Solo Tango – ein Traum wird wahr!

Solo Tango – ein Traum wird wahr!

Kennst du das Gefühl, das dir ganz klar sagt: wenn du das nicht machst, wirst du es irgendwann bereuen! Ich erinnere mich genau an einen Abend im September 2015, als diese Erkenntnis sich wie aus dem Nichts ganz deutlich in mein Bewusstsein drängte. Wir hatten uns einen ruhigen Abend in der Therme Bad Gleichenberg gegönnt, aber wie so oft, wenn mein Körper zur Ruhe kommt, galoppieren meine Gedanken umso schneller. So ist mir eine Idee, die wir gemeinsam schon vor Monaten geboren, aber nicht weiterverfolgt hatten, wieder in den Sinn gekommen: Einen neuen Zugang zum Tango zu entwickeln, Tango ohne PartnerIn in einer Gruppe zu tanzen. Und uns mit solch einem Workshop eine Einkommensmöglichkeit zu schaffen, die neben der Straßenkunst unsere Selbständigkeit ermöglicht. In diesem Augenblick war da eine absolute Gewissheit, dass dieses Neue, von dem ich selbst noch nicht ganz genau wusste, wie es sein wird, einfach großartig ist und realisiert werden muss. Ein seltener Moment, ganz ohne Zweifel, ein kostbares Gefühl! Und ein Auftrag, aktiv zu werden …

Ich erzählte Andrea davon, aber sie konnte mein Gefühl noch nicht nachempfinden, da sie noch kein Bild von diesem Workshop im Kopf hatte, doch sie ermutigte mich, dran zu bleiben. So schrieb ich meine Gedanken auf, machte eine Ideensammlung zu Solo Tango. Diese ersten Ideen waren eine Basis für das Konzept des Workshops. Dieses zu erstellen war dann aber die geistige und kreative Knochenarbeit, die uns lange Zeit beschäftigte. Von der Euphorie im ersten Moment der Erkenntnis war da manchmal gar nichts mehr zu spüren. Nun, das Konzept war fertig, der Workshop wurde erstmals abgehalten und ist gut angekommen. Wir haben Erfahrungen gesammelt, einiges überarbeitet, Neues hinzugefügt … der übliche Prozess eben. Wir haben KooperationspartnerInnen gesucht und sind dabei viele Umwege gegangen und vieles, was zuerst vielversprechend ausgesehen hat, führte doch zu keinem Abschluss. Aber, warum auch immer, wir sind weiter dran geblieben. Natürlich gab es oftmals Zweifel, aber es gab nie den Moment, an dem wir die Idee fallen lassen wollten.

Und in den letzten Wochen ist plötzlich alles ins Laufen gekommen. Neue Kontakte und Kooperationen haben sich ergeben, Interessenten für eine Kooperation sind von sich aus, ohne unser Zutun, auf uns zugekommen und die bevorstehenden Workshoptermine sind total gefragt! Wir bekommen Anrufe und Mails von Menschen, die wir persönlich gar nicht kennen und die begeistert sind von der Idee Solo Tango. Besonders überrascht hat uns, dass der Workshop sogar in Zürich bekannt geworden ist und eine Tangotänzerin extra mit dem Nachtzug nach Wien reisen wird, um an dem Tagesworkshop in Breitenfurt teilzunehmen! Sie schreibt uns, dass sie selbst nicht genau weiß, wie die Informationswege gelaufen sind, aber nun werdet  Ihr auch in Zürich weitergereicht und wer weiß was daraus entsteht:-)))… Hätte uns das eine/r prophezeit, wir hätten es nicht geglaubt!

Dass unser Traum wahr geworden ist und Solo Tango ein voller Erfolg wird, haben wir aber vor allem durch die Kooperation mit der GEA Akademie im Waldviertel erfahren! Der Kontakt besteht erst seit Ende Dezember und er war von Anfang an so, wie wir uns eine perfekte Kooperation vorstellen, mit klaren Bedingungen, einem respektvollen und prompten Mailkontakt und dazu noch voll Herzlichkeit und Humor! Mitte Jänner ist das firmeneigene Magazin brennstoff verschickt worden. Der Text, den die Redaktion darin über uns und unseren Workshop schreibt, ist einfach toll. Wir hätten uns und den Workshop nicht besser beschreiben können:

Tango Argentino – das ist leidenschaftliche Musik, elegante Körperhaltung, getanzter Dialog … Entstanden auf den Straßen von Buenos Aires, erzählt der Tango vom wahren Leben – von seinen Schicksalen, Sehnsüchten und (unerfüllten) Liebesgeschichten. Obwohl längst salonfähig geworden, zieht es Andrea Tieber und Sigrid Mark alias AdanzaS mit ihren Tango-Street-Perfomances gerne zurück auf die Straße. Das Künstlerinnenpaar wird euch, die ihr gerne Tango solo und ohne Partnerzwang erlernen wollt, an diesem Wochenende in ihre große Leidenschaft, den Tango Argentino verführen. Alleine einen Tango zu tanzen, das heißt Unabhängigkeit, heißt eins sein mit Musik, Raum und sich selbst. Eine starke Selbsterfahrung. … Ihr werdet mit dem Tangotanz die (seltene) Kunst, klar und respektvoll ohne Worte zu kommunizieren, kennenlernen. Vorkenntnisse braucht ihr dafür keine, eure Freude am Tanz und an der Bewegung genügen. Es könnte allerdings sein, dass sich eure Freude nach diesem Wochenende in eine lebenslange Leidenschaft zum Tango Argentino – solo oder together – verwandelt.

Und die größte Überraschung war dann eine Mail Anfang Februar mit der Information, dass der Maitermin in der GEA Akademie mit 20 Personen (!) bereits ausgebucht sei. Nun sind wir gerade dabei, für Sommer oder Herbst weitere Termine auszumachen! Wow!!! Unglaublich, und unsere Freude ist riesengroß!

Gar nicht mehr vorstellbar, wenn wir Solo Tango nicht realisiert hätten!!!

Sigrid

 

Infotext zum Workshop Solo Tango aus: brennstoff Nr. 47, Jänner 2017, GEA Verlag Wien

Ich lebe meinen Traum

Ich lebe meinen Traum

Ich habe einen Traum: Menschen beginnen, ihre Träume ernst zu nehmen und sie zu verwirklichen. Sie hören auf, ein Leben zu führen, von dem sie glauben, es führen zu müssen. Ich habe einen Traum: Menschen erkennen, welche besonderen Talente und Fähigkeiten in ihnen schlummern, und setzen diese ein – nicht nur in ihrer Freizeit, sondern auch in ihrer Arbeit. Ich habe einen Traum: Wir erkennen den Wert der Vielfalt und streben danach, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, in dem wir unsere Stärken einsetzen und unsere ganz individuellen Träume verwirklichen. Darin liegt für mich die Zukunft unserer Gesellschaft und die der Arbeit. Sie haben die Wahl! Glauben Sie daran.

dscf6016Ich sitze gerade in unserer gemütlichen Stube mit Blick in die südburgenländische Winterlandschaft und sinniere über diese Aussage von Sabine Varetzka-Pekarz nach. Sie ist eine der MitbegründerInnen von SMARTWORK, eine Initiative zur Gestaltung der Zukunft der Arbeit. In der Oktoberausgabe des MEGAPHON gibt sie auf die Fragen Welche Wege gehen wir? Welche Taten setzen wir? oben genannte Antwort. Ich fühle mich sogleich sehr angesprochen und stimme ihr voll und ganz zu, weil ich das aus eigener Erfahrung sagen kann. Vor drei Jahren habe ich gemeinsam mit meiner Partnerin begonnen, so einen Traum zu verwirklichen, nämlich unsere bis dahin als Hobby betriebene Leidenschaft Tango tanzen zu unserem Beruf zu machen. Wir haben beide unsere Jobs als Lehrerinnen gekündigt, um diesem Traum zu folgen. Von manchen Menschen haben wir Unverständnis gespürt, viele haben uns aber auch bewundert und gemeint, wir seien mutig. Ich weiß nicht, ob in einem Sozialstaat wie Österreich, in dem man im Falle des Falles immer abgesichert ist, wirklich Mut nötig ist, um so einen Schritt zu setzen. Ich würde eher sagen, es erfordert Flexibilität und die Bereitschaft, sein Leben zu ändern. Das haben wir sicherlich getan. Wir haben uns von vielen materiellen Dingen getrennt und kommen mit wenig Geld aus, ohne dass uns etwas abgeht. Wir haben Sicherheiten und ein Leben, das nur auf die Zukunft ausgerichtet ist, aufgegeben und können so das Hier-und-Jetzt mehr genießen. Unser Luxus ist: das, was wir leidenschaftlich gern tun, beruflich zu tun. So gehört es jetzt zu unserem Alltag, jeden Vormittag eine Stunde Yoga für die körperliche Fitness und zwei Stunden Tanztraining zu machen. Ein Bekannter hat eines Tages, als er das mitbekommen hatte, gefragt, ob es nicht eine Überwindung sei, so konsequent zu trainieren. Aber zu etwas, das ich liebe, brauche ich mich nicht überwinden. Beim Tanzen gibt es immer wieder diese Flow-Momente, in denen ich alles um mich herum vergessen kann, nur die Musik und die Bewegung unserer Körper sind im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dabei auch zu entdecken, welche Fähigkeiten in einer schlummern, ist ein Geschenk. Fähigkeiten und Talente, die in der Kindheit schon da waren, dann aber im Laufe des Lebens in Vergessenheit gerieten, wieder wach zu rufen, bringt einige Aha-Erlebnisse und Überraschungen. Wenn mir vor vier, fünf Jahren jemand gesagt hätte, dass ich in Wien in der Kärntnerstraße, in Berlin am Hackeschen Markt, in Graz am Hauptplatz und auf italienischen Flaniermeilen als Straßenkünstlerin Tango tanzen werde, hätte ich ihn/sie für verrückt erklärt und gemeint, dass ich mich das nie im Leben trauen würde. Jetzt ist es so, dass es uns geradezu dazu drängt vor Publikum aufzutreten und das, was wir können, zu zeigen. Es ist natürlich mit Aufregung, manchmal auch mit Lampenfieber, verbunden, aber es zu lassen, kommt nicht in Frage. Get out of your comfort zone and be amazing hat eine liebe Bekannte, die Yoga unterrichtet und mit der wir gemeinsam einen Workshop machen, als Leitspruch auf einer ihrer Karten. Fähigkeiten und Talente wollen gezeigt werden, nur dann wird man immer besser, kann über sich hinauswachsen und etwas Schönes in die Welt bringen, das zur Vielfalt beiträgt.

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Zu oben genanntem Traum gehört auch, so weit wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu leben. Nun, ich habe mich vor ein bisschen mehr als einem Jahr als Künstlerin selbstständig gemacht. Eine ganz neue Erfahrung für mich! Natürlich gibt es keine finanziellen Sicherheiten, aber dafür den Freiraum, seine Zeit größtenteils selbstbestimmt zu gestalten. Das beginnt beim Tagesablauf. Man legt selbst einen Tagesrhythmus fest: wie schon erwähnt, eine Stunde Yoga, ca. zwei Stunden Tanztraining, ausreichend Zeit für kochen und Mittagessen, nachmittags Büroarbeit, netzwerken, Termine wahrnehmen, … , abends und wochenends (nicht immer) auftreten oder unterrichten. Und dasselbe gilt auch für die Planung eines größeren Zeitraumes: Wie wollen wir uns künstlerisch entwickeln? Wo wollen wir auftreten, wo Workshops anbieten? Wohin wollen wir reisen? Wo wollen wir uns beteiligen? Mit wem möchten wir Kooperationen eingehen? Wie betreiben wir Werbung? Es sind viele Entscheidungen zu treffen, aber wir bestimmen, was wir wann und wo tun. Wir sind für uns selbst verantwortlich. Was wir in diesem ersten Jahr ein bisschen übersehen haben, ist, auch Erholung einzuplanen. In der Aufbauphase ist natürlich sehr viel zu tun, man könnte eigentlich ständig arbeiten und das Meiste an unserer Arbeit macht uns großen Spaß, trotzdem braucht es auch Erholungsphasen. Jetzt, am Ende des Jahres haben wir gemerkt, dass wir davon zu wenige eingeplant hatten, wir waren zeitweise ziemlich erschöpft. Mein Vorsatz für das nächste Jahr ist also, jeden Tag, jedes Wochenende „Urlaub“ einzuplanen, dann brauche ich keine zwei oder drei Wochen Urlaub am Stück, um mich zu erholen. Mal sehen, ob es gelingt.

Auch wenn es noch viele Unsicherheiten gibt, und ich noch nicht genau weiß, wo uns der eingeschlagene Weg hinführen wird, glaube ich an unseren Traum. Und ich genieße es jetzt schon, ihn zu leben!

Andrea

 

Bella Italia – ein schöner Arbeitsplatz!

Bella Italia – ein schöner Arbeitsplatz!

Salve! (Wie die Menschen hier zur Begrüßung sagen!)

Heute sitzen wir zum Schreiben dieses Berichtes auf dem Hügel nahe unserer Wohnung. Wir spazieren immer wieder hier herauf, lagern uns mit der Picknickdecke mit Blick auf die romanische Kirche oder sitzen, so wie jetzt, im Schatten alter Bäume in dem Cafe, das es hier auch gibt. Hierher kommen hauptsächlich junge Leute, es gibt flotte Musik und auch Livekonzerte; während wir es uns in der Lounge gemütlich gemacht haben, sitzen am Nebentisch zwei junge Lehrerinnen und korrigieren Schularbeiten. Die wissen also auch, wie sie sich das Leben versüßen können. Vielleicht scheint es so, dass auch wir hier mittlerweile „La Dolce Vita“ haben. Abgesehen davon, dass allein schon das hier Sein ein bisschen Urlaub ist, sind wir aber nach wie vor fleißig am Tanzen. Wir haben nur festgestellt, dass unsere neue Arbeit als Straßentänzerinnen ziemlich anstrengend ist und dass wir es unmöglich schaffen, täglich aufzutreten. Im Unterschied zu Köln und Wien im letzten Jahr merken wir auch, wie wichtig es ist, neben den Auftritten täglich zu trainieren und so haben wir schon ein ordentliches körperliches Programm zu absolvieren. Dazu kommt noch, dass wir ziemlich viel mit dem Auto unterwegs sind, um in die einzelnen Orte, in denen wir auftreten, zu kommen. Wir müssen daher immer wieder Pausentage einlegen. Aber es macht großen Spaß und die Erfahrungen, die wir hier machen, sind großartig. Und die Fragen und Selbstzweifel, die uns im Winter immer wieder durch den Kopf gegangen sind, haben sich erledigt:

DSCF4558Wir sind Straßentänzerinnen, unser Platz ist die Straße und da sind wir auch wirklich gut! Natürlich gibt es mal bessere, mal nicht ganz so gute und mal supertolle Tage, aber insgesamt bekommen wir hier so viel positives Feedback und fühlen uns selbst beim Tanzen auch so gut, dass es keine Zweifel mehr gibt: wir haben unseres gefunden!  Wie, in welcher Form, wo usw., das wird sich alles noch klarer zeigen, aber das ist im Augenblick auch gar nicht wichtig. Ich lerne in diesem ganzen Prozess immer mehr, im Hier und Jetzt zu sein. Natürlich gelingt mir das nicht immer, weil wir in unserer Gesellschaft ja gewohnt sind, zu planen, uns abzusichern und mindestens für die nächsten Monate wenn nicht Jahre genau zu wissen, wie das Leben laufen wird oder zumindest laufen soll. Aber gerade hier in Italien, unserem “alten Sehnsuchtsland” drängt sich mir diese Erkenntnis auf: was willst du mehr, sei hier, sei glücklich und vertraue darauf, dass es gut weitergehen wird. Und es geht ja gut mit uns und unserem verrücktem Leben!

So, jetzt bin ich ein bisschen ins Philosophieren gekommen. Also zum Schluss noch mal zurück auf den Erdboden und zu all den Schönheiten, von denen wir hier umgeben sind. Wir haben hier nämlich obendrein auch noch Sommer vom Feinsten: angenehme Temperaturen, laue Abende, kaum Wind und eine herrliche Blütenpracht. Als wir vor zwei Wochen angekommen sind, haben Millionen (ehrlich, nicht übertrieben!!!) von Akazien geblüht, jetzt blühen alle nur erdenklichen Arten von  Rosen – manchmal sind sie sogar als Straßenbegrenzungen gepflanzt und auch da sind es unzählig viele Blüten. Und zu guter Letzt gibt es eine kleine Zitruspflanze, die sich auf Zäune und Mauern hinauf rankt, ganz kleine Blüten hat, aber unbeschreiblich köstlich duftet. Falls der eine oder die andere von euch also mal an einen Urlaub am Gardasee denkt – den Mai können wir dafür wärmstens empfehlen.

Aber wir sind ja zum Arbeiten hier … und das ist wunderschön!

Ciao, Sigrid