Hotel Miramar – ein Juwel an der Adria

Hotel Miramar – ein Juwel an der Adria

Ein wunderschönes Hotel in einem Sehnsuchtsort am Meer. So weit ist alles klar. Mit der genaueren Definition des Ortes wird es aber schon schwierig. Liegt dieses Juwel in Opatija oder in Abbazia, in Kroatien oder im Küstenland? dscf6007-2Die Wortwahl ist nicht unwesentlich, denn an diesem Ort ist man hautnah mit der Geschichte Österreichs verbunden und die Wortwahl beinhaltet wohl auch ein Statement im Umgang mit dieser Geschichte. Es geht um die Zeit der Monarchie, die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, als dieser Landstrich im heutigen Kroatien ein Teil von Österreich war und in den Wiener Salons von der „österreichischen Riviera“ erzählt wurde. Mit der Bahnlinie von Wien über Triest nach Rijeka war die Basis gelegt, um aus einem kleinen Fischerdorf einen Nobel“curort“, ein Seebad für die bürgerliche Gesellschaft Wiens und bald auch für den europäischen Hochadel entstehen zu lassen. Namhafte Ärzte, wie Dr. Theodor Billroth, priesen die Heilwirkung des milden Klimas an der Adria und bald wurde Abbazia der Winter“curort“ der Wiener Gesellschaft, die, sofern sie es sich leisten konnte, von November bis März hier weilte. Die ersten großen Hotels, etwa das luxuriöse Quarnero im Jahr 1883, entstanden neben den zahlreichen kleinen Villen, die zu Adria-Pensionen umgebaut wurden. Diese Villen prägen bis heute das Bild des kleinen Städtchens am Meer. Und eine dieser Villen, nämlich die Villa Neptun direkt am Meer, ist Teil des heutigen Hotels Miramar.

dscf5957Wie viele der alten Gebäude war die Villa Neptun baulich in einem sehr schlechten Zustand, als die Salzburger Hoteliersfamilie Holleis sie kaufte, um den Grundstein für ihr Hotel am Meer zu legen. Das heutige Miramar ist ein Neubau, wobei die Villa Neptun nach alten Vorlagen rekonstruiert wurde. Die Hotelanlage besteht nicht aus einem großen Gebäude, sondern aus fünf Villen, sodass die Villentradition des Ortes beibehalten wurde und dennoch ein gepflegtes Ambiente mit allen Annehmlichkeiten eines ****S Hotels verbunden wurde. Das Miramar ist zu recht bekannt für seine Küche. Wie „zu Kaisers Zeiten“ wird hier die österreichische Küche auf höchstem Niveau mit der kroatischen Küche und allem, was die Adria an Köstlichkeiten bietet, verbunden. Ein köstliches Abendmenü ist ja in solch einem Hotel beinah selbstverständlich, aber wirklich umwerfend ist für mich das Frühstücksbuffet! Die Auswahl ist unvorstellbar, da kann wirklich kein Wunsch offen bleiben! Auch das, was das Hotel sonst noch bietet, geht vielfach über das übliche Niveau hinaus: Die zwei Wellnessbereiche, der prächtige Garten und die Liegeterrassen am Meer laden ein, sich zu entspannen. In der Tradition der Kurorte gibt es ein umfangreiches Wochenprogramm, bei dem ebenfalls für jede und jeden etwas Passendes dabei sein müsste. Einmal gibt es ein klassisches Konzert, dann wieder einen kroatischen Liederabend oder Tanzmusik. Ein andermal kann man einer Lesung oder einem Vortrag, häufig zur Geschichte des Ortes passend, lauschen. Und tagsüber gibt es nicht nur Fitness am Morgen, sondern im Laufe des Jahres zahlreiche Workshopangebote wie Yoga, Tanzkurse oder – erstmals und neu in dieser Woche! – Solo Tango! Wir sind also hier, um zu arbeiten, aber in diesem Haus ist das der allerhöchste Genuss!

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Als Freizeit für uns und als wunderbare Urlaubsbeschäftigung wartet direkt vor dem Hotel die Franz-Josefs-Promenade darauf, entdeckt zu werden. Dieser Lungomare ist 12 km lang und führt von Volosko über Opatija bis Lovran. Egal ob zum gemütlichen Flanieren, zum Walken oder Joggen, dieser malerische Weg direkt am Meer ist zu jeder Jahreszeit wunderschön. In den letzten Jahren hatten wir ihn im April mit frischem Grün und zahlreichen Blüten und im Juli unter schattenspendenden Bäumen erwandert. Jetzt sind wir erstmals in einer regnerischen Woche im Spätherbst hier – und der Lungomare ist wieder faszinierend anders! Viele Bäume haben die Blätter schon verloren und so ist der Blick frei auf die felsige Küste. Dann wieder finden sich leuchtend gelbe oder rote Blätter auf den beinah schwarzen Ästen. Die Luft ist klar und herrlich frisch und bei einer Temperatur von 15° ist der Spaziergang eine Wohltat für Körper und Seele. So sind wir also wieder bei der wohltuenden Wirkung dieses „Curortes an der Adria“ angelangt und ich kann mir gut vorstellen, wie es wäre hier zu überwintern. Aber die Zeiten haben sich geändert, auch wenn in Opatija noch vieles so ist, wie im alten Abbazia. Ein Aufenthalt im Hotel Miramar jedenfalls ist zu jeder Jahreszeit purer Genuss. Und wir freuen uns, dass uns „Solo Tango“ auch im nächsten Jahr hierher führen wird! Haben Sie Lust mitzukommen?

Sigrid

Verwendete Literatur: Opatija-Riviera, Eine Genussreise mit Küchenchef Arthur Berger, 2008 Hotel Miramar/Holleis

 

Unvergänglicher Tango

Unvergänglicher Tango

Es gibt ihn bereits seit mehr als hundert Jahren – den Tango Argentino. Er hat viele Veränderungen durchlebt, seine Entwicklung hat sich in vier Phasen abgespielt: die sogenannte génesis währte von 1880 bis 1900, die zweite Phase von 1900 bis 1920 ist bekannt als die guardia vieja (Veteranen, traditionelle Tango-Musiker), in der Carlos Gardel eine Schlüsselfigur darstellt, die dritte dauerte von 1920 bis 1940, es waren die „goldenen Jahre“ des Tangos. Heutzutage bewegt sich der Tango durch seine vierte Etappe, die 1940 begann und als tango nuevo, als „Neuer Tango“ bezeichnet wird.

Astor Piazzolla ist der herausragendste Repräsentant dieser letzten Phase. Seine Kompositionen sind weltweit bekannt. 1921 in Argentinien geboren, verbrachte er seine Kindheit in New York. Als er neun Jahre alt war, kaufte ihm sein Vater ein Bandoneon und Astor fing an, das Instrument spielen zu lernen. Seine Begabung trat bald zu Tage, mit elf Jahren komponierte er bereits seine ersten Tangos und im Alter von zwölf spielte er bereits Konzerte. 1938 kehrte er nach Buenos Aires zurück und wurde hier zu einem virtuosen Bandoneonisten. Ständig auf der Suche nach der Musik, über die er sich am besten ausdrücken konnte, zog es ihn immer wieder ins Ausland, nach Paris, in die USA, wo er sowohl Klassik als auch Jazz studierte. Diese Musikrichtungen ließ er schließlich in „seine“ Musik, den „Neuen Tango“ einfließen. Er erhob Tangomusik zu einer Kunstform, in Konzertsälen und Opernhäusern auf aller Welt aufgeführt. Er schrieb Opern (Maria de Buenos Aires), Sinfonien (Sinfonía de Buenos Aires) und die Musik für mehrere Filme. Seine wohl berühmtesten Tangos sind Adiós Nonino, Balada para un loco und Libertango. Sein Aufstieg, seine unangepasste Persönlichkeit und seine revolutionäre Musik führten aber auch zu Spannungen zwischen dem „Neuen“ und dem „Alten“, zwischen der Avantgardebewegung und der Tradition.

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Die Tradition wurde durch die großen Orchester repräsentiert, doch diese verschwanden schließlich und die Leute wollten sie nicht mehr hören. So kam es, dass der Tango während der 1960er und 1970er Jahre in kleinen Konzertsälen und Tanguerías (Orte, an denen ausschließlich Tango aufgeführt wurde) Unterschlupf fand. Es war ein schwaches Echo, eine Art Parodie der goldenen Jahre des Tangos. Auch Tango getanzt wurde in dieser Zeit kaum, bei den jungen Leuten war der Rock’n’Roll „in“. Und als dann Ende der 70er Jahre in Argentinien die Zeit einer der furchtbarsten Militärdiktaturen anbrach, stand es sowieso schlecht um den Tango. Viele Intellektuelle und KünstlerInnen emigrierten, lebten fortan in Paris, Berlin und London. Und ein zweites Mal, wie vor 100 Jahren, kehrte der Tango dann über den „Umweg Europa“, wo es in den 80er Jahren zu einem Tango-Boom kam, wieder nach Buenos Aires zurück.

dsc_6960s2Ausgelöst wurde dieser Boom durch Tango-Produktionen, wie z.B. das Musical Tango Argentino, das ein großer Welterfolg wurde. TangomusikerInnen, -sängerInnen und –tänzerInnen gingen in Folge auf Tourneen um die ganze Welt und so ist der Tango heute auf allen Kontinenten zu Hause und wurde sogar zum Weltkulturerbe erhoben. Und wieder einmal lassen die Einflüsse der unterschiedlichen Kulturen oder Musikstile, elektronische Instrumentierungen z.B., ganz neue Tangos entstehen.

Als Soundtrack der Stadt Buenos Aires, die permanenten Veränderungen unterlag, hat der Tango jeden Wandel miterlebt: Sowohl die Förderung der beliebten Leidenschaft als auch den Widerstand und die Nebensächlichkeit. Im globalen Umfeld der jetzigen Zeit hält Buenos Aires an seiner mächtigen Identität fest, die in der Art der Musik begründet liegt, die vielmehr ist als einfach nur Musik. Es ist die Art zu gehen, die Art zu sein, eine Haltung, ein Gefühl.

Andrea

Verwendete Literatur: Tango, Eduardo Araníbar, Heel-Verlag 2008

 

Don’t cry for me, Argentina!

Don’t cry for me, Argentina!

Dieses Wochenende sind wir ganz auf celeste, auf himmelblau, auf die Nationalfarbe Argentiniens eingestellt. Denn in den nächsten Tagen treffen Ereignisse zusammen, die uns intensiv mit Argentinien verbinden …

8084347736_73a3daa368_bZunächst einmal sind wir gerade in den Proben für einen Musical-Abend, der morgen hier in unserer Nachbargemeinde stattfindet. Ein Abend mit Musik und Tanz aus zahlreichen Musicals und da darf auch Evita nicht fehlen. Sie zählte wohl zu den zwiespältigsten Frauen des 20. Jhds., von den einen abgelehnt und gehasst, von den anderen vergöttert und geliebt. Als dann das Musical von Andrew Lloyd Webber verfilmt und die Titelrolle mit Madonna besetzt wurde, war die Aufregung in Argentinien nicht mehr zu bremsen – für die einen ein Affront, dass ihre Heilige von sooooo einer Person dargestellt werden soll, für die anderen der Beweis von Evitas Unehrbarkeit. Nun, die Regisseurin des Musical-Abends hat uns schon vor Monaten gefragt, ob wir bei dieser Aufführung einen Tango tanzen würden. Aber, es gibt im Musical keinen „richtigen“ Tango und außerdem werden aus allen Musicals die Highlights herausgenommen, die „Ohrwürmer“, die jeder und jede kennt und liebt. Also, wir tanzen Tango – crossover zu Nicht-Tango-Musik – zu Don’t cry for me, Argentina! Für mich war und ist es total spannend, sich in den Proben nicht nur mit dem Tanz sondern mit der Geschichte dahinter zu beschäftigen, den Film nochmals anzuschauen und diese Eindrücke in die Interpretation des Stückes einfließen zu lassen. Erinnerungen kamen hoch, zum Beispiel an jenen Samstag in Buenos Aires, an dem wir mit unseren argentinischen Freunden im Evita-Museum waren und natürlich angeregt diskutiert haben über diese Frau und darüber, wie sie als Argentinier heute zu ihr stehen. All das schwingt jetzt mit, wenn wir morgen auf die Bühne gehen werden, als Evita und Che, und tanzen.

dscf3324-2Und genau zu jenem Zeitpunkt, am Abend des 12. November, bin ich mit meinen Gedanken auch in der Vergangenheit: genau vor 3 Jahren sind wir ins Flugzeug gestiegen und am Morgen des 13. November in Buenos Aires angekommen! Die ganze letzte Woche schon tauchen immer wieder Bilder vor meinem inneren Auge auf – die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt, vorbei an den schäbigen Häusern der Randbezirke, die aber an jeder Ecke „geschmückt“ waren mit den lilafarbenen Blüten der Jacarandabäume. Patricia und Nestor, die Freunde meiner Eltern, haben uns nicht nur an diesem ersten Tag abgeholt und in unsere Wohnung gebracht, sondern durch sie konnten wir in all den Wochen so viel über dieses Land und seine Menschen erfahren. Ich erinnere mich an diese erste Autofahrt durch den unvorstellbar dichten Verkehr, den Stau auf der Prachtstraße 9 de Julio mit ihren 16 Spuren, den Lärm und Gestank, der uns den Alltag dieser 3 Monate immer wieder verdrießt hat. Aber auch an all die schönen Ecken, die die beiden uns in Buenos Aires gezeigt haben. Wie alle Portenos lieben sie ihre Stadt und sind sie sehr stolz auf sie. Ich war in den Tagen vor der Reise ziemlich aufgeregt und ehrlich gesagt auch ein wenig ängstlich, was mich da am anderen Ende der Welt in dieser Millionenstadt erwarten würde. Wir hatten einige Romane gelesen, die im Laufe des 20. Jhds. in Buenos Aires spielen und haben uns so mit der Stadt und ihrer Geschichte vertraut gemacht. Wir haben die begeisterten Reiseberichte von Tangotanzenden gelesen, die den Sehnsuchtsort aller Tangotänzerinnen und –tänzer in höchsten Tönen gepriesen haben. Ich war also gespannt und wohl auch positiv voreingenommen. Und tatsächlich, wir waren im Tango-Himmel! Und die Menschen, denen wir begegnet sind, waren großartig mit ihrer Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft und ihrem grenzenlosen Humor. Aber, in die Stadt Buenos Aires konnte ich mich bis zum Schluss nicht so ganz verlieben. Und als wir gefragt wurden, wann wir wiederkommen werden, da war für uns schon klar, dass es uns nicht so schnell wieder nach Buenos Aires zieht – sorry, and: Don’t cry form me, Argentina!

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Nun, drei Jahre sind seither vergangen. Auf dem Weg nach Buenos Aires hatten wir den Traum im Gepäck, Straßenkünstlerinnen zu werden und heute sind wir AdanzaS. In Buenos Aires sind die ersten Artikel für diesen Blog entstanden und heute ist er ein fixer Bestandteil unserer Arbeitswoche. Und ebenfalls in Buenos Aires hat unser intensives, tägliches Training mit Yoga und Tango begonnen, ohne das ich mir meinen Alltag nicht mehr vorstellen kann. Vielleicht zieht es uns auch deshalb zurzeit nicht zurück nach Buenos Aires, weil unser momentanes Leben noch immer so stark geprägt ist, von dem, was dort seinen Anfang genommen hat. Also, thank you, Argentina, and – don’t cry …

Adios, Sigrid

 

Goldene Jahre des Tangos

Goldene Jahre des Tangos

Wie ich schon im Blogartikel über die Entstehung des Tangos erzählt habe, wurde er in seinen Anfängen von der Mehrheit der Leute als eine Art niedere Musik betrachtet, unzüchtig und der Beachtung nicht wert. 1921 hieß es noch in einer argentinischen Zeitschrift, dass „die gebildeten Bürger noch nicht bereit seien, diese vorstädtische Musik zu akzeptieren, die für die Unterschicht gemacht war.“ Aber nach und nach hat er sich doch Eintritt verschafft und „unter das kultivierte Ästhetikempfinden der Oberschicht gemischt“.

Die Cafés im Zentrum der Stadt Buenos Aires begannen Tango-Trios zu engagieren. Tangopartituren wurden von den jungen Leuten der Oberschicht, zuerst zwar noch heimlich, aber doch erworben und gespielt. Langsam löste sich die Tangomusik vom Rotlichtmilieu, um in Bars, Cafés und Salons aufgeführt zu werden.

13192685785_2fecdf5ab9_oSeinen Durchbruch erhielt der Tango Argentino aber über den Umweg Paris. Es gab ein paar wagemutige Argentinier, junge Männer der Oberschicht, die den Tango in den noblen Pariser Salons einführten, die so anders und so weit weg waren von der Welt, in der er geboren wurde. Ab 1907 kamen argentinische Musiker (in den Tango-Orchestern gab es damals keine Frauen) und SängerInnen nach Paris. Fest steht, dass der Tango 1912 Paris ganz und gar erobert hat, man tanzte ihn genau so viel oder mehr als Walzer. Paris war ja zu Anfang des Jahrhunderts das kulturelle Zentrum der westlichen Welt, was dort angesagt war, strahlte auf ganz Europa und auf die Vereinigten Staaten aus. Das Tangofieber erfasste alle sozialen Schichten von den Varietétänzerinnen bis zum Präsidenten Frankreichs und seiner Frau. Kirche, PolitikerInnen, Adlige, BürgerInnen, Intellektuelle, KünstlerInnen, alle beteiligten sich an dem heiß geführten Meinungsstreit, niemand der nicht Position bezogen hätte zum Tango. Sogar vor dem Papst wurde Tango getanzt, um zu entscheiden, ob er Sünde sei oder nicht. Das finde ich sehr amüsant, wenn ich daran denke, dass der jetzige Papst Argentinier ist und selbst Tango getanzt hat.

In nur wenigen Jahren verbreitete sich also der Tango von den Salons der Adeligen und KünstlerInnen zu den Tangotees, den Dancings und den Musette-Bällen. Dabei muss man bedenken, welches Klima in jenen Jahren herrschte: die Spannungen vor dem ersten Weltkrieg, der Streik der Staatsbediensteten, die Trennung von Kirche und Staat, … Der damaligen französischen Gesellschaft passte der Tango wie angegossen. Alles war in Aufruhr, im Umbruch. Diese dumpfe, überall unterschwellig zu spürende Unruhe, dieser Befreiungsdrang, der in diesen angespannten Körpern nahezu explodierte, nichts anderes war der Tango. Das alles lässt Elsa Osorio ihre Protagonistin in ihrem Roman Im Himmel Tango sagen. Vielleicht hat der Tango-Boom heute mit den Parallelen zu jener Zeit zu tun?

4322248164_0293b7d336_oDie ArgentinierInnen waren erst mal überrascht, als in den französischen Gesellschaftsseiten zum Thema Argentinien nicht von Fleisch und Getreide die Rede war, sondern vom Tango. Über den Umweg Paris wurde der Tango schließlich auch in Buenos Aires akzeptiert, und bald gefeiert. Es entstanden in Folge die „typischen Orchester“ mit ihren großen Namen, wie Julio De Caro, Osvaldo Fresedo, Anibal Troilo, Juan D’Arienzo, Carlos Di Sarli, … um nur einige zu nennen. Auch heute noch wird auf den Milongas zu den Werken dieser Musiker getanzt. Außerdem traten in der Zeit auch erstmals Chansonniers in Erscheinung, die später die eigentlichen TangosängerInnen wurden.

3658517924_caafbc54dc_oZur Legende unter ihnen wurde Carlos Gardel (1890 – 1935). In Buenos Aires aufgewachsen, galt seine Liebe von Anfang an dem Gesang. Er nahm früh Gesangsunterricht, sang bis 1917 aber ausschließlich Heimatlieder. Berühmtheit erlangte er aber dann als Tangosänger. „Er singt jeden Tag besser“, machte bald die Runde, und so war er schnell fester Bestandteil der Tangoszene. Er betätigte sich auch als Schauspieler und war ein äußerst produktiver Komponist. Sein früher Tod durch einen Flugzeugabsturz und viele geheimnisvolle Rätsel um einige Aspekte seines Lebens (u. a. dass er möglicherweise schwul war) machten ihn jedenfalls, neben Evita und Diego Maradonna, zu einem der drei „Nationalheiligen“ Argentiniens. Sein Grabmal am Friedhof von Chacarita in Buenos Aires ist jedenfalls auch heute noch Pilgerstätte seiner BewunderInnen.

Sicherlich auch durch ihn lebte Buenos Aires als Tango-Metropole auf und ist bis heute Anziehungspunkt der Tangobegeisterten aus aller Welt. So möchte ich meinen Artikel mit den Zeilen aus einem seiner berühmtesten Lieder, Mi Buenos Aires querido, beschließen:

Mein geliebtes Buenos Aires
Am Tag, an dem ich dich wiedersehe
Wird es kein Leid und keine Achtlosigkeit mehr geben.

Andrea

Verwendete Literatur:
Tango, Eduardo Araníbar, Heel-Verlag 2008
Im Himmel Tango, Elsa Osorio, Suhrkamp-Verlag, 2008

 

Castello di Monticelli

Castello di Monticelli

Wie schon im letzten Blogartikel berichtet, führte unsere Heimreise aus Italien über einen sehr angenehmen Umweg nach Umbrien. Der Grund war, dass wir Castello di Monticelli kennenlernen wollten, weil wir dorthin eine Tangoreise geplant haben.

Bei unserer Ankunft wurden wir von der Gastgeberin Ellen herzlich empfangen. Ein erster Rundgang mit ihr durch die Anlage beeindruckte uns gleich sehr. Das Castello liegt auf einem kleinen Hügel inmitten eines breiten Tales, sodass man von dort eine wunderbare Aussicht in alle Richtungen hat. Man kann den Blick schweifen lassen über die umbrische Landschaft mit ihren sanften Hügeln und den darin verstreuten mittelalterlichen Dörfern. Von der Terrasse aus, unter Pinien, öffnet sich der Ausblick besonders weit und Perugia ist in Sichtweite. Die historischen, denkmalgeschützten Gebäude, die zum jetzigen Urlaubsdomizil gehören, liegen inmitten eines großen Parks. Pinien, Oliven, Lavendel, Rosmarin und viele andere mediterrane Pflanzen bilden den Rahmen für die unterschiedlichen Gebäude mit ihrer langen Geschichte.

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Ursprünglich war das Castello, wie der Name schon verrät, eine Festung. Bereits die Römer erbauten an dieser Stelle zwei Türme zur Verteidigung gegen die Longobarden. Steine aus dieser Zeit sind auch heute noch in den Türmen zu finden. Eine wechselvolle Geschichte folgte, in der sich die Funktion des Castellos immer wieder änderte. Von einer Verteidigungseinrichtung wandelte sich Monticelli im 11. Jhd. für 500 Jahre lang in ein Benediktinerkloster, bis es im 15. Jhd. von einer aristokratischen Familie gekauft wurde. Diese erweiterte die Anlage um einen Palazzo. Von da an diente es verschiedenen adeligen Familien als Sommer- und Jagdresidenz. In den beiden Weltkriegen hingegen mutierte es zu einem Gefängnis, unter anderem auch für österreichische Soldaten. Durch die beiden Kriege wurde vieles an den Gebäuden zerstört und so nahmen es ab 1945 Bauern der Umgebung in Besitz. Sie betrieben vor allem Wein- und Tabakanbau. Mit ihren Familien und ihren Tieren, Schweinen und Kühen, belebten sie bis in die 80er Jahre das kleine Borgo. Danach verfiel es zu einer Ruine. 1999 kauften es die jetzigen BesitzerInnen, Ellen aus Deutschland mit ihrem italienischen Mann. Wir waren sehr bewegt, als wir das erfuhren, denn es ist die gleiche Zeit, in der wir ein Jahr in Umbrien auf der Suche nach einem Haus gelebt haben. Wir wollten ebenfalls ein Gästehaus daraus machen, konnten diesen Traum aber nicht verwirklichen und gingen andere Wege. Nun, Ellen und ihr Mann haben sich der großen Herausforderung gestellt, das verfallene Borgo zu renovieren, Gebäude um Gebäude, und so ist die derzeit letzte Funktion der historischen Anlage, die eines luxuriösen Ferienresorts.

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Wir konnten diesmal für kurze Zeit hinein schnuppern, wie es ist, dort Urlaub zu machen: untergebracht in einer Suite, schlicht und elegant eingerichtet, einladend und gemütlich die Sitzgruppe vor einem offenen Kamin, eine kleine Kochnische bietet die Möglichkeit sich selbst mit Köstlichkeiten aus der Umgebung zu versorgen, ein großzügiges Bad und Schlafzimmer sorgen für die nötige Erholung und aus den Fenstern genossen wir die Ausblicke auf die umbrische Landschaft.

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Im Park flanieren, es sich auf der Terrasse gemütlich machen, ein Sprung in eines der beiden Pools, die sehr versteckt in die Parkanlage integriert sind (im Winter gibt es stattdessen die Möglichkeit im kleinen Spa zu entspannen), eine Plauderei mit Ellen, ein köstliches Frühstück im ehemaligen Speisesaal der Mönche, eine Führung durchs Schloss, an einem Kochabend teilnehmen, Ausflüge in die Umgebung (Perugia, Assisi, ein Naturpark, … sind nicht weit) unternehmen, … unzählige Möglichkeiten bieten sich an. Und dann noch der Tango – wir sehen uns schon dort, in einem der alten Säle, die Geschichte atmen, Tango tanzen. Wenn du jetzt nicht widerstehen kannst, es gibt noch freie Plätze für die Tangoreise über Silvester. In einem umbrischen Schloss ins neue Jahr zu tanzen wäre doch eine Option, oder?

Andrea

 

Marmor, ein kostbarer Stein

Marmor, ein kostbarer Stein

Wenn man vom Meer aus die Apuanischen Alpen betrachtet, scheint auf den ersten Blick auf deren Gipfeln Schnee zu liegen. Dass das hier im September – wir haben für unsere Begriffe noch hochsommerliches Wetter – nicht sein kann, weiß man. Es ist der Marmor, der, von der Sonne angestrahlt, herunter leuchtet. Ein schönes und bizarres Bild zugleich – die Berge haben weiße Wunden.

dscf5665Wenn man sich an der Costa Versilia aufhält, kommt man um den Marmor nicht herum. Er begleitet einen auf Schritt und Tritt im wahrsten Sinne des Wortes, denn hier bestehen die Gehsteige aus Marmor- in Seravezza aus Marmorresten, in Forte dei Marmi aus schönen Marmorplatten. Man hat ihn in allen Verarbeitungsstufen vom Abbau bis zur fertigen Statue oder Domfassade ständig vor Augen und in manchen Orten liegt Mamorstaub in der Luft.

Auch die Ortsnamen erzählen davon: Carrara kommt von „kar“, was so viel wie „Stein“ bedeutet, Forte dei Marmi heißt „Marmorfestung“ und Pietrasanta bedeutet „heiliger Stein“. Der Marmorabbau hat hier schon eine sehr lange Tradition und geht zurück bis auf die Römer, die ihre Sklaven die schwere Arbeit verrichten ließen. Im frühen Mittelalter gab es dann eine Gesellschaftsform, die sich leider nicht gehalten hat, denn die Orte hier waren freie Kommunen und die Menschen Arbeiter und Herren zugleich. Alle haben vom Marmorabbau profitiert. Es dauerte aber nicht lange bis die großen Adelsgeschlechter, wie z.B. die Medici, den Reichtum rochen, den man mit Marmor erlangen kann. dscf5662Von da an herrschten hier die sogenannten Marmorbarone, die das große Geld verdienten, während sie ihre Arbeiter ausbeuteten. Der Abbau des Marmors war und ist immer noch Schwerstarbeit. Wenn dann noch dazu die Arbeitsbedingungen katastrophal waren, 12 Stunden Arbeitszeit und schlechte Sicherheitsvorkehrungen zu einem äußerst geringen Lohn, war es kein Wunder, wenn es zu Aufständen kam. Die hat es hier immer wieder gegeben, sodass sich eine Anarchistenszene entwickelt hat. Bis herauf ins 20. Jhd. wurden sogar Anarchistenkongresse abgehalten und man ist hier ein bisschen stolz auf diese Tradition des Widerstandes. In Carrara sind heute noch an den Hauswänden die Symbole der Anarchisten zu finden.

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Nun, mittlerweile gibt es Gewerkschaften und bessere Arbeitsbedingungen und Maschinen, die die Arbeit erleichtern. Aber es ist immer noch eine sehr schwere Arbeit, die auch viel Fachwissen erfordert. Der Stein wird nämlich auf Grund seines großen Wertes aus den Bergen mit diamantenbesetzten Stahlseilen bzw. Riesensägen herausgeschnitten – so sehen hier manche Berggipfel selbst wie riesengroße Skulpturen aus. Die so entstandenen Marmorblöcke werden dann mit Lastwagen zu Tal befördert, normales Transportgut sind 30 Tonnen Gewicht. Es verlangt großes Geschick von den Fahrern mit diesem Gewicht die schmalen und kurvenreichen Straßen zu bewältigen. Wir haben einen der Marmorsteinbrüche an einem Wochenende besucht und waren heilfroh, keinem dieser LKWs zu begegnen. Unten in den Tälern, an den Flüssen gibt es dann die unzähligen Marmorsägereien, mit ein paar Ausnahmen fast alle Kleinbetriebe. Hier wird der Marmor in Platten zersägt. Aus einem Zweimeterblock erhält man zwar 80 Platten auf einmal, aber es dauert 100 Stunden bis so ein Block zersägt ist. Gleich in der Nähe unseres Hauses befindet sich auch so eine Sägerei, die Tag und Nacht selbst am Wochenende in Betrieb ist – jetzt wissen wir warum.

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Dieser Stein zieht natürlich auch seit jeher KünstlerInnen an. Schon Michelangelo hat eine Zeit lang hier gelebt, um sich die Marmorblöcke für seine Statuen selbst auszusuchen. Der Marmor, der dafür verwendet wird, „Statuario“ genannt, ist der begehrteste – weiß, feinkörnig und seidig-glänzend. Es gibt nämlich 50 verschiedene Mamortypen, darum gibt es im Italienischen auch eine Mehrzahl für diesen Stein – „marmi“. Allora, wir haben vor einigen Tagen in Seravezza einen Künstler kennengelernt, der sich hier niedergelassen hat. Er, ein Franzose, und seine Frau, eine Asiatin, sind ein angesehenes Bildhauerehepaar, das hier die Foundation ARKAD zur Unterstützung anderer KünstlerInnen betreibt. Letzten Sonntag hatten sie einen Tag der offenen Tür und wir konnten ihre Arbeitshalle und ihre Ausstellungsräume besichtigen. Die Arbeitshalle hat uns besonders beeindruckt – riesengroß, alles mit weißem Mamorstaub überzogen, halbfertige Arbeiten und die Werkzeuge, die man für die Bearbeitung des Marmors braucht – eine ganz besondere Atmosphäre. In den Ausstellungsräumen konnten wir dann die Modelle ihrer Arbeiten besichtigen, denn sie erschaffen riesengroße Mamorskulpturen für den öffentlichen Raum – auf Bildern zu sehen. Überwältigend schön wie diese sich auf einem Platz, in einem Park oder am Meeresufer einfügen! Es ist sehr beeindruckend, wenn die Schönheit dieses Steines so zur Geltung gebracht wird. Man muss als BildhauerIn neben dem künstlerischen Ausdruck und dem handwerklichen Können, aber sicher auch den Respekt vor diesem Stück Natur und auch den Menschen, die die Schwerstarbeit des Abbaus leisten, einfließen lassen.

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Gestern erst waren wir in Carrara, das sich ja Welthauptstadt des Marmors nennt. Der Name dieser Stadt steht für den Marmor hier, aber der Stadt selbst ist das nicht anzumerken. Bei unserer Wanderung durch die Gassen wurden wir immer bedrückter, denn fast die gesamte Altstadt steht leer. Lokale, Geschäfte und Wohnungen werden zum Verkauf angeboten, an jedem zweiten Haus findet man das Schild „Vendesi“. Vieles schon sehr baufällig, macht die Stadt einen heruntergekommen Eindruck, es ist nichts von Reichtum zu bemerken. Diese Stadt verdient also nicht am Marmor. Wer macht also heute das große Geld damit, anstelle der Marmorbarone? Wir konnten es nicht herausfinden, aber man kann es sich denken. Mit diesem Hintergrundwissen, das wir über den Marmor hier gesammelt haben, fühlt es sich jedenfalls anders an, diesen besonderen Stein zu berühren, als vorher.

Andrea

Entstehung des Tangos

Entstehung des Tangos

Wenn man sich in die Welt des Tango Argentino vertieft, ist natürlich auch seine Geschichte von Bedeutung. Wie ist dieser Tanz entstanden, was sind seine Wurzeln?

Die Geburt des Tangos gibt auch heute noch viele Rätsel auf und in manchen Punkten Uneinigkeiten. Einig ist man sich, was den Zeitpunkt seiner Entstehung betrifft. Die Anfänge des Tango Argentino waren in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Ob sein Ursprung jedoch in Buenos Aires oder in Montevideo liegt, darüber streiten sich die Geister. Heutzutage assoziiert man Tango Argentino sofort mit Buenos Aires, er dürfte aber an beiden Ufern des Rio de la Plata entstanden sein und wurde deshalb auch als Ufermusik bezeichnet.

15635766339_066d8a8afa_bIn beiden Ländern, sowohl Argentinien als auch Uruguay, gab es zu der Zeit eine große Zahl von europäischen Immigranten, die hier den Traum vom besseren Leben verwirklichen wollten. Sehr aktuell, wenn man an die Menschen denkt, die zurzeit bei uns Zuflucht suchen. Damals waren es europäische Wirtschaftsflüchtlinge, sechs Millionen Menschen kamen und mehr als die Hälfte blieb für immer. Buenos Aires war also bald von alleinstehenden Männern überbevölkert und die ärmeren Schichten ließen sich in den Außenbezirken von Buenos Aires nieder. Und in diesem Milieu entstand der Tango – im Armenmilieu, im verbotenen Milieu der Bordelle. Für die gehobene Schicht der damaligen Zeit in Buenos Aires war „Tango“ ein unflätiges Wort. Sie verbanden damit eine niedere Form der Musik, die die Außenseiter der Gesellschaft repräsentierte. Eine interessante Tatsache wenn man bedenkt, dass Tango bei uns heute eher in der gehobenen, intellektuellen Schicht getanzt wird. Aber zurück zu seinen Ursprüngen. Da gibt es, was seine Entstehung betrifft auch ziemlich radikale Aussagen, wie: der Ursprung des Tangos ist schwul und schwarz.

8386532695_76af36f851_oDer oben erwähnte Frauenmangel führte die Männer zusammen. Sie trafen sich in Kneipen und Bordellen, sangen und tanzten Tango. „Tango hat die herkömmliche weiße Männerrolle unterminiert, der Mann wird weiblich, indem er jammert und schluchzt“, lässt der Autor Wolfram Fleischhauer eine seiner Protagonistinnen im Roman Drei Minuten mit der Wirklichkeit sagen. Männer, die miteinander Tango tanzten, waren um diese Zeit also kein ungewöhnliches Bild in Buenos Aires. Das ist auch einer der Hintergründe für unsere wo/men tango acts, in denen wir als Herrendarstellerinnen auftreten.

Was hat nun aber Tango mit den Schwarzen zu tun? Unter den vielen Bewohnern von Buenos Aires und Montevideo gab es auch eine schwarze Bevölkerung, die ursprünglich als Sklaven auf den Kontinent kam. Sie durchmischten sich mit der europäischen Bevölkerung, bzw. unzählige verschwanden – in Kriegen und auf Plantagen verschlissen. 4418261974_e7f8b8ac04_bSie waren aber für diese neu aufkeimende Musik wesentlich. Das Wort Tango soll aus dem Äthiopischen kommen. Tangú bezeichnet einen bestimmten Rhythmus, der in der Candombe, einer schwarzen Musik mit schnellen, heiteren Rhythmen, vorkommt. Und auch die älteste überlieferte Zeichnung eines Tango tanzenden Paares zeigt zwei Schwarze. Mit der Zeit kam es zu einer Fusion der europäischen und afrikanischen Musik. Verschiedene volkstümliche Musikstile, die Habanera aus Kuba, die Candombe aus Afrika, die Land-Milonga aus Spanien und der Walzer verschmolzen zu der Musik, die wir heute Tango nennen.

Außerdem kam zu dieser Zeit auch eine neue Tanzmode auf, nämlich der Volkstanz, bei dem es ebenso zu einer Vermischung von Gesellschaftstanz und schwarzem Tanz kam. Es entstanden neue Tanzzentren, in denen sich die Tanzpaare im Tangorhythmus wiegten. Anfangs wurde dieser Tanz noch mit größerem Abstand getanzt und man imitierte die schwungvollen Bewegungen der Candombe. Mit der Verbreitung des Tangos bis nach Europa, in der Modestadt Paris wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts schnell modern, verschwanden die afrikanischen Wurzeln immer mehr und man ist sich heute dessen kaum noch bewusst.

Abschließend kann jedoch gesagt werden, dass die Entstehung des Tangos eine gemeinschaftliche Schöpfung der Portenos, der Hafenbewohner unterschiedlicher Kulturen, dies- und jenseits des Rio de la Plata, war.

Andrea

Verwendete Literatur:
Tango, Eduardo Araníbar, HEEL Verlag, 2008
Drei Minuten mit der Wirklichkeit, Wolfram Fleischhauer, Knaur Verlag, 2002