Begegnungen mit Menschen und Natur

Hola

aus einem angenehm kühlen Buenos Aires. Nach einem Gewitter gestern und heute Nacht regnet es jetzt und hat stark abgekühlt – wir genießen es richtig!

Erst diese Woche haben wir ein Naturparadies, gar nicht sehr weit von unserer Wohnung entfernt, entdeckt – den Parque Ecologica Costanera Sur. Wir müssen uns aber nicht ärgern, dass wir ihn nicht schon früher entdeckt haben, denn nachdem seine Wege nur sehr wenig beschattet sind, wäre es bei der Hitze, die wir bisher hatten, sowieso nicht möglich gewesen, ihn aufzusuchen.

Nun, dieser Park ist ein riesengroßes Naturreservat direkt am Rio de la Plata. Wir haben ihn per Rad erkundet. Die Wege führen durch einen Urwald, der teilweise vom Fluss her unter Wasser steht. Es gibt auch riesige Wasserbecken, die mit Schilf bedeckt sind. Gesäumt sind die Wege von exotischen Pflanzen, die es bei uns nur als Zimmerpflanzen gibt, teilweise in voller Blütenpracht. Dattelpalmen mit Unmengen von Dattelrispen, Bananenstauden mit Blüten und schon angesetzten Früchten und andere riesige Bäume ragen aus der Wildnis.

DSCF4265Wir sind überhaupt von den Bäumen hier, auch in der Stadt, in den Parks oder Alleen sehr angetan. Sie sind so groß und mächtig. Zu jeder Zeit blüht irgendeine Art auf das Prächtigste. Und die Gummibäume sind überhaupt der Wahnsinn. Sie werden so groß, dass ihre Äste, so groß wie ein Baum, teilweise am Boden aufliegen oder abgestützt werden müssen. Der größte und älteste Gummibaum, den es in Buenos Aires gibt, füllt einen ganzen Platz aus, und die Plätze sind hier wahrlich nicht klein.

Nun aber noch einmal zurück in den Naturpark.  Hier finden auch viele Tiere einen Zufluchtsort und es ist vor allem ein Vogelparadies. Wir konnten Vögel in den unterschiedlichsten Größen und Farben beobachten. Ein ganz besonderes Erlebnis war es, als wir uns einer Baumgruppe näherten, aus der lautes Gekrächze kam. Dort angelangt, entdeckten wir in den Baumkronen einen riesigen Papageienschwarm.  Ich habe noch nie Papageien in freier Natur gesehen – es war  einfach toll!

Ein anderes faszinierendes Tier hat nur Sigrid zu Gesicht bekommen. Eine große Echse ist, nachdem sie uns wahrgenommen hat, in den Büschen verschwunden. Sigrid meint, sie war knapp einen halben Meter lang, schwarz, und hatte gelbe Streifen. Außerdem soll es dort auch viele Schlangen geben, von denen sich uns aber keine gezeigt hat.

Das war wirklich ein ganz besonderer Nachmittag mitten aus dem Großstadtdschungel in so ein Naturerlebnis einzutauchen. Irgendwie wäre es ja schön, noch einmal dorthin zu kommen, aber mittlerweile sind unsere Tage hier gezählt und es gibt noch einiges, das wir gerne machen möchten. Wir werden sehen.

dsc_5800s[1]Morgen haben wir unsere letzte Unterrichtsstunde in der Escuela – der nächste Abschied. Aber die beiden Lehrenden, bei denen wir hauptsächlich unseren Unterricht genommen haben, sehen wir noch im Lauf der Woche. Von Augusto (dritter von rechts in der ersten Reihe) haben wir ja schon in unserem Bericht über das Queertangofestival erzählt. Er ist ein großartiger Tänzer und Lehrer. Von ihm werden wir uns am Freitag bei der Milonga, die er veranstaltet, verabschieden.

Noch nicht erzählt haben wir, glaube ich, von Aurora, am Foto links neben Augusto. Sie war auch eine Lehrerin am Festival und von ihr konnten wir auch das Studio für unser Training mieten. Sie ist eine unglaubliche Persönlichkeit. Ziemlich bald, nachdem wir sie kennen gelernt haben, erfuhren wir, dass sie an Krebs erkrankt ist. In einer der ersten Wochen, die wir hier waren, hatte sie ihre letzte Chemotherapie. Vorher schon hatte sie alle ihre Haare verloren. Ich werde es nicht vergessen, wie sie beim Festival zum ersten Mal erschien – eine sehr kleine, glatzköpfige Frau, aber mit einer faszinierenden Ausstrahlung. Sie war inmitten der vielen Menschen nicht zu übersehen und hat mit viel Elan und Humor den Workshop geleitet. Mittlerweile beginnen ihre Haare gerade wieder zu wachsen. Sie ist uns hier sehr vertraut geworden, weil wir sie fast jeden zweiten Tag gesehen haben. Wir haben bei ihr auch Privatstunden genommen, von denen wir sehr profitiert haben. Sie ist eine Profi-Tänzerin und beherrscht beide Rollen im Tango perfekt. In den Privatstunden tanzt sie abwechselnd mit Sigrid und mit mir. Und sie hat so viel Humor. In ihren Stunden wird mindestens drei Mal herzlich gelacht. Wie so viele Menschen hier, ist auch sie uns so herzlich und offen begegnet, ein Geschenk. Ich glaube, sie wird diese Krankheit überwinden, denn sie hat noch so viel Lebensenergie und noch so viel zu geben. Sie ist gerade am Planen im September für Tangounterricht nach Wien zu kommen. Also wird der Abschied von ihr nicht ganz so schwer, denn da wollen wir sie unbedingt wiedersehen.

Heute wollen wir noch auf die Sonntagnachmittags-Milonga in der Confiteria Ideal, ganz bei uns in der Nähe, gehen. Also verabschiede ich mich jetzt mit vielen Grüßen an euch alle,

Andrea

 

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