eine Bäckerei. Außerdem haben wir auch nur in der Bar dort Internetzugang. Danach trainieren wir, und nach Mittagessen und Siesta rüsten wir uns für unsere abendlichen Auftritte. Es hat sich nämlich gezeigt, dass hier der Abend die beste Zeit fürs Straßentanzen ist. Aber davon später.

Hier in Montichiari gibt es ansonsten noch eine Burg, wie in fast jedem der Orte hier, einen riesengroßen Dom Santa Maria Assunta und am Hügel direkt oberhalb unserer Wohnung eine sehr alte, wunderschöne romanische Kirche, die Pieve San Pancrazio. Morgen ist deshalb hier im Ort Patrionatstag, und auch das vergangene Wochenende wurde schon ausgiebig gefeiert mit Marktständen, Blasmusik und geöffneten Türen in die Palazzi und Villen des Ortes. Atemberaubend schöne Innenhöfe bekamen wir so zu Gesicht. Ein sehr nettes Erlebnis gab es in einer der Villen, wo uns ein kleines Mädchen empfangen hat und gleich die Führung übernahm. Wir, voll des Staunens über die schöne Loggia und die Pflanzenpracht, haben daran, wie es das Mädchen weiterzieht, bemerkt, dass es das Schönste wohl erst zu sehen gibt. Voll Stolz führt sie uns in den letzten Winkel des Gartens und dort, am Dach eines Schuppens, thront – ihre Katze! Sehr nett, oder?

Auch ein Theater gibt es hier. Ihr müsst es euch als Miniaturausgabe der Grazer Oper vorstellen. Ausgestattet mit Foyer, Parterre- und Logenplätzen, der Bühne und reich verziert und mit Fresken geschmückt, aber alles molto piccolo. Auch sehr nett. Von Oktober bis März finden hier regelmäßig Aufführungen von verschiedenen Kompanien statt. Jetzt hatten wir nur wegen des Festes Zutritt und außerdem wurden dabei heimatliche Gefühle geweckt, denn es gab dort eine Tanzvorführung mit Wiener Walzer. Die ItalienerInnen stehen sehr auf Wiener Walzer, aber auch auf Tango. Wie es uns nämlich mit dem Tanzen ergeht, wird euch Sigrid in ihrem Bericht erzählen.

Ciao e cari saluti

Andrea

 

Urlaub in Köln

Urlaub in Köln

Hallo,

also Urlaub in Köln – auf diese Idee wären wir ja nie gekommen! Wir schlendern über den Wochenmarkt, bummeln durch die Einkaufsstraßen, sitzen am Rheinufer und bewundern den botanischen Garten. Anfangs zwar noch eher lustlos und in der FUZO sogar frustriert, wenn wir andere StraßenkünstlerInnen sahen, aber schön langsam sehen wir auch wieder die schönen Seiten dieser Stadt. In den botanischen Garten zum Beispiel gehen wir heute ein zweites Mal, weil er wirklich unglaublich schön und vielfältig ist. Am Sonntag wurde dort der riesige Gartenpavillon zum 150jährigen Jubiläum nach der Renovierung neu eröffnet, heute wollen wir die prachtvolle Anlage ohne Trubel nochmal genießen.

Zum Urlaub gehört ja meistens auch das Lesen und da ist uns hier in der Wohnung ein Buch in die Hände gefallen, das genau zu unserer Situation passt und das uns nun hilft, unseren gesamten Veränderungsprozess, in dem wir ja seit einem Jahr drinstecken, zu reflektieren. “Es ist etwas in mir, das nach Veränderung ruft – der Sehnsucht folgen” von Beate Winkler ist einerseits eine Beschreibung ihrer Erfahrungen in einem großen Veränderungsprozess, in dem auch sie ihren langjährigen Beruf aufgegeben hat, andererseits sind es kurze Statements von verschiedenen Personen, die ihre Lebenssituationen immer wieder mal verändert haben. Eine wesentliche Erkenntnis für uns war etwa, dass so ein Prozess wirklich Zeit und frau dabei auch Pausen und Ruhephasen braucht – das haben wir wohl zu wenig berücksichtigt, wenn wir an unser “Programm” der letzten 10 Monate denken. Außerdem hat das Buch uns ermutigt, auch nach diesem Rückschlag das Vertrauen ins Leben, in unsere Idee und unsere verrückte Zukunft nicht zu verlieren.

Unser Urlaub in Köln zeigt uns aber auch eine interessante Seite der Menschen hier in Deutschland, die uns zugleich zum Schmunzeln und zum Kopfschütteln bringt: Das Fußballfieber ist ausgebrochen! Beim ersten Deutschlandspiel der Weltmeisterschaft in Brasilien sind viele schon am Nachmittag “verkleidet” und geschminkt in den Nationalfarben oder zumindest in T-Shirts der Nationalmannschaft unterwegs gewesen. In den Lokalen laufen ständig die Fernseher und einmal haben wir ein Gespräch mitgehört, da hat ein etwa 10jähriges Mädchen mit ihrer Mutter verhandelt, ob es alle Deutschlandspiele anschauen darf. Nach dem Spiel am Montag wurden wir – obwohl wir gemütlich in der Wohnung saßen – gleich über den Sieg informiert, weil es ein Feuerwerk und Hubkonzerte gegeben hat. Naja, so lernen wir also auch auf dieser Reise Land und Leute kennen.

„Tschüüüüüüüüss“,

Sigrid

 

Adios, Buenos Aires!

Adios, Buenos Aires!

Hola muchachos,

heute melde ich mich zum letzten Mal aus Buenos Aires. Es ist kaum zu glauben, dass die drei Monate um sind. Die vergangene Woche war für uns die Woche der Abschiede – von Orten und von Menschen. Begleitet wurde sie von Gewittern und heftigen Regengüssen. Buenos Aires scheint also sehr traurig zu sein, dass wir es verlassen. Uns jedenfalls fällt jetzt der Abschied auch nicht ganz leicht, obwohl unsere Gefühle dieser Stadt gegenüber nach wie vor gemischte sind. Irgendwie muss man diese Stadt lieben und hassen gleichzeitig. Hassen für ihren Lärm, ihren Gestank und Schmutz, dafür, dass man ständig damit rechnen muss, dass etwas, das man gerade braucht oder benützen will, nicht funktioniert. Lieben für ihre Parks und prächtigen Bäume, für die wunderschönen Jugendstil- und Belle Epoque-Gebäude, für die netten Cafes und Lokale, für den Tango und natürlich für ihre Menschen. Wahrscheinlich machen gerade diese Gegensätze den Reiz dieser Stadt aus. Die Portenos jedenfalls lieben ihre Stadt, auch wenn sie ständig über die Probleme, die es hier gibt, schimpfen. Viele haben uns in den letzten Tagen gefragt, wie uns Buenos Aires gefällt, und man hat gemerkt, dass es für sie wichtig ist, welches Urteil man über ihre Stadt abgibt. Es gibt einen sehr beliebten Tango, “Mi Buenos Aires querida” (mein geliebtes Buenos Aires), in dem der berühmte Tangosänger Carlos Gardel aus der Ferne voll Wehmut seine Stadt besingt. Die Portenos können sich eigentlich nicht vorstellen, woanders zu leben als hier. Wir wiederum könnten hier nicht auf Dauer leben. Die Zeit, die wir hier hatten, war aufregend, interessant und intensiv. Wir sind sehr dankbar für viele Erfahrungen und Begegnungen, und für alles, was wir in der Welt des Tango gelernt haben. Aber jetzt freuen wir uns auch schon sehr wieder auf Zuhause und das ist gut so. Wir werden am Mittwoch also Buenos Aires mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen.

So schicke ich zum letzten Mal Grüße über den Atlantik,

Andrea

 

Begegnungen mit Menschen und Natur

Begegnungen mit Menschen und Natur

Hola

aus einem angenehm kühlen Buenos Aires. Nach einem Gewitter gestern und heute Nacht regnet es jetzt und hat stark abgekühlt – wir genießen es richtig!

Erst diese Woche haben wir ein Naturparadies, gar nicht sehr weit von unserer Wohnung entfernt, entdeckt – den Parque Ecologica Costanera Sur. Wir müssen uns aber nicht ärgern, dass wir ihn nicht schon früher entdeckt haben, denn nachdem seine Wege nur sehr wenig beschattet sind, wäre es bei der Hitze, die wir bisher hatten, sowieso nicht möglich gewesen, ihn aufzusuchen.

Nun, dieser Park ist ein riesengroßes Naturreservat direkt am Rio de la Plata. Wir haben ihn per Rad erkundet. Die Wege führen durch einen Urwald, der teilweise vom Fluss her unter Wasser steht. Es gibt auch riesige Wasserbecken, die mit Schilf bedeckt sind. Gesäumt sind die Wege von exotischen Pflanzen, die es bei uns nur als Zimmerpflanzen gibt, teilweise in voller Blütenpracht. Dattelpalmen mit Unmengen von Dattelrispen, Bananenstauden mit Blüten und schon angesetzten Früchten und andere riesige Bäume ragen aus der Wildnis.

DSCF4265Wir sind überhaupt von den Bäumen hier, auch in der Stadt, in den Parks oder Alleen sehr angetan. Sie sind so groß und mächtig. Zu jeder Zeit blüht irgendeine Art auf das Prächtigste. Und die Gummibäume sind überhaupt der Wahnsinn. Sie werden so groß, dass ihre Äste, so groß wie ein Baum, teilweise am Boden aufliegen oder abgestützt werden müssen. Der größte und älteste Gummibaum, den es in Buenos Aires gibt, füllt einen ganzen Platz aus, und die Plätze sind hier wahrlich nicht klein.

Nun aber noch einmal zurück in den Naturpark.  Hier finden auch viele Tiere einen Zufluchtsort und es ist vor allem ein Vogelparadies. Wir konnten Vögel in den unterschiedlichsten Größen und Farben beobachten. Ein ganz besonderes Erlebnis war es, als wir uns einer Baumgruppe näherten, aus der lautes Gekrächze kam. Dort angelangt, entdeckten wir in den Baumkronen einen riesigen Papageienschwarm.  Ich habe noch nie Papageien in freier Natur gesehen – es war  einfach toll!

Ein anderes faszinierendes Tier hat nur Sigrid zu Gesicht bekommen. Eine große Echse ist, nachdem sie uns wahrgenommen hat, in den Büschen verschwunden. Sigrid meint, sie war knapp einen halben Meter lang, schwarz, und hatte gelbe Streifen. Außerdem soll es dort auch viele Schlangen geben, von denen sich uns aber keine gezeigt hat.

Das war wirklich ein ganz besonderer Nachmittag mitten aus dem Großstadtdschungel in so ein Naturerlebnis einzutauchen. Irgendwie wäre es ja schön, noch einmal dorthin zu kommen, aber mittlerweile sind unsere Tage hier gezählt und es gibt noch einiges, das wir gerne machen möchten. Wir werden sehen.

dsc_5800s[1]Morgen haben wir unsere letzte Unterrichtsstunde in der Escuela – der nächste Abschied. Aber die beiden Lehrenden, bei denen wir hauptsächlich unseren Unterricht genommen haben, sehen wir noch im Lauf der Woche. Von Augusto (dritter von rechts in der ersten Reihe) haben wir ja schon in unserem Bericht über das Queertangofestival erzählt. Er ist ein großartiger Tänzer und Lehrer. Von ihm werden wir uns am Freitag bei der Milonga, die er veranstaltet, verabschieden.

Noch nicht erzählt haben wir, glaube ich, von Aurora, am Foto links neben Augusto. Sie war auch eine Lehrerin am Festival und von ihr konnten wir auch das Studio für unser Training mieten. Sie ist eine unglaubliche Persönlichkeit. Ziemlich bald, nachdem wir sie kennen gelernt haben, erfuhren wir, dass sie an Krebs erkrankt ist. In einer der ersten Wochen, die wir hier waren, hatte sie ihre letzte Chemotherapie. Vorher schon hatte sie alle ihre Haare verloren. Ich werde es nicht vergessen, wie sie beim Festival zum ersten Mal erschien – eine sehr kleine, glatzköpfige Frau, aber mit einer faszinierenden Ausstrahlung. Sie war inmitten der vielen Menschen nicht zu übersehen und hat mit viel Elan und Humor den Workshop geleitet. Mittlerweile beginnen ihre Haare gerade wieder zu wachsen. Sie ist uns hier sehr vertraut geworden, weil wir sie fast jeden zweiten Tag gesehen haben. Wir haben bei ihr auch Privatstunden genommen, von denen wir sehr profitiert haben. Sie ist eine Profi-Tänzerin und beherrscht beide Rollen im Tango perfekt. In den Privatstunden tanzt sie abwechselnd mit Sigrid und mit mir. Und sie hat so viel Humor. In ihren Stunden wird mindestens drei Mal herzlich gelacht. Wie so viele Menschen hier, ist auch sie uns so herzlich und offen begegnet, ein Geschenk. Ich glaube, sie wird diese Krankheit überwinden, denn sie hat noch so viel Lebensenergie und noch so viel zu geben. Sie ist gerade am Planen im September für Tangounterricht nach Wien zu kommen. Also wird der Abschied von ihr nicht ganz so schwer, denn da wollen wir sie unbedingt wiedersehen.

Heute wollen wir noch auf die Sonntagnachmittags-Milonga in der Confiteria Ideal, ganz bei uns in der Nähe, gehen. Also verabschiede ich mich jetzt mit vielen Grüßen an euch alle,

Andrea

 

Begegnungen

Begegnungen

Hola mis queridas!

In den letzten Berichten haben wir ja schon einige Male erwähnt, wie sehr wir von den Menschen hier angetan sind. An einem Tag dieser Woche, am Mittwoch, hatten wir besonders viele überraschende Begegnungen, sodass ich davon berichten möchte.

Begonnen hat der Tag mit einer nervigen Begegnung. Wir wollten uns ein Fahrrad ausleihen um in einen weiter entfernten Stadtteil zu fahren, um dort CDs zu kaufen. Als wir im Fahrradcontainer wie üblich die Reisepassnummer und unseren Code nennen, um uns registrieren zu lassen, meint die junge Frau, dass mein Zugang abgelaufen sei und ich kein Rad bekommen könnte. Die Registrierung im November hat sehr einfach funktioniert: Als TouristIn brauchst du nur deinen Reisepass vorzulegen, vom Einreisedatum an hast du 3 Monate Aufenthaltsgenehmigung und in diesen 3 Monaten kannst du ein Fahrrad leihen. Warum also soll meine Zeit schon abgelaufen sein? Während wir mit unserem bisschen Spanisch versuchen, mit der jungen Frau zu kommunizieren, spricht uns eine Frau, die gerade auch in den Radcontainer gekommen ist, auf Englisch an und fragt, ob sie helfen kann. Sie dolmetscht dann für uns und es stellt sich heraus, dass ich meinen Reisepass brauche, um das Datum zu checken. Die Frau entschuldigt sich dann fast dafür, dass wir Komplikationen haben und meint, in diesem Land braucht man viel Geduld. Wir gehen also zurück in unsere Wohnung und holen meinen Reisepass. (Übrigens ein Tipp fürs Reisen: Wir haben immer nur die Kopie des Reisepasses eingesteckt und der Pass selbst liegt sicher in der Wohnung!) Zurück im Radcontainer bestätigt sich, dass ich am 13. November in Argentinien eingereist bin. Die junge Frau meint aber: Klar, also ist mein Zugang am 13. Jänner abgelaufen! Für sie sind das 3 Monate – Nov / Dez/ Jän – und sie lässt sich das, noch dazu mit unseren Spanischkenntnissen, nicht ausreden. Da kommt ein Paar in den Radcontainer und der Mann schaltet sich gleich in die Diskussion ein. In aller Ruhe redet er auf die junge Frau und ihre Kollegin ein. Ich zeige dann, als Ausweg, in meinem Reisepass den Stempel, der bestätigt, dass ich am 9. Jänner aus Uruguay kommend erneut in Argentinien eingereist bin. Sie solle also die 3 Monate einfach erneut eingeben. Das gehe vom System her nicht, meint die junge Frau. Der Mann, ein Argentinier aus einer Provinz, der hier scheinbar auf Urlaub ist, erklärt ihr dann in aller Ruhe, dass das System niemals so wichtig sein kann wie die Menschen. Man müsse versuchen mit Systemen so umzugehen, dass sie für und nicht gegen die Menschen arbeiten. Nach der Art, wie er mit den beiden jungen Frauen gesprochen hat und ihnen gleich eine Lektion in Zivilcourage geben wollte, vermute ich, dass er Mittelschulprofessor gewesen sein könnte. Er hat die junge Frau jedenfalls so weit gebracht, dass sie telefonisch nachgefragt hat, ob ich mich neu registrieren lassen kann. Dann haben er und seine Partnerin sich verabschiedet und noch gemeint: paciencia! Wir haben also geduldig gewartet bis der Rückruf gekommen ist. Die Lösung war ganz einfach: vom 9. Jänner weg kann ich wieder für 3 Monate registriert werden und die junge Frau hat mit voller Überzeugung den 9. März (!) als Ablaufdatum eingegeben. Aber was soll’s, da bin ich schon lange wieder in Österreich. Wir haben also nach einer 3/4 Stunde unsere Fahrräder bekommen. (Kleines Detail am Rande: Andrea hat sich natürlich am gleichen Tag wie ich, am 26. 11., registrieren lassen und der junge Mann, der damals ihre Eingabe gemacht hat, hat gleich von diesem Datum weg die 3 Monate gerechnet – sie darf bis 26. Februar in Buenos Aires radfahren! So viel zum Thema  “Systeme”.)

Wir sind also ziemlich verspätet und auch einigermaßen verärgert losgefahren. Andererseits haben wir es toll gefunden, wie diese völlig fremden Personen uns geholfen haben. Nach zwei Häuserblöcken hören wir Rufe und sehen zwei Leute aufgeregt winken: Das Paar von vorhin kommt auf uns zugelaufen und will wissen, wie es nun doch geklappt  hat. Wir bleiben stehen und erzählen kurz. “Felicitacion” – Gratulation! rufen sie uns zu und gehen weiter.

Später sind wir im CD-Geschäft und suchen nach Tango-CDs (eh klar, was sonst, denkt ihr euch wahrscheinlich). Nach einiger Zeit kommt eine junge Frau mit einer CD in der Hand auf uns zu und fragt, ob wir nach Tango Ausschau halten. Diese CD könnte sie uns sehr empfehlen, wir sollen sie uns anhören, sie sei sehr gespannt, ob sie uns gefällt. Wir hören sie gleich an und sie ist großartig. Lidia Borda heißt die Sängerin, die Tangos aus den 30er und 40erJahren, also der “Goldenen Zeit” des Tango singt. Und sie singt wirklich toll. Wir suchen die junge Frau und bedanken uns für den Tipp. Sie freut sich sichtlich und meint, die Sängerin sei eine der besten, die es momentan in Buenos Aires gibt. Würde bei uns wohl kaum vorkommen, dass du von einer völlig fremden Person einen Musiktipp bekommst.

Am frühen Abend nach Buenos Aires Zeit, also um 22.00 Uhr, sind wir unterwegs zur Milonga und stoppen ein Taxi. Ich grüße und sage, wohin wir möchten. Der Taxler antwortet: Your spanish is as bad as my englisch! Und er lacht herzlich. Während der Fahrt unterhalten wir uns über die TangotouristInnen aus aller Welt.

Die Milonga, zu der wir gefahren sind, war keine Queermilonga, aber es gab an diesem Abend Livemusik und außerdem wollten wir mal sehen, wie es auf einer traditionellen Milonga ist. Wir waren das einzige Frauenpaar und wurden während des Tanzens entsprechend stark beobachtet. In einer Tanzpause kam dann ein Mann, wie sich später herausstellte, ein Porteno, auf mich zu und meinte: Congratulation to yor leading! Ich war ziemlich überrascht von einer mir fremden Person einfach so ein Kompliment zu bekommen. Wir haben dann eine Weile übers Tanzen und über das Führen im Tanz geplaudert und dann ist er wieder gegangen.

An diesem einen Tag waren die Begegnungen besonders dicht komprimiert und sie zeigen die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen hier. Diese Begegnungen nehmen wir als starke Erinnerung an Buenos Aires mit und sie werden uns wohl ein bisschen abgehen.  Aber auch wenn in Österreich die Begegnungen mit Fremden nicht so ablaufen, wir freuen uns schon sehr, euch wiederzusehen.

Also, bis bald

Sigrid