Mascarada

Masken faszinieren. Die Maske steht für Tarnung und Maskerade, die uns schöner, erhabener und gefährlicher erscheinen lässt, heißt es in einem jüngst von Paula Pfoser veröffentlichten ORF-Artikel zur Kulturgeschichte der Maske.
Auch wir hatten schon einmal einen Maskentanz konzipiert und aufgeführt, in dem es um unsere alltäglichen Maskeraden und den Mut sich zu zeigen ging. Mittlerweile haben Masken aber eine ganz andere Bedeutung bekommen, sie wurden zum Symbol der Pandemie. Diese zwang uns ja auch lange Zeit zu Hause zu sein, und so war bald einmal klar, dass wir diesen Maskentanz überarbeiten und daraus einen wo/men tango act kreieren wollen, in dem wir die Erfahrungen der Pandemie zum Ausdruck bringen. Es ist jetzt ein völlig neues Stück daraus geworden, und das Arbeiten daran half uns auch über den für uns unendlichen Lockdown hinweg.

Außer dem oben erwähnten interessanten Artikel lieferte uns die Ausstellung mit dem Untertitel Masken und Seuchen am Wiener Hof 1500 – 1918, die gerade in Schönbrunn gezeigt wird, Hintergrundinformationen. Hier wird aufgezeigt, dass trotz zahlreicher Seuchen und Pandemien im Laufe der Geschichte, wie Pest, Pocken, Cholera oder Spanische Grippe, die Maske in der heimischen Medizingeschichte bisher eine untergeordnete Rolle spielte. Masken waren nur vereinzelt im Umlauf, wurden in Karikaturen verwendet, um sich über die Angst der Bevölkerung lustig zu machen oder es wurden Abbildungen des unheimlichen Schnabeldoktors über Flugblätter verbreitet, mit dem Hinweis, diese würden in Italien und Frankreich verwendet, aber hier bei uns würden sie nicht gebraucht, weil man die Seuche im Griff habe, also um Überlegenheit zu demonstrieren.

Der Pestdoktor mit seiner Schnabelmaske wurde dennoch zur Symbolfigur der Angst – bis in die Gegenwart hinein. Bei der FFP2-Maske mit ihrer leicht schnabelförmigen Ausformung und der größeren Gesichtsabdeckung liegt die unheimliche Assoziation jetzt noch stärker auf der Hand, schreibt auch Paula Pfoser. Und sie berichtet von der Assistenzprofessorin Deidre Barrett, die an der Harvard Medical School aktuell zu Träumen forscht, dass es gerade zu einer Konjunktur von Maskenträumen, in denen auch der Pestarzt seinen Auftritt hat, kommt.
Gesichtsverdeckungen sind im europäischen Raum seit jeher Zeichen des Außergewöhnlichen, die Maske steht also hierzulande niemals für das, was wir „Normalzustand“ nennen.

Wir verwenden für den wo/men tango act Mascarada venezianische Masken. Im venezianischen Karneval gewährt die Maske die Möglichkeit, die zugewiesenen Rollen zu verlassen und mit anderen Identitäten zu experimentieren. Das Spannende an der Entwicklung unseres Stückes war also, dieses Rollenspiel mit den Erfahrungen der Pandemie aufzuladen, die venezianischen Masken zu verfremden und trotz Masken vor allem Emotionen zum Ausdruck zu bringen. „Wir erzählen von Isolation und Sehnsucht nach Nähe, deren Erfüllung und dem Glück einer Umarmung“, beschreiben wir es kurz auf unserer Website.

Es ging uns um die gegensätzlichen Erfahrungen: Einsamkeit, Starre, Stillstand und Begrenzung auf der einen Seite und Nähe, Berührung, Umarmung und Lebensfreude auf der anderen Seite. Davon ausgehend ein Tanzstück zu entwickeln, ist ein intensiver und wunderschöner Prozess. Zu sehen wie sich Musik, Choreografie, Schauspiel und Kostüme zu einem Ganzen zusammenfügen, bis es endlich aufführungsreif ist. Nun proben wir hin auf die Premiere von Mascarada, die im Juni in Berlin stattfinden soll. Wir freuen uns und hoffen!

Andrea

Verwendete Literatur: Kulturgeschichte der Maske, Paula Pfoser, 1. Februar 2021

Die Fotos von Mascarada entstanden bei einem Shooting mit Astrid Rampula: astrimage.at

Ein Kommentar zu “Mascarada

  1. „Dr. Schnabel von Rom“ …
    – mehr gibt es derzeit nicht zu sagen, zu dem neuen „Maskenkult“,
    oder doch?

    Liebe Grüße
    und die Gedanken dürfen gerne frei sein,
    Raphael.

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