Über die Liebe, den Mut, die Wirtschaft und das Leben!

Über die Liebe, den Mut, die Wirtschaft und das Leben!

Die Überschrift dieses Artikels war das Thema eines Vortrages von Heini Staudinger in Feldbach, bei dem wir gestern gewesen sind. Wie bei unseren ersten beiden Begegnungen mit ihm an unseren Workshopwochenenden im Waldviertel trug er wieder seine rote Jacke, dunkle Jeans und natürlich Waldviertler. Und wie im persönlichen Gespräch wirkte er auch am Podium im ersten Moment beinahe unsicher, vielleicht unschlüssig. Er spricht anfangs sehr langsam und bedächtig und unterbricht seine Rede immer wieder an ungewöhnlichen Stellen, mitten im Satz, nach einem Wort. Es scheint so, als wollte er seine Gedanken gerade erst ordnen oder als wollte er gerade dieses eine Wort hervorheben, indem er es so isoliert im Satzgefüge dastehen lässt. Es braucht einige Minuten, um sich auf seine ganz besondere Sprechweise einzustellen und diese Pausen als Anker zu erkennen, um sich selbst in den Worten wiederzufinden. Im Laufe des Vortrages erzählt er von seinem Leben, beginnend mit einer Reise nach Afrika, per Moped von seiner Heimatstadt in Oberösterreich aus, die er mit einem Freund als 19jähriger gemacht hat. Er erzählt von seinem beruflichen Weg, von der Entstehung seiner Firma und natürlich von der Auseinandersetzung mit der Finanzmarktaufsicht, die ihm den Titel „Finanzrebell“ eingebracht hat. In all diese Erzählungen fließen seine Gedanken über das Leben, über die Welt, über uns Menschen und unsere Werte ein und immer wieder redet er sich richtig in Schwung. Da ist dann nichts mehr von Ruhe und Bedächtigkeit zu spüren, da kann es schon passieren, dass er sehr leidenschaftlich wird und manchmal Gefahr läuft ins Moralisieren zu kommen. Aber sogleich folgt die nächste Pause, in der er sich und uns Zeit lässt, wieder zur Ruhe zu kommen und das Gesagte nachklingen zu lassen. Im Folgenden möchte ich versuchen, einige seiner Aussagen zusammenfassen:

Immer wieder geht es um die Kraft der Ideen als Ausgangsbasis für Veränderungen. Darum, die eigenen Kräfte zu mobilisieren, um seiner Sehnsucht zu folgen. Da muss ich zuerst in mich hinein hören, um diese Sehnsucht überhaupt einmal zu spüren. Natürlich ist es dann nicht ganz leicht, die Zwänge aufzubrechen und auszubrechen aus dem üblichen Muster des Lebens. Da gibt es ja auch viele Ängste, die sich zu Wort melden. Er schlägt vor, mit diesen Ängsten in einen Dialog zu treten und ihnen zu sagen: „Heute Abend hab‘ ich was vor, bei dem ich froh wäre, wenn du ein bisschen zur Seite trittst…“ In dieser Aussage zeigt sich auch einer seiner Wesenszüge, die humorvolle Selbstkritik, mit der er an das Leben herangeht. Heini Staudinger meint, dass nicht Geldmangel unsere Projekte verhindert, sondern es sind unsere Ängste. Aber so wie es ansteckende Krankheiten gibt, gibt es auch ansteckende Gesundheit – so, wie Angst ansteckend ist, ist es auch der Mut!

Ein weiteres Thema, das immer wieder in kurzen Zwischensätzen auftaucht, ist die Freude an meiner Arbeit, an meinem Alltag. „Wenn du am Stammtisch im Wirtshaus sagst, dass es heute in der Arbeit leiwand war, dann wirst du für verrückt erklärt!“ Jahrzehntelang hat man uns eingeredet, schön sei es nur, wenn man möglichst wenig tun muss, nur faul sein kann und trotzdem viel Geld hat.

Das Thema Geld zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend. Für Heini Staudinger gilt: Nicht, weil man viel Geld hat, kann man etwas machen, sondern weil man wenig braucht. Auf seiner Reise nach Afrika hat er gelernt, dass das Wichtigste im Leben das Leben selbst ist. In unserer Gesellschaft gelten so viele andere Dinge, etwa das Geld, das Auto, der Besitz … als die wichtigsten Dinge. Er erzählt auch von der Greißlerei seiner Eltern, in der er aufgewachsen ist und wo er die Grundfähigkeiten fürs Leben gelernt hat (grüßen, dienen und bedienen und kopfrechnen zählt er etwa dazu). Die wichtigste Erkenntnis habe er gewonnen, als es für kleine Greißler immer schwieriger wurde und rundum viele zugesperren mussten. Da sagten seine Eltern: „Solange wir das Auskommen haben, gibt es nichts zu jammern!“ Das sei der entscheidende Punkt für ein gelungenes Leben, den er auch noch mit einem Zitat von Seneca unterstreicht: Nie ist zu wenig, was genügt! In seiner Firma habe er sich jahrelang gefreut, wenn in der Bilanz eine „0“ herausgekommen ist, denn das hat bedeutet: wir haben das Auskommen! In diesem Zusammenhang erwähnt er auch, dass das Waldviertel häufig als „Krisenregion“ bezeichnet wird. Einmal habe ein Journalist ihn gefragt, ob dort jetzt Armut herrsche. Heini Staudinger hat geantwortet: „Wer weiß, dass er genug hat, der ist reich. In diesem Sinne haben wir viele Arme!“

Jetzt, während ich diese, seine Gedanken niederschreibe und sie in mir nachklingen, spüre ich, wie nahe mir vieles von dem, was Heini Staudinger als Basis für sein Leben bezeichnet, ist. Wir haben bisher noch nie ein längeres, persönliches Gespräch mit ihm geführt. Er kennt uns, unsere Geschichte der letzten Jahre und unseren Lebenstraum nicht. Aber ich weiß jetzt, warum uns unser Weg in die GEA Akademie geführt hat und diese Firma unser wichtigster Kooperationspartner geworden ist – wir denken sehr ähnlich über das Leben, wir setzten die gleichen Maßstäbe und wir schätzen das Glück des Lebens. Am Freitag werden wir zum dritten Mal in diesem Jahr ins Waldviertel fahren und unseren Workshop halten. Meine Freude und Dankbarkeit ist nun, nach diesem Vortrag und dem „gedanklichen Unterbau“ noch größer geworden. Danke, Heini Staudinger!

Sigrid

 

Alles zu seiner Zeit!

Alles zu seiner Zeit!

Wanderurlaub in Österreich – wir sind wirklich in die Jahre gekommen! In unseren 30ern hatte diese Art von Urlaub keinen Reiz für uns! Da liebten wir die Toskana und bereisten sie so oft es ging, manchmal auch nur für ein verlängertes Wochenende.

Eine Reise in diese Kulturlandschaft war jedes Mal prall gefüllt mit dem Erleben von Kunst- und Kulturschätzen, großartigen Bauwerken, der Kulturlandschaft mit Wein- und Olivengärten, der kleinen Orte und prächtigen Städte mit ihren Häusern und Palazzi im goldenen Schnitt. Damals war Slow Travel noch kein Begriff für uns – ohne nachzudenken nahmen wir die 800 km Anreise mit dem Auto hin, und zu unserer Lieblingsbeschäftigung vor Ort gehörten die Spazierfahrten auf kleinen Nebenstraßen, auf denen wir das Land entdeckten. Auch über sozio-historische Fragen machten wir uns damals noch keine Gedanken, als ob diese großartigen Bauwerke losgelöst von gesellschaftlichen Strukturen ihrer Zeit hätten entstehen können – unabhängig von reichen Adelsfamilien und der mächtigen Kirche, die die Menschen als Untertanen und billige Arbeitskräfte instrumentalisierten. Unser Blick galt der Schönheit und war dennoch nicht nur oberflächlich. Er galt zwar noch nicht einer kritischen Reflexion, aber er führte zu einem Verstehen von diesem italienischen Lebensgefühl des Genießens. Genussvolles Essen und Trinken, nicht in Form einer Nobelküche, sondern der einfachen Küche der Toskana, die mit wenigen, aber hochwertigen Zutaten auskommt und daraus je nach Jahreszeit Köstlichkeiten zaubert. Bis heute hat das Essen auf unseren Reisen einen zentralen Stellenwert und das verdanken wir mit Sicherheit jenen Reisen in die Toskana.

Nachdem wir unser Bauernhaus hier im Südburgenland gekauft hatten, gab es einige Jahre lang wenige bis gar keine Urlaube. Als Zeit und Finanzen das Reisen wieder möglich machten, hatte sich auch unser Reiseverhalten geändert. Da wir jetzt am Land lebten zog es uns in die Stadt! Eine Woche Paris, eine Woche Berlin, einige Tage in Amsterdam – Städtereisen faszinierten uns! Und wir entdeckten das Reisen mit der Bahn, genauer gesagt mit dem Nachtzug. Vor Ort lernten wir das Flanieren, das Sich- treiben-lassen als kostbaren Zeitvertreib. Die Besichtigung der Bauwerke war nicht mehr so spannend (wenn du einmal über die Hintergründe nachzudenken beginnst, dann kannst du sie auch nicht mehr ausblenden!). In jeder Stadt fanden wir unzählige Möglichkeiten wann, wo und wie wir gut essen konnten: ein Häppchen beim Marktbummel am Vormittag, ein kleines Mittagessen im Bistro, Leckereien in der Patisserie, ein Aperitif in einer Bar, ein köstliches Abendessen – wir schlemmten uns durch die Küchen der Welt! Wunderbar! Und wir gingen auf Wanderschaft! Wir erwanderten ganze Stadtviertel, gingen von einem Ort an den nächsten und erlebten so auch die weniger touristischen Straßen und Plätze, das Alltagsleben der Menschen, die versteckten und unbekannten Ecken und machten dabei manche unerwartete Entdeckung. Immer seltener nahmen wir einen Reiseführer zur Hand, sondern kamen auf unseren Wanderungen durch die Städte einfach so an dem, was „man gesehen haben muss“ vorbei.

Wie in der Zeit, als wir unser Haus renoviert haben, waren auch die letzten Jahre eine Zeit ohne Urlaube – aber diesmal dennoch eine Zeit des Reisens. Unsere Reisen mit dem Tango – für die Straßenkunst oder einen Workshop – ließen uns viel herumkommen und immer wieder konnten wir dabei „so nebenbei“ eine Stadt erleben, einen Gipfel besteigen, einen Landstrich entdecken. Aber es war nie Urlaub im Sinne einer arbeitsfreien Zeitspanne, in der der Alltag zurückbleiben kann. Dies konnten wir nun wieder einmal erleben und wir knüpften dabei direkt an unsere Urlaubserfahrungen der früheren Jahrzehnte an – aus unseren Wanderungen durch die Städte wurde das Wandern in der Natur, aus dem Tramezzino in der Bar die Jause auf der Alm! Ein Wanderurlaub in den Alpen war genau das Richtige, um abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen! Mit jedem Schritt, mit jedem Blick in die Bergwelt, an jedem Gebirgsbach und auf jedem Gipfel bin ich ein Stück mehr zur Ruhe gekommen und bei mir angekommen. Ich musste meine Gedanken an die Arbeit nicht bei Seite schieben – sie waren einfach nicht da! Ich liebe den Tango, aber er ist mir tagelang nicht in den Sinn gekommen und, ehrlich, er ist mir auch nicht abgegangen. Und jetzt, wieder daheim, erfreue ich mich an den Klängen der Tangomusik, genieße ich das Tanzen, gelingt der Neustart in den Arbeitsalltag wie von selbst. Aber die Bilder der Berge, die Klänge des Gebirgsbaches und die Gerüche der köstlichen Jause auf der Alm sind noch präsent. Und diese Mischung hat etwas ganz Besonderes, ich nenne es einfach Lebensfreude oder, wie damals in der Toskana: La dolce vita!

Sigrid

 

Ich bin dann mal FAST weg!

Ich bin dann mal FAST weg!

Wie so vieles hat sich auch das Reisen in den letzten 25 Jahren sehr verändert. Keine Sorge, es folgt jetzt keine Lobeshymne auf die gute alte Zeit. Ich bin keine, die die Vergangenheit glorifiziert, aber ich denke gerne darüber nach, was gesellschaftliche Veränderungen mit uns machen und wie sich die technischen Veränderungen auch auf die persönlichen Erfahrungen einer Reise auswirken. Nehmen wir als Beispiel die dreiwöchige Reise per Rad durch Portugal, die Andrea und ich vor genau 25 Jahren gemacht haben:

Wir sind mit unseren Rädern in Graz ins Flugzeug gestiegen und im Pauschalurlaubsparadies Faro gelandet. Vom Flughafen sind wir losgeradelt, erst an die südwestliche Spitze Europas, nach Sagres, wo wir einige Tage auf einem Campingplatz waren. Dann ging es mit dem Zug nach Porto, um von dort 10 Tage lang mit dem Rad nach Lissabon zu fahren. Meist haben wir wild campiert und die Route mit Hilfe einer Landkarte zusammengestellt. Kein Navi, kein Routenplaner, kein App für … – wir sind einfach so drauf losgefahren. Unsere Familien wussten nicht, wo wir gerade sind, wir waren nicht per Handy, Skype, Social Media oder Mail erreichbar – wir waren einfach weg! Auf uns allein gestellt, mussten wir mit so manchen ungeplanten Wendungen und unerfreulichen Überraschungen wie etwa der Tatsache, dass man ein Fahrrad in portugiesischen Nachtzügen nur am Abfahrtsbahnhof und nicht bei Zwischenhalten verladen kann, zurechtkommen – ohne schnell zu googeln, welche Alternativen sich nun anbieten. War dies besser oder schlechter als heute? Weder noch, es war anders! Und es hat bewirkt, dass wir viele neue Erfahrungen machten und ein Trainingscamp puncto Selbständigkeit absolvierten. Wäre uns etwas zugestoßen, hätte uns niemand gleich gesucht. War es damals weniger gefährlich als heute? Auf jeden Fall war das Sicherheitsbedürfnis der Gesellschaft nicht so medial hochgeschaukelt wie heute. Unsere Familien wussten nur, wann wir wieder am Flughafen Graz ankommen und sie uns bitte abholen sollten. Gegen Ende dieser dreiwöchigen Reise ist uns am Campingplatz in Lissabon eine deutschsprachige Tageszeitung in die Hände gefallen und wir haben uns wieder eingeklinkt in die reale Welt(politik). Dazwischen waren wir einfach mal weg …

Vor knapp vier Jahren waren wir, wie viele von euch ja wissen, für drei Monate in Buenos Aires. Auch da haben wir uns im Vergleich zu anderen Reisenden noch geweigert, ein Handy mitzunehmen oder auf Facebook zu gehen und immer erreichbar zu sein. Aber wir hatten das Notebook im Reisegepäck. Die Anfänge dieses Blogs sind dort entstanden in Form unserer Mails aus Buenos Aires, die wir zweimal wöchentlich an ca. 30 Personen verschickt haben. Unsere Freundinnen und Freunde sowie unsere Brüder haben gelegentlich auf diese Mails geantwortet und uns so über Ereignisse zu Hause am Laufenden gehalten und zu Weihnachten haben wir von einer öffentlichen Telefonzelle aus unsere Eltern angerufen. Wir waren also nicht mehr ganz verschwunden, aber wir haben uns ganz bewusst so weit wie möglich ausgeklinkt – im wahrsten Sinne des Wortes meilenweit entfernt von dem Leben, das wir bis dahin geführt hatten und sehr auf uns konzentriert in dieser Zeit, in der wir die Weichen für die Verwirklichung unseres Traumes gestellt haben. Zurückgekehrt sind wir mit der Entscheidung, diesem Traum zu folgen – den Tango und die Straßenkunst zu unserem Beruf zu machen.

Warum erzähle ich gerade heute diese beiden Beispiele aus der Vergangenheit? Warum denke ich nach über die heutige Art zu reisen – mit Handy, Notebook, Navi und Apps? Nun, wie Andrea schon in einem Blogartikel im Juni berichtet hat, ist ihr Bruder Sepp gerade zu Fuß unterwegs nach Irland. THELONGWALKHOME ist für ihn und seinen irischen Freund Eammon mehr als eine persönliche Reise. Es geht den beiden nicht nur um die Erfahrung einer Wanderreise quer durch Europa, sondern sie sammeln auch Spenden für die Demenzforschung. Und dies ist nur möglich, wenn sie nicht ganz weg sind, sondern in einem Blog von ihren Erfahrungen berichten, wir alle mit verfolgen können, wo sie gerade sind und wie es ihnen geht, wenn diverse Medien auf sie aufmerksam werden und sowohl englischsprachige als auch österreichische Radiostationen ein Telefoninterview bringen … . Ich frage mich seit Wochen, wie es den beiden wohl damit geht – in so einer Ausnahmesituation, die eine dreimonatige Wanderschaft zweifelsohne ist, doch nicht ganz weg und für sich zu sein. Wie wäre die Reise für sie, wenn sie nicht medial verlinkt und durch all diese Kommunikationsmedien mit ihren Lieben zu Hause und einer gar nicht so kleinen Öffentlichkeit verlinkt wären? Ich weiß, diese Frage ist sinnlos, denn sie haben sich eben für diese Form des Reisens entschieden und – wie Heini Staudinger sagt – das Leben kennt keine Generalprobe! Aber ich bin mir sicher, dass ihre Reise ganz anders verlaufen wäre, hätte sie vor 25 Jahren stattgefunden oder hätten sie sich entschieden, so zu reisen wie damals.

Ich neige dazu, dem Reisen ohne oder mit minimaler Nutzung der Kommunikationsmedien den Vorzug zu geben, weil ich glaube, dass es gut tut, mal GANZ weg zu sein – allein mit sich selbst und der Reisegefährtin bzw. dem Reisegefährten, ohne Ablenkungen von außen, ganz im Hier und Jetzt. Aber dafür brauche ich nicht die Vergangenheit zu verherrlichen, ich muss nur wissen, was ich will und mich zwischen der einen und der anderen Form des Reisens entscheiden. Zugegeben, manchmal ist das gar nicht so ganz einfach. Aber es lohnt sich, darüber nachzudenken, oder?

Sigrid

 

PS: Wir folgen ab heute der italienischen Tradition des Ferragosta – bis Ende August werden wir die meiste Zeit FAST und dann auch mal GANZ weg sein – ein paar Tage in den Bergen. Daher gibt es in dieser Zeit auch keinen neuen Blogartikel!

 

Übernachten in Berlin

Übernachten in Berlin

Wir sind zwar jetzt leider nicht in Berlin, geben also in diesem Fall keine persönlichen Tipps weiter, sondern möchten in diesem Blogartikel ein E-Book zum Thema Übernachten in Berlin vorstellen. Die Plattform, über die wir das letzte Mal unser Quartier fanden, gibt es mittlerweile nicht mehr. So haben wir uns gefreut, als Julia Grunwald uns kontaktierte, um auf dieses E-Book aufmerksam zu machen. Für diejenigen, die eine Berlinreise planen, gibt es neben interessanten Informationen über Berlin einen Überblick über das breite Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten vom Bed & Breakfast, über private Gästezimmer, Hostels, Wellnesshotels bis hin zum Hotelschiff mit Komfort und den Luxushotels der Stadt.

Hier ein kurzer Auszug zum Reinlesen:

Hotels in Berlin-Mitte: Urlaub im Herzen der Stadt

Der Stadtbezirk Mitte liegt im Herzen der deutschen Hauptstadt. Er ist der älteste Teil Berlins und beherbergt somit auch die meisten historischen Sehenswürdigkeiten. Wer das pulsierende Berliner Lebensgefühl und vor allem das aufregende Nachtleben der Stadt hautnah kennenlernen möchte, sollte sich nach einer Urlaubsunterkunft in Mitte umsehen.

Urlaubsdomizil inmitten von Sehenswürdigkeiten

Eine Herberge in Berlin-Mitte ist der perfekte Ausgangspunkt für eine Sightseeing-Tour. Der Bezirk im Stadtkern ist flächenmäßig überschaubar, so dass Sie zu vielen Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß gelangen. Hier lockt eine spannende Mischung aus historischen Bauwerken und moderner Architektur. In Mitte können TouristInnen berühmte Bauten wie das Brandenburger Tor, den Deutschen und Französischen Dom, das Rote Rathaus oder das Kronprinzenpalais bewundern. Auch eines der Wahrzeichen von Berlin liegt im Stadtbezirk: der 368 Meter hohe Fernsehturm. Von seiner Turmkugel aus können TouristInnen einen atemberaubenden Panoramablick über ganz Berlin genießen. Auch für Kulturinteressierte ist eine Urlaubsunterkunft in Mitte interessant, denn auf der Museumsinsel befinden sich die bedeutendsten Berliner Museen auf engstem Raum. Mit etwas Glück finden Sie auch ein Hotelzimmer mit Blick auf eines der berühmten Berliner Bauwerke.

Urlaubsunterkünfte für jeden Geschmack in Mitte

Der lebendige Stadtbezirk Mitte beherbergt zahlreiche Hotels, die ihren Gästen nach aufregenden Sightseeing-Touren eine Oase der Ruhe bieten wollen. Interessierte finden hier z. B. viele Hotels mit Wellnessbereich, die neben Entspannung im Whirlpool oder in der Sauna auch verschiedene Schönheitsanwendungen offerieren. Neben diesen Häusern im gehobeneren Preissegment gibt es auch viele gemütliche und preiswerte Gästehäuser im Stadtbezirk. Unter http://www.berlin-hotelverzeichnis.de/ können Sie nach Hotelangeboten in Berlin-Mitte suchen.

Dieses E-Book im PDF-Format kann man kostenlos und ohne Verpflichtungen herunterladen und so eine Entscheidungshilfe für die Quartiersuche in Berlin zur Verfügung haben.

Berlin ist immer eine Reise wert – viel Spaß beim Schmökern wünscht euch

Andrea

 

Begegnungen am Meer

Begegnungen am Meer

Bei unserem letzten Aufenthalt im Miramar ist der Fotograf, der für das Hotel immer wieder Fotos und Videos aufnimmt, gerade eingetroffen. Die Direktorin hat gleich vorgeschlagen, dass er auch Aufnahmen von uns machen könnte und so lernten wir Ernst von Chaulin kennen. Er stammt aus Bayern und war uns mit seinem weichakzentuierten Dialekt gleich sympathisch. Und er überraschte uns, indem er uns für das Fotoshooting auf das Dach des 4. Stockes einlud, und uns so eine völlig neue Perspektive auf das Miramar und die Kvarner Bucht eröffnete. Das Shooting selbst war dann die nächste angenehme Erfahrung: eine sehr achtsame Herangehensweise des Fotografen ließ uns schon ahnen, dass dies ganz besondere Aufnahmen werden könnten.

Nun, seither sind viele Wochen vergangen. Im Miramar ist Sommer-Hochsaison und wir haben nachgefragt, wie es um die Fotos steht. Und nach wenigen Tagen haben wir eine große Auswahl an Bildern zugesandt bekommen – und waren bzw. sind begeistert! Unser Eindruck, dass es sich hier um eine feine Arbeit mit Tiefgang handelt, wurde bestätigt! Die Fotos sind ausdrucksstark und vermitteln viel von dem, was wir mit dem Tango verbinden. Danke, lieber Ernst!

Aber nicht nur diese Begegnung im Miramar hat mich spontan dazu veranlasst, diesen Artikel zu schreiben, sondern auch zwei Links zu Videos, die Ernst von Chaulin in den vergangenen Wochen in und rund um das Hotel Miramar gedreht hat. Auch sie spiegeln intensive Begegnungen und dieses Sich-Einlassen auf das Gegenüber wider. Im ersten Video ist es die Begegnung mit der Kunst und dem Künstler Ante Bakter. Er lebt im Landesinneren Kroatiens und wird vom Miramar immer wieder eingeladen, sich vom Meer inspirieren zu lassen und im Hotel Bilder zu gestalten. Während unseres Aufenthaltes im Mai hat er an einem Nachmittag im Garten des Hotels ein Bild gemalt und den Gästen so die Möglichkeit gegeben, dabei zu sein und zu erleben, wie die Blütenpracht auf die Leinwand gezaubert wird. Nun hat er ein Wandgemälde im Bereich des großen, neuen SPAs angefertigt und die Arbeit des Malers wurde vom Fotographen festgehalten. Entstanden ist ein Video, das den Respekt vor der Kunst und dem Künstler ebenso darstellt, wie den Entstehungsprozess eines Kunstwerkes.
Mit diesem Link kommt ihr zum Video:

Ein Wandgemälde entsteht
im Hotel MIRAMAR

Auch wenn es verlockend ist, im Sommer faul am Strand zu liegen und die Erholung in der Entspannung zu suchen – mit einem zweiten Video zeigt Ernst von Chaulin, dass die Region Kvarner viel mehr zu bieten hat. Und dass eine Begegnung mit Land und Leuten, mit ihrer Musik und ihrer Kultur und der Natur ringsum äußerst lohnend ist! Es ist ein Video der langsamen Art, ohne schnelle Schnitte und ohne Action. Aber gerade durch diese Langsamkeit, die von der ruhigen Musik der Gruppe Pesekani unterstrichen wird, geschieht allein schon beim Zuschauen ein Stück Erholung, ein wenig Entschleunigung, einfach, das, was wir mit Urlaub verbinden. Hier wieder der Link zum Video:

Pesekani – eine kroatische Musikgruppe
entführt in die Kvarner Bucht

Begegnungen, Entschleunigung, Achtsamkeit – drei Begriffe, die für mich in den letzten Jahren wesentlich geworden sind und die ich in unserer Arbeit als Tangotänzerinnen so sehr schätze. So erfreut und überrascht es mich ganz besonders, diese in Fotos und Videos in und rund um das Hotel Miramar anzutreffen. Und umso mehr freue ich mich auf unseren nächsten Aufenthalt dort – Ende November – für Tango am Meer mit AdanzaS!

Sigrid

 

Wasser, Wald und Wackelsteine

Wasser, Wald und Wackelsteine

Ja, vor zwei Monaten haben wir es kaum gekannt, das Waldviertel, und nun sind wir – wie es ausschaut auf längere Zeit – alle drei Monate dort. Wir hatten von 3. – 5. Juli wieder einen Workshop in der GEA-Akademie, und die Zusammenarbeit ist für sie und für uns so fruchtbringend, dass wir nicht nur im Oktober das nächste Mal in Schrems sein werden, sondern für 2018 schon 4 Workshops geplant haben. Wir freuen uns riesig!

Diesmal hatten wir also Waldviertel im Sommer: ziemlich heiß tagsüber, Gewitter, angenehm kühle Abende, blühende Kartoffelfelder, abblühende Mohnfelder, Getreide, das noch Zeit braucht, und natürlich Wald, Wald, Wald, und eingebettet in diese Landschaft unzählige kleine Seen und Teiche, die um diese Zeit zu einem Sprung ins kühle Nass einladen.

Im Anschluss an unseren Workshop führte uns unsere Entdeckungstour diesmal in die berühmte Blockheide, einen 120 Hektar großen Naturpark. Zwischen Schrems und der Grenzstadt Gmünd gelegen, gibt es mehrere “Eingänge“ in diese prototypische Waldviertler Landschaft. Wir starteten vom Gmünder Stadtteil Grillenstein aus und bald lagen sie vor uns, die ersten Granitblöcke. Groß, mächtig und schön laden sie sofort dazu ein, sie von allen Seiten zu betrachten, sich durchzuzwängen oder hinauf zu klettern. In einer mit Rotföhren, Birken und Heidekraut bedeckten Heidelandschaft liegen Dutzende riesige Granitblöcke verstreut, gerade so, als wären sie in einer gewaltigen Kanonade hierhergeworfen worden, heißt es im Waldviertler Reiseführer des Falter Verlages. Viele Sagen sind ob dieser mystischen Landschaft entstanden, in denen von Teufels-, Riesen- oder Hexeninterventionen berichtet wird. Aber wie sind sie wirklich dorthin gekommen, die Riesengranittürme, Wackelsteine, unförmigen Quader oder Riesenbrotlaibe? Der Granit ist ein sehr altes Tiefengestein, und laut oben genanntem Reiseführer bildete er einst das Fundament eines hier aufragenden Gebirges. Im Laufe von Jahrmillionen wurden die über dem Granit liegenden Gesteine abgetragen und die heute sichtbaren Granitskulpturen freigelegt. Auch die Wackelsteine sind auf diese Art und Weise entstanden: Hier trennte der Zahn der Verwitterung den oben liegenden Block vom Untergrund eben fast vollständig ab; der Teufel war dabei garantiert nicht im Spiel.

Wir streiften also durch diese Landschaft, ein großes Wegenetz wurde angelegt, und ließen uns immer wieder verzaubern von den plötzlich aufragenden Gesteinsriesen. Manchen hat man auch Namen gegeben, aber lustiger finde ich es, der eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen. Mit Moos bewachsen, umgeben von Birken oder Föhren, eine Lichtung nebenan – eine Zeitreise zurück in die Zeit der KeltInnen fällt nicht schwer. Vor allem wenn man sich von Schutzhaus und Aussichtsturm weiter entfernt hat, und plötzlich feststellt, dass frau nun alleine (zu zweit) unterwegs ist. Und wenn dann noch die Mondteiche auftauchen, voll mit in Knospen stehenden oder bereits aufgeblühten Seerosen, möchten wir wirklich bleiben, bis der Mond aufgeht. Die Göttin ehren wir auf jeden Fall für das Geschenk dieser Landschaft, auch wenn uns Hunger und ein herannahendes Gewitter weitertreiben.

Für Stärkung unterwegs ist um diese Jahreszeit gesorgt – die Heidelbeeren sind reif. Wir kommen an einer Stelle vorbei, wo es so viele gibt, dass man im Nu eine Hand voll davon hat. Wir lassen eine Hand nach der anderen in unseren Mund wandern bis dieser blau gefärbt ist wie in Kindertagen. Langsam nähern wir uns wieder dem Schutzhaus, somit auch anderen Menschen und schließlich der Zivilisation, und tauchen auf, aus einer, wie es uns vorkommt, anderen Welt. Das Gute an der Zivilisation ist, dass es Gasthäuser gibt, und so genießen wir zum Ausklang dieses schönen Tages am Hauptplatz von Gmünd im Gasthaus Hopferl eine deftige Waldviertler Jause und beobachten gelassen das heraufziehende Gewitter. Morgen geht’s heimwärts, aber wir freuen uns aufs Wiederkommen!

Andrea

 

Verwendete Literatur:

Das Waldviertel, Reiseführer, Falter Verlag

 

 

Graz tanzt den Tanz des Lebens

Graz tanzt den Tanz des Lebens

„Musik und Tanz sind untrennbar miteinander verbunden, und wenn wir heute im Konzert sitzen, halten uns nur Benimmregeln davon ab, uns von Musik nicht davontragen zu lassen in Nicken, Tippen, Wippen, Schaukeln und Schunkeln. Es wäre nur natürlich, sich von den Sitzen zu heben, sich in die Arme zu fallen und aufzumachen in das Wohlgefühl oder die Erregung des Tanzens, denn oft liegt genau darin das wahre Wesen der Musik.“ Mit diesen Worten wird das heurige Thema des Festivals STYRIARTE erläutert. Schon erstaunlich, da es sich doch um ein Festival der klassischen Musik handelt, die gerade diese Konventionen von Musikgenuss hervorgebracht hat. Doch Die steirischen Festspiele haben in den letzten Jahren immer wieder für Überraschungen gesorgt, haben Grenzen ausgelotet und nicht selten auch überschritten.

Gegründet wurde STYRIARTE im Jahr 1985 mit dem Ziel, den damals bereits weltbekannten Dirigenten Nikolaus Harnoncourt stärker an seine Heimatstadt Graz zu binden. Tatsächlich wurden es „seine Festspiele“, in denen er nicht nur seinen Zugang zur Musik, sondern mehr und mehr auch seine Weltsicht einfließen ließ. Seit 1992 stand und steht das Programm jedes Jahr unter einem Thema, das nicht nur die einzelnen Konzerte verbindet, sondern auch zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit eben diesem Thema einlädt. Und dabei weit über das hinausgeht, was man sich üblicherweise unter einem Festival der klassischen Musik vorstellt.

Heuer also ist es der Tanz des Lebens, den STYIARTE sich auf die Fahnen geschrieben hat und das Festival macht sich auf die Suche nach der Verbindung von Musik und Tanz: Wir verknüpfen die Musik mit ihrer tänzerischen Basis, … , wir beleben vergessene Tanztraditionen neu … oder entdecken das Tänzerische in scheinbar strenger Kunstmusik. … Wir tauchen ein in die lebendigen Traditionen der Tänze ganz fremder und entfernter Kulturen. Vor allem aber: Wir bieten Ihnen immer wieder die Möglichkeit, mitzumachen, ob im Geiste oder ganz direkt auf beiden Beinen: Reihen Sie sich ein in den Tanz des Lebens!

Genau das, was hier im Programmheft angekündigt wurde, war die Quintessenz der Eröffnung am letzten Freitag, in der Graz tanzt kein leeres Versprechen war! Unzählige Menschen sind der Einladung zu diesem Event in die Grazer Altstadt gefolgt. Da gab es zum einen in der Schmiedgasse Tanz auf der Straße: Eddie Luis und die Gnadenlosen spielten auf zum Tanz, luden mit ihrer großartigen Interpretation von Tanzmusik ein zum Mittanzen und Abtanzen, zum Zuhören und Zuschauen. Krönender Abschluss dieses Tanzabends auf der Straße war ein Crossover-Tango: Iliyan Donchev und Thessa Hinteregger tanzten Tango Argentino zu Sound of Silence: Einfühlsam, ruhig und tiefsinnig, einfach großartig!

Im Landhaushof gab es eine musikalische Reise rund um die Welt, bei der das Publikum nicht selbst tanzte, sondern sich jenes Nicken und Wippen und Schaukeln in den Reihen der Menschen breitmachte. Eine Schuhplattlergruppe aus Schladming und eine Trommlergruppe aus Ruanda entführten mit kurzen Sessions in ihre je eigene Welt. Unter dem Motto Weltreise mit Stimmband begeisterten die Jugendlichen vom HIB.art.chor und überraschten nicht nur mit einem vielfältigen Programm und stimmlicher Präzession, sondern vor allem mit tollen Choreographien, bei denen die jungen Sängerinnen und Sänger die Musik in Bewegung transformierten und Gesang und Tanz ineinanderfließen konnte. All das gewürzt mit Humor, Lebensfreude und spürbarer Verbundenheit!

Nun, wenn es in Österreich um Musik und Tanz geht, so ist dies scheinbar nicht möglich, ohne einen Wiener Walzer ins Programm zu nehmen. Als Abschluss des Eröffnungsabends wurden alle TeilnehmerInnen eingeladen, am Grazer Hauptplatz den Donauwalzer zu singen und zu tanzen. Unterstützt von mehreren Jugendchören und am Klavier begleitet standen nun unzählige Menschen beisammen, sich im Walzerrhythmus von einem Bein auf das andere wiegend, mehr oder weniger mitsingend und dabei den Blick starr auf das Display ihres Handys gerichtet, auf dem sie den Text mitlasen. Für mich war es eher skurril denn stimmungsvoll und nicht so ganz das, was ich als Höhepunkt des Abends bezeichnen würde. Aber vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht, dass der Eröffnungsabend noch nicht alles erfolgreich ausgelotet hat, was die Verbindung von Musik und Tanz zu bieten hat – sonst würde ja niemand an den einzelnen Konzerten und Events teilnehmen wollen. Und das Programm verspricht da noch so manche Überraschungen!

Sigrid

 

Verwendete Literatur: Programmheft Tanz des Lebens, STYRIARTE 2017