Zurückkehren ins Südburgenland

Zurückkehren ins Südburgenland

Nach einem Wochenende in Wien, wir hatten dort einen Workshop gehalten, sind wir wieder zurückgekehrt hierher, in den letzten Winkel Österreichs. Und auch wenn wir jedes Mal das Stadtleben sehr genießen, ist es immer schön, hierher nach Hause zu kommen. Wir leben jetzt seit vierzehn Jahren im Südburgenland und waren sehr lange auf der Suche nach unserem Haus am Land. Hier sind wir fündig geworden und hatten gleich das Gefühl, angekommen zu sein. Und so ist es immer noch, hier finden wir Ruhe und Erholung und den Raum, um Ideen zu gebären und dann mit neuer Tatkraft ans Werk zu gehen. Es gibt einen Tango von Carlos Gardel namens Volver (Zurückkehren), in dem es um das Zurückkehren zu einer alten Liebe geht. In unserem Fall ist es die Liebe zu diesem Flecken Land, das Zurückkehren hierher nach unseren Reisen.

503102946_89486e8872_oWie ist er nun also, dieser Flecken Land, der für uns zur Heimat geworden ist? Gerade noch in Österreich, im Dreiländereck Österreich, Ungarn, Slowenien gelegen, einem Grenzgebiet mit wechselvoller Geschichte. Einst getrennt durch den „Eisernen Vorhang“ ist dieses Gebiet heute ein länderübergreifender Naturpark, der für eine beeindruckende Vielfalt hinsichtlich Sprache, Kultur und Landschaft sorgt. Benannt nach der Raab, dem Fluss, der die Landschaft mit ihren sanften Hügeln durchfließt. Die Raabauen sind Erholungsgebiet für die Menschen, die hier leben, aber auch für die vielen UrlauberInnen, die es hierher zieht. In ausgedehnten Spaziergängen kann man die Landschaft erkunden oder sich auf den vielen Wegen sportlich betätigen mit Walken, Rad fahren oder Reiten. Auf dem Fluss selbst werden Kanutouren angeboten, die ein besonderes Naturerlebnis darstellen. Vor allem die Tierwelt, besondere Vogelarten, Fischotter und Biber lassen sich dabei beobachten. Es ist eine Landschaft, die eine besondere Stille ausstrahlt und eine/n zur Ruhe kommen lässt.

DSCF5103Auch die Hügel ringsum laden zu Erkundigungen ein und viele sind erstaunt darüber, welche Aus- und Weitblicke man vom Südburgenland aus hat. Wir sehen von unserem Haus aus, wenn klare Sicht ist, von der Koralm, über die Gleinalm bis zum Schöckl und dem Wechselgebiet, mit der Riegersburg im Vordergrund. Vor allem die Abendstimmungen mit dieser Kulisse sind ein besonderes Schauspiel und zu allen Jahreszeiten anders. „Den Sonnenuntergang am eigenen Hof erleben“ war der Werbeslogan für dieses Haus, das jetzt unseres ist, und er ist wirklich zutreffend – es ist ein Erlebnis.

24223315060_84d5cd2a1c_oAber auch kulinarische Erlebnisse, nach Betätigungen an der frischen Luft, kommen hier nicht zu kurz. Es gibt einige einfache Landgasthäuser mit ausgezeichneter Küche, die vor allem Produkte aus der Region zu Köstlichkeiten verarbeiten. Das Gasthaus Sampl in Neuhaus am Klausenbach und der Kollerwirt in Neustift sind zwei davon, deren Küche ich besonders schätze. Sie erinnern mich an so manche Osteria in Italien – das Entscheidende ist nicht das Ambiente, sondern das, was auf den Teller kommt. Und da das Südburgenland auch Weinanbaugebiet ist, bleiben vom Aperitif, über eine Begleitung zum Essen, bis zum Degistif keine Wünsche offen.

Nun, wenn man nicht das Glück hat, hier zu leben, kann man wenigstens hier Urlaub machen und sich zum Beispiel in einer alten Mühle einquartieren. Liebevoll restauriert, mit Dorfweiher, Bauerngarten und einer alten Kastanie im Innenhof, ist es ein besonders idyllischer Ort. Das Naturidyll Hotel Landhofmühle ist ein kleines Hotel mit nur zwölf Zimmern, in dem man sich gleich geborgen fühlt und von der Hausherrin Claudia mit einem fabelhaften Frühstück verwöhnt wird. Wer Naturerlebnisse, kulinarische Genüsse und Wohlfühlambiente mit Tango Argentino verbinden möchte, kann in eben diesem Hotel ein Tango-Package buchen, in dem wir Tango Argentino Privatstunden anbieten.

Volver, Zurückkehren, ist dann vielleicht für die eine oder den anderen ebenso unumgänglich wie für uns.

Andrea

Ankommen in Berlin

Ankommen in Berlin

Hallo!

Nun sind wir wieder einmal in einer Großstadt gelandet. Nach Berlin mussten wir ja kommen, denn hier wurde unser Traum geboren, Straßentänzerinnen zu werden. Nämlich als wir das letzte Mal hier waren, vor fünf Jahren beim Queer-Tango Festival. Wir waren damals im Berliner Frauenhotel abgestiegen und in der Bibliothek des Hotels fiel uns ein Buch in die Hände: Die Straßensängerin von Traude Bührmann. Dieses Buch und die Idee, immer wieder für längere Zeit an einem anderen Ort zu leben, waren also der Ausgangspunkt für den Weg, den wir nun eingeschlagen haben.

DSCF4721 (2)Diesmal sind wir einen Monat hier und haben uns über das Netzwerk der Frauenbude eine Wohnung gemietet. Mitten in Kreuzberg, in der ruhigen Alten Jakob Straße gelegen, ist sie uns ein idealer Rückzugsort in dieser quirligen Stadt. Wir fühlen uns hier sehr wohl und schon nach wenigen Tagen heimelig. Es ist eine Altbauwohnung ganz nach unserem Geschmack gestaltet und eingerichtet. Eine Mischung aus Antiquitäten und modernen Möbeln, viele nette Dinge, die das Auge erfreuen, interessante Bilder und Bücher und eine Küche, in der wir alles vorfinden, um uns zu versorgen. So haben wir schon einige Male köstlich aufgekocht und ich habe mich bereits verliebt – in die Gusseisenpfanne, die es hier gibt. Wir haben uns ja schon darauf gefreut, wieder einmal auf Gas zu kochen. Es lässt sich zwar nicht logisch erklären, aber auf Gas gekocht, schmeckt das Essen besser. Die Steigerung ist jetzt noch: auf Gas in der Gusseisenpfanne gekocht. In ebendieser Pfanne gebratene Pilze oder Gemüse über Nudeln mit frischem Olivenöl, einem guten Parmesan, ein paar Kräutern oder frisch gemahlenem Pfeffer – und ein einfaches, aber köstliches Essen ist fertig.

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Auch fürs Einkaufen haben wir unseren Ort gefunden. Ein paar Stationen mit dem Bus und wir befinden uns bei der Marheineke Markthalle in der Bergmannstraße. In der Markthalle gibt es köstliche französische, italienische und griechische Spezialitäten, durch die wir uns alle durchkosten möchten. Im französischen Bistrot gibt es außerdem Croissants, die schmecken wie in Frankreich und sogar ausgezeichneten Espresso. Wir haben nämlich eigens unsere Espressomaschine mitgenommen, weil wir die letzten Male in Berlin nirgends guten Kaffee bekommen haben. Im Umkreis der Markthalle gibt es einen Bio-Supermarkt und auch sonst alles, was man so braucht. Wir haben uns also schon ganz gut eingelebt.

Es ist auch sehr spannend, in ein anderes Leben hier einzutauchen. Die Vermieterin der Wohnung, sie heißt auch Sigrid, hat uns bei der Ankunft empfangen und uns dann bereitwillig ihre Wohnung überlassen. Durch dieses entgegengebrachte Vertrauen und die netten Empfangsgesten, wie z.B. Blumen am Tisch, haben wir uns gleich willkommen gefühlt. Sie selbst hat einen Garten außerhalb von Berlin mit einem Häuschen, wo sie lebt, während wir in ihrer Wohnung sind. Jetzt beleben, bekochen, betanzen, … wir sie – und trotzdem ist auch die Besitzerin hier, und ich stelle mir Fragen über sie, was für ein Mensch sie ist, was ihr wichtig ist, welche Art Leben sie führt, … Durch ihre Wohnung und die Dinge, die wir hier vorfinden oder auch nicht vorfinden, es gibt z.B. keine Behältnisse aus Plastik (finde ich super), mache ich mir ein Bild von ihr, aber ob es stimmt?

Jedenfalls bin ich dankbar, hier sein zu können und wieder einmal Großstadtleben zu genießen.

Tschüss aus Berlin!

Andrea

La Dolce Vita am Gardasee

La Dolce Vita am Gardasee

Salve!

Gerade hat es zu regnen aufgehört und ich schreibe meinen Bericht in „unserer“ Bar auf der Piazza. Andrea liest ein Buch, wir erwarten unseren Cafe und ich erzähle eine kleine Begebenheit, die zeigt, woran wir merken, dass wir in das Leben hier eingetaucht sind: Beim dritten Mal an der kleinen Tankstelle hier im Ort gibt mir Constantin, der Tankwart, Lose für die wöchentliche Verlosung einer Traumreise. Ich brauche sie nur auszufüllen und in die Box werfen; schade, dieses Wochenende kehren wir zurück nach Österreich … aber eigentlich sind wir ja mitten in unserer Traumreise!

Gestern zum Beispiel, das Wetter war unbeständig und wir waren unsicher, ob wir beim Auftritt nicht von einem Regen überrascht werden würden, haben wir uns frei gegeben und erstmals hier einen Abend für uns am See verbracht. Wir sind nach Desenzano gefahren und sind dort in der kleinen Altstadt und am Hafen herumgebummelt. Der Ort ist wirklich sehr schön und angenehm ruhig. Es ist ja ein wenig grotesk, dass wir für unsere Auftritte die übervollen Touristenorte auf der Ostküste brauchen, weil dort genügend Menschen unterwegs sind, dass uns selbst aber diese Orte mit ihren Kitschläden und dem Massenauflauf gar nicht gefallen. In Desenzano sind nur wenige TouristInnen unterwegs, an der Seepromenade stehen einige schöne alte Hotels im Jugendstil und die Geschäfte sind klein und stilvoll. Es gibt hier, wie auch schon in Brescia, wunderschöne Boutiquen, die für sich schon sehenswert sind. Und wie überall in Italien ist die Mode, die sie darin verkaufen, einfach großartig! Diesmal interessieren wir uns ja auch für Männermode – so tolle Hemden und Krawatten für unsere Aufritte werden wir in Österreich nur schwer finden. Zum Abschluss dieses freien Abends beschließen wir, in die kleine Bar zu gehen, neben der wir schon zweimal getanzt haben, und deren BesitzerInnen uns beim ersten Mal so nett bewirtet haben, um diesmal etwas zu konsumieren. Wir trinken köstlichen Rotwein und lassen den Blick über die Piazza schweifen. Wie so oft in den Tagen hier kommt mir unser Leben beinah unwirklich vor. Eigentlich ist es schon frech, wie gut wir es uns gehen lassen. Nach einiger Zeit kommt die Besitzerin und bringt uns zwei Stückchen einer selbstgemachten Tarte (köstlich, mit Tomaten und Melanzani, der passende Begleiter für unseren Wein!). Und als ich dann zahlen möchte, lehnt sie vehement ab: nein, wir sind eingeladen! Ich erwidere, dass wir doch den Wein bezahlen wollen, aber ich habe keine Chance. Wir sind wirklich gerührt von dieser Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Und wir wissen: wir sind reichlich beschenkt!!!

So werden wir viele Eindrücke und Erfahrungen mitnehmen, wenn wir uns am Sonntag auf den Heimweg machen. Neben der genussvollen Zeit in Italien (vom köstlichen Essen hier haben wir gar nie geschrieben, aber es ist ohnehin klar, dass wir diesbezüglich im Paradies gelandet sind) haben wir hier viel ausprobiert und gelernt für unsere Arbeit. Und wir sind schon gespannt darauf, wie es sein wird, wenn wir versuchen, manches davon im Juli in Wien umzusetzen. Davor aber freuen wir uns auf die letzten Auftritte hier – bis Freitag möchten wir noch einmal in den Orten auftreten, an denen es uns am besten gefallen hat.

Cari saluti,

Sigrid

 

Orte der Erholung: Im Cafe und im Park

Orte der Erholung: Im Cafe und im Park

Hola mis queridas!

Heute haben wir einmal einen faulen Sonntag verbracht. Seit Mitte der Woche gibt es hier die “ola de calor: parte II”, also die zweite Hitzewelle und gestern hatten wir die 40° erreicht. Auch für heute war ein heißer Tag angesagt, aber in der Nacht gab es einen heftigen Sturm, der für eine ordentliche Abkühlung gesorgt hat. So ist es heute erfreulicherweise wieder recht angenehm, ein schöner Sommertag mit einem kühlen Lüfterl.

Vorhin haben wir einen kleinen Spaziergang in unser Stammkaffeehaus und in unseren Lieblingspark gemacht. Einen guten, starken Kaffee zu finden, wie wir ihn lieben, war nicht so einfach. Die ersten eineinhalb Monate haben wir viele Kaffeehäuser ausprobiert. Es waren zum Teil sehr schöne und alte Cafes, aber der Cafecito, also der kleine Espresso war viel zu lang und zu dünn. Dann haben wir in einem Reiseführer, der hier in der Wohnung lag, den Tipp für “den besten Kaffee der Stadt” gefunden. Das Florida Garden, also der “blühende Garten” ist hier ganz in der Nähe, mit einem kleinen Umweg zu unseren Tanzstunden sind wir nun beinahe täglich dort. Mittlerweile brauchen wir gar nicht mehr zu bestellen, wenn wir an die Theke kommen, wir bekommen unseren Ristretto schon hingestellt und er ist wirklich köstlich – für unseren Geschmack tatsächlich der beste Kaffee der Stadt. Beim Verabschieden sagt der Kellner oder die Frau an der Kassa schon “hasta manana”, also bis morgen. Wir haben da also nicht nur einen sehr guten Kaffee gefunden, sondern auch ein Plätzchen, an dem wir ein wenig daheim sind. Dass der Kaffee dort noch dazu am billigsten ist und auch noch ein Kuchenhäppchen serviert wird, macht die Sache perfekt.

In den Park San Martin spazieren wir immer wieder gerne. Die ersten Fotos nach unserer Ankunft mit den blühenden Jacarandabäumen sind auch von diesem Park. Die Hauptblütezeit dieser Bäume ist natürlich längst vorbei, aber überraschenderweise blühen sie vereinzelt immer wieder neu, obwohl die Bäume von den ersten Blüten schon die Samenkapseln tragen. Außerdem gibt es dort einen riesigen Gummibaum und prächtige Palmen. Ein anderer Baum, dessen Namen wir nicht wissen, ist jetzt übervoll mit gelben Blüten. Es ist richtig erholsam in diesem Park ein paar Runden zu drehen. Der Verkehr rundum ist nicht extrem stark und die umliegenden Gebäude sind prächtige, alte Häuser aus der Zeit der Jahrhundertwende.

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Einen anderen Park haben wir gestern mit Patricia und Nestor besucht. Sie haben vorgeschlagen,  den missglückten Spaziergang vom Neujahrstag nachzuholen, wir waren also nochmals im Palermo-Park. Der Rosengarten, ein Teil dieses Parks, ist wunderschön. Es ist ein alter Park aus dem 19. Jhd., angelegt von einem französischen Gartenarchitekten, und auch die Rosenstöcke sind schon sehr alt. Wenn nicht die Hochhäuser hinter den Bäumen hervorschauen würden, könnte man vergessen, dass man sich mitten in einer riesengroßen Stadt befindet. Das einzige Problem war die extreme Hitze in der vollen Sonne.

Weil wir heute faul sind, fällt auch dieser Bericht kürzer aus als die letzten Male. Ich schicke liebe Grüße aus dem Sommer über den Atlantik.

Adios, Sigrid

La Boca und Palermo Soho

La Boca und Palermo Soho

Hola,

gestern waren wir mal so richtig als Touristinnen unterwegs. Wie in vielen anderen Städten gibt es auch hier diese typischen Touristenplätze, an denen Klischees am Leben erhalten oder künstlich produziert werden – denkt nur an Wien und “Sisi”. Hier geht es natürlich um den Tango, besser gesagt um den Platz, an dem der Tango in Spelunken und Hafenkneipen seinen Anfang genommen hat. Das barrio “La Boca” ist der alte Hafen von Buenos Aires gewesen, in dem sich zuerst afrikanische Sklaven und ab 1880 viele ItalienerInnen, vor allem aus Genua, niedergelassen haben. Es war immer schon ein armes Viertel und die Menschen haben ihre Häuser aus den Materialen gebaut, die es am Hafen gab: Wellblechwände, die in bunten Farben (von den Schiffen?!) angemalt waren. Auch heute noch ist La Boca ein armes Viertel und bis auf jenen kleinen Teil, der touristisch vermarktet wird, ist es eine sehr gefährliche Gegend. Es wird dringend davon abgeraten den kleinen Touristenbereich zu verlassen – ein junges Paar aus Deutschland, das schon seit August hier ist, wurde beim Spaziergang in einer Seitengasse am helllichten Tag mit der Pistole bedroht und ausgeraubt. Aber keine Sorge, wir wussten ja Bescheid und außerdem waren wir mit Patricia und Nestor dort. Uns ist gleich nach der Ankunft aufgefallen, dass die beiden sich hier als unsere Bodyguards verstanden haben: Patricia ist vorangegangen, Nestor war immer knapp hinter uns, wenn wir stehengeblieben sind um uns umzuschauen oder zu fotografieren, haben sie gewartet … Es waren sehr viele Leute dort (obwohl das angeblich noch nicht viele waren, heute, Sonntag sei dreimal so viel los) und es war so richtig ein Touristenspektakel mit Verkaufsständen von “Kunsthandwerk” und Bildern (zum Teil sehr schön!), mit überteuerten, schlechten Restaurants, mit StraßenkünstlerInnen, die Folklore oder Tango präsentierten. Beim Tango gab es SängerInnen, dann Tanzpaare, die sich nur fürs Foto postierten und Tanzpaare, die von den Restaurants engagiert waren und die auf winzig kleinen Tanzflächen tanzten. Die bunten Häuser sind wirklich nett und die kleinen Hinterhöfe, in denen es jetzt Souvenirgeschäfte gibt, schauen schön aus. Wenn man sich dann aber vorstellt, wie die Einwanderfamilien hier auf engstem Raum gelebt haben, dann sieht die Sache schon wieder anders aus.

DSCF3963 (2)Das alte Hafenbecken ist schon längere Zeit nicht mehr in Betrieb und die alten Fabriken sind verfallen. Es waren hauptsächlich Lederfabriken (Rinderzucht in Argentinien, Einwanderer als billige Arbeitskräfte, … die Geschichte wiederholt sich immer wieder) und der Fluss dort ist tot, weil alle Abwässer der Fabriken hineingeleitet wurden.

Zu La Boca gehört natürlich auch der Fußball und auch wenn wir uns dafür nicht so interessieren, da kommt man nicht dran vorbei! Das Stadion der “Boca Juniors” ist mitten in die kleinen Straßen des Viertels hinein gebaut. Es wird La Bombonera, die Pralinenschachtel genannt, denn wegen Platzmangel sind die Tribünen extrem steil und reichen direkt bis ans Spielfeld. Es ist unvorstellbar, wie es sein muss, wenn “Boca” ein Spiel hat, Zehntausende durch diese Straßen ziehen und die Bombonera kocht. Und sogar nicht-Fußball-Fans wie wir haben gewusst, dass Diego Maradona von diesem Club gekommen ist.

Danach haben Patricia und Nestor uns quer durch die Stadt chauffiert und wir sind in das Designerviertel Palermo Soho gefahren. Gegensätzlicher hätten die Eindrücke dieses Tages nicht sein können! Hier gibt es auch kleine Straßen, die Häuser sind fast alle nur einstöckig und zum Teil sehr schön renoviert. Und es reiht sich ein Modegeschäft mit argentinischer Designermode neben das andere. Die Mode war sehr interessant, weil sie ganz anders ist, als das, was man in Europa unter “Designerstücken” versteht. Mindestens gleich interessant fand ich die Geschäftsräume: jeder war anders gestaltet, die alten Räumlichkeiten wurden mit modernen Elementen ergänzt und beeindruckend gestaltet. Einige gaben den Blick frei auf kleine, üppig grüne Innenhöfe. Außer den Geschäften gibt es unzählig viele Lokale. Die meisten haben die Tische am Gehsteig und es war zum ersten Mal, seid wir hier sind, dass es nette Plätze zum Draußen-Sitzen gab. Auch hier waren sehr viele Leute, aber die Stimmung war ganz anders als in La Boca. Wie Andrea im letzten Bericht schon geschrieben hat, wurden wir an den Prenzlauer Berg in Berlin erinnert. Auch dort sind die alten Häuser revitalisiert, es gibt viele Lokale und interessante Geschäfte.

Und zum Abschluss des Tages haben wir ausgesprochen gut gegessen! Patricia und Nestor haben uns in eines ihrer Lieblingslokale geführt, wo sie auch gleich als Stammgäste herzlich begrüßt wurden und wir dadurch überhaupt einen Tisch bekommen haben. Dort gibt es Grillspezialitäten, aber nicht nur, dass das Fleisch sehr köstlich war, es gab dazu ca. 15 – 20 verschiedene kleine Schälchen mit Saucen, Beilagen und Salaten. Wir müssen jetzt also endgültig unser Urteil über die Küche in Buenos Aires zurücknehmen und feststellen, dass wir bisher beim Essen gehen entweder Pech hatten oder eben einfach nicht gewusst haben, wo es wirklich gut schmeckt. Allerdings eine Feststellung bleibt: wenn du gut essen willst, dann musst du hier Fleisch bestellen; alles andere, inklusive Pasta, ist nicht nach unserem Geschmack.

Morgen fahren wir, wie schon angekündigt, für vier Tage nach Uruguay. Mal sehen, wie es auf der anderen Seite des Rio de la Plata so ist. Außerdem brauchen wir eine kleine Pause von Buenos Aires – und dem Tango.

Sigrid