Die Tugend der Neugierde

Die Tugend der Neugierde

Katzen gelten als neugierige Tiere. Ihnen wird diese Eigenschaft quasi als naturgegeben zuerkannt. Bei uns Menschen sieht es da ganz anders aus: „Sei nicht so neugierig!“, haben wir als Kinder oft zu hören bekommen, und zu einer guten Erziehung gehörte es, das Laster der Neugierde auszurotten. Warum eigentlich? Ist sie nicht eher eine Tugend, die uns im Leben weiterkommen lässt?

Da ist erstens einmal das Reisen, das ohne einer gehörigen Portion Neugierde undenkbar wäre. Die berühmten Reisenden früherer Jahrhunderte haben enorme Strapazen auf sich genommen, um großartige Entdeckungen zu machen und davon zu berichten. Vieles, das heute zum selbstverständlichen Grundwissen unserer Zeit gehört, verdanken wir der Tatsache, dass diese Frauen und Männer ihrer Neugierde gefolgt sind. Heute ist das Reisen viel einfacher geworden und manchmal fehlt es dabei leider auch an dieser Lust auf das Neue. Vielfach erinnert das Reiseverhalten eher an ein Konsumieren von Sehenswürdigkeiten, an das Abhacken einer imaginären TO SEE LIST oder an eine Flucht aus dem Alltag mit der Hoffnung, im Urlaubsparadies alles möglichst so wie zu Hause, nur ohne Arbeitsalltag, vorzufinden. Neugierige Menschen geben sich damit nicht zufrieden und reisen auch heute noch wie jene EntdeckerInnen von damals. Sie reisen langsam, wollen Land und Leute wirklich kennenlernen und gehen abseits der üblichen Wege. Sie schauen genau hin und folgen den versteckten Aufforderungen zum Neugierigsein – wie zum Beispiel jene kleinen „Gucklöcher“ in Istrien, die den Blick frei gaben auf das, was als Panorama vor uns lag: mit einem Mal, wussten wir, welcher Gipfel der Triglav ist und welches Dorf da so malerisch auf der Bergkuppe thront!

Für neugierige Reisende passt auch jener Rat, den der Dalai Lama in einer Sammlung von „Tipps für ein glückliches Leben im neuen Jahrtausend“ gegeben hat: „Begib dich einmal im Jahr an einen Ort, an dem du noch nie gewesen bist!“ Ich denke oft an diesen Satz, denn er lässt so viele Möglichkeiten offen: niemand muss einen Langstreckenflug buchen, um sich an solch einen Ort zu begeben, man muss nicht weit reisen und auch nicht viel Geld ausgeben, sondern man braucht nur die Tugend der Neugierde und schon kann es losgehen. Für uns ist es im Moment ja wirklich leicht, diesem Rat zu folgen, da uns unser Workshop Solo Tango an viele Orte bringt, an denen wir noch nie gewesen sind. Wir müssen uns also nur die Zeit und die Muße nehmen, neben der Arbeit auch auf Entdeckungsreise zu gehen. Aber wie ihr wisst, fällt uns das nicht schwer!

Ein zweites Feld, in dem die Tugend der Neugierde Wunderbares zum Vorschein bringen kann, ist all das, von dem wir meinen, es längst zu kennen: Die Gegend, in der wir wohnen, die Stadt, in der wir aufgewachsen sind, die Menschen, die wir lieben, … . Ich staune immer wieder darüber, welch unerwartete Entdeckungen möglich sind, wenn es mir gelingt, offen und neugierig zu bleiben! All das, was auf den ersten Blick so vertraut wirkt, birgt immer wieder Überraschungen. Wenn die Neugierde das selbstgefällige Gefühl, bereits alles zu wissen und zu kennen, besiegt, wird es im Leben erst so richtig spannend.

Und da ist noch etwas, das in letzter Zeit meine Neugierde geweckt hat: Begegnungen mit Menschen! Auch in meinem früheren Beruf als Lehrerin hatte ich täglich mit Menschen zu tun. Ich schätzte diesen Teil meiner Arbeit, aber es war durch die Rahmenbedingungen unseres Schulsystems auch jener Teil, der oft sehr belastend war und den Arbeitsalltag erschwerte. Nun hatte ich einige Jahre lang einen heilenden Abstand zu Menschen. Nicht, dass ich zur Einsiedlerin geworden wäre, aber die Monate, in denen wir unsere Projekte geplant und unsere Selbständigkeit aufgebaut haben, waren nicht so intensiv von Kontakten geprägt. Jetzt läuft unser Workshop Solo Tango so richtig gut und er schenkt uns wunderbare Begegnungen. Es sind äußerst interessante Menschen, die wir da kennenlernen und mit denen sich neben dem gemeinsamen Tanzen auch tolle Gespräche ergeben. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen, manche sind jünger, viele älter als wir, sie sind bereit, sich auf Neues einzulassen und uns ein Stück an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Mit unserer Geschichte, vor allem der Tatsache, dass wir als Lehrerinnen gekündigt haben, um unserem Traum zu folgen, wecken wir wiederum ihre Neugierde. Und so ist es ein Geben und Nehmen mit Worten, mit Gesten und im Tanz. Jedes Mal, wenn wir uns wieder aufmachen, um auf Reisen zu gehen und einen Workshop zu halten, wird meine Neugierde geweckt. Und jedes Mal bin ich bereichert, reich beschenkt, wieder nach Hause gefahren.

Also, vergessen wir endgültig unsere gute Erziehung! Es lebe die Tugend der Neugierde!

Sigrid

 

Der Duft des Südens

Der Duft des Südens

Istrien – die meisten von uns denken da zuerst einmal an die Küsten dieser Halbinsel, an das Meer und seine Düfte. Aber auch das Landesinnere ist eine Reise wert und es gibt vieles zu entdecken.

Man wird von einem satten Grün überrascht. Blau ist hier nur der Himmel, anstatt des Meeres reihen sich endlose Hügelketten aneinander, die, je weiter man kommt, umso niedriger und sanfter anmuten. Siedlungen sind hier rar, da und dort ein Kirchturm, ein paar steinerne Häuser, Wälder, Lichtungen, Straßen, Felder … Es scheint als führte die Straße durch eine völlig unbewohnte Landschaft. Und doch sind hier, auf den Hügelrücken, die sich wie Finger von der Erhöhung abspreizen, einige der bezauberndsten Orte Istriens versteckt. Ihr Reiz resultiert aus ihrer Lage und dem unglaublichen Feingefühl ihrer Erbauer für die Harmonie der Proportionen und Materialien…

So beschreibt Lidija KLasic in ihrem Buch Noch 172 Tage bis zum Sommer – eine istrische Reise dieses Land abseits der Küsten. So hat es sich auch uns dargeboten, als wir uns von Piran aus aufmachten nach Opatija. Vom Meer aus schlängeln sich die Straßen hügelaufwärts, führen durch Oliven- und Weingärten, das Meer sieht man von oben nur mehr aus der Ferne und bald schon taucht der erste dieser bezaubernden Orte auf – Buje. Hoch oben an einen steilen Abhang schmiegen sich die Häuser eng aneinander und bilden fast so etwas wie eine Festung aus der nur der Kirchturm herausragt. Beim Weiterfahren entdecken wir dann, dass sich der größere Teil des Ortes auf der anderen, sanft abfallenden Seite des Hügels befindet und sich in die Kulturlandschaft rundum schmiegt.

Wir fahren weiter, immer tiefer ins Landesinnere und gelangen schließlich ins Mirnatal. Ein dicht bewaldetes Flusstal, vor allem Eichen wachsen hier und bilden den Nährboden für eine heiß begehrte Knolle, die Trüffel. Ein verführerischer Duft, wenn ein paar Scheiben dieses Pilzes frisch über Nudeln oder ein Risotto gehobelt werden. Wenn man beim Gedanken daran Hunger bekommt, bietet sich ein Stopp in Motovun an. Auch dieser Ort bildet die Krone eines Hügels, der sich aus dem Mirnatal erhebt. Als wir aus dem Auto aussteigen, empfängt uns zuerst einmal der Duft der Akazien, die gerade in voller Blüte stehen. Eine schmale Gasse, vorbei an schönen, alten Steinhäusern, führt uns hinauf zu einer Loggia mit prächtiger Aussicht und der Stadtmauer. Man kann den Ort auf dieser Mauer umrunden – auf der einen Seite den Blick schweifen lassen in die unberührte Hügellandschaft, auf der anderen Seite Einblicke erhaschen in kleine Gärten und Hinterhöfe der BewohnerInnen dieses Ortes. Im Ort reiht sich ein Lokal an das andere, denn im Sommer kommen hier TouristInnen busweise an, jetzt im Mai ist es zum Glück noch relativ ruhig. Nach einer Stärkung und mit dem Duft von Jasmin in der Nase setzen wir unsere Reise fort.

Wir verlassen das Mirnatal, fahren an Buzet, sicher auch ein sehenswertes, kleines Städtchen, vorbei und gelangen an die Ausläufer des Ucka-Gebirges. Hier lockt uns noch Roc an – eine Perle auf diesem Teil der Halbinsel, den die Geografen wegen der Farbe der Felsen „graues Istrien“ nennen, wiewohl es eigentlich grün ist … Auch Roc ist von einer Stadtmauer umgeben, hat noch gut erhaltene Türme, ein altes Stadttor, geschwungene Gassen mit Häusern, in deren steinerne Fassaden viele ältere Elemente mit Verzierungen und Reliefs eingearbeitet sind. Fragmente früherer Bauten aus der Renaissance oder sogar aus der Römerzeit, wie man sie in Istrien immer wieder antrifft. Ein verschlafener Ort an diesem Sonntagmittag im Mai. Die EinwohnerInnen stehen nach der Messe am Kirchplatz zusammen. Im einzigen Lokal des Ortes wartet die Kellnerin auf Besuch. Ein Steinmetz verlässt gerade seine Werkstatt. Eine kleine Katze auf einer Fensterbank lugt hinter einem Blumentopf hervor. Wir kommen uns hier ein bisschen wie Eindringlinge in die Sonntagsruhe vor. So verlassen wir den Ort, nehmen eine Nase voll Irisduft mit und fahren bergwärts, hinauf auf den Ucka.

Die Vegetation ändert sich rasch, hat nichts Mediterranes mehr. Wir entdecken Frostschäden an den Buchen und Kastanien und erfahren nachher, dass es auch hier noch Ende April Frost gegeben hat. Je höher hinauf wir kommen, umso dichter wird der Nebel. Denn hier oben stauen sich gerne die Wolken und man glaubt nicht, dass das Meer nur mehr wenige Kilometer entfernt ist. Aber als wir den Poklon-Pass erreichen ist es soweit, die Kvarner Bucht liegt uns zu Füßen. Das Meer hat uns wieder!

Andrea

Verwendete Literatur: Lidija Klasic, Noch 172 Tage bis zum Sommer, eine istrische Reise, Folio Verlag

 

Klein und fein …

Klein und fein …

Istrien – da tauchen all die Bilder in uns auf, die wir mit „Urlaub“ verbinden – traumhafte Küsten, malerische Städtchen, verträumte Gassen, grünes Hinterland, … Meist ist es der weit größere, kroatische Teil der Halbinsel, der bereist wird, denn dort gibt es auch die großen Hotelanlagen, Campingplätze und Apartmentresorts. Allen, die es lieber klein und fein, ein wenig ruhiger und übersichtlicher haben möchten, empfehle ich die slowenische Riviera – den nördlichen Teil der Halbinsel Istrien, der Slowenien mit knapp 50 km Küstenlänge den Zugang zum Meer verschafft. Von der italienischen Grenze bei Ankaran bis zur kroatischen Grenze nahe den Salinen von Secovlje – klein und übersichtlich!

Hier sind all die Schönheiten und Kostbarkeiten der mediterranen Landschaft auf engstem Raum beisammen: Piran, Izola und Koper bezaubern jeweils mit einer malerischen Altstadt, kleinen Hafenbecken, idyllischen Gässchen und venezianischen Palazzi. Jetzt in der Vorsaison ist es hier beschaulich ruhig, wenige Menschen schlendern durch diese Paradiese. Nur am Wochenende um den 1. Mai ist hier einiges los, denn in Slowenien fallen da einige Feiertage zusammen und so sind es die SlowenInnen selbst, die einen Kurzurlaub in „ihrem“ Küstenland verbringen. Aber es ist ganz einfach, hier dennoch ruhige Plätzchen zu finden, wenn man ein wenig auf Entdeckungsreise geht…

Die größte, freudige Überraschung war für uns Portoroz – der Hafen der Rosen! Bei all unseren früheren Reisen in diese Region haben wir diesen Ort gemieden, da wir glaubten, er sei zu touristisch, zu überlaufen. Auf der Suche nach möglichen Auftrittsorten sind wir diesmal aber auch nach Portoroz gegangen (ja wirklich zu Fuß gegangen, aber davon erzähle ich später!) – und waren erstaunt! Ein kleiner Ort, versteckt in der ruhigen Bucht, mit einer bezaubernden Uferpromenade, netten Lokalen und gemütlichen Plätzchen zum Verweilen. Der Ort war und ist auch Kurort, denn die Salzgewinnung hat hier Tradition. Schon vor mehr als hundert Jahren wurde diese Heilwirkung geschätzt und so entstand im Jahr 1910 das Palace Hotel Portoroz, damals das größte und prächtigste Luxushotel an der Adria. Es wurde soeben nach einer Renovierung als 5-Sterne-Hotel der Kempinski-Gruppe wieder eröffnet. Nein, ich muss euch enttäuschen, wir sind nicht hier abgestiegen, eigentlich schade, denn es ist traumhaft schön!

Wir wohnen aber auch nicht schlecht, und zwar, was die Lage unserer Unterkunft betrifft! Das Haus, in dem wir ein Privatzimmer gemietet haben, liegt an der höchsten Erhebung zwischen den Buchten von Portoroz und Strunjan. Jedes Haus hier hat einen kleinen Olivengarten, einen Gemüsegarten und ein paar Weinstöcke. Es ist hier wirklich alles klein und fein! Großartig aber ist der Panoramablick, den wir von unserer Terrasse aus haben! Auf der einen Seite blicken wir über Strunjan hinweg nach Triest und bis zum Triglav, auf der anderen Seite auf die Salinen von Secovlje und dahinter auf den kroatischen Teil von Istrien und auf das Meer. Und von hier oben wandern wir los. Einmal hinunter nach Protoroz, um am Lungomare einen Aperitiv zu trinken, einmal nach Piran, um durch die alten Gassen zu schlendern und einzukaufen, einmal zu einer Tageswanderung in Strunjan.

In der Beschreibung der Piraner Wanderwege, einer kleinen Faltkarte mit zehn Routenvorschlägen, heißt es über den Wanderweg von Strunjan: „Diesen schönen, malerischen Weg kann man nur schwer beschreiben, da es keine Worte für so etwas Außergewöhnliches gibt. Diesen Weg müssen sie einfach erwandern …“ Kann man solch schwärmerischen Worten trauen? Ja! Es war wirklich unbeschreiblich schön! Durch Olivengärten auf kleinen Terrassen mit ihren Steinmauern, vorbei an alten Bauernhäusern, blühendem Ginster und duftenden Akazien, führte der Weg später ganz nahe an den Rand eines Kliffs und öffnete den Blick hinunter ans Meer. Herrliche Aussichtsplätze, gemütliche Rastplätze und am Ende der Wanderung ein nettes Cafe direkt am Strand in der Bucht von Strunjan. Für uns ist das Wandern die allerbeste Erholung: umgeben von schöner Landschaft den Kopf frei zu bekommen, den Blick schweifen zu lassen und mitten in der Natur zu sein, immer wieder ins Staunen zu kommen, was hinter der nächsten Kurve auftaucht, welche Düfte und Geräusche uns umgeben, welch schöner Anblick uns erfreut. So lasse ich auch jetzt einfach die Bilder sprechen …

Klein und fein, und doch voller Überraschungen! Das Küstenland Sloweniens ist immer wieder eine Reise wert! Und wir werden in Zukunft wohl nicht nur zum Genießen hierher kommen, sondern wir haben hier „so ganz nebenbei“ Ausschau gehalten nach passenden Möglichkeiten, um auf den Straßen und Plätzen aufzutreten. Und auch da gilt, klein und fein, und voller Überraschungen!

Sigrid

 

Miramar, ein paradiesischer Ort

Miramar, ein paradiesischer Ort

Ankommen im Miramar – die große, prächtige Empfangshalle betreten, durch die Glasfronten einen Blick auf Garten und Meer erhaschen, von der Hoteldirektorin Martina Riedl persönlich begrüßt werden, mit freundlicher und aufmerksamer Begleitung das Zimmer beziehen, sich sofort wohlfühlen in dem gemütlichen Ambiente, beim Begrüßungscocktail Wissenswertes über das Hotel und seine Angebote erfahren, …

„Nicht zu Hause und doch daheim“ – so beschreiben BesucherInnen zur Kaiserzeit ihr Lebensgefühl in Abbazia. Im heutigen Opatija im Hotel Miramar stellt sich für seine Gäste dieses Gefühl auch ein, und viele kommen immer wieder.

Das Hotel mit seiner wunderbaren Lage an der Kvarner Bucht mit Blick einerseits auf die Inseln Cres und Krk und anderseits auf die Stadt Rijeka gleicht einem kleinen Paradies. „Ich habe sooft und jedes Mal mit solcher Bezauberung von diesem irdischen Paradies gelesen“, schrieb Anton Tschechow als er 34jährig in Opatija weilte. Auch er war davon angetan, „dass von hier aus sowohl Fiume als auch die fernen, von lila Nebeln gefärbten Inseln sichtbar sind.“ Genau dieser Blick bietet sich den Gästen des Miramar von den Balkonen der Zimmer, von den Terrassen am Meer, vom Garten, vom Tanzsaal, …

Jetzt im Mai ist vor allem der Garten so ein „irdisches Paradies“ wie es Tschechow beschreibt. Das frische Grün, eine Blütenpracht an allen Ecken und Enden, das Plätschern des Springbrunnens und lauschige Plätzchen laden zum Verweilen ein. Dazu noch Vogelgezwitscher und eine Meeresbrise, was braucht man mehr, um sich zu erholen?

Der alte „Curort“ Abbazia hat ja auch schon eine mehr als hundertjährige Tradition, wenn es um Erholung oder Regeneration geht. Manche suchten hier auch Zuflucht. So hat ein Landsmann von Anton Tschechow, Vladimir Nabokov, ebenfalls Schriftsteller, einige Monate seiner Kindheit hier verbracht. Die reiche Familie Nabokov weilte zur Zeit des russisch-japanischen Krieges und der Unruhen in Petersburg und Moskau, am Anfang des 20. Jahrhunderts, im Ausland. So mieteten die Eltern mit zwei Söhnen, einem Hauslehrer, einem Zimmermädchen, einem Butler, einem russischen Kindermädchen und einer englischen Gouvernante 1904 für ein paar Monate eine geräumige Villa an der damals modernen Riviera von Opatija, erzählt Lidija Klasic im istrischen Reisebuch Noch 172 Tage bis zum Sommer. Nabokov selbst schrieb später in seiner Autobiografie über diese Villa: Ihr Name war Neptun – ich kann immer noch ihr gelbes, spitzes Türmchen auf alten Bildern von Abbazia erkennen. Wahrscheinlich würde er sie auch heute noch erkennen, denn komplett renoviert bildet sie nun das Herzstück des Hotel Miramar mit dem Speisesaal samt Wintergarten, der Habsburgbar, den Meerterrassen und den Zimmern mit der schönsten Aussicht.

Gleich neben der Villa Neptun, integriert in die Gartenanlage, befindet sich das SPA des Hotels. Denn sollte das Wetter einmal nicht so schön sein, um sich im Garten oder auf einer der Sonnenliegen direkt am Meer zu entspannen, kann man das im SPA, besser gesagt in einem der zwei SPAs tun. Das eine ausgestattet mit finnischer Saune, Kräutersauna, Dampfbad und einem Meerwasserpool, das andere mit finnischer Sauna und Infrarotkabine, einem Süßwasserpool, und von den Ruheliegen aus liegt einer der Garten und das Meer zu Füßen. Ein Ausblick, an dem ich mich nicht sattsehen kann! Während ich das schreibe, liege ich nämlich hier und lasse meinen Blick immer wieder schweifen über Zypressen, Pinien und Palmen, über das Meer bis hinüber zum fernen Velebitgebirge. Inzwischen scheint auch wieder die Sonne, nachdem es zuvor Regen gab, und lockt hinaus, um vielleicht am Lungomare einen Spaziergang zu unternehmen. Bewegung und die Meeresluft wecken dann den Appetit fürs Abendessen, der eigentlich nicht geweckt werden muss. Denn das, was hier serviert wird, ist so außergewöhnlich gut, dass man sich ohnehin schon den ganzen Tag aufs Abendessen freut. Und wenn man sich verständlicherweise nicht zurückhalten kann, dann gibt es diese Woche die Möglichkeit durch Tanzen zu verhindern, dass sich das gute Essen gleich in Kilos niederschlägt. Wir bieten nun schon zum Mal hier unseren Workshop Solo Tango an und tanzen jeden Tag zwei Stunden mit den Gästen – Tangomusik im Ohr, das Meer vor Augen, umgeben von netten und interessanten Menschen, … es ist paradiesisch!

Andrea

Verwendete Literatur: Lidija Klasic, Noch 172 Tage bis zum Sommer, eine istrische Reise, Folio Verlag

 

Istrien – ein schöner Arbeitsplatz!

Istrien – ein schöner Arbeitsplatz!

Kennst du dieses Gefühl der Unwirklichkeit, jene Momente, in denen du das, was du gerade erlebst, kaum fassen kannst? In den letzten Tagen häufen sich diese Glücksmomente bei mir. Aber jetzt mal langsam und von Anfang an:

Am Freitag machten wir uns bei strömendem Regen auf den Weg und sind quer durch Slowenien gefahren. Ab Postojna wurde die Wolkendecke etwas heller und das frische Grün der Bäume in der Karstlandschaft weckte unsere Vorfreude. Als wir bei Crni Kal die Karstlandschaft hinter uns ließen und steil bergab Richtung Meer fuhren, tauchten die ersten Olivenbäume auf, die Blüten des Ginsters und der Akazien begrüßten uns und schon gab es diesen freudigen Moment: der erste Blick aufs Meer! Die Luft war reingewaschen vom Regen, hell und klar leuchtete die mediterrane Landschaft. Auch auf der nun folgenden Strecke im kroatischen Teil von Istrien mit seiner dunkelroten Erde, dem jungen Grün der Weinstöcke und den abertausenden von Akazienblüten war sofort wieder dieses Gefühl von Urlaub und Entspannung da. Denn bisher waren wir ja immer als Urlauberinnen in Istrien unterwegs. Diesmal aber sind wir zum Arbeiten hier! Zugegeben, ein wunderschöner Arbeitsplatz!

TANGO und YOGA in Rovinj – in einem Apartment-Resort direkt am Meer und mit einem herrlichen Blick auf die Altstadt. Nach Norden zu folgte ein naturbelassener, völlig unbebauter Küstenabschnitt, der in den Pausen zum Spazierengehen einlud. Da gab es auch unzählige Plätzchen, um es sich windgeschützt zwischen den Felsen am Meer gemütlich zu machen und einfach auf den Horizont zu schauen, dem Rauschen der Wellen zu lauschen und das Leben zu genießen. Andere TeilnehmerInnen wieder zog es zum Flanieren nach Rovinj, vielleicht zu einem Cappuccino auf der Piazza oder einem Aperol in einer Bar am Hafen … . All das war das Rahmenprogramm zu intensiven Yogaeinheiten und für Solo Tango! Wir tanzten auf einer Terrasse mit Blick aufs Meer, den Horizont vor Augen und umgeben von Tangomusik tauchten wir mit den TeilnehmerInnen immer tiefer ein in die Welt des Tango Argentino. Wunderbar!

Am Sonntag hatten wir nur eine kurze Wegstrecke, um an einen weiteren Ort, in dem wir schon mehrmals unseren Urlaub genossen hatten, zu reisen: Piran, das malerische Städtchen auf einer kleinen Landzunge im slowenischen Teil von Istrien, hatten wir als den Ort ausgewählt, an dem wir unsere vierte Straßenkunstsaison eröffneten.

Die große, ovale Piazza Tartini unterhalb der mächtigen Kirche wurde die Bühne für die Premiere des neuen wo/men tango acts, von dem Andrea im letzten Blogartikel erzählt hat. Und schon nach den ersten Takten, dem ersten Tango, der ersten Begrüßung unseres Publikums war sie wieder da – die Faszination der Straßenkunst! Nach den vielen Monaten der Winterpause ist es beinahe unglaublich, wie sehr sich diese Liebe zum Auftreten sofort wieder einstellt, dieses Wissen und Fühlen: Das ist es, woran unser Herz hängt! Dreimal tanzten wir unser neues Stück, immer wieder umringt von Kindern, die von unseren Seifenblasen begeistert waren und fasziniert unser Stück beobachteten. Wir hatten schon vermutet, dass dieses surreale, bunte Stück – kleine und große – Kinder besonders ansprechen wird.

Surreal wie die Geschichte, die wir in dieser Saison tanzen, ist eben auch unser Leben! Und bunt, abwechslungsreich und voller Überraschungen. Wir hätten uns niemals träumen lassen, dass diese schönen Orte unsere neuen Arbeitsplätze sein könnten! Das Hier-Sein, die Begegnungen mit den TeilnehmerInnen beim Workshop und mit unserem Publikum, unsere Tangoleidenschaft mit Solo Tango weitergeben zu können und als Straßenkünstlerinnen aufzutreten – einfach unglaublich, das größte Glück! Und so sind diese Tage hier auch verbunden mit einer großen Dankbarkeit!
Gracias a la vida heißt ein Tango von Violeta Parra – dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen!

Sigrid

Oder doch noch ein Tipp, zum Weiterlesen?
Vor zwei Jahren erzählte ich in einem Blogartikel von Bella Italia als schönem Arbeitsplatz.