Wien im Hochsommer

Wien im Hochsommer

Hallo!

Wien im Hochsommer: heruntergekühlte U-Bahnen und Geschäfte, Menschenmassen auf dem kleinen Schattenstreifen in der FuZo, 50 m lange Warteschlangen bei der Kasse eines Freibades und eine Schlägerei in einem solchen mit 15 Badegästen, Mittagessen mit einer Freundin am Nordpol (das passende Lokal, oder?!), Urlaubsfeeling am Donaukanal und ein angenehmer Abendbummel ab 20.00 Uhr bei nur mehr 35 Grad. Und auch wenn wir heute wegen der Hitze den zweiten Pausentag beim Tanzen einlegen, so sind wir trotzdem in Sachen AdanzaS auf Shoppingtour. Bei den letzten Auftritten hat Andrea nämlich im wahrsten Sinne des Wortes ihre Schuhe durchgetanzt und so brauchen wir dringend Ersatz. Es ist aber leider gar nicht so einfach, für unser Herrenoutfit passende Schuhe zu finden, da unsere Füße für Herrenschuhe recht klein sind. Wir wüssten schon ein Geschäft, in dem wir meine Tanzschuhe gekauft haben, aber das ist in Buenos Aires …

Von zwei ganz besonderen Auftritten der letzten Woche möchte ich noch erzählen.

Am vorletzten Montag hatten wir, wie Andrea schon erwähnt hat, einen Platz in der Kärntnerstraße zugeteilt. Beim Eintreffen waren wir gar nicht so ganz zufrieden, weil dort, wo wir tanzen sollten, ein Schanigarten und die Bar eines Lokals waren. Wir haben uns dann entschieden, einfach in den Gehbereich der FuZo hineinzutanzen und das war scheinbar keine schlechte Idee, denn schon nach kurzer Zeit hat sich ein großer Kreis von Menschen um uns gebildet. Immer wieder im Laufe dieses Abends hatten wir so einen Menschenkreis um uns, der sich mal auflöste, mal neu formierte. Wenn wir in letzter Zeit bei anderen StraßenkünstlerInnen so viel Publikum gesehen haben, dann dachten wir immer, mit Tango kann man bestimmt nicht so viele Leute ansprechen und so viel Publikum werden wir wohl nie erreichen – und nun war es doch so. Es war ein total schönes Gefühl!

Diesen Montag nun war unser Standort am Schwedenplatz. Wieder waren die Bedingungen scheinbar nicht ganz günstig, da wir nicht direkt dort tanzen konnten, wo die Menschen in großer Zahl von der U-Bahn in die City strömten und von der anderen Seite der Verkehrslärm recht störend war. Aber wir fanden ein Plätzchen unter Platanen und tanzten los. Bald schon blieben die ersten ZuschauerInnen stehen und auch wenn es diesmal bei weitem nicht so viele waren, ist eine enorme Stimmung aufgekommen. Bei langsamen, ruhigen Tangos habe ich die volle Konzentration bei allen gespürt und bei schnellen Tangos haben einige begonnen uns richtig anzufeuern. Wir konnten uns ans diesem Abend so richtig fallen lassen in unseren Dialog miteinander und in den Dialog mit dem Publikum. Ich habe diese Energie, die dabei entsteht, noch nie so intensiv gespürt und am Ende des Auftrittes war ich richtig „high“. Es ist einfach faszinierend, was wir beim Straßentanz erleben und was wir dabei von den Leuten zurückbekommen. Obwohl es jetzt so heiß ist, kann ich es fast nicht erwarten, bis wir wieder tanzen können. Am Freitag und am Samstag sind unsere nächsten Auftritte geplant – einmal am Donaukanal und einmal in der Kärntnerstraße. Wir sind schon gespannt, wie es an diesen Plätzen beim zweiten Mal sein wird.

Liebe Grüße

Sigrid

 

 

Wien tanzt!

Wien tanzt!

Hallo aus einem heißen Wien!

Bei uns kommen gerade Buenos Aires-Gefühle hoch – Hitze in der Stadt erinnert uns sehr daran, und außerdem kommen wir hier mit vielen Menschen über Buenos Aires ins Gespräch. Gestern erst hat uns eine Frau, die uns beim Tanzen auf der Straße zugesehen hat, gefragt, woher wir kommen. Als wir sagten, wir seien eh aus Österreich, hat sie uns zuerst nicht geglaubt. Sie meinte dann total erstaunt, darauf wäre sie nie gekommen, sie dachte wir seien aus Lateinamerika. Und da haben wir erzählt, dass wir in Buenos Aires waren. Diese Begegnung war aber nicht die einzige, bei der es um die Tango-Hauptstadt ging. Ein anderes Mal haben wir beim Tanzen sogar einen Porteno kennengelernt. Wir hatten unseren Auftritt in der Kärntnerstraße. Als wir gerade zu dem wunderbaren Tango „Vida mia“ tanzten, stand plötzlich ein Mann neben uns und hat mitgesungen. Es stellte sich heraus, dass er aus Buenos Aires kommt, aber schon 30 Jahre in Wien lebt und Tangosänger ist. Er ist dann bis zum Schluss geblieben und hat immer wieder zu Tangos von uns gesungen. Von ihm haben wir auch eines der schönsten Komplimente bekommen, als er meinte, wir tanzen „con corazon“. Jedenfalls hat er unser Kärtchen mitgenommen und gemeint, er meldet sich für einen nächsten gemeinsamen Auftritt. Schöne Begegnungen wie diese hatten wir schon wieder viele, und das Tanzen war auf allen Plätzen großartig – bis auf den Donaukanal. Im Vorjahr unser Lieblingsplatz und heuer der einzige Platz, an dem keine Stimmung aufkam, niemand stehen und der Hut leer blieb. Sehr eigenartig, oder? Einmal wollen wir es dort aber noch probieren, vielleicht war es eine Ausnahme, wir werden sehen.

Nun, hier in Wien tanzen zurzeit nicht nur wir trotz der großen Hitze. Es findet gerade das Impulstanz-Festival statt, das größte Festival für zeitgenössischen Tanz in Europa mit zahlreichen Workshops und Performances. Wir waren bei der Eröffnung und besuchen einige Performances. Die Eröffnung war ein ziemliches Wow-Erlebnis. Doris Uhlich, die als Nackttänzerin berühmt geworden ist, war für die Choreografie verantwortlich, und so haben 20 junge Tänzerinnen und Tänzer eine Stunde lang nackt die Bühne zum Beben gebracht. Es war eine einzige Hommage an den menschlichen Körper – sehr faszinierend. Ganz anders dagegen, nicht weniger faszinierend, war eine Performance von 6 Frauen. Die Bedingungen waren zwar ein Wahnsinn, denn das Ganze fand in einer riesengroßen, barackenartigen Halle statt, in der es sicher 40 Grad, wenn nicht mehr, hatte. Jedenfalls ist der Schweiß geronnen, ohne dass man sich gerührt hat und diese 6 Frauen haben eine Stunde lang getanzt. Es ging dabei um Nähe und Distanz, Begegnungen und sich wieder verlieren, Gefühle aller Art, … . Auch ein ganz besonderes Erlebnis.

Also ihr seht, wir sind hier eingetaucht in Tanzerlebnisse aller Art, aber auch ins Stadtleben und heute zur Abkühlung in die Fluten der Alten Donau. Jetzt machen wir uns gleich auf den Weg ins Lokal, in dem meine Cousine arbeitet, und nehmen dort an einem Quizabend teil. Also lassen wir einmal die Köpfe rauchen statt unsere Körper tanzen.

Viele liebe Grüße

Andrea

AdanzaS tanzen wieder in Wien …

AdanzaS tanzen wieder in Wien …

Hallo!

Gerade als ich mich zum Computer setze, plagt mich wieder ein Niesanfall. Einer der Gründe, warum wir im Moment nicht tanzen können, ist der, dass ich eine Mords-Verkühlung abgefangen habe. Ich nehme an, die Klimaanlagen in den U-Bahnen haben diese ausgelöst. Gestern mussten wir schon unseren ersten Auftritt am Donaukanal deswegen abblasen. Hat mich zwar furchtbar geärgert, aber in dem Zustand ist ans Tanzen einfach nicht zu denken. Nun hoffe ich, dass es mir bald besser geht, denn ich bin ja nicht in Wien, um im Bett zu liegen.

Aber auch vor meiner Verkühlung waren die Auftritte bis jetzt spärlich. Wir haben nämlich diesmal sehr wenige und auch viele unattraktive Plätze zugeteilt bekommen. Die Zuteilung erfolgt ja mittels Platzkarten der Stadt Wien. Anscheinend sind heuer im Juli viel mehr StraßenkünstlerInnen in Wien als im Vorjahr. Schon bei der Ausgabe der Platzkarten mussten wir Schlange stehen. Wir haben da auch eine Straßenkünstlerin aus Graz getroffen, die Harfenspielerin, vielleicht kennt sie jemand von euch. Sie hat uns erzählt, dass sie nur mehr in Wien auftritt, da in Graz das halbstündige Platzwechseln mit ihrer Harfe nicht möglich sei. Ja, hier haben sie uns wieder eingeholt, die Bestimmungen, die Straßenkunst so erschweren. Wobei wir schon beschlossen haben, uns nicht mehr so genau an die Vorgaben zu halten wie im Vorjahr. Gleich bei unserem ersten Auftritt haben wir das umgesetzt. Freitagabend, Burgtor – eigentlich war der zugeteilte Platz an der Ecke zum Burgring. Aber nachdem der Platz dort voll in der Sonne lag, haben wir auf die andere Seite des Burgtores, nämlich auf den Heldenplatz gewechselt. Dort gab es Schatten und außerdem andere Vorteile, nämlich Stufen und Wiese für das Publikum, um sich niederzulassen. Und wir hatten Glück, denn die ganze Zeit ist keine Kontrolle gekommen. So war unser erster Auftritt in Wien sehr gelungen mit viel Publikum, einer tollen Atmosphäre und auch entsprechendem Verdienst. Im Vorjahr hatten wir bei keinem Aufritt hier in Wien so viel bekommen, wie heuer gleich beim ersten Auftritt. Also, ein guter Anfang.

Unser nächster Auftritt war dann etwas ganz Besonderes, der fand nämlich auf einer Bühne statt, auf der Jedermannbühne. In Wien? Ja, diese Bühne ist eine tolle Idee von Servus TV. Auf einem unserer Streifzüge durch die Stadt entdeckten wir vor dem Museumsquartier diese Bühne, mit der Aufforderung, dass jede/r, der /die ein besonderes Talent, ob singen, musizieren, tanzen, reden, … zeigen möchte, es auf dieser Bühne tun kann. „Das wär doch etwas“, dachten wir uns gleich. Die Nachforschungen haben dann ergeben, dass Servus TV mit dieser Bühne durch ganz Österreich tourt und in jedem Bundesland, meist in der Landeshauptstadt, den Leuten vor Ort an vier Tagen (Donnerstag bis Sonntag) die Möglichkeit gibt, dort aufzutreten. Es ist ganz unkompliziert organisiert. Wenn man auftreten möchte, kommt man einfach an einem dieser Tage dort vorbei und mit ein wenig Glück, wie bei uns, heißt es dann ohne lange Wartezeit „Bühne frei!“ Man bekommt nach dem Auftritt auch noch ein Erinnerungsfoto und noch besser, ein Video vom eigenen Auftritt zur freien Verfügung. In der Galerie unserer Website könnt ihr dieses Video sehen.

Es grüßt euch eine verschnupfte Andrea aus Wien!

Wieder in Wien …

Wieder in Wien …

Servas die Madln, servas die Buam!

Seit zwei Wochen sind wir nun schon in Wien. Wir genießen das Stadtleben, lassen uns bei unseren Streifzügen einfach treiben und sind dabei schon auf viele unbekannte und äußerst nette Plätzchen gestoßen. Eigentlich meinte ich, den 1. Bezirk schon gut zu kennen, aber jetzt waren wir in versteckten Winkeln und kleinen Gässchen, die ich noch nie gesehen habe. Abends machen wir es wie viele WienerInnen und flanieren über den Donaukanal, lagern uns im wirklich schönen Innenhof des MQ oder sitzen mit einem Ottakringer in einem Schanigarten. Aber, wie ihr schon an der Begrüßung merkt, das wirklich Neue ist, dass wir diesmal sozusagen in „Ur-Wien“ gelandet sind, denn wir wohnen mitten in Favoriten. Hier leben enorm viele Menschen und es sind Menschen aus der ganzen Welt auf engem Raum beisammen.

14272709639_33bbe848a0_bIn der Fußgängerzone der Favoritenstraße sind den ganzen Tag über sehr viele Leute unterwegs, die Bänke des Reumannplatzes sind fast immer besetzt und man hört Wienerisch im Originalton genauso wie alle möglichen anderen Sprachen. Eine Werbung in der U-Bahn trifft es ganz gut: Mein Leben spricht viele Sprachen, mein Herz spricht Wienerisch. Gleich ums Eck gibt es den Viktor-Adler-Markt, der ebenfalls diese Mischung widerspiegelt, denn Händler mit anderen Muttersprachen schreien hier mit den sprichwörtlichen Wiener Marktfrauen um die Wette und alle preisen lautstark ihre Waren an. So einen lebendigen, bunten Markt habe ich zuletzt in Sizilien erlebt! Wie es hier in Favoriten so zugeht haben wir auch in der Apotheke erlebt, und für die Angestellten dort ist das Multi-Kulti-Leben sicher nicht immer ganz einfach: ein Mann schreit im besten Wienerisch in sein Handy: „Na hearst, auf da e-card, de Numma brauch i!“ und gleich daneben hebt ein anderer Mann sein Knie, zeigt darauf und sagt: „Da, weh!“ …

Wir wohnen diesmal übrigens in der netten, kleinen Altbauwohnung einer Freundin und fühlen uns total wohl hier. Auch eine typisch wienerische Sache, es ist eine „Kuchl-Zimmer-Wohnung“ mit dem WC auf dem Gang. Also nur ein kleiner Unterschied zu unserer Wohnung daheim – da ist halt die Dusche im Freien. Wir haben hier alles, was wir brauchen und die Wohnung ist total gemütlich. Aber uns ist klar, dass so eine Wohnung in dieser Gegend üblicherweise wohl von einer ganzen Familie bewohnt wird und auch deshalb so viele Menschen auf der Straße sind. Direkt im Nebenhaus ist übrigens der berühmte Eissalon Tichy und da strömen Tag und Nacht die Massen hin – leider auch mit dem Auto und mit lautstarken Motorrädern. Wir haben das Eis natürlich gleich einmal verkostet – ist ja fein direkt vor der Haustüre. Leider schmeckt es nicht besonders gut und es bestätigt sich wiedermal, dass das, was Menschenmassen anzieht, oft nicht viel mit Qualität zu tun hat. Aber für unser Geldbörserl ist es ja ganz gut so – wäre das Eis gut, dann würden wir wahrscheinlich täglich eines vernaschen.

Nun fragt ihr euch wahrscheinlich schon, was mit dem Tanzen ist. Tatsächlich sind wir aus mehreren Gründen bisher noch nicht oft aufgetreten, aber davon im nächsten Bericht.

Also, servas!

Sigrid