Otro fin del mundo

Es ist nichts Neues – Musik verbindet, erst recht Tangomusik, selbst entgegengesetzte Orte auf unserer Erdkugel. Die beiden Orte sind in diesem Fall Taiwan, früher Formosa, und die argentinische Provinz gleichen Namens, auf die man trifft, würde man sich von Taiwan aus durch unseren Planeten graben. Eine riesengroße Entfernung, entgegengesetzte Jahreszeiten, Tag und Nacht umgekehrt, komplett verschiedene Sprachen, aber einst derselbe Name!

Auf halbem Weg trafen sich vier Musiker*innen aus Ostasien und Südamerika in Wien und begannen eine musikalische Konversation ausgehend von ihren unterschiedlichen Kulturen und Musikrichtungen. Ein faszinierendes Musikprojekt, von dem ich hier berichten möchte.

Von den Vieren kennen wir zwei, nämlich Algy (Ruei-Ran Wu) und Kaoru Asayama, er Taiwanese, sie Japanerin. Beide kamen der Musik wegen nach Wien, lernten sich hier kennen und auch lieben, wurden ein Paar und ein Teil des reichen Musiklebens in Wien, Algy als Pianist und Bandoneonist, Kaoru als Violinistin. Sehr bald entdeckten sie auch die Tangomusik für sich und interpretieren sowohl klassische Tangos als auch Eigenkompositionen und Arrangements von Algy auf ganz besondere Weise.

Nun, für besagtes Musikprojekt trafen sie auf die beiden Argentinier Diego Collatti und Felipe Medina, der eine Pianist, der andere Kontrabassist. Mit ihren vier Instrumenten führten sie Tango Argentino und asiatische Musik zusammen, ließen sie verschmelzen. Einerseits in klassischen Tangos von Gardel oder Piazzolla, in Eigenkompositionen oder in alten taiwanesischen Liedern, die als Tangos arrangiert nach Pugliese, Di Sarli oder Piazzolla klingen. Algy als Arrangeur gelingt es wirklich hervorragend, den Stil der jeweiligen klassischen Tangoorchester zu treffen.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein Gustostückerl von einer CD, die sich Otro fin del mundo nennt. Im Booklet findet man auch interessante Infos und Geschichten zu den einzelnen Musikstücken. Von allen zu erzählen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, aber ein Beispiel möchte ich hervorheben. Es ist das erste Stück auf der CD und nennt sich Monte verde. Im Jahr 1947 für einen Film, der in Taiwan spielt, geschrieben, beschreibt es die Schönheit der Menschen von Taiwan und wurde zu einem Lied, das Taiwan repräsentiert. In diesem Fall hat Algy es im Pugliese-Style arrangiert und mit seinen heavy beats und sanften Melodien als Kontrast, repräsentiert es auch seinen taiwanesischen Inhalt. Das Hörbeispiel entstand bei einer Liveaufführung:

Im Einleitungstext für ihre CD schreiben sie „Tango ist eine Umarmung zwischen zwei Welten“, und genau das ist in ihrer Musik zu spüren und macht es zu einem besonderen Erlebnis darauf zu tanzen.

Wir sind nämlich schon in großer Vorfreude. Im Rahmen von TANGO GOES CHURCH gibt es am 10. Mai ab 11.30 Uhr wieder eine Tango-Matinee mit Livemusik, organisiert von Anja Deml. Sie konnte Algy und Kaoru als Musiker*innen gewinnen und wir haben die Ehre zu ihrer Musik die Eröffnung zu tanzen.

Andrea

4 Kommentare zu „Otro fin del mundo“

  1. Liebe Andrea,
    vielen Dank für diesen wunderschönen Beitrag zu unserem Tangoleben. Es ist immer wieder als würde sich, in den verschiedenen Begegnungen ob beim tanzen oder beim lesen eurer Blogs, ganz neue unbekannte Welten öffnen. Ich bin sooo dankbar dass ich euch kennen lernen durfte und ihr mich immer wieder in eure Erfahrungen mitnehmt.
    Vielen Dank liebe Andrea und liebe Sigrid
    mit großer Vorfreude auf die nächsten Begegnungen
    Gabriele

  2. Liebe Andrea und liebe Sigrid wir freuen uns schon sehr auf euch und auf Kaoru und Algy und auf die vielen Musiker:innen und Tänzer:innen bei der Tango Matinee mit Livemusik und Tanzen
    Und ich liebe diese sehr besondere Tango CD !

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