Spontane Straßenkunst versus Festivals

Spontane Straßenkunst versus Festivals

DSCF5187La Strada ist vorbei, und wir sind wieder einmal von der Stadt zurückgekehrt aufs Land. Hier sinniere ich noch nach über die Eindrücke der vergangenen Woche. So ein Straßenkunst-Festival versetzt eine Stadt schon in eine ganz besondere Stimmung. Gebündelte Kreativität und viele Menschen, die dem offen und mit Neugier begegnen. Wir sahen, wie ich ja schon im letzten Beitrag beschrieben habe, einige großartige Aufführungen und hatten auch selbst einige ganz tolle Auftritte – beides auf Straßen und Plätzen der Stadt, mit engem Kontakt zum Publikum und einfachen Mitteln umgesetzt. Im Gegensatz dazu gab es im Programm von La Strada aber auch Vorführungen im Opernhaus mit 40 € Eintritt. Sicherlich eine aufwendige und auch faszinierende Produktion, aber es stellt sich die Frage, was das mit Straßenkunst zu tun hat bzw. ob dadurch nicht eine 2-Klassen-Straßenkunst geschaffen wird. Wir hörten im Laufe der Woche diesbezüglich jedenfalls viele kritische Stimmen.

DSCF5188Es hat sich mittlerweile ja ein Festivalmarkt entwickelt, bei dem anscheinend auch die Devise immer mehr, immer aufwendiger, immer spektakulärer, … vorherrscht bzw. einen großen Teil einnimmt. Es gibt unzählige Straßenkunst-Festivals in vielen Ländern Europas. Allein innerhalb Frankreichs z.B. kann eine Gruppe mit einer Produktion drei Jahre lang auf Tournee gehen, so viele Festivals gibt es da. Mit dieser Entwicklung ging aber auch eine andere Entwicklung einher, nämlich die, dass spontane Straßenkunst, also Straßenkunst außerhalb von Festivals, fast verschwunden ist. Auf Grund der Bestimmungen und rigorosen Einschränkungen, die es mittlerweile in fast allen Städten gibt, aber auch kein Wunder. In Graz z.B. muss man sich für den Innenstadtbereich Platzkarten besorgen, die man persönlich mit Lichtbildausweis bis 14.00 Uhr an Werktagen im Rathaus abholen muss. Während der Auftritte werden diese Platzkarten von den Ordnungswachen kontrolliert und auch da muss man einen Lichtbildausweis vorweisen. Wenn das der Fall ist, ist in der Zwischenzeit das Publikum dahin. In der La Strada-Woche war allerdings sehr auffällig, dass erstens kaum Ordnungswachen unterwegs waren und zweitens, wenn sie vorbeikamen, dass sie nicht kontrolliert haben. Anscheinend hatten sie Instruktionen, sich in dieser Woche zurückzuhalten. Außerdem muss man nach jeder halben Stunde den Platz wechseln, gewisse Uhrzeiten und Abstände zu Eingängen, Lokalen, … einhalten. Es gibt aber auch Städte, in denen die Bestimmungen noch strenger sind oder man für Platzkarten zahlen muss, manchmal so viel, dass sich ein Auftritt im wahrsten Sinne des Wortes nicht auszahlt. Aber da in vielen Städten Straßenkunst als Störung oder Bettelei gesehen wird, und nicht als Belebung einer Stadt, erreicht man so, dass spontane Straßenkunst verschwindet.

Nun, das Schöne an der spontanen Straßenkunst, finde ich, ist der Überraschungseffekt – für die KünstlerInnen ebenso wie für das Publikum. Wir sind jedes Mal vorher sehr gespannt, wie ein Auftritt wird, weil das von so vielen Faktoren abhängt und immer anders ist. Wie wirkt der Platz, wie ist das Wetter, welche Menschen kommen vorbei? Es können sich spontane Begegnungen ergeben, die noch lange nachwirken. Menschen, die in der Stadt unterwegs sind, werden überrascht, indem da etwas stattfindet, mit dem sie nicht gerechnet haben, das sie für kurze Zeit innehalten lässt. Es ist jedes Mal ein besonderes Glücksgefühl, wenn es uns gelingt, Menschen für einen Moment aus ihrem Alltag heraus in eine andere Welt eintauchen zu lassen. Und das ist etwas, das die spontane Straßenkunst auszeichnet.

Auf Festivals läuft Straßenkunst in organisierter Form in einem begrenzten Zeitraum ab. Man hat alles unter Kontrolle. Ich möchte dadurch die Darbietungen und großartigen Leistungen der KünstlerInnen nicht schmälern. Auch die Atmosphäre, die durch so ein Festival in einer Stadt entsteht, ist wunderbar – aber eben nur für eine Woche oder gar nur für ein Wochenende. Und das finde ich schade.

DSCF4926 (2)Auch wir werden uns diesen Winter erstmals für Festivals bewerben, weil wir sie brauchen, um von unserer Kunst leben zu können. Aber die spontane Straßenkunst wird immer ein wesentlicher Teil unserer Auftritte bleiben, denn die Erfahrungen und Erlebnisse, die wir bisher damit gemacht haben, sind unvergesslich und besonders wertvoll.

Andrea

 

 

Straßenkunst in Berlin

Straßenkunst in Berlin

Ja, hier in Berlin lebt sie wirklich noch, die Straßenkunst – vor allem in Form von Straßenmusik. Das neueste GEO Special über Berlin hat sogar der Straßenmusik einen ausführlichen Beitrag gewidmet, den wir schon im Vorhinein mit großem Interesse gelesen hatten. Hier gibt es wirklich junge MusikerInnen, die lieber auf der Straße musizieren, als sich mit einem Plattenvertrag zu binden und damit ihre Freiheit aufzugeben. Manche von ihnen sind trotzdem so erfolgreich, dass sie davon leben können. Und so sieht man hier auch, wenn man durch Berlin streift, an allen möglichen oder auch unmöglichen Ecken (z.B. die lauteste Straßenkreuzung Berlins) MusikerInnen aller Genres. Fast alle sind mit Verstärkeranlagen ausgestattet, worüber wir anfangs sehr gestaunt haben, denn das ist in jeder anderen Stadt verboten. Die insgesamt liberalen Bestimmungen für Straßenkunst und die offene Atmosphäre dieser Stadt machen eben diese lebendige und kreative Straßenkunstszene möglich. So waren wir natürlich sehr gespannt, wie es uns hier ergehen wird in dieser riesigen Stadt, mit viel Konkurrenz und unserem neuen Programm.

DSCF4726Die Suche nach geeigneten Auftrittsorten hat sich erst einmal schwieriger herausgestellt, als wir erwartet hatten. Einerseits brauchen wir einen tanzbaren Boden, in Berlin gibt es sehr viel Kopfsteinpflaster, und andererseits fürs Tanzen auch viel mehr Platz als MusikerInnen, wir können uns nicht an jede Straßenecke stellen. Auf wiederum zu großen Plätzen wie dem Alexanderplatz verlieren wir uns und außerdem fühlen wir uns besser, wenn wir Rückendeckung haben. So waren unsere ersten Auftritte hier eher frustrierend. Als erstes versuchten wir es wie gesagt gleich einmal am Alexanderplatz. Aber auf diesem riesigen Platz mit Menschenmassen, hatten wir das Gefühl, wir gehen unter. Als dann auch noch eine christliche „Sekte“ eine Missionsveranstaltung mit einer platzbeschallenden Verstärkeranlage abhielt, wussten wir, das war´s hier für uns!

Am nächsten Tag versuchten wir es auf der Museumsinsel, da auf Grund des langen Wochenendes sehr viele TouristInnen in der Stadt waren. Am liebsten hätten wir in den Kolonnaden der Alten Nationalgalerie getanzt, ein wunderschöner Ort, aber auf Nachfrage beim Wachpersonal durften wir da nicht auftreten, ist ja auch kein öffentlicher Raum. Also haben wir den Platz davor ausgewählt, bei dem uns allerdings die Rückendeckung fehlte. Menschen kamen aus allen Richtungen und so taten wir uns mit der Ausrichtung unseres Stückes schwer. Außerdem gab es hier auch eine Begegnung, die uns sehr irritierte. Bald nachdem wir angefangen hatten, tauchte eine andere Straßenmusikerin mit Ziehharmonika auf. Sie platzierte sich direkt neben uns und obwohl wir gerade mitten in unserem Stück waren und auch Publikum hatten, begann sie laut auf ihrem Instrument zu spielen und auch zu singen, leider nicht einmal gut. Anfangs versuchten wir sie zu ignorieren, aber da fing sie dann an, uns ganz bewusst zu stören, indem sie ganz in unseren Raum eindrang. Wir suchten also das Gespräch, merkten aber bald, dass das zu nichts führen würde, dann sie begann sofort in einer fremden Sprache herumzuschreien und uns zu beschimpfen. Sigrid wollte anfangs noch unseren Platz verteidigen, aber ich hatte unter diesen Umständen keine Lust, hier länger zu bleiben. Wir fingen also auch noch an zu streiten, anstatt das Ganze mit Humor zu nehmen. Ziemlich genervt, verärgert und frustriert packten wir unsere Siebensachen und zogen ab. So eine Erfahrung hatten wir noch nie gemacht. Und auch daran merkten wir, Berlin ist eben ein anderes Pflaster. Aber zum Glück hat sich das Blatt inzwischen gewendet.

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Mittlerweile haben wir unseren Platz gefunden. Es scheint hier überhaupt so zu sein, dass jede/r Künstler/in einen Platz hat, an dem er/sie hauptsächlich auftritt. Nun, unserer ist der Hackesche Markt. Wie der Name sagt, findet hier zweimal die Woche ein Markt statt. Es ist ein sehr netter Platz mit Bäumen, vielen Lokalen, Bänken zum Verweilen, einem S-Bahnhof (gut für unser Stück, das ja auf einem Bahnhof spielt!) und stark frequentiert, da die Hackeschen Höfe daneben ein Touristenmagnet sind. Vor einem blühenden Kastanienbaum und vielen Sträuchern, nach drei Seiten offen, haben wir unseren idealen Platz gefunden. Hier haben wir unser Stück bereits sechsmal (an zwei Tagen mit je drei Durchgängen) mit Erfolg und begeistertem Publikum aufgeführt. Und es hat uns wieder gepackt, dieses Fieber, das uns förmlich auf die Straße zieht, um aufzutreten. Es macht uns einfach Riesenspaß zu tanzen und zu spielen und dem Publikum zu begegnen. Und wir hatten wieder einige wunderbare Begegnungen. Zum Beispiel mit einer jungen, spanisch sprechenden Straßenkünstlerin, die mit Seifenblasen Kunststücke vollführt. Auch hier war es so, dass sie kurz nach uns auf dem Platz eintraf, aber sofort fragte, ob es für uns okay wäre, wenn sie neben uns ihre Darbietungen mache, da wir ohnehin ein anderes Publikum ansprechen würden. Wir waren einverstanden und haben uns sogar gegenseitig befruchtet, denn Leute, die zuerst bei ihr stehen blieben, haben dann auch bei uns zugesehen und umgekehrt. Und wir haben inmitten von Seifenblasen getanzt. Das hat, glaube ich, wunderschön ausgesehen, denn es wurden sehr viele Fotos gemacht. Nach jeder Aufführung von uns wurden wir auch von Leuten aus dem Publikum angesprochen, die uns Komplimente machten oder von einer Fotografin, die fragte, ob sie Porträts von uns machen dürfe. Eine Begegnung wird uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Mit einem Berliner, der zuerst einmal feststellte: „Ihr habt sicher schon bemerkt, dass es in Berlin sehr viel Straßenkunst gibt, leider ist sie nicht immer gut, aber das, was ihr macht, ist etwas ganz Besonderes.“ Nach unserem Gespräch hatte er sich dann eigentlich schon verabschiedet, kam aber nochmals zurück, um uns spontan zu sich nach Hause einzuladen, er würde nicht weit von hier wohnen. Nach unserem letzten Auftritt an diesem Tag suchten wir also seine Wohnung auf und wurden herzlich empfangen. Eine wunderschöne Wohnung in Top-Lage mit Dachterrasse! Hier saßen wir dann bei Sonnenuntergang über Berlin und wurden von unserem Gastgeber mit köstlicher Jause und ausgezeichnetem Wein verwöhnt. Die Gespräche mit ihm waren so interessant, die Atmosphäre so angenehm, der Abend so lau, dass wir bis 11.00 Uhr nachts blieben, um dann reich beschenkt den Heimweg anzutreten. Diese Erlebnisse sind es unter anderem, die Straßenkunst so schön machen!

Im Moment hat uns das Wetter wieder ein paar Pausentage beschert, die auch guttun. Wir haben zwar kaum Regen, aber es hat extrem abgekühlt, gestern hatten wir nicht einmal 10 Grad und starken Wind, äußerst ungemütlich. Aber sobald es besser wird, werden wir wieder den Hackeschen Markt bespielen.

Aus dem lauten, spannenden, coolen Berlin grüßt euch

Andrea

Kunst kann Straße – kann Straße Kunst?

Kunst kann Straße – kann Straße Kunst?

Hallo,

diesmal aus dem Westen Österreichs. Ich sitze gerade im Zug von Innsbruck nach Graz, und an den Fenstern gleitet eine wunderschöne, herbstliche Gebirgslandschaft vorbei. Nun, was hat uns nach Innsbruck geführt? Wir erhielten eine Einladung von unserem lieben Freund Tom Zabel, der seit 1985 als Straßenkünstler arbeitet. Er war schon auf zahlreichen Straßenkunstfestivals und macht Theater auf Augenhöhe für Kindergärten, Schulen, Festivals und Feste. Straßenkunst und auch der Kontakt zu anderen KünstlerInnen ist ihm ein besonderes Anliegen. So hat er an diesem Wochenende ein Straßenkunst-Event unter obigem Titel organisiert. Es sollte ein Come-together vor allem für StraßenkünstlerInnen aus Tirol (wir aus dem Südburgenland waren als special guests geladen) sein – einerseits ein Rahmen für Auftritte  und andererseits ein Raum für Austausch der teilnehmenden KünstlerInnen. Als wir die Einladung dazu erhielten, waren wir sofort begeistert, fanden die Idee großartig und es war schnell klar, dass wir dabei sein wollten. Mit unserem kleinen Stück namens „Encuentro“ (Begegnung), mit dem wir eine Tangogeschichte erzählen, im Gepäck, machten wir uns also auf nach Westen.

_MG_2293Ein herzlicher Empfang von Tom und Innsbruck bei strahlendem Sonnenschein eröffneten das Wochenende. Das Event verlief dann aber etwas anders als geplant. Als Location dafür hatte Tom das „Motel“ ausgewählt, eine ehemalige Recyclingfabrik, die nun als Kulturraum genutzt und von Vinzenz Mell mit viel Engagement betrieben wird. Ein „schräger“ Ort als Kulisse für dieses Event, das dann aber leider nur wenige so interessant fanden, um auch zu kommen. Als KünstlerInnen waren außer dem Veranstalter Tom nur wir vertreten, und auch die BesucherInnen waren spärlich gekommen. Aber wir versuchten, aus der Situation das Beste zu machen. Wir traten zweimal vor einer kleinen Gruppe Publikum auf und tanzten sogar auf dem Dach des „Motel“ mit der Nordkette im Hintergrund. Als „magisch“ hat eine Besucherin unseren Auftritt bezeichnet, und so wirken auch einige Fotos, die dabei entstanden sind. Es war nämlich ein wunderbarer Fotograf, Chris Niewo, anwesend, der uns mit diesen Fotos beschenkt hat.

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Schade fanden wir, dass der Austausch mit anderen KünstlerInnen ausfiel, denn darauf hatten wir uns besonders gefreut. Aber die interessanten Gespräche mit Tom, für die es dadurch mehr Zeit gab, haben diesbezüglich einiges wett gemacht. Und auch die Podiumsdiskussion, die dann am Abend doch stattfand und bei der es um die Frage ging, welchen Stellenwert Straßenkunst für das kulturelle Leben einer Stadt hat. An der Diskussion haben außer uns StraßenkünstlerInnen, Mesut Onay, ein Gemeinderat der Grünen, Vinzenz Princell, der Betreiber des Motel, und einige Leute aus dem Publikum teilgenommen. Darunter die junge Medizinstudentin Vera Wallner, die ausgehend von dieser Diskussionsrunde, einen Beitrag im Radiosender „Freirad“ über Straßenkunst gestalten möchte. Sobald dieser fertig ist, könnt ihr unter folgendem Link die Diskussion mit verfolgen: Hier zum Radiobeitrag

Nun, wir nähern uns immer mehr wieder den östlichen Gefilden und nehmen Auftrittserfahrungen, Gedanken aus Gesprächen und Begegnungen, Eindrücke von einem golden strahlenden Innsbruck und wunderschöne Fotos mit.

Andrea

AdanzaS tanzen wieder in Wien …

AdanzaS tanzen wieder in Wien …

Hallo!

Gerade als ich mich zum Computer setze, plagt mich wieder ein Niesanfall. Einer der Gründe, warum wir im Moment nicht tanzen können, ist der, dass ich eine Mords-Verkühlung abgefangen habe. Ich nehme an, die Klimaanlagen in den U-Bahnen haben diese ausgelöst. Gestern mussten wir schon unseren ersten Auftritt am Donaukanal deswegen abblasen. Hat mich zwar furchtbar geärgert, aber in dem Zustand ist ans Tanzen einfach nicht zu denken. Nun hoffe ich, dass es mir bald besser geht, denn ich bin ja nicht in Wien, um im Bett zu liegen.

Aber auch vor meiner Verkühlung waren die Auftritte bis jetzt spärlich. Wir haben nämlich diesmal sehr wenige und auch viele unattraktive Plätze zugeteilt bekommen. Die Zuteilung erfolgt ja mittels Platzkarten der Stadt Wien. Anscheinend sind heuer im Juli viel mehr StraßenkünstlerInnen in Wien als im Vorjahr. Schon bei der Ausgabe der Platzkarten mussten wir Schlange stehen. Wir haben da auch eine Straßenkünstlerin aus Graz getroffen, die Harfenspielerin, vielleicht kennt sie jemand von euch. Sie hat uns erzählt, dass sie nur mehr in Wien auftritt, da in Graz das halbstündige Platzwechseln mit ihrer Harfe nicht möglich sei. Ja, hier haben sie uns wieder eingeholt, die Bestimmungen, die Straßenkunst so erschweren. Wobei wir schon beschlossen haben, uns nicht mehr so genau an die Vorgaben zu halten wie im Vorjahr. Gleich bei unserem ersten Auftritt haben wir das umgesetzt. Freitagabend, Burgtor – eigentlich war der zugeteilte Platz an der Ecke zum Burgring. Aber nachdem der Platz dort voll in der Sonne lag, haben wir auf die andere Seite des Burgtores, nämlich auf den Heldenplatz gewechselt. Dort gab es Schatten und außerdem andere Vorteile, nämlich Stufen und Wiese für das Publikum, um sich niederzulassen. Und wir hatten Glück, denn die ganze Zeit ist keine Kontrolle gekommen. So war unser erster Auftritt in Wien sehr gelungen mit viel Publikum, einer tollen Atmosphäre und auch entsprechendem Verdienst. Im Vorjahr hatten wir bei keinem Aufritt hier in Wien so viel bekommen, wie heuer gleich beim ersten Auftritt. Also, ein guter Anfang.

Unser nächster Auftritt war dann etwas ganz Besonderes, der fand nämlich auf einer Bühne statt, auf der Jedermannbühne. In Wien? Ja, diese Bühne ist eine tolle Idee von Servus TV. Auf einem unserer Streifzüge durch die Stadt entdeckten wir vor dem Museumsquartier diese Bühne, mit der Aufforderung, dass jede/r, der /die ein besonderes Talent, ob singen, musizieren, tanzen, reden, … zeigen möchte, es auf dieser Bühne tun kann. „Das wär doch etwas“, dachten wir uns gleich. Die Nachforschungen haben dann ergeben, dass Servus TV mit dieser Bühne durch ganz Österreich tourt und in jedem Bundesland, meist in der Landeshauptstadt, den Leuten vor Ort an vier Tagen (Donnerstag bis Sonntag) die Möglichkeit gibt, dort aufzutreten. Es ist ganz unkompliziert organisiert. Wenn man auftreten möchte, kommt man einfach an einem dieser Tage dort vorbei und mit ein wenig Glück, wie bei uns, heißt es dann ohne lange Wartezeit „Bühne frei!“ Man bekommt nach dem Auftritt auch noch ein Erinnerungsfoto und noch besser, ein Video vom eigenen Auftritt zur freien Verfügung. In der Galerie unserer Website könnt ihr dieses Video sehen.

Es grüßt euch eine verschnupfte Andrea aus Wien!

Begegnungen …

Begegnungen …

Salve auch von mir!

Mittlerweile sind wir hier in Montichiari wirklich schon ziemlich zuhause. Man kennt uns in den Bars, in der Bäckerei, am Markt, … Wir wurden hier anfangs für Engländerinnen (wegen unserer Hüte?) oder Spanierinnen (weil wir in unser Italienisch leider immer wieder spanische Worte mischen?) gehalten, mittlerweile glaube ich, wissen alle, dass wir aus Österreich sind und wir werden behandelt, als wären wir hier schon seit jeher Stammkundinnen. Sehr angenehm!

4715119311_ddbd8dc83c_bAuch beim Tanzen hatten wir wieder einige sehr schöne Begegnungen. Begonnen hat unsere Arbeitswoche in Brescia, das ist hier die Provinzhauptstadt. Dort stand die ganze letzte Woche im Zeichen der 1000 Miglia. Was das ist? Das bekannteste Oldtimerrennen hier in Italien: von Brescia nach Rom und wieder zurück, 1000 Meilen (= 1600 km) werden an vier Tagen zurückgelegt. Wir waren am Tag vor dem Start in Brescia, als die TeilnehmerInnen ihre Ehrenrunden durch die Stadt drehten. Ein Riesenspektakel! Nun, auf der Suche nach einem Platz für unsere Tanzvorführung wurden wir recht schnell fündig. Auf der Piazza Loggia, die ihren Namen von der riesengroßen Loggia des Stadtpalastes hat, nahmen wir direkt vor dieser Aufstellung. In der Loggia wurden gerade Vorbereitungen für einen Empfang am Abend getroffen. Sigrid hatte zuvor bei der Verantwortlichen dieser Vorbereitungen angefragt, ob es ok. wäre, wenn wir hier eine Tango-Performance geben. Ihre Antwort: You are welcome! Das ist überhaupt das Beste hier. Wir haben uns ja im Vorhinein überhaupt nicht über Bestimmungen für Straßenkunst informiert. Wir suchen uns hier einfach Plätze aus, die uns gefallen, fragen diejenigen, die gerade da sind, ob das okay geht und tanzen los, solange es uns gefällt. Bis jetzt waren wir immer willkommen und hatten keinerlei Probleme. So etwas Überflüssiges wie eine Ordnungswache gibt es hier gar nicht, und die Polizei kümmert sich überhaupt nicht um uns, im Gegenteil. In Brescia war ja auf Grund der Veranstaltung auch viel Polizei unterwegs, und ein Polizist hat uns sogar eine Zeitlang zugesehen. Außerdem brauchen wir auch keine Tanzunterlage, denn wir finden hier überall bestens zum Tanzen geeignete Steinböden vor, eine große Erleichterung.

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Allora, wir hatten uns in Brescia wieder den schönsten Platz ausgesucht, und gerade als wir unsere neueste Performance zum ersten Mal aufführen, sind viele Pressefotografen anwesend. Mit einem Mal sind wir umringt von FotografInnen, es wird ein Bild nach dem anderen geschossen, und die Aufmerksamkeit gilt voll und ganz uns und nicht den alten Autos. Ein sehr schönes Gefühl! Sigrid spricht nachher einen der Fotografen an, ob er uns einige Bilder zukommen lassen könnte. Er verspricht es. Wir lernen auch eine junge Tänzerin aus Brescia kennen, die uns sehr lange zugesehen und auch fotografiert hat. Auch sie verspricht uns Bilder. Wir werden sehen, bis jetzt haben wir keine erhalten. Sie erzählt uns, dass sie an einer Tanz-Performance beteiligt war, die in dieser Loggia stattgefunden hat. Ein schöner Zufall!

Auch in Saló, einem sehr netten Ort am See, hatten wir besondere Begegnungen. Wir tanzten da am Lungolago direkt am See. Eine ältere Dame auf passeggiata mit ihrer Tochter ist so begeistert von uns, dass sie uns nach jedem Tanz umarmt, abbusserlt und mit ihren “Che bello!”- Ausrufen gar nicht fertig wird. Auch eine Angestellte der Schifffahrtsgesellschaft vor Ort schaut uns lange zu. Als wir gerade Pause machen und Sigrid unterwegs ist, um für uns ein Eis zu holen, spricht sie mich an und meint: “Complimenti Signora, siete veramente speziale!” Aber in unserem Publikum sind nicht nur Frauen. Es sind hier auch die Männer, die uns fasziniert, man sieht es an ihren Gesichtern, zuschauen und uns auch Geld geben. Und auch immer wieder Kinder. Hier in Saló spricht uns ein Junge aus Tirol an und meint: “Ihr tanzt sehr gut. Wie lange tanzt ihr schon?” Gerade diese Begegnungen sind es, die das Tanzen auf der Straße so schön machen, dieser unmittelbare und direkte Kontakt mit dem Publikum.

Mit großer Dankbarkeit verabschiede ich mich für heute aus Bella Italia.

Ciao, Andrea

 

 

Straßenkunst mit Platzkarte

Straßenkunst mit Platzkarte

Nochmals Hallo!

Wie ihr dem Bericht von Andrea entnehmen könnt, ist die Zeit hier in Wien sehr angenehm und interessant für uns. Wir waren noch nie 2 Wochen lang in Wien. Es ist sehr schön durch die Stadt zu streifen, nette Plätze aufzusuchen und die Stadt auch aus der Sicht von Straßenkünstlerinnen kennenzulernen. Und die Erkenntnis ist: es gibt fast keine StraßenkünstlerInnen mehr in Wien!!! Während dieser ganzen Woche haben wir nur 2x Pantomimen und 1x einen Akkordeonspieler gesehen! Die Vorschriften, die es in vielen europäischen Städten den StraßenkünstlerInnen schwer machen, scheinen also zu greifen und Straßenkunst scheint zu sterben. Auch für uns ist mittlerweile klar, dass wir von der Straße allein nicht leben können, aber die Erfahrungen, die wir hier sammeln, sind auch für unsere anderen Ideen wichtig.

Hier in Wien ist die Verordnung zwar nicht so ganz rigoros wie anderswo, aber man muss am letzten Montag eines Monats in der MA 36 persönlich, mit Lichtbildausweis und der Verwaltungsabgabe (Bitte genau als Kleingeld: € 6,54 !) erscheinen, um die Platzkarte für den Folgemonat zu bekommen. Wir waren erst letzten Montag dort und haben nur “ausnahmsweise” zu diesem Termin unsere Platzkarte bekommen. Auf dieser waren unsere Auftrittsorte jeweils mit Datum und genauer Uhrzeit, jeweils für 2 Stunden Spielzeit, aufgelistet. Dazwischen gibt es immer 2 – 3 spielfreie Tage.

Jedenfalls war die Zeit dort ein Kurzkabarett auf den österreichischen Amtsschimmel. Wie wir das in Zukunft managen werden, wissen wir noch nicht, denn Flexibilität ist in der MA 36 scheinbar nicht wirklich vorgesehen.

Diesmal haben wir unser Quartier durch einen Haus- bzw. Wohnungstausch organisiert. Wir sind hier in Wien in der Wohnung einer Freundin von uns und haben es wieder sehr gemütlich. Bis heute haben wir auch einige Zeit mit ihr verbracht, am Vormittag ist sie mit einer Freundin in unser Haus im Südburgenland gefahren, um dort eine Woche Urlaub zu machen.

Wie es in den nächsten Tagen mit dem Tanzen auf der Straße weitergehen wird, ist ziemlich unsicher – wir sind dabei ja sehr stark vom Wetter abhängig. Heute wollen wir nochmals an den Donaukanal, aber im Moment stürmt es extrem und wir sind uns nicht sicher, ob unsere Tanzunterlage den Windböen standhalten kann. Ja, und ab morgen soll es nachmittags regnen … also mal sehen, wie es für uns hier weitergehen wird. Aber wir sind optimistisch und neben dem Straßentanz arbeiten wir ja gedanklich ziemlich intensiv und das ist wetterunabhängig.

Liebe Grüße

Sigrid

Ist Straßenkunst Lärm?

Ist Straßenkunst Lärm?

Hallo aus Köln!

Seit unserem Bericht vor einer Woche ist bei uns hier alles ganz anders. So schnell kann’s gehen. Um es positiv zu formulieren, könnte man sagen, die Stadt Köln hat dafür gesorgt, dass wir hier jetzt Urlaub haben. Wie ist es dazu gekommen? Nun, wir waren am Donnerstagnachmittag wieder wie alle Tage vorher auf der Straße tanzen. Wir hatten uns einen Platz beim Kölner Dom ausgesucht und als wir gerade ein paar Tänze getanzt hatten, kommt die Ordnungswache, sieht unseren Lautsprecher und stellt gleich fest, dass der verboten ist. Auf unsere Fragen, weshalb und wo denn das stehe, bekommen wir zu hören: In Köln sind Geräte aller Art auf öffentlichen Flächen verboten, es gäbe seit 1. Mai eine neue Straßenordnung und dort sei das festgehalten. Eine der Ordnungswachen sucht gleich in der Straßenordnung nach dem entsprechenden Absatz, kann ihn aber nicht finden. Trotzdem heißt es, wir dürfen dieses Gerät nicht weiter verwenden. Auf unseren Einwand, dass wir dann unsere Straßenkunst nicht weiter ausüben können, bekommen wir die Antwort: „Tanzen dürfen Sie ja, nur halt ohne Musik!“ Da haben wir uns wirklich ein bisschen “verarscht” – Entschuldigung! – gefühlt. Sie haben dann noch gemeint, wir können ja im Ordnungsamt persönlich vorsprechen, um uns zu vergewissern. Wie ihr denken könnt, haben wir ziemlich frustriert den Heimweg angetreten.

Wir hatten ja vorher die Straßenordnung von Köln genau studiert und nichts dergleichen darin vorgefunden. Also haben wir gleich noch einmal im Internet gesucht und auch die ganz aktuelle Version gefunden, aber kein Wort über das Verbot von Lautsprechern. Wir dachten: Hier stimmt etwas nicht!, und waren guter Hoffnung, dass sich diese Sachlage im Ordnungsamt positiv für uns klären würde. Also haben wir uns am Freitag gleich ins Ordnungsamt begeben. Dort haben wir dann erfahren, dass das alles richtig ist, was wir von der Ordnungswache gehört haben, außer dass die entsprechende Verordnung nicht in der Straßenordnung von Köln steht, sondern im Landesemissionsgesetz von Nordrhein-Westfalen unter der Rubrik „Lärmbelästigungen“. Na, bravo! Es sind wirklich im ganzen Land auf öffentlichen Flächen Geräte aller Art, sogar stinknormale CD-Player verboten. Es werden auch absolut keine Ausnahmen gemacht oder irgendwelche Sonderbewilligungen erteilt. Wir haben dort außerdem zu spüren bekommen, dass Straßenkunst in Köln sowieso nicht wirklich erwünscht ist, denn – wörtliche Aussage – “Straßenkünstler missbrauchen doch nur die Stadt Köln als Kulisse!”

Geschockt und ziemlich am Boden zerstört, haben wir am Anfang gar nicht gewusst, wie uns geschieht. Wir waren wie gelähmt und konnten keinen klaren Gedanken fassen. Mittlerweile haben wir diese Botschaften halbwegs verdaut und es gelingt uns wirklich, die Zeit hier als Urlaub anzusehen und auch als Reflexion zu nutzen.

Liebe Grüße nach Hause

Andrea