Straßenkunst mit Platzkarte

Straßenkunst mit Platzkarte

Nochmals Hallo!

Wie ihr dem Bericht von Andrea entnehmen könnt, ist die Zeit hier in Wien sehr angenehm und interessant für uns. Wir waren noch nie 2 Wochen lang in Wien. Es ist sehr schön durch die Stadt zu streifen, nette Plätze aufzusuchen und die Stadt auch aus der Sicht von Straßenkünstlerinnen kennenzulernen. Und die Erkenntnis ist: es gibt fast keine StraßenkünstlerInnen mehr in Wien!!! Während dieser ganzen Woche haben wir nur 2x Pantomimen und 1x einen Akkordeonspieler gesehen! Die Vorschriften, die es in vielen europäischen Städten den StraßenkünstlerInnen schwer machen, scheinen also zu greifen und Straßenkunst scheint zu sterben. Auch für uns ist mittlerweile klar, dass wir von der Straße allein nicht leben können, aber die Erfahrungen, die wir hier sammeln, sind auch für unsere anderen Ideen wichtig.

Hier in Wien ist die Verordnung zwar nicht so ganz rigoros wie anderswo, aber man muss am letzten Montag eines Monats in der MA 36 persönlich, mit Lichtbildausweis und der Verwaltungsabgabe (Bitte genau als Kleingeld: € 6,54 !) erscheinen, um die Platzkarte für den Folgemonat zu bekommen. Wir waren erst letzten Montag dort und haben nur “ausnahmsweise” zu diesem Termin unsere Platzkarte bekommen. Auf dieser waren unsere Auftrittsorte jeweils mit Datum und genauer Uhrzeit, jeweils für 2 Stunden Spielzeit, aufgelistet. Dazwischen gibt es immer 2 – 3 spielfreie Tage.

Jedenfalls war die Zeit dort ein Kurzkabarett auf den österreichischen Amtsschimmel. Wie wir das in Zukunft managen werden, wissen wir noch nicht, denn Flexibilität ist in der MA 36 scheinbar nicht wirklich vorgesehen.

Diesmal haben wir unser Quartier durch einen Haus- bzw. Wohnungstausch organisiert. Wir sind hier in Wien in der Wohnung einer Freundin von uns und haben es wieder sehr gemütlich. Bis heute haben wir auch einige Zeit mit ihr verbracht, am Vormittag ist sie mit einer Freundin in unser Haus im Südburgenland gefahren, um dort eine Woche Urlaub zu machen.

Wie es in den nächsten Tagen mit dem Tanzen auf der Straße weitergehen wird, ist ziemlich unsicher – wir sind dabei ja sehr stark vom Wetter abhängig. Heute wollen wir nochmals an den Donaukanal, aber im Moment stürmt es extrem und wir sind uns nicht sicher, ob unsere Tanzunterlage den Windböen standhalten kann. Ja, und ab morgen soll es nachmittags regnen … also mal sehen, wie es für uns hier weitergehen wird. Aber wir sind optimistisch und neben dem Straßentanz arbeiten wir ja gedanklich ziemlich intensiv und das ist wetterunabhängig.

Liebe Grüße

Sigrid

„Housesitting“ in Köln

„Housesitting“ in Köln

Hallo!

Vier Monate nach unserem letzten Bericht aus Buenos Aires sind wir wieder unterwegs und schreiben euch diesmal aus Köln. Wir genießen wieder das Stadtleben. Natürlich ist es hier ganz anders als in Buenos Aires: Köln hat nur 1 Million EinwohnerInnen, eine deutschsprachige Stadt erleichtert das Zurechtfinden sehr und manchmal ist es ja auch erfreulich, wenn Vorurteile zutreffen – “Bei den Deutschen funktioniert immer alles!” – und so ist schon unsere Anreise per Bahn und das Leben hier bisher bestens gelaufen. Wir wohnen wieder in einer schönen Altbauwohnung, nur ist sie diesmal riesengroß, sehr geschmackvoll eingerichtet und der Balkon geht nicht auf eine laute Straße, sondern in einen ruhigen, grünen Innenhof. Sie liegt im Stadtteil Sülz, einer angenehmen Wohngegend mit vielen wirklich sehr schönen alten Häusern, Lindenalleen und einem großen Park in der Nähe. Es leben hier viele Familien, viele RadfahrerInnen sind unterwegs und mit der U-Bahn sind wir in 15 min im Zentrum. Außerdem gibt es ganz in der Nähe 2 Bio-Supermärkte und zweimal in der Woche einen netten Markt. Wir sind also bestens versorgt und fühlen uns hier sehr wohl!

Unser Plan, die Quartiere für unsere Reisen über Housesitting-Plattformen zu organisieren, hat bis jetzt leider noch nicht geklappt. Das Housesitting hier haben wir über einen persönlichen Kontakt, den uns Freundinnen vermittelt haben. Die Gastgeberin, Andrea, ist auf Urlaub und hat uns aus reiner Gastfreundschaft aufgenommen, denn es gibt weder Haustiere zu versorgen noch viele Pflanzen zu gießen. Letztendlich hat es sich aber ergeben, dass ihr doch sehr damit gedient ist, dass wir in ihrer Abwesenheit hier wohnen, denn das Haus ist zur Zeit eingerüstet und das Gerüst ist die perfekte Einstiegshilfe für mögliche Einbrecher, noch dazu wenn jemand beobachtet, dass hier 2 Wochen lang kein Licht eingeschaltet und kein Fenster geöffnet wird. So besteht unser Housesitting also darin, unsere Anwesenheit nach außen hin sichtbar zu machen und auf diese Art “security” zu spielen.

Obwohl wir ja zum Arbeiten hier in Köln sind, um erstmals als Straßentänzerinnen aufzutreten, lassen wir es uns in dieser angenehmen Umgebung auch einfach gutgehen! Wir kaufen köstliche Dinge ein, die wir bei uns daheim nie bekommen können und machen es uns in der Wohnung oder am Balkon gemütlich. Und schon nach den ersten Tagen merken wir, wie wichtig diese Erholungsphasen sind, denn unser neuer Beruf als Straßentänzerin ist ziemlich anstrengend.

Grüße, Sigrid