753 Stufen über dem Meer

753 Stufen über dem Meer

An der Opatija-Riviera gibt es viele schöne Plätzchen, die zwar längst kein Geheimtipp mehr, aber jetzt im Herbst ohne den Trubel der Saison besonders reizvoll sind. Wir sind der Küstenstraße von Lovran aus weiter gefolgt, die hoch über dem Meer verläuft, denn die bewaldeten Abhänge des Učkagebirges formen hier eine Steilküste. Nur in wenigen Buchten ist ein Zugang zum Meer möglich und dort schmiegen sich kleine Orte an den Berghang. Unser Ziel war Mošćenička Draga, ein altes Fischerdorf mit einem kleinen Hafen, pittoresken Häusern und einem langen Kiesstrand. Und einmal mehr haben wir es genossen, jetzt im Spätherbst an der Adria zu sein – die Parkplätze waren nicht nur frei, sondern auch kostenlos, in den Bars haben an diesem Vormittag die Menschen des Dorfes ihren Kaffee genossen, andere sind ihrer täglichen Arbeit nachgegangen und eine Kindergartengruppe ist zum Spielen nicht auf einen Spielplatz, sondern an den Strand gegangen. Alltagsleben am Meer ohne Touristinnen und Touristen.

Wir ließen uns treiben, schlenderten durch die kleinen Gassen und am Hafen bevor wir den Kiesstrand entlang gingen. Direkt nach dem letzten Gebäude wird es wieder felsig und der Wald reicht bis an die Klippen. Im Licht der tiefstehenden Sonne ein bezaubernder Anblick!

Und hier, am Ende der Bucht, beginnt ein alter Treppenweg, der das Fischerdorf mit dem kleinen, mittelalterlichen Ort Mošćenice, der hoch über dem Meer thront, verbindet. Die alten Steintreppen und die kleinen Steinmauern, die den Weg hier und da stützen, sind mit Moos bedeckt. Manchmal ist es dunkel und fast mystisch, dann wieder findet die Sonne einen Weg zwischen den alten Steineichen und den Lorbeersträuchern, die hier so groß wie Bäume sind, und verzaubert den Wald nochmals ganz anders. Der Aufstieg ist nicht ganz mühelos und wir sind selbst an diesem strahlend schönen Herbsttag froh über den Schatten der Bäume.

Oben angekommen erwarteten uns Sonne und Weite. Hoch über dem Meer blickten wir über die Kvarner Bucht zu den Inseln Cres und Krk, die tiefstehende Herbstsonne tauchte alles in ein weiches Licht und wie schon in den Jahren zuvor, wenn wir im Spätherbst hier waren, strahlte das leere Meer – ohne Boote oder Schiffe – eine unglaubliche Ruhe aus. Die Bäume in den kleinen Gärten direkt vor uns haben ihre Blätter bereits verloren oder leuchteten im gelben Herbstkleid. Doch wenn wir uns umdrehten und auf das kleine Dorf blickten, hätten die blühenden Rosen und der Lavendel uns glauben lassen können, es sei noch Sommer. Und auch die Kraft der Sonne war hier oben deutlich zu spüren und die herbstliche Kleidung, die am Morgen passend erschien, war nun zu viel des Guten. Kurzentschlossen kauften wir in dem kleinen Geschäft von Mošćenice eine Jause und machten es uns für ein Picknick gemütlich, blickten aufs Meer und waren glücklich und zugleich dankbar für diesen Augenblick.

Nach dem Abstieg führte unser Weg wieder direkt am Strand entlang. Die Kindergartenkinder waren wohl schon zu Hause, die Menschen des Dorfes beim Mittagessen – jedenfalls waren wir fast allein unterwegs. Auch im Café Porto waren alle Tische frei und wir krönten diesen zauberhaften Tag mit einem schönen Espresso.

Spontan kam der Gedanke, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie es hier im Sommer zugeht und sogleich stellte ich fest: ich will es auch gar nicht wissen!

Sigrid

 

Straßenkunst, Berge und Meer

Straßenkunst, Berge und Meer

… immer schön piano wurde zum Motto unserer heurigen Herbstreise, bei der wir jene drei Dinge, die wir so sehr lieben, verbinden konnten: auf der Straße zu tanzen, in den Bergen und am Meer wandern und genießen! Tatsächlich war die Straßenkunst der Anlass für diese Reise, denn wir wurden eingeladen, beim Blausteiner Herbst als Künstlerinnen dabei zu sein und so war auch der Saisonabschluss dieses Jahres keine spontane Straßenkunst, sondern ein Auftritt, zu dem wir gebucht wurden. Erstmals tanzten wir an einem Nachmittag zwei unserer wo/men tango acts. Encuentro gab gewissermaßen schon das Motto vor, denn wir bezeichnen diesen act als Hommage an die Langsamkeit, herausgefallen aus Zeit und Raum! Und auch wenn wir die Ballade für zwei Verrückte als bunt und frech, voller Spaß und Überraschungen beschreiben, so haben wir sie in dieser Straßenkunstsaison ruhiger, tiefer und noch magischer interpretiert.

An einem strahlend schönen Herbsttag war die Stimmung bei diesem Volksfest fröhlich und entspannt, wir tanzten jeden act dreimal und hatten ein begeistertes Publikum. Gleich nach dem ersten Auftritt mit Encuentro kam es, wie so oft bei Auftritten auf der Straße, zu einer schönen Begegnung: eine Frau kam auf uns zu und meinte, sie habe schon seit Jahren einen Vintage-Lederkoffer, der genau für dieses Stück passen würde und den sie uns schenken möchte! Sie gab uns ihre Adresse und bei unserer Abreise am nächsten Tag fuhren wir in Ulm bei ihr vorbei und nahmen tatsächlich einen alten Lederkoffer mit auf die Reise. Einmal mehr erlebten wir die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen in und um Ulm, die wir auch bei den Auftritten im Vorjahr so schätzten. Wer weiß, vielleicht waren wir nicht das letzte Mal dort?

Von Ulm aus machten wir uns nicht direkt auf den Weg nach Hause, sondern wieder einmal wurde aus einem Arbeitstermin ein kleiner Urlaub. Wir fuhren über den Fernpass nach Tirol und weiter ins Oberinntal, denn ich wollte die Gelegenheit nutzen und in jenes Dorf im Tiroler Oberland fahren, aus dem meine Großeltern im Jahr 1938 ausgewandert und nach Graz gezogen sind. Durch das Torhaus betraten wir Pfunds und spazierten durch die Gassen. Jenes Haus, in dem heute das Heimatmuseum zu finden ist, ist das Geburtshaus meiner Großmutter und auch das Elternhaus meines Großvaters, etwas außerhalb des Dorfes, haben wir gefunden. Es war schön, an diesen Ort zu kommen und meiner Geschichte ein wenig nachzuspüren.

 

Über den Reschenpass kamen wir nach Südtirol und machten gleich mal einen ersten Stopp, um einen Espresso zu genießen und in Bella Italia anzukommen.

Der Kaffee war köstlich, aber das mit Italien ist in Südtirol ja bekanntlich nicht so einfach. Ist das jetzt Tirol oder Italien? In den drei Tagen, die wir in Meran verbrachten, sind wir eigentlich ständig hin- und hergewechselt: in den Sprachen ebenso wie beim Essen und Trinken – mittags eine südtiroler Merende mit Speck und Apfelmost, abends italienische Küche vom Feinsten mit einem köstlichen Wein. Nur wenn es um die Vergangenheit geht, führen die Spuren eindeutig nach Tirol und Österreich. Und es sind zwei Frauen, die die Geschicke Merans stark geprägt haben: Gräfin Margarethe Maultasch, die von hier aus Tirol regiert hat und Kaiserin Elisabeth, die mit ihren langen Aufenthalten in Meran, der guten Luft und des milden Klimas wegen, den Grundstein für die Kurtradition der Stadt gelegt hat. So spazierten wir abwechselnd durch die mittelalterlichen Laubengassen und flanierten auf der Kurpromenade am Fluss. Das Kurhaus und die Wandelhalle lassen tatsächlich den Flair des Fin de siècle lebendig werden, als Meran von Adeligen und Reichen aus ganz Europa besucht wurde und zu den beliebtesten Kurorten der Habsburgermonarchie zählte.

Aber nicht nur als Kurstadt hat Meran viel zu bieten – mitten in der Südtiroler Bergwelt kommen die Urlauber*innen heute zum Wandern, Radfahren und Bergsteigen. Wir sind es piano angegangen und haben keinen Gipfel bestiegen, sondern eine wunderschöne Wanderung an einem der Waalwege gemacht. Diese Wege verlaufen entlang alter Kanäle, die das Wasser von den Flüssen ableiten, um die Obst- und Weingärten zu bewässern. Am Wasser entlang zu gehen war ein Genuss, das Plätschern begleitet die Schritte, die Gedanken fliegen dahin und der Kopf wird frei.

Nach drei Tagen setzten wir unsere Reise und damit unsere ausgedehnte Heimfahrt fort. Unser nächstes Ziel war das Meer – und der schönste Weg dorthin führte uns durch die Dolomiten. Vielleicht lasse ich hier einfach die Bilder sprechen …

Auch am Meer haben wir einen geschichtsträchtigen Ort ausgewählt: Grado, mit seiner verwinkelten Altstadt und dem altem Hafen. Von der Zeit, als Grado ein berühmtes Seebad des österreichischen Küstenlandes und somit auch ein K&K Kurort war, ist fast nichts mehr zu sehen und die Gebäude der letzten Jahrzehnte sind leider nicht besonders schön. Warum also zieht es uns dorthin? Urlauben heißt für uns gehen – in diesem Fall ein mehrstündiger Spaziergang am Strand, direkt am Meer und mit salziger Luft in der Nase – und köstliches Essen genießen. Und dafür ist Grado bekannt!

Dass an diesem Wochenende dann auch noch das Festival Mare nostrum stattfand, bei dem die Kultur und die Genüsse jener Zeit, als Grado eine Insel der Fischer*innen war, zelebriert wurde, war ein glücklicher Zufall. Beim Schlendern durch die Gassen gab es köstliche Häppchen hier und dort, wir sahen eine Ausstellung mit faszinierenden Fotos einer alten Fischerin und nach einem genüsslichen Abendessen spazierten wir nochmals zum Hafen und auf der Uferpromenade. Wunderbar – und immer schön piano!

Sigrid

 

Die süße Welt von Volosko

Die süße Welt von Volosko

Wir verbringen wieder einmal eine Woche an der Opatija-Riviera im November. Wenn wir vom Hotel Miramar, in dem unser Workshop stattfindet, vor die Türe treten, befinden wir uns direkt am Lungomare und die Wellen der Adria schwappen fast bis vor unsere Füße. Ich möchte euch diesmal mitnehmen Richtung Norden, in den kleinen Fischerort Volosko.

Entlang des Weges begleiten uns die Möwen, der Blick schweift bis Rijeka und Krk, alte und moderne Villen säumen die Uferpromenade. Wir haben Glück,  die Sonne strahlt vom Himmel und wir baden in der milden Meeresluft. Dass das Wetter hier auch anders sein kann, zeigt sich bald am Weg. Der letzte Sturm, der ja auch in Italien gewütet hat, hinterließ deutliche Spuren. Stücke des Weges sind auf- und abgebrochen, die Sockel der Laternen hat es aus ihren Verankerungen gerissen und so wird der Spaziergang streckenweise zu einem Hindernislauf. Trotzdem erreichen wir bald Volosko.

Der malerische Hafen mit seinen zwei Molen empfängt uns gleich als erstes. Genau so stellt man sich ein kroatisches Städtchen am Meer vor. Die Boote schaukeln am Wasser und dahinter schmiegt sich der Ort an den Hügel. Einige Lokale, von Feinschmeckerrestaurants bis zu einfachen Bars, umgeben das Hafenbecken.  Enge Gassen und Steintreppen führen durch die Altstadt hügelaufwärts. Unterwegs begegnet man jetzt im November nicht vielen Menschen, die verwinkelten Treppengassen scheinen den Katzen zu gehören.

Oben an einem kleinen Platz angekommen lassen wir unsere Blicke über die Dächer und Schornsteine bis hinunter zum Hafen schweifen. Hier scheint die Zeit still zu stehen. Wir entdecken den Handwagen des Straßenkehrers von Volosko, der Besen besteht aus irgendeinem Macchiagestrüpp, abgestellt mitten am Platz. Er macht wohl gerade Pause.

Von hier aus folgen wir der einzigen Straße, die durch Volosko führt, zu einem kleinen Cafè, von dem wir schon gehört haben – das Kaokakao. Ein Magnet für alle, die Süßes lieben. Beim Eintritt fällt der Blick sofort auf die Theke angefüllt mit Törtchen und  süßen Naschereien. Zuerst einmal eine Augenweide, und die Entscheidung, was wir auch verkosten möchten, fällt nicht leicht. Es schmeckt so köstlich wie es aussieht und begleitet von einem Espresso ist das Glück vollkommen.

Dermaßen gestärkt machen wir uns auf den Rückweg, steigen die Treppen wieder hinunter bis direkt ans Wasser. Die Kvarner Bucht liegt vor uns und der Lungomare führt uns zurück in die mondäne Welt des Miramar.

Andrea

 

Spätherbst an der Kvarner Bucht

Spätherbst an der Kvarner Bucht

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich am Balkon unseres Zimmers im Hotel Miramar und blicke immer wieder hinaus auf die Kvarner Bucht. Vor mir liegt das glitzernde Meer, die tiefstehende Sonne zaubert um diese Jahreszeit eine ganz neue, ungewöhnliche Atmosphäre aufs Wasser. Eine leichte Brise lässt die Wellen tanzen und sorgt so gemeinsam mit der Sonne für eine stetig wechselnde Choreographie. Dahinter heben sich die Inseln Cres und Krk ab, liegen scheinbar verlassen im Meer, denn durch die tiefstehende Gegensonne sind keine Einzelheiten, sondern nur ihre Umrisse auszumachen. Noch weiter am Horizont sind die schneebedeckten Berge zu sehen und der Blick reicht bis hinunter zum Velebit Gebirge. Am Morgen war der Wind, der von diesen Schneebergen her kam, noch frisch. Jetzt, zur Mittagszeit, ist er angenehm und kühlend, denn mit einer der Jahreszeit angepassten, wärmeren Hose und einem Pullover ist es hier an diesem Sonnenplätzchen richtig  warm.

Soeben sind wir von einem Spaziergang durch Opatija zurückgekehrt. Das kleine Städtchen im Nordwesten der Kvarner Bucht mit seinen 13.000 Einwohnern ist zur Ruhe gekommen. Nach einer langen Sommersaison, in der vor allem im Juli und August die Straßen, Strände und Bars ziemlich überfüllt sind, scheint es nun wieder zu sich selbst zu finden. Am Lungomare, dem Spazierweg direkt am Meer, begegnen uns fast nur Einheimische, alle im Wintermantel oder mit einer Daunenjacke, manche beim gemütlichen Flanieren, manche auf der täglichen Runde mit ihrem Hund, andere beim Joggen oder gemütlich auf einer Bank sitzend. Alles geht hier langsam von statten, und auch die wenigen TouristInnen, die jetzt hierher kommen, scheinen sich diesem Tempo anzupassen. Ein Kaffee oder ein Aperitif auf der Sonnenterrasse des Cafe Wagner, ein kleiner Tratsch, für alles scheint Zeit zu sein. Mir fällt dabei ein Liedtext von Reinhard Mey ein, in dem er zwar eine Seebad an der Ostsee besingt, der aber auch hier an der Kvarner Bucht im Spätherbst voll und ganz zutrifft:

Ich liebe das Ende der Saison!

Die Tage werden kürzer und die Schatten werden länger..
Im Kurhaussaal rücken sie die Tische enger
Und heizen manchmal schon den vord‘ren Raum.
Der heißumkämpfte Tisch, den nur die Halbgötter bekamen,
Ist nicht mehr heißumkämpft und plötzlich frei.
Und dein Gesicht hat endlich für den Kellner einen Namen,
Du bist auf einmal wichtig und nicht nur Tisch Nummer drei!

An den verwaisten Fahnenmasten klopfen lose Leinen
Und irgendwo dort drüben schlägt ein Gartentor im Wind.
Wie all diese Geräusche deutlicher und lauter scheinen,
Wenn erst die lauten Stimmen der Saison verklungen sind!

Der Kiosk und das Eiscafé machen nach und nach dicht.
Zittern glitzernde Tautropfen im späten Sonnenlicht.
Wenn jetzt die Sonne scheint, dann ist das nicht mehr selbstverständlich,
Und du nimmst jeden Strahl einzeln und dankbar hin.
Nichts ist mehr so wie‘s war, und du kannst spür‘n: Alles ist endlich.

Ich liebe das Ende der Saison!

(Reinhard Mey, Text gekürzt)

Für das heutige Opatija ist Ende November wirklich die Sommersaison zu Ende, denn die Zeit, als Adelige und BürgerInnen aus Mitteleuropa hier den Winter verbrachten, ist längst vorbei. Gerade noch für Weihnachten oder Silvester öffnen einige wenige Hotels, darunter auch das Hotel Miramar, dann ist endgültig alles für die Winterpause geschlossen. Für die Menschen, die hier leben, ist das wohl gut so, denn nun haben sie ihre Stadt am Meer wieder für sich. Im Café um die Ecke treffen sich wieder alte Bekannte, die Einkaufsstraße erstickt nicht mehr im Verkehrsstau und in der alten Markthalle bieten die Frauen die herbstliche Ernte an – Spinat, winzig kleiner Radicchio, Kohl und Kraut, Nüsse, Kaki und getrocknete, kleine Feigen, die an den Sommer erinnern.

Wir haben Opatija nun schon zu den verschiedensten Jahreszeiten bereist – im April und Mai, im Juli und nun zum zweiten Mal Ende November. Es ist spannend einen Ort immer wieder anders zu erleben und jedes Mal haben wir dieses Plätzchen an der Kvarner Bucht genossen. Aber, eines ist mir heute klar geworden: Ich liebe Opatija am Ende der Saison!

Sigrid

 

Begegnungen am Meer

Begegnungen am Meer

Bei unserem letzten Aufenthalt im Miramar ist der Fotograf, der für das Hotel immer wieder Fotos und Videos aufnimmt, gerade eingetroffen. Die Direktorin hat gleich vorgeschlagen, dass er auch Aufnahmen von uns machen könnte und so lernten wir Ernst von Chaulin kennen. Er stammt aus Bayern und war uns mit seinem weichakzentuierten Dialekt gleich sympathisch. Und er überraschte uns, indem er uns für das Fotoshooting auf das Dach des 4. Stockes einlud, und uns so eine völlig neue Perspektive auf das Miramar und die Kvarner Bucht eröffnete. Das Shooting selbst war dann die nächste angenehme Erfahrung: eine sehr achtsame Herangehensweise des Fotografen ließ uns schon ahnen, dass dies ganz besondere Aufnahmen werden könnten.

Nun, seither sind viele Wochen vergangen. Im Miramar ist Sommer-Hochsaison und wir haben nachgefragt, wie es um die Fotos steht. Und nach wenigen Tagen haben wir eine große Auswahl an Bildern zugesandt bekommen – und waren bzw. sind begeistert! Unser Eindruck, dass es sich hier um eine feine Arbeit mit Tiefgang handelt, wurde bestätigt! Die Fotos sind ausdrucksstark und vermitteln viel von dem, was wir mit dem Tango verbinden. Danke, lieber Ernst!

Aber nicht nur diese Begegnung im Miramar hat mich spontan dazu veranlasst, diesen Artikel zu schreiben, sondern auch zwei Links zu Videos, die Ernst von Chaulin in den vergangenen Wochen in und rund um das Hotel Miramar gedreht hat. Auch sie spiegeln intensive Begegnungen und dieses Sich-Einlassen auf das Gegenüber wider. Im ersten Video ist es die Begegnung mit der Kunst und dem Künstler Ante Bakter. Er lebt im Landesinneren Kroatiens und wird vom Miramar immer wieder eingeladen, sich vom Meer inspirieren zu lassen und im Hotel Bilder zu gestalten. Während unseres Aufenthaltes im Mai hat er an einem Nachmittag im Garten des Hotels ein Bild gemalt und den Gästen so die Möglichkeit gegeben, dabei zu sein und zu erleben, wie die Blütenpracht auf die Leinwand gezaubert wird. Nun hat er ein Wandgemälde im Bereich des großen, neuen SPAs angefertigt und die Arbeit des Malers wurde vom Fotographen festgehalten. Entstanden ist ein Video, das den Respekt vor der Kunst und dem Künstler ebenso darstellt, wie den Entstehungsprozess eines Kunstwerkes.
Mit diesem Link kommt ihr zum Video:

Ein Wandgemälde entsteht
im Hotel MIRAMAR

Auch wenn es verlockend ist, im Sommer faul am Strand zu liegen und die Erholung in der Entspannung zu suchen – mit einem zweiten Video zeigt Ernst von Chaulin, dass die Region Kvarner viel mehr zu bieten hat. Und dass eine Begegnung mit Land und Leuten, mit ihrer Musik und ihrer Kultur und der Natur ringsum äußerst lohnend ist! Es ist ein Video der langsamen Art, ohne schnelle Schnitte und ohne Action. Aber gerade durch diese Langsamkeit, die von der ruhigen Musik der Gruppe Pesekani unterstrichen wird, geschieht allein schon beim Zuschauen ein Stück Erholung, ein wenig Entschleunigung, einfach, das, was wir mit Urlaub verbinden. Hier wieder der Link zum Video:

Pesekani – eine kroatische Musikgruppe
entführt in die Kvarner Bucht

Begegnungen, Entschleunigung, Achtsamkeit – drei Begriffe, die für mich in den letzten Jahren wesentlich geworden sind und die ich in unserer Arbeit als Tangotänzerinnen so sehr schätze. So erfreut und überrascht es mich ganz besonders, diese in Fotos und Videos in und rund um das Hotel Miramar anzutreffen. Und umso mehr freue ich mich auf unseren nächsten Aufenthalt dort – Ende November – für Tango am Meer mit AdanzaS!

Sigrid

 

Klein und fein …

Klein und fein …

Istrien – da tauchen all die Bilder in uns auf, die wir mit „Urlaub“ verbinden – traumhafte Küsten, malerische Städtchen, verträumte Gassen, grünes Hinterland, … Meist ist es der weit größere, kroatische Teil der Halbinsel, der bereist wird, denn dort gibt es auch die großen Hotelanlagen, Campingplätze und Apartmentresorts. Allen, die es lieber klein und fein, ein wenig ruhiger und übersichtlicher haben möchten, empfehle ich die slowenische Riviera – den nördlichen Teil der Halbinsel Istrien, der Slowenien mit knapp 50 km Küstenlänge den Zugang zum Meer verschafft. Von der italienischen Grenze bei Ankaran bis zur kroatischen Grenze nahe den Salinen von Secovlje – klein und übersichtlich!

Hier sind all die Schönheiten und Kostbarkeiten der mediterranen Landschaft auf engstem Raum beisammen: Piran, Izola und Koper bezaubern jeweils mit einer malerischen Altstadt, kleinen Hafenbecken, idyllischen Gässchen und venezianischen Palazzi. Jetzt in der Vorsaison ist es hier beschaulich ruhig, wenige Menschen schlendern durch diese Paradiese. Nur am Wochenende um den 1. Mai ist hier einiges los, denn in Slowenien fallen da einige Feiertage zusammen und so sind es die SlowenInnen selbst, die einen Kurzurlaub in „ihrem“ Küstenland verbringen. Aber es ist ganz einfach, hier dennoch ruhige Plätzchen zu finden, wenn man ein wenig auf Entdeckungsreise geht…

Die größte, freudige Überraschung war für uns Portoroz – der Hafen der Rosen! Bei all unseren früheren Reisen in diese Region haben wir diesen Ort gemieden, da wir glaubten, er sei zu touristisch, zu überlaufen. Auf der Suche nach möglichen Auftrittsorten sind wir diesmal aber auch nach Portoroz gegangen (ja wirklich zu Fuß gegangen, aber davon erzähle ich später!) – und waren erstaunt! Ein kleiner Ort, versteckt in der ruhigen Bucht, mit einer bezaubernden Uferpromenade, netten Lokalen und gemütlichen Plätzchen zum Verweilen. Der Ort war und ist auch Kurort, denn die Salzgewinnung hat hier Tradition. Schon vor mehr als hundert Jahren wurde diese Heilwirkung geschätzt und so entstand im Jahr 1910 das Palace Hotel Portoroz, damals das größte und prächtigste Luxushotel an der Adria. Es wurde soeben nach einer Renovierung als 5-Sterne-Hotel der Kempinski-Gruppe wieder eröffnet. Nein, ich muss euch enttäuschen, wir sind nicht hier abgestiegen, eigentlich schade, denn es ist traumhaft schön!

Wir wohnen aber auch nicht schlecht, und zwar, was die Lage unserer Unterkunft betrifft! Das Haus, in dem wir ein Privatzimmer gemietet haben, liegt an der höchsten Erhebung zwischen den Buchten von Portoroz und Strunjan. Jedes Haus hier hat einen kleinen Olivengarten, einen Gemüsegarten und ein paar Weinstöcke. Es ist hier wirklich alles klein und fein! Großartig aber ist der Panoramablick, den wir von unserer Terrasse aus haben! Auf der einen Seite blicken wir über Strunjan hinweg nach Triest und bis zum Triglav, auf der anderen Seite auf die Salinen von Secovlje und dahinter auf den kroatischen Teil von Istrien und auf das Meer. Und von hier oben wandern wir los. Einmal hinunter nach Protoroz, um am Lungomare einen Aperitiv zu trinken, einmal nach Piran, um durch die alten Gassen zu schlendern und einzukaufen, einmal zu einer Tageswanderung in Strunjan.

In der Beschreibung der Piraner Wanderwege, einer kleinen Faltkarte mit zehn Routenvorschlägen, heißt es über den Wanderweg von Strunjan: „Diesen schönen, malerischen Weg kann man nur schwer beschreiben, da es keine Worte für so etwas Außergewöhnliches gibt. Diesen Weg müssen sie einfach erwandern …“ Kann man solch schwärmerischen Worten trauen? Ja! Es war wirklich unbeschreiblich schön! Durch Olivengärten auf kleinen Terrassen mit ihren Steinmauern, vorbei an alten Bauernhäusern, blühendem Ginster und duftenden Akazien, führte der Weg später ganz nahe an den Rand eines Kliffs und öffnete den Blick hinunter ans Meer. Herrliche Aussichtsplätze, gemütliche Rastplätze und am Ende der Wanderung ein nettes Cafe direkt am Strand in der Bucht von Strunjan. Für uns ist das Wandern die allerbeste Erholung: umgeben von schöner Landschaft den Kopf frei zu bekommen, den Blick schweifen zu lassen und mitten in der Natur zu sein, immer wieder ins Staunen zu kommen, was hinter der nächsten Kurve auftaucht, welche Düfte und Geräusche uns umgeben, welch schöner Anblick uns erfreut. So lasse ich auch jetzt einfach die Bilder sprechen …

Klein und fein, und doch voller Überraschungen! Das Küstenland Sloweniens ist immer wieder eine Reise wert! Und wir werden in Zukunft wohl nicht nur zum Genießen hierher kommen, sondern wir haben hier „so ganz nebenbei“ Ausschau gehalten nach passenden Möglichkeiten, um auf den Straßen und Plätzen aufzutreten. Und auch da gilt, klein und fein, und voller Überraschungen!

Sigrid

 

Istrien – ein schöner Arbeitsplatz!

Istrien – ein schöner Arbeitsplatz!

Kennst du dieses Gefühl der Unwirklichkeit, jene Momente, in denen du das, was du gerade erlebst, kaum fassen kannst? In den letzten Tagen häufen sich diese Glücksmomente bei mir. Aber jetzt mal langsam und von Anfang an:

Am Freitag machten wir uns bei strömendem Regen auf den Weg und sind quer durch Slowenien gefahren. Ab Postojna wurde die Wolkendecke etwas heller und das frische Grün der Bäume in der Karstlandschaft weckte unsere Vorfreude. Als wir bei Crni Kal die Karstlandschaft hinter uns ließen und steil bergab Richtung Meer fuhren, tauchten die ersten Olivenbäume auf, die Blüten des Ginsters und der Akazien begrüßten uns und schon gab es diesen freudigen Moment: der erste Blick aufs Meer! Die Luft war reingewaschen vom Regen, hell und klar leuchtete die mediterrane Landschaft. Auch auf der nun folgenden Strecke im kroatischen Teil von Istrien mit seiner dunkelroten Erde, dem jungen Grün der Weinstöcke und den abertausenden von Akazienblüten war sofort wieder dieses Gefühl von Urlaub und Entspannung da. Denn bisher waren wir ja immer als Urlauberinnen in Istrien unterwegs. Diesmal aber sind wir zum Arbeiten hier! Zugegeben, ein wunderschöner Arbeitsplatz!

TANGO und YOGA in Rovinj – in einem Apartment-Resort direkt am Meer und mit einem herrlichen Blick auf die Altstadt. Nach Norden zu folgte ein naturbelassener, völlig unbebauter Küstenabschnitt, der in den Pausen zum Spazierengehen einlud. Da gab es auch unzählige Plätzchen, um es sich windgeschützt zwischen den Felsen am Meer gemütlich zu machen und einfach auf den Horizont zu schauen, dem Rauschen der Wellen zu lauschen und das Leben zu genießen. Andere TeilnehmerInnen wieder zog es zum Flanieren nach Rovinj, vielleicht zu einem Cappuccino auf der Piazza oder einem Aperol in einer Bar am Hafen … . All das war das Rahmenprogramm zu intensiven Yogaeinheiten und für Solo Tango! Wir tanzten auf einer Terrasse mit Blick aufs Meer, den Horizont vor Augen und umgeben von Tangomusik tauchten wir mit den TeilnehmerInnen immer tiefer ein in die Welt des Tango Argentino. Wunderbar!

Am Sonntag hatten wir nur eine kurze Wegstrecke, um an einen weiteren Ort, in dem wir schon mehrmals unseren Urlaub genossen hatten, zu reisen: Piran, das malerische Städtchen auf einer kleinen Landzunge im slowenischen Teil von Istrien, hatten wir als den Ort ausgewählt, an dem wir unsere vierte Straßenkunstsaison eröffneten.

Die große, ovale Piazza Tartini unterhalb der mächtigen Kirche wurde die Bühne für die Premiere des neuen wo/men tango acts, von dem Andrea im letzten Blogartikel erzählt hat. Und schon nach den ersten Takten, dem ersten Tango, der ersten Begrüßung unseres Publikums war sie wieder da – die Faszination der Straßenkunst! Nach den vielen Monaten der Winterpause ist es beinahe unglaublich, wie sehr sich diese Liebe zum Auftreten sofort wieder einstellt, dieses Wissen und Fühlen: Das ist es, woran unser Herz hängt! Dreimal tanzten wir unser neues Stück, immer wieder umringt von Kindern, die von unseren Seifenblasen begeistert waren und fasziniert unser Stück beobachteten. Wir hatten schon vermutet, dass dieses surreale, bunte Stück – kleine und große – Kinder besonders ansprechen wird.

Surreal wie die Geschichte, die wir in dieser Saison tanzen, ist eben auch unser Leben! Und bunt, abwechslungsreich und voller Überraschungen. Wir hätten uns niemals träumen lassen, dass diese schönen Orte unsere neuen Arbeitsplätze sein könnten! Das Hier-Sein, die Begegnungen mit den TeilnehmerInnen beim Workshop und mit unserem Publikum, unsere Tangoleidenschaft mit Solo Tango weitergeben zu können und als Straßenkünstlerinnen aufzutreten – einfach unglaublich, das größte Glück! Und so sind diese Tage hier auch verbunden mit einer großen Dankbarkeit!
Gracias a la vida heißt ein Tango von Violeta Parra – dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen!

Sigrid

Oder doch noch ein Tipp, zum Weiterlesen?
Vor zwei Jahren erzählte ich in einem Blogartikel von Bella Italia als schönem Arbeitsplatz.