Liebes Publikum!

Liebes Publikum!

Bei unseren Auftritten auf der Straße gibt es als Einleitung für den wo/men tango act immer eine kurze Ansage. Diese beginnt mit den Worten: Geschätzte Damen und Herren! Liebes Publikum! … Jedes Mal, wenn ich diese Worte ausspreche, spüre ich, wie wichtig sie mir sind und wie sehr sie den Kern dessen ausdrücken, worum es für uns in der Straßenkunst geht: Das Publikum ist unser größter Schatz!

Über die Begegnungen und Gespräche, die sich nach einem Auftritt immer wieder ergeben, haben wir ja schon erzählt. Aber auch während wir auftreten ist die Verbindung zum Publikum wesentlich für uns. Obwohl der Tango es verlangt, dass wir im Tanz ganz aufeinander konzentriert sind, kommt auf der Straße diese dritte Kommunikationsebene hinzu. Oft sind es nur kurze Momente, ein Wahrnehmen einer Person oder deren Geste im Augenwinkel, bevor sich der Blickwinkel durch eine Drehung ändert. Dann wieder, vor allem wenn jemand lange zusieht, spüre ich, ob unsere Geschichte, unser Tanz bei dieser Person „ankommt“. Es kommt dann auch vor, dass Impulse aus dem Publikum in den Tanz einfließen, sich aus einem Blick oder einer Geste ein besonderer Akzent im Tanz ergibt.

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Da ergeht es uns wie dem Tangosänger Carlos Roulet, der sagt: „Was mich am meisten mobilisiert sind die Empfindungen, die aus der Verbindung mit dem Publikum entstehen, die Blicke, Emotionen, die Atmosphäre, die jedes Mal entsteht.“ Und weil Straßenkunst, um mit den Worten des Straßenkünstlers Tom Zabel zu sprechen, „Kunst auf Augenhöhe“ ist, ist diese Verbindung zum Publikum besonders intensiv. Als wir einmal wegen eines Gewitters auf einer Bühne auftreten mussten und das Publikum sich unter Schirme und Zelte flüchtete und somit noch weiter von uns entfernt war, haben wir diesen Unterschied extrem zu spüren bekommen! Es ist uns absolut nicht gelungen, diese Verbindung aufzubauen und wir haben erlebt, dass damit ein ganz wesentlicher Teil unserer Auftritte verloren geht. Aber neben dieser einen negativen Erfahrung stehen die unzähligen Momente, in denen wir ganz unmittelbar in Beziehung zu unserem Publikum treten können. Wiederum möchte ich eine Künstlerin, die Tänzerin Guggi Zuzáková, zitieren, die sagt, wenn sie auftritt, „dann lässt sie die Zuschauenden an der Erschaffung einer liebevollen Beziehung teilhaben, lässt sie in eine Art Liebesblase hineinschauen, die in drei, vier Minuten entsteht.“

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Wer aber ist „unser Publikum“? Welche Menschen sprechen wir mit unserem Tanz an? Das Erstaunliche ist, dass es keine bestimmte Gruppe von Menschen ist, die uns zuschauen. Sowohl Frauen als auch Männer, Menschen die alleine unterwegs sind ebenso wie Paare oder kleinere Gruppen, DSCF5061Obdachlose oder Menschen im Anzug und im Businesskostüm, bleiben stehen um uns für kurze oder längere Zeit zuzuschauen. Manche werfen uns im Vorbeigehen einen kurzen, erfreuten Blick zu, andere machen es sich bei einer nahen Sitzgelegenheit oder sogar am Asphalt gemütlich und bleiben länger. RadfahrerInnen kehren manchmal um, nachdem sie an uns vorbeigefahren sind und bleiben stehen oder winken uns mit einem Lächeln zu, obwohl sie gar nicht stoppen. Ältere Menschen und immer wieder auch Menschen im Rollstuhl bleiben lange und beobachten uns sehr genau. Am meisten überrascht hat uns schon bei unseren ersten Auftritten, dass wir Kinder ansprechen! Auch sie schauen oft lange Zeit ganz gespannt zu und wollen manchmal, wenn die Eltern zum Weitergehen drängen, gar nicht weggehen. Der Allroundkünstler Eddie Luis aus Graz, der uns im Winter bei der Regiearbeit für das Stück Encuentro begleitet hat, gab uns den Rat: „Achtet auf die Kinder, wenn die länger als zwei Minuten ruhig stehen bleiben, dann seid ihr auf dem richtigen Weg.“ Das haben wir bei den bisherigen Aufführungen von Encuento schon erlebt und wir nehmen es mit Freude und Dankbarkeit zur Kenntnis.

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Nun sind wir schon gespannt auf eine neue Art der Begegnung mit unserem Publikum. Morgen werden wir nicht auf der Straße auftreten, sondern wir wurden gebucht, um bei einem Sommerfest mit einen wo/men tango act aufzutreten. Das Publikum sammelt sich also nicht spontan im öffentlichen Raum, sondern es sind die Gäste, die zu diesem Fest geladen sind. Ich denke, dass dies eine ganz neue Erfahrung für uns sein wird. Ganz sicher aber wird unsere „Schatzkiste“ weiter gefüllt werden und meine Worte „geschätzte Damen und Herren“ treffen einmal mehr zu.

Sigrid

Zitate aus: Tangodanza, Nr. 1/2015, Bielefeld

Zurückkehren ins Südburgenland

Zurückkehren ins Südburgenland

Nach einem Wochenende in Wien, wir hatten dort einen Workshop gehalten, sind wir wieder zurückgekehrt hierher, in den letzten Winkel Österreichs. Und auch wenn wir jedes Mal das Stadtleben sehr genießen, ist es immer schön, hierher nach Hause zu kommen. Wir leben jetzt seit vierzehn Jahren im Südburgenland und waren sehr lange auf der Suche nach unserem Haus am Land. Hier sind wir fündig geworden und hatten gleich das Gefühl, angekommen zu sein. Und so ist es immer noch, hier finden wir Ruhe und Erholung und den Raum, um Ideen zu gebären und dann mit neuer Tatkraft ans Werk zu gehen. Es gibt einen Tango von Carlos Gardel namens Volver (Zurückkehren), in dem es um das Zurückkehren zu einer alten Liebe geht. In unserem Fall ist es die Liebe zu diesem Flecken Land, das Zurückkehren hierher nach unseren Reisen.

503102946_89486e8872_oWie ist er nun also, dieser Flecken Land, der für uns zur Heimat geworden ist? Gerade noch in Österreich, im Dreiländereck Österreich, Ungarn, Slowenien gelegen, einem Grenzgebiet mit wechselvoller Geschichte. Einst getrennt durch den „Eisernen Vorhang“ ist dieses Gebiet heute ein länderübergreifender Naturpark, der für eine beeindruckende Vielfalt hinsichtlich Sprache, Kultur und Landschaft sorgt. Benannt nach der Raab, dem Fluss, der die Landschaft mit ihren sanften Hügeln durchfließt. Die Raabauen sind Erholungsgebiet für die Menschen, die hier leben, aber auch für die vielen UrlauberInnen, die es hierher zieht. In ausgedehnten Spaziergängen kann man die Landschaft erkunden oder sich auf den vielen Wegen sportlich betätigen mit Walken, Rad fahren oder Reiten. Auf dem Fluss selbst werden Kanutouren angeboten, die ein besonderes Naturerlebnis darstellen. Vor allem die Tierwelt, besondere Vogelarten, Fischotter und Biber lassen sich dabei beobachten. Es ist eine Landschaft, die eine besondere Stille ausstrahlt und eine/n zur Ruhe kommen lässt.

DSCF5103Auch die Hügel ringsum laden zu Erkundigungen ein und viele sind erstaunt darüber, welche Aus- und Weitblicke man vom Südburgenland aus hat. Wir sehen von unserem Haus aus, wenn klare Sicht ist, von der Koralm, über die Gleinalm bis zum Schöckl und dem Wechselgebiet, mit der Riegersburg im Vordergrund. Vor allem die Abendstimmungen mit dieser Kulisse sind ein besonderes Schauspiel und zu allen Jahreszeiten anders. „Den Sonnenuntergang am eigenen Hof erleben“ war der Werbeslogan für dieses Haus, das jetzt unseres ist, und er ist wirklich zutreffend – es ist ein Erlebnis.

24223315060_84d5cd2a1c_oAber auch kulinarische Erlebnisse, nach Betätigungen an der frischen Luft, kommen hier nicht zu kurz. Es gibt einige einfache Landgasthäuser mit ausgezeichneter Küche, die vor allem Produkte aus der Region zu Köstlichkeiten verarbeiten. Das Gasthaus Sampl in Neuhaus am Klausenbach und der Kollerwirt in Neustift sind zwei davon, deren Küche ich besonders schätze. Sie erinnern mich an so manche Osteria in Italien – das Entscheidende ist nicht das Ambiente, sondern das, was auf den Teller kommt. Und da das Südburgenland auch Weinanbaugebiet ist, bleiben vom Aperitif, über eine Begleitung zum Essen, bis zum Degistif keine Wünsche offen.

Nun, wenn man nicht das Glück hat, hier zu leben, kann man wenigstens hier Urlaub machen und sich zum Beispiel in einer alten Mühle einquartieren. Liebevoll restauriert, mit Dorfweiher, Bauerngarten und einer alten Kastanie im Innenhof, ist es ein besonders idyllischer Ort. Das Naturidyll Hotel Landhofmühle ist ein kleines Hotel mit nur zwölf Zimmern, in dem man sich gleich geborgen fühlt und von der Hausherrin Claudia mit einem fabelhaften Frühstück verwöhnt wird. Wer Naturerlebnisse, kulinarische Genüsse und Wohlfühlambiente mit Tango Argentino verbinden möchte, kann in eben diesem Hotel ein Tango-Package buchen, in dem wir Tango Argentino Privatstunden anbieten.

Volver, Zurückkehren, ist dann vielleicht für die eine oder den anderen ebenso unumgänglich wie für uns.

Andrea

Traumhaftes Umbrien

Traumhaftes Umbrien

Vor wenigen Tagen ist in Österreich ein Schuljahr zu Ende gegangen und die Sommerferien haben begonnen. Obwohl unser endgültiger Schulschluss schon drei Jahre zurückliegt, ist jene Zeit für mich noch immer eine Zäsur im Jahreslauf – zu lange hat dieser Rhythmus mein Leben bestimmt. Heuer erinnere ich mich aber aus gutem Grund an den Schulschluss des Jahres 2000. Damals haben wir uns in unseren Schulen verabschiedet, um ein Sabbatical, eine einjährige Auszeit, zu beginnen. Für uns aber ist es um mehr als um dieses Jahr gegangen, denn wir sind schon damals einem Traum gefolgt und wollten eigentlich nicht in die Schule zurückkehren. Dieser Traum hatte noch überhaupt nichts mit dem Tango zu tun – der Tango ist erst Jahre später in unser Leben getreten – sondern mit unserem Sehnsuchtsland Italien.

12775998914_2421f2aa98_bIn den späten 1990ern sind wir mehrmals im Jahr nach Mittelitalien, in die Toskana und auch nach Umbrien, gereist und irgendwann ist der Traum entstanden, dort ein altes Bauernhaus zu kaufen, zu renovieren und daraus ein Gästehaus zu machen. Im September 2000 sind wir mit Sack und Pack aufgebrochen, wir hatten uns in den Hügeln oberhalb des Lago Trasimeno in einem alten Steinhaus eine Wohnung gemietet, und unser Leben in Italien hat begonnen. Wir haben in diesem Jahr 90 (!) Häuser besichtigt, einige davon waren wunderschön und auch sehr interessant und passend für unsere Pläne, wir hätten ein Buch über Makler schreiben können und unser Italienisch war perfekt bei allem, was mit Häusern zu tun hatte. Das Problem war leider der Preis, der in jenem Jahr (angeblich aufgrund der bevorstehenden Euroumstellung und der damit verbundenen Bezahlung in bar …) enorm angestiegen ist und damit einerseits unser Budget und andererseits unsere Risikofreudigkeit für eine Finanzierung überstieg. Wir sind also am Ende dieses Jahres nach Österreich zurückgekehrt und haben danach auch wieder als Lehrerinnen gearbeitet. Unseren Traum vom Haus am Land haben wir in den folgenden Jahren hier im Südburgenland verwirklicht, indem wir ein altes Bauernhaus renoviert haben, in dem wir immer noch wohnen.

War dieses Jahr also eine Niederlage – ausgeträumt der Traum von Italien? Nein, denn es war einfach wunderschön, ein Jahr lang in Italien zu leben! Wir sind verändert und bereichert zurückgekehrt, was natürlich nicht heißt, dass es da nicht auch Zeiten gab, in denen wir traurig waren und uns von unserem Traum verabschieden mussten.

Nun, warum erzähle ich all das? Warum kommen mir gerade heuer dieser Schulschluss und der Beginn unseres Lebens in Umbrien in den Sinn?

2685264588_90a8f5280f_bWeil unser Leben mit dem Tango uns demnächst nach Umbrien führen wird!!! Und zwar in ein wunderschönes, altes Castello, wie die Bauernhäuser in Mittelitalien aus Stein gebaut und herrlich gelegen auf einem kleinen Hügel mit Aussicht über die umbrische Landschaft. Wir wohnten damals wenige Kilometer entfernt von jenem Castello di Monticelli, das südöstlich des Lago Trasimeno liegt und liebevoll zu einem Hotel umgestaltet wurde.

2685321684_15145e380a_b (3)Über Silvester werden wir dort für Women Fair Travel einen Tangokurs für Frauen geben und damit an eine andere Tradition, die wir in jenen späten 1990er Jahren gepflegt haben, anknüpfen. Wir sind damals mehrere Jahre hintereinander über Silvester in der Toskana oder in Umbrien gewesen. Im Winter sind die Landschaft und ihre Stimmung beinahe noch faszinierender als im Sommer. Nicht nur, weil weniger TouristInnen unterwegs sind, ist es möglich das Land und seine Menschen unmittelbarer zu erleben. Das Besondere ist das Licht der tiefstehenden Sonne! Einfach traumhaft schön, wie das Land, das um diese Zeit in leuchtendem Grün erstrahlt, in diesem Licht zur Geltung kommt und in manchen Augenblicken fast magisch wirkt. Der See, im Sommer als milchig-braune Fläche eher unspektakulär, wird nun zum Star eines Farbenspiels, das von den umliegenden Hügeln aus wie von Logenplätzen zu sehen ist: mehrmals am Tag wechselt er sein Aussehen in allen erdenklichen Blau- und Grüntönen, spiegelt die Wolken und reflektiert das Licht. Dass es dazu noch angenehme Temperaturen gibt, die einmal am Neujahrstag sogar ein Picknick im Olivengarten möglich machten, macht den Aufenthalt natürlich noch feiner.

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Und heuer werden wir in der Silvesternacht in Umbrien Tango tanzen! Der Kurs ist eine Kombination aus unserem Solo Tango Workshop, in dem jede allein in der Gruppe Tango tanzt, und der Möglichkeit für den klassischen Tango Argentino als Paartanz. Beides soll nebeneinander Platz haben und uns allen miteinander ein völlig neues Tangoerlebnis eröffnen. Und gestärkt für diese Tangonacht werden wir nach einem köstlichen Silvestermenü, das in Italien der Mittelpunkt der Feier zum Jahresabschluss ist, auf jeden Fall sein.

Wie sehr ich mich darauf schon freue, steht wohl deutlich zwischen den Zeilen. Vielleicht ist diese Freude ansteckend???

Sigrid

 

Entstehung des Tangos

Entstehung des Tangos

Wenn man sich in die Welt des Tango Argentino vertieft, ist natürlich auch seine Geschichte von Bedeutung. Wie ist dieser Tanz entstanden, was sind seine Wurzeln?

Die Geburt des Tangos gibt auch heute noch viele Rätsel auf und in manchen Punkten Uneinigkeiten. Einig ist man sich, was den Zeitpunkt seiner Entstehung betrifft. Die Anfänge des Tango Argentino waren in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Ob sein Ursprung jedoch in Buenos Aires oder in Montevideo liegt, darüber streiten sich die Geister. Heutzutage assoziiert man Tango Argentino sofort mit Buenos Aires, er dürfte aber an beiden Ufern des Rio de la Plata entstanden sein und wurde deshalb auch als Ufermusik bezeichnet.

15635766339_066d8a8afa_bIn beiden Ländern, sowohl Argentinien als auch Uruguay, gab es zu der Zeit eine große Zahl von europäischen Immigranten, die hier den Traum vom besseren Leben verwirklichen wollten. Sehr aktuell, wenn man an die Menschen denkt, die zurzeit bei uns Zuflucht suchen. Damals waren es europäische Wirtschaftsflüchtlinge, sechs Millionen Menschen kamen und mehr als die Hälfte blieb für immer. Buenos Aires war also bald von alleinstehenden Männern überbevölkert und die ärmeren Schichten ließen sich in den Außenbezirken von Buenos Aires nieder. Und in diesem Milieu entstand der Tango – im Armenmilieu, im verbotenen Milieu der Bordelle. Für die gehobene Schicht der damaligen Zeit in Buenos Aires war „Tango“ ein unflätiges Wort. Sie verbanden damit eine niedere Form der Musik, die die Außenseiter der Gesellschaft repräsentierte. Eine interessante Tatsache wenn man bedenkt, dass Tango bei uns heute eher in der gehobenen, intellektuellen Schicht getanzt wird. Aber zurück zu seinen Ursprüngen. Da gibt es, was seine Entstehung betrifft auch ziemlich radikale Aussagen, wie: der Ursprung des Tangos ist schwul und schwarz.

8386532695_76af36f851_oDer oben erwähnte Frauenmangel führte die Männer zusammen. Sie trafen sich in Kneipen und Bordellen, sangen und tanzten Tango. „Tango hat die herkömmliche weiße Männerrolle unterminiert, der Mann wird weiblich, indem er jammert und schluchzt“, lässt der Autor Wolfram Fleischhauer eine seiner Protagonistinnen im Roman Drei Minuten mit der Wirklichkeit sagen. Männer, die miteinander Tango tanzten, waren um diese Zeit also kein ungewöhnliches Bild in Buenos Aires. Das ist auch einer der Hintergründe für unsere wo/men tango acts, in denen wir als Herrendarstellerinnen auftreten.

Was hat nun aber Tango mit den Schwarzen zu tun? Unter den vielen Bewohnern von Buenos Aires und Montevideo gab es auch eine schwarze Bevölkerung, die ursprünglich als Sklaven auf den Kontinent kam. Sie durchmischten sich mit der europäischen Bevölkerung, bzw. unzählige verschwanden – in Kriegen und auf Plantagen verschlissen. 4418261974_e7f8b8ac04_bSie waren aber für diese neu aufkeimende Musik wesentlich. Das Wort Tango soll aus dem Äthiopischen kommen. Tangú bezeichnet einen bestimmten Rhythmus, der in der Candombe, einer schwarzen Musik mit schnellen, heiteren Rhythmen, vorkommt. Und auch die älteste überlieferte Zeichnung eines Tango tanzenden Paares zeigt zwei Schwarze. Mit der Zeit kam es zu einer Fusion der europäischen und afrikanischen Musik. Verschiedene volkstümliche Musikstile, die Habanera aus Kuba, die Candombe aus Afrika, die Land-Milonga aus Spanien und der Walzer verschmolzen zu der Musik, die wir heute Tango nennen.

Außerdem kam zu dieser Zeit auch eine neue Tanzmode auf, nämlich der Volkstanz, bei dem es ebenso zu einer Vermischung von Gesellschaftstanz und schwarzem Tanz kam. Es entstanden neue Tanzzentren, in denen sich die Tanzpaare im Tangorhythmus wiegten. Anfangs wurde dieser Tanz noch mit größerem Abstand getanzt und man imitierte die schwungvollen Bewegungen der Candombe. Mit der Verbreitung des Tangos bis nach Europa, in der Modestadt Paris wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts schnell modern, verschwanden die afrikanischen Wurzeln immer mehr und man ist sich heute dessen kaum noch bewusst.

Abschließend kann jedoch gesagt werden, dass die Entstehung des Tangos eine gemeinschaftliche Schöpfung der Portenos, der Hafenbewohner unterschiedlicher Kulturen, dies- und jenseits des Rio de la Plata, war.

Andrea

Verwendete Literatur:
Tango, Eduardo Araníbar, HEEL Verlag, 2008
Drei Minuten mit der Wirklichkeit, Wolfram Fleischhauer, Knaur Verlag, 2002

 

Solo Tango

Solo Tango

Neben unseren Auftritten als Straßentänzerinnen gibt es noch etwas, das uns in den letzten Monaten sehr beschäftigt. Wir haben ein Workshopkonzept entwickelt, das einen völlig neuen Zugang zum Tango Argentino ermöglicht, und die Welt des Tango auch ohne PartnerIn erlebbar macht. In diesem Beitrag möchte ich erzählen, wie Solo Tango entstanden ist.

DSCF4269 (2)Wieder einmal geht meine Erinnerung zurück nach Buenos Aires, zu jenen drei Monaten, in denen wir dem Tango so intensiv begegnet sind. Ein Fixpunkt unseres Wochenprogramms war die Unterrichtseinheit „Technik für Frauen“, die Aurora Lubiz in der Escuela Argentina de Tango gegeben hat. Obwohl ich ja nicht in der Rolle der Folgenden tanze, war dieses Training auch für mich großartig. Ausgangspunkt war immer die Haltung, die Muskelspannung aus dem Bauch und dem Beckenboden, die Balance auf einem Bein stehend (um die Verzierungen ausführen zu können) und die Disociación, jene ganz spezielle Verdrehung des Oberkörpers, die ein wesentliches Element des Tango Argentino ist. Dann haben wir die Grundelemente des Tango trainiert. All das in einer Gruppe von 15 bis 30 Frauen, in Reihen vor der großen Spiegelwand oder immer wieder auch in Partnerinnen- oder Gruppenübungen. Wenn ich jetzt an diese Tanzstunden zurückdenke, dann sehe ich Aurora wieder vor mir, wie sie uns jedes Mal, wenn wir verbissen dreinschauten und uns manchmal auch abmühten sagte: „Smile!!!“ Und sie hat immer gelächelt und diese Freude und Begeisterung ausgestrahlt!

Bald schon haben wir bei unseren persönlichen Trainingseinheiten begonnen, die ersten Musikstücke nicht in der Umarmung, sondern jede für sich frei zu tanzen. Dabei haben wir gespürt, wie wertvoll es ist, sich auf den eigenen Körper, die Haltung und die Atmung zu konzentrieren, bevor wir in den intensiven Dialog im Paartanz einsteigen. Außerdem war durch dieses Solotraining das Einstimmen auf die Musik, das „ganz da sein“ und das eintauchen in das „Tangofeeling“ viel leichter möglich. Dieses Tanzen allein ist der Beginn jeder unserer Trainingseinheiten geblieben und zugleich war diese Erfahrung eine der Wurzeln für den Workshop: eine neue Möglichkeit, Tango zu tanzen hat sich eröffnet.

Ein zweiter Ursprung für Solo Tango hat sich in zahlreichen Gesprächen ergeben. Vor allem, wenn wir mit Frauen über das, was wir derzeit machen, geredet haben, hörten wir oft mit Bedauern die Aussage: „Mich fasziniert der Tango auch schon lange, aber ich habe keinen Tanzpartner!“ Dieser Satz hat sich einfach in unseren Köpfen festgesetzt.

Ein dritter Ausgangspunkt war eine Frauentanzgruppe hier im Südburgenland, bei der wir einige Jahre dabei waren. Unter der Anleitung einer Tanzpädagogin tanzten wir, jeweils zu einem Thema, frei in der Gruppe. Manchmal ging es um Lebensthemen, manchmal waren es Impulse zu Gefühlen oder zum Thema Begegnung. Immer wieder ertappte ich mich selbst dabei, dass ich in meinem freien Tanz Elemente aus dem Tango tanzte. Ähnlich wie am Beginn der Trainingseinheiten wurde auch hier der Tango mein „Vokabular“, mit dem ich mich bewegte. Ich tanzte also Tango, allein und frei, in einer Gruppe. Und damit war Solo Tango eigentlich schon geboren!

Natürlich dauerte es einige Zeit, bis aus diesen Erfahrungen zuerst die Idee und dann ein Konzept entstanden sind und der Workshop durchgeführt wurde. Seit es diesen Workshop gibt, haben wir unzählige positive Reaktionen darauf erhalten und konnten großes Interesse wecken. Derzeit sind wir auf der Suche nach KooperationspartnerInnen, bei und mit denen wir den Workshop anbieten können. Wir denken an Hotels, die den Workshop in ihr Programm aufnehmen, sind aber schon gespannt, was sich noch alles ergeben wird. Mitte Juli gibt es jedenfalls in der Tanzerei in Wien einen „Schnupperworkshop“, bei dem man Solo Tango kennenlernen kann.

DSCF4602 (3)An das Ende dieses Beitrags möchte ich einige Aussagen von Teilnehmerinnen stellen, die meinten, Solo Tango ist …

…inspirierend für die Sinne.
… mal was anderes.
… Unabhängigkeit.
…Grazie und Anmut.

Da füge ich wohl nichts mehr hinzu!

Sigrid