Solo Tango

Neben unseren Auftritten als Straßentänzerinnen gibt es noch etwas, das uns in den letzten Monaten sehr beschäftigt. Wir haben ein Workshopkonzept entwickelt, das einen völlig neuen Zugang zum Tango Argentino ermöglicht, und die Welt des Tango auch ohne PartnerIn erlebbar macht. In diesem Beitrag möchte ich erzählen, wie Solo Tango entstanden ist.

DSCF4269 (2)Wieder einmal geht meine Erinnerung zurück nach Buenos Aires, zu jenen drei Monaten, in denen wir dem Tango so intensiv begegnet sind. Ein Fixpunkt unseres Wochenprogramms war die Unterrichtseinheit „Technik für Frauen“, die Aurora Lubiz in der Escuela Argentina de Tango gegeben hat. Obwohl ich ja nicht in der Rolle der Folgenden tanze, war dieses Training auch für mich großartig. Ausgangspunkt war immer die Haltung, die Muskelspannung aus dem Bauch und dem Beckenboden, die Balance auf einem Bein stehend (um die Verzierungen ausführen zu können) und die Disociación, jene ganz spezielle Verdrehung des Oberkörpers, die ein wesentliches Element des Tango Argentino ist. Dann haben wir die Grundelemente des Tango trainiert. All das in einer Gruppe von 15 bis 30 Frauen, in Reihen vor der großen Spiegelwand oder immer wieder auch in Partnerinnen- oder Gruppenübungen. Wenn ich jetzt an diese Tanzstunden zurückdenke, dann sehe ich Aurora wieder vor mir, wie sie uns jedes Mal, wenn wir verbissen dreinschauten und uns manchmal auch abmühten sagte: „Smile!!!“ Und sie hat immer gelächelt und diese Freude und Begeisterung ausgestrahlt!

Bald schon haben wir bei unseren persönlichen Trainingseinheiten begonnen, die ersten Musikstücke nicht in der Umarmung, sondern jede für sich frei zu tanzen. Dabei haben wir gespürt, wie wertvoll es ist, sich auf den eigenen Körper, die Haltung und die Atmung zu konzentrieren, bevor wir in den intensiven Dialog im Paartanz einsteigen. Außerdem war durch dieses Solotraining das Einstimmen auf die Musik, das „ganz da sein“ und das eintauchen in das „Tangofeeling“ viel leichter möglich. Dieses Tanzen allein ist der Beginn jeder unserer Trainingseinheiten geblieben und zugleich war diese Erfahrung eine der Wurzeln für den Workshop: eine neue Möglichkeit, Tango zu tanzen hat sich eröffnet.

Ein zweiter Ursprung für Solo Tango hat sich in zahlreichen Gesprächen ergeben. Vor allem, wenn wir mit Frauen über das, was wir derzeit machen, geredet haben, hörten wir oft mit Bedauern die Aussage: „Mich fasziniert der Tango auch schon lange, aber ich habe keinen Tanzpartner!“ Dieser Satz hat sich einfach in unseren Köpfen festgesetzt.

Ein dritter Ausgangspunkt war eine Frauentanzgruppe hier im Südburgenland, bei der wir einige Jahre dabei waren. Unter der Anleitung einer Tanzpädagogin tanzten wir, jeweils zu einem Thema, frei in der Gruppe. Manchmal ging es um Lebensthemen, manchmal waren es Impulse zu Gefühlen oder zum Thema Begegnung. Immer wieder ertappte ich mich selbst dabei, dass ich in meinem freien Tanz Elemente aus dem Tango tanzte. Ähnlich wie am Beginn der Trainingseinheiten wurde auch hier der Tango mein „Vokabular“, mit dem ich mich bewegte. Ich tanzte also Tango, allein und frei, in einer Gruppe. Und damit war Solo Tango eigentlich schon geboren!

Natürlich dauerte es einige Zeit, bis aus diesen Erfahrungen zuerst die Idee und dann ein Konzept entstanden sind und der Workshop durchgeführt wurde. Seit es diesen Workshop gibt, haben wir unzählige positive Reaktionen darauf erhalten und konnten großes Interesse wecken. Derzeit sind wir auf der Suche nach KooperationspartnerInnen, bei und mit denen wir den Workshop anbieten können. Wir denken an Hotels, die den Workshop in ihr Programm aufnehmen, sind aber schon gespannt, was sich noch alles ergeben wird. Mitte Juli gibt es jedenfalls in der Tanzerei in Wien einen „Schnupperworkshop“, bei dem man Solo Tango kennenlernen kann.

DSCF4602 (3)An das Ende dieses Beitrags möchte ich einige Aussagen von Teilnehmerinnen stellen, die meinten, Solo Tango ist …

…inspirierend für die Sinne.
… mal was anderes.
… Unabhängigkeit.
…Grazie und Anmut.

Da füge ich wohl nichts mehr hinzu!

Sigrid

 

 

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