Ciao Italia!

Ciao Italia!

Salve vom schönen Lago di Garda!

Nun haben wir hier schon unsere letzte Woche angefangen. Obwohl die Kirchturmglocke auf unserem Platz jede Stunde doppelt schlägt – wir fragen uns bis heute, warum sie das macht (um zu betonen, dass es wirklich schon so spät ist oder für diejenigen, die beim ersten Mal vergessen haben, mitzuzählen?) – vergeht die Zeit wie im Flug. Und das trotz des Schlechtwetters das wir zurzeit haben. Denn kaum hatten wir unsere letzten Berichte gepostet, war der „Sommer vom Feinsten“ vorbei. Begonnen hat es mit einem Sturm, uns wurde sogar ein ziemlich großer Ast gegen das Auto geschleudert, der Göttin sei Dank ist aber weder uns noch dem Auto etwas passiert. Die Stimmung am See war auf einmal ganz anders. Das Wasser zeigte auf Grund des Wechsels von Sonne und Wolken alle erdenklichen Blau- und Grüntöne. Außerdem gab es Wellen mit Schaumkrönchen und an den Felsen eine ziemliche Gischt. Wir fuhren an diesem Tag die Ostküste entlang bis Torri, je weiter wir nach Norden kamen, umso rauer und wilder wurde es. In dem sehr, sehr netten kleinen Ort Torri war der Sturm schließlich so stark, dass die Gischt der Wellen den Lungolago immer wieder unter Wasser setzte. Ein faszinierendes Schauspiel der Natur, das einen Auftritt unsererseits erübrigte. Es wäre ohnehin unmöglich, bei so einem Wetter zu tanzen. Nun, dem Sturm folgten Gewitter und drei Tage Regenwetter, sodass wir überhaupt eine längere Auftrittspause hatten. Die Ruhephase hat uns sicher gutgetan, aber nach einem Auftritt am Sonntag in Bardolino, hat es heute schon wieder wie aus Kübeln geschüttet. Nun scharren wir schon ziemlich in den Startlöchern, um noch einmal loszulegen, bevor wir abreisen. Wir hoffen also, dass die Wetterprognose, nach der es schön werden soll, stimmt.

6727445515_af07b40539_bWir haben uns die letzten Tage, außer uns auszuschlafen und weiterhin zu trainieren, einfach treiben lassen: Stadtbummel in Brescia, Weinverkostung in einem Bioweingut, stimmungsvolles Chorkonzert in „unserer“ wunderschönen, romanischen Pieve San Pancrazio. Dieser Hügel, auf dem diese Kirche steht, wurde überhaupt zu einem Kraftplatz für uns. Es ist sicher ein sehr alter Kultort, schon lange Zeit, bevor es die Kirche gab. Wir sind jedenfalls mindestens einmal am Tag dort oben, auch bei Schlechtwetter.

Wir haben in diesen Tagen auch viel über uns und unser momentanes Leben nachgedacht. Einerseits sind wir von großer Dankbarkeit erfüllt, das alles erleben zu dürfen. Andrerseits ist auch hier ganz klar, auch wenn es sehr gut läuft, dass wir uns mit unserer Straßenkunst ein schönes Taschengeld verdienen, aber nicht mehr. Wir brauchen also im Winter einen Brotjob, mit dem wir uns die Sommer finanzieren. Denn diese Form des Reisens wollen wir nicht so schnell aufgeben. Wir haben nämlich festgestellt, dass ein wichtiger Teil des Ganzen auch das Reisen ist. Sich längere Zeit an einem fremden Ort aufzuhalten, in das Leben hier einzutauchen, ein bisschen Einblick zu bekommen, wie die Menschen hier leben und sich auf Begegnungen einzulassen. Es macht uns auch wirklich Spaß, davon zu berichten und so andere ein wenig teilhaben zu lassen. So verabschiede ich mich jetzt zum letzten Mal vom Gardasee.

Ciao e cari saluti,

Andrea

La Dolce Vita am Gardasee

La Dolce Vita am Gardasee

Salve!

Gerade hat es zu regnen aufgehört und ich schreibe meinen Bericht in „unserer“ Bar auf der Piazza. Andrea liest ein Buch, wir erwarten unseren Cafe und ich erzähle eine kleine Begebenheit, die zeigt, woran wir merken, dass wir in das Leben hier eingetaucht sind: Beim dritten Mal an der kleinen Tankstelle hier im Ort gibt mir Constantin, der Tankwart, Lose für die wöchentliche Verlosung einer Traumreise. Ich brauche sie nur auszufüllen und in die Box werfen; schade, dieses Wochenende kehren wir zurück nach Österreich … aber eigentlich sind wir ja mitten in unserer Traumreise!

Gestern zum Beispiel, das Wetter war unbeständig und wir waren unsicher, ob wir beim Auftritt nicht von einem Regen überrascht werden würden, haben wir uns frei gegeben und erstmals hier einen Abend für uns am See verbracht. Wir sind nach Desenzano gefahren und sind dort in der kleinen Altstadt und am Hafen herumgebummelt. Der Ort ist wirklich sehr schön und angenehm ruhig. Es ist ja ein wenig grotesk, dass wir für unsere Auftritte die übervollen Touristenorte auf der Ostküste brauchen, weil dort genügend Menschen unterwegs sind, dass uns selbst aber diese Orte mit ihren Kitschläden und dem Massenauflauf gar nicht gefallen. In Desenzano sind nur wenige TouristInnen unterwegs, an der Seepromenade stehen einige schöne alte Hotels im Jugendstil und die Geschäfte sind klein und stilvoll. Es gibt hier, wie auch schon in Brescia, wunderschöne Boutiquen, die für sich schon sehenswert sind. Und wie überall in Italien ist die Mode, die sie darin verkaufen, einfach großartig! Diesmal interessieren wir uns ja auch für Männermode – so tolle Hemden und Krawatten für unsere Aufritte werden wir in Österreich nur schwer finden. Zum Abschluss dieses freien Abends beschließen wir, in die kleine Bar zu gehen, neben der wir schon zweimal getanzt haben, und deren BesitzerInnen uns beim ersten Mal so nett bewirtet haben, um diesmal etwas zu konsumieren. Wir trinken köstlichen Rotwein und lassen den Blick über die Piazza schweifen. Wie so oft in den Tagen hier kommt mir unser Leben beinah unwirklich vor. Eigentlich ist es schon frech, wie gut wir es uns gehen lassen. Nach einiger Zeit kommt die Besitzerin und bringt uns zwei Stückchen einer selbstgemachten Tarte (köstlich, mit Tomaten und Melanzani, der passende Begleiter für unseren Wein!). Und als ich dann zahlen möchte, lehnt sie vehement ab: nein, wir sind eingeladen! Ich erwidere, dass wir doch den Wein bezahlen wollen, aber ich habe keine Chance. Wir sind wirklich gerührt von dieser Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Und wir wissen: wir sind reichlich beschenkt!!!

So werden wir viele Eindrücke und Erfahrungen mitnehmen, wenn wir uns am Sonntag auf den Heimweg machen. Neben der genussvollen Zeit in Italien (vom köstlichen Essen hier haben wir gar nie geschrieben, aber es ist ohnehin klar, dass wir diesbezüglich im Paradies gelandet sind) haben wir hier viel ausprobiert und gelernt für unsere Arbeit. Und wir sind schon gespannt darauf, wie es sein wird, wenn wir versuchen, manches davon im Juli in Wien umzusetzen. Davor aber freuen wir uns auf die letzten Auftritte hier – bis Freitag möchten wir noch einmal in den Orten auftreten, an denen es uns am besten gefallen hat.

Cari saluti,

Sigrid

 

Begegnungen …

Begegnungen …

Salve auch von mir!

Mittlerweile sind wir hier in Montichiari wirklich schon ziemlich zuhause. Man kennt uns in den Bars, in der Bäckerei, am Markt, … Wir wurden hier anfangs für Engländerinnen (wegen unserer Hüte?) oder Spanierinnen (weil wir in unser Italienisch leider immer wieder spanische Worte mischen?) gehalten, mittlerweile glaube ich, wissen alle, dass wir aus Österreich sind und wir werden behandelt, als wären wir hier schon seit jeher Stammkundinnen. Sehr angenehm!

4715119311_ddbd8dc83c_bAuch beim Tanzen hatten wir wieder einige sehr schöne Begegnungen. Begonnen hat unsere Arbeitswoche in Brescia, das ist hier die Provinzhauptstadt. Dort stand die ganze letzte Woche im Zeichen der 1000 Miglia. Was das ist? Das bekannteste Oldtimerrennen hier in Italien: von Brescia nach Rom und wieder zurück, 1000 Meilen (= 1600 km) werden an vier Tagen zurückgelegt. Wir waren am Tag vor dem Start in Brescia, als die TeilnehmerInnen ihre Ehrenrunden durch die Stadt drehten. Ein Riesenspektakel! Nun, auf der Suche nach einem Platz für unsere Tanzvorführung wurden wir recht schnell fündig. Auf der Piazza Loggia, die ihren Namen von der riesengroßen Loggia des Stadtpalastes hat, nahmen wir direkt vor dieser Aufstellung. In der Loggia wurden gerade Vorbereitungen für einen Empfang am Abend getroffen. Sigrid hatte zuvor bei der Verantwortlichen dieser Vorbereitungen angefragt, ob es ok. wäre, wenn wir hier eine Tango-Performance geben. Ihre Antwort: You are welcome! Das ist überhaupt das Beste hier. Wir haben uns ja im Vorhinein überhaupt nicht über Bestimmungen für Straßenkunst informiert. Wir suchen uns hier einfach Plätze aus, die uns gefallen, fragen diejenigen, die gerade da sind, ob das okay geht und tanzen los, solange es uns gefällt. Bis jetzt waren wir immer willkommen und hatten keinerlei Probleme. So etwas Überflüssiges wie eine Ordnungswache gibt es hier gar nicht, und die Polizei kümmert sich überhaupt nicht um uns, im Gegenteil. In Brescia war ja auf Grund der Veranstaltung auch viel Polizei unterwegs, und ein Polizist hat uns sogar eine Zeitlang zugesehen. Außerdem brauchen wir auch keine Tanzunterlage, denn wir finden hier überall bestens zum Tanzen geeignete Steinböden vor, eine große Erleichterung.

14491288356_4f8f27bc1f_b

Allora, wir hatten uns in Brescia wieder den schönsten Platz ausgesucht, und gerade als wir unsere neueste Performance zum ersten Mal aufführen, sind viele Pressefotografen anwesend. Mit einem Mal sind wir umringt von FotografInnen, es wird ein Bild nach dem anderen geschossen, und die Aufmerksamkeit gilt voll und ganz uns und nicht den alten Autos. Ein sehr schönes Gefühl! Sigrid spricht nachher einen der Fotografen an, ob er uns einige Bilder zukommen lassen könnte. Er verspricht es. Wir lernen auch eine junge Tänzerin aus Brescia kennen, die uns sehr lange zugesehen und auch fotografiert hat. Auch sie verspricht uns Bilder. Wir werden sehen, bis jetzt haben wir keine erhalten. Sie erzählt uns, dass sie an einer Tanz-Performance beteiligt war, die in dieser Loggia stattgefunden hat. Ein schöner Zufall!

Auch in Saló, einem sehr netten Ort am See, hatten wir besondere Begegnungen. Wir tanzten da am Lungolago direkt am See. Eine ältere Dame auf passeggiata mit ihrer Tochter ist so begeistert von uns, dass sie uns nach jedem Tanz umarmt, abbusserlt und mit ihren “Che bello!”- Ausrufen gar nicht fertig wird. Auch eine Angestellte der Schifffahrtsgesellschaft vor Ort schaut uns lange zu. Als wir gerade Pause machen und Sigrid unterwegs ist, um für uns ein Eis zu holen, spricht sie mich an und meint: “Complimenti Signora, siete veramente speziale!” Aber in unserem Publikum sind nicht nur Frauen. Es sind hier auch die Männer, die uns fasziniert, man sieht es an ihren Gesichtern, zuschauen und uns auch Geld geben. Und auch immer wieder Kinder. Hier in Saló spricht uns ein Junge aus Tirol an und meint: “Ihr tanzt sehr gut. Wie lange tanzt ihr schon?” Gerade diese Begegnungen sind es, die das Tanzen auf der Straße so schön machen, dieser unmittelbare und direkte Kontakt mit dem Publikum.

Mit großer Dankbarkeit verabschiede ich mich für heute aus Bella Italia.

Ciao, Andrea

 

 

Bella Italia – ein schöner Arbeitsplatz!

Bella Italia – ein schöner Arbeitsplatz!

Salve! (Wie die Menschen hier zur Begrüßung sagen!)

Heute sitzen wir zum Schreiben dieses Berichtes auf dem Hügel nahe unserer Wohnung. Wir spazieren immer wieder hier herauf, lagern uns mit der Picknickdecke mit Blick auf die romanische Kirche oder sitzen, so wie jetzt, im Schatten alter Bäume in dem Cafe, das es hier auch gibt. Hierher kommen hauptsächlich junge Leute, es gibt flotte Musik und auch Livekonzerte; während wir es uns in der Lounge gemütlich gemacht haben, sitzen am Nebentisch zwei junge Lehrerinnen und korrigieren Schularbeiten. Die wissen also auch, wie sie sich das Leben versüßen können. Vielleicht scheint es so, dass auch wir hier mittlerweile „La Dolce Vita“ haben. Abgesehen davon, dass allein schon das hier Sein ein bisschen Urlaub ist, sind wir aber nach wie vor fleißig am Tanzen. Wir haben nur festgestellt, dass unsere neue Arbeit als Straßentänzerinnen ziemlich anstrengend ist und dass wir es unmöglich schaffen, täglich aufzutreten. Im Unterschied zu Köln und Wien im letzten Jahr merken wir auch, wie wichtig es ist, neben den Auftritten täglich zu trainieren und so haben wir schon ein ordentliches körperliches Programm zu absolvieren. Dazu kommt noch, dass wir ziemlich viel mit dem Auto unterwegs sind, um in die einzelnen Orte, in denen wir auftreten, zu kommen. Wir müssen daher immer wieder Pausentage einlegen. Aber es macht großen Spaß und die Erfahrungen, die wir hier machen, sind großartig. Und die Fragen und Selbstzweifel, die uns im Winter immer wieder durch den Kopf gegangen sind, haben sich erledigt:

DSCF4558Wir sind Straßentänzerinnen, unser Platz ist die Straße und da sind wir auch wirklich gut! Natürlich gibt es mal bessere, mal nicht ganz so gute und mal supertolle Tage, aber insgesamt bekommen wir hier so viel positives Feedback und fühlen uns selbst beim Tanzen auch so gut, dass es keine Zweifel mehr gibt: wir haben unseres gefunden!  Wie, in welcher Form, wo usw., das wird sich alles noch klarer zeigen, aber das ist im Augenblick auch gar nicht wichtig. Ich lerne in diesem ganzen Prozess immer mehr, im Hier und Jetzt zu sein. Natürlich gelingt mir das nicht immer, weil wir in unserer Gesellschaft ja gewohnt sind, zu planen, uns abzusichern und mindestens für die nächsten Monate wenn nicht Jahre genau zu wissen, wie das Leben laufen wird oder zumindest laufen soll. Aber gerade hier in Italien, unserem “alten Sehnsuchtsland” drängt sich mir diese Erkenntnis auf: was willst du mehr, sei hier, sei glücklich und vertraue darauf, dass es gut weitergehen wird. Und es geht ja gut mit uns und unserem verrücktem Leben!

So, jetzt bin ich ein bisschen ins Philosophieren gekommen. Also zum Schluss noch mal zurück auf den Erdboden und zu all den Schönheiten, von denen wir hier umgeben sind. Wir haben hier nämlich obendrein auch noch Sommer vom Feinsten: angenehme Temperaturen, laue Abende, kaum Wind und eine herrliche Blütenpracht. Als wir vor zwei Wochen angekommen sind, haben Millionen (ehrlich, nicht übertrieben!!!) von Akazien geblüht, jetzt blühen alle nur erdenklichen Arten von  Rosen – manchmal sind sie sogar als Straßenbegrenzungen gepflanzt und auch da sind es unzählig viele Blüten. Und zu guter Letzt gibt es eine kleine Zitruspflanze, die sich auf Zäune und Mauern hinauf rankt, ganz kleine Blüten hat, aber unbeschreiblich köstlich duftet. Falls der eine oder die andere von euch also mal an einen Urlaub am Gardasee denkt – den Mai können wir dafür wärmstens empfehlen.

Aber wir sind ja zum Arbeiten hier … und das ist wunderschön!

Ciao, Sigrid

 

Grandiose Auftritte am Gardasee

Grandiose Auftritte am Gardasee

Ciao, nun also zum Tanzen…

Gleich vorweg, wir sind sehr froh, dass wir uns von den ersten Versuchen als Straßentänzerinnen in Wien und Köln im letzten Jahr nicht entmutigen haben lassen, sondern für uns zu dem Schluss gekommen sind, dass wir uns gerade in unseren „Lehr- und Wanderjahren“ befinden, und dass diese eben nicht mit einer Saison abgeschlossen sein können. Es war gar nicht so ganz leicht nach fast einem Jahr wieder auf die Straße zu gehen, wir waren ähnlich aufgeregt wie letztes Jahr. Aber bei unseren Orientierungsfahrten in den ersten Tagen hier haben wir schon einige tolle Plätze entdeckt, und so konnte es Mitte der Woche losgehen.

10391270553_0bb424d63e_bAm ersten Abend waren wir für italienische Verhältnisse einfach zu früh dran, am späten Nachmittag sind noch viel zu wenige Leute unterwegs gewesen. So sind wir beim nächsten Mal erst um 20.00 Uhr in Lazise, einem Ort am Ostufer, in dessen Umgebung es viele Campingplätze und Agritourismi gibt, eingetroffen. Der Platz, den wir ausgesucht hatten, war einfach großartig: direkt an der Seepromenade, mit dem Sonnenuntergang im Hintergrund, gibt es da eine gepflasterte Kreisfläche mit Steinbänken im Halbkreis. Der Boden war traumhaft zum Tanzen geeignet, und die Leute haben uns beim Flanieren und von den umliegenden Restauranttischen aus gesehen. Wer wollte, ließ sich für längere Zeit auf den Bänken nieder, andere wieder sind nur kurz stehengeblieben. Kurzum, es war unbeschreiblich toll! Wir hatten noch nie so viel Publikum,  und wir konnten uns von der Stimmung und dem Publikum richtig inspirieren lassen. Mit unserem neuen Outfit als coole Jungs mit Hosenträgern sind wir auch viel frecher und trauen uns mehr zusätzlich zum Tanzen auch mit der Rolle zu spielen. Um 22.00 Uhr waren wir total erschöpft und glücklich, und im Hut befanden sich knapp 70 Euro!  Nur eines hat an diesem Abend nicht so geklappt, wie wir es erhofft haben: Die Performance “El clase de Tango”, die wir in den letzten Monaten erarbeitet haben, ist nicht so gut angekommen und wir werden sie deshalb vorerst nicht verwenden. In unserer Trainingszeit arbeiten wir aber gerade an einer zweiten Performance mit dem Titel “wo/men performing tango“ und wir hoffen, dass wir diese am kommenden Wochenende schon einsetzen können.

Am Freitag dann haben wir wieder mal eine Lektion für unser Erfahrungskonto erhalten. Wir sind fertig gestylt um 19.00 Uhr losgefahren und waren 45 Minuten später pünktlich zum Beginn des Gewitters in dem Ort, in dem wir auftreten wollten. Das Wetter ist für uns wirklich immer eine schwierige  Sache. So ist es bei einer unfreiwilligen Spazierfahrt geblieben.

Am Samstag dann sind wir um 19.30 Uhr auf der Piazza in Desenzano eingetroffen. Dies ist der größte Ort am See und er ist nicht so stark touristisch geprägt. So waren an diesem Abend auch hauptsächlich ItalienerInnen und nur einige wenige TouristInnen unterwegs. Die Stimmung war deshalb auch ganz anders als in Lazise. Wir haben uns einen Platz unter einer Loggia, wieder mit Steinplatten als guten Tanzboden, ausgesucht. Gleich daneben war eine kleine Bar und so haben wir den Besitzer gefragt, ob er etwas dagegen hat, wenn wir hier tanzen. Er war nicht nur einverstanden, sondern er hat uns dann den ganzen Abend über versorgt mit Getränken und sogar einem Stück Kuchen in einer Pause! Wahnsinnig nett!!! Am Anfang ist es uns hier schwerer gefallen, uns aufs Tanzen zu konzentrieren, weil ein unglaublicher Lärmpegel herrschte und die Leute auch nicht gleich so offen auf uns reagiert haben. Dann aber ist der Funke übergesprungen und wir haben bis nach 22.00 Uhr getanzt, getanzt, getanzt, bis wir wirklich völlig k.o. waren. Da war der Abend aber noch lange nicht zu Ende! Eine ältere Frau hat uns nämlich angesprochen, sie liebt Tangomusik und Astor Piazzolla und sie besitzt ein Bandoneon. Ob wir nicht mit in ihre Wohnung kommen wollen, um es anzuschauen. So haben wir also von 22.15 bis 23.15 Uhr einen Besuch gemacht, wurden mit Tee und Kuchen bewirtet und eingeladen, bei einem nächsten Aufenthalt hier in ihrem Gästezimmer zu nächtigen. Der ganze Abend war einfach surreal, aber herzlich und faszinierend zugleich. Naja, und im Hut waren wieder 70 Euro! Die Einnahmen sind hier bis jetzt also deutlich besser als im letzten Jahr. Hoffentlich geht das so weiter.

UnbenanntHeute haben wir uns einen Pausen- und Trainingstag genehmigt. Am bevorstehenden langen Wochenende haben wir nämlich viel vor: In Brescia gibt es das jährliche Oldtimerrennen Mille Miglia und in einigen anderen Orten sind Vintage-Veranstaltungen. Wir meinen, dass wir mit “Tango“ da ganz gut dazu passen und wollen versuchen am Rande dieser Veranstaltungen aufzutreten.

Soweit unsere ersten Erfahrungen hier, und wie immer die weiteren Erfahrungen auch sein werden, es ist einfach ein Traum jetzt im Mai für einen Monat hier sein zu können. Einmal mehr wissen wir, wie gut es war, uns auf den Weg zu machen.…

Cari saluti, Sigrid

 

Endlich wieder in Italien!

Endlich wieder in Italien!

Ciao ragazzi/e!

Es war für uns wohl wirklich höchste Zeit wieder einmal für länger nach Italien zu kommen, denn schon nach wenigen Tagen hat sich dieses vertraute Gefühl eingestellt, hier ein wenig zuhause zu sein. Wir sind jetzt bereits eine gute Woche in dem kleinen Ort Montichiari, ca. 10 km südlich vom Gardasee gelegen. Weil der Ort nicht direkt am See ist, gehört er den Einheimischen und nicht den TouristInnen. Wir genießen es sehr, am italienischen Leben hier teilzuhaben. Auch in die Sprache finden wir wieder immer mehr hinein, denn anfangs war unser Italienisch sehr spanisch durchsetzt.

Unsere Wohnung, die wir über Airbnb gefunden haben, liegt sehr ruhig an der kleinen Piazza Agostina, nur die Glocken der Kirche am Platz unterbrechen die Ruhe und verkünden, dass die Zeit doch vergeht. Wir brauchen hier auch keinen Wecker, denn um 7 Uhr morgens schlägt die Glocke zum ersten Mal am Tag und spielt dabei sogar ein Lied. In der Bar um die Ecke bekommen wir unseren ersten Cafe und der Tag kann beginnen. Vormittags gehen wir meistens auf die Piazza (den Hauptplatz) für Einkäufe, denn dienstags und freitags sind Markttage, und dort gibt es auch eine Bäckerei. Außerdem haben wir auch nur in der Bar dort Internetzugang. Danach trainieren wir, und nach Mittagessen und Siesta rüsten wir uns für unsere abendlichen Auftritte. Es hat sich nämlich gezeigt, dass hier der Abend die beste Zeit fürs Straßentanzen ist. Aber davon später.

Hier in Montichiari gibt es ansonsten noch eine Burg, wie in fast jedem der Orte hier, einen riesengroßen Dom Santa Maria Assunta und am Hügel direkt oberhalb unserer Wohnung eine sehr alte, wunderschöne romanische Kirche, die Pieve San Pancrazio. Morgen ist deshalb hier im Ort Patrionatstag, und auch das vergangene Wochenende wurde schon ausgiebig gefeiert mit Marktständen, Blasmusik und geöffneten Türen in die Palazzi und Villen des Ortes. Atemberaubend schöne Innenhöfe bekamen wir so zu Gesicht. Ein sehr nettes Erlebnis gab es in einer der Villen, wo uns ein kleines Mädchen empfangen hat und gleich die Führung übernahm. Wir, voll des Staunens über die schöne Loggia und die Pflanzenpracht, haben daran, wie es das Mädchen weiterzieht, bemerkt, dass es das Schönste wohl erst zu sehen gibt. Voll Stolz führt sie uns in den letzten Winkel des Gartens und dort, am Dach eines Schuppens, thront – ihre Katze! Sehr nett, oder?

Auch ein Theater gibt es hier. Ihr müsst es euch als Miniaturausgabe der Grazer Oper vorstellen. Ausgestattet mit Foyer, Parterre- und Logenplätzen, der Bühne und reich verziert und mit Fresken geschmückt, aber alles molto piccolo. Auch sehr nett. Von Oktober bis März finden hier regelmäßig Aufführungen von verschiedenen Kompanien statt. Jetzt hatten wir nur wegen des Festes Zutritt und außerdem wurden dabei heimatliche Gefühle geweckt, denn es gab dort eine Tanzvorführung mit Wiener Walzer. Die ItalienerInnen stehen sehr auf Wiener Walzer, aber auch auf Tango. Wie es uns nämlich mit dem Tanzen ergeht, wird euch Sigrid in ihrem Bericht erzählen.

Ciao e cari saluti

Andrea