Tango around the world

Tango around the world

Diesmal möchte ich zu einer Weltreise auf den Spuren des Tangos einladen, denn er ist heute auf allen Kontinenten zuhause: in trendigen Nachtclubs von Seattle bis Stockholm genauso wie in kultivierten Tanzsälen rund um den Globus.

Seine Verbreitung begann schon ziemlich früh – vor ca. 100 Jahren trat er seine erste Weltreise an. Entstanden am Rio de la Plata, in Buenos Aires und Montevideo, unter den Einflüssen unterschiedlichster Kulturen, gelangte er nach Paris. Er kam schnell in Mode, und ausgehend von Frankreich war bald ganz Europa vom Tangofieber gepackt.

So kam er 1913 nach Finnland und fand dort besonderen Anklang, da sich die Finnen durch den Tango in ihrem Leid unter der russischen Herrschaft verstanden fühlten. Der Tango drückte das aus, worüber zu sprechen unmöglich war. Es entwickelte sich ein eigener Musikstil voller Poesie, Trauer und Tiefe. Wahrscheinlich steht finnischer Tango deshalb öfter in Moll statt in Dur. Die bekanntesten Komponisten sind Toivo Kärki und Unto Mononen, die finnischen Tango zu einer Art Nationalmusik machten. Er ist auch heute noch weit verbreitet und man trifft in Restaurants, Tanzlokalen und im Sommer beim sogenannten „Tanz auf dem Bretterboden“ auf Tangomusik. Tangotanzen gilt als Freizeitvergnügen. Das Seinäjoki Tango Festival, das jeden Sommer stattfindet, zieht BesucherInnen aus aller Welt an. Und es ermöglicht jungen MusikerInnen, die sich dem Tango widmen, bekannt zu werden. 14097480675_888b7bd64c_bSo gibt es z. B. die freche, junge Formation Las chicas del Tango, die eine Brücke zwischen der Welt des finnischen und argentinischen Tangos bauen, indem sie spanische Liedertexte mit Eigenkompositionen kombinieren. Auf ihrer CD Tango de norte a sur vereinigen sich Klassiker des argentinischen und finnischen Tangos mit einem Wirbel von Tango Nuevo im Helsinki-Stil. Sehr zu empfehlen! Jedenfalls ist finnischer Tango, nach dem argentinischen, wohl am meisten bekannt und ausgeprägt. Es gibt sogar Finnen, die behaupten, der Tango sei eigentlich in Finnland entstanden.

4647162978_5cdfa38511_bNun ja, der Tango reiste nicht nur nach Norden sondern auch gegen Osten. Hier entwickelte sich Bukarest, das „Paris des Ostens“ in den 1920er und 1930er Jahren zur Tangometropole. Das elegante und multikulturelle Bukarest der damaligen Zeit war ein Zentrum europäischer Kultur. Rumänische Tangostars wie Jean Moscopol oder Maria Tanase prägten den Bucharest Tango. In den besten Restaurants und Hotels der Stadt mit klingenden Namen wie Lafayette, Lido oder Astoria, konnte man Tangos hören. Nach dem 2. Weltkrieg gerieten sie allerdings vollkommen in Vergessenheit und vor einigen Jahren hat sie nun die rumänische Sängerin Oana Catalina Chitu wieder belebt. Auf ihrer CD Bucharest Tango öffnet sie wieder die Türen zu den Tangos und Liedern des Bukarest jener Zeit. Diese Tangos haben einen ganz besonderen Charme und einige davon gehören zu unseren Lieblingstangos.

6846938318_2504aff84e_oSchon die Wurzeln des Tangos sind ja multikulturell. Unter den Einflüssen afrikanischer, kubanischer und europäischer Musik entstand er und wenn heute auf der ganzen Welt Tangoklassiker interpretiert oder neue Tangos komponiert werden, dann auch meist unter den Einflüssen der jeweiligen Kulturen. Auf der CD Tango around the world kann man dem nachspüren und sich auf musikalische Tangoweltreise begeben. Hier finden sich neben Tangos aus Argentinien auch solche aus Senegal, Finnland, Brasilien, Norwegen, Griechenland, Serbien und Portugal. Tango beeinflusst die Musik rund um den Erdball und umgekehrt.

Ich denke, dass gerade dieses Gemisch der Kulturen, angefangen bei seiner Entstehung bis herauf in die heutige Zeit, die Seele des Tangos ausmachen.

Andrea

 

Winterzeit im Südburgenland

Winterzeit im Südburgenland

Nun, bevor er sich verabschiedet, der Winter, ein paar Gedanken über diese Jahreszeit, die nicht gerade meine Lieblingsjahreszeit ist. Dennoch hat sie gewisse Vorzüge, die ich im heurigen Winter entdeckt habe. Und es war ja wirklich ein richtiger Winter: erster Schnee im November, wochenlang dichter Raureif im Dezember, Frost, Eis und Schnee den ganzen Jänner. Direkt vor unseren Fenstern konnten wir diese Naturschauspiele bewundern. Wir machten aber auch trotz Kälte ausgedehnte Spaziergänge durch eine verzauberte, erstarrte Landschaft – vollkommene Stille, alles zur Ruhe gekommen. Und das überträgt sich dann auch auf dich. Winterzeit erlebte ich als Zeit des Rückzugs: in mich gehen, reflektieren, das vergangene Jahr abschließen, Platz schaffen für Neues, …

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Ich stellte fest, dass wir das Glück haben, dass unsere momentane Arbeit dem Rhythmus der Jahreszeiten angepasst ist. Wir hatten Ende November unseren letzten Workshop und starten jetzt Mitte Februar wieder mit dem ersten dieses Jahres, und die Straßenkunstsaison beginnt sowieso erst, wenn es wieder wärmer wird. Nicht dass es in dieser Zwischenzeit keine Arbeit gab, aber es war eine Arbeit, die genau der Jahreszeit entsprach: wir hielten Rückschau, überarbeiteten Dinge, erledigten die Buchhaltung – auch eine Art der Rückschau, planten für das neue Jahr, trainierten intensiv, nahmen und nehmen auch selbst wieder einmal Tango Privatstunden, und hatten auch den Freiraum, den es braucht, um einen kreativen Prozess in Gang zu bringen und ein neues Stück zu entwickeln. Aus einer Idee eine Geschichte zu machen, die wir tanzen können – das war wohl die schönste Arbeit des Winters und wir freuen uns schon darauf, damit auf die Straße zu gehen. Das Stück steht, die Kostüme sind in Arbeit, die Requisiten bestellt, jetzt geht es noch ans Ausfeilen und proben, proben, proben, … . Der Frühling kommt, lasst euch überraschen!

Andrea

 

Solo Tango – ein Traum wird wahr!

Solo Tango – ein Traum wird wahr!

Kennst du das Gefühl, das dir ganz klar sagt: wenn du das nicht machst, wirst du es irgendwann bereuen! Ich erinnere mich genau an einen Abend im September 2015, als diese Erkenntnis sich wie aus dem Nichts ganz deutlich in mein Bewusstsein drängte. Wir hatten uns einen ruhigen Abend in der Therme Bad Gleichenberg gegönnt, aber wie so oft, wenn mein Körper zur Ruhe kommt, galoppieren meine Gedanken umso schneller. So ist mir eine Idee, die wir gemeinsam schon vor Monaten geboren, aber nicht weiterverfolgt hatten, wieder in den Sinn gekommen: Einen neuen Zugang zum Tango zu entwickeln, Tango ohne PartnerIn in einer Gruppe zu tanzen. Und uns mit solch einem Workshop eine Einkommensmöglichkeit zu schaffen, die neben der Straßenkunst unsere Selbständigkeit ermöglicht. In diesem Augenblick war da eine absolute Gewissheit, dass dieses Neue, von dem ich selbst noch nicht ganz genau wusste, wie es sein wird, einfach großartig ist und realisiert werden muss. Ein seltener Moment, ganz ohne Zweifel, ein kostbares Gefühl! Und ein Auftrag, aktiv zu werden …

Ich erzählte Andrea davon, aber sie konnte mein Gefühl noch nicht nachempfinden, da sie noch kein Bild von diesem Workshop im Kopf hatte, doch sie ermutigte mich, dran zu bleiben. So schrieb ich meine Gedanken auf, machte eine Ideensammlung zu Solo Tango. Diese ersten Ideen waren eine Basis für das Konzept des Workshops. Dieses zu erstellen war dann aber die geistige und kreative Knochenarbeit, die uns lange Zeit beschäftigte. Von der Euphorie im ersten Moment der Erkenntnis war da manchmal gar nichts mehr zu spüren. Nun, das Konzept war fertig, der Workshop wurde erstmals abgehalten und ist gut angekommen. Wir haben Erfahrungen gesammelt, einiges überarbeitet, Neues hinzugefügt … der übliche Prozess eben. Wir haben KooperationspartnerInnen gesucht und sind dabei viele Umwege gegangen und vieles, was zuerst vielversprechend ausgesehen hat, führte doch zu keinem Abschluss. Aber, warum auch immer, wir sind weiter dran geblieben. Natürlich gab es oftmals Zweifel, aber es gab nie den Moment, an dem wir die Idee fallen lassen wollten.

Und in den letzten Wochen ist plötzlich alles ins Laufen gekommen. Neue Kontakte und Kooperationen haben sich ergeben, Interessenten für eine Kooperation sind von sich aus, ohne unser Zutun, auf uns zugekommen und die bevorstehenden Workshoptermine sind total gefragt! Wir bekommen Anrufe und Mails von Menschen, die wir persönlich gar nicht kennen und die begeistert sind von der Idee Solo Tango. Besonders überrascht hat uns, dass der Workshop sogar in Zürich bekannt geworden ist und eine Tangotänzerin extra mit dem Nachtzug nach Wien reisen wird, um an dem Tagesworkshop in Breitenfurt teilzunehmen! Sie schreibt uns, dass sie selbst nicht genau weiß, wie die Informationswege gelaufen sind, aber nun werdet  Ihr auch in Zürich weitergereicht und wer weiß was daraus entsteht:-)))… Hätte uns das eine/r prophezeit, wir hätten es nicht geglaubt!

Dass unser Traum wahr geworden ist und Solo Tango ein voller Erfolg wird, haben wir aber vor allem durch die Kooperation mit der GEA Akademie im Waldviertel erfahren! Der Kontakt besteht erst seit Ende Dezember und er war von Anfang an so, wie wir uns eine perfekte Kooperation vorstellen, mit klaren Bedingungen, einem respektvollen und prompten Mailkontakt und dazu noch voll Herzlichkeit und Humor! Mitte Jänner ist das firmeneigene Magazin brennstoff verschickt worden. Der Text, den die Redaktion darin über uns und unseren Workshop schreibt, ist einfach toll. Wir hätten uns und den Workshop nicht besser beschreiben können:

Tango Argentino – das ist leidenschaftliche Musik, elegante Körperhaltung, getanzter Dialog … Entstanden auf den Straßen von Buenos Aires, erzählt der Tango vom wahren Leben – von seinen Schicksalen, Sehnsüchten und (unerfüllten) Liebesgeschichten. Obwohl längst salonfähig geworden, zieht es Andrea Tieber und Sigrid Mark alias AdanzaS mit ihren Tango-Street-Perfomances gerne zurück auf die Straße. Das Künstlerinnenpaar wird euch, die ihr gerne Tango solo und ohne Partnerzwang erlernen wollt, an diesem Wochenende in ihre große Leidenschaft, den Tango Argentino verführen. Alleine einen Tango zu tanzen, das heißt Unabhängigkeit, heißt eins sein mit Musik, Raum und sich selbst. Eine starke Selbsterfahrung. … Ihr werdet mit dem Tangotanz die (seltene) Kunst, klar und respektvoll ohne Worte zu kommunizieren, kennenlernen. Vorkenntnisse braucht ihr dafür keine, eure Freude am Tanz und an der Bewegung genügen. Es könnte allerdings sein, dass sich eure Freude nach diesem Wochenende in eine lebenslange Leidenschaft zum Tango Argentino – solo oder together – verwandelt.

Und die größte Überraschung war dann eine Mail Anfang Februar mit der Information, dass der Maitermin in der GEA Akademie mit 20 Personen (!) bereits ausgebucht sei. Nun sind wir gerade dabei, für Sommer oder Herbst weitere Termine auszumachen! Wow!!! Unglaublich, und unsere Freude ist riesengroß!

Gar nicht mehr vorstellbar, wenn wir Solo Tango nicht realisiert hätten!!!

Sigrid

 

Infotext zum Workshop Solo Tango aus: brennstoff Nr. 47, Jänner 2017, GEA Verlag Wien

Berlin im Winter

Berlin im Winter

Eine Stadt zu unterschiedlichen Jahreszeiten zu erleben, finde ich äußerst spannend. Nachdem wir im letzten Mai ausgiebig den Frühsommer genossen hatten, sind wir jetzt im winterlichen Berlin auf Entdeckungsreise gegangen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt und einer recht hohen Luftfeuchtigkeit, mit der die Kälte schnell in die Kleider kriecht, sind wir auch diesmal viel zu Fuß unterwegs gewesen. Für uns ist dies einfach die beste Möglichkeit, um die Atmosphäre einer Stadt aufzuspüren! Und schon nach wenigen Schritten im Bezirk Schöneberg haben wir wahrgenommen, was Berlin im Winter so anders macht: Die meisten Straßen Berlins sind Alleen, gesäumt von Laubbäumen, die im Sommer Schatten spenden und die Stadt grün machen. Nun sind diese Bäume kahl und erst jetzt realisiert man, wie breit die Straßen eigentlich sind. Dieses Gefühl der Weite mitten in einer Stadt hatten wir im Sommer schon in den Parkanlagen genossen, nun zeigt es ich in beinah jeder Straße! Die kahlen Bäume geben jetzt auch den Blick frei, sodass die prachtvollen Hausfassaden der Altbauten sichtbar werden. In Schöneberg, wo wir ja selbst in einer wunderschönen Altbauwohnung zu Gast waren, und in Charlottenburg, das wir auch erwandert haben, gibt es sehr viele, wunderschön renovierte alte Häuser. Als dann am Sonntag die Wolkendecke aufriss und diese prachtvollen Bauten im Sonnenlicht erstrahlten, war das Flanieren gleich noch schöner!

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Nun, der Winter setzt uns Stadtwanderinnen aber auch seine Grenzen! Am Wittenbergplatz angekommen, wäre es fein gewesen, bei Witty’s wieder eine köstliche Currywurst und ein Bier, beides hier in Bio, einzunehmen, aber für eine Jause am Würstelstand war es uns doch zu kalt… So landeten wir im KaDeWe – dem Kaufhaus der Superlative! Mit seinen 60.000 m² ist das Kaufhaus des Westens angeblich das größte Kaufhaus auf dem europäischen Kontinent. 80.000 Menschen sollen hier täglich aus- und eingehen, und die angebotenen Waren sind durchwegs edel, fein und teuer. Wir sind aber gar nicht zum Shoppen gekommen, sondern wollten in die Feinschmeckerabteilung im obersten Stockwerk. Hier gibt es alles an Köstlichkeiten, das man sich nur vorstellen kann: unzählige Käse- und Wurstspezialitäten, Champagner- und Weinbars, Restaurants und Gourmetstände in allen denkbaren Varianten: französische oder italienische Küche, bayrisch deftige Bratwürste, Fisch aus der Ostsee, Sushi, Grill oder einfache Hausmannskost. Wir haben uns für letztere entschieden und an einer der Kochinseln, um die herum die Gäste wie an einer Theke sitzen, eine kräftige Kartoffelsuppe gegessen, während unsere SitznachbarInnen riesige Portionen von Bratkartoffeln wahlweise mit Spiegelei oder überbacken mit Käse zu sich nahmen. Ich ließ den Blick schweifen und wollte schätzen, wie viele Personen sich an jenem Freitag Nachmittag auf dieser Etage befanden: mit einem Blick meinte ich mehr als hundert Menschen zu zählen, was hochgerechnet auf die ganze Fläche wohl eine BesucherInnenzahl von weit über tausend ergeben musste. 4087247892_d8bba572bb_bDas Publikum spiegelt eindeutig den Standort des KaDeWe im ehemaligen Westberlin wider – und doch ist die Stimmung nicht förmlich oder gespitzt, sondern bunt und lebendig. Im Mai wären wir nie auf die Idee bekommen, hier für ein Häppchen einzukehren, aber jetzt im Winter war es geradezu perfekt.

Gestärkt und aufgewärmt spazierten wir weiter und mittlerweile war es draußen dämmrig geworden. Da wir nicht weit entfernt vom Bahnhof Zoo waren, entschlossen wir uns statt weiter zu Fuß zu gehen, eine Stadtrundfahrt zu machen – und zwar mit einer öffentlichen Buslinie. Vom Bahnhof Zoo aus kann man nämlich mit der Buslinie 100 an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Berlins vorbei quer durch die Stadt fahren – und das zum Preis einer einfachen Fahrt! Da die meisten Busse dieser Linie Stockbusse sind, braucht es nur ein bisschen Glück, um den Logenplatz im ersten Stock zu erwischen – und wir hatten dieses Glück! So ging es im Abendlicht erst vorbei an der Gedächtniskirche und den Nordischen Botschaften mit ihrer interessanten modernen Architektur, weiter zum Großen Stern mit der Siegessäule mitten im Tiergarten, vorbei am Schloss Bellevue, dann beinahe im Schritttempo durch eine kleine Straße des Parks, die direkt am Haus der Kulturen der Welt und am Reichstagsgebäude mit seiner erleuchteten Glaskuppel vorbeiführt. Nach einem kurzen Weg durch das Regierungsviertel ging es auf den Prachtboulevard Unter den Linden mit Blick auf das Brandenburger Tor. Dann ist es kurzzeitig vorbei mit der schönen Pracht, denn Unter den Linden ist nach wie vor eine riesige Baustelle. Erst am Ende der Route, vorbei an der Museumsinsel und dem Berliner Dom bis hin zum Fernsehturm ist die Fahrt wieder Sightseeing pur. Am Alexanderplatz ist die Endstation der Linie 100. Für den Rückweg bieten sich die Buslinie 200 an, die unter anderem am Potsdamer Platz mit seinen modernen Gebäuden vorbeiführt, oder man nimmt die S-Bahn mit ihren prächtigen, alten Bahnhofshallen aus Glas und der schönen Aussicht auf die Spree. Das alles geht sich mit einem Stundenticket locker aus, wenn man ein Tagesticket hat, kann man natürlich wo immer man möchte, aussteigen und die Fahrt unterbrechen. So, jetzt habe ich doch glatt die Reiseleiterin gespielt und den Touristentipp weitergegeben, der ohnehin schon lange kein Geheimtipp mehr ist …

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Wer in diesem Winter in Berlin und vor allem im Bezirk Charlottenburg unterwegs ist, der kommt jedoch nicht umhin, am Breitscheidplatz vorbeizuschauen – jenem Platz vor der Gedächtniskirche, auf dem vor etwas mehr als einem Monat ein Terroranschlag stattgefunden hat. Zahlreiche Blumen und Kerzen markieren den Platz und wir sind betroffen dagestanden, weil diese unfassbaren Geschehnisse, die wir täglich in den Nachrichten hören, plötzlich so greifbar nahe sind. Ich ließ meinen Blick schweifen, vom Blumenmeer und den abgelegten Briefen hinauf zum markanten Anblick der Gedächtniskirche und dachte: Nun gibt es einen Grund mehr, warum sie diesen Namen trägt, denn dieses Ereignis hat sich wohl jetzt schon tief in das Gedächtnis der Stadt eingeprägt. Dann blickte ich mich um, der Verkehr rollte direkt vorbei, Menschen spazierten über den Kurfürstendamm, der hier beginnt. Keine zehn Meter entfernt stand ein Würstelstand, der mit einer kleinen Tafel KundInnen anlocken wollte: HAPPY HOUR 17.00 – 18.00 Uhr. Ob hier jemandem nach Happy Hour zumute ist, bezweifle ich! Aber mein Rundblick hat mir auch klar gemacht: Der Alltag, das Leben geht weiter seinen Lauf, trotz allem, was in unmittelbarer Nähe passiert ist. Und das nächste Frühjahr wird kommen, die Alleebäume werden ihr frisches Grün sprießen lassen und Berlin wird sich wieder verändern …

Sigrid