Berlin klingt nach …

Berlin klingt nach …

Nun sind wir zwar schon eine Woche zuhause und genießen wieder das Landleben, aber ich muss diesmal doch noch von Berlin berichten – von unserem letzten Abend da und von den Begegnungen, die diesen Abend möglich gemacht haben.

Also, wir hatten die Idee, wenn wir schon in Berlin sind, die Zeit auch fürs Kontakteknüpfen zu nützen. Ich habe ja schon in meinem ersten Berlin-Artikel erwähnt, dass das Buch „Die Straßensängerin“ eine Inspirationsquelle für unseren Weg war. Nun wussten wir, dass die Autorin dieses Buches, Traude Bührmann, in Berlin lebt und beim Verlag Krug und Schadenberg, ebenfalls mit Sitz in Berlin, als eine der Autorinnen geführt wird. So nahmen wir mit dem Verlag unter dem Motto „Wie Bücher weiterwirken …“ Kontakt auf. Ein anderes Buch, von diesem Verlag herausgegeben, war nämlich der Anlass, dass wir begannen, uns mit Herrendarstellerinnen zu beschäftigen und jetzt auch als solche auftreten: „Die Muschelöffnerin“ von Sarah Waters. Das und unsere Geschichte erzählten wir also kurz in einer Mail und baten darum, den Kontakt zu Frau Bührmann herzustellen. DSCF4961Unser Wunsch, Traude Bührmann persönlich kennenzulernen, ging in Erfüllung. Mehr als das, die beiden Verlegerinnen waren von unserer Geschichte so begeistert, dass sie diese gleich auf ihre Website stellten. Und Traude Bührmann trafen wir insgesamt gleich drei Mal. Sie kam zu einem unserer Auftritte auf dem Hackeschen Markt und interessierte sich sehr dafür, wie es im Moment um die Straßenkunst bestellt ist. Da sie auch Stadtführerin in Berlin ist, kamen wir in den Genuss, eine ganz private Führung zu erhalten. Das Ziel war das Tempelhofer Feld, ehemaliger Flughafen von Berlin. Nach der Stilllegung des Flughafens, haben die BürgerInnen von Berlin per Volksentscheid durchgesetzt, dass dieses Gelände nicht verbaut, sondern als Freizeitareal genutzt wird. Und das wird es, und wie! Radfahren, Skaten, Drachensteigen, Gärtnern, Grillen, Chillen, … – vor allem am Wochenende finden sich hier unzählige Menschen ein und beleben das weite, freie Feld. „Dieser Volksentscheid zeigt, dass wir wirklich etwas bewirken können“, erzählt Traude Bührmann stolz, denn er hat sich gegen massiven Widerstand von der Stadtregierung durchgesetzt.

DSCF4954Als wir dort sind, haben wir noch eine andere interessante Begegnung. Wir kommen an einem Stand mit jungen Menschen vorbei, von denen wir angesprochen werden. Sie seien TänzerInnen und für ein Projekt würden sie Briefe an den Tanz sammeln, ob wir bereit wären etwas zu schreiben. Wenn das kein Zufall ist – eine Autorin und zwei Tänzerinnen schreiben also jeweils einen Brief an den Tanz. Als „Danke“ erhalten wir bereits die Eintrittskarten zu der Performance, in die diese Briefe einfließen werden. Wäre ein schöner Grund, um wieder nach Berlin zu kommen. Aber dass wir wieder kommen müssen, ist nach dem letzten Abend sowieso klar.

wft-imagekarte4-page-001Der zweite Kontakt, den wir geknüpft haben, ist mit Women Fair Travel. Die Frau dahinter ist Evelyn Bader, die schon lange Reisen für Frauen veranstaltet. Auch sie hatte sofort Interesse daran, uns kennenzulernen. Schon die erste Begegnung war von gegenseitigem Wohlwollen geprägt und mittlerweile ist daraus eine Kooperation geworden. Women Fair Travel veranstaltet über Silvester eine Tangoreise nach Umbrien (wo wir ein Jahr gelebt haben!) und wir leiten die Tango-Workshops. Bei einem unserer Treffen mit Evelyn entstand dann auch die Idee, an einem Abend bei ihnen in der Straße aufzutreten. Und das war an unserem letzten Abend in Berlin. Nach einem verregneten Vormittag, begann es nachmittags aufzureißen, um einem Sommerabend, wie man ihn sich nur wünschen kann, Platz zu machen. Die Crellestraße, in der das Büro von Women Fair Travel liegt, öffnet sich ein paar Schritte von diesem entfernt, zu einem kleinen Platz. Der Platz ist von einigen Lokalen mit Tischen im Freien umgeben und hat ein bisschen französisches Flair. Dort traten wir also in der Abendsonne auf und füllten den Platz mit Tangomusik. Wir hatten begeistertes Publikum von kleinen Kindern bis zu TangotänzerInnen, vielen Frauen – Freundinnen von Evelyn, darunter auch Traude Bührmann, bis zu einem Zuseher, der uns im Nachhinein ein Video und Fotos von dem Auftritt geschickt hat. Der „l’ultimo Tango“ in Berlin hätte nicht schöner sein können. Mit Evelyn, Traude und deren Freundinnen sind wir dann noch in einem der Lokale bis spät nachts zusammen gesessen, bei gutem Essen, gutem Wein und anregenden Gesprächen.

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So fiel uns der Abschied von Berlin nicht ganz leicht. Aber dieser Abend und die Begegnungen wirken weiter. Bis hierher ins Südburgenland – ich sitze, während ich das schreibe, an einem ebenso schönen Sommerabend auf unserer Terrasse und lasse unseren Berlinaufenthalt mit großer Dankbarkeit nachklingen …

Andrea

Arbeitsalltag von Straßenkünstlerinnen

Arbeitsalltag von Straßenkünstlerinnen

Hallo!

Da schreiben wir von Nachmittagsspaziergängen und Entdeckungsreisen, von Großevents an den Pausentagen und Streifzügen durch die Stadtviertel und ihr fragt euch wohl schon, ob unsere Reise zur Urlaubsreise mutiert ist. Es ist also an der Zeit, einmal zu erzählen, wie unsere Arbeitstage hier verlaufen.

Der Tagesbeginn ist eigentlich ganz gleich wie an den Arbeitstagen zu Hause: Um sieben Uhr läutet der Wecker, dann nehmen wir uns noch ein wenig Zeit, um gemütlich an diesem Tag anzukommen. Der erste Programmpunkt ist unser einstündiges Yogatraining. Bevor wir vor zweieinhalb Jahren nach Buenos Aires aufgebrochen sind, hat uns eine Yogalehrerin dieses Programm zusammengestellt und es uns gelehrt. Es hat uns nicht nur geholfen, den Körper wieder viel beweglicher zu machen, sondern es ist sowohl bezüglich Körperhaltung als auch bezüglich Atmung eine wunderbare Ergänzung zum Tangotanzen. Und nicht zuletzt hilft es mir immer wieder, den Kopf frei zu bekommen und mich zu erden. Danach ist es dann höchste Zeit fürs Frühstücken.

DSCF4872 (2)Der nächste Programmpunkt ist das Tanztraining. Zu Hause ist dieses Training fünfmal in der Woche Fixpunkt. Auf unseren beiden Reisen im Vorjahr haben wir gemerkt, wie wichtig es auch während der Zeit der Auftritte ist, so oft wie möglich zu trainieren. Als Straßenkünstlerin ist es nicht möglich, sich während des Tanzes nur auf sich und die Partnerin, auf den Tanz und die Musik zu konzentrieren, sondern es gibt immer Impulse von außen, vom Publikum, von zufälligen Ereignissen oder Geräuschen ringsum. So besteht auch die Gefahr, dass sich Ungenauigkeiten in den Bewegungen oder der Haltung einschleichen. Ohne Training würden sich diese verfestigen und die Präzision, die der Tango erfordert, die Harmonie und die Eleganz, auf die wir in unserem Tanz großen Wert legen, würden darunter leiden. Kurz, wir trainieren also auch auf Reisen regelmäßig.

Hier in Berlin besteht unser Arbeitstag aber erstmals auch aus viel „Büroarbeit“. Im letzten Jahr hatten wir uns ja noch nicht als Künstlerinnen selbständig gemacht, und es gab weder die Website noch den Workshop Solo Tango. Nun gilt es auch während wir unterwegs sind, mit KooperationspartnerInnen per Mail in Kontakt zu sein, Auftritts- und Workshoptermine für die nächsten Monate zu organisieren, Infomaterial zu erstellen und zu verschicken, PR-Aktionen zu setzen … kurz, als AdanzaS auch von hier aus zu arbeiten. Und das, was ich jetzt gerade mache, ist auch Teil unseres Arbeitsalltags geworden: das Schreiben der Blogbeiträge jede für sich, gemeinsam machen wir dann das Korrekturlesen, die Auswahl der Bilder und die Gestaltung der Beitragsseite.

Fixpunkt jedes Arbeitstages ist das Kochen und Genießen unseres Mittagessens! Diesen Luxus, dafür gemeinsam in Ruhe Zeit zu haben, gönnen wir uns einfach. Meist geht sich danach auch ein kurzer Verdauungsspaziergang oder ein kleines „Rasterchen“ aus.

Zur täglichen Arbeit gehört natürlich auch, dass unsere Kostüme auf Schuss gehalten werden. Diesbezüglich haben wir eine klare Arbeitsteilung: Andrea putzt täglich unsere Tanzschuhe und ich bin fürs Waschen und Bügeln zuständig. Vor allem die Figur, in die Andrea in unserem Stück „Encuentro“ schlüpft, verlangt, dass da alles perfekt ist. Erst wenn die Kostüme bereit sind, können wir beginnen, uns für einen Auftritt vorzubereiten.

DSCF4940Hier in Berlin beginnt unser Auftritt am Hackeschen Markt etwa um 17.30 Uhr. Daher fangen wir um 16.00 Uhr erst einmal damit an, alle nötigen Requisiten und Utensilien zusammen zu packen. Darin sind wir mittlerweile schon sehr geübt und wir haben eine gute Technik entwickelt, um alles auf einer kleinen Gepäcksrodel zu befestigen. Danach ziehen wir die Kostüme an, stylen die Haare und schminken uns und zugleich schlüpfen wir dabei in die Rollen unserer Alter Egos. Um kurz vor 17.00 Uhr sollten wir uns dann auf den Weg machen können. Zur U-Bahn haben wir es zum Glück nicht weit, leider gibt es zum Teil aber keine Rolltreppen bzw. funktioniert am Bahnhof Friedrichstraße, wo wir in die S-Bahn umsteigen, jeden zweiten Tag der Aufzug nicht. Aber wir sind auch schon recht geübt, wie wir unser Gepäck über Stufen transportieren.

Am Hackeschen Markt angekommen geht es zuerst einmal ans Aufbauen der Requisiten. Dann ziehen wir die Tanzschuhe an, versuchen uns noch kurz zu konzentrieren, und dann können wir zu tanzen beginnen. Bisher haben wir das Stück „Encuentro“ jeweils dreimal zur Aufführung gebracht. Dazwischen tanzen wir zwei frei improvisierte Tangos und nach dem Stück ergibt sich oft eine kurze Pause, weil wir von Menschen aus dem Publikum angesprochen werden. Insgesamt dauert ein Auftritt also ca. 75 Minuten. Danach geht es wieder ans Schuhewechseln und Einpacken und wir machen uns auf den Heimweg.

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Um ca. 19.30 Uhr kommen wir dann in der Wohnung an und da ist der Hunger schon recht groß. Trotzdem ist zuerst noch die Dusche fällig, auch um das Gel aus den Haaren heraus zu bekommen. So sind wir also für 75 Minuten Auftrittszeit knapp vier Stunden „beschäftigt“. Für ein Abendprogramm sind wir dann meist schon zu müde und unsere Arbeitstage klingen ruhig, ohne viele Ereignisse, aus. Immer wieder aber sind wir von einem Auftritt, von der Atmosphäre und den Begegnungen so bewegt, dass es trotz der Müdigkeit gar nicht so leicht fällt, zur Ruhe zu kommen. Aber es ist eine angenehme Erregtheit, ein Erfüllt-Sein von dem, was uns die Straßenkunst schenkt.

So freue ich mich schon auf die nächsten, bald schon die letzten Auftritte hier in Berlin!

Sigrid

Straßenkunst in Berlin

Straßenkunst in Berlin

Ja, hier in Berlin lebt sie wirklich noch, die Straßenkunst – vor allem in Form von Straßenmusik. Das neueste GEO Special über Berlin hat sogar der Straßenmusik einen ausführlichen Beitrag gewidmet, den wir schon im Vorhinein mit großem Interesse gelesen hatten. Hier gibt es wirklich junge MusikerInnen, die lieber auf der Straße musizieren, als sich mit einem Plattenvertrag zu binden und damit ihre Freiheit aufzugeben. Manche von ihnen sind trotzdem so erfolgreich, dass sie davon leben können. Und so sieht man hier auch, wenn man durch Berlin streift, an allen möglichen oder auch unmöglichen Ecken (z.B. die lauteste Straßenkreuzung Berlins) MusikerInnen aller Genres. Fast alle sind mit Verstärkeranlagen ausgestattet, worüber wir anfangs sehr gestaunt haben, denn das ist in jeder anderen Stadt verboten. Die insgesamt liberalen Bestimmungen für Straßenkunst und die offene Atmosphäre dieser Stadt machen eben diese lebendige und kreative Straßenkunstszene möglich. So waren wir natürlich sehr gespannt, wie es uns hier ergehen wird in dieser riesigen Stadt, mit viel Konkurrenz und unserem neuen Programm.

DSCF4726Die Suche nach geeigneten Auftrittsorten hat sich erst einmal schwieriger herausgestellt, als wir erwartet hatten. Einerseits brauchen wir einen tanzbaren Boden, in Berlin gibt es sehr viel Kopfsteinpflaster, und andererseits fürs Tanzen auch viel mehr Platz als MusikerInnen, wir können uns nicht an jede Straßenecke stellen. Auf wiederum zu großen Plätzen wie dem Alexanderplatz verlieren wir uns und außerdem fühlen wir uns besser, wenn wir Rückendeckung haben. So waren unsere ersten Auftritte hier eher frustrierend. Als erstes versuchten wir es wie gesagt gleich einmal am Alexanderplatz. Aber auf diesem riesigen Platz mit Menschenmassen, hatten wir das Gefühl, wir gehen unter. Als dann auch noch eine christliche „Sekte“ eine Missionsveranstaltung mit einer platzbeschallenden Verstärkeranlage abhielt, wussten wir, das war´s hier für uns!

Am nächsten Tag versuchten wir es auf der Museumsinsel, da auf Grund des langen Wochenendes sehr viele TouristInnen in der Stadt waren. Am liebsten hätten wir in den Kolonnaden der Alten Nationalgalerie getanzt, ein wunderschöner Ort, aber auf Nachfrage beim Wachpersonal durften wir da nicht auftreten, ist ja auch kein öffentlicher Raum. Also haben wir den Platz davor ausgewählt, bei dem uns allerdings die Rückendeckung fehlte. Menschen kamen aus allen Richtungen und so taten wir uns mit der Ausrichtung unseres Stückes schwer. Außerdem gab es hier auch eine Begegnung, die uns sehr irritierte. Bald nachdem wir angefangen hatten, tauchte eine andere Straßenmusikerin mit Ziehharmonika auf. Sie platzierte sich direkt neben uns und obwohl wir gerade mitten in unserem Stück waren und auch Publikum hatten, begann sie laut auf ihrem Instrument zu spielen und auch zu singen, leider nicht einmal gut. Anfangs versuchten wir sie zu ignorieren, aber da fing sie dann an, uns ganz bewusst zu stören, indem sie ganz in unseren Raum eindrang. Wir suchten also das Gespräch, merkten aber bald, dass das zu nichts führen würde, dann sie begann sofort in einer fremden Sprache herumzuschreien und uns zu beschimpfen. Sigrid wollte anfangs noch unseren Platz verteidigen, aber ich hatte unter diesen Umständen keine Lust, hier länger zu bleiben. Wir fingen also auch noch an zu streiten, anstatt das Ganze mit Humor zu nehmen. Ziemlich genervt, verärgert und frustriert packten wir unsere Siebensachen und zogen ab. So eine Erfahrung hatten wir noch nie gemacht. Und auch daran merkten wir, Berlin ist eben ein anderes Pflaster. Aber zum Glück hat sich das Blatt inzwischen gewendet.

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Mittlerweile haben wir unseren Platz gefunden. Es scheint hier überhaupt so zu sein, dass jede/r Künstler/in einen Platz hat, an dem er/sie hauptsächlich auftritt. Nun, unserer ist der Hackesche Markt. Wie der Name sagt, findet hier zweimal die Woche ein Markt statt. Es ist ein sehr netter Platz mit Bäumen, vielen Lokalen, Bänken zum Verweilen, einem S-Bahnhof (gut für unser Stück, das ja auf einem Bahnhof spielt!) und stark frequentiert, da die Hackeschen Höfe daneben ein Touristenmagnet sind. Vor einem blühenden Kastanienbaum und vielen Sträuchern, nach drei Seiten offen, haben wir unseren idealen Platz gefunden. Hier haben wir unser Stück bereits sechsmal (an zwei Tagen mit je drei Durchgängen) mit Erfolg und begeistertem Publikum aufgeführt. Und es hat uns wieder gepackt, dieses Fieber, das uns förmlich auf die Straße zieht, um aufzutreten. Es macht uns einfach Riesenspaß zu tanzen und zu spielen und dem Publikum zu begegnen. Und wir hatten wieder einige wunderbare Begegnungen. Zum Beispiel mit einer jungen, spanisch sprechenden Straßenkünstlerin, die mit Seifenblasen Kunststücke vollführt. Auch hier war es so, dass sie kurz nach uns auf dem Platz eintraf, aber sofort fragte, ob es für uns okay wäre, wenn sie neben uns ihre Darbietungen mache, da wir ohnehin ein anderes Publikum ansprechen würden. Wir waren einverstanden und haben uns sogar gegenseitig befruchtet, denn Leute, die zuerst bei ihr stehen blieben, haben dann auch bei uns zugesehen und umgekehrt. Und wir haben inmitten von Seifenblasen getanzt. Das hat, glaube ich, wunderschön ausgesehen, denn es wurden sehr viele Fotos gemacht. Nach jeder Aufführung von uns wurden wir auch von Leuten aus dem Publikum angesprochen, die uns Komplimente machten oder von einer Fotografin, die fragte, ob sie Porträts von uns machen dürfe. Eine Begegnung wird uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Mit einem Berliner, der zuerst einmal feststellte: „Ihr habt sicher schon bemerkt, dass es in Berlin sehr viel Straßenkunst gibt, leider ist sie nicht immer gut, aber das, was ihr macht, ist etwas ganz Besonderes.“ Nach unserem Gespräch hatte er sich dann eigentlich schon verabschiedet, kam aber nochmals zurück, um uns spontan zu sich nach Hause einzuladen, er würde nicht weit von hier wohnen. Nach unserem letzten Auftritt an diesem Tag suchten wir also seine Wohnung auf und wurden herzlich empfangen. Eine wunderschöne Wohnung in Top-Lage mit Dachterrasse! Hier saßen wir dann bei Sonnenuntergang über Berlin und wurden von unserem Gastgeber mit köstlicher Jause und ausgezeichnetem Wein verwöhnt. Die Gespräche mit ihm waren so interessant, die Atmosphäre so angenehm, der Abend so lau, dass wir bis 11.00 Uhr nachts blieben, um dann reich beschenkt den Heimweg anzutreten. Diese Erlebnisse sind es unter anderem, die Straßenkunst so schön machen!

Im Moment hat uns das Wetter wieder ein paar Pausentage beschert, die auch guttun. Wir haben zwar kaum Regen, aber es hat extrem abgekühlt, gestern hatten wir nicht einmal 10 Grad und starken Wind, äußerst ungemütlich. Aber sobald es besser wird, werden wir wieder den Hackeschen Markt bespielen.

Aus dem lauten, spannenden, coolen Berlin grüßt euch

Andrea

Kunst kann Straße – kann Straße Kunst?

Kunst kann Straße – kann Straße Kunst?

Hallo,

diesmal aus dem Westen Österreichs. Ich sitze gerade im Zug von Innsbruck nach Graz, und an den Fenstern gleitet eine wunderschöne, herbstliche Gebirgslandschaft vorbei. Nun, was hat uns nach Innsbruck geführt? Wir erhielten eine Einladung von unserem lieben Freund Tom Zabel, der seit 1985 als Straßenkünstler arbeitet. Er war schon auf zahlreichen Straßenkunstfestivals und macht Theater auf Augenhöhe für Kindergärten, Schulen, Festivals und Feste. Straßenkunst und auch der Kontakt zu anderen KünstlerInnen ist ihm ein besonderes Anliegen. So hat er an diesem Wochenende ein Straßenkunst-Event unter obigem Titel organisiert. Es sollte ein Come-together vor allem für StraßenkünstlerInnen aus Tirol (wir aus dem Südburgenland waren als special guests geladen) sein – einerseits ein Rahmen für Auftritte  und andererseits ein Raum für Austausch der teilnehmenden KünstlerInnen. Als wir die Einladung dazu erhielten, waren wir sofort begeistert, fanden die Idee großartig und es war schnell klar, dass wir dabei sein wollten. Mit unserem kleinen Stück namens „Encuentro“ (Begegnung), mit dem wir eine Tangogeschichte erzählen, im Gepäck, machten wir uns also auf nach Westen.

_MG_2293Ein herzlicher Empfang von Tom und Innsbruck bei strahlendem Sonnenschein eröffneten das Wochenende. Das Event verlief dann aber etwas anders als geplant. Als Location dafür hatte Tom das „Motel“ ausgewählt, eine ehemalige Recyclingfabrik, die nun als Kulturraum genutzt und von Vinzenz Mell mit viel Engagement betrieben wird. Ein „schräger“ Ort als Kulisse für dieses Event, das dann aber leider nur wenige so interessant fanden, um auch zu kommen. Als KünstlerInnen waren außer dem Veranstalter Tom nur wir vertreten, und auch die BesucherInnen waren spärlich gekommen. Aber wir versuchten, aus der Situation das Beste zu machen. Wir traten zweimal vor einer kleinen Gruppe Publikum auf und tanzten sogar auf dem Dach des „Motel“ mit der Nordkette im Hintergrund. Als „magisch“ hat eine Besucherin unseren Auftritt bezeichnet, und so wirken auch einige Fotos, die dabei entstanden sind. Es war nämlich ein wunderbarer Fotograf, Chris Niewo, anwesend, der uns mit diesen Fotos beschenkt hat.

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Schade fanden wir, dass der Austausch mit anderen KünstlerInnen ausfiel, denn darauf hatten wir uns besonders gefreut. Aber die interessanten Gespräche mit Tom, für die es dadurch mehr Zeit gab, haben diesbezüglich einiges wett gemacht. Und auch die Podiumsdiskussion, die dann am Abend doch stattfand und bei der es um die Frage ging, welchen Stellenwert Straßenkunst für das kulturelle Leben einer Stadt hat. An der Diskussion haben außer uns StraßenkünstlerInnen, Mesut Onay, ein Gemeinderat der Grünen, Vinzenz Princell, der Betreiber des Motel, und einige Leute aus dem Publikum teilgenommen. Darunter die junge Medizinstudentin Vera Wallner, die ausgehend von dieser Diskussionsrunde, einen Beitrag im Radiosender „Freirad“ über Straßenkunst gestalten möchte. Sobald dieser fertig ist, könnt ihr unter folgendem Link die Diskussion mit verfolgen: Hier zum Radiobeitrag

Nun, wir nähern uns immer mehr wieder den östlichen Gefilden und nehmen Auftrittserfahrungen, Gedanken aus Gesprächen und Begegnungen, Eindrücke von einem golden strahlenden Innsbruck und wunderschöne Fotos mit.

Andrea

Wien im Hochsommer

Wien im Hochsommer

Hallo!

Wien im Hochsommer: heruntergekühlte U-Bahnen und Geschäfte, Menschenmassen auf dem kleinen Schattenstreifen in der FuZo, 50 m lange Warteschlangen bei der Kasse eines Freibades und eine Schlägerei in einem solchen mit 15 Badegästen, Mittagessen mit einer Freundin am Nordpol (das passende Lokal, oder?!), Urlaubsfeeling am Donaukanal und ein angenehmer Abendbummel ab 20.00 Uhr bei nur mehr 35 Grad. Und auch wenn wir heute wegen der Hitze den zweiten Pausentag beim Tanzen einlegen, so sind wir trotzdem in Sachen AdanzaS auf Shoppingtour. Bei den letzten Auftritten hat Andrea nämlich im wahrsten Sinne des Wortes ihre Schuhe durchgetanzt und so brauchen wir dringend Ersatz. Es ist aber leider gar nicht so einfach, für unser Herrenoutfit passende Schuhe zu finden, da unsere Füße für Herrenschuhe recht klein sind. Wir wüssten schon ein Geschäft, in dem wir meine Tanzschuhe gekauft haben, aber das ist in Buenos Aires …

Von zwei ganz besonderen Auftritten der letzten Woche möchte ich noch erzählen.

Am vorletzten Montag hatten wir, wie Andrea schon erwähnt hat, einen Platz in der Kärntnerstraße zugeteilt. Beim Eintreffen waren wir gar nicht so ganz zufrieden, weil dort, wo wir tanzen sollten, ein Schanigarten und die Bar eines Lokals waren. Wir haben uns dann entschieden, einfach in den Gehbereich der FuZo hineinzutanzen und das war scheinbar keine schlechte Idee, denn schon nach kurzer Zeit hat sich ein großer Kreis von Menschen um uns gebildet. Immer wieder im Laufe dieses Abends hatten wir so einen Menschenkreis um uns, der sich mal auflöste, mal neu formierte. Wenn wir in letzter Zeit bei anderen StraßenkünstlerInnen so viel Publikum gesehen haben, dann dachten wir immer, mit Tango kann man bestimmt nicht so viele Leute ansprechen und so viel Publikum werden wir wohl nie erreichen – und nun war es doch so. Es war ein total schönes Gefühl!

Diesen Montag nun war unser Standort am Schwedenplatz. Wieder waren die Bedingungen scheinbar nicht ganz günstig, da wir nicht direkt dort tanzen konnten, wo die Menschen in großer Zahl von der U-Bahn in die City strömten und von der anderen Seite der Verkehrslärm recht störend war. Aber wir fanden ein Plätzchen unter Platanen und tanzten los. Bald schon blieben die ersten ZuschauerInnen stehen und auch wenn es diesmal bei weitem nicht so viele waren, ist eine enorme Stimmung aufgekommen. Bei langsamen, ruhigen Tangos habe ich die volle Konzentration bei allen gespürt und bei schnellen Tangos haben einige begonnen uns richtig anzufeuern. Wir konnten uns ans diesem Abend so richtig fallen lassen in unseren Dialog miteinander und in den Dialog mit dem Publikum. Ich habe diese Energie, die dabei entsteht, noch nie so intensiv gespürt und am Ende des Auftrittes war ich richtig „high“. Es ist einfach faszinierend, was wir beim Straßentanz erleben und was wir dabei von den Leuten zurückbekommen. Obwohl es jetzt so heiß ist, kann ich es fast nicht erwarten, bis wir wieder tanzen können. Am Freitag und am Samstag sind unsere nächsten Auftritte geplant – einmal am Donaukanal und einmal in der Kärntnerstraße. Wir sind schon gespannt, wie es an diesen Plätzen beim zweiten Mal sein wird.

Liebe Grüße

Sigrid

 

 

Wien tanzt!

Wien tanzt!

Hallo aus einem heißen Wien!

Bei uns kommen gerade Buenos Aires-Gefühle hoch – Hitze in der Stadt erinnert uns sehr daran, und außerdem kommen wir hier mit vielen Menschen über Buenos Aires ins Gespräch. Gestern erst hat uns eine Frau, die uns beim Tanzen auf der Straße zugesehen hat, gefragt, woher wir kommen. Als wir sagten, wir seien eh aus Österreich, hat sie uns zuerst nicht geglaubt. Sie meinte dann total erstaunt, darauf wäre sie nie gekommen, sie dachte wir seien aus Lateinamerika. Und da haben wir erzählt, dass wir in Buenos Aires waren. Diese Begegnung war aber nicht die einzige, bei der es um die Tango-Hauptstadt ging. Ein anderes Mal haben wir beim Tanzen sogar einen Porteno kennengelernt. Wir hatten unseren Auftritt in der Kärntnerstraße. Als wir gerade zu dem wunderbaren Tango „Vida mia“ tanzten, stand plötzlich ein Mann neben uns und hat mitgesungen. Es stellte sich heraus, dass er aus Buenos Aires kommt, aber schon 30 Jahre in Wien lebt und Tangosänger ist. Er ist dann bis zum Schluss geblieben und hat immer wieder zu Tangos von uns gesungen. Von ihm haben wir auch eines der schönsten Komplimente bekommen, als er meinte, wir tanzen „con corazon“. Jedenfalls hat er unser Kärtchen mitgenommen und gemeint, er meldet sich für einen nächsten gemeinsamen Auftritt. Schöne Begegnungen wie diese hatten wir schon wieder viele, und das Tanzen war auf allen Plätzen großartig – bis auf den Donaukanal. Im Vorjahr unser Lieblingsplatz und heuer der einzige Platz, an dem keine Stimmung aufkam, niemand stehen und der Hut leer blieb. Sehr eigenartig, oder? Einmal wollen wir es dort aber noch probieren, vielleicht war es eine Ausnahme, wir werden sehen.

Nun, hier in Wien tanzen zurzeit nicht nur wir trotz der großen Hitze. Es findet gerade das Impulstanz-Festival statt, das größte Festival für zeitgenössischen Tanz in Europa mit zahlreichen Workshops und Performances. Wir waren bei der Eröffnung und besuchen einige Performances. Die Eröffnung war ein ziemliches Wow-Erlebnis. Doris Uhlich, die als Nackttänzerin berühmt geworden ist, war für die Choreografie verantwortlich, und so haben 20 junge Tänzerinnen und Tänzer eine Stunde lang nackt die Bühne zum Beben gebracht. Es war eine einzige Hommage an den menschlichen Körper – sehr faszinierend. Ganz anders dagegen, nicht weniger faszinierend, war eine Performance von 6 Frauen. Die Bedingungen waren zwar ein Wahnsinn, denn das Ganze fand in einer riesengroßen, barackenartigen Halle statt, in der es sicher 40 Grad, wenn nicht mehr, hatte. Jedenfalls ist der Schweiß geronnen, ohne dass man sich gerührt hat und diese 6 Frauen haben eine Stunde lang getanzt. Es ging dabei um Nähe und Distanz, Begegnungen und sich wieder verlieren, Gefühle aller Art, … . Auch ein ganz besonderes Erlebnis.

Also ihr seht, wir sind hier eingetaucht in Tanzerlebnisse aller Art, aber auch ins Stadtleben und heute zur Abkühlung in die Fluten der Alten Donau. Jetzt machen wir uns gleich auf den Weg ins Lokal, in dem meine Cousine arbeitet, und nehmen dort an einem Quizabend teil. Also lassen wir einmal die Köpfe rauchen statt unsere Körper tanzen.

Viele liebe Grüße

Andrea

AdanzaS tanzen wieder in Wien …

AdanzaS tanzen wieder in Wien …

Hallo!

Gerade als ich mich zum Computer setze, plagt mich wieder ein Niesanfall. Einer der Gründe, warum wir im Moment nicht tanzen können, ist der, dass ich eine Mords-Verkühlung abgefangen habe. Ich nehme an, die Klimaanlagen in den U-Bahnen haben diese ausgelöst. Gestern mussten wir schon unseren ersten Auftritt am Donaukanal deswegen abblasen. Hat mich zwar furchtbar geärgert, aber in dem Zustand ist ans Tanzen einfach nicht zu denken. Nun hoffe ich, dass es mir bald besser geht, denn ich bin ja nicht in Wien, um im Bett zu liegen.

Aber auch vor meiner Verkühlung waren die Auftritte bis jetzt spärlich. Wir haben nämlich diesmal sehr wenige und auch viele unattraktive Plätze zugeteilt bekommen. Die Zuteilung erfolgt ja mittels Platzkarten der Stadt Wien. Anscheinend sind heuer im Juli viel mehr StraßenkünstlerInnen in Wien als im Vorjahr. Schon bei der Ausgabe der Platzkarten mussten wir Schlange stehen. Wir haben da auch eine Straßenkünstlerin aus Graz getroffen, die Harfenspielerin, vielleicht kennt sie jemand von euch. Sie hat uns erzählt, dass sie nur mehr in Wien auftritt, da in Graz das halbstündige Platzwechseln mit ihrer Harfe nicht möglich sei. Ja, hier haben sie uns wieder eingeholt, die Bestimmungen, die Straßenkunst so erschweren. Wobei wir schon beschlossen haben, uns nicht mehr so genau an die Vorgaben zu halten wie im Vorjahr. Gleich bei unserem ersten Auftritt haben wir das umgesetzt. Freitagabend, Burgtor – eigentlich war der zugeteilte Platz an der Ecke zum Burgring. Aber nachdem der Platz dort voll in der Sonne lag, haben wir auf die andere Seite des Burgtores, nämlich auf den Heldenplatz gewechselt. Dort gab es Schatten und außerdem andere Vorteile, nämlich Stufen und Wiese für das Publikum, um sich niederzulassen. Und wir hatten Glück, denn die ganze Zeit ist keine Kontrolle gekommen. So war unser erster Auftritt in Wien sehr gelungen mit viel Publikum, einer tollen Atmosphäre und auch entsprechendem Verdienst. Im Vorjahr hatten wir bei keinem Aufritt hier in Wien so viel bekommen, wie heuer gleich beim ersten Auftritt. Also, ein guter Anfang.

Unser nächster Auftritt war dann etwas ganz Besonderes, der fand nämlich auf einer Bühne statt, auf der Jedermannbühne. In Wien? Ja, diese Bühne ist eine tolle Idee von Servus TV. Auf einem unserer Streifzüge durch die Stadt entdeckten wir vor dem Museumsquartier diese Bühne, mit der Aufforderung, dass jede/r, der /die ein besonderes Talent, ob singen, musizieren, tanzen, reden, … zeigen möchte, es auf dieser Bühne tun kann. „Das wär doch etwas“, dachten wir uns gleich. Die Nachforschungen haben dann ergeben, dass Servus TV mit dieser Bühne durch ganz Österreich tourt und in jedem Bundesland, meist in der Landeshauptstadt, den Leuten vor Ort an vier Tagen (Donnerstag bis Sonntag) die Möglichkeit gibt, dort aufzutreten. Es ist ganz unkompliziert organisiert. Wenn man auftreten möchte, kommt man einfach an einem dieser Tage dort vorbei und mit ein wenig Glück, wie bei uns, heißt es dann ohne lange Wartezeit „Bühne frei!“ Man bekommt nach dem Auftritt auch noch ein Erinnerungsfoto und noch besser, ein Video vom eigenen Auftritt zur freien Verfügung. In der Galerie unserer Website könnt ihr dieses Video sehen.

Es grüßt euch eine verschnupfte Andrea aus Wien!