The artist is present

The artist is present

Das ist der Titel einer Performance von Marina Abramovic, die man als „Mutter der Performance-Kunst“ bezeichnet. Es ist nun zwar fast 10 Jahre her, dass sie im Rahmen einer Ausstellung über ihre Kunst im MoMa in New York diese Performance gab, aber ich denke das Thema der Präsenz ist aktueller denn je.

Nun, bei dieser Ausstellung, die unter anderem Videos ihrer älteren Arbeiten und von Student*innen nachgestellte Performances zeigte, war Abramovic selbst präsent: Während der gesamten Ausstellungsdauer saß sie drei Monate lang, sechs Tage die Woche, jeweils sieben Stunden in der Mitte des Atriums bewegungslos auf einem Stuhl. Einzeln konnten Zuschauer*innen sich ihr gegenüber setzen, um mit ihr in einen „geistigen Dialog“ zu treten. In einem Dokumentarfilm mit dem gleichnamigen Titel kann man mit verfolgen, was dieses Präsentsein der Künstlerin beim Publikum bewirkt und ausgelöst hat bzw. wie sie sich darauf vorbereitet hat. Ein sehr spannender Prozess! Das zeigt sich schon in der Aussage von Marina Abramovic dazu: „Das Schwierigste ist, etwas zu tun, das dem Nichtstun nahe kommt.“

Aber warum erzähle ich eigentlich davon? Weil das Thema der Präsenz auch im Tango ein wesentliches ist. Und wir uns als Künstlerinnen natürlich auch immer wieder damit auseinandersetzen. Abramovic meint mit dieser Präsenz, in einen anderen Bewusstseinszustand zu kommen, das Bewusstsein einer erhöhten Aufmerksamkeit für sich selbst und die gegenwärtige Umgebung zu entwickeln. So bereitet sie die Student*innen, die für die oben genannte Ausstellung ihre Performances nachstellen, mehrere Tage lang mit Achtsamkeits- und Wahrnehmungsübungen, zum großen Teil in freier Natur, vor. Dieses GANZ DA SEIN im HIER UND JETZT ist nämlich eine ziemlich schwierige Sache, vor allem in unserer schnelllebigen und von digitalen Medien dominierten Zeit.

Vielleicht ist auch deshalb der Tango gerade so beliebt. Denn Angela Nicotra sagt in ihrem Buch Im Kontakt mit der Realität: Der Tango steht für die Möglichkeit, ganz in der Realität, also da zu sein, in einer Realität des Raumes, der Zeit und der Form.

Wir haben heuer im Sommer bei einem Auftritt versucht, diese Art der Präsenz zu verkörpern. Die Tangobilder von Renate Mehlmauer, ich habe davon in einem anderen Blogartikel schon erzählt, haben uns dazu inspiriert. Und auch die Performancekunst von Marina Abramovic war uns Inspiration – auch wenn ich weiß, dass wir Welten von ihrem künstlerischen Format entfernt sind. Bei besagtem Auftritt ist uns diese Präsenz und ein Möglichst-wenig-tun, glaube ich, ganz gut gelungen. Viel schwieriger ist es allerdings bei Straßenauftritten: wenn plötzlich Kirchenglocken zu läuten beginnen, ein Einsatzfahrzeug mit Folgetonhorn vorbeifährt, ein kleines Kind uns zwischen die Beine läuft, … dann selbst präsent zu bleiben, nicht heraus zu fallen, gelingt uns nicht immer. Aber es ist eine wunderbare Herausforderung, es zu üben, immer und immer wieder. Der Tangotanz an und für sich gibt uns dazu ständig die Gelegenheit. Ich zitiere noch einmal Angela Nicotra. Im Tango erleben wir eine andere Qualität der Zeit: alles, was nicht Tanz ist, bleibt außen, ein Gefühl für das Unendliche entsteht, weil Tango ausschließlich im Hier und Jetzt geschieht.

Das kann man sicher auch bei vielen anderen Tätigkeiten erleben, etwa beim Yoga, um nur ein Beispiel zu nennen. Der Tango ist, wie viele Arten der Meditation, ein Arbeiten an der Achtsamkeit und am Bewusstsein für sich selbst und die Welt. So schließt sich der Kreis vom Bewusstseinszustand, den Marina Abramovic beschreibt, bis zu dem, den Tangotänzer*innen erleben und den wir als Künstlerinnen mehr und mehr erlangen.

Andrea

Literatur- und Filmtipp:
Im Kontakt mit der Realität, Angela Nicotra, Logos Verlag Berlin
The artist is present, Marina Abramovic, 2012

Straßenkunst, Berge und Meer

Straßenkunst, Berge und Meer

… immer schön piano wurde zum Motto unserer heurigen Herbstreise, bei der wir jene drei Dinge, die wir so sehr lieben, verbinden konnten: auf der Straße zu tanzen, in den Bergen und am Meer wandern und genießen! Tatsächlich war die Straßenkunst der Anlass für diese Reise, denn wir wurden eingeladen, beim Blausteiner Herbst als Künstlerinnen dabei zu sein und so war auch der Saisonabschluss dieses Jahres keine spontane Straßenkunst, sondern ein Auftritt, zu dem wir gebucht wurden. Erstmals tanzten wir an einem Nachmittag zwei unserer wo/men tango acts. Encuentro gab gewissermaßen schon das Motto vor, denn wir bezeichnen diesen act als Hommage an die Langsamkeit, herausgefallen aus Zeit und Raum! Und auch wenn wir die Ballade für zwei Verrückte als bunt und frech, voller Spaß und Überraschungen beschreiben, so haben wir sie in dieser Straßenkunstsaison ruhiger, tiefer und noch magischer interpretiert.

An einem strahlend schönen Herbsttag war die Stimmung bei diesem Volksfest fröhlich und entspannt, wir tanzten jeden act dreimal und hatten ein begeistertes Publikum. Gleich nach dem ersten Auftritt mit Encuentro kam es, wie so oft bei Auftritten auf der Straße, zu einer schönen Begegnung: eine Frau kam auf uns zu und meinte, sie habe schon seit Jahren einen Vintage-Lederkoffer, der genau für dieses Stück passen würde und den sie uns schenken möchte! Sie gab uns ihre Adresse und bei unserer Abreise am nächsten Tag fuhren wir in Ulm bei ihr vorbei und nahmen tatsächlich einen alten Lederkoffer mit auf die Reise. Einmal mehr erlebten wir die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen in und um Ulm, die wir auch bei den Auftritten im Vorjahr so schätzten. Wer weiß, vielleicht waren wir nicht das letzte Mal dort?

Von Ulm aus machten wir uns nicht direkt auf den Weg nach Hause, sondern wieder einmal wurde aus einem Arbeitstermin ein kleiner Urlaub. Wir fuhren über den Fernpass nach Tirol und weiter ins Oberinntal, denn ich wollte die Gelegenheit nutzen und in jenes Dorf im Tiroler Oberland fahren, aus dem meine Großeltern im Jahr 1938 ausgewandert und nach Graz gezogen sind. Durch das Torhaus betraten wir Pfunds und spazierten durch die Gassen. Jenes Haus, in dem heute das Heimatmuseum zu finden ist, ist das Geburtshaus meiner Großmutter und auch das Elternhaus meines Großvaters, etwas außerhalb des Dorfes, haben wir gefunden. Es war schön, an diesen Ort zu kommen und meiner Geschichte ein wenig nachzuspüren.

 

Über den Reschenpass kamen wir nach Südtirol und machten gleich mal einen ersten Stopp, um einen Espresso zu genießen und in Bella Italia anzukommen.

Der Kaffee war köstlich, aber das mit Italien ist in Südtirol ja bekanntlich nicht so einfach. Ist das jetzt Tirol oder Italien? In den drei Tagen, die wir in Meran verbrachten, sind wir eigentlich ständig hin- und hergewechselt: in den Sprachen ebenso wie beim Essen und Trinken – mittags eine südtiroler Merende mit Speck und Apfelmost, abends italienische Küche vom Feinsten mit einem köstlichen Wein. Nur wenn es um die Vergangenheit geht, führen die Spuren eindeutig nach Tirol und Österreich. Und es sind zwei Frauen, die die Geschicke Merans stark geprägt haben: Gräfin Margarethe Maultasch, die von hier aus Tirol regiert hat und Kaiserin Elisabeth, die mit ihren langen Aufenthalten in Meran, der guten Luft und des milden Klimas wegen, den Grundstein für die Kurtradition der Stadt gelegt hat. So spazierten wir abwechselnd durch die mittelalterlichen Laubengassen und flanierten auf der Kurpromenade am Fluss. Das Kurhaus und die Wandelhalle lassen tatsächlich den Flair des Fin de siècle lebendig werden, als Meran von Adeligen und Reichen aus ganz Europa besucht wurde und zu den beliebtesten Kurorten der Habsburgermonarchie zählte.

Aber nicht nur als Kurstadt hat Meran viel zu bieten – mitten in der Südtiroler Bergwelt kommen die Urlauber*innen heute zum Wandern, Radfahren und Bergsteigen. Wir sind es piano angegangen und haben keinen Gipfel bestiegen, sondern eine wunderschöne Wanderung an einem der Waalwege gemacht. Diese Wege verlaufen entlang alter Kanäle, die das Wasser von den Flüssen ableiten, um die Obst- und Weingärten zu bewässern. Am Wasser entlang zu gehen war ein Genuss, das Plätschern begleitet die Schritte, die Gedanken fliegen dahin und der Kopf wird frei.

Nach drei Tagen setzten wir unsere Reise und damit unsere ausgedehnte Heimfahrt fort. Unser nächstes Ziel war das Meer – und der schönste Weg dorthin führte uns durch die Dolomiten. Vielleicht lasse ich hier einfach die Bilder sprechen …

Auch am Meer haben wir einen geschichtsträchtigen Ort ausgewählt: Grado, mit seiner verwinkelten Altstadt und dem altem Hafen. Von der Zeit, als Grado ein berühmtes Seebad des österreichischen Küstenlandes und somit auch ein K&K Kurort war, ist fast nichts mehr zu sehen und die Gebäude der letzten Jahrzehnte sind leider nicht besonders schön. Warum also zieht es uns dorthin? Urlauben heißt für uns gehen – in diesem Fall ein mehrstündiger Spaziergang am Strand, direkt am Meer und mit salziger Luft in der Nase – und köstliches Essen genießen. Und dafür ist Grado bekannt!

Dass an diesem Wochenende dann auch noch das Festival Mare nostrum stattfand, bei dem die Kultur und die Genüsse jener Zeit, als Grado eine Insel der Fischer*innen war, zelebriert wurde, war ein glücklicher Zufall. Beim Schlendern durch die Gassen gab es köstliche Häppchen hier und dort, wir sahen eine Ausstellung mit faszinierenden Fotos einer alten Fischerin und nach einem genüsslichen Abendessen spazierten wir nochmals zum Hafen und auf der Uferpromenade. Wunderbar – und immer schön piano!

Sigrid

 

Bilder einer Ausstellung

Bilder einer Ausstellung

Bevor wir demnächst für unsere letzten Auftritte dieser Saison nach Deutschland aufbrechen, möchte ich noch von einem Event dieses Sommers berichten: der Ausstellung „Tango“ im Rahmen der Tangowoche im Künstlerdorf Neumarkt a. d. Raab.

Die Künstlerin Renate Mehlmauer, die die Bilder gestaltete, ist selbst Tangotänzerin. Nach der Teilnahme am Tangokurs im Vorjahr, hatte sie die Idee, für dieses Jahr Bilder als Inspiration zum Tanzen zu schaffen. Ein spannender Schaffensprozess begann: Am Anfang war also das Tanzen, das einen inneren Prozess ausgelöst hat. Dann die Idee, dann das Forschen. Renate hat sich Fotos und Videos angesehen, hat uns beim Tanzen fotografiert und mit diesen Fotos experimentiert, hat das Wort selbst erforscht. Sie sagt, TAN ist für sie wie ein Code, und GO die Übung. Dass die zweite Silbe GO auf fast allen Bildern zu finden ist, ist kein Zufall. Denn das englische Wort GO – GEHEN ist die Basis des Tangotanzens und immer auch ein wesentlicher Teil unserer Tangokurse.
Auf einem Bild sticht ein Wort, das man nicht gleich mit Tango assoziiert, besonders ins Auge – SOLO! Das spanische Wort für einzig, allein. In unseren Kursen wird nämlich nicht nur im Paar, sondern auch solo getanzt, jede und jeder tanzt für sich. So sind in zwei Bildern „der Tangomoment eines ganz persönlichen Lebenstanzes“ zu sehen.
Wenn wir das Wort Tango hören, löst das, denke ich, in allen von uns Bilder, Assoziationen aus. Für Renate haben sich im Erleben, Auseinandersetzen und Tun zwei Worte herauskristallisiert, die für sie den Tango ausmachen: Leidenschaft und Disziplin. So sind Bilder entstanden, die wohl nicht den gängigen Tangoklischees entsprechen und deshalb zu einer Auseinandersetzung einladen.

Wir beide haben uns von den Bildern zu einer Performance inspirieren lassen. Die bunten Malereien auf transparentem Plexiglas gaben den Raum vor, den wir dann tanzend erforschten. Zuerst jede solo, präsent und bei sich, dann verschmelzend im Tanz als Paar, um am Schluss wieder in die Ausgangsposition zurück zu kehren, denn letztendlich besteht doch auch das Leben aus diesem Wechsel von Alleinsein und in Beziehung treten.

„Tango und Malerei stehen zueinander im Einklang“ lautete die treffende Überschrift eines Berichtes von diesem Abend in einer Bezirkszeitung. Bildende und darstellende Kunst trafen aufeinander, bereicherten einander, verstärkten einander. Das Überschreiten von Grenzen und disziplinübergreifende Arbeiten führt ja meist zu spannenden Ergebnissen. Und ich denke, dass das Ergebnis unserer Kooperation mit der Künstlerin Renate Mehlmauer gut in die Sommerakademie des Künstlerdorfes passte.

Andrea

 

Mascarada

Mascarada

… ist der Titel unseres neuen women tango acts, der am Samstag beim evangelischen Frühlingsball in Wien seine Premiere hatte. Interessant ist, dass sich die Entstehung dieses Stückes einfach ergeben hat, ohne als Vorhaben für den vergangenen Winter geplant gewesen zu sein. Den ersten Anstoß dazu hatten wir letzten Herbst, als wir ein paar Tage in Venedig verbrachten. Dort begegnen einer, auch wenn nicht gerade Karnevalszeit ist, auf Schritt und Tritt Masken, die einfach faszinieren. Und wir erinnerten uns, dass wir venezianische Masken besitzen, die wir vor langer Zeit erstanden, aber erst einmal getragen hatten. Die Idee, diese für eine Tango-Tanzgeschichte zu verwenden, tauchte auf. Als wir dann bald darauf Überlegungen für unsere Tanzvorführung zu Silvester anstellten, war sie gleich wieder da, diese Idee. So probierten wir einmal, wie es sich mit Masken tanzt. Anfangs sehr ungewohnt durch das eingeschränkte Gesichtsfeld und die offenere Tanzhaltung, wurde es aber schnell zu einem faszinierenden Spiel, das uns nicht mehr losließ. Zwei Bücher, die uns in die Hände fielen, eines über Tänzerinnen der Moderne, in dem von Mary Wigman erzählt wird, die in ihrem Tanz Masken einsetzte, das zweite ein Roman, in dem von einer Frau erzählt wird, die im Laufe ihres Lebens zu einer Meisterin der Maskerade wird, lieferten dann den entsprechenden Hintergrund. Und die Trainingswoche, die wir uns im Februar im Gleichenbergerhof gönnten, gab uns die Zeit, um dranbleiben zu können und die Tanzgeschichte reifen zu lassen.

Man könnte also sagen dieses Stück fiel uns einfach zu und wir konnten gar nicht anders, als es umzusetzen. Mascarada wagt es, unsere alltäglichen Maskeraden zu hinterfragen und tanzend zu erforschen, ob wir den Blick hinter die Masken riskieren können.
Ein wo/men tango act als geheimnisvolles und tiefgründiges Maskenspiel – einfach verzaubernd!

Mit diesen Worten beschreiben wir es ganz kurz. Und mit der entsprechenden Musik von Mercedes Simone und den Kostümen, entworfen von Michaela Eckhardt, entführen wir auch in die 1930er Jahre.

Die Beschreibung der Ballnacht, in der nicht nur die Premiere von Mascarada stattfand, sondern auch ein Tango Argentino Schnupperworkshop, den wir geleitet haben, überlasse ich  der Öffentlichkeitsreferentin Martina Schomaker:

Knapp 400 Ball-Begeisterte haben am Samstag, 11. Mai 2019, gemeinsam den traditionellen „Evangelischen Frühlingsball“ gefeiert. … Der Tango-Schnupper-Workshop mit dem Duo AdanzaS sprengte gar die Bijou Bar. Es kamen so viele Neugierige für die halbe Stunde zusammen, dass kurzer Hand im Foyer des Parkhotels der Tango Argentino ausprobiert wurde. „Tango ist Improvisation“, sagte Andrea Tieber vom Duo AdanzaS und Partnerin Sigrid Mark ergänzte: „Wir freuen uns sehr über das große Interesse!“ Die beiden gaben als Mitternachtseinlage vor der Quadrille eine fantastisch arrangierte Tango Argentino-Performance.

Folgendes Video eines Ballgastes zeigt den ersten Tanz von Mascarada bei dieser Premiere:

Die Premiere eines neuen Stückes ist für uns immer aufregend. Diesmal nicht auf der Straße, sondern im wunderschönen Ballsaal des Parkhotels Schönbrunn zu tanzen, war ein ganz besonderes Gefühl!

Andrea

© Fotos: Martina Schomaker, Evangelische Kirche A.B.
© Video: Franz Pfluegl, www.fotograf.at

 

4 Frauen und der Tango

4 Frauen und der Tango

Vor ein bisschen mehr als einem Jahr sind wir uns zum ersten Mal begegnet, und es war schnell klar, dass der Tango uns verbindet und dass wir gemeinsam den Tango auf die Bühne bringen wollen – mit Musik, Gesang und Tanz.
Lisa, die Sängerin, kontaktierte uns, nachdem sie ein Posting von uns gesehen hatte. Sie und Christine, die Bandoneonspielerin, bilden gemeinsam das Duo Chantoneon. Schon nach einer kurzen  Beschreibung ihrer Kunst waren wir fasziniert und vereinbarten kurzerhand ein Treffen in Lisas Gesangstudio in Graz. Der herzliche Empfang, die schöne Altbauwohnung mit dem schwarzen Flügel, die beiden sympathischen Frauen, eine Kostprobe ihrer Kunst – da wussten wir, das ist eine dieser Begegnungen, aus der eine wunderbare Zusammenarbeit entstehen kann.

So folgten gleich die nächsten Treffen, sowohl privater Natur, um uns kennen zu lernen, als auch erste gemeinsame Proben. Es fiel uns von Anfang an leicht, zu Lisas Gesang und Christines Bandoneonspiel zu tanzen. Sie als Duo waren ja schon „zusammengespielt“ und nun fügten wir uns noch mit unserem Tanz ein. Zu Livemusik zu tanzen, ist für uns immer ein ganz besonderes Erlebnis – irgendwie noch viel unmittelbarer und intensiver. Und der Dialog, den wir tanzend führen, erweitert sich noch auf einen Dialog mit Musikerin und Sängerin.

Heuer im Frühjahr machten wir uns dann daran, ein Konzept für einen gemeinsamen Auftritt zu entwickeln. Ideen sammeln, ein Programm zusammenstellen, organisatorische Besprechungen, Requisiten und Outfits festlegen, extra Proben und gemeinsame Proben, … und Anfang Juni war es dann so weit. Beim Zinzengrinsen, einem Straßenfest in der Zinzendorfgasse in Graz, hatten wir die Gelegenheit für unseren ersten gemeinsamen Auftritt. Für Lisa und Christine war es der erste Auftritt auf der Straße und für uns der erste Auftritt zu Live-Musik. Also eine Premiere in vielerlei Hinsicht, die uns allen großen Spaß gemacht und, ich denke, auch das Publikum begeistert hat.
Lisas Feststellung nach diesem Auftritt: „Wir sind jetzt eine Band!“, macht deutlich, dass noch viele gemeinsame Auftritte folgen werden, auf die wir uns schon jetzt freuen.

Andrea

 

Die 4 Frauen sind:

Lisa Cristelli, Gesang, www.alphastimme.com

Christine Swoboda, Bandoneon, www.feelfreeyoga.at

Andrea Tieber und Sigrid Mark, Tanz

 

Ulm feiert den Tanz!

Ulm feiert den Tanz!

Das wunderbare Frühlings- und Vollmondwochenende war gerade richtig, um auf den Straßen und Plätzen dieser schönen Stadt zu tanzen. Ulm hat ein ganz besonderes Flair durch die Kombination von sehr alten, geschichtsträchtigen Bauten mit moderner Architektur, durch seine Lage an der Donau mit dem schönen Donauufer und durch die vielen netten kleinen Plätze, die zum Verweilen einladen. Wir genossen eine private Stadtführung mit Anita Schlesak, einer Journalistin aus Ulm, die uns zu diesem Workshopwochenende eingeladen hatte.

Anita hatten wir vor mehr als einem Jahr beim Reiseleiterinnentreffen von WomenFairTravel kennengelernt, denn sie bietet Reisen in die Sahara an – mehr dazu auf http://www.wüstenliebe.de . Nachdem in Ulm der WeltTanzTag am 29. April jedes Jahr ziemlich groß begangen wird, hatte sie die Idee, an diesem Termin einen SOLO TANGO Workshop zu organisieren. So tanzten wir mit den TeilnehmerInnen an diesem besonderen Wochenende nicht nur im Tanzstudio sondern auch am Münsterplatz. Aber auch zwischen den Tanzeinheiten lockte uns das schöne Wetter ins Freie, z. B. zu einem Picknick im Park. Die Begegnungen und Gespräche, das gemeinsame Genießen und Tanzen führten zu einem sehr schönen und intensiven Gruppenerlebnis.

Als Abschluss dann noch Teil des WeltTanzTages zu sein war einfach großartig,  zu erleben wie die Altstadt von Ulm zur Bühne wurde für TänzerInnen aller Sparten und aller Altersgruppen. Aber die Bilder vermitteln die Stimmung dieses Tanzfestes wohl besser als alle Worte.

So bleibt uns nur noch, ein großes DANKE nach Ulm zu schicken, an Anita für die Einladung und die herzliche Begegnung, an Guido Gerlach für einige der wunderschönen Fotos vom Münsterplatz und an die TeilnehmerInnen dieses Workshops!
Irgendwie sagt unser Gefühl, dass wir nicht das letzte Mal in Ulm waren!!!

Andrea und Sigrid

 

Argentinischer Tango im Südburgenland?!

Argentinischer Tango im Südburgenland?!

Im Sommer 2013 war ein Kamerateam mit der ORF-Redakteurin Sabine Lentsch bei uns, um einen Beitrag für die Serie Mein Traumhaus zu gestalten. Wir sollten uns für einen Lieblingsplatz auf unserem Hof entscheiden und sofort war klar, dass dies unser Tanzsaal ist! Das Interview begann dann ebendort mit der Frage: „Argentinischer Tango im Südburgenland?“ Nun, was damals überraschend und unglaublich geklungen hat, ist Realität geworden.

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Tango ausgehend von Buenos Aires auf der ganzen Welt verbreitet. In beinah jeder größeren Stadt gibt es die Möglichkeit, Tango zu tanzen.

Wir leben seit einigen Jahren im Südburgenland und haben hier bei einem Wochenendworkshop im Jahre 2007 unsere ersten Tangoschritte gemacht, denn überraschenderweise war diese ländliche Region kein weißer Fleck auf der Tango-Weltkarte. Als wir den Tango zu unserem Beruf machten, wollten wir dazu beitragen, den Tango hier noch stärker zu verwurzeln und gerade in dieser Woche erleben wir voller Freude, dass uns dies gelungen ist!

Mit dem Workshop SOLO TANGO reisen wir seit mehr als einem Jahr durch Österreich, nach Kroatien und demnächst auch nach Deutschland. Am vergangenen Wochenende gab es den ersten Workshop hier im Südburgenland. Gemeinsam mit der Grazer Yogalehrerin Christine Swoboda gestalteten wir im Hotel Das Eisenberg YOGA &/oder TANGO. Die Kombination von Yoga und Tango ist für uns nicht neu, praktizieren wir doch täglich Yoga und erleben es als wunderbaren Ausgleich und als Ergänzung zum Tanz. Christine haben wir als Musikerin kennengelernt, sie spielt das Bandoneon und macht gemeinsam mit einer Grazer Sängerin Tangomusik. Da war sofort klar, dass wir ein gemeinsames Wochenende anbieten wollen, an dem sich unsere Leidenschaften verbinden, Grenzen verschwimmen und Körper, Geist und Seele in Einklang gelangen. Am Ende der Yogaeinheiten führte uns Tango-Livemusik, gespielt am Bandoneon, in die Entspannung. Am freien Tanzabend tanzten Tanzpaare und SolotänzerInnen auf der gleichen Tanzfläche – eine Vision für zukünftige Milongas?

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Das Eisenberg hat den perfekten Rahmen für dieses Wochenende geboten. Bestens umsorgt, kulinarisch-herbstlich verwöhnt, mit Zeit für Wellness oder einem Spaziergang zum Dreiländereck haben die TeilnehmerInnen die Zeit hier im Südburgenland sehr genossen. Und wir hatten unseren ersten Workshop SOLO TANGO quasi vor der Haustür, am nächsten Hügel, fast in Sichtweise von unserem Traumhaus.

In den nächsten Tagen geht es aber gleich mehrfach weiter mit dem Tango im Südburgenland:

Morgen Abend geben wir einer Tangobegeisterten hier in unserer Gemeinde wieder eine Privatstunde. Diese Tango Lessons sind nur ein kleiner, aber überaus schöner Teil unserer Arbeit, bei dem wir Einzelpersonen oder Paaren klassischen Unterricht im Tango als Paartanz geben. Der große Vorteil von Einzelstunden ist, dass wir ganz individuell auf die Wünsche und den jeweiligen Tanzlevel eingehen können und daher rasch Erfolge sichtbar werden, die wiederum Lust aufs Weitertanzen machen.

Neben den Privatstunden gibt es einmal im Monat in Neumarkt an der Raab einen Tango-Übungsabend und der nächste Termin ist gleich am kommenden Sonntag. Diese Abende sind offen für alle Tanzbegeisterten, egal ob sie die ersten Tangoschritte wagen oder schon leidenschaftlich Tango tanzen. Wir begleiten die Tanzenden, sind da bei Fragen, geben Tipps und Hilfestellungen oder zeigen gerne auch neue Schritte. Auch an diesen Abenden ist die Runde meistens nicht sehr groß, ein Übungsabend im Südburgenland wird nicht so rege besucht wie einer in Graz oder Wien. Aber das ist für uns nicht entscheidend. Wir freuen uns, dass es diese Abende schon seit mehreren Jahren gibt und manche dafür extra aus der Weststeiermark, dem Mittelburgenland oder sogar aus Wien anreisen, um im Südburgenland Tango zu tanzen!

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Neben SOLO TANGO und den Tango Lessons sind Auftritte, bei denen wir Tango tanzen ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Und gerade damit hat es hier in der Region am längsten gedauert! Nun, das Südburgenland bietet sich ja wirklich nicht so ganz für Straßenkunst an. Zum zweiten Mal aber wurden wir vom Tanzverein sidestep zu einem Auftritt im Rahmen einer seiner Veranstaltungen eingeladen. Am 11. November feiert St. Martin an der Raab das FESTUM MARTINI NOVUM mit einem vielfältigen Programm. Unter dem Motto „gan(s)z fantastisch“ gibt es ein buntes Abendprogramm mit unterschiedlichsten Tanzperformances. Wir werden dabei unseren wo/men tango act Encuentro tanzen, einen Cross-over-Tango zu Don’t cry form me Argentina aus Evita darbieten und gemeinsam mit anderen Frauen erstmals eine SOLO TANGO – Performance zur Aufführung bringen. So sind wir an diesem Abend gleich dreimal auf der Bühne und damit ist der Argentinische Tango wohl endgültig im Südburgenland angekommen!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs ist wohl zwischen den Zeilen zu lesen und lässt sich auch nicht verheimlichen, dass wir uns darüber sehr freuen und auch ein klein wenig stolz darauf sind. In dieser Woche ist der Tango hier in der Region ganz komprimiert und intensiv zu erleben. Aber das Schönste ist, dass es darüber hinaus noch weitere Kooperationen hier im Südburgenland gibt und es im nächsten Jahr unter anderem bei der Sommerakademie im Künstlerdorf Neumarkt eine ganze Tangowoche geben wird. Aber davon erzählen wir besser ein andermal. Denn, der Tango ist hier nicht nur angekommen, um kurz mal vorbei zu schauen, wir sind uns sicher, dass er sich hier ebenso wohlfühlt wie wir und dass er hier bleiben wird!

Sigrid