Schön ist’s in Schöneberg!

Schön ist’s in Schöneberg!

Wieder einmal sind wir in Berlin! Und wieder lernen wir einen anderen Stadtteil neu und intensiv kennen. Natürlich waren wir schon häufig in Schöneberg, aber so richtig vertraut werden wir auf unseren Reisen mit jenem Teil einer Stadt, in dem wir wohnen, in dem wir die täglichen Wege gehen, in dem wir zu unterschiedlichen Tageszeiten unterwegs sind. Und jetzt im Mai waren wir in der Flanierstraße von Schöneberg, der Akazienstraße, genau richtig und so lasse ich gleich mal einige Bilder sprechen – den wunderbaren Blütenduft konnten wir damit leider nicht einfangen.

Um Schöneberg zu beschreiben, hab ich diesmal jene Menschen befragt, die in der Akazienstraße und den anderen kleinen Straßen in diesem Kiez leben und arbeiten. „Was ist schön an Schöneberg?“, nicht für uns als Besucherinnen, sondern für die Berlinerinnen und Berliner. Der junge Kellner in einem der vielen, netten Cafés, meinte: Ich bin hier aufgewachsen und hier kennt jeder jeden. Wir haben uns am Spielplatz im Park zum Fußballspielen getroffen. Man brauchte kein Telefon, sondern hat einfach geklingelt. In Schöneberg ist es wie in einem Dorf. Er bezeichnete sich übrigens als Halb-Türke und Halb-Italiener und fühlt sich als Berliner.

Als nächstes befragte ich den Besitzer eines winzig kleinen CD-Ladens. Nachdem wir gestöbert haben und eine CD – klar, mit Tangomusik – gekauft haben, kam ich mit ihm ins Gespräch: Der Kiez hier hat noch viele kleine Geschäfte, bunt gemischt. Manche verschwinden und machen mehr und mehr der Gastronomie Platz, aber es gibt uns noch.  Und auch er sprach von den Parkanlagen: Schön an Schöneberg ist, dass es so grün ist – hier in der Straße mit den Bäumen oder im großen Park hinter dem Rathaus Schöneberg. So machten wir uns auf den Weg zu diesem durchaus geschichtsträchtigen Ort in Berlin. Das heutige Bezirksrathaus war das Rathaus von Westberlin, als die Stadt durch die Mauer geteilt war. Und hier hat John F. Kennedy den berühmten Ausspruch „Ich bin ein Berliner!“ gemacht, mit dem er sich 1963 mit den Menschen in der eingeschlossenen Stadt solidarisierte.

Wenn wir durch eine Stadt flanieren, sind wir immer auf der Suche nach einem Second Hand Laden – und in diesem Kiez fanden wir gleich zwei besonders schöne (klar, wir sind ja in Schöneberg!). Wieder stellte ich meine Frage und die Verkäuferin meinte: Das Schöne hier ist die Vielfalt an kleinen, inhabergeführten Geschäften. Wir haben hier keine großen Ketten, die halten sich hier auch nicht – an der Ecke gab es mal ein Starbucks, das hat nach zwei Jahren wieder zugesperrt. Die Leute wollen das hier gar nicht. Der Laden nennt sich übrigens „Erst meins, dann deins“ –  und auch wir haben ein schönes Stück gefunden, das unseres geworden ist.

Eine andere, bunte Straße in diesem Kiez ist die Crellestraße. Auch hier gibt es kleine Geschäfte, nette Lokale und das Büro von WomenFairTravel. Bei jedem Berlinaufenthalt kommen wir an diesen kleinen, gemütlichen Frauenort, an dem neben all den anderen Reiseangeboten unsere Tangoreisen für Frauen organisiert werden. Evelyn Bader, die Gründerin und Geschäftsführerin von WomenFairTravel, und ihre Mitarbeiterin Rita haben uns herzlich empfangen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen besprachen wir unsere nächste Tangoreise im Herbst an die Elbe, visionierten mögliche Reiseorte für das nächste Jahr und wussten einmal mehr, warum wir diese Kooperation so sehr schätzen – von Frauen mit Frauen, fair auf allen Ebenen hat das Reisen eine besondere Qualität! Bevor wir uns verabschiedeten, wollte ich auch von Evelyn wissen, was schön ist an Schöneberg: Es ist schön, in so einer Straße zu arbeiten. An dem kleinen Platz vor unserem Büro plantschen im Sommer die Kinder im Brunnen, die Eltern oder Großeltern sitzen nebenan im Café. Es ist hier so vielfältig und bunt, es gibt soziale Projekte, mehrere Kitas (Kindergärten), viele Künstlerinnen und Künstler leben hier, am Samstag gibt es das Crellechorfest. Diese Straße ist wie ein Dorf in der Großstadt.

Bunt und vielfältig,  – das ist es also, was Schöneberg ausmacht! So ist es auch nicht erstaunlich, dass der Regenbogen so ganz selbstverständlich ist in diesem Stadtteil. Und dass ein Ort der Toleranz und Vielfalt lebenswert ist, bestätigt sich hier auch erneut. So freuen wir uns schon jetzt auf unseren nächsten Besuch in Schöneberg!

Sigrid

 

Mascarada

Mascarada

… ist der Titel unseres neuen women tango acts, der am Samstag beim evangelischen Frühlingsball in Wien seine Premiere hatte. Interessant ist, dass sich die Entstehung dieses Stückes einfach ergeben hat, ohne als Vorhaben für den vergangenen Winter geplant gewesen zu sein. Den ersten Anstoß dazu hatten wir letzten Herbst, als wir ein paar Tage in Venedig verbrachten. Dort begegnen einer, auch wenn nicht gerade Karnevalszeit ist, auf Schritt und Tritt Masken, die einfach faszinieren. Und wir erinnerten uns, dass wir venezianische Masken besitzen, die wir vor langer Zeit erstanden, aber erst einmal getragen hatten. Die Idee, diese für eine Tango-Tanzgeschichte zu verwenden, tauchte auf. Als wir dann bald darauf Überlegungen für unsere Tanzvorführung zu Silvester anstellten, war sie gleich wieder da, diese Idee. So probierten wir einmal, wie es sich mit Masken tanzt. Anfangs sehr ungewohnt durch das eingeschränkte Gesichtsfeld und die offenere Tanzhaltung, wurde es aber schnell zu einem faszinierenden Spiel, das uns nicht mehr losließ. Zwei Bücher, die uns in die Hände fielen, eines über Tänzerinnen der Moderne, in dem von Mary Wigman erzählt wird, die in ihrem Tanz Masken einsetzte, das zweite ein Roman, in dem von einer Frau erzählt wird, die im Laufe ihres Lebens zu einer Meisterin der Maskerade wird, lieferten dann den entsprechenden Hintergrund. Und die Trainingswoche, die wir uns im Februar im Gleichenbergerhof gönnten, gab uns die Zeit, um dranbleiben zu können und die Tanzgeschichte reifen zu lassen.

Man könnte also sagen dieses Stück fiel uns einfach zu und wir konnten gar nicht anders, als es umzusetzen. Mascarada wagt es, unsere alltäglichen Maskeraden zu hinterfragen und tanzend zu erforschen, ob wir den Blick hinter die Masken riskieren können.
Ein wo/men tango act als geheimnisvolles und tiefgründiges Maskenspiel – einfach verzaubernd!

Mit diesen Worten beschreiben wir es ganz kurz. Und mit der entsprechenden Musik von Mercedes Simone und den Kostümen, entworfen von Michaela Eckhardt, entführen wir auch in die 1930er Jahre.

Die Beschreibung der Ballnacht, in der nicht nur die Premiere von Mascarada stattfand, sondern auch ein Tango Argentino Schnupperworkshop, den wir geleitet haben, überlasse ich  der Öffentlichkeitsreferentin Martina Schomaker:

Knapp 400 Ball-Begeisterte haben am Samstag, 11. Mai 2019, gemeinsam den traditionellen „Evangelischen Frühlingsball“ gefeiert. … Der Tango-Schnupper-Workshop mit dem Duo AdanzaS sprengte gar die Bijou Bar. Es kamen so viele Neugierige für die halbe Stunde zusammen, dass kurzer Hand im Foyer des Parkhotels der Tango Argentino ausprobiert wurde. „Tango ist Improvisation“, sagte Andrea Tieber vom Duo AdanzaS und Partnerin Sigrid Mark ergänzte: „Wir freuen uns sehr über das große Interesse!“ Die beiden gaben als Mitternachtseinlage vor der Quadrille eine fantastisch arrangierte Tango Argentino-Performance.

Folgendes Video eines Ballgastes zeigt den ersten Tanz von Mascarada bei dieser Premiere:

Die Premiere eines neuen Stückes ist für uns immer aufregend. Diesmal nicht auf der Straße, sondern im wunderschönen Ballsaal des Parkhotels Schönbrunn zu tanzen, war ein ganz besonderes Gefühl!

Andrea

© Fotos: Martina Schomaker, Evangelische Kirche A.B.
© Video: Franz Pfluegl, www.fotograf.at