Spätherbst an der Kvarner Bucht

Spätherbst an der Kvarner Bucht

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich am Balkon unseres Zimmers im Hotel Miramar und blicke immer wieder hinaus auf die Kvarner Bucht. Vor mir liegt das glitzernde Meer, die tiefstehende Sonne zaubert um diese Jahreszeit eine ganz neue, ungewöhnliche Atmosphäre aufs Wasser. Eine leichte Brise lässt die Wellen tanzen und sorgt so gemeinsam mit der Sonne für eine stetig wechselnde Choreographie. Dahinter heben sich die Inseln Cres und Krk ab, liegen scheinbar verlassen im Meer, denn durch die tiefstehende Gegensonne sind keine Einzelheiten, sondern nur ihre Umrisse auszumachen. Noch weiter am Horizont sind die schneebedeckten Berge zu sehen und der Blick reicht bis hinunter zum Velebit Gebirge. Am Morgen war der Wind, der von diesen Schneebergen her kam, noch frisch. Jetzt, zur Mittagszeit, ist er angenehm und kühlend, denn mit einer der Jahreszeit angepassten, wärmeren Hose und einem Pullover ist es hier an diesem Sonnenplätzchen richtig  warm.

Soeben sind wir von einem Spaziergang durch Opatija zurückgekehrt. Das kleine Städtchen im Nordwesten der Kvarner Bucht mit seinen 13.000 Einwohnern ist zur Ruhe gekommen. Nach einer langen Sommersaison, in der vor allem im Juli und August die Straßen, Strände und Bars ziemlich überfüllt sind, scheint es nun wieder zu sich selbst zu finden. Am Lungomare, dem Spazierweg direkt am Meer, begegnen uns fast nur Einheimische, alle im Wintermantel oder mit einer Daunenjacke, manche beim gemütlichen Flanieren, manche auf der täglichen Runde mit ihrem Hund, andere beim Joggen oder gemütlich auf einer Bank sitzend. Alles geht hier langsam von statten, und auch die wenigen TouristInnen, die jetzt hierher kommen, scheinen sich diesem Tempo anzupassen. Ein Kaffee oder ein Aperitif auf der Sonnenterrasse des Cafe Wagner, ein kleiner Tratsch, für alles scheint Zeit zu sein. Mir fällt dabei ein Liedtext von Reinhard Mey ein, in dem er zwar eine Seebad an der Ostsee besingt, der aber auch hier an der Kvarner Bucht im Spätherbst voll und ganz zutrifft:

Ich liebe das Ende der Saison!

Die Tage werden kürzer und die Schatten werden länger..
Im Kurhaussaal rücken sie die Tische enger
Und heizen manchmal schon den vord‘ren Raum.
Der heißumkämpfte Tisch, den nur die Halbgötter bekamen,
Ist nicht mehr heißumkämpft und plötzlich frei.
Und dein Gesicht hat endlich für den Kellner einen Namen,
Du bist auf einmal wichtig und nicht nur Tisch Nummer drei!

An den verwaisten Fahnenmasten klopfen lose Leinen
Und irgendwo dort drüben schlägt ein Gartentor im Wind.
Wie all diese Geräusche deutlicher und lauter scheinen,
Wenn erst die lauten Stimmen der Saison verklungen sind!

Der Kiosk und das Eiscafé machen nach und nach dicht.
Zittern glitzernde Tautropfen im späten Sonnenlicht.
Wenn jetzt die Sonne scheint, dann ist das nicht mehr selbstverständlich,
Und du nimmst jeden Strahl einzeln und dankbar hin.
Nichts ist mehr so wie‘s war, und du kannst spür‘n: Alles ist endlich.

Ich liebe das Ende der Saison!

(Reinhard Mey, Text gekürzt)

Für das heutige Opatija ist Ende November wirklich die Sommersaison zu Ende, denn die Zeit, als Adelige und BürgerInnen aus Mitteleuropa hier den Winter verbrachten, ist längst vorbei. Gerade noch für Weihnachten oder Silvester öffnen einige wenige Hotels, darunter auch das Hotel Miramar, dann ist endgültig alles für die Winterpause geschlossen. Für die Menschen, die hier leben, ist das wohl gut so, denn nun haben sie ihre Stadt am Meer wieder für sich. Im Café um die Ecke treffen sich wieder alte Bekannte, die Einkaufsstraße erstickt nicht mehr im Verkehrsstau und in der alten Markthalle bieten die Frauen die herbstliche Ernte an – Spinat, winzig kleiner Radicchio, Kohl und Kraut, Nüsse, Kaki und getrocknete, kleine Feigen, die an den Sommer erinnern.

Wir haben Opatija nun schon zu den verschiedensten Jahreszeiten bereist – im April und Mai, im Juli und nun zum zweiten Mal Ende November. Es ist spannend einen Ort immer wieder anders zu erleben und jedes Mal haben wir dieses Plätzchen an der Kvarner Bucht genossen. Aber, eines ist mir heute klar geworden: Ich liebe Opatija am Ende der Saison!

Sigrid

 

Tango Argentino – ein Lebensstil!

Tango Argentino – ein Lebensstil!

 Eine Art zu gehen, eine Art zu sein, eine Haltung, ein Gefühl.

Diese Aussagen beschreiben sehr gut, dass Tango Argentino mehr ist als ein Tanz.  Je intensiver wir uns mit diesem Tanz auseinander setzen, umso mehr wird uns bewusst, wie sehr er auf unser Leben einwirkt, in die Tiefe geht und Lebenseinstellungen verändert. Was meine ich genau damit?

Nun, zum einen ist es die Körperhaltung, die sich verändert hat. Ich bemerke es nicht nur selbst, sondern bekomme es auch als Rückmeldung sowohl von „alten“ Freundinnen als auch von Menschen, denen ich zum ersten Mal begegne. Ich hatte noch vor vier Jahren eine sehr schlechte Körperhaltung mit hängenden Schultern und nach vorne geneigtem Kopf, dadurch auch immer wieder Verspannungen und Schulterschmerzen. Langsam, aber sicher, hat sich mit intensivem Tangotanzen in diesen vier Jahren meine Körperhaltung in eine aufrechte Haltung verwandelt und die Beschwerden sind verschwunden. Es hat sich überhaupt meine Körperwahrnehmung verändert, ich nehme meine Bewegungen bewusster wahr, wozu mein Körper fähig ist und wozu nicht, wie ich dastehe, wie ich gehe, usw. Diese Wahrnehmungen wirken in die Tiefe und führen in Folge auch zu einer anderen Lebenshaltung (Wie gehe ich durchs Leben?). Mit der Erkenntnis, dass die Lebenshaltung wiederum die Körperhaltung beeinflusst, schließt sich der Kreis.
In unseren Solo Tango-Workshops legen wir auch großen Wert darauf, Körperwahrnehmung zu schulen und auf die Haltung zu achten. Und Rückmeldungen, wie diese, zeigen, was es bewirkt: Ich habe gelernt, Haltung zu bewahren und gehe jetzt aufrechter und traue mich mehr aufzuschauen, das habe ich (vor allem in der jetzigen Lebensphase) gebraucht!

Eine weitere Lebenseinstellung, die sich durch das Tangotanzen verändert hat, betrifft das Wahrnehmen von Zeit. Hatte ich früher oft das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben bzw. gestresst zu sein, so habe ich dieses Gefühl jetzt nur noch ganz selten. Tango ist Entschleunigung! Ein wesentliches Grundelement des Tangotanzens ist das Gehen, ein Gehen im Rhythmus der Musik. Einen Fuß vor den anderen setzen, nichts überstürzen, sich nicht hetzen, nicht drängen lassen. Schritt für Schritt vorgehen und jeden Schritt genießen. Nicht zu weit vordenken. Die Vorhaben ohne Eile angehen, die Geschwindigkeit auf mein eigenes Maß reduzieren. So wird im Buch Tango macht glücklich von Susanne Köb beschrieben, was Schritte setzen im Tango bedeutet. Aber nicht nur die Schritte, auch viele andere Bewegungen kann man im Tango bewusst langsam ausführen, sozusagen Langsamkeit zelebrieren. Mir liegt das besonders, da ich ein eher langsamer Typ bin, es entspricht meinem Lebenstempo. Und gleichzeitig kann ich aber auch Schnelligkeit trainieren, denn damit ein Tanz interessant wird, braucht es beides, Verzögerung und Beschleunigung, langsam-zelebrierte Schritte im Wechsel mit blitzschnell ausgeführten Überraschungseffekten. Je mehr ich das übe, umso mehr Sicherheit bekomme ich, dass ich schnell sein kann, wenn es darauf ankommt. Und das führt insgesamt zu mehr Gelassenheit in meinem Leben.

Tango Argentino ist ein Ausdruckstanz, kein abstrakter Tanz, deshalb kann er symbolisch für das Leben im Allgemeinen interpretiert werden, heißt es auch im oben genannten Buch. Tangotanzen ermöglicht mir, meine Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Ein kreatives Element des Tangotanzens sind sogenannte Verzierungen, mit denen ich spielen und damit dem Tanz meine ganz persönliche Note geben kann. Diese Verzierungen, wie der Tanz überhaupt, sind immer auch eine Interpretation der Tangomusik. Die Musik transportiert grundlegende Gefühle von Liebe und Würde einerseits, Schmerz und Trauer andererseits. So habe ich die Möglichkeit, meine Emotionen und Gefühle im Tanz auszudrücken und dabei Haltung zu bewahren. Und das sind Konzepte, die ich analog für mein ganzes Dasein sehen kann.

Zum Schluss möchte ich noch eine weitere Teilnehmerin eines unserer Solo Tango-Workshops zu Wort kommen lassen, die uns ihre Conclusio zukommen ließ:

TANGO hilft dabei den Weg zu gehen. Ganz im Hintergrund wirkend.
Ich werde es bewusst einsetzen für mich, noch mehr, gerade die Verzierungen.
AUFRECHT
IM EIGENEN TEMPO
MIT ERHOBENEM HAUPT
MIT DER MÖGLICHKEIT ZUR FREIEN ENTSCHEIDUNG
MIT DER MÖGLICHKEIT DIE ENTSCHEIDUNGSPHASEN MIT VERZIERUNGEN DARZUSTELLEN

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen!

Andrea

 

Verwendete Literatur:
Tango macht glücklich, Susanne Köb, agiledition, Wien 2015

 

Argentinischer Tango im Südburgenland?!

Argentinischer Tango im Südburgenland?!

Im Sommer 2013 war ein Kamerateam mit der ORF-Redakteurin Sabine Lentsch bei uns, um einen Beitrag für die Serie Mein Traumhaus zu gestalten. Wir sollten uns für einen Lieblingsplatz auf unserem Hof entscheiden und sofort war klar, dass dies unser Tanzsaal ist! Das Interview begann dann ebendort mit der Frage: „Argentinischer Tango im Südburgenland?“ Nun, was damals überraschend und unglaublich geklungen hat, ist Realität geworden.

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Tango ausgehend von Buenos Aires auf der ganzen Welt verbreitet. In beinah jeder größeren Stadt gibt es die Möglichkeit, Tango zu tanzen.

Wir leben seit einigen Jahren im Südburgenland und haben hier bei einem Wochenendworkshop im Jahre 2007 unsere ersten Tangoschritte gemacht, denn überraschenderweise war diese ländliche Region kein weißer Fleck auf der Tango-Weltkarte. Als wir den Tango zu unserem Beruf machten, wollten wir dazu beitragen, den Tango hier noch stärker zu verwurzeln und gerade in dieser Woche erleben wir voller Freude, dass uns dies gelungen ist!

Mit dem Workshop SOLO TANGO reisen wir seit mehr als einem Jahr durch Österreich, nach Kroatien und demnächst auch nach Deutschland. Am vergangenen Wochenende gab es den ersten Workshop hier im Südburgenland. Gemeinsam mit der Grazer Yogalehrerin Christine Swoboda gestalteten wir im Hotel Das Eisenberg YOGA &/oder TANGO. Die Kombination von Yoga und Tango ist für uns nicht neu, praktizieren wir doch täglich Yoga und erleben es als wunderbaren Ausgleich und als Ergänzung zum Tanz. Christine haben wir als Musikerin kennengelernt, sie spielt das Bandoneon und macht gemeinsam mit einer Grazer Sängerin Tangomusik. Da war sofort klar, dass wir ein gemeinsames Wochenende anbieten wollen, an dem sich unsere Leidenschaften verbinden, Grenzen verschwimmen und Körper, Geist und Seele in Einklang gelangen. Am Ende der Yogaeinheiten führte uns Tango-Livemusik, gespielt am Bandoneon, in die Entspannung. Am freien Tanzabend tanzten Tanzpaare und SolotänzerInnen auf der gleichen Tanzfläche – eine Vision für zukünftige Milongas?

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Das Eisenberg hat den perfekten Rahmen für dieses Wochenende geboten. Bestens umsorgt, kulinarisch-herbstlich verwöhnt, mit Zeit für Wellness oder einem Spaziergang zum Dreiländereck haben die TeilnehmerInnen die Zeit hier im Südburgenland sehr genossen. Und wir hatten unseren ersten Workshop SOLO TANGO quasi vor der Haustür, am nächsten Hügel, fast in Sichtweise von unserem Traumhaus.

In den nächsten Tagen geht es aber gleich mehrfach weiter mit dem Tango im Südburgenland:

Morgen Abend geben wir einer Tangobegeisterten hier in unserer Gemeinde wieder eine Privatstunde. Diese Tango Lessons sind nur ein kleiner, aber überaus schöner Teil unserer Arbeit, bei dem wir Einzelpersonen oder Paaren klassischen Unterricht im Tango als Paartanz geben. Der große Vorteil von Einzelstunden ist, dass wir ganz individuell auf die Wünsche und den jeweiligen Tanzlevel eingehen können und daher rasch Erfolge sichtbar werden, die wiederum Lust aufs Weitertanzen machen.

Neben den Privatstunden gibt es einmal im Monat in Neumarkt an der Raab einen Tango-Übungsabend und der nächste Termin ist gleich am kommenden Sonntag. Diese Abende sind offen für alle Tanzbegeisterten, egal ob sie die ersten Tangoschritte wagen oder schon leidenschaftlich Tango tanzen. Wir begleiten die Tanzenden, sind da bei Fragen, geben Tipps und Hilfestellungen oder zeigen gerne auch neue Schritte. Auch an diesen Abenden ist die Runde meistens nicht sehr groß, ein Übungsabend im Südburgenland wird nicht so rege besucht wie einer in Graz oder Wien. Aber das ist für uns nicht entscheidend. Wir freuen uns, dass es diese Abende schon seit mehreren Jahren gibt und manche dafür extra aus der Weststeiermark, dem Mittelburgenland oder sogar aus Wien anreisen, um im Südburgenland Tango zu tanzen!

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Neben SOLO TANGO und den Tango Lessons sind Auftritte, bei denen wir Tango tanzen ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Und gerade damit hat es hier in der Region am längsten gedauert! Nun, das Südburgenland bietet sich ja wirklich nicht so ganz für Straßenkunst an. Zum zweiten Mal aber wurden wir vom Tanzverein sidestep zu einem Auftritt im Rahmen einer seiner Veranstaltungen eingeladen. Am 11. November feiert St. Martin an der Raab das FESTUM MARTINI NOVUM mit einem vielfältigen Programm. Unter dem Motto „gan(s)z fantastisch“ gibt es ein buntes Abendprogramm mit unterschiedlichsten Tanzperformances. Wir werden dabei unseren wo/men tango act Encuentro tanzen, einen Cross-over-Tango zu Don’t cry form me Argentina aus Evita darbieten und gemeinsam mit anderen Frauen erstmals eine SOLO TANGO – Performance zur Aufführung bringen. So sind wir an diesem Abend gleich dreimal auf der Bühne und damit ist der Argentinische Tango wohl endgültig im Südburgenland angekommen!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs ist wohl zwischen den Zeilen zu lesen und lässt sich auch nicht verheimlichen, dass wir uns darüber sehr freuen und auch ein klein wenig stolz darauf sind. In dieser Woche ist der Tango hier in der Region ganz komprimiert und intensiv zu erleben. Aber das Schönste ist, dass es darüber hinaus noch weitere Kooperationen hier im Südburgenland gibt und es im nächsten Jahr unter anderem bei der Sommerakademie im Künstlerdorf Neumarkt eine ganze Tangowoche geben wird. Aber davon erzählen wir besser ein andermal. Denn, der Tango ist hier nicht nur angekommen, um kurz mal vorbei zu schauen, wir sind uns sicher, dass er sich hier ebenso wohlfühlt wie wir und dass er hier bleiben wird!

Sigrid