Ich lebe meinen Traum

Ich habe einen Traum: Menschen beginnen, ihre Träume ernst zu nehmen und sie zu verwirklichen. Sie hören auf, ein Leben zu führen, von dem sie glauben, es führen zu müssen. Ich habe einen Traum: Menschen erkennen, welche besonderen Talente und Fähigkeiten in ihnen schlummern, und setzen diese ein – nicht nur in ihrer Freizeit, sondern auch in ihrer Arbeit. Ich habe einen Traum: Wir erkennen den Wert der Vielfalt und streben danach, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, in dem wir unsere Stärken einsetzen und unsere ganz individuellen Träume verwirklichen. Darin liegt für mich die Zukunft unserer Gesellschaft und die der Arbeit. Sie haben die Wahl! Glauben Sie daran.

dscf6016Ich sitze gerade in unserer gemütlichen Stube mit Blick in die südburgenländische Winterlandschaft und sinniere über diese Aussage von Sabine Varetzka-Pekarz nach. Sie ist eine der MitbegründerInnen von SMARTWORK, eine Initiative zur Gestaltung der Zukunft der Arbeit. In der Oktoberausgabe des MEGAPHON gibt sie auf die Fragen Welche Wege gehen wir? Welche Taten setzen wir? oben genannte Antwort. Ich fühle mich sogleich sehr angesprochen und stimme ihr voll und ganz zu, weil ich das aus eigener Erfahrung sagen kann. Vor drei Jahren habe ich gemeinsam mit meiner Partnerin begonnen, so einen Traum zu verwirklichen, nämlich unsere bis dahin als Hobby betriebene Leidenschaft Tango tanzen zu unserem Beruf zu machen. Wir haben beide unsere Jobs als Lehrerinnen gekündigt, um diesem Traum zu folgen. Von manchen Menschen haben wir Unverständnis gespürt, viele haben uns aber auch bewundert und gemeint, wir seien mutig. Ich weiß nicht, ob in einem Sozialstaat wie Österreich, in dem man im Falle des Falles immer abgesichert ist, wirklich Mut nötig ist, um so einen Schritt zu setzen. Ich würde eher sagen, es erfordert Flexibilität und die Bereitschaft, sein Leben zu ändern. Das haben wir sicherlich getan. Wir haben uns von vielen materiellen Dingen getrennt und kommen mit wenig Geld aus, ohne dass uns etwas abgeht. Wir haben Sicherheiten und ein Leben, das nur auf die Zukunft ausgerichtet ist, aufgegeben und können so das Hier-und-Jetzt mehr genießen. Unser Luxus ist: das, was wir leidenschaftlich gern tun, beruflich zu tun. So gehört es jetzt zu unserem Alltag, jeden Vormittag eine Stunde Yoga für die körperliche Fitness und zwei Stunden Tanztraining zu machen. Ein Bekannter hat eines Tages, als er das mitbekommen hatte, gefragt, ob es nicht eine Überwindung sei, so konsequent zu trainieren. Aber zu etwas, das ich liebe, brauche ich mich nicht überwinden. Beim Tanzen gibt es immer wieder diese Flow-Momente, in denen ich alles um mich herum vergessen kann, nur die Musik und die Bewegung unserer Körper sind im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dabei auch zu entdecken, welche Fähigkeiten in einer schlummern, ist ein Geschenk. Fähigkeiten und Talente, die in der Kindheit schon da waren, dann aber im Laufe des Lebens in Vergessenheit gerieten, wieder wach zu rufen, bringt einige Aha-Erlebnisse und Überraschungen. Wenn mir vor vier, fünf Jahren jemand gesagt hätte, dass ich in Wien in der Kärntnerstraße, in Berlin am Hackeschen Markt, in Graz am Hauptplatz und auf italienischen Flaniermeilen als Straßenkünstlerin Tango tanzen werde, hätte ich ihn/sie für verrückt erklärt und gemeint, dass ich mich das nie im Leben trauen würde. Jetzt ist es so, dass es uns geradezu dazu drängt vor Publikum aufzutreten und das, was wir können, zu zeigen. Es ist natürlich mit Aufregung, manchmal auch mit Lampenfieber, verbunden, aber es zu lassen, kommt nicht in Frage. Get out of your comfort zone and be amazing hat eine liebe Bekannte, die Yoga unterrichtet und mit der wir gemeinsam einen Workshop machen, als Leitspruch auf einer ihrer Karten. Fähigkeiten und Talente wollen gezeigt werden, nur dann wird man immer besser, kann über sich hinauswachsen und etwas Schönes in die Welt bringen, das zur Vielfalt beiträgt.

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Zu oben genanntem Traum gehört auch, so weit wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu leben. Nun, ich habe mich vor ein bisschen mehr als einem Jahr als Künstlerin selbstständig gemacht. Eine ganz neue Erfahrung für mich! Natürlich gibt es keine finanziellen Sicherheiten, aber dafür den Freiraum, seine Zeit größtenteils selbstbestimmt zu gestalten. Das beginnt beim Tagesablauf. Man legt selbst einen Tagesrhythmus fest: wie schon erwähnt, eine Stunde Yoga, ca. zwei Stunden Tanztraining, ausreichend Zeit für kochen und Mittagessen, nachmittags Büroarbeit, netzwerken, Termine wahrnehmen, … , abends und wochenends (nicht immer) auftreten oder unterrichten. Und dasselbe gilt auch für die Planung eines größeren Zeitraumes: Wie wollen wir uns künstlerisch entwickeln? Wo wollen wir auftreten, wo Workshops anbieten? Wohin wollen wir reisen? Wo wollen wir uns beteiligen? Mit wem möchten wir Kooperationen eingehen? Wie betreiben wir Werbung? Es sind viele Entscheidungen zu treffen, aber wir bestimmen, was wir wann und wo tun. Wir sind für uns selbst verantwortlich. Was wir in diesem ersten Jahr ein bisschen übersehen haben, ist, auch Erholung einzuplanen. In der Aufbauphase ist natürlich sehr viel zu tun, man könnte eigentlich ständig arbeiten und das Meiste an unserer Arbeit macht uns großen Spaß, trotzdem braucht es auch Erholungsphasen. Jetzt, am Ende des Jahres haben wir gemerkt, dass wir davon zu wenige eingeplant hatten, wir waren zeitweise ziemlich erschöpft. Mein Vorsatz für das nächste Jahr ist also, jeden Tag, jedes Wochenende „Urlaub“ einzuplanen, dann brauche ich keine zwei oder drei Wochen Urlaub am Stück, um mich zu erholen. Mal sehen, ob es gelingt.

Auch wenn es noch viele Unsicherheiten gibt, und ich noch nicht genau weiß, wo uns der eingeschlagene Weg hinführen wird, glaube ich an unseren Traum. Und ich genieße es jetzt schon, ihn zu leben!

Andrea

 

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