Eine Ballade und zwei Verrückte in Graz

Eine Ballade und zwei Verrückte in Graz

Bei fünf Auftritten vergangene Woche in Graz haben wir die Verrücktheit zelebriert. Dabei haben wir große und kleine Kinder zum Staunen gebracht, unser Publikum mitgenommen auf eine Reise in die Welt der Phantasie und die Straßen der Stadt mit diesem wunderbaren Tango von Astor Piazzolla erfüllt. Um noch mehr eintauchen zu können in diese verrückte Magie des Lebens und der Liebe gibt es hier den Text der Ballade für einen Verrückten, auf der unser wo/men tango act basiert:

 

Balada para un loco
M: Astor Piazzolla, T: Horacio Ferrer

Die Nachmittage in Buenos Aires
haben etwas, ich weiß nicht was.
Verstehst du? Ich verlasse
mein Haus und schlendere die
Arenales-Straße entlang.
Immer dasselbe, in den Straßen und in mir
als er plötzlich hinter diesem Baum erschien.
Eine sonderbare Mischung aus dem letzten und
einzigen Landstreicher
und dem ersten blinden Passagier auf einer
Reise zur Venus.

Eine halbe Melone auf seinem Kopf
ein gestreiftes Hemd auf die Haut gemalt
zwei Ledersohlen an die Füße genagelt und ein
„Taxi-zu-vermieten“- Schild in jeder Hand …
Ha … ha … ha … ha …
Es scheint, als wäre ich der Einzige
der ihn sieht.
Denn er taumelt zwischen den Leuten
und die Schaufensterpuppen zwinkern mir zu.
Die Ampellichter geben mir
drei himmelblaue Lichter
und die Orangen im Obstladen an der Ecke
werfen ihre Blüten nach mir.

Und dann, halb tanzend, halb fliegend,
nimmt er die Melone ab, um mich zu grüßen.
Er gibt mir ein Taxischild und sagt auf Wiedersehen.

Ich weiß, ich bin verrückt, verrückt, verrückt.
Siehst du nicht den Mond
durch die Callao-Straße rollen
und einen Chor von Astronauten und Kindern
die um mich herum tanzen … ?

Ich weiß, ich bin verrückt, verrückt, verrückt.
Ich sehe Buenos Aires von einem Spatzennest aus,
und ich sah dich so traurig.
Komm, flieg, fühl das verrückte Verlangen
was ich nach dir habe.

Verrückt! Verrückt! Verrückt!
Wenn Dunkelheit sich in deiner städtischen
Einsamkeit breit macht
zu den Ufern deiner
Bettwäsche sollte ich kommen
mit einem Gedicht und einer Posaune
um dein Herz wach zu halten.

Verrückt! Verrückt! Verrückt!
Wie ein verrückter Akrobat sollte ich tauchen
in den Abgrund deiner Kluft bis ich fühle
dass ich dein Herz verrückt gemacht habe
mit Freiheit.
Du wirst schon sehen.

Und dann lädt mich der
verrückte Mann zu einer Fahrt
in seiner super Sport-Illusion ein
und wir rasen über die Riffs
mit einer Schwalbe im Motor.

In Vieytes applaudieren sie uns: „Hurra! Hurra!“
Die Bekloppten, die die Liebe erfunden haben.
Und ein Engel, ein Soldat und ein Mädchen
schenken uns einen Walzer.
Die schönen Leute kommen heraus
um hallo zu sagen.

Und verrückt, aber das bist du, ich weiß nicht
mein Irrer.
Erlöst mit seinem Lachen
ein grelles Klingen von Kirchenglocken aus
und schließlich sieht er mich an und singt sanft:

Liebe mich, so wie ich bin
verrückt, verrückt, verrückt …
Steig empor in diese wahnsinnige
Zärtlichkeit, die ich in mir habe.
Zieh dir eine Perücke mit Spaß auf deinen Kopf
und flieg.

Flieg jetzt mit mir: komm, flieg, fühle …
Liebe mich, so wie ich bin,
verrückt, verrückt, verrückt,
mach den Weg frei für die Liebe,
so dass wir die verrückte Magie des Lebens
noch mal versuchen werden.
Komm, flieg, komm, tra … lala … lara …

 

 

Eine großartige Fotografin begleitete einen unserer Auftritte und dabei sind diese wunderschönen Fotos entstanden. Danke, liebe Elisabeth Paulitsch für das einfühlsame, tolle Fotoshooting!

Noch ist die Straßenkunst-Saison nicht vorbei und wir freuen uns schon auf weitere Auftritte.

Andrea und Sigrid

 

Tango auf Rumänisch …

Tango auf Rumänisch …

Auf ihrer musikalischen Weltreise hat Andrea uns im letzten Blogartikel auch nach Bukarest entführt und mit ihren Erzählungen sind wir eingetaucht in das „Paris des Ostens“ als Tangometropole der 1920er und 1930er Jahre. Die Tangos auf der CD Bucharest Tango werden von Oana Catalina Chitu in rumänischer Sprache gesungen und wir tanzen nicht nur seit vielen Jahren gerne zu diesen Stücken, sie haben uns schon bei unseren ersten Auftritten als Straßenkünstlerinnen im Jahr 2014 begleitet. Und gerade im öffentlichen Raum haben diese Tangos in rumänischer Sprache zu überraschenden und berührenden Begegnungen geführt, die uns erfreut und zugleich nachdenklich gemacht haben.

20140721_108_web-3Am Ufer des Donaukanals im Juli 2014 zum Beispiel haben sich zwei junge Frauen an der Kaimauer niedergelassen und uns lange Zeit zugeschaut. In einer Pause haben sie uns angesprochen und wollten gleich mehr über den Tango Zaraza, zu dem wir gerade getanzt hatten, wissen. Eine der beiden war nämlich aus Rumänien und studierte damals in Wien. Sie war überrascht und hocherfreut einen Tango in ihrer Muttersprache zu hören. Etwas schüchtern erzählte sie dann, dass sie selbst begonnen habe, Tango zu tanzen und fragte, ob ich mit ihr tanzen würde. So tanzte ich mit ihr zu Zaraza und es war deutlich zu spüren, wie viel ihr dieses Erlebnis bedeutete. Auch für uns war es eine der ersten intensiven Begegnungen mit unserem Publikum – ausgelöst durch diesen Tango in rumänischer Sprache.

Im Sommer 2015 gab ein anderer Tango jener CD den Impuls, unsere Auftritte zu verändern und neben dem Tanz auch mit Gesten und Mimik und mit Requisiten zu spielen. Es war das Stück Aprinde o tigara, der wie so viele Tangos von einer unglücklichen Liebe erzählt und in dem das Rauchen einer Zigarette Trost spenden soll. Nun, wir ließen uns nicht vom ganzen Text, sondern nur vom Titel inspirieren und machten daraus die erste Version unserer „Zigarrennummer“. Das Echo darauf war bei jedem Auftritt groß und somit war der Anfang für unsere wo/men tango acts gemacht: Wir entwickelten eine Geschichte, bestehend aus mehreren Tangos inklusive Aprinde o tigara. Andrea schlüpft darin in die Rolle des reichen Gutsbesitzers Andres, der am Bahnhof wartend Zigarre raucht …

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Als dieser wo/men tango act im Mai 2016 am Hackeschen Markt in Berlin Premiere hatte, dauerte es nicht lange, bis der Tango in rumänischer Sprache erneut zu überraschenden Begegnungen führte. Einmal war da ein Mann im Publikum, dem äußeren Anschein nach ein Obdachloser, einfach gekleidet und sehr verschüchtert in seiner Art. Dennoch kam er in der Pause auf uns zu und sagte mehrmals „Rumänien“. Wir bestätigen, dass da wirklich ein Tango in rumänischer Sprache dabei war und er strahlte. Dann bat er um ein wenig Geld und wir gaben ihm ein paar Münzen aus unserem Koffer. Ein andermal wartete eine Musikgruppe bis wir mit unserem Auftritt fertig waren, damit sie den Platz bespielen konnten. Auch sie waren aus Rumänien und haben den rumänischen Tango gleich erkannt. Leider konnten sie selbst keinen Tango spielen, sonst hätten wir zu ihrer Livemusik tanzen können. Wir begannen zu überlegen, warum diese Männer so berührt waren und meinen, dass es daran liegt, im öffentlichen Raum ihre Muttersprache zu hören. Sprache hat ja sehr viel mit Identität zu tun. Und diese Menschen leben mitten unter uns, sprechen mehr oder weniger gut unsere Sprache, aber hören ihre Sprache nur im privaten Umfeld. Ähnliche Erlebnisse hatten wir auch im Augartenpark in Graz, wo wir im Juni zweimal aufgetreten sind. Der Park war an jenen lauen Sommerabenden voller Leben, Kinder spielten, ganze Familien waren mit den Fahrrädern unterwegs, viele machten es sich auf den Parkbänken gemütlich. Es hatte den Anschein, als wäre der Park für einige von ihnen das Wohnzimmer, denn als wir zum zweiten Auftritt kamen, saßen die gleichen Männer auf den gleichen Bänken wie einige Tage zuvor. Einmal kam ein kleiner Junge zu uns und fragte, ob wir aus Rumänien seien. Er war ganz erstaunt, als wir verneinten und meinte: „Aber das war ja rumänisch!“ Dann eilte er zu dem Mann zurück, der auf der Bank saß. Dieser blieb bis zum Ende unserer Aufführung sitzen und als wir unsere Requisiten zusammenpackten kam er zu uns, bedankte sich und gab uns eine 2-Euro-Münze. Wir waren höchst überrascht, nicht nur darüber, dass er direkt auf uns zugekommen ist, sondern auch, dass er so großzügig war. Scheinbar haben wir uns gegenseitig beschenkt …

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Die berührendste Begegnung ausgelöst durch den Tango in rumänischer Sprache hatten wir aber im Herbst an der toskanischen Küste. In Italien leben ja viele Menschen aus Rumänien, weil ihre Sprache dem Italienischen sehr ähnlich ist und es für sie deshalb leichter ist, in diesem Land Fuß zu fassen. Wie überall in Europa leben sie, obgleich EU-BürgerInnen, aber auch dort am Rande der Gesellschaft und verrichten jene Arbeiten, die nicht viel wert und daher schlecht bezahlt sind. Bei unserem ersten Auftritt in Forte dei Marmi sind wir zu früh dran und daher sind noch sehr wenige Menschen unterwegs. Auf dem Platz, den wir als Auftrittsort gewählt haben, steht ein Brunnen, bei dem immer wieder Menschen Wasser holen. So auch eine ältere Frau, die gleich mehrere Kanister anfüllt und uns währenddessen zuschaut. Nach dem Stück kommt sie auf uns zu und wir sehen, dass sie Tränen in den Augen hat. Sie bedankt sich in einer Mischung aus Italienisch und Rumänisch und gibt uns einen 5-Euro-Schein. Wahrscheinlich arbeitet sie in einem der Hotels, sicher hat sie nicht viel Geld, und dennoch will sie uns diesen Schein unbedingt geben. Sie war berührt, so unerwartet ihre Sprache an jenem Platz zu hören, an dem sie wohl immer wieder Wasser holt. Auch wir sind tiefberührt und reich beschenkt. Das sind die Momente, in denen wir voll Dankbarkeit sind für die Erlebnisse als Straßenkünstlerinnen!

Nun, ein Tango in rumänischer Sprache hat den letzten Sommer begleitet. Seine Sprache hat Menschen berührt, die fern ihrer Heimat in einem anderen Land leben und dort ihr Glück suchen. So schließt sich der Kreis und die Weltreise des Tangos führt uns zurück nach Buenos Aires, wo er entstanden ist unter Menschen, die ihre Heimat verlassen hatten auf der Suche nach einem besseren Leben. Vor mehr als hundert Jahren in Buenos Aires, heute mitten unter uns. Die Melodien des Tangos sprechen von Sehnsucht und Hoffnung, egal ob auf Italienisch, Spanisch oder eben in rumänischer Sprache. Und rühren die Menschen an, berühren ihre Herzen. Und wir als Straßenkünstlerinnen sind Gebende und Nehmende zugleich!

Sigrid

 

Ende der Saison …

Ende der Saison …

Ein letztes Mal in dieser Saison haben wir unsere Requisiten und Kostüme vorbereitet, um heute Nachmittag auf der Straße aufzutreten. Beim Ankleiden und Schminken werden wir wieder in unsere Rollen schlüpfen und uns in Andrés und Segundo verwandeln, die sich im Stück „Encuentro“ begegnen. Dann werden wir uns ins Auto setzen, nach Graz fahren und tanzen – auf dem „Pflaster, das für uns die Welt bedeutet“!

Ich weiß, das klingt theatralisch, aber am Ende unserer dritten Saison als Straßenkünstlerinnen trifft nach wie vor das zu, was wir bei unserem allerersten Auftritt, im Mai 2014 ebenfalls in Graz, schon gespürt haben: die Straßenkunst ist einfach unseres! Wir haben seither viele Erfahrungen gemacht, vieles ausprobiert und viel gelernt. Nun sind wir am Ende unseres dritten Lehrjahres und können dankbar auf ein äußerst erfolgreiches Jahr als Straßenkünstlerinnen zurückschauen. Wir sind viel öfter aufgetreten als in den Jahren zuvor und es war spannend an völlig verschiedenen Orten zu tanzen: die Atmosphäre in der Großstadt Berlin, die vertraute Innenstadt von Graz und die Urlaubsorte am Meer in Italien bildeten jeweils einen gänzlich anderen Rahmen. Immer noch ist es nicht ganz leicht den passenden Auftrittsort und die beste Tageszeit herauszufinden. Wir hatten wunderschöne Plätze mit unglaublich tollem Ambiente und viel Publikum, aber manchmal ist es schwierig, die Gegebenheiten richtig einzuschätzen und so waren wir leider auch mal zur falschen Zeit am falschen Ort.

20160908_205020-2Nach wie vor sind wir fasziniert von den Begegnungen mit dem Publikum! Von den vielen spontanen Gesprächen, die sich nach einem Auftritt ergeben, haben wir ja schon des Öfteren berichtet. Bei einem unserer Auftritte in Italien etwa hat uns ein Paar sehr lange zugeschaut und uns dann in der Pause angesprochen. Sie waren aus Amerika und gerade auf ihrer Hochzeitsreise. Wir plauderten einige Zeit über den Tango und beim Verabschieden sagte die Frau, unser Auftritt sei für sie das Schönste auf der ganzen Reise gewesen – und das bei einer Toskanareise! Weil wir im Auftreten und im Tanzen einfach schon routinierter sind, war es in dieser Saison auch möglich, während wir tanzten Reaktionen aus dem Publikum wahrzunehmen, manchmal aufzugreifen oder zumindest einen kurzen Blickkontakt herzustellen. Vor allem in Italien war dies sehr intensiv, weil die ItalienerInnen sehr offen und emotional sind und wir viele Zurufe mit „bravo“ und „complimenti“ erhielten. Das übertrug sich natürlich auf uns und wir tanzten vielleicht noch eine Spur besser …

Das wirklich Besondere an dieser Saison war aber, dass wir mit unserem ersten wo/men tango act „Encuentro“ erstmals eine Geschichte getanzt haben und so neben dem Tango tanzen auch das Theater spielen Teil unserer Auftritte geworden ist. Uns machte es einfach Spaß, mehr und mehr in die Rollen hinein zu wachsen und im Spiel ebenso kreativ zu werden wie im Tanz. Natürlich ist es bei der spontanen Straßenkunst nicht immer so, dass Menschen das ganze Stück lang stehen bleiben und zuschauen. Oftmals haben wir aber erlebt, dass ZuschauerInnen nicht nur bis zum Schluss geblieben sind, sondern richtig mit den beiden Personen und der Handlung mitgelebt haben, gelacht und sich mit uns über den positiven Ausgang dieser Begegnung gefreut haben. Und natürlich war auch das Spiel mit den Geschlechterrollen spannend, das wir als Herrendarstellerinnen in diesen act mit hinein verpacken. Wiederum im Italien haben wir – aufgrund der Sprache – mehrmals erlebt, dass ZuschauerInnen gerätselt und sogar miteinander diskutiert haben, ob wir nun Männer oder Frauen seien. Und an den Zurufen konnten wir dann erkennen, für wen sie uns halten, denn bei zwei Männern heißt das „Bravo“ auf Italienisch „bravi“ und bei zwei Frauen „brave“. Manchmal waren beide Formen gleichzeitig zu hören und wir freuten uns darüber, dass es uns gelingt zu irritieren, zu genauem Hinsehen und zum Nachdenken anzuregen.

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Nun bleibt nur noch jene Frage, die uns schon vor Monaten gestellt wurde, als wir erwähnten, wir seien gerade im „dritten Lehrjahr als Straßenkünstlerinnen“: dauert die Lehrzeit für diesen Beruf drei oder vier Jahre? Auch jetzt, am Ende dieser Saison kann ich sie noch nicht beantworten! Straßenkunst bietet immer Überraschungen und ist immer wieder neu. Womöglich ist die Lehrzeit nie vorbei. Jetzt aber geht es in die Winterpause. Und da wollen wir einen neuen wo/men tango act entwickeln und uns für Straßenkunst-Festivals im kommenden Jahr bewerben. Es wir uns also nicht langweilig werden und auch wenn die Pause gut tun wird, freue ich mich schon jetzt, wenn wir im nächsten Jahr wieder auf dem Straßenpflaster auftreten werden.

Sigrid

 

Spontane Straßenkunst versus Festivals

Spontane Straßenkunst versus Festivals

DSCF5187La Strada ist vorbei, und wir sind wieder einmal von der Stadt zurückgekehrt aufs Land. Hier sinniere ich noch nach über die Eindrücke der vergangenen Woche. So ein Straßenkunst-Festival versetzt eine Stadt schon in eine ganz besondere Stimmung. Gebündelte Kreativität und viele Menschen, die dem offen und mit Neugier begegnen. Wir sahen, wie ich ja schon im letzten Beitrag beschrieben habe, einige großartige Aufführungen und hatten auch selbst einige ganz tolle Auftritte – beides auf Straßen und Plätzen der Stadt, mit engem Kontakt zum Publikum und einfachen Mitteln umgesetzt. Im Gegensatz dazu gab es im Programm von La Strada aber auch Vorführungen im Opernhaus mit 40 € Eintritt. Sicherlich eine aufwendige und auch faszinierende Produktion, aber es stellt sich die Frage, was das mit Straßenkunst zu tun hat bzw. ob dadurch nicht eine 2-Klassen-Straßenkunst geschaffen wird. Wir hörten im Laufe der Woche diesbezüglich jedenfalls viele kritische Stimmen.

DSCF5188Es hat sich mittlerweile ja ein Festivalmarkt entwickelt, bei dem anscheinend auch die Devise immer mehr, immer aufwendiger, immer spektakulärer, … vorherrscht bzw. einen großen Teil einnimmt. Es gibt unzählige Straßenkunst-Festivals in vielen Ländern Europas. Allein innerhalb Frankreichs z.B. kann eine Gruppe mit einer Produktion drei Jahre lang auf Tournee gehen, so viele Festivals gibt es da. Mit dieser Entwicklung ging aber auch eine andere Entwicklung einher, nämlich die, dass spontane Straßenkunst, also Straßenkunst außerhalb von Festivals, fast verschwunden ist. Auf Grund der Bestimmungen und rigorosen Einschränkungen, die es mittlerweile in fast allen Städten gibt, aber auch kein Wunder. In Graz z.B. muss man sich für den Innenstadtbereich Platzkarten besorgen, die man persönlich mit Lichtbildausweis bis 14.00 Uhr an Werktagen im Rathaus abholen muss. Während der Auftritte werden diese Platzkarten von den Ordnungswachen kontrolliert und auch da muss man einen Lichtbildausweis vorweisen. Wenn das der Fall ist, ist in der Zwischenzeit das Publikum dahin. In der La Strada-Woche war allerdings sehr auffällig, dass erstens kaum Ordnungswachen unterwegs waren und zweitens, wenn sie vorbeikamen, dass sie nicht kontrolliert haben. Anscheinend hatten sie Instruktionen, sich in dieser Woche zurückzuhalten. Außerdem muss man nach jeder halben Stunde den Platz wechseln, gewisse Uhrzeiten und Abstände zu Eingängen, Lokalen, … einhalten. Es gibt aber auch Städte, in denen die Bestimmungen noch strenger sind oder man für Platzkarten zahlen muss, manchmal so viel, dass sich ein Auftritt im wahrsten Sinne des Wortes nicht auszahlt. Aber da in vielen Städten Straßenkunst als Störung oder Bettelei gesehen wird, und nicht als Belebung einer Stadt, erreicht man so, dass spontane Straßenkunst verschwindet.

Nun, das Schöne an der spontanen Straßenkunst, finde ich, ist der Überraschungseffekt – für die KünstlerInnen ebenso wie für das Publikum. Wir sind jedes Mal vorher sehr gespannt, wie ein Auftritt wird, weil das von so vielen Faktoren abhängt und immer anders ist. Wie wirkt der Platz, wie ist das Wetter, welche Menschen kommen vorbei? Es können sich spontane Begegnungen ergeben, die noch lange nachwirken. Menschen, die in der Stadt unterwegs sind, werden überrascht, indem da etwas stattfindet, mit dem sie nicht gerechnet haben, das sie für kurze Zeit innehalten lässt. Es ist jedes Mal ein besonderes Glücksgefühl, wenn es uns gelingt, Menschen für einen Moment aus ihrem Alltag heraus in eine andere Welt eintauchen zu lassen. Und das ist etwas, das die spontane Straßenkunst auszeichnet.

Auf Festivals läuft Straßenkunst in organisierter Form in einem begrenzten Zeitraum ab. Man hat alles unter Kontrolle. Ich möchte dadurch die Darbietungen und großartigen Leistungen der KünstlerInnen nicht schmälern. Auch die Atmosphäre, die durch so ein Festival in einer Stadt entsteht, ist wunderbar – aber eben nur für eine Woche oder gar nur für ein Wochenende. Und das finde ich schade.

DSCF4926 (2)Auch wir werden uns diesen Winter erstmals für Festivals bewerben, weil wir sie brauchen, um von unserer Kunst leben zu können. Aber die spontane Straßenkunst wird immer ein wesentlicher Teil unserer Auftritte bleiben, denn die Erfahrungen und Erlebnisse, die wir bisher damit gemacht haben, sind unvergesslich und besonders wertvoll.

Andrea

 

 

La Strada

La Strada

Ganz Graz wird zur Bühne, wenn Straßenkunst-Ensembles aus aller Welt die Stadt bespielen. Heuer mischen auch wir uns ins Geschehen, tauchen ein in die „kreative Stadt“. Das Wetter ist perfekt, die Atmosphäre in den Straßen, auf den Plätzen, in den Parks, … heiter und offen. Offen für das, was an kreativem Potenzial, an Emotionen, an Lachen und Lebenslust entsteht, wenn die ArtistInnen gemeinsam mit dem Publikum einen Ort der Stadt beleben.

DSCF5208 (2)Es ist allein das schon ein spannender Prozess, was mit einem Ort passiert, wenn er für kurze Zeit zur Bühne wird. Wir waren z.B. vorgestern Vormittag im Volksgarten, wo die Zygos Brass Band aufgespielt hat. Als wir ankamen, wir waren recht früh dran, präsentierte sich dieser Park so, wie man ihn als GrazerIn kennt. Ein schöner Park mit ausgedehnten Grünflächen und viel Wasser, bevölkert von den Randgruppen unserer Gesellschaft, die auf den Bänken lagern, dahin dösen oder auch lautstarke Monologe halten. Und dann beginnt sich dieser Ort zu verändern, Menschen trudeln ein, kommen in Gruppen oder treffen sich da. Von Babys bis zu SeniorInnen sind alle Altersgruppen vertreten und bald ist der Park bevölkert und es herrscht fast eine Feststimmung. Alle sind in Erwartung – und dann ist es soweit. Aus der Ferne hört man die ersten Klänge der Band. Sehr zart und verhalten noch, ab und zu ein Klingeln, ein Rasseln, ein leises Trommeln, so kommen sie näher bis man sie auch zu sehen bekommt. Mit Masken, Federn und Ketten geschmückt, nehmen sie zuerst Aufstellung im Kreis und beginnen mit einem Gesang, dass man meint, man sei bei einer Voodoo-Zeremonie. Dann löst sich dieser Kreis auf und sie beginnen mit ihrem Spiel, bei dem sie durchgehend die Musik des Mississippi mit Elementen des Voodoo vereinen. Die Musiker sind ständig in Bewegung und in Interaktion mit dem Publikum, zwei Streetdancer wirbeln zwischen ihnen umher und bringen auch noch Akrobatik dazu. Die Stimmung wird immer ausgelassener, manche im Publikum beginnen zu tanzen bzw. werden von den beiden Streetdancern zum Tanz geholt. Seinen Körper nicht zu bewegen, wird jedenfalls unmöglich, und wenn es auch nur ein Mitklatschen ist. So entsteht auf dem runden Platz mitten im Park so etwas wie ein Feuerwerk der Lebenslust. Am Ende werden die Künstler auch mit tosendem Applaus bedankt, bevor sich diese hier gebündelte Energie langsam wieder aufzulösen beginnt. Die Menschen zerstreuen sich, bleiben noch in Grüppchen stehen, tauschen sich aus, plaudern, Kinder laufen umher, die Künstler verkaufen CDs, geben Autogramme und machen Dehnungsübungen. Nach und nach verlassen dann aber immer mehr Menschen den Park, die Künstler werden von La Strada-Mitarbeitern abgeholt, und bald schon gehört der Park wieder denen, die immer hier sind. Der Platz hat sich nicht sichtbar verändert, aber er ist verändert. Es würde mich sehr interessieren, wie die Menschen, die sozusagen in diesem Park leben, die Aufführung erlebt haben und ob sich für sie etwas verändert hat. Aber diese Frage kommt mir erst, als auch wir den Park schon wieder verlassen haben.

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Ganz anders die Situation an einem Abend dieser Woche am Mariahilferplatz. Als wir dort ankommen, hat sich schon ein riesengroßer Kreis bestehend aus ein paar hundert Menschen gebildet. Wir fügen uns ein und man kann bereits jetzt die Energie spüren, die von diesem Kreis ausgeht. Die Leere in der Mitte erwartet den Künstler Joan Català. Er kommt allein, beladen mit einem Baumstamm an dessen einem Ende ein alter Eimer baumelt. Und er braucht nicht mehr als diesen Baumstamm und den Inhalt des Eimers – vier Tücher und Seile, um die Leere in der Mitte 45 Minuten lang mit Faszination zu füllen. Er führt virtuose Akrobatik und Körperbeherrschung vor, schafft Momente des Atemanhaltens genauso wie humorvolle Unterhaltung. Vier Männer aus dem Publikum werden zu einem wesentlichen Teil dieser Performance, in dem sie es sind, denen er beim Höhepunkt seines Auftrittes ganz und gar vertrauen muss. Immer wieder bezieht er auch den gesamten Publikumskreis mit ein, sodass das Gefühl entsteht, Teil eines Ganzen zu sein, eines positiven Ganzen, in dem teilen, zuhören und vertrauen wesentlich sind. Ich bin mir sicher, dass auch hier etwas von dieser positiven Energie zurück bleibt auf diesem Platz.

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DSCF5299 (2)Wir haben in dieser Woche auch Auftritte „out of Program“ geplant. Auf dem Weg zu unserem ersten Auftritt war es ein anderes Gefühl in unserem Aufzug durch die Stadt zu gehen als sonst. Meist werden wir da nämlich angestarrt oder mit irritierten Blicken bedacht. Diesmal nicht, denn diesmal sind wir viele. Als wir am Jakominiplatz auf unseren Bus warten, steigt der Clown Murmuyo aus der Straßenbahn und zieht alle Blicke auf sich. Bei seinen Rundgängen durch die Stadt auf der Suche nach Freunden und Freundinnen (Quieres ser mi amigo?) gewinnt er alle Herzen. Als wir dann gerade beim Aufbauen für unseren Auftritt sind, fährt ein Bus von La Strada, besetzt mit KünstlerInnen vorbei, die uns sofort zuwinken. Oder dann am Heimweg hören wir eine Frau im Vorbeigehen sagen: „Ah, da sind auch wieder welche!“ Die Stimmung ist also schon eine Besondere, wenn so ein Straßenkunst-Festival stattfindet, und wir schmarotzen diesmal einfach ein bisschen mit, haben als Künstlerinnen das Gefühl, Teil eines Ganzen zu sein.

Andrea

 

 

Liebes Publikum!

Liebes Publikum!

Bei unseren Auftritten auf der Straße gibt es als Einleitung für den wo/men tango act immer eine kurze Ansage. Diese beginnt mit den Worten: Geschätzte Damen und Herren! Liebes Publikum! … Jedes Mal, wenn ich diese Worte ausspreche, spüre ich, wie wichtig sie mir sind und wie sehr sie den Kern dessen ausdrücken, worum es für uns in der Straßenkunst geht: Das Publikum ist unser größter Schatz!

Über die Begegnungen und Gespräche, die sich nach einem Auftritt immer wieder ergeben, haben wir ja schon erzählt. Aber auch während wir auftreten ist die Verbindung zum Publikum wesentlich für uns. Obwohl der Tango es verlangt, dass wir im Tanz ganz aufeinander konzentriert sind, kommt auf der Straße diese dritte Kommunikationsebene hinzu. Oft sind es nur kurze Momente, ein Wahrnehmen einer Person oder deren Geste im Augenwinkel, bevor sich der Blickwinkel durch eine Drehung ändert. Dann wieder, vor allem wenn jemand lange zusieht, spüre ich, ob unsere Geschichte, unser Tanz bei dieser Person „ankommt“. Es kommt dann auch vor, dass Impulse aus dem Publikum in den Tanz einfließen, sich aus einem Blick oder einer Geste ein besonderer Akzent im Tanz ergibt.

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Da ergeht es uns wie dem Tangosänger Carlos Roulet, der sagt: „Was mich am meisten mobilisiert sind die Empfindungen, die aus der Verbindung mit dem Publikum entstehen, die Blicke, Emotionen, die Atmosphäre, die jedes Mal entsteht.“ Und weil Straßenkunst, um mit den Worten des Straßenkünstlers Tom Zabel zu sprechen, „Kunst auf Augenhöhe“ ist, ist diese Verbindung zum Publikum besonders intensiv. Als wir einmal wegen eines Gewitters auf einer Bühne auftreten mussten und das Publikum sich unter Schirme und Zelte flüchtete und somit noch weiter von uns entfernt war, haben wir diesen Unterschied extrem zu spüren bekommen! Es ist uns absolut nicht gelungen, diese Verbindung aufzubauen und wir haben erlebt, dass damit ein ganz wesentlicher Teil unserer Auftritte verloren geht. Aber neben dieser einen negativen Erfahrung stehen die unzähligen Momente, in denen wir ganz unmittelbar in Beziehung zu unserem Publikum treten können. Wiederum möchte ich eine Künstlerin, die Tänzerin Guggi Zuzáková, zitieren, die sagt, wenn sie auftritt, „dann lässt sie die Zuschauenden an der Erschaffung einer liebevollen Beziehung teilhaben, lässt sie in eine Art Liebesblase hineinschauen, die in drei, vier Minuten entsteht.“

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Wer aber ist „unser Publikum“? Welche Menschen sprechen wir mit unserem Tanz an? Das Erstaunliche ist, dass es keine bestimmte Gruppe von Menschen ist, die uns zuschauen. Sowohl Frauen als auch Männer, Menschen die alleine unterwegs sind ebenso wie Paare oder kleinere Gruppen, DSCF5061Obdachlose oder Menschen im Anzug und im Businesskostüm, bleiben stehen um uns für kurze oder längere Zeit zuzuschauen. Manche werfen uns im Vorbeigehen einen kurzen, erfreuten Blick zu, andere machen es sich bei einer nahen Sitzgelegenheit oder sogar am Asphalt gemütlich und bleiben länger. RadfahrerInnen kehren manchmal um, nachdem sie an uns vorbeigefahren sind und bleiben stehen oder winken uns mit einem Lächeln zu, obwohl sie gar nicht stoppen. Ältere Menschen und immer wieder auch Menschen im Rollstuhl bleiben lange und beobachten uns sehr genau. Am meisten überrascht hat uns schon bei unseren ersten Auftritten, dass wir Kinder ansprechen! Auch sie schauen oft lange Zeit ganz gespannt zu und wollen manchmal, wenn die Eltern zum Weitergehen drängen, gar nicht weggehen. Der Allroundkünstler Eddie Luis aus Graz, der uns im Winter bei der Regiearbeit für das Stück Encuentro begleitet hat, gab uns den Rat: „Achtet auf die Kinder, wenn die länger als zwei Minuten ruhig stehen bleiben, dann seid ihr auf dem richtigen Weg.“ Das haben wir bei den bisherigen Aufführungen von Encuento schon erlebt und wir nehmen es mit Freude und Dankbarkeit zur Kenntnis.

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Nun sind wir schon gespannt auf eine neue Art der Begegnung mit unserem Publikum. Morgen werden wir nicht auf der Straße auftreten, sondern wir wurden gebucht, um bei einem Sommerfest mit einen wo/men tango act aufzutreten. Das Publikum sammelt sich also nicht spontan im öffentlichen Raum, sondern es sind die Gäste, die zu diesem Fest geladen sind. Ich denke, dass dies eine ganz neue Erfahrung für uns sein wird. Ganz sicher aber wird unsere „Schatzkiste“ weiter gefüllt werden und meine Worte „geschätzte Damen und Herren“ treffen einmal mehr zu.

Sigrid

Zitate aus: Tangodanza, Nr. 1/2015, Bielefeld

Berlin klingt nach …

Berlin klingt nach …

Nun sind wir zwar schon eine Woche zuhause und genießen wieder das Landleben, aber ich muss diesmal doch noch von Berlin berichten – von unserem letzten Abend da und von den Begegnungen, die diesen Abend möglich gemacht haben.

Also, wir hatten die Idee, wenn wir schon in Berlin sind, die Zeit auch fürs Kontakteknüpfen zu nützen. Ich habe ja schon in meinem ersten Berlin-Artikel erwähnt, dass das Buch „Die Straßensängerin“ eine Inspirationsquelle für unseren Weg war. Nun wussten wir, dass die Autorin dieses Buches, Traude Bührmann, in Berlin lebt und beim Verlag Krug und Schadenberg, ebenfalls mit Sitz in Berlin, als eine der Autorinnen geführt wird. So nahmen wir mit dem Verlag unter dem Motto „Wie Bücher weiterwirken …“ Kontakt auf. Ein anderes Buch, von diesem Verlag herausgegeben, war nämlich der Anlass, dass wir begannen, uns mit Herrendarstellerinnen zu beschäftigen und jetzt auch als solche auftreten: „Die Muschelöffnerin“ von Sarah Waters. Das und unsere Geschichte erzählten wir also kurz in einer Mail und baten darum, den Kontakt zu Frau Bührmann herzustellen. DSCF4961Unser Wunsch, Traude Bührmann persönlich kennenzulernen, ging in Erfüllung. Mehr als das, die beiden Verlegerinnen waren von unserer Geschichte so begeistert, dass sie diese gleich auf ihre Website stellten. Und Traude Bührmann trafen wir insgesamt gleich drei Mal. Sie kam zu einem unserer Auftritte auf dem Hackeschen Markt und interessierte sich sehr dafür, wie es im Moment um die Straßenkunst bestellt ist. Da sie auch Stadtführerin in Berlin ist, kamen wir in den Genuss, eine ganz private Führung zu erhalten. Das Ziel war das Tempelhofer Feld, ehemaliger Flughafen von Berlin. Nach der Stilllegung des Flughafens, haben die BürgerInnen von Berlin per Volksentscheid durchgesetzt, dass dieses Gelände nicht verbaut, sondern als Freizeitareal genutzt wird. Und das wird es, und wie! Radfahren, Skaten, Drachensteigen, Gärtnern, Grillen, Chillen, … – vor allem am Wochenende finden sich hier unzählige Menschen ein und beleben das weite, freie Feld. „Dieser Volksentscheid zeigt, dass wir wirklich etwas bewirken können“, erzählt Traude Bührmann stolz, denn er hat sich gegen massiven Widerstand von der Stadtregierung durchgesetzt.

DSCF4954Als wir dort sind, haben wir noch eine andere interessante Begegnung. Wir kommen an einem Stand mit jungen Menschen vorbei, von denen wir angesprochen werden. Sie seien TänzerInnen und für ein Projekt würden sie Briefe an den Tanz sammeln, ob wir bereit wären etwas zu schreiben. Wenn das kein Zufall ist – eine Autorin und zwei Tänzerinnen schreiben also jeweils einen Brief an den Tanz. Als „Danke“ erhalten wir bereits die Eintrittskarten zu der Performance, in die diese Briefe einfließen werden. Wäre ein schöner Grund, um wieder nach Berlin zu kommen. Aber dass wir wieder kommen müssen, ist nach dem letzten Abend sowieso klar.

wft-imagekarte4-page-001Der zweite Kontakt, den wir geknüpft haben, ist mit Women Fair Travel. Die Frau dahinter ist Evelyn Bader, die schon lange Reisen für Frauen veranstaltet. Auch sie hatte sofort Interesse daran, uns kennenzulernen. Schon die erste Begegnung war von gegenseitigem Wohlwollen geprägt und mittlerweile ist daraus eine Kooperation geworden. Women Fair Travel veranstaltet über Silvester eine Tangoreise nach Umbrien (wo wir ein Jahr gelebt haben!) und wir leiten die Tango-Workshops. Bei einem unserer Treffen mit Evelyn entstand dann auch die Idee, an einem Abend bei ihnen in der Straße aufzutreten. Und das war an unserem letzten Abend in Berlin. Nach einem verregneten Vormittag, begann es nachmittags aufzureißen, um einem Sommerabend, wie man ihn sich nur wünschen kann, Platz zu machen. Die Crellestraße, in der das Büro von Women Fair Travel liegt, öffnet sich ein paar Schritte von diesem entfernt, zu einem kleinen Platz. Der Platz ist von einigen Lokalen mit Tischen im Freien umgeben und hat ein bisschen französisches Flair. Dort traten wir also in der Abendsonne auf und füllten den Platz mit Tangomusik. Wir hatten begeistertes Publikum von kleinen Kindern bis zu TangotänzerInnen, vielen Frauen – Freundinnen von Evelyn, darunter auch Traude Bührmann, bis zu einem Zuseher, der uns im Nachhinein ein Video und Fotos von dem Auftritt geschickt hat. Der „l’ultimo Tango“ in Berlin hätte nicht schöner sein können. Mit Evelyn, Traude und deren Freundinnen sind wir dann noch in einem der Lokale bis spät nachts zusammen gesessen, bei gutem Essen, gutem Wein und anregenden Gesprächen.

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So fiel uns der Abschied von Berlin nicht ganz leicht. Aber dieser Abend und die Begegnungen wirken weiter. Bis hierher ins Südburgenland – ich sitze, während ich das schreibe, an einem ebenso schönen Sommerabend auf unserer Terrasse und lasse unseren Berlinaufenthalt mit großer Dankbarkeit nachklingen …

Andrea