Tango Argentino – ein Lebensstil!

 Eine Art zu gehen, eine Art zu sein, eine Haltung, ein Gefühl.

Diese Aussagen beschreiben sehr gut, dass Tango Argentino mehr ist als ein Tanz.  Je intensiver wir uns mit diesem Tanz auseinander setzen, umso mehr wird uns bewusst, wie sehr er auf unser Leben einwirkt, in die Tiefe geht und Lebenseinstellungen verändert. Was meine ich genau damit?

Nun, zum einen ist es die Körperhaltung, die sich verändert hat. Ich bemerke es nicht nur selbst, sondern bekomme es auch als Rückmeldung sowohl von „alten“ Freundinnen als auch von Menschen, denen ich zum ersten Mal begegne. Ich hatte noch vor vier Jahren eine sehr schlechte Körperhaltung mit hängenden Schultern und nach vorne geneigtem Kopf, dadurch auch immer wieder Verspannungen und Schulterschmerzen. Langsam, aber sicher, hat sich mit intensivem Tangotanzen in diesen vier Jahren meine Körperhaltung in eine aufrechte Haltung verwandelt und die Beschwerden sind verschwunden. Es hat sich überhaupt meine Körperwahrnehmung verändert, ich nehme meine Bewegungen bewusster wahr, wozu mein Körper fähig ist und wozu nicht, wie ich dastehe, wie ich gehe, usw. Diese Wahrnehmungen wirken in die Tiefe und führen in Folge auch zu einer anderen Lebenshaltung (Wie gehe ich durchs Leben?). Mit der Erkenntnis, dass die Lebenshaltung wiederum die Körperhaltung beeinflusst, schließt sich der Kreis.
In unseren Solo Tango-Workshops legen wir auch großen Wert darauf, Körperwahrnehmung zu schulen und auf die Haltung zu achten. Und Rückmeldungen, wie diese, zeigen, was es bewirkt: Ich habe gelernt, Haltung zu bewahren und gehe jetzt aufrechter und traue mich mehr aufzuschauen, das habe ich (vor allem in der jetzigen Lebensphase) gebraucht!

Eine weitere Lebenseinstellung, die sich durch das Tangotanzen verändert hat, betrifft das Wahrnehmen von Zeit. Hatte ich früher oft das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben bzw. gestresst zu sein, so habe ich dieses Gefühl jetzt nur noch ganz selten. Tango ist Entschleunigung! Ein wesentliches Grundelement des Tangotanzens ist das Gehen, ein Gehen im Rhythmus der Musik. Einen Fuß vor den anderen setzen, nichts überstürzen, sich nicht hetzen, nicht drängen lassen. Schritt für Schritt vorgehen und jeden Schritt genießen. Nicht zu weit vordenken. Die Vorhaben ohne Eile angehen, die Geschwindigkeit auf mein eigenes Maß reduzieren. So wird im Buch Tango macht glücklich von Susanne Köb beschrieben, was Schritte setzen im Tango bedeutet. Aber nicht nur die Schritte, auch viele andere Bewegungen kann man im Tango bewusst langsam ausführen, sozusagen Langsamkeit zelebrieren. Mir liegt das besonders, da ich ein eher langsamer Typ bin, es entspricht meinem Lebenstempo. Und gleichzeitig kann ich aber auch Schnelligkeit trainieren, denn damit ein Tanz interessant wird, braucht es beides, Verzögerung und Beschleunigung, langsam-zelebrierte Schritte im Wechsel mit blitzschnell ausgeführten Überraschungseffekten. Je mehr ich das übe, umso mehr Sicherheit bekomme ich, dass ich schnell sein kann, wenn es darauf ankommt. Und das führt insgesamt zu mehr Gelassenheit in meinem Leben.

Tango Argentino ist ein Ausdruckstanz, kein abstrakter Tanz, deshalb kann er symbolisch für das Leben im Allgemeinen interpretiert werden, heißt es auch im oben genannten Buch. Tangotanzen ermöglicht mir, meine Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Ein kreatives Element des Tangotanzens sind sogenannte Verzierungen, mit denen ich spielen und damit dem Tanz meine ganz persönliche Note geben kann. Diese Verzierungen, wie der Tanz überhaupt, sind immer auch eine Interpretation der Tangomusik. Die Musik transportiert grundlegende Gefühle von Liebe und Würde einerseits, Schmerz und Trauer andererseits. So habe ich die Möglichkeit, meine Emotionen und Gefühle im Tanz auszudrücken und dabei Haltung zu bewahren. Und das sind Konzepte, die ich analog für mein ganzes Dasein sehen kann.

Zum Schluss möchte ich noch eine weitere Teilnehmerin eines unserer Solo Tango-Workshops zu Wort kommen lassen, die uns ihre Conclusio zukommen ließ:

TANGO hilft dabei den Weg zu gehen. Ganz im Hintergrund wirkend.
Ich werde es bewusst einsetzen für mich, noch mehr, gerade die Verzierungen.
AUFRECHT
IM EIGENEN TEMPO
MIT ERHOBENEM HAUPT
MIT DER MÖGLICHKEIT ZUR FREIEN ENTSCHEIDUNG
MIT DER MÖGLICHKEIT DIE ENTSCHEIDUNGSPHASEN MIT VERZIERUNGEN DARZUSTELLEN

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen!

Andrea

 

Verwendete Literatur:
Tango macht glücklich, Susanne Köb, agiledition, Wien 2015

 

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