Ist Straßenkunst Lärm?

Hallo aus Köln!

Seit unserem Bericht vor einer Woche ist bei uns hier alles ganz anders. So schnell kann’s gehen. Um es positiv zu formulieren, könnte man sagen, die Stadt Köln hat dafür gesorgt, dass wir hier jetzt Urlaub haben. Wie ist es dazu gekommen? Nun, wir waren am Donnerstagnachmittag wieder wie alle Tage vorher auf der Straße tanzen. Wir hatten uns einen Platz beim Kölner Dom ausgesucht und als wir gerade ein paar Tänze getanzt hatten, kommt die Ordnungswache, sieht unseren Lautsprecher und stellt gleich fest, dass der verboten ist. Auf unsere Fragen, weshalb und wo denn das stehe, bekommen wir zu hören: In Köln sind Geräte aller Art auf öffentlichen Flächen verboten, es gäbe seit 1. Mai eine neue Straßenordnung und dort sei das festgehalten. Eine der Ordnungswachen sucht gleich in der Straßenordnung nach dem entsprechenden Absatz, kann ihn aber nicht finden. Trotzdem heißt es, wir dürfen dieses Gerät nicht weiter verwenden. Auf unseren Einwand, dass wir dann unsere Straßenkunst nicht weiter ausüben können, bekommen wir die Antwort: „Tanzen dürfen Sie ja, nur halt ohne Musik!“ Da haben wir uns wirklich ein bisschen “verarscht” – Entschuldigung! – gefühlt. Sie haben dann noch gemeint, wir können ja im Ordnungsamt persönlich vorsprechen, um uns zu vergewissern. Wie ihr denken könnt, haben wir ziemlich frustriert den Heimweg angetreten.

Wir hatten ja vorher die Straßenordnung von Köln genau studiert und nichts dergleichen darin vorgefunden. Also haben wir gleich noch einmal im Internet gesucht und auch die ganz aktuelle Version gefunden, aber kein Wort über das Verbot von Lautsprechern. Wir dachten: Hier stimmt etwas nicht!, und waren guter Hoffnung, dass sich diese Sachlage im Ordnungsamt positiv für uns klären würde. Also haben wir uns am Freitag gleich ins Ordnungsamt begeben. Dort haben wir dann erfahren, dass das alles richtig ist, was wir von der Ordnungswache gehört haben, außer dass die entsprechende Verordnung nicht in der Straßenordnung von Köln steht, sondern im Landesemissionsgesetz von Nordrhein-Westfalen unter der Rubrik „Lärmbelästigungen“. Na, bravo! Es sind wirklich im ganzen Land auf öffentlichen Flächen Geräte aller Art, sogar stinknormale CD-Player verboten. Es werden auch absolut keine Ausnahmen gemacht oder irgendwelche Sonderbewilligungen erteilt. Wir haben dort außerdem zu spüren bekommen, dass Straßenkunst in Köln sowieso nicht wirklich erwünscht ist, denn – wörtliche Aussage – “Straßenkünstler missbrauchen doch nur die Stadt Köln als Kulisse!”

Geschockt und ziemlich am Boden zerstört, haben wir am Anfang gar nicht gewusst, wie uns geschieht. Wir waren wie gelähmt und konnten keinen klaren Gedanken fassen. Mittlerweile haben wir diese Botschaften halbwegs verdaut und es gelingt uns wirklich, die Zeit hier als Urlaub anzusehen und auch als Reflexion zu nutzen.

Liebe Grüße nach Hause

Andrea

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