Berlin entdecken

Vor einer Woche sind wir nun hier in dieser ganz besonderen Stadt angekommen. Wie immer, wenn wir in einer Großstadt sind, kaufen wir uns zwar ein Monatsticket für die Öffis, sind dann aber auch stundenlang zu Fuß unterwegs. Bei diesen Streifzügen können wir eine Stadt sehr intensiv erleben, die jeweils eigene Atmosphäre eines Stadtteils spüren, eintauchen in den Alltag und die Lebenswelt der Menschen, nicht Landschaften und Natur, sondern Straßen und Architektur erwandern.

Zum Beispiel gleich bei unserem ersten Streifzug durch die „Friedrichstraße“. Unsere Wohnung liegt nahe am „Halleschen Tor“, dem südlichen Beginn dieser kerzengeraden, langen Straße, die etwa in ihrer Mitte den Prachtboulevard „Unter den Linden“ quert und weiter nach Norden bis zum „Oranienburger Tor“ führt. Wir sind am Vormittag eines Feiertags losspaziert, anfangs vorbei an Kebabläden, dem Lebensmittelgeschäft „Bagdad“, einer Art Trafik mit Telefonservice in alle Welt – ganz wie man es aus jenen Bezirken, in denen Menschen aus aller Welt zusammenleben, in vielen europäischen Großstädten kennt. Nach einiger Zeit kamen wir an einem Bio-Bistrot, dem wunderschönen Geschäft einer Maßschuhmacherin und an einem neu eröffneten Haubenlokal vorbei. Noch immer war es sehr ruhig, nur wenige Menschen waren an diesem frühsommerlichen Vormittag unterwegs. Plötzlich änderte sich dies schlagartig: Imbisslokale, Souvenirgeschäfte, eine Tapasbar und eine Pizzeria, Mc Donalds und Starbucks – und mittendrin der Touristenmagnet „Checkpoint Charlie“ mit allem, was dazugehört. Die Touristenbusse auf ihren Stadtrundfahrten halten hier, ein Fotograf bietet vor dem ehemaligen Grenzhäuschen an, dich in einer der Uniformen der Besatzungsmächte zu fotografieren (und es gibt tatsächlich einige, die das machen!), Gedränge am Gehsteig, Kitsch in allen erdenklichen Formen. Nach etwa 200 Metern ist der Spuk wieder vorbei und die Friedrichstraße wechselt erneut ihr Aussehen. Im letzten Abschnitt dieser 2000 Meter langen Strecke gibt es Nobelboutiquen, exquisite Shoppingmalls, Luxushotels und teure Restaurants – wir sind angekommen in Berlin-Mitte!

Jeder Stadtteil hier ist einzigartig. In Mitte gibt man sich luxuriös, international und modern. TouristInnen aus aller Welt bevölkern das Spreeufer, die Museumsinsel, den Hackeschen Markt, den Alexanderplatz. All diese klingenden Namen sind Programm – Berlin ist eine Weltstadt, die zeigt, was sie zu bieten hat. Noch immer „geschmückt“ mit unzähligen Kränen bleibt sie aber auch dem Titel „Ewige Baustelle“ treu.

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Ebenfalls mit Kränen versehen, und doch atmosphärisch ganz anders ist Charlottenburg. In den letzten Jahren war der Stadtteil im ehemaligen Westberlin out – der Osten war angesagt. Trotzig sagten die einen „Alle ziehen jetzt nach Osten!“ und meinten Treptow oder den Prenzlauer Berg. Letzterer hatte sich zum Inbegriff des neuen Berlin nach der Wende gemausert: wunderschön renovierte Altbauten, Szenelokale, gemütliche Bars, Geschäfte vieler DesignerInnen, Vintageläden, die Straßen frequentiert von RadfahrerInnen und die Gehwege überdurchschnittlich dicht von Kinderwägen befahren. Der Westen war nicht mehr gefragt.

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Heute erwacht Charlottenburg von Neuem. Einige Wolkenkratzer, die gerade rund um den Bahnhof Zoo in den Himmel wachsen, sind der sichtbare Beweis eines neuen Trends. Die Nobelboutiquen, Luxushotels und schicken Geschäfte sind zurückgekehrt oder neu erwacht. Der größte Apple-Store Deutschlands am Ku’damm in einem alten Prachtbau hat gigantische Dimensionen. Ein paar Schritte weiter sind BMW- Limousinen mit Elektroantrieb in den Auslagen geparkt und wieder nicht weit entfernt ist der Tesla zu bewundern. Auch hier ist man chic, aber eben auf eine andere Art. Irgendwie reservierter, vielleicht bürgerlicher, beständig. Denn in Charlottenburg gibt es auch die stuckverzierten Bürgerhäuser, gemütliche, zum Teil sehr alte Kaffeehäuser, den Savignyplatz über den die Westberliner Boheme spaziert oder auf dem man im schnittigen Sportwagen vorfährt, die Kantstraße zum Flanieren.

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Ja, und wir wohnen in Kreuzberg. Auch dieser Stadtteil hat die Zeit, als er „in“ war, schon hinter sich gelassen und den ersten Platz als coolsten, angesagtesten, verrücktesten, internationalsten Stadtteil längst an Neukölln abgegeben. Aber Kreuzberg scheint gerade deshalb ein guter Platz zum Leben zu sein. An einigen Ecken, wie der Bergmannstraße oder der Oranienstraße ist sehr viel los, ein Lokal reiht sich an das andere und du kannst dich auf wenigen Metern einmal um die ganze Welt schlemmen. Zwischen der Oberbaumbrücke und dem Schlesischen Tor ist Kreuzberg sogar ziemlich schräg geblieben – fast meinen wir, wir seien in den 1968ern angekommen. In anderen Ecken von Kreuzberg, so wie hier, wo wir wohnen, ist es angenehm ruhig, Parks und kleinere Grünflächen bieten Erholungsorte und mit der U-Bahn bist du ohnehin in kürzester Zeit wieder dort, wo der Bär los ist.

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Und auch das haben wir in den wenigen Tagen schon mitbekommen – los ist hier wirklich unvorstellbar viel! Mal sehen, was wir in diesem Monat hier noch alles erleben!

Sigrid

 

 

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