Castello di Monticelli

Castello di Monticelli

Wie schon im letzten Blogartikel berichtet, führte unsere Heimreise aus Italien über einen sehr angenehmen Umweg nach Umbrien. Der Grund war, dass wir Castello di Monticelli kennenlernen wollten, weil wir dorthin eine Tangoreise geplant haben.

Bei unserer Ankunft wurden wir von der Gastgeberin Ellen herzlich empfangen. Ein erster Rundgang mit ihr durch die Anlage beeindruckte uns gleich sehr. Das Castello liegt auf einem kleinen Hügel inmitten eines breiten Tales, sodass man von dort eine wunderbare Aussicht in alle Richtungen hat. Man kann den Blick schweifen lassen über die umbrische Landschaft mit ihren sanften Hügeln und den darin verstreuten mittelalterlichen Dörfern. Von der Terrasse aus, unter Pinien, öffnet sich der Ausblick besonders weit und Perugia ist in Sichtweite. Die historischen, denkmalgeschützten Gebäude, die zum jetzigen Urlaubsdomizil gehören, liegen inmitten eines großen Parks. Pinien, Oliven, Lavendel, Rosmarin und viele andere mediterrane Pflanzen bilden den Rahmen für die unterschiedlichen Gebäude mit ihrer langen Geschichte.

dscf5848dscf5853

Ursprünglich war das Castello, wie der Name schon verrät, eine Festung. Bereits die Römer erbauten an dieser Stelle zwei Türme zur Verteidigung gegen die Longobarden. Steine aus dieser Zeit sind auch heute noch in den Türmen zu finden. Eine wechselvolle Geschichte folgte, in der sich die Funktion des Castellos immer wieder änderte. Von einer Verteidigungseinrichtung wandelte sich Monticelli im 11. Jhd. für 500 Jahre lang in ein Benediktinerkloster, bis es im 15. Jhd. von einer aristokratischen Familie gekauft wurde. Diese erweiterte die Anlage um einen Palazzo. Von da an diente es verschiedenen adeligen Familien als Sommer- und Jagdresidenz. In den beiden Weltkriegen hingegen mutierte es zu einem Gefängnis, unter anderem auch für österreichische Soldaten. Durch die beiden Kriege wurde vieles an den Gebäuden zerstört und so nahmen es ab 1945 Bauern der Umgebung in Besitz. Sie betrieben vor allem Wein- und Tabakanbau. Mit ihren Familien und ihren Tieren, Schweinen und Kühen, belebten sie bis in die 80er Jahre das kleine Borgo. Danach verfiel es zu einer Ruine. 1999 kauften es die jetzigen BesitzerInnen, Ellen aus Deutschland mit ihrem italienischen Mann. Wir waren sehr bewegt, als wir das erfuhren, denn es ist die gleiche Zeit, in der wir ein Jahr in Umbrien auf der Suche nach einem Haus gelebt haben. Wir wollten ebenfalls ein Gästehaus daraus machen, konnten diesen Traum aber nicht verwirklichen und gingen andere Wege. Nun, Ellen und ihr Mann haben sich der großen Herausforderung gestellt, das verfallene Borgo zu renovieren, Gebäude um Gebäude, und so ist die derzeit letzte Funktion der historischen Anlage, die eines luxuriösen Ferienresorts.

dscf5846dscf5841

Wir konnten diesmal für kurze Zeit hinein schnuppern, wie es ist, dort Urlaub zu machen: untergebracht in einer Suite, schlicht und elegant eingerichtet, einladend und gemütlich die Sitzgruppe vor einem offenen Kamin, eine kleine Kochnische bietet die Möglichkeit sich selbst mit Köstlichkeiten aus der Umgebung zu versorgen, ein großzügiges Bad und Schlafzimmer sorgen für die nötige Erholung und aus den Fenstern genossen wir die Ausblicke auf die umbrische Landschaft.

dscf5857dscf5861

Im Park flanieren, es sich auf der Terrasse gemütlich machen, ein Sprung in eines der beiden Pools, die sehr versteckt in die Parkanlage integriert sind (im Winter gibt es stattdessen die Möglichkeit im kleinen Spa zu entspannen), eine Plauderei mit Ellen, ein köstliches Frühstück im ehemaligen Speisesaal der Mönche, eine Führung durchs Schloss, an einem Kochabend teilnehmen, Ausflüge in die Umgebung (Perugia, Assisi, ein Naturpark, … sind nicht weit) unternehmen, … unzählige Möglichkeiten bieten sich an. Und dann noch der Tango – wir sehen uns schon dort, in einem der alten Säle, die Geschichte atmen, Tango tanzen. Wenn du jetzt nicht widerstehen kannst, es gibt noch freie Plätze für die Tangoreise über Silvester. In einem umbrischen Schloss ins neue Jahr zu tanzen wäre doch eine Option, oder?

Andrea

 

Eine Reise in die Vergangenheit …

Eine Reise in die Vergangenheit …

Wir sind nicht auf direktem Weg zurück nach Österreich gefahren, sondern haben noch einen Abstecher nach Umbrien gemacht, um dort das Hotel Castello Monticelli und seine Besitzerin kennen zu lernen, weil wir dort demnächst einen Tangoworkshop geben werden. Da auf der Autobahn rund um Florenz meist extrem viel Verkehr ist, haben wir uns entschlossen, diesen Bereich zu meiden und stattdessen 250 km quer durch die Toskana – vom Nordwesten am Tyrrhenischen Meer bis in den Südosten nahe dem Lago Trasimeno – auf Bundes- und Schnellstraßen zu fahren. Und bald schon war klar, dies wird für uns eine Reise in die Vergangenheit!

An den Bildern in den letzten Blogartikeln war schon zu erkennen, dass es an der Costa Versilia nicht so ausgesehen hat, wie man die Toskana üblicherweise kennt. Bald nachdem wir an Lucca vorbeigefahren sind, wurde die Landschaft „typisch toskanisch“: sanfte, grüne Hügel mit Oliven- und Weingärten, Zypressenallen hinauf zu einem kleinen Dorf oder einem herrschaftlichen Anwesen. Die Straße im Tal verlief kilometerlang durch Pinien- oder Platanenalleen. Der Anblick war mir sofort wieder vertraut, obwohl wir viele Jahre nicht hier gewesen sind. In den späten 1990ern sind wir mehrmals im Jahr – oft nur für ein verlängertes Wochenende – in die Toskana gefahren. Damals wurden wir immer wieder gefragt, warum wir so oft dorthin fahren und wir haben gescherzt und geantwortet, es sei ja wohl klar, dass man mehrmals im Jahr nach Hause fährt … Nun waren wir schon fast zehn Jahre lang nicht mehr in der Toskana, und dennoch hatte ich sofort dieses vertraute Gefühl, angekommen zu sein in meinem Sehnsuchtsland.

dscf5830Die Frage, wo wir an diesem Reisetag Mittagsrast halten, war schnell beantwortet, denn diese Diagonale durch die Toskana führte an Siena vorbei – und Siena war immer „unsere“ Stadt! Florenz, Pisa, Lucca … sind wunderschön, aber wir hatten uns in Siena zu Hause gefühlt. Die letzten Kilometer auf der Schnellstraße weckten die Erinnerung an die unzähligen Male, wenn wir angereist sind und nach 7 Stunden Fahrt fast am Ziel waren. Diesmal sind wir mit dem Auto recht weit ins Zentrum gefahren und direkt in die Altstadt gebummelt. Es war ein unbeschreibliches Glücksgefühl, in jenen Gässchen, vorbei an den Palazzi und den kleinen Plätzen, zu spazieren, die so vertraut sind. Trotz der vielen Jahre hat sich kaum etwas verändert. Inmitten unzähliger TouristInnen und den Sienesen auf dem Weg in die Mittagspause sind wir dem großen Platz, der uns wie all die Jahre zuvor magisch angezogen hat, entgegen gestrebt, bis wir endlich dort angekommen sind: Il Campo, übersetzt eigentlich „das Feld“, für mich der schönste Platz der Welt! Wir sind hinausgetreten aus den schmalen Gassen in diesen muschelförmigen Halbkreis aus ziegelroten Häusern und dem Rathaus mit seinem eleganten Turm. Und wieder erfasste mich dieses beinah überwältigende Gefühl, angekommen zu sein am Mittelpunkt der Welt. Diese Harmonie der Gebäude, alle in den rotbraunen Farben der Erde rund um Siena, die Weite des Platzes, die zugleich Offenheit und Geborgenheit vermittelt. Ein unbeschreiblicher Augenblick! Nur der Hunger konnte uns dazu bringen, den Platz zu verlassen und den Spaziergang durch die Altstadt fortzusetzen, eine Bäckerei, in der wir früher gerne waren, zu suchen und freudig festzustellen, dass es sie noch gibt. Gestärkt sind wir dann nochmals auf den Campo zurückgekehrt, um ihn zu umrunden bevor wir zum Abschluss unseres Kurzbesuches im Cafe Nannini einen Espresso getrunken und, damit das Glücksgefühl ein wenig konserviert werden kann, typische Süßigkeiten aus Siena gekauft haben. Nach zwei Stunden sind wir schon wieder im Auto gesessen, einige Zeit lang sind wir schweigend weitergefahren, denn wir waren beide in Gedanken noch in „unserer“ Stadt …

dscf5837

Doch die Reise in die Vergangenheit war noch nicht zu Ende! Der nächste Streckenabschnitt führte entlang der „Crete“, jenem wüstenartigen Landstrich südöstlich von Siena, in dem die Getreidefelder im Spätsommer fast weiß wie Sand sind und es beinah unmöglich erscheint, dass hier etwas wachsen kann. In unzähligen Spazierfahrten haben wir früher diese magische Landschaft erkundet und sogar davon geträumt, in einem der Bauernhäuser, die dort auf den Hügeln thronen, zu leben. Nach einiger Zeit veränderte sich die Landschaft wieder, es wurde wieder grün und „typisch toskanisch“, bis wir nahe der Grenze zu Umbrien und somit nicht mehr weit entfernt vom Lago Trasimeno waren. In der Nähe des Sees haben wir vor 16 Jahren einige Monate lang gelebt und so war dieser Anblick wieder mit vielen Erinnerungen und intensiven Gefühlen verbunden.

dscf5868

Im Licht der Abendsonne wirkte er wie verzaubert, der Wirklichkeit entrückt, und das passte irgendwie zu diesem ungewöhnlichen Tag! Die Hügel rund um den See mit ihren Olivengärten und den kleinen Dörfern, die wir damals auf unseren alltäglichen Wegen entlang gefahren sind, leuchteten in diesem Licht. Wir mussten einfach stehenbleiben und aussteigen und wie damals einfach den Blick schweifen lassen und diese Bilder in uns aufsaugen.

dscf5866

Und seltsam, wieder spürte ich dieses Glück und diese Dankbarkeit, jetzt hier sein zu können, jedoch keine Wehmut. Ich wurde erinnert an jene Zeit, aber ich war nicht traurig, dass sie so lange zurückliegt oder dass ich so lange nicht dort war, sondern ich konnte diesen Augenblick völlig genießen! Aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich weiß, dass es nun nicht mehr so viele Jahre dauern wird, bis wir wieder dort sein werden! Der Tango war der Grund für diese Reise in die Vergangenheit und unsere Arbeit wird uns in den nächsten Monaten mehrmals in unser altes Sehnsuchtsland führen. Welche ein Geschenk!

Sigrid

 

Traumhaftes Umbrien

Traumhaftes Umbrien

Vor wenigen Tagen ist in Österreich ein Schuljahr zu Ende gegangen und die Sommerferien haben begonnen. Obwohl unser endgültiger Schulschluss schon drei Jahre zurückliegt, ist jene Zeit für mich noch immer eine Zäsur im Jahreslauf – zu lange hat dieser Rhythmus mein Leben bestimmt. Heuer erinnere ich mich aber aus gutem Grund an den Schulschluss des Jahres 2000. Damals haben wir uns in unseren Schulen verabschiedet, um ein Sabbatical, eine einjährige Auszeit, zu beginnen. Für uns aber ist es um mehr als um dieses Jahr gegangen, denn wir sind schon damals einem Traum gefolgt und wollten eigentlich nicht in die Schule zurückkehren. Dieser Traum hatte noch überhaupt nichts mit dem Tango zu tun – der Tango ist erst Jahre später in unser Leben getreten – sondern mit unserem Sehnsuchtsland Italien.

12775998914_2421f2aa98_bIn den späten 1990ern sind wir mehrmals im Jahr nach Mittelitalien, in die Toskana und auch nach Umbrien, gereist und irgendwann ist der Traum entstanden, dort ein altes Bauernhaus zu kaufen, zu renovieren und daraus ein Gästehaus zu machen. Im September 2000 sind wir mit Sack und Pack aufgebrochen, wir hatten uns in den Hügeln oberhalb des Lago Trasimeno in einem alten Steinhaus eine Wohnung gemietet, und unser Leben in Italien hat begonnen. Wir haben in diesem Jahr 90 (!) Häuser besichtigt, einige davon waren wunderschön und auch sehr interessant und passend für unsere Pläne, wir hätten ein Buch über Makler schreiben können und unser Italienisch war perfekt bei allem, was mit Häusern zu tun hatte. Das Problem war leider der Preis, der in jenem Jahr (angeblich aufgrund der bevorstehenden Euroumstellung und der damit verbundenen Bezahlung in bar …) enorm angestiegen ist und damit einerseits unser Budget und andererseits unsere Risikofreudigkeit für eine Finanzierung überstieg. Wir sind also am Ende dieses Jahres nach Österreich zurückgekehrt und haben danach auch wieder als Lehrerinnen gearbeitet. Unseren Traum vom Haus am Land haben wir in den folgenden Jahren hier im Südburgenland verwirklicht, indem wir ein altes Bauernhaus renoviert haben, in dem wir immer noch wohnen.

War dieses Jahr also eine Niederlage – ausgeträumt der Traum von Italien? Nein, denn es war einfach wunderschön, ein Jahr lang in Italien zu leben! Wir sind verändert und bereichert zurückgekehrt, was natürlich nicht heißt, dass es da nicht auch Zeiten gab, in denen wir traurig waren und uns von unserem Traum verabschieden mussten.

Nun, warum erzähle ich all das? Warum kommen mir gerade heuer dieser Schulschluss und der Beginn unseres Lebens in Umbrien in den Sinn?

2685264588_90a8f5280f_bWeil unser Leben mit dem Tango uns demnächst nach Umbrien führen wird!!! Und zwar in ein wunderschönes, altes Castello, wie die Bauernhäuser in Mittelitalien aus Stein gebaut und herrlich gelegen auf einem kleinen Hügel mit Aussicht über die umbrische Landschaft. Wir wohnten damals wenige Kilometer entfernt von jenem Castello di Monticelli, das südöstlich des Lago Trasimeno liegt und liebevoll zu einem Hotel umgestaltet wurde.

2685321684_15145e380a_b (3)Über Silvester werden wir dort für Women Fair Travel einen Tangokurs für Frauen geben und damit an eine andere Tradition, die wir in jenen späten 1990er Jahren gepflegt haben, anknüpfen. Wir sind damals mehrere Jahre hintereinander über Silvester in der Toskana oder in Umbrien gewesen. Im Winter sind die Landschaft und ihre Stimmung beinahe noch faszinierender als im Sommer. Nicht nur, weil weniger TouristInnen unterwegs sind, ist es möglich das Land und seine Menschen unmittelbarer zu erleben. Das Besondere ist das Licht der tiefstehenden Sonne! Einfach traumhaft schön, wie das Land, das um diese Zeit in leuchtendem Grün erstrahlt, in diesem Licht zur Geltung kommt und in manchen Augenblicken fast magisch wirkt. Der See, im Sommer als milchig-braune Fläche eher unspektakulär, wird nun zum Star eines Farbenspiels, das von den umliegenden Hügeln aus wie von Logenplätzen zu sehen ist: mehrmals am Tag wechselt er sein Aussehen in allen erdenklichen Blau- und Grüntönen, spiegelt die Wolken und reflektiert das Licht. Dass es dazu noch angenehme Temperaturen gibt, die einmal am Neujahrstag sogar ein Picknick im Olivengarten möglich machten, macht den Aufenthalt natürlich noch feiner.

13153327473_200f1a2253_b5969943462_47067da047_b

Und heuer werden wir in der Silvesternacht in Umbrien Tango tanzen! Der Kurs ist eine Kombination aus unserem Solo Tango Workshop, in dem jede allein in der Gruppe Tango tanzt, und der Möglichkeit für den klassischen Tango Argentino als Paartanz. Beides soll nebeneinander Platz haben und uns allen miteinander ein völlig neues Tangoerlebnis eröffnen. Und gestärkt für diese Tangonacht werden wir nach einem köstlichen Silvestermenü, das in Italien der Mittelpunkt der Feier zum Jahresabschluss ist, auf jeden Fall sein.

Wie sehr ich mich darauf schon freue, steht wohl deutlich zwischen den Zeilen. Vielleicht ist diese Freude ansteckend???

Sigrid