Das süße Nichtstun bei Yoga & Tango

Das süße Nichtstun bei Yoga & Tango

Dolce far niente ist der Inbegriff des italienischen Lebensgefühls: einfach dasitzen und nichts tun, vielleicht aufs Meer hinausschauen oder, wie im Filmklassiker La dolce vita, dem Müßiggang frönen. Was damals 1960 ein Privileg der Bohemiens war, ist heute in Zeiten von Handy & Co die Sehnsucht von vielen. Doch dieses Nichtstun muss nicht immer ganz wörtlich genommen werden, auch im Tun lässt es sich erfahren. Andrea hat im letzten Artikel dieses Blogs Marina Abramovic zitiert, die bezogen auf die Kunst sagt: „Das Schwierigste ist, etwas zu tun, das dem Nichtstun nahe kommt.“ Dieser Satz, nicht bezogen auf Kunst, sondern weiter gefasst, passt als Motto für den Workshop Yoga & Tango am vergangenen Wochenende. Mit dem Hotel Das Eisenberg gibt es den perfekten Ort dafür, denn hier im Südburgenland gehen die Uhren ohnehin ein bisschen langsamer, ist alles ein wenig entschleunigt. Und Entschleunigung ist für uns eine wesentliche Qualität des Tangos. In den ersten Jahren des Tangotanzens ist es mir sehr schwer gefallen, die Langsamkeit im Tanz zu erleben, Pausen einzulegen. Heute ist gerade das zu unserem individuellen Tanzstil geworden und ich genieße dieses Nichtstun im Tun, dieses Innehalten und Hineinspüren bevor der nächste Schritt kommt. Unser Tanz ist daher nicht spektakulär wie eine Tangoshow, aber immer wieder gelingt es uns, ganz in die Tiefe und in Einklang zu kommen – mit der Musik, miteinander, mit unserem Publikum. Sowohl im SOLO TANGO – wie an diesem Wochenende – als auch beim Tanz im Paar versuchen wir diesen Wesenszug des Tangos zu vermitteln. Augenzwinkernd werden wir von einigen Tänzer*innen auch schon zitiert, wenn sie sagen: „No stress, wir genießen die Pause, wie unsere Tangolehrerinnen immer wieder sagen!“ und meinen damit gar nicht nur das Tanzen, sondern eine Alltagssituation wie das Autofahren.

Um aus dem Alltag heraus leichter in dieses dolce far niente zu kommen ist Yoga – und hier insbesondere Yin-Yoga ein guter Weg. Es wird oft als das „passive“ Yoga bezeichnet, weil es dabei nicht um spektakuläre Positionen und kraftvolle Bewegungen, sondern um das lange Halten – immerhin 3 bis 5 Minuten! – in dehnenden Positionen geht. Die Yogalehrerin Christine Swoboda, die an diesem Workshopwochenende die Yogaeinheiten leitete, sagt: Wir lassen los und erlangen mehr Flexibilität für Körper, Geist und Seele. „Gehen lassen“ kann oft schwieriger sein als anstrengende Asanas, ist aber eine lohnende, lebenslange Übung. Mit ihrer feinen Art führte Christine uns behutsam durch die Yogaeinheiten und begleitete das Entspannen mit Livemusik – am Bandoneon, dem Tangoinstrument schlechthin, und einigen Klanginstrumenten.

So ergab sich an diesem Wochenende ein harmonisches Nichtstun im Tun – wenn wir im Yoga entspannt auf den Matten lagen und bei den ruhigen Klängen des Bandoneons jedes Gefühl für die Zeit verloren und danach beim Tanzen die aufrechte Haltung im Tango, das Gehen, das Spiel mit den Verzierungen wie von selbst ins Fließen kamen. Spektakulär unspektakulär ist einer der Slogans des Hotels Das Eisenberg und genau so könnte man auch den Workshop Yoga & Tango zusammenfassen. Und einmal mehr weiß ich, dass dolce far niente nicht nur in Italien funktioniert!

Sigrid

 

The artist is present

The artist is present

Das ist der Titel einer Performance von Marina Abramovic, die man als „Mutter der Performance-Kunst“ bezeichnet. Es ist nun zwar fast 10 Jahre her, dass sie im Rahmen einer Ausstellung über ihre Kunst im MoMa in New York diese Performance gab, aber ich denke das Thema der Präsenz ist aktueller denn je.

Nun, bei dieser Ausstellung, die unter anderem Videos ihrer älteren Arbeiten und von Student*innen nachgestellte Performances zeigte, war Abramovic selbst präsent: Während der gesamten Ausstellungsdauer saß sie drei Monate lang, sechs Tage die Woche, jeweils sieben Stunden in der Mitte des Atriums bewegungslos auf einem Stuhl. Einzeln konnten Zuschauer*innen sich ihr gegenüber setzen, um mit ihr in einen „geistigen Dialog“ zu treten. In einem Dokumentarfilm mit dem gleichnamigen Titel kann man mit verfolgen, was dieses Präsentsein der Künstlerin beim Publikum bewirkt und ausgelöst hat bzw. wie sie sich darauf vorbereitet hat. Ein sehr spannender Prozess! Das zeigt sich schon in der Aussage von Marina Abramovic dazu: „Das Schwierigste ist, etwas zu tun, das dem Nichtstun nahe kommt.“

Aber warum erzähle ich eigentlich davon? Weil das Thema der Präsenz auch im Tango ein wesentliches ist. Und wir uns als Künstlerinnen natürlich auch immer wieder damit auseinandersetzen. Abramovic meint mit dieser Präsenz, in einen anderen Bewusstseinszustand zu kommen, das Bewusstsein einer erhöhten Aufmerksamkeit für sich selbst und die gegenwärtige Umgebung zu entwickeln. So bereitet sie die Student*innen, die für die oben genannte Ausstellung ihre Performances nachstellen, mehrere Tage lang mit Achtsamkeits- und Wahrnehmungsübungen, zum großen Teil in freier Natur, vor. Dieses GANZ DA SEIN im HIER UND JETZT ist nämlich eine ziemlich schwierige Sache, vor allem in unserer schnelllebigen und von digitalen Medien dominierten Zeit.

Vielleicht ist auch deshalb der Tango gerade so beliebt. Denn Angela Nicotra sagt in ihrem Buch Im Kontakt mit der Realität: Der Tango steht für die Möglichkeit, ganz in der Realität, also da zu sein, in einer Realität des Raumes, der Zeit und der Form.

Wir haben heuer im Sommer bei einem Auftritt versucht, diese Art der Präsenz zu verkörpern. Die Tangobilder von Renate Mehlmauer, ich habe davon in einem anderen Blogartikel schon erzählt, haben uns dazu inspiriert. Und auch die Performancekunst von Marina Abramovic war uns Inspiration – auch wenn ich weiß, dass wir Welten von ihrem künstlerischen Format entfernt sind. Bei besagtem Auftritt ist uns diese Präsenz und ein Möglichst-wenig-tun, glaube ich, ganz gut gelungen. Viel schwieriger ist es allerdings bei Straßenauftritten: wenn plötzlich Kirchenglocken zu läuten beginnen, ein Einsatzfahrzeug mit Folgetonhorn vorbeifährt, ein kleines Kind uns zwischen die Beine läuft, … dann selbst präsent zu bleiben, nicht heraus zu fallen, gelingt uns nicht immer. Aber es ist eine wunderbare Herausforderung, es zu üben, immer und immer wieder. Der Tangotanz an und für sich gibt uns dazu ständig die Gelegenheit. Ich zitiere noch einmal Angela Nicotra. Im Tango erleben wir eine andere Qualität der Zeit: alles, was nicht Tanz ist, bleibt außen, ein Gefühl für das Unendliche entsteht, weil Tango ausschließlich im Hier und Jetzt geschieht.

Das kann man sicher auch bei vielen anderen Tätigkeiten erleben, etwa beim Yoga, um nur ein Beispiel zu nennen. Der Tango ist, wie viele Arten der Meditation, ein Arbeiten an der Achtsamkeit und am Bewusstsein für sich selbst und die Welt. So schließt sich der Kreis vom Bewusstseinszustand, den Marina Abramovic beschreibt, bis zu dem, den Tangotänzer*innen erleben und den wir als Künstlerinnen mehr und mehr erlangen.

Andrea

Literatur- und Filmtipp:
Im Kontakt mit der Realität, Angela Nicotra, Logos Verlag Berlin
The artist is present, Marina Abramovic, 2012

Straßenkunst, Berge und Meer

Straßenkunst, Berge und Meer

… immer schön piano wurde zum Motto unserer heurigen Herbstreise, bei der wir jene drei Dinge, die wir so sehr lieben, verbinden konnten: auf der Straße zu tanzen, in den Bergen und am Meer wandern und genießen! Tatsächlich war die Straßenkunst der Anlass für diese Reise, denn wir wurden eingeladen, beim Blausteiner Herbst als Künstlerinnen dabei zu sein und so war auch der Saisonabschluss dieses Jahres keine spontane Straßenkunst, sondern ein Auftritt, zu dem wir gebucht wurden. Erstmals tanzten wir an einem Nachmittag zwei unserer wo/men tango acts. Encuentro gab gewissermaßen schon das Motto vor, denn wir bezeichnen diesen act als Hommage an die Langsamkeit, herausgefallen aus Zeit und Raum! Und auch wenn wir die Ballade für zwei Verrückte als bunt und frech, voller Spaß und Überraschungen beschreiben, so haben wir sie in dieser Straßenkunstsaison ruhiger, tiefer und noch magischer interpretiert.

An einem strahlend schönen Herbsttag war die Stimmung bei diesem Volksfest fröhlich und entspannt, wir tanzten jeden act dreimal und hatten ein begeistertes Publikum. Gleich nach dem ersten Auftritt mit Encuentro kam es, wie so oft bei Auftritten auf der Straße, zu einer schönen Begegnung: eine Frau kam auf uns zu und meinte, sie habe schon seit Jahren einen Vintage-Lederkoffer, der genau für dieses Stück passen würde und den sie uns schenken möchte! Sie gab uns ihre Adresse und bei unserer Abreise am nächsten Tag fuhren wir in Ulm bei ihr vorbei und nahmen tatsächlich einen alten Lederkoffer mit auf die Reise. Einmal mehr erlebten wir die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen in und um Ulm, die wir auch bei den Auftritten im Vorjahr so schätzten. Wer weiß, vielleicht waren wir nicht das letzte Mal dort?

Von Ulm aus machten wir uns nicht direkt auf den Weg nach Hause, sondern wieder einmal wurde aus einem Arbeitstermin ein kleiner Urlaub. Wir fuhren über den Fernpass nach Tirol und weiter ins Oberinntal, denn ich wollte die Gelegenheit nutzen und in jenes Dorf im Tiroler Oberland fahren, aus dem meine Großeltern im Jahr 1938 ausgewandert und nach Graz gezogen sind. Durch das Torhaus betraten wir Pfunds und spazierten durch die Gassen. Jenes Haus, in dem heute das Heimatmuseum zu finden ist, ist das Geburtshaus meiner Großmutter und auch das Elternhaus meines Großvaters, etwas außerhalb des Dorfes, haben wir gefunden. Es war schön, an diesen Ort zu kommen und meiner Geschichte ein wenig nachzuspüren.

 

Über den Reschenpass kamen wir nach Südtirol und machten gleich mal einen ersten Stopp, um einen Espresso zu genießen und in Bella Italia anzukommen.

Der Kaffee war köstlich, aber das mit Italien ist in Südtirol ja bekanntlich nicht so einfach. Ist das jetzt Tirol oder Italien? In den drei Tagen, die wir in Meran verbrachten, sind wir eigentlich ständig hin- und hergewechselt: in den Sprachen ebenso wie beim Essen und Trinken – mittags eine südtiroler Merende mit Speck und Apfelmost, abends italienische Küche vom Feinsten mit einem köstlichen Wein. Nur wenn es um die Vergangenheit geht, führen die Spuren eindeutig nach Tirol und Österreich. Und es sind zwei Frauen, die die Geschicke Merans stark geprägt haben: Gräfin Margarethe Maultasch, die von hier aus Tirol regiert hat und Kaiserin Elisabeth, die mit ihren langen Aufenthalten in Meran, der guten Luft und des milden Klimas wegen, den Grundstein für die Kurtradition der Stadt gelegt hat. So spazierten wir abwechselnd durch die mittelalterlichen Laubengassen und flanierten auf der Kurpromenade am Fluss. Das Kurhaus und die Wandelhalle lassen tatsächlich den Flair des Fin de siècle lebendig werden, als Meran von Adeligen und Reichen aus ganz Europa besucht wurde und zu den beliebtesten Kurorten der Habsburgermonarchie zählte.

Aber nicht nur als Kurstadt hat Meran viel zu bieten – mitten in der Südtiroler Bergwelt kommen die Urlauber*innen heute zum Wandern, Radfahren und Bergsteigen. Wir sind es piano angegangen und haben keinen Gipfel bestiegen, sondern eine wunderschöne Wanderung an einem der Waalwege gemacht. Diese Wege verlaufen entlang alter Kanäle, die das Wasser von den Flüssen ableiten, um die Obst- und Weingärten zu bewässern. Am Wasser entlang zu gehen war ein Genuss, das Plätschern begleitet die Schritte, die Gedanken fliegen dahin und der Kopf wird frei.

Nach drei Tagen setzten wir unsere Reise und damit unsere ausgedehnte Heimfahrt fort. Unser nächstes Ziel war das Meer – und der schönste Weg dorthin führte uns durch die Dolomiten. Vielleicht lasse ich hier einfach die Bilder sprechen …

Auch am Meer haben wir einen geschichtsträchtigen Ort ausgewählt: Grado, mit seiner verwinkelten Altstadt und dem altem Hafen. Von der Zeit, als Grado ein berühmtes Seebad des österreichischen Küstenlandes und somit auch ein K&K Kurort war, ist fast nichts mehr zu sehen und die Gebäude der letzten Jahrzehnte sind leider nicht besonders schön. Warum also zieht es uns dorthin? Urlauben heißt für uns gehen – in diesem Fall ein mehrstündiger Spaziergang am Strand, direkt am Meer und mit salziger Luft in der Nase – und köstliches Essen genießen. Und dafür ist Grado bekannt!

Dass an diesem Wochenende dann auch noch das Festival Mare nostrum stattfand, bei dem die Kultur und die Genüsse jener Zeit, als Grado eine Insel der Fischer*innen war, zelebriert wurde, war ein glücklicher Zufall. Beim Schlendern durch die Gassen gab es köstliche Häppchen hier und dort, wir sahen eine Ausstellung mit faszinierenden Fotos einer alten Fischerin und nach einem genüsslichen Abendessen spazierten wir nochmals zum Hafen und auf der Uferpromenade. Wunderbar – und immer schön piano!

Sigrid

 

Bilder einer Ausstellung

Bilder einer Ausstellung

Bevor wir demnächst für unsere letzten Auftritte dieser Saison nach Deutschland aufbrechen, möchte ich noch von einem Event dieses Sommers berichten: der Ausstellung „Tango“ im Rahmen der Tangowoche im Künstlerdorf Neumarkt a. d. Raab.

Die Künstlerin Renate Mehlmauer, die die Bilder gestaltete, ist selbst Tangotänzerin. Nach der Teilnahme am Tangokurs im Vorjahr, hatte sie die Idee, für dieses Jahr Bilder als Inspiration zum Tanzen zu schaffen. Ein spannender Schaffensprozess begann: Am Anfang war also das Tanzen, das einen inneren Prozess ausgelöst hat. Dann die Idee, dann das Forschen. Renate hat sich Fotos und Videos angesehen, hat uns beim Tanzen fotografiert und mit diesen Fotos experimentiert, hat das Wort selbst erforscht. Sie sagt, TAN ist für sie wie ein Code, und GO die Übung. Dass die zweite Silbe GO auf fast allen Bildern zu finden ist, ist kein Zufall. Denn das englische Wort GO – GEHEN ist die Basis des Tangotanzens und immer auch ein wesentlicher Teil unserer Tangokurse.
Auf einem Bild sticht ein Wort, das man nicht gleich mit Tango assoziiert, besonders ins Auge – SOLO! Das spanische Wort für einzig, allein. In unseren Kursen wird nämlich nicht nur im Paar, sondern auch solo getanzt, jede und jeder tanzt für sich. So sind in zwei Bildern „der Tangomoment eines ganz persönlichen Lebenstanzes“ zu sehen.
Wenn wir das Wort Tango hören, löst das, denke ich, in allen von uns Bilder, Assoziationen aus. Für Renate haben sich im Erleben, Auseinandersetzen und Tun zwei Worte herauskristallisiert, die für sie den Tango ausmachen: Leidenschaft und Disziplin. So sind Bilder entstanden, die wohl nicht den gängigen Tangoklischees entsprechen und deshalb zu einer Auseinandersetzung einladen.

Wir beide haben uns von den Bildern zu einer Performance inspirieren lassen. Die bunten Malereien auf transparentem Plexiglas gaben den Raum vor, den wir dann tanzend erforschten. Zuerst jede solo, präsent und bei sich, dann verschmelzend im Tanz als Paar, um am Schluss wieder in die Ausgangsposition zurück zu kehren, denn letztendlich besteht doch auch das Leben aus diesem Wechsel von Alleinsein und in Beziehung treten.

„Tango und Malerei stehen zueinander im Einklang“ lautete die treffende Überschrift eines Berichtes von diesem Abend in einer Bezirkszeitung. Bildende und darstellende Kunst trafen aufeinander, bereicherten einander, verstärkten einander. Das Überschreiten von Grenzen und disziplinübergreifende Arbeiten führt ja meist zu spannenden Ergebnissen. Und ich denke, dass das Ergebnis unserer Kooperation mit der Künstlerin Renate Mehlmauer gut in die Sommerakademie des Künstlerdorfes passte.

Andrea

 

Vom Aufrichten bis zur Tango-Zeitrechnung

Vom Aufrichten bis zur Tango-Zeitrechnung

Der August war für uns keine Urlaubs- sondern mit zwei Kurswochen eine intensive Arbeitszeit. Den Anfang machte die Tangowoche Vom solo ins Paar im Künstlerdorf Neumarkt hier im Südburgenland. Wir haben das Konzept mit Solo Tango an den Vormittagen, Tango im Paar an den Nachmittagen und an den Abenden die Möglichkeit zum freien Tanzen verfeinert. In diesen Kurswochen gibt es eigentlich nur Tango, Essen, Schlafen und schöne Begegnungen. Danach sind wir ziemlich erschöpft, wir haben viel gegeben und sind erfüllt von all dem, was wir zurückbekommen. Immer wieder erreichen uns nach den Kursen Mails mit Rückmeldungen der Teilnehmer*innen, die uns beglücken und dankbar machen. In diesem Blogartikel möchte ich sie – anonym – zu Wort kommen lassen.

… Ich wollte mich nochmals bei euch bedanken, ich habe auch im Nachhinein bemerkt, wie gut dieses tägliche Tangosolo-Training war, es hat sich einfach in den Körper eingeschrieben und dann läuft es auf der Milonga im Paar natürlich viel besser. Ich habe mir jetzt angewöhnt, in der Wohnung auch mal zwischendrin ein bisschen Tangosolo zu machen! 

… Ich habe das Gefühl, ihr habt in den Tagen echt alles gegeben. Das hat nicht nur mit Tanz-Haltung zu tun, sondern mit euren Persönlichkeiten. So engagiert, wie ihr unterrichtet, aber auch als einzelne Frauen und als Paar präsent seid, ist sehr besonders.

Die meisten Feedbacks betreffen Solo Tango – nicht nur nach der Solo Tango Sommerwoche, die es heuer zum zweiten Mal in der GEA Akademie im Waldviertel gab, sondern auch nach vielen anderen Workshops. Das Gehen und die aufrechte Haltung werden hier immer wieder genannt:

… Ich vermisse das morgendliche Gehen – welche hätte das gedacht!  Gehen und sonst nichts tun.  Das hat mir sooo gut getan!

Tangoschritte erden — das brauche ich 😉

… Eigentlich hatte ich ja nicht damit gerechnet, dass mir das Tanzseminar so zusagen wird! Mittlerweile verstehe ich auch, dass ihr den Tag gleich mit ein paar Tangos beginnt. Hatte ja selber schon am vorletzten und letzten Seminartag nach dem Aufwachen Tangomusik im Kopf. Als ich aber am Samstag im Supermarkt den Einkaufswagen im Tangoschritt geschoben habe, überlegte ich mir schon, ob ich mich davon nicht wieder „entwöhnen“ sollte!?😄

Auch heute noch, eben auf der Hunderunde, bewege ich mich im Tangoschritt.

… TANGO hilft dabei den Weg zu gehen. Ganz im Hintergrund wirkend.
Ich werde es bewusst einsetzen für mich
IM EIGENEN TEMPO
MIT ERHOBENEM HAUPT
MIT DER MÖGLICHKEIT ZUR FREIEN ERNTSCHEIDUNG

Ich habe gelernt, Haltung zu bewahren und gehe jetzt aufrechter und traue mich mehr aufzuschauen, das habe ich in der jetzigen Lebensphase gebraucht!

… Euer Workshop war mehr für mich als „nur“ tanzen, es war auch Inspiration für eine neue Körper- und vermutlich auch Lebenshaltung!

Vorerst schreite ich nur mit erhobenem Haupte vom Arbeitsplatz zum Drucker und wieder zurück, aber ich studiere schon den Tangokalender!

Dass wir mit Solo Tango vielen Menschen erstmals das Tangotanzen eröffnen, freut uns jedes Mal ganz besonders. Einige betonen das dann auch in ihren Rückmeldungen:

… Mit dem Solo Tango habt ihr einen Raum kreiert, der etwas Einzigartiges ermöglicht: Tanzen. Ich muss nicht warten, bis ich eine Tanzpartnerin habe – ich tanze, also bin ich.

… Habe heute schon intensiv an euch und Tango gedacht, da in Ö1 zwischen 17.30 und 18 Uhr Tangomusik aus Finnland und Buenos Aires. Habe kurz das Einkochen unterbrochen, um zu tanzen :-).

… Ich bin sehr dankbar für den Ort in mir, den ich wiederfinden durfte, wo es tanzt. Es ist kein unbekannter Ort, und doch ein Ort, den ich nicht kannte. Als ob etwas in mir sich erinnert und heimgekehrt ist, obwohl ich nicht wusste, dass ich fort war. Eine tiefe Berührung.

Und wenn die Teilnehmer*innen am Ende einer Kurswoche nach dem Termin für das nächste Jahr fragen, dann wissen wir, dass die Woche gut war. Dass es aber sogar eine Tango-Zeitrechnung gibt hat uns dann doch überrascht:

… Vielen Dank für den Termin für 2020 – eigentlich plane ich nicht so früh im Voraus, aber der Tango ist fix! So geht mein Jahr von Tango zu Tango (August zu August). Auch eine Zeitrechnung!

Also dann, auf ein – weiteres – gemeinsames Tanzen!
Sigrid

 

Anmerkung:
Herzlichen Dank an euch alle, die ihr diese Rückmeldungen geschrieben und euch beim Lesen wiedererkannt habt!

Wien im Tanzfieber

Wien im Tanzfieber

Jedes Jahr im Sommer wird Wien zu einer großen Bühne für den zeitgenössischen Tanz, wenn IMPULSTANZ zu Aufführungen, Performances, Workshops, Ausstellungen, … lädt. Und wir haben die Gelegenheit genutzt, nach unserem Sommerfrischeaufenthalt im Ötschergebiet nicht direkt, sondern über Wien heim zu reisen. Denn dieses Jahr gab es im Rahmen des oben genannten Festivals eine ganz besondere Vorstellung: die Compagnie von Pina Bausch spielte deren Stück Masurca Fogo als österreichische Erstaufführung am Burgtheater. Das mussten wir sehen!

Schon lange interessierten wir uns für die deutsche Tänzerin und Choreografin Pina Bausch. Sie übernahm 1973 als 33Jährige in Wuppertal das Tanzensemble der Ballettsparte und nannte es sehr bald in Tanztheater um. Ihr Ziel war, Tanz und Theater miteinander zu verbinden. Sie fügte Sprache, Schauspiel, Gesang und später Einflüsse aus der Kunst der ganzen Welt hinzu. Dadurch entwickelte sie eine neue Tanzsprache und wurde zu einer der bedeutendsten Choreografinnen der Gegenwart.  Insgesamt schuf sie 44 Stücke. In diesen steht stets der Mensch mit seinen Hoffnungen, Zweifeln, Ängsten und Freuden im Mittelpunkt. Über Fragen an die Tänzer*innen näherte sich Pina Bausch ihren Themen, jede*r brachte die eigene Persönlichkeit ein und so wurden die Stücke gemeinsam erarbeitet.
Die Compagnie wurde als Tanztheater Wuppertal weltberühmt und gab auf allen Kontinenten Gastspiele. Als Pina Bausch 2009 plötzlich starb, war das für das gesamte Ensemble ein Schock. Im Film Pina von Wim Wenders, der erst nach ihrem Tod entstand, kommen die einzelnen Mitglieder zu Wort und sprechen über ihre Beziehung zu Pina Bausch bzw. tanzen noch einmal für sie, lassen ihr Leben und Werk hochleben. Für alle, die Tanzfilme lieben, sehr zu empfehlen! Das Ensemble blieb weiter bestehen und zehn Jahre nach dem Tod der Gründerin zählt ein Großteil ihrer Werke noch immer zum Repertoire der Compagnie, die das Erbe pflegt und es mit großer Leidenschaft und Sorgfalt für kommende Generationen erhält.

Und so kamen wir in den Genuss Masurca Fogo zu sehen. In diesem Werk paaren sich südliche Atmosphäre und pure Lebensfreude mit großartiger Musik. Von Jazz und Pop – auch Songs von k.d.lang – über Fado bis zu afrikanischen Trommeln reicht das musikalische Spektrum. Entstanden ist dieses Stück 1998 in Lissabon. Der portugiesische Alltag, seine Menschen, das Land und die Musik dienten als Inspiration. Jetzt in Wien brachten es 34 Tänzer*innen aus unterschiedlichen Generationen, 11 davon haben noch mit Pina Bausch persönlich gearbeitet, auf die Bühne. Wunderbare Soli wechselten mit humorvollen, farbenprächtigen, den Süden feiernden Szenen ab, etwa wenn in einer improvisierten Hütte am Strand die Paare dicht an dicht ausgelassen tanzen. Alle Sinne sind angesprochen, wenn mit Essen, Trinken, Planschen und innigem Tanzen das Leben gefeiert wird – rauschend wie ein portugiesisches Fest. Beim Zusehen packt es eine*n, dieses Fieber, von dem es gut ist, wenn es ansteckend ist. Denn wie sagte doch Pina Bausch: „Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren!“

Für alle, die sich also noch dem Tanz hingeben wollen, das Festival geht noch bis 11. August, auch wenn dieses Stück nicht mehr gespielt wird.
Und selber tanzen ist sowieso immer angesagt, egal in welcher Form!

Andrea

Filmtipp: Pina, Wim Wenders, Deutschland 2011

 

Schön ist’s in Schöneberg!

Schön ist’s in Schöneberg!

Wieder einmal sind wir in Berlin! Und wieder lernen wir einen anderen Stadtteil neu und intensiv kennen. Natürlich waren wir schon häufig in Schöneberg, aber so richtig vertraut werden wir auf unseren Reisen mit jenem Teil einer Stadt, in dem wir wohnen, in dem wir die täglichen Wege gehen, in dem wir zu unterschiedlichen Tageszeiten unterwegs sind. Und jetzt im Mai waren wir in der Flanierstraße von Schöneberg, der Akazienstraße, genau richtig und so lasse ich gleich mal einige Bilder sprechen – den wunderbaren Blütenduft konnten wir damit leider nicht einfangen.

Um Schöneberg zu beschreiben, hab ich diesmal jene Menschen befragt, die in der Akazienstraße und den anderen kleinen Straßen in diesem Kiez leben und arbeiten. „Was ist schön an Schöneberg?“, nicht für uns als Besucherinnen, sondern für die Berlinerinnen und Berliner. Der junge Kellner in einem der vielen, netten Cafés, meinte: Ich bin hier aufgewachsen und hier kennt jeder jeden. Wir haben uns am Spielplatz im Park zum Fußballspielen getroffen. Man brauchte kein Telefon, sondern hat einfach geklingelt. In Schöneberg ist es wie in einem Dorf. Er bezeichnete sich übrigens als Halb-Türke und Halb-Italiener und fühlt sich als Berliner.

Als nächstes befragte ich den Besitzer eines winzig kleinen CD-Ladens. Nachdem wir gestöbert haben und eine CD – klar, mit Tangomusik – gekauft haben, kam ich mit ihm ins Gespräch: Der Kiez hier hat noch viele kleine Geschäfte, bunt gemischt. Manche verschwinden und machen mehr und mehr der Gastronomie Platz, aber es gibt uns noch.  Und auch er sprach von den Parkanlagen: Schön an Schöneberg ist, dass es so grün ist – hier in der Straße mit den Bäumen oder im großen Park hinter dem Rathaus Schöneberg. So machten wir uns auf den Weg zu diesem durchaus geschichtsträchtigen Ort in Berlin. Das heutige Bezirksrathaus war das Rathaus von Westberlin, als die Stadt durch die Mauer geteilt war. Und hier hat John F. Kennedy den berühmten Ausspruch „Ich bin ein Berliner!“ gemacht, mit dem er sich 1963 mit den Menschen in der eingeschlossenen Stadt solidarisierte.

Wenn wir durch eine Stadt flanieren, sind wir immer auf der Suche nach einem Second Hand Laden – und in diesem Kiez fanden wir gleich zwei besonders schöne (klar, wir sind ja in Schöneberg!). Wieder stellte ich meine Frage und die Verkäuferin meinte: Das Schöne hier ist die Vielfalt an kleinen, inhabergeführten Geschäften. Wir haben hier keine großen Ketten, die halten sich hier auch nicht – an der Ecke gab es mal ein Starbucks, das hat nach zwei Jahren wieder zugesperrt. Die Leute wollen das hier gar nicht. Der Laden nennt sich übrigens „Erst meins, dann deins“ –  und auch wir haben ein schönes Stück gefunden, das unseres geworden ist.

Eine andere, bunte Straße in diesem Kiez ist die Crellestraße. Auch hier gibt es kleine Geschäfte, nette Lokale und das Büro von WomenFairTravel. Bei jedem Berlinaufenthalt kommen wir an diesen kleinen, gemütlichen Frauenort, an dem neben all den anderen Reiseangeboten unsere Tangoreisen für Frauen organisiert werden. Evelyn Bader, die Gründerin und Geschäftsführerin von WomenFairTravel, und ihre Mitarbeiterin Rita haben uns herzlich empfangen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen besprachen wir unsere nächste Tangoreise im Herbst an die Elbe, visionierten mögliche Reiseorte für das nächste Jahr und wussten einmal mehr, warum wir diese Kooperation so sehr schätzen – von Frauen mit Frauen, fair auf allen Ebenen hat das Reisen eine besondere Qualität! Bevor wir uns verabschiedeten, wollte ich auch von Evelyn wissen, was schön ist an Schöneberg: Es ist schön, in so einer Straße zu arbeiten. An dem kleinen Platz vor unserem Büro plantschen im Sommer die Kinder im Brunnen, die Eltern oder Großeltern sitzen nebenan im Café. Es ist hier so vielfältig und bunt, es gibt soziale Projekte, mehrere Kitas (Kindergärten), viele Künstlerinnen und Künstler leben hier, am Samstag gibt es das Crellechorfest. Diese Straße ist wie ein Dorf in der Großstadt.

Bunt und vielfältig,  – das ist es also, was Schöneberg ausmacht! So ist es auch nicht erstaunlich, dass der Regenbogen so ganz selbstverständlich ist in diesem Stadtteil. Und dass ein Ort der Toleranz und Vielfalt lebenswert ist, bestätigt sich hier auch erneut. So freuen wir uns schon jetzt auf unseren nächsten Besuch in Schöneberg!

Sigrid