Das süße Nichtstun bei Yoga & Tango

Das süße Nichtstun bei Yoga & Tango

Dolce far niente ist der Inbegriff des italienischen Lebensgefühls: einfach dasitzen und nichts tun, vielleicht aufs Meer hinausschauen oder, wie im Filmklassiker La dolce vita, dem Müßiggang frönen. Was damals 1960 ein Privileg der Bohemiens war, ist heute in Zeiten von Handy & Co die Sehnsucht von vielen. Doch dieses Nichtstun muss nicht immer ganz wörtlich genommen werden, auch im Tun lässt es sich erfahren. Andrea hat im letzten Artikel dieses Blogs Marina Abramovic zitiert, die bezogen auf die Kunst sagt: „Das Schwierigste ist, etwas zu tun, das dem Nichtstun nahe kommt.“ Dieser Satz, nicht bezogen auf Kunst, sondern weiter gefasst, passt als Motto für den Workshop Yoga & Tango am vergangenen Wochenende. Mit dem Hotel Das Eisenberg gibt es den perfekten Ort dafür, denn hier im Südburgenland gehen die Uhren ohnehin ein bisschen langsamer, ist alles ein wenig entschleunigt. Und Entschleunigung ist für uns eine wesentliche Qualität des Tangos. In den ersten Jahren des Tangotanzens ist es mir sehr schwer gefallen, die Langsamkeit im Tanz zu erleben, Pausen einzulegen. Heute ist gerade das zu unserem individuellen Tanzstil geworden und ich genieße dieses Nichtstun im Tun, dieses Innehalten und Hineinspüren bevor der nächste Schritt kommt. Unser Tanz ist daher nicht spektakulär wie eine Tangoshow, aber immer wieder gelingt es uns, ganz in die Tiefe und in Einklang zu kommen – mit der Musik, miteinander, mit unserem Publikum. Sowohl im SOLO TANGO – wie an diesem Wochenende – als auch beim Tanz im Paar versuchen wir diesen Wesenszug des Tangos zu vermitteln. Augenzwinkernd werden wir von einigen Tänzer*innen auch schon zitiert, wenn sie sagen: „No stress, wir genießen die Pause, wie unsere Tangolehrerinnen immer wieder sagen!“ und meinen damit gar nicht nur das Tanzen, sondern eine Alltagssituation wie das Autofahren.

Um aus dem Alltag heraus leichter in dieses dolce far niente zu kommen ist Yoga – und hier insbesondere Yin-Yoga ein guter Weg. Es wird oft als das „passive“ Yoga bezeichnet, weil es dabei nicht um spektakuläre Positionen und kraftvolle Bewegungen, sondern um das lange Halten – immerhin 3 bis 5 Minuten! – in dehnenden Positionen geht. Die Yogalehrerin Christine Swoboda, die an diesem Workshopwochenende die Yogaeinheiten leitete und in Graz das Studio Feel Free betreibt, sagt: Wir lassen los und erlangen mehr Flexibilität für Körper, Geist und Seele. „Gehen lassen“ kann oft schwieriger sein als anstrengende Asanas, ist aber eine lohnende, lebenslange Übung. Mit ihrer feinen Art führte Christine uns behutsam durch die Yogaeinheiten und begleitete das Entspannen mit Livemusik – am Bandoneon, dem Tangoinstrument schlechthin, und einigen Klanginstrumenten.

So ergab sich an diesem Wochenende ein harmonisches Nichtstun im Tun – wenn wir im Yoga entspannt auf den Matten lagen und bei den ruhigen Klängen des Bandoneons jedes Gefühl für die Zeit verloren und danach beim Tanzen die aufrechte Haltung im Tango, das Gehen, das Spiel mit den Verzierungen wie von selbst ins Fließen kamen. Spektakulär unspektakulär ist einer der Slogans des Hotels Das Eisenberg und genau so könnte man auch den Workshop Yoga & Tango zusammenfassen. Und einmal mehr weiß ich, dass dolce far niente nicht nur in Italien funktioniert!

Sigrid

 

Die berühmten 10.000 Stunden

Die berühmten 10.000 Stunden

Ich, Conchita heißt das Buch, in dem Tom Neuwirth nach dem Sieg beim Eurovision Song Contest 2014 erstmals seine Geschichte erzählt. Darin spricht ein äußerst reflektierter und weltoffener, kritischer und selbstkritischer junger Mann, der davon träumte ein Star zu werden und dessen Traum sich als Conchita erfüllte. Manchen ist er in jener Nacht wie ein Überflieger erschienen, der wie Phönix aus der Asche aus dem Nichts heraus ganz nach oben kam. Wie wird man zum Star? Wie schafft man den Erfolg? Tom Neuwirth verweist auf das Buch Überflieger – Warum manche Menschen erfolgreich sind und andere nicht von Malcom Gladwell und die darin erwähnte Studie The Making of an Expert des Psychologen Anders Ericsson. Diese hat nachgewiesen, dass die Überflieger nicht als Wunderkinder zur Welt kamen, sondern ihren Erfolg Fleiß und Disziplin verdanken. Heute weiß man, dass es zehntausend Stunden braucht, bis man als Sänger, Pianist, Geiger, Schriftsteller oder Sportler sein Talent perfektioniert hat. Zehntausend Stunden! Als ich das las, ging es mir wie Tom Neuwirth es beschreibt, ich dachte mir: das ist aber ziemlich viel! Er fügt aber gleich hinzu: Auf der anderen Seite sind sie zu schaffen, wenn man von einer Sache begeistert ist. An diesem Wort – Begeisterung – trennt sich die Spreu vom Weizen. Mit einem kleinen Rechenbeispiel veranschaulicht er dann auch, wie diese 10.000 Stunden zu schaffen sind – mit 8 Stunden Training, in seinem Fall ist das Gesangstraining, pro Tag an 1250 Tagen oder 3,5 Jahren.

Spätestens in diesem Augenblick habe ich selbst zu rechnen begonnen: wir tanzen seit März 2007, also seit fast genau 12 Jahren Tango Argentino. In den ersten Jahren war der Tango unser Hobby – wie viele Stunden haben wir damals getanzt? In den drei Monaten unserer intensiven Ausbildung in Buenos Aires sind viele Stunden dazugekommen und seit Februar 2014, als klar war, dass wir unserem Traum folgen und der Tango unser Beruf wird, gehört das regelmäßige Trainieren zu unserem Arbeitsalltag. Bei welcher Zahl stehen wir wohl? Nun, die Antwort ist nicht leicht und heute lässt sich diese Rechenaufgabe wahrscheinlich gar nicht mehr nachholen. Aber das Wort Begeisterung ist wirklich das, worauf es ankommt. Wir wurden immer wieder gefragt, ob wir uns zum Training aufraffen, manchmal überwinden müssen oder ob es uns nicht schwerfällt, unseren Tagesplan so strikt einzuhalten und wir nicht anstelle des Trainings lieber einmal blau machen würden. Ehrlich, das war noch nie ein Thema, ganz im Gegenteil, wenn wir längere Zeit nicht zum Tanzen kommen, dann geht es uns richtig ab. Und so ist wohl auch die Idee entstanden, eine Arbeitswoche ausschließlich dem Tanzen zu widmen und eine Trainingswoche zu machen: an einem schönen Ort, an dem wir mit köstlichem Essen versorgt sind, es vielleicht für den Abend einen Wellnessbereich zum Entspannen gibt und natürlich einem passenden Raum um zu tanzen und zu tanzen und zu tanzen.

Letzte Woche haben wir diese Idee realisiert! Das Hotel Gleichenbergerhof in Bad Gleichenberg war der passende Ort dafür. Als klein und fein und sehr privat beschreiben Gerti und Reinhard Kaulfersch ihr Haus. Ich meine, da fehlt der Zusatz … und auf höchstem Niveau! Die abwechslungsreiche Bio-Küche, der großzügige und ansprechende Wellnessbereich, den wir fast für uns hatten, und die ruhige Atmosphäre im Haus waren wie geschaffen dafür, um uns nur auf den Tango zu konzentrieren.

Die Tage waren intensiv und auch anstrengend, aber es war wunderbar zu spüren, wie viel in solch einer komprimierten Arbeitsweise erreicht werden kann. Wir verstehen uns ja, wie Conchita, als Künstlerinnen mit dem Anspruch, mehr und mehr Meisterinnenschaft zu erlangen. Und auch, wenn wir nach wie vor nicht bei den zehntausend Stunden angelangt sind, so sind wir ein gutes Stück weitergekommen, unserem Ziel näher gekommen. Und dieses Ziel ist die Präzision im Tanz! Kürzlich habe ich ein Interview mit Conchita gelesen in dem sie sagt, sie sei eine Perfektionistin. Da unterscheide ich mich von ihr, denn ich würde nicht Perfektion als Ziel bezeichnen. Erstens, weil ich zweifle, dass diese in einem so komplexen Tanz wie dem Tango überhaupt möglich ist. Und auch, weil es nicht um das Perfektsein an sich geht, sondern um das, was wir mit unserem Tanz vermitteln können. Und da sind Präzision, Harmonie und Eleganz für mich wichtiger als Perfektion. Aber vielleicht sind das nur Wortspielereien, vielleicht ist das, was Conchita meint, gar nicht wesentlich anders. Und auch Gerti und Reinhard Kaulfersch streben wohl danach, ihr Hotel so zu führen, dass für ihre Gäste alles perfekt passt. So ist es nicht verwunderlich, dass wir uns dort  wohl gefühlt haben, ich am Abend nochmals im Buch von Conchita geschmökert habe und am Ende der Woche müde, erfüllt und überglücklich nach Hause gefahren bin – mit einigen Stunden mehr auf unserem Trainingskonto, mit einigen Schritten näher dran am Ziel der Meisterinnenschaft und mit dem Wissen, dass dies zwar die erste, aber bestimmt nicht die letzte Trainingswoche für uns war!

Sigrid

 

PS: Die Bilder fangen die Stimmung in und um das Hotel Gleichenbergerhof ein und halten unsere schöne Begegnung beim meet & great mit Conchita vor ihrem Konzert am Grazer Schloßberg im August 2017 fest.

Verwendete Literatur:
Conchita Wurst. Ich, Conchita. Meine Geschichte, Verlag LangenMüller

 

Die süße Welt von Volosko

Die süße Welt von Volosko

Wir verbringen wieder einmal eine Woche an der Opatija-Riviera im November. Wenn wir vom Hotel Miramar, in dem unser Workshop stattfindet, vor die Türe treten, befinden wir uns direkt am Lungomare und die Wellen der Adria schwappen fast bis vor unsere Füße. Ich möchte euch diesmal mitnehmen Richtung Norden, in den kleinen Fischerort Volosko.

Entlang des Weges begleiten uns die Möwen, der Blick schweift bis Rijeka und Krk, alte und moderne Villen säumen die Uferpromenade. Wir haben Glück,  die Sonne strahlt vom Himmel und wir baden in der milden Meeresluft. Dass das Wetter hier auch anders sein kann, zeigt sich bald am Weg. Der letzte Sturm, der ja auch in Italien gewütet hat, hinterließ deutliche Spuren. Stücke des Weges sind auf- und abgebrochen, die Sockel der Laternen hat es aus ihren Verankerungen gerissen und so wird der Spaziergang streckenweise zu einem Hindernislauf. Trotzdem erreichen wir bald Volosko.

Der malerische Hafen mit seinen zwei Molen empfängt uns gleich als erstes. Genau so stellt man sich ein kroatisches Städtchen am Meer vor. Die Boote schaukeln am Wasser und dahinter schmiegt sich der Ort an den Hügel. Einige Lokale, von Feinschmeckerrestaurants bis zu einfachen Bars, umgeben das Hafenbecken.  Enge Gassen und Steintreppen führen durch die Altstadt hügelaufwärts. Unterwegs begegnet man jetzt im November nicht vielen Menschen, die verwinkelten Treppengassen scheinen den Katzen zu gehören.

Oben an einem kleinen Platz angekommen lassen wir unsere Blicke über die Dächer und Schornsteine bis hinunter zum Hafen schweifen. Hier scheint die Zeit still zu stehen. Wir entdecken den Handwagen des Straßenkehrers von Volosko, der Besen besteht aus irgendeinem Macchiagestrüpp, abgestellt mitten am Platz. Er macht wohl gerade Pause.

Von hier aus folgen wir der einzigen Straße, die durch Volosko führt, zu einem kleinen Cafè, von dem wir schon gehört haben – das Kaokakao. Ein Magnet für alle, die Süßes lieben. Beim Eintritt fällt der Blick sofort auf die Theke angefüllt mit Törtchen und  süßen Naschereien. Zuerst einmal eine Augenweide, und die Entscheidung, was wir auch verkosten möchten, fällt nicht leicht. Es schmeckt so köstlich wie es aussieht und begleitet von einem Espresso ist das Glück vollkommen.

Dermaßen gestärkt machen wir uns auf den Rückweg, steigen die Treppen wieder hinunter bis direkt ans Wasser. Die Kvarner Bucht liegt vor uns und der Lungomare führt uns zurück in die mondäne Welt des Miramar.

Andrea

 

Wien again

Wien again

Wien im Frühling! Nachdem es bei unserem letzten Besuch hier noch Schnee und eisigen Wind gab, genießen wir diesmal Sonne und laue Luft. Alles strömt ins Freie und bevölkert die Parks, Eisdielen und Schanigärten. Auch am Abend ist es noch angenehm warm, um zu flanieren oder sich die Live-Übertragung aus dem Opernhaus anzusehen. Einfach eine wunderbare Stadtatmosphäre!

Der Grund unseres Wienbesuchs war diesmal eine interessante Veranstaltung: Open house zur Eröffnung von Lillis Ballroom. In den Stadtbahnbögen am Donaukanal gibt es hier Tanz- und Begegnungsräume für blinde, sehbeeinträchtigte und sehende Menschen. Das Ziel der Initiatorin und Betreiberin Lilli Beresin ist Tango, Samba, Merengue, … zu spüren – tanzen durch und mit Awareness. Wir haben an diesem Eröffnungsnachmittag drei Workshops (Tango, Rhythmus und Vals criollo) besucht und konnten das erleben. Eine Tanzschule der besonderen Art!

Für die Übernachtung an diesem Wochenende hatten wir uns auch eine besondere Bleibe ausgesucht, nämlich den Schlafsaal im Hotel Grand Ferdinand. In dem Luxushotel am Ring, das zu den Weitzer Hotels gehört, kann man um 30 € pro Nacht ein Bett buchen. Im sogenannten Schlafsaal gibt es Platz für 8 Personen. Kronleuchter und Stockbetten aus Mahagoniholz erzeugen das mondäne Flair des Orient Express, übertragen auf dieses Ringstraßenhotel. Für alles Praktische gibt es persönliche Schließfächer, eine Schlafsaalordnung, die man beim Einchecken unterschreiben muss, einen großzügigen Waschbereich, 2 WCs und 2 Duschen. Wir haben es sehr angenehm empfunden, es war alles sauber, die MitbewohnerInnen rücksichtsvoll und die Betten äußerst bequem. Das Einzige, das nicht ganz funktioniert hat, war die Vergabe der Schließfächer, so hatten wir zu zweit nur ein Schließfach zur Verfügung. Da wir diesmal nicht viel Gepäck hatten, war es kein Problem. Ansonsten haben wir auch die Annehmlichkeiten des Hotels genossen, wie ein Mittagessen im dazugehörigen Restaurant Meisl & Schaden oder den Ausblick von der Grand Etage über die Dächer von Wien. Das Rooftop Pool darf man übrigens auch als Schlafsaalgast benutzen. Es war sicher nicht das einzige Mal, dass wir hier übernachtet haben!

Am Sonntag gab es dann noch eine andere Attraktion am Ring – die Friedensbim 2018 war in ihrer 4. Ausgabe unterwegs. Am Nachmittag drehte sie mehrere Runden auf der Wiener Ringstraße und man konnte an allen Haltestellen zu- und aussteigen und kostenlos mitfahren. Unter dem Motto „Der Frieden braucht dich“ gab es viel Freude, viele lächelnde Gesichter und viele Menschen, die beides mitbrachten. Live-Musik und Clownerie in der Bim trugen auch das Ihre dazu bei. Es war schön, als Fahrgast ein Teil dieser Idee zu sein!

So ging ein Wochenende mit unvergesslichen Eindrücken zu Ende und auf der Heimfahrt im Zug konnten wir es noch nachklingen lassen.

Andrea

 

Reisegeschichten

Reisegeschichten

Für unsere Tango-Silvesterreise traten wir sie an, die langen Reise nach Norden durch den ehemaligen Ostblock. Dabei  begleitete uns ein Film, den wir vorab als Einstimmung auf den Ort, an den wir uns begeben würden, gesehen hatten. Jahrestage von Margarethe von Trotta, erzählt die Geschichte der Gesine Cressphal und ihrer Familie aus einem kleinen Dorf in Mecklenburg.

Auf Grund der Tatsache, dass der Nachtzug Wien – Berlin eingestellt worden war (unglaublich!), waren wir mit dem Bus unterwegs und passierten so Schauplatz um Schauplatz dieses Films. Wir bestiegen also in Wien den Bus, ziemlich voll und sehr eng bestuhlt, müssen wir uns gleich einmal auf wenig Bewegungsraum einstellen, aber zumindest haben die Chauffeure eine ruhige und angenehme Fahrweise. Quer durch die Tschechei geht es zunächst – trostlos wirkende Ortschaften, Regen und Nebel, weites Land und sonst nichts. Wir fallen in einen Dämmerschlaf. Erst in Prag kommt Leben auf und weckt ein wenig die Lebensgeister und vor allem die Erinnerung an den Film. Denn hier endet der Film mit der Niederschlagung des Prager Frühlings.

Gesine Cressphal ist im Auftrag einer amerikanischen Bank auf dem Weg nach Prag, um Dollar-Kredite zu vermitteln und so die Tschechoslowakei in ihren Unabhängigkeitsbetrebungen zu unterstützen. Aber dazu soll es nicht mehr kommen, die sowjetischen Panzer rollen schon …

Genau 50 Jahre ist das jetzt her und wir reisen jetzt ohne Grenzkontrollen durch ein Tschechien, das zur EU gehört. Auf unserer Fahrt mitten durch die Stadt präsentiert sie sich stolz mit Karlsbrücke und Prager Burg und diese altehrwürdigen Gebäude, die über der Moldau thronen, erzählen auch ihre Geschichten.  Zuerst noch der Moldau und dann der Elbe folgend geht es weiter Richtung Norden, diesmal durch ausgedehnte Wälder. Bald nachdem wir die Grenze zu Deutschland passiert haben, erreichen wir Dresden. Der neue Hauptbahnhof, ein sehenswertes Gebäude, versetzt mich wieder in den Film.

Hier absolviert Jakob, Gesines Geliebter, die Ausbildung zum Lokomotivführer in den Anfängen der DDR. Im aufstrebenden Sozialismus nimmt man sich vor allem der jungen Menschen an, Ausbildung und Arbeitsplätze sind gesichert, aber gehen einher mit ideologischer Erziehung, bei der keine Abweichungen geduldet werden. Bei einem Zugunglück verliert Jakob sein Leben, bevor die gemeinsame Tochter Marie geboren wird. Als Marie elf Jahre alt ist, rollen die Fragen nach dem Vater Gesines Vergangenheit auf …

Wir haben hier unseren zweiten und letzten Stopp vor Berlin. Auch Dresden, schon im Abendlicht, zeigt am Ufer der Elbe seine Schätze: Frauenkirche, Residenzschloss und Kathedrale. Ab jetzt begleitet uns Dunkelheit, die Zeit vergeht seeehr langsam. Als endlich die Lichter von Berlin auftauchen, sind wir erleichtert, bald der Enge dieses Busses entkommen zu können. Wieder in Berlin! Wenn im Moment auch nur für eine Nacht im Hotelzimmer, im Motel One am Hauptbahnhof. Ansprechendes Design, das Zimmer nicht groß, aber mit stilvollem Bad und sehr bequemem Bett, einer tollen Aussicht über das nächtliche Berlin, eine einladende Bar und ein reichhaltiges Frühstücksbuffet mit vielen Bio-Produkten, ideal für einen Zwischenstopp. Auch in Gesines Geschichte war Berlin Zwischenstopp – auf der Flucht in den Westen.

Gesine und ihrer Freundin Anita wird es, nachdem sie das Abitur in der Tasche haben, zu eng in der sozialistischen DDR und sie fliehen in den Westen. Noch gibt es keine Mauer, die Flucht ist relativ einfach, auch wenn die Spitzel der Stasi auch schnell mal nachkommen in den Westen. Aufhalten können sie die beiden aber nicht. Als die Mauer gebaut wird, lebt Gesine bereits in New York …

Ausgeruht und gestärkt konnten wir also am nächsten Morgen die Weiterreise antreten – mit dem Zug noch zwei Stunden nordwärts in die Mecklenburgische Seenplatte. Bei der Fahrt durch die Landschaft, als die ersten Seen auftauchen, werden sie wieder lebendig, die Bilder aus dem Film, denn hier nimmt er seinen Anfang.

Im Jahr 1933 wird Gesine Cressphal in einem kleinen Dorf in Mecklenburg geboren. Ihre Kindheit ist geprägt von Hitlers Machtergreifung, dem Krieg und der sowjetischen Besatzung …

Vier Jahrzehnte deutscher Geschichte werden also in diesem Film ziemlich spannend erzählt und haben so für mich diese Reise auch zu einer Reise durch die Geschichte gemacht. Bald erreichen wir Waren, das Tor zum Seenparadies der Müritz, von wo uns ein Taxi zum Gutshof Neu Schönau bringt. Wir haben das Ziel unserer langen Reise erreicht. Das liebevoll renovierte Gutshaus umgeben von einigen kleinen Seen, hätte wohl auch viele Geschichten zu erzählen. Jetzt aber bildet es einen wunderschönen Rahmen für unsere Tangowoche im hohen Norden.

Andrea

Buch- und Filmtipp:

Jahrestage,
ein Film von Margarethe von Trotta,
nach dem gleichnamigen Roman von Uwe Johnson

 

Spätherbst an der Kvarner Bucht

Spätherbst an der Kvarner Bucht

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich am Balkon unseres Zimmers im Hotel Miramar und blicke immer wieder hinaus auf die Kvarner Bucht. Vor mir liegt das glitzernde Meer, die tiefstehende Sonne zaubert um diese Jahreszeit eine ganz neue, ungewöhnliche Atmosphäre aufs Wasser. Eine leichte Brise lässt die Wellen tanzen und sorgt so gemeinsam mit der Sonne für eine stetig wechselnde Choreographie. Dahinter heben sich die Inseln Cres und Krk ab, liegen scheinbar verlassen im Meer, denn durch die tiefstehende Gegensonne sind keine Einzelheiten, sondern nur ihre Umrisse auszumachen. Noch weiter am Horizont sind die schneebedeckten Berge zu sehen und der Blick reicht bis hinunter zum Velebit Gebirge. Am Morgen war der Wind, der von diesen Schneebergen her kam, noch frisch. Jetzt, zur Mittagszeit, ist er angenehm und kühlend, denn mit einer der Jahreszeit angepassten, wärmeren Hose und einem Pullover ist es hier an diesem Sonnenplätzchen richtig  warm.

Soeben sind wir von einem Spaziergang durch Opatija zurückgekehrt. Das kleine Städtchen im Nordwesten der Kvarner Bucht mit seinen 13.000 Einwohnern ist zur Ruhe gekommen. Nach einer langen Sommersaison, in der vor allem im Juli und August die Straßen, Strände und Bars ziemlich überfüllt sind, scheint es nun wieder zu sich selbst zu finden. Am Lungomare, dem Spazierweg direkt am Meer, begegnen uns fast nur Einheimische, alle im Wintermantel oder mit einer Daunenjacke, manche beim gemütlichen Flanieren, manche auf der täglichen Runde mit ihrem Hund, andere beim Joggen oder gemütlich auf einer Bank sitzend. Alles geht hier langsam von statten, und auch die wenigen TouristInnen, die jetzt hierher kommen, scheinen sich diesem Tempo anzupassen. Ein Kaffee oder ein Aperitif auf der Sonnenterrasse des Cafe Wagner, ein kleiner Tratsch, für alles scheint Zeit zu sein. Mir fällt dabei ein Liedtext von Reinhard Mey ein, in dem er zwar eine Seebad an der Ostsee besingt, der aber auch hier an der Kvarner Bucht im Spätherbst voll und ganz zutrifft:

Ich liebe das Ende der Saison!

Die Tage werden kürzer und die Schatten werden länger..
Im Kurhaussaal rücken sie die Tische enger
Und heizen manchmal schon den vord‘ren Raum.
Der heißumkämpfte Tisch, den nur die Halbgötter bekamen,
Ist nicht mehr heißumkämpft und plötzlich frei.
Und dein Gesicht hat endlich für den Kellner einen Namen,
Du bist auf einmal wichtig und nicht nur Tisch Nummer drei!

An den verwaisten Fahnenmasten klopfen lose Leinen
Und irgendwo dort drüben schlägt ein Gartentor im Wind.
Wie all diese Geräusche deutlicher und lauter scheinen,
Wenn erst die lauten Stimmen der Saison verklungen sind!

Der Kiosk und das Eiscafé machen nach und nach dicht.
Zittern glitzernde Tautropfen im späten Sonnenlicht.
Wenn jetzt die Sonne scheint, dann ist das nicht mehr selbstverständlich,
Und du nimmst jeden Strahl einzeln und dankbar hin.
Nichts ist mehr so wie‘s war, und du kannst spür‘n: Alles ist endlich.

Ich liebe das Ende der Saison!

(Reinhard Mey, Text gekürzt)

Für das heutige Opatija ist Ende November wirklich die Sommersaison zu Ende, denn die Zeit, als Adelige und BürgerInnen aus Mitteleuropa hier den Winter verbrachten, ist längst vorbei. Gerade noch für Weihnachten oder Silvester öffnen einige wenige Hotels, darunter auch das Hotel Miramar, dann ist endgültig alles für die Winterpause geschlossen. Für die Menschen, die hier leben, ist das wohl gut so, denn nun haben sie ihre Stadt am Meer wieder für sich. Im Café um die Ecke treffen sich wieder alte Bekannte, die Einkaufsstraße erstickt nicht mehr im Verkehrsstau und in der alten Markthalle bieten die Frauen die herbstliche Ernte an – Spinat, winzig kleiner Radicchio, Kohl und Kraut, Nüsse, Kaki und getrocknete, kleine Feigen, die an den Sommer erinnern.

Wir haben Opatija nun schon zu den verschiedensten Jahreszeiten bereist – im April und Mai, im Juli und nun zum zweiten Mal Ende November. Es ist spannend einen Ort immer wieder anders zu erleben und jedes Mal haben wir dieses Plätzchen an der Kvarner Bucht genossen. Aber, eines ist mir heute klar geworden: Ich liebe Opatija am Ende der Saison!

Sigrid

 

Übernachten in Berlin

Übernachten in Berlin

Wir sind zwar jetzt leider nicht in Berlin, geben also in diesem Fall keine persönlichen Tipps weiter, sondern möchten in diesem Blogartikel ein E-Book zum Thema Übernachten in Berlin vorstellen. Die Plattform, über die wir das letzte Mal unser Quartier fanden, gibt es mittlerweile nicht mehr. So haben wir uns gefreut, als Julia Grunwald uns kontaktierte, um auf dieses E-Book aufmerksam zu machen. Für diejenigen, die eine Berlinreise planen, gibt es neben interessanten Informationen über Berlin einen Überblick über das breite Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten vom Bed & Breakfast, über private Gästezimmer, Hostels, Wellnesshotels bis hin zum Hotelschiff mit Komfort und den Luxushotels der Stadt.

Hier ein kurzer Auszug zum Reinlesen:

Hotels in Berlin-Mitte: Urlaub im Herzen der Stadt

Der Stadtbezirk Mitte liegt im Herzen der deutschen Hauptstadt. Er ist der älteste Teil Berlins und beherbergt somit auch die meisten historischen Sehenswürdigkeiten. Wer das pulsierende Berliner Lebensgefühl und vor allem das aufregende Nachtleben der Stadt hautnah kennenlernen möchte, sollte sich nach einer Urlaubsunterkunft in Mitte umsehen.

Urlaubsdomizil inmitten von Sehenswürdigkeiten

Eine Herberge in Berlin-Mitte ist der perfekte Ausgangspunkt für eine Sightseeing-Tour. Der Bezirk im Stadtkern ist flächenmäßig überschaubar, so dass Sie zu vielen Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß gelangen. Hier lockt eine spannende Mischung aus historischen Bauwerken und moderner Architektur. In Mitte können TouristInnen berühmte Bauten wie das Brandenburger Tor, den Deutschen und Französischen Dom, das Rote Rathaus oder das Kronprinzenpalais bewundern. Auch eines der Wahrzeichen von Berlin liegt im Stadtbezirk: der 368 Meter hohe Fernsehturm. Von seiner Turmkugel aus können TouristInnen einen atemberaubenden Panoramablick über ganz Berlin genießen. Auch für Kulturinteressierte ist eine Urlaubsunterkunft in Mitte interessant, denn auf der Museumsinsel befinden sich die bedeutendsten Berliner Museen auf engstem Raum. Mit etwas Glück finden Sie auch ein Hotelzimmer mit Blick auf eines der berühmten Berliner Bauwerke.

Urlaubsunterkünfte für jeden Geschmack in Mitte

Der lebendige Stadtbezirk Mitte beherbergt zahlreiche Hotels, die ihren Gästen nach aufregenden Sightseeing-Touren eine Oase der Ruhe bieten wollen. Interessierte finden hier z. B. viele Hotels mit Wellnessbereich, die neben Entspannung im Whirlpool oder in der Sauna auch verschiedene Schönheitsanwendungen offerieren. Neben diesen Häusern im gehobeneren Preissegment gibt es auch viele gemütliche und preiswerte Gästehäuser im Stadtbezirk. Unter http://www.berlin-hotelverzeichnis.de/ können Sie nach Hotelangeboten in Berlin-Mitte suchen.

Dieses E-Book im PDF-Format kann man kostenlos und ohne Verpflichtungen herunterladen und so eine Entscheidungshilfe für die Quartiersuche in Berlin zur Verfügung haben.

Berlin ist immer eine Reise wert – viel Spaß beim Schmökern wünscht euch

Andrea

 

Begegnungen am Meer

Begegnungen am Meer

Bei unserem letzten Aufenthalt im Miramar ist der Fotograf, der für das Hotel immer wieder Fotos und Videos aufnimmt, gerade eingetroffen. Die Direktorin hat gleich vorgeschlagen, dass er auch Aufnahmen von uns machen könnte und so lernten wir Ernst von Chaulin kennen. Er stammt aus Bayern und war uns mit seinem weichakzentuierten Dialekt gleich sympathisch. Und er überraschte uns, indem er uns für das Fotoshooting auf das Dach des 4. Stockes einlud, und uns so eine völlig neue Perspektive auf das Miramar und die Kvarner Bucht eröffnete. Das Shooting selbst war dann die nächste angenehme Erfahrung: eine sehr achtsame Herangehensweise des Fotografen ließ uns schon ahnen, dass dies ganz besondere Aufnahmen werden könnten.

Nun, seither sind viele Wochen vergangen. Im Miramar ist Sommer-Hochsaison und wir haben nachgefragt, wie es um die Fotos steht. Und nach wenigen Tagen haben wir eine große Auswahl an Bildern zugesandt bekommen – und waren bzw. sind begeistert! Unser Eindruck, dass es sich hier um eine feine Arbeit mit Tiefgang handelt, wurde bestätigt! Die Fotos sind ausdrucksstark und vermitteln viel von dem, was wir mit dem Tango verbinden. Danke, lieber Ernst!

Aber nicht nur diese Begegnung im Miramar hat mich spontan dazu veranlasst, diesen Artikel zu schreiben, sondern auch zwei Links zu Videos, die Ernst von Chaulin in den vergangenen Wochen in und rund um das Hotel Miramar gedreht hat. Auch sie spiegeln intensive Begegnungen und dieses Sich-Einlassen auf das Gegenüber wider. Im ersten Video ist es die Begegnung mit der Kunst und dem Künstler Ante Bakter. Er lebt im Landesinneren Kroatiens und wird vom Miramar immer wieder eingeladen, sich vom Meer inspirieren zu lassen und im Hotel Bilder zu gestalten. Während unseres Aufenthaltes im Mai hat er an einem Nachmittag im Garten des Hotels ein Bild gemalt und den Gästen so die Möglichkeit gegeben, dabei zu sein und zu erleben, wie die Blütenpracht auf die Leinwand gezaubert wird. Nun hat er ein Wandgemälde im Bereich des großen, neuen SPAs angefertigt und die Arbeit des Malers wurde vom Fotographen festgehalten. Entstanden ist ein Video, das den Respekt vor der Kunst und dem Künstler ebenso darstellt, wie den Entstehungsprozess eines Kunstwerkes.

Auch wenn es verlockend ist, im Sommer faul am Strand zu liegen und die Erholung in der Entspannung zu suchen – mit einem zweiten Video zeigt Ernst von Chaulin, dass die Region Kvarner viel mehr zu bieten hat. Und dass eine Begegnung mit Land und Leuten, mit ihrer Musik und ihrer Kultur und der Natur ringsum äußerst lohnend ist! Es ist ein Video der langsamen Art, ohne schnelle Schnitte und ohne Action. Aber gerade durch diese Langsamkeit, die von der ruhigen Musik der Gruppe Pesekani unterstrichen wird, geschieht allein schon beim Zuschauen ein Stück Erholung, ein wenig Entschleunigung, einfach, das, was wir mit Urlaub verbinden.

Begegnungen, Entschleunigung, Achtsamkeit – drei Begriffe, die für mich in den letzten Jahren wesentlich geworden sind und die ich in unserer Arbeit als Tangotänzerinnen so sehr schätze. So erfreut und überrascht es mich ganz besonders, diese in Fotos und Videos in und rund um das Hotel Miramar anzutreffen. Und umso mehr freue ich mich auf unseren nächsten Aufenthalt dort – Ende November – für Tango am Meer mit AdanzaS!

Sigrid

 

Oben im Waldviertel …

Oben im Waldviertel …

… im Norden Österreichs, waren wir rund um unseren Workshop in der GEA-Akademie wieder einmal auf Entdeckungstour. Die kleine Stadt Schrems an der tschechischen Grenze war unser Ziel. Mittlerweile hat dieser Ort durch die Firma GEA und seinen Inhaber Heini Staudinger ja ziemlichen Bekanntheitsgrad. Erst kürzlich lief im ORF der Film Das Leben ist keine Generalprobe, und gab Einblicke in sein Leben, seine Philosophie und seine Firma. Eine eindrucksvolle Dokumentation über Menschen, denn viele stehen ihm zur Seite, die mit Engagement, Mut, Zivilcourage und Hingabe Positives für unsere Gesellschaft bewegen und bewirken. Dieser Geist ist dort jedenfalls spürbar.

Wir suchten bei unserer Ankunft zuerst einmal das GEA Hotel Post am Schremser Hauptplatz, und fanden es gleich beim Springbrunnen, bevor man zur Kirche kommt. Das alteingesessene Hotel, möglichst im ursprünglichen Zustand belassen, einfach, aber originell und stilvoll gestaltet, mit einem großen, wunderschönen Saal war unser Workshop-Stützpunkt. Denn die Schuhwerkstatt samt Verkaufsräumen und GEA-Akademie befand sich ein paar Straßen und Gehminuten vom Hauptplatz entfernt. Ein Gebäude-Ensemble mit Innenhof bildet das Herzstück dieser besonderen Firma, an deren Leben wir ein Wochenende lang teilhaben durften.

Nach einem herzlichen Empfang gab es gleich einmal die erste Überraschung. Wir wurden zu einem Theaterabend ins Wald4tler Hoftheater mit der Aufführung von Faust eingeladen. Ein kleines, privat geführtes Theater in einem alten Bauernhof bietet das ganze Jahr über ein vielfältiges Programm. Wir waren jedenfalls bezaubert als wir zuerst den romantischen Innenhof, dann das Theatercafé und schließlich den Bühnenraum betraten. Als dann die Lichter ausgingen, war ich gleich gefangen in der modernen Inszenierung dieses Theaterklassikers. Ein besonderes Erlebnis gleich zu Beginn unseres Aufenthaltes.

Am nächsten Morgen weckte uns die Sonne, und das war gut, denn wir wollten das Schremser Hochmoor erkunden, einen Naturpark am Stadtrand auf dem Gebiet des größten niederösterreichischen Torfmoores. Wir begannen unsere Wanderung an der Uferpromenade des Moorbades und gelangten bald in eine einzigartige Landschaft – eine Landschaft, die sich seit der letzten Eiszeit kaum verändert hat. Still und schön liegt sie da. Kraft und Mystik dieser Moorlandschaft nehmen uns sofort in ihren Bann. Von der Himmelsleiter aus in 20 Metern Höhe scheint man über dieser geheimnisvoll anmutenden Landschaft zu schweben. Wieder am Boden kann man den seltenen Moorfrosch oder den Waldwasserläufer beobachten. Auch die Pflanzenwelt ist eine ganz besondere und das frische Grün um diese Jahreszeit eine Wohltat für die Augen. So verließen wir erholt und gestärkt nach einigen Stunden dieses Naturparadies. Jetzt fehlte nur noch ein kräftiges Waldviertler Essen, z.B. gebackener Karpfen in Mohnpanier mit Erdäpfelsalat, das wir im Hotel Post zu uns nahmen, und ein Schremser Bier, um rundum glücklich zu sein.

Am Abend begann unser Workshop, der ja schon monatelang vorher ausgebucht war. Für uns und GEA war es eine Premiere, der wir alle gespannt, aber mit Vorfreude entgegen sahen. Und auch als die ersten TeilnehmerInnen eintrafen, hörten wir immer wieder: „Ich bin schon so gespannt!“ Wunderbare Begegnungen mit interessanten, neugierigen, achtsamen, … Menschen, der mit Tangomusik erfüllte Hotelsaal, intensives, stundenlanges Tangotanzen und eine herzliche Betreuung sowohl durch das Hotel-Team als auch das GEA-Team machten dieses Workshop-Wochenende zu einem ganz besonderen. Die Atmosphäre des Ortes, geprägt durch die Menschen dort, die offen sind und Raum für Neues bieten, aber gleichzeitig ihren Zielen und ihren Visionen folgen, hat sich auch auf uns und unseren Workshop übertragen. Wir passen einfach gut zusammen und freuen uns über diese Kooperation, die sicher noch länger andauern wird. Im Juli sind wir ja schon wieder dort!!!

Andrea

 

Miramar, ein paradiesischer Ort

Miramar, ein paradiesischer Ort

Ankommen im Miramar – die große, prächtige Empfangshalle betreten, durch die Glasfronten einen Blick auf Garten und Meer erhaschen, von der Hoteldirektorin Martina Riedl persönlich begrüßt werden, mit freundlicher und aufmerksamer Begleitung das Zimmer beziehen, sich sofort wohlfühlen in dem gemütlichen Ambiente, beim Begrüßungscocktail Wissenswertes über das Hotel und seine Angebote erfahren, …

„Nicht zu Hause und doch daheim“ – so beschreiben BesucherInnen zur Kaiserzeit ihr Lebensgefühl in Abbazia. Im heutigen Opatija im Hotel Miramar stellt sich für seine Gäste dieses Gefühl auch ein, und viele kommen immer wieder.

Das Hotel mit seiner wunderbaren Lage an der Kvarner Bucht mit Blick einerseits auf die Inseln Cres und Krk und anderseits auf die Stadt Rijeka gleicht einem kleinen Paradies. „Ich habe sooft und jedes Mal mit solcher Bezauberung von diesem irdischen Paradies gelesen“, schrieb Anton Tschechow als er 34jährig in Opatija weilte. Auch er war davon angetan, „dass von hier aus sowohl Fiume als auch die fernen, von lila Nebeln gefärbten Inseln sichtbar sind.“ Genau dieser Blick bietet sich den Gästen des Miramar von den Balkonen der Zimmer, von den Terrassen am Meer, vom Garten, vom Tanzsaal, …

Jetzt im Mai ist vor allem der Garten so ein „irdisches Paradies“ wie es Tschechow beschreibt. Das frische Grün, eine Blütenpracht an allen Ecken und Enden, das Plätschern des Springbrunnens und lauschige Plätzchen laden zum Verweilen ein. Dazu noch Vogelgezwitscher und eine Meeresbrise, was braucht man mehr, um sich zu erholen?

Der alte „Curort“ Abbazia hat ja auch schon eine mehr als hundertjährige Tradition, wenn es um Erholung oder Regeneration geht. Manche suchten hier auch Zuflucht. So hat ein Landsmann von Anton Tschechow, Vladimir Nabokov, ebenfalls Schriftsteller, einige Monate seiner Kindheit hier verbracht. Die reiche Familie Nabokov weilte zur Zeit des russisch-japanischen Krieges und der Unruhen in Petersburg und Moskau, am Anfang des 20. Jahrhunderts, im Ausland. So mieteten die Eltern mit zwei Söhnen, einem Hauslehrer, einem Zimmermädchen, einem Butler, einem russischen Kindermädchen und einer englischen Gouvernante 1904 für ein paar Monate eine geräumige Villa an der damals modernen Riviera von Opatija, erzählt Lidija Klasic im istrischen Reisebuch Noch 172 Tage bis zum Sommer. Nabokov selbst schrieb später in seiner Autobiografie über diese Villa: Ihr Name war Neptun – ich kann immer noch ihr gelbes, spitzes Türmchen auf alten Bildern von Abbazia erkennen. Wahrscheinlich würde er sie auch heute noch erkennen, denn komplett renoviert bildet sie nun das Herzstück des Hotel Miramar mit dem Speisesaal samt Wintergarten, der Habsburgbar, den Meerterrassen und den Zimmern mit der schönsten Aussicht.

Gleich neben der Villa Neptun, integriert in die Gartenanlage, befindet sich das SPA des Hotels. Denn sollte das Wetter einmal nicht so schön sein, um sich im Garten oder auf einer der Sonnenliegen direkt am Meer zu entspannen, kann man das im SPA, besser gesagt in einem der zwei SPAs tun. Das eine ausgestattet mit finnischer Saune, Kräutersauna, Dampfbad und einem Meerwasserpool, das andere mit finnischer Sauna und Infrarotkabine, einem Süßwasserpool, und von den Ruheliegen aus liegt einer der Garten und das Meer zu Füßen. Ein Ausblick, an dem ich mich nicht sattsehen kann! Während ich das schreibe, liege ich nämlich hier und lasse meinen Blick immer wieder schweifen über Zypressen, Pinien und Palmen, über das Meer bis hinüber zum fernen Velebitgebirge. Inzwischen scheint auch wieder die Sonne, nachdem es zuvor Regen gab, und lockt hinaus, um vielleicht am Lungomare einen Spaziergang zu unternehmen. Bewegung und die Meeresluft wecken dann den Appetit fürs Abendessen, der eigentlich nicht geweckt werden muss. Denn das, was hier serviert wird, ist so außergewöhnlich gut, dass man sich ohnehin schon den ganzen Tag aufs Abendessen freut. Und wenn man sich verständlicherweise nicht zurückhalten kann, dann gibt es diese Woche die Möglichkeit durch Tanzen zu verhindern, dass sich das gute Essen gleich in Kilos niederschlägt. Wir bieten nun schon zum Mal hier unseren Workshop Solo Tango an und tanzen jeden Tag zwei Stunden mit den Gästen – Tangomusik im Ohr, das Meer vor Augen, umgeben von netten und interessanten Menschen, … es ist paradiesisch!

Andrea

Verwendete Literatur: Lidija Klasic, Noch 172 Tage bis zum Sommer, eine istrische Reise, Folio Verlag