Berlin klingt nach …

Berlin klingt nach …

Nun sind wir zwar schon eine Woche zuhause und genießen wieder das Landleben, aber ich muss diesmal doch noch von Berlin berichten – von unserem letzten Abend da und von den Begegnungen, die diesen Abend möglich gemacht haben.

Also, wir hatten die Idee, wenn wir schon in Berlin sind, die Zeit auch fürs Kontakteknüpfen zu nützen. Ich habe ja schon in meinem ersten Berlin-Artikel erwähnt, dass das Buch „Die Straßensängerin“ eine Inspirationsquelle für unseren Weg war. Nun wussten wir, dass die Autorin dieses Buches, Traude Bührmann, in Berlin lebt und beim Verlag Krug und Schadenberg, ebenfalls mit Sitz in Berlin, als eine der Autorinnen geführt wird. So nahmen wir mit dem Verlag unter dem Motto „Wie Bücher weiterwirken …“ Kontakt auf. Ein anderes Buch, von diesem Verlag herausgegeben, war nämlich der Anlass, dass wir begannen, uns mit Herrendarstellerinnen zu beschäftigen und jetzt auch als solche auftreten: „Die Muschelöffnerin“ von Sarah Waters. Das und unsere Geschichte erzählten wir also kurz in einer Mail und baten darum, den Kontakt zu Frau Bührmann herzustellen. DSCF4961Unser Wunsch, Traude Bührmann persönlich kennenzulernen, ging in Erfüllung. Mehr als das, die beiden Verlegerinnen waren von unserer Geschichte so begeistert, dass sie diese gleich auf ihre Website stellten. Und Traude Bührmann trafen wir insgesamt gleich drei Mal. Sie kam zu einem unserer Auftritte auf dem Hackeschen Markt und interessierte sich sehr dafür, wie es im Moment um die Straßenkunst bestellt ist. Da sie auch Stadtführerin in Berlin ist, kamen wir in den Genuss, eine ganz private Führung zu erhalten. Das Ziel war das Tempelhofer Feld, ehemaliger Flughafen von Berlin. Nach der Stilllegung des Flughafens, haben die BürgerInnen von Berlin per Volksentscheid durchgesetzt, dass dieses Gelände nicht verbaut, sondern als Freizeitareal genutzt wird. Und das wird es, und wie! Radfahren, Skaten, Drachensteigen, Gärtnern, Grillen, Chillen, … – vor allem am Wochenende finden sich hier unzählige Menschen ein und beleben das weite, freie Feld. „Dieser Volksentscheid zeigt, dass wir wirklich etwas bewirken können“, erzählt Traude Bührmann stolz, denn er hat sich gegen massiven Widerstand von der Stadtregierung durchgesetzt.

DSCF4954Als wir dort sind, haben wir noch eine andere interessante Begegnung. Wir kommen an einem Stand mit jungen Menschen vorbei, von denen wir angesprochen werden. Sie seien TänzerInnen und für ein Projekt würden sie Briefe an den Tanz sammeln, ob wir bereit wären etwas zu schreiben. Wenn das kein Zufall ist – eine Autorin und zwei Tänzerinnen schreiben also jeweils einen Brief an den Tanz. Als „Danke“ erhalten wir bereits die Eintrittskarten zu der Performance, in die diese Briefe einfließen werden. Wäre ein schöner Grund, um wieder nach Berlin zu kommen. Aber dass wir wieder kommen müssen, ist nach dem letzten Abend sowieso klar.

wft-imagekarte4-page-001Der zweite Kontakt, den wir geknüpft haben, ist mit Women Fair Travel. Die Frau dahinter ist Evelyn Bader, die schon lange Reisen für Frauen veranstaltet. Auch sie hatte sofort Interesse daran, uns kennenzulernen. Schon die erste Begegnung war von gegenseitigem Wohlwollen geprägt und mittlerweile ist daraus eine Kooperation geworden. Women Fair Travel veranstaltet über Silvester eine Tangoreise nach Umbrien (wo wir ein Jahr gelebt haben!) und wir leiten die Tango-Workshops. Bei einem unserer Treffen mit Evelyn entstand dann auch die Idee, an einem Abend bei ihnen in der Straße aufzutreten. Und das war an unserem letzten Abend in Berlin. Nach einem verregneten Vormittag, begann es nachmittags aufzureißen, um einem Sommerabend, wie man ihn sich nur wünschen kann, Platz zu machen. Die Crellestraße, in der das Büro von Women Fair Travel liegt, öffnet sich ein paar Schritte von diesem entfernt, zu einem kleinen Platz. Der Platz ist von einigen Lokalen mit Tischen im Freien umgeben und hat ein bisschen französisches Flair. Dort traten wir also in der Abendsonne auf und füllten den Platz mit Tangomusik. Wir hatten begeistertes Publikum von kleinen Kindern bis zu TangotänzerInnen, vielen Frauen – Freundinnen von Evelyn, darunter auch Traude Bührmann, bis zu einem Zuseher, der uns im Nachhinein ein Video und Fotos von dem Auftritt geschickt hat. Der „l’ultimo Tango“ in Berlin hätte nicht schöner sein können. Mit Evelyn, Traude und deren Freundinnen sind wir dann noch in einem der Lokale bis spät nachts zusammen gesessen, bei gutem Essen, gutem Wein und anregenden Gesprächen.

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So fiel uns der Abschied von Berlin nicht ganz leicht. Aber dieser Abend und die Begegnungen wirken weiter. Bis hierher ins Südburgenland – ich sitze, während ich das schreibe, an einem ebenso schönen Sommerabend auf unserer Terrasse und lasse unseren Berlinaufenthalt mit großer Dankbarkeit nachklingen …

Andrea

Straßenkunst in Berlin

Straßenkunst in Berlin

Ja, hier in Berlin lebt sie wirklich noch, die Straßenkunst – vor allem in Form von Straßenmusik. Das neueste GEO Special über Berlin hat sogar der Straßenmusik einen ausführlichen Beitrag gewidmet, den wir schon im Vorhinein mit großem Interesse gelesen hatten. Hier gibt es wirklich junge MusikerInnen, die lieber auf der Straße musizieren, als sich mit einem Plattenvertrag zu binden und damit ihre Freiheit aufzugeben. Manche von ihnen sind trotzdem so erfolgreich, dass sie davon leben können. Und so sieht man hier auch, wenn man durch Berlin streift, an allen möglichen oder auch unmöglichen Ecken (z.B. die lauteste Straßenkreuzung Berlins) MusikerInnen aller Genres. Fast alle sind mit Verstärkeranlagen ausgestattet, worüber wir anfangs sehr gestaunt haben, denn das ist in jeder anderen Stadt verboten. Die insgesamt liberalen Bestimmungen für Straßenkunst und die offene Atmosphäre dieser Stadt machen eben diese lebendige und kreative Straßenkunstszene möglich. So waren wir natürlich sehr gespannt, wie es uns hier ergehen wird in dieser riesigen Stadt, mit viel Konkurrenz und unserem neuen Programm.

DSCF4726Die Suche nach geeigneten Auftrittsorten hat sich erst einmal schwieriger herausgestellt, als wir erwartet hatten. Einerseits brauchen wir einen tanzbaren Boden, in Berlin gibt es sehr viel Kopfsteinpflaster, und andererseits fürs Tanzen auch viel mehr Platz als MusikerInnen, wir können uns nicht an jede Straßenecke stellen. Auf wiederum zu großen Plätzen wie dem Alexanderplatz verlieren wir uns und außerdem fühlen wir uns besser, wenn wir Rückendeckung haben. So waren unsere ersten Auftritte hier eher frustrierend. Als erstes versuchten wir es wie gesagt gleich einmal am Alexanderplatz. Aber auf diesem riesigen Platz mit Menschenmassen, hatten wir das Gefühl, wir gehen unter. Als dann auch noch eine christliche „Sekte“ eine Missionsveranstaltung mit einer platzbeschallenden Verstärkeranlage abhielt, wussten wir, das war´s hier für uns!

Am nächsten Tag versuchten wir es auf der Museumsinsel, da auf Grund des langen Wochenendes sehr viele TouristInnen in der Stadt waren. Am liebsten hätten wir in den Kolonnaden der Alten Nationalgalerie getanzt, ein wunderschöner Ort, aber auf Nachfrage beim Wachpersonal durften wir da nicht auftreten, ist ja auch kein öffentlicher Raum. Also haben wir den Platz davor ausgewählt, bei dem uns allerdings die Rückendeckung fehlte. Menschen kamen aus allen Richtungen und so taten wir uns mit der Ausrichtung unseres Stückes schwer. Außerdem gab es hier auch eine Begegnung, die uns sehr irritierte. Bald nachdem wir angefangen hatten, tauchte eine andere Straßenmusikerin mit Ziehharmonika auf. Sie platzierte sich direkt neben uns und obwohl wir gerade mitten in unserem Stück waren und auch Publikum hatten, begann sie laut auf ihrem Instrument zu spielen und auch zu singen, leider nicht einmal gut. Anfangs versuchten wir sie zu ignorieren, aber da fing sie dann an, uns ganz bewusst zu stören, indem sie ganz in unseren Raum eindrang. Wir suchten also das Gespräch, merkten aber bald, dass das zu nichts führen würde, dann sie begann sofort in einer fremden Sprache herumzuschreien und uns zu beschimpfen. Sigrid wollte anfangs noch unseren Platz verteidigen, aber ich hatte unter diesen Umständen keine Lust, hier länger zu bleiben. Wir fingen also auch noch an zu streiten, anstatt das Ganze mit Humor zu nehmen. Ziemlich genervt, verärgert und frustriert packten wir unsere Siebensachen und zogen ab. So eine Erfahrung hatten wir noch nie gemacht. Und auch daran merkten wir, Berlin ist eben ein anderes Pflaster. Aber zum Glück hat sich das Blatt inzwischen gewendet.

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Mittlerweile haben wir unseren Platz gefunden. Es scheint hier überhaupt so zu sein, dass jede/r Künstler/in einen Platz hat, an dem er/sie hauptsächlich auftritt. Nun, unserer ist der Hackesche Markt. Wie der Name sagt, findet hier zweimal die Woche ein Markt statt. Es ist ein sehr netter Platz mit Bäumen, vielen Lokalen, Bänken zum Verweilen, einem S-Bahnhof (gut für unser Stück, das ja auf einem Bahnhof spielt!) und stark frequentiert, da die Hackeschen Höfe daneben ein Touristenmagnet sind. Vor einem blühenden Kastanienbaum und vielen Sträuchern, nach drei Seiten offen, haben wir unseren idealen Platz gefunden. Hier haben wir unser Stück bereits sechsmal (an zwei Tagen mit je drei Durchgängen) mit Erfolg und begeistertem Publikum aufgeführt. Und es hat uns wieder gepackt, dieses Fieber, das uns förmlich auf die Straße zieht, um aufzutreten. Es macht uns einfach Riesenspaß zu tanzen und zu spielen und dem Publikum zu begegnen. Und wir hatten wieder einige wunderbare Begegnungen. Zum Beispiel mit einer jungen, spanisch sprechenden Straßenkünstlerin, die mit Seifenblasen Kunststücke vollführt. Auch hier war es so, dass sie kurz nach uns auf dem Platz eintraf, aber sofort fragte, ob es für uns okay wäre, wenn sie neben uns ihre Darbietungen mache, da wir ohnehin ein anderes Publikum ansprechen würden. Wir waren einverstanden und haben uns sogar gegenseitig befruchtet, denn Leute, die zuerst bei ihr stehen blieben, haben dann auch bei uns zugesehen und umgekehrt. Und wir haben inmitten von Seifenblasen getanzt. Das hat, glaube ich, wunderschön ausgesehen, denn es wurden sehr viele Fotos gemacht. Nach jeder Aufführung von uns wurden wir auch von Leuten aus dem Publikum angesprochen, die uns Komplimente machten oder von einer Fotografin, die fragte, ob sie Porträts von uns machen dürfe. Eine Begegnung wird uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Mit einem Berliner, der zuerst einmal feststellte: „Ihr habt sicher schon bemerkt, dass es in Berlin sehr viel Straßenkunst gibt, leider ist sie nicht immer gut, aber das, was ihr macht, ist etwas ganz Besonderes.“ Nach unserem Gespräch hatte er sich dann eigentlich schon verabschiedet, kam aber nochmals zurück, um uns spontan zu sich nach Hause einzuladen, er würde nicht weit von hier wohnen. Nach unserem letzten Auftritt an diesem Tag suchten wir also seine Wohnung auf und wurden herzlich empfangen. Eine wunderschöne Wohnung in Top-Lage mit Dachterrasse! Hier saßen wir dann bei Sonnenuntergang über Berlin und wurden von unserem Gastgeber mit köstlicher Jause und ausgezeichnetem Wein verwöhnt. Die Gespräche mit ihm waren so interessant, die Atmosphäre so angenehm, der Abend so lau, dass wir bis 11.00 Uhr nachts blieben, um dann reich beschenkt den Heimweg anzutreten. Diese Erlebnisse sind es unter anderem, die Straßenkunst so schön machen!

Im Moment hat uns das Wetter wieder ein paar Pausentage beschert, die auch guttun. Wir haben zwar kaum Regen, aber es hat extrem abgekühlt, gestern hatten wir nicht einmal 10 Grad und starken Wind, äußerst ungemütlich. Aber sobald es besser wird, werden wir wieder den Hackeschen Markt bespielen.

Aus dem lauten, spannenden, coolen Berlin grüßt euch

Andrea

Kunst kann Straße – kann Straße Kunst?

Kunst kann Straße – kann Straße Kunst?

Hallo,

diesmal aus dem Westen Österreichs. Ich sitze gerade im Zug von Innsbruck nach Graz, und an den Fenstern gleitet eine wunderschöne, herbstliche Gebirgslandschaft vorbei. Nun, was hat uns nach Innsbruck geführt? Wir erhielten eine Einladung von unserem lieben Freund Tom Zabel, der seit 1985 als Straßenkünstler arbeitet. Er war schon auf zahlreichen Straßenkunstfestivals und macht Theater auf Augenhöhe für Kindergärten, Schulen, Festivals und Feste. Straßenkunst und auch der Kontakt zu anderen KünstlerInnen ist ihm ein besonderes Anliegen. So hat er an diesem Wochenende ein Straßenkunst-Event unter obigem Titel organisiert. Es sollte ein Come-together vor allem für StraßenkünstlerInnen aus Tirol (wir aus dem Südburgenland waren als special guests geladen) sein – einerseits ein Rahmen für Auftritte  und andererseits ein Raum für Austausch der teilnehmenden KünstlerInnen. Als wir die Einladung dazu erhielten, waren wir sofort begeistert, fanden die Idee großartig und es war schnell klar, dass wir dabei sein wollten. Mit unserem kleinen Stück namens „Encuentro“ (Begegnung), mit dem wir eine Tangogeschichte erzählen, im Gepäck, machten wir uns also auf nach Westen.

_MG_2293Ein herzlicher Empfang von Tom und Innsbruck bei strahlendem Sonnenschein eröffneten das Wochenende. Das Event verlief dann aber etwas anders als geplant. Als Location dafür hatte Tom das „Motel“ ausgewählt, eine ehemalige Recyclingfabrik, die nun als Kulturraum genutzt und von Vinzenz Mell mit viel Engagement betrieben wird. Ein „schräger“ Ort als Kulisse für dieses Event, das dann aber leider nur wenige so interessant fanden, um auch zu kommen. Als KünstlerInnen waren außer dem Veranstalter Tom nur wir vertreten, und auch die BesucherInnen waren spärlich gekommen. Aber wir versuchten, aus der Situation das Beste zu machen. Wir traten zweimal vor einer kleinen Gruppe Publikum auf und tanzten sogar auf dem Dach des „Motel“ mit der Nordkette im Hintergrund. Als „magisch“ hat eine Besucherin unseren Auftritt bezeichnet, und so wirken auch einige Fotos, die dabei entstanden sind. Es war nämlich ein wunderbarer Fotograf, Chris Niewo, anwesend, der uns mit diesen Fotos beschenkt hat.

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Schade fanden wir, dass der Austausch mit anderen KünstlerInnen ausfiel, denn darauf hatten wir uns besonders gefreut. Aber die interessanten Gespräche mit Tom, für die es dadurch mehr Zeit gab, haben diesbezüglich einiges wett gemacht. Und auch die Podiumsdiskussion, die dann am Abend doch stattfand und bei der es um die Frage ging, welchen Stellenwert Straßenkunst für das kulturelle Leben einer Stadt hat. An der Diskussion haben außer uns StraßenkünstlerInnen, Mesut Onay, ein Gemeinderat der Grünen, Vinzenz Princell, der Betreiber des Motel, und einige Leute aus dem Publikum teilgenommen. Darunter die junge Medizinstudentin Vera Wallner, die ausgehend von dieser Diskussionsrunde, einen Beitrag im Radiosender „Freirad“ über Straßenkunst gestalten möchte. Sobald dieser fertig ist, könnt ihr unter folgendem Link die Diskussion mit verfolgen: Hier zum Radiobeitrag

Nun, wir nähern uns immer mehr wieder den östlichen Gefilden und nehmen Auftrittserfahrungen, Gedanken aus Gesprächen und Begegnungen, Eindrücke von einem golden strahlenden Innsbruck und wunderschöne Fotos mit.

Andrea

Wien im Hochsommer

Wien im Hochsommer

Hallo!

Wien im Hochsommer: heruntergekühlte U-Bahnen und Geschäfte, Menschenmassen auf dem kleinen Schattenstreifen in der FuZo, 50 m lange Warteschlangen bei der Kasse eines Freibades und eine Schlägerei in einem solchen mit 15 Badegästen, Mittagessen mit einer Freundin am Nordpol (das passende Lokal, oder?!), Urlaubsfeeling am Donaukanal und ein angenehmer Abendbummel ab 20.00 Uhr bei nur mehr 35 Grad. Und auch wenn wir heute wegen der Hitze den zweiten Pausentag beim Tanzen einlegen, so sind wir trotzdem in Sachen AdanzaS auf Shoppingtour. Bei den letzten Auftritten hat Andrea nämlich im wahrsten Sinne des Wortes ihre Schuhe durchgetanzt und so brauchen wir dringend Ersatz. Es ist aber leider gar nicht so einfach, für unser Herrenoutfit passende Schuhe zu finden, da unsere Füße für Herrenschuhe recht klein sind. Wir wüssten schon ein Geschäft, in dem wir meine Tanzschuhe gekauft haben, aber das ist in Buenos Aires …

Von zwei ganz besonderen Auftritten der letzten Woche möchte ich noch erzählen.

Am vorletzten Montag hatten wir, wie Andrea schon erwähnt hat, einen Platz in der Kärntnerstraße zugeteilt. Beim Eintreffen waren wir gar nicht so ganz zufrieden, weil dort, wo wir tanzen sollten, ein Schanigarten und die Bar eines Lokals waren. Wir haben uns dann entschieden, einfach in den Gehbereich der FuZo hineinzutanzen und das war scheinbar keine schlechte Idee, denn schon nach kurzer Zeit hat sich ein großer Kreis von Menschen um uns gebildet. Immer wieder im Laufe dieses Abends hatten wir so einen Menschenkreis um uns, der sich mal auflöste, mal neu formierte. Wenn wir in letzter Zeit bei anderen StraßenkünstlerInnen so viel Publikum gesehen haben, dann dachten wir immer, mit Tango kann man bestimmt nicht so viele Leute ansprechen und so viel Publikum werden wir wohl nie erreichen – und nun war es doch so. Es war ein total schönes Gefühl!

Diesen Montag nun war unser Standort am Schwedenplatz. Wieder waren die Bedingungen scheinbar nicht ganz günstig, da wir nicht direkt dort tanzen konnten, wo die Menschen in großer Zahl von der U-Bahn in die City strömten und von der anderen Seite der Verkehrslärm recht störend war. Aber wir fanden ein Plätzchen unter Platanen und tanzten los. Bald schon blieben die ersten ZuschauerInnen stehen und auch wenn es diesmal bei weitem nicht so viele waren, ist eine enorme Stimmung aufgekommen. Bei langsamen, ruhigen Tangos habe ich die volle Konzentration bei allen gespürt und bei schnellen Tangos haben einige begonnen uns richtig anzufeuern. Wir konnten uns ans diesem Abend so richtig fallen lassen in unseren Dialog miteinander und in den Dialog mit dem Publikum. Ich habe diese Energie, die dabei entsteht, noch nie so intensiv gespürt und am Ende des Auftrittes war ich richtig „high“. Es ist einfach faszinierend, was wir beim Straßentanz erleben und was wir dabei von den Leuten zurückbekommen. Obwohl es jetzt so heiß ist, kann ich es fast nicht erwarten, bis wir wieder tanzen können. Am Freitag und am Samstag sind unsere nächsten Auftritte geplant – einmal am Donaukanal und einmal in der Kärntnerstraße. Wir sind schon gespannt, wie es an diesen Plätzen beim zweiten Mal sein wird.

Liebe Grüße

Sigrid

 

 

Wien tanzt!

Wien tanzt!

Hallo aus einem heißen Wien!

Bei uns kommen gerade Buenos Aires-Gefühle hoch – Hitze in der Stadt erinnert uns sehr daran, und außerdem kommen wir hier mit vielen Menschen über Buenos Aires ins Gespräch. Gestern erst hat uns eine Frau, die uns beim Tanzen auf der Straße zugesehen hat, gefragt, woher wir kommen. Als wir sagten, wir seien eh aus Österreich, hat sie uns zuerst nicht geglaubt. Sie meinte dann total erstaunt, darauf wäre sie nie gekommen, sie dachte wir seien aus Lateinamerika. Und da haben wir erzählt, dass wir in Buenos Aires waren. Diese Begegnung war aber nicht die einzige, bei der es um die Tango-Hauptstadt ging. Ein anderes Mal haben wir beim Tanzen sogar einen Porteno kennengelernt. Wir hatten unseren Auftritt in der Kärntnerstraße. Als wir gerade zu dem wunderbaren Tango „Vida mia“ tanzten, stand plötzlich ein Mann neben uns und hat mitgesungen. Es stellte sich heraus, dass er aus Buenos Aires kommt, aber schon 30 Jahre in Wien lebt und Tangosänger ist. Er ist dann bis zum Schluss geblieben und hat immer wieder zu Tangos von uns gesungen. Von ihm haben wir auch eines der schönsten Komplimente bekommen, als er meinte, wir tanzen „con corazon“. Jedenfalls hat er unser Kärtchen mitgenommen und gemeint, er meldet sich für einen nächsten gemeinsamen Auftritt. Schöne Begegnungen wie diese hatten wir schon wieder viele, und das Tanzen war auf allen Plätzen großartig – bis auf den Donaukanal. Im Vorjahr unser Lieblingsplatz und heuer der einzige Platz, an dem keine Stimmung aufkam, niemand stehen und der Hut leer blieb. Sehr eigenartig, oder? Einmal wollen wir es dort aber noch probieren, vielleicht war es eine Ausnahme, wir werden sehen.

Nun, hier in Wien tanzen zurzeit nicht nur wir trotz der großen Hitze. Es findet gerade das Impulstanz-Festival statt, das größte Festival für zeitgenössischen Tanz in Europa mit zahlreichen Workshops und Performances. Wir waren bei der Eröffnung und besuchen einige Performances. Die Eröffnung war ein ziemliches Wow-Erlebnis. Doris Uhlich, die als Nackttänzerin berühmt geworden ist, war für die Choreografie verantwortlich, und so haben 20 junge Tänzerinnen und Tänzer eine Stunde lang nackt die Bühne zum Beben gebracht. Es war eine einzige Hommage an den menschlichen Körper – sehr faszinierend. Ganz anders dagegen, nicht weniger faszinierend, war eine Performance von 6 Frauen. Die Bedingungen waren zwar ein Wahnsinn, denn das Ganze fand in einer riesengroßen, barackenartigen Halle statt, in der es sicher 40 Grad, wenn nicht mehr, hatte. Jedenfalls ist der Schweiß geronnen, ohne dass man sich gerührt hat und diese 6 Frauen haben eine Stunde lang getanzt. Es ging dabei um Nähe und Distanz, Begegnungen und sich wieder verlieren, Gefühle aller Art, … . Auch ein ganz besonderes Erlebnis.

Also ihr seht, wir sind hier eingetaucht in Tanzerlebnisse aller Art, aber auch ins Stadtleben und heute zur Abkühlung in die Fluten der Alten Donau. Jetzt machen wir uns gleich auf den Weg ins Lokal, in dem meine Cousine arbeitet, und nehmen dort an einem Quizabend teil. Also lassen wir einmal die Köpfe rauchen statt unsere Körper tanzen.

Viele liebe Grüße

Andrea

Begegnungen …

Begegnungen …

Salve auch von mir!

Mittlerweile sind wir hier in Montichiari wirklich schon ziemlich zuhause. Man kennt uns in den Bars, in der Bäckerei, am Markt, … Wir wurden hier anfangs für Engländerinnen (wegen unserer Hüte?) oder Spanierinnen (weil wir in unser Italienisch leider immer wieder spanische Worte mischen?) gehalten, mittlerweile glaube ich, wissen alle, dass wir aus Österreich sind und wir werden behandelt, als wären wir hier schon seit jeher Stammkundinnen. Sehr angenehm!

4715119311_ddbd8dc83c_bAuch beim Tanzen hatten wir wieder einige sehr schöne Begegnungen. Begonnen hat unsere Arbeitswoche in Brescia, das ist hier die Provinzhauptstadt. Dort stand die ganze letzte Woche im Zeichen der 1000 Miglia. Was das ist? Das bekannteste Oldtimerrennen hier in Italien: von Brescia nach Rom und wieder zurück, 1000 Meilen (= 1600 km) werden an vier Tagen zurückgelegt. Wir waren am Tag vor dem Start in Brescia, als die TeilnehmerInnen ihre Ehrenrunden durch die Stadt drehten. Ein Riesenspektakel! Nun, auf der Suche nach einem Platz für unsere Tanzvorführung wurden wir recht schnell fündig. Auf der Piazza Loggia, die ihren Namen von der riesengroßen Loggia des Stadtpalastes hat, nahmen wir direkt vor dieser Aufstellung. In der Loggia wurden gerade Vorbereitungen für einen Empfang am Abend getroffen. Sigrid hatte zuvor bei der Verantwortlichen dieser Vorbereitungen angefragt, ob es ok. wäre, wenn wir hier eine Tango-Performance geben. Ihre Antwort: You are welcome! Das ist überhaupt das Beste hier. Wir haben uns ja im Vorhinein überhaupt nicht über Bestimmungen für Straßenkunst informiert. Wir suchen uns hier einfach Plätze aus, die uns gefallen, fragen diejenigen, die gerade da sind, ob das okay geht und tanzen los, solange es uns gefällt. Bis jetzt waren wir immer willkommen und hatten keinerlei Probleme. So etwas Überflüssiges wie eine Ordnungswache gibt es hier gar nicht, und die Polizei kümmert sich überhaupt nicht um uns, im Gegenteil. In Brescia war ja auf Grund der Veranstaltung auch viel Polizei unterwegs, und ein Polizist hat uns sogar eine Zeitlang zugesehen. Außerdem brauchen wir auch keine Tanzunterlage, denn wir finden hier überall bestens zum Tanzen geeignete Steinböden vor, eine große Erleichterung.

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Allora, wir hatten uns in Brescia wieder den schönsten Platz ausgesucht, und gerade als wir unsere neueste Performance zum ersten Mal aufführen, sind viele Pressefotografen anwesend. Mit einem Mal sind wir umringt von FotografInnen, es wird ein Bild nach dem anderen geschossen, und die Aufmerksamkeit gilt voll und ganz uns und nicht den alten Autos. Ein sehr schönes Gefühl! Sigrid spricht nachher einen der Fotografen an, ob er uns einige Bilder zukommen lassen könnte. Er verspricht es. Wir lernen auch eine junge Tänzerin aus Brescia kennen, die uns sehr lange zugesehen und auch fotografiert hat. Auch sie verspricht uns Bilder. Wir werden sehen, bis jetzt haben wir keine erhalten. Sie erzählt uns, dass sie an einer Tanz-Performance beteiligt war, die in dieser Loggia stattgefunden hat. Ein schöner Zufall!

Auch in Saló, einem sehr netten Ort am See, hatten wir besondere Begegnungen. Wir tanzten da am Lungolago direkt am See. Eine ältere Dame auf passeggiata mit ihrer Tochter ist so begeistert von uns, dass sie uns nach jedem Tanz umarmt, abbusserlt und mit ihren “Che bello!”- Ausrufen gar nicht fertig wird. Auch eine Angestellte der Schifffahrtsgesellschaft vor Ort schaut uns lange zu. Als wir gerade Pause machen und Sigrid unterwegs ist, um für uns ein Eis zu holen, spricht sie mich an und meint: “Complimenti Signora, siete veramente speziale!” Aber in unserem Publikum sind nicht nur Frauen. Es sind hier auch die Männer, die uns fasziniert, man sieht es an ihren Gesichtern, zuschauen und uns auch Geld geben. Und auch immer wieder Kinder. Hier in Saló spricht uns ein Junge aus Tirol an und meint: “Ihr tanzt sehr gut. Wie lange tanzt ihr schon?” Gerade diese Begegnungen sind es, die das Tanzen auf der Straße so schön machen, dieser unmittelbare und direkte Kontakt mit dem Publikum.

Mit großer Dankbarkeit verabschiede ich mich für heute aus Bella Italia.

Ciao, Andrea

 

 

Grandiose Auftritte am Gardasee

Grandiose Auftritte am Gardasee

Ciao, nun also zum Tanzen…

Gleich vorweg, wir sind sehr froh, dass wir uns von den ersten Versuchen als Straßentänzerinnen in Wien und Köln im letzten Jahr nicht entmutigen haben lassen, sondern für uns zu dem Schluss gekommen sind, dass wir uns gerade in unseren „Lehr- und Wanderjahren“ befinden, und dass diese eben nicht mit einer Saison abgeschlossen sein können. Es war gar nicht so ganz leicht nach fast einem Jahr wieder auf die Straße zu gehen, wir waren ähnlich aufgeregt wie letztes Jahr. Aber bei unseren Orientierungsfahrten in den ersten Tagen hier haben wir schon einige tolle Plätze entdeckt, und so konnte es Mitte der Woche losgehen.

10391270553_0bb424d63e_bAm ersten Abend waren wir für italienische Verhältnisse einfach zu früh dran, am späten Nachmittag sind noch viel zu wenige Leute unterwegs gewesen. So sind wir beim nächsten Mal erst um 20.00 Uhr in Lazise, einem Ort am Ostufer, in dessen Umgebung es viele Campingplätze und Agritourismi gibt, eingetroffen. Der Platz, den wir ausgesucht hatten, war einfach großartig: direkt an der Seepromenade, mit dem Sonnenuntergang im Hintergrund, gibt es da eine gepflasterte Kreisfläche mit Steinbänken im Halbkreis. Der Boden war traumhaft zum Tanzen geeignet, und die Leute haben uns beim Flanieren und von den umliegenden Restauranttischen aus gesehen. Wer wollte, ließ sich für längere Zeit auf den Bänken nieder, andere wieder sind nur kurz stehengeblieben. Kurzum, es war unbeschreiblich toll! Wir hatten noch nie so viel Publikum,  und wir konnten uns von der Stimmung und dem Publikum richtig inspirieren lassen. Mit unserem neuen Outfit als coole Jungs mit Hosenträgern sind wir auch viel frecher und trauen uns mehr zusätzlich zum Tanzen auch mit der Rolle zu spielen. Um 22.00 Uhr waren wir total erschöpft und glücklich, und im Hut befanden sich knapp 70 Euro!  Nur eines hat an diesem Abend nicht so geklappt, wie wir es erhofft haben: Die Performance “El clase de Tango”, die wir in den letzten Monaten erarbeitet haben, ist nicht so gut angekommen und wir werden sie deshalb vorerst nicht verwenden. In unserer Trainingszeit arbeiten wir aber gerade an einer zweiten Performance mit dem Titel “wo/men performing tango“ und wir hoffen, dass wir diese am kommenden Wochenende schon einsetzen können.

Am Freitag dann haben wir wieder mal eine Lektion für unser Erfahrungskonto erhalten. Wir sind fertig gestylt um 19.00 Uhr losgefahren und waren 45 Minuten später pünktlich zum Beginn des Gewitters in dem Ort, in dem wir auftreten wollten. Das Wetter ist für uns wirklich immer eine schwierige  Sache. So ist es bei einer unfreiwilligen Spazierfahrt geblieben.

Am Samstag dann sind wir um 19.30 Uhr auf der Piazza in Desenzano eingetroffen. Dies ist der größte Ort am See und er ist nicht so stark touristisch geprägt. So waren an diesem Abend auch hauptsächlich ItalienerInnen und nur einige wenige TouristInnen unterwegs. Die Stimmung war deshalb auch ganz anders als in Lazise. Wir haben uns einen Platz unter einer Loggia, wieder mit Steinplatten als guten Tanzboden, ausgesucht. Gleich daneben war eine kleine Bar und so haben wir den Besitzer gefragt, ob er etwas dagegen hat, wenn wir hier tanzen. Er war nicht nur einverstanden, sondern er hat uns dann den ganzen Abend über versorgt mit Getränken und sogar einem Stück Kuchen in einer Pause! Wahnsinnig nett!!! Am Anfang ist es uns hier schwerer gefallen, uns aufs Tanzen zu konzentrieren, weil ein unglaublicher Lärmpegel herrschte und die Leute auch nicht gleich so offen auf uns reagiert haben. Dann aber ist der Funke übergesprungen und wir haben bis nach 22.00 Uhr getanzt, getanzt, getanzt, bis wir wirklich völlig k.o. waren. Da war der Abend aber noch lange nicht zu Ende! Eine ältere Frau hat uns nämlich angesprochen, sie liebt Tangomusik und Astor Piazzolla und sie besitzt ein Bandoneon. Ob wir nicht mit in ihre Wohnung kommen wollen, um es anzuschauen. So haben wir also von 22.15 bis 23.15 Uhr einen Besuch gemacht, wurden mit Tee und Kuchen bewirtet und eingeladen, bei einem nächsten Aufenthalt hier in ihrem Gästezimmer zu nächtigen. Der ganze Abend war einfach surreal, aber herzlich und faszinierend zugleich. Naja, und im Hut waren wieder 70 Euro! Die Einnahmen sind hier bis jetzt also deutlich besser als im letzten Jahr. Hoffentlich geht das so weiter.

UnbenanntHeute haben wir uns einen Pausen- und Trainingstag genehmigt. Am bevorstehenden langen Wochenende haben wir nämlich viel vor: In Brescia gibt es das jährliche Oldtimerrennen Mille Miglia und in einigen anderen Orten sind Vintage-Veranstaltungen. Wir meinen, dass wir mit “Tango“ da ganz gut dazu passen und wollen versuchen am Rande dieser Veranstaltungen aufzutreten.

Soweit unsere ersten Erfahrungen hier, und wie immer die weiteren Erfahrungen auch sein werden, es ist einfach ein Traum jetzt im Mai für einen Monat hier sein zu können. Einmal mehr wissen wir, wie gut es war, uns auf den Weg zu machen.…

Cari saluti, Sigrid