Facciamo un giro

Wir drehen eine Runde! Diese Idee hatten wir schon vor Monaten beim Blick in den Terminkalender, als wir feststellten, dass die Woche nach unserem Workshop in Tirol noch nicht verplant ist. „Wenn wir ausnahmsweise mit dem Auto statt mit dem Zug reisen, könnten wir am Rückweg über Italien fahren und endlich wieder einmal Bella Italia genießen!“ Auf den zweiten Blick stellten wir fest, dass wir am Wochenende davor im Waldviertel SOLO TANGO tanzen und schon tauchte die Frage auf: „Vom Waldviertel 300 Kilometer zurück ins Südburgenland und dann gleich nach Innsbruck?“  Wir sind zwar gerne mit unserem kleinen Fiat unterwegs, aber lange Autofahrten lieben wir gar nicht. Also, dann machen wir gleich eine große, zweiwöchige Tour!

So sind wir an einem strahlend schönen Freitag Richtung Norden aufgebrochen – ausgerüstet mit Arbeits- und Freizeitutensilien und voller Vorfreude auf diese Reise. Von Anfang an war klar, dass wir ab nun Arbeit mit Genießen verbinden und es uns richtig fein machen. So legten wir, im Waldviertel angekommen, eine Mittagsrast am Ottensteiner Stausee ein, bevor wir das letzte Stückchen nach Schrems fuhren. In der GEA Akademie fühlten wir uns schon fast wie zu Hause, so vertraut sind uns die Menschen und die Atmosphäre dort schon. Und wie bei allen vorhergehenden Workshops hatten wir wieder eine total nette Gruppe und ein großartiges SOLO TANGO Wochenende.

Sonntag zu Mittag, nach dem herzlichen Abschied von unseren TeilnehmerInnen, tauschten wir die Tanzschuhe gegen Wanderschuhe und machten uns auf ins Schremser Hochmoor und in die Gegend um Heidenreichstein. Das sanfte Herbstlicht, die bunten Blätter, das saftige Grün und das tiefblaue Wasser der Seen und Teiche zauberten eine Stimmung, die beinahe unwirklich schön war! Wir konnten uns kaum sattsehen und sind immer wieder stehen geblieben, um Neues zu bestaunen.

Am Montag machten wir uns auf den Weg nach Salzburg und ließen uns dabei so richtig treiben. Spontan legten wir in Freistadt einen ersten Stopp ein und bummelten durch die kleine, nette Altstadt. Obwohl das Wetter nicht perfekt war, lockte uns das Salzkammergut. So kam ich erstmals nach Gmunden und war sofort begeistert! Der See, die prachtvollen alten Häuser an der Uferpromenade, der Blick auf die Berge! Noch heute hat Gmunden das Flair früherer Tage, als es ein Tummelplatz für SommerfrischlerInnen war. Zum Beispiel in der Conditorei Grellinger am Franz-Josef-Platz, die schon seit 1888 besteht. Beim Blick in das Gästebuch zeigt sich, dass hier nicht nur zu „Kaisers Zeiten“ alles, was Rang und Namen hatte, ein- und ausging und so wurde  K&K im Salzkammergut kurzerhand uminterpretiert in Künstler&Kaiser. Ob die Törtchen damals auch schon so köstlich waren, weiß ich nicht, aber unsere Kaffeepause war der reinste Genuss! Als wir die Conditorei verließen, blitze die Sonne hervor und wir beschlossen, nicht zurück auf die Autobahn zu fahren, sondern auf kleinen Straßen weiter durch das Salzkammergut zu reisen. Unser Cinquecento kletterte die Bergstraße hinauf und schien wie wir von dem Panorama, das sich plötzlich auftat, angetan! Über den Attersee und den Mondsee – mit dem Mond über dem See! – ging es dann am Abend nach Salzburg.

In Salzburg machten wir uns zu Fuß auf den Weg (unser Fiat hat sich eine Pause verdient!), um die Stadt zu erkunden. Wir schlenderten einfach durch die Gassen der Altstadt, ohne Plan und ohne Ziel, machten hier und dort Entdeckungen, zum Beispiel eine Hackbrett spielende Straßenkünstlerin nahe dem Dom, fanden uns plötzlich im Park des Schlosses Mirabell wieder, bestiegen anschließend den Festungsberg und spazierten zum Mönchsberg … inmitten von Tausenden TouristInnen und dennoch allein!

Dann war wieder die Arbeit an der Reihe! Auf der Suche nach einer Kooperation in Süddeutschland sind wir auf ein Seminarhotel nahe dem Chiemsee aufmerksam geworden und haben mit der Geschäftsführerin einen Termin vereinbart. Wir besichtigten das Haus und besprachen eine mögliche Zusammenarbeit. Dann fuhren wir zum See und nach einem köstlichen Mittagessen im Haus am See in Chieming tauschten wir unseren roten Fiat gegen ein blitzblaues Elektroboot und machten eine Spazierfahrt. Ehrlich, so schön kitschig ist es selten!

Am nächsten Tag ging es bei Kaiserwetter nach Tirol zu einer anderen K&K Audienz – der Anblick der beiden Bergmassive des Zahmen und Wilden Kaisers war tatsächlich majestätisch. Auf einer Mautstraße fuhren wir auf die 1000 Meter hoch gelegene Griesneralm direkt an der Nordwand des Wilden Kaisers. Unser Cinquecento blieb dort zurück und wir machten uns auf zu einer Bergtour. Und dieser Tag war so wunderschön, dass ich gar keine Worte finde und einfach die Bilder sprechen lasse:

Ab Freitag war wieder Tanzen angesagt – bei unserem ersten Workshop in Tirol, der ganz unter dem Motto klein und fein stand. Das Seminarhaus Zeit&Raum, mitten im Dorf Mieders, wurde behutsam und stimmig in ein 400 Jahre altes Bauernhaus integriert, hell und freundlich, mit viel Holz, einer angenehmen Atmosphäre und umgeben von einer prachtvollen Bergkulisse.
Klein und ganz besonders war aber auch die Gruppe der Teilnehmerinnen, die sich durch gemeinsame Botanikkurse  bei Anima Miedler gut kannten.  Sie hat nicht nur dieses Wochenende für uns organisiert, sondern die Gruppe mit feinem Gespür begleitet und einen harmonischen Rahmen bereitet. Ein ganz spezielles Tangowochenende!

Nach getaner Arbeit war es dann soweit – auf nach Bella Italia! In Bozen machten wir den ersten Stopp, fuhren weiter nach Trento und durch das Val Sugana nach Valdobbiadene, wo der Prosecco gedeiht. Und vom ersten Moment an waren wir mittendrin in all dem, was wir an Italien so lieben: In Valdobbiadene war Markttag, ein buntes Treiben auf der Piazza und in der kleinen Osteria, in der die Menschen nach dem Einkaufsbummel ein Glas Prosecco tranken und wir eine Mittagsjause einnahmen. Laut und fröhlich war die Stimmung und das Essen köstlich! Dann kurvten wir auf kleinen Straßen umher, um ein Agriturismo zu finden, parkten unseren Cinquecento vor dem Weingut, in dem wir uns einquartierten und machten uns auf zu einer ersten Erkundungsrunde. Am nächsten Morgen marschierten wir wieder los, ohne Landkarte und ohne Markierungen, suchten den Weg durch die Rebzeilen, Hügel auf und Hügel ab, kamen genau zur Mittagszeit an einer Osteria vorbei, in der wir uns stärkten, lagerten uns zur Siesta in einem der Weingärten und beschlossen die Runde mit einem Glas Prosecco bei der Ankunft in „unserem“ Weingut. Da fehlte nur noch eines: ein köstliches Abendessen in einem netten Ristorante! Perfetto!

Langsam nahte das Ende unsere Rundreise und auf einmal war sie da, die freche Idee, als krönenden Schlusspunkt nach Venedig zu reisen. Unser Cinquecento blieb am Dach des Parkhauses zurück und hatte so zumindest eine schöne Aussicht. Wir machten uns zu Fuß auf den Weg und fanden schnell ein nettes, kleines Hotel, bevor wir mit unserem Streifzug durch das Labyrinth der Gässchen und Brücken begannen. Bald machten wir in einer Bar die erste Pause für ein Häppchen – eine Riesenauswahl an Köstlichkeiten machte die Entscheidung nicht einfach! – und ein erstes Glas Wein. Dann gingen wir weiter Richtung Rialtobrücke, entdeckten im Luxuseinkaufstempel eines alten Palazzos den Zugang zu einer Dachterrasse, standen über den Dächern von Venedig und staunten! Während dieser ersten Stunden in der Stadt wussten wir zeitweise gar nicht, ob das denn nun die Wirklichkeit oder ein Traum ist, wir waren wie verzaubert! Je näher wir dem Markusplatz kamen, umso dichter wurde das Gedränge – waren wir in Salzburg noch inmitten von Tausenden TouristInnen unterwegs, so waren es hier wohl Zehntausende. Aber auch das hatte seinen Reiz: sich einfach in die Menge fallen zu lassen, die Menschen zu beobachten, irgendwie doch mit ihnen verbunden, aber eigentlich ganz für uns zu sein. Auf dem ganzen Weg durch die Stadt begleitete uns auch der Tango – immer wieder tauchte ein Werbeplakat für Tango auf, und zur Livemusik vor dem berühmten Cafe Florian am Markusplatz tanzten wir sogar ein paar Schritte. Am Abend dann war es ruhig in der Stadt, Venedig gehörte wieder den VenezianerInnen – ja, die gibt es! – und den wenigen Gästen, die wie wir hier übernachteten und diese besondere Atmosphäre der ruhigen Kanäle, des Lichts in den Gässchen und auf den kleinen Plätzen, und natürlich das köstliche Essen in einer kleinen Osteria schätzen.

Unglaublich, was wir in diesen zwei Wochen gesehen und erlebt haben! So ist dieser Beitrag viel länger geworden als alle anderen, aber was hätte ich auslassen, wovon hätte ich nicht erzählen sollen?  Und ehrlich, ich habe nicht übertrieben, es war wirklich so traumhaft! Immer wieder haben wir festgestellt, wie wunderschön es gerade ist, wie fein wir es haben, wie dankbar und glücklich wir sind!
Era un giro grandissimo e bellissimo!

Sigrid

 

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